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FFM 34. Jg. (bis 1992 MFK)
Heft 4
Oktober-Dezember 1993 

Seiten 153-157
 


Thueringische Pastoren (XVI)
Johann Wilhelm Andreae (1642-1683)
Pastor an der Kaufmannskirche zu Erfurt
von Wolfgang Billing


Johann Wilhelm Andreae ist am 30.5.1642 in der St. Bonifatiuskirche von Zimmern-Infra, an der sein Vater als Pastor amtierte, getauft worden.   Ueber seine Eltern Conrad Andreae und Juditha Fischer und beider Vorfahren hat der Verfasser ausfuehrlich berichtet (1).   Ueber einige seiner Lebensdaten gibt der 1684 gedruckte *Seligvollbrachte Lebens-Wandel* Auskunft (2).
Johann Wilhelm war gerade fuenf Jahre alt, als sein Vater ploetzlich starb, so dass seine Mutter die Erziehung ihrer drei unmuendigen Kinder zunaechst allein und nach erneuter Eheschliessung 1650 zusammen mit dem Stiefvater Hermann Muldener uebernehmen musste.   Johann Wilhelm hat spaeter berichtet, dass dieser Stiefvater ihn wie ein leiblicher Vater geliebt, fuer ihn treu gesorgt und zur Kirche und Schule fleissig angehalten habe.   Er besuchte zunaechst die Knabenschule in Soemmerda, der etwa 20 Jahre zuvor sein Vater als Rektor vorgestanden hatte (3).  Hier erhielt er erste Unterweisung durch den Rektor Rudolf Gottfried Henne (4) und seinen spaeteren Schwager Johann Heinrich Wentzel (5).  1657 wechselte er auf das sehr renommierte Erfurter Gymnasium Senatorium, das unter dem Rektorat des frueheren Augustiner-Pastors M. Zacharias Hogel stand (6).  Nach siebenjaehriger Gymnasialzeit wurde Johann Wilhelm Andreae mit Consens aller Professoren und Genehmigung der Herren Inspektoren *ad Lectiones Academicas promoviret*.
Schon 1658 war seine Kinderimmatrikulation an der Universitaet Erfurt erfolgt, nach Abschluss seiner Gymnasialzeit 1664 begann er sein Studium aber an der saechsischen Universitaet Jena (7), zunaechst das der Philosophie bei den Professoren M. Frischmuth, Weigel, Posner, Bosium, Bechmann und Goez, dann das der Theologie bei den Professoren Musaeus, Chemnitius, Gerhard und Niemann.  Nach zweijaehrigem Studium wurde Andreae von einer unbekannten heimtueckischen Krankheit befallen, weswegen ihn sein Stiefvater nach Soemmerda zuruechholen musste.  Erst nach einem halben Jahr war er gesundheitlich wieder so hergestellt, dass er seine Studien fortsetzen konnte.  Er liess sich jetzt in Erfurt immatrikulieren, hoerte hier bei M. Nicolaus Stenger, der Augsburgischen Konfession Professoris Publici, und hielt eine disputationem publicam de duplici hominis justificati justitia.  Im Jahre 1670 wurde er zum Schulkollegen der Barfuesserkirche angenommen, welches Amt er zwei Jahre verwaltete.  Unter dem Dekanat des Professors Samuel Bocci wurde er schliesslich am 30.11.1671 zum Magister promoviert. 

Am 1.12.1672 wurde Johann Wilhelm Andreae nach Wahl des Rates der Stadt Erfurt as Adjunct des erblindeten Diaconus M. Johann Christoph Alberti an die Kaufmannskirche berufen und hier ordiniert.  Nach dem Tod M. Nicolaus Stengers (8),  seines frueheren Lehrers, wurde Andreae am 2.5.1680 ordentlicher Pastor zu den Kaufmaennern (9).  Er bewohnte das Pfarrhaus, das noerdlich der Kirche stand, aber neuerer Strassenfuehrung inzwischen weichen musste.  Andreae war Verfasser verschiedener disputationes, so *de angelis*, *de subsistentia* und *feu hypostati* (10) und mehrerer gedruckterer Leichenpredigten (11).
Noch als Diaconus hatte Johann Wilhelm Andreae am 27.10.1674 *mit oeffentlichem Kirchgang durch priesterliche Copulation in hiesiger Kaufmannskirchen* Martha Elisabeth, die Tochter des kurfuerstlichen Mainzischen Regierungs- und Kammerrats und Oberratsmeisters Erfurts Hieronymus Schorch und der Elisabeth Elsner geheiratet (12).  Schorch entstammte einer weitverzweigten Erfurter Familie (13), sein Schwiegervater war ein bedeutender Erfurter Theologe (14). Die Ehe Andreaes war mit vier Kindern gesegnet, von denen zwei sehr frueh wieder starben (15).
Andreae selbst hat kein hohes Alter erreicht.  Nach nur zweitaegigem Krankenlager und erst 41-jaehrig ist er, nachdem ihm vom herbeigerufenen M. Scheidemantel das Abendmahl gereicht worden war, und er selbst eine Anordnung zur Bestellung seines Begraebnisses gegeben und sich von seiner Eheliebsten verabschiedet hatte, am 21.8.1683 *unter Gebeth der Umbstehenden sanfft und selig verschieden* (16).  Begraben wurde er tagsdarauf, frueh zwischen 5 und 6 Uhr, unter der Kanzel, auf der er fast elf Jahre gepredigt hatte.  Auch seine Witwe fand hier 22 Jahre spaeter ihre letzte Ruhestaette: *Fr. Martha, Elisabetha Andreain, Wayl. Tit. Herr M. Joh. Wilh. Andreae gewesenen treuverdienten Pfarrers allhier zum Kaufmann hinterlassen Frau Eheliebste, in d. Kirche unter d. Kanzel, wo der Stock stehet, allwo ihr seeliger Eheherr begraben gewesen mit einer gehaltenen sehr volkreichen Predigt begraben.  Festo Ascensionis Christi, d. 21.5.1705*. 

Andreas Nachfolger an der Kaufmannskirche wurde M. Johann Fabian Hagen, der zuvor seit 1680 ebenfalls Substitut des erblindeten M. Alberti gewesen war (17). 

  Erfurt, Kaufmannskirche

  Erfurt, Kaufmannskirche, Kanzel von 1598 und Taufbecken von 1608

Ein auf der Nordempore befindliches Gemaelde zeigt das Portrait
Nicolaus Stengers und die aelteste authentische Ansicht der Kaufmannskirche (8).
 

Anmerkungen:

1.  Wolfgang Billig, Thueringische Pastoren XIV:  Conrad Andreae, 1637-1646 Pfarrer in Niederzimmern und 1645-1647 Diaconus an St. Bonifatius in Soemmerda, in: MFK 2/1992 -  Hier auch in Abbildung der Kirchenbuch-Taufeintrag mit den Schriftzuegen des Vaters.
2.  Sammlung Stolberg Nr. 23626.  Hier ist als Geburtsort Erfurt und als Taufort die dortige Augustinerkirche angegeben, was aber offensichtlich nicht stimmt. - Im 1684 gedruckten *Lebens-Wandel* wird kein Sterbejahr genannt, das sich aber aus der zitierten Lebenszeit eindeutig mit 1683 ergibt, das spaeter dennoch vielfach mit 1684 weitergegeben wurde.
3.  Abb. der Schule bei Billig, a.a.O., S. 243.
4.  Seit 3.9.1655 Pastor an der Kirche St. Petri et Pauli in Soemmerda.  Vergl. Schriftenreihe der Stiftung Stoye, Bd. 22, Martin Bauer, Evangelische Theologen in und um Erfurt im 16. und 18. Jahrhundert (Neustadt 1992), S. 183.
5.  *um 19.4.1628, +20.9.1707, ab 30.8.1660 Diaconus, 6.10.1675 Pastor an St. Petri et Pauli als Nachfolger Hennes. Er heiratete 6.6.1659 Susanne, die Schwester des Johann Wilhelm Andreae (vergl. Billig, a.a.O. Anm. 20 u. 26, und Bauer, a.a.O., S. 331).
6.  Hermann Goldmann, Die Schueler des Erfurter Ratsgymnasiums von 1655 bis 1820, in: Koenigliches Gymnasium in Erfurt, Beilage zum Jahresbericht 1913/14 (Erfurt 1914), S. 5, Nr. 125.
7.  Matrikel Jena:  Anreae Joh. Wilh. Macro-Soemmerdanus.
8.  *31.8.1609, +5.4.1680, 1635 Diaconus und ab 1638 Pastor der Kaufmannskirche. Vergl. Bauer, a.a.O., S. 301/2.
9.  Kaufmannskirche (ecclesia mercatorum), genanny nach den in ihrem Pfarrbezirk vorwiegend ansaessigen Grosskaufleuten und Fernhaendlern.   Urkundlich erste Erwaehnung um die Mitte des 13. Jahrhunderts.  Errichtung der dreischiffigen Basilika mit 5/8-Chor zwischen den Osttuermen nach dem Brand von 1291, dem der gesamte Suedteil der Stadt zum Opfer gefallen war.  Die Flachdecke erst im 17. Jahrhundert. - Bedeutsam die zwischen 1584 und 1625 von der Erfurter Kuenstlerfamilie Fridemann geschaffenen Renaissance-Bildwerke Altar, Kanzel und Taufstein, die Andreae alle benutzt hat. - Die Barockhaube des Suedturms von 1684 und den Einbau des Prospektes der 1686 neuerrichteten Orgel mit ihrem ueppigen barocken Schnitzwerk hat Andreae nicht mehr erlebt.
10.  Christian Gottlieb Joecher, Allgemeines Lexicon ... (Nachdruck Hildesheim 1960), Sp. 389 - Hier aber Erfurt als falsche Heimatstadt und 1684 als falsches Todesjahr.
11.  Stadtarchiv Erfurt, Sig. Eh 702: LP auf Anna Christina Gerstenberger geb. Stenger +19.11.1673.  LP auf Maria Hallenhorst geb. Brand, +1.12.1680.  LP auf Barbara Utzberg geb. Brand, +1.12.1682.
12.  KB und LP geben dieses Datum 27.10.1674 an.  Das KB St. Bonifatius Soemmerda, also am Amtssitz seines Vaters, aber in Sp. 134: *Anno 1672, den 21.8br. ist. H.M. Joh. Wilh. Andreae, Ecclesiae Mercatoriu Erf. Substitutus Diaconus, n.d. er hier 3. mahl proclamiret, mit Jfr. Elisabetha Schorchs In Kauffm. Kirchen in Eerfurt copulieret worden*.
13.  1. Schorch Martha Elisabeth,
          *Erfurt (Kaufm.) 23.12.1657,
           begr. das. 21.5.1705,
          oo das. 27.10.1674 Johann Wilhelm Andrea.
       2. Schorch Hyronymus, Kurfuerstl. Mainzischer Regierungs- und Kammerrat, Oberratsmeister in Erfurt, beteiligt an den Wirren der Reduktion, 1666 Haus zur goldenen Rose, Wappen im goldenen Buch der Stadt Erfurt, LP Stolperg 20487.  (Ueber ihn und seine Herkunft wird Verf. in einem Folgeheft der Familienkunde in Mitteldeutschland gesondert berichten).
         *Erfurt 28.10.1617,
         begr. das (Kaufm.) 3.9.1683 (peste),
         oo I 12.2.1639 Martha Birnstiel, begr. 27.10.1650, 3 Kinder.
         oo III 27.12.1676 Ursula Wagner verw. Alberti, keine K.,
        oo II Erfurt (Kaufm.) 7.10.1651.
       3. Elsner Elisabeth,
          *Erfurt (Barf.) 23.9.1627,
          begr. Erfurt (Kaufm.) 8.8.1669,
         Tochter des Bartholomaeus E., siehe Anm. 14.
14.  Bartholomeus Elsner, *Erfurt 1596, +16.1.1662, 1624 Diaconus und 1639 Pastor an der Erfurter Barfuesserkirche, 1632 Professor, 1633 Dr.theol., 1642 Senior des Evangelischen Ministeriums, 1646/48 Rektor der Universitaet. Vergl. W. Billig, Thueringische Pastoren I: Bartholomaeus Elsner, in: MFK 4/1979.
15.  1.  Anna Elisabeth, get.  13.1.1676 (Patin Jgf. Anna Maria Schorch), + bald.
       2.  Johann Hieronymus, get. 10.3.1680 (Pate Johannes Schorch), + bald.
       3.  Martha Juditha, get. 21.4.1681 (Patin Jgf. Martha Wagnerin),
            +17.3.1754, oo 24.10.1699 Johann Samuel Tromsdorf,
            * 22.9.1676, +13.4.1713.  (Vgl. Wolfgang Billig, Thueringische Pastoren VI: Johann Samuel Tromsdorf,
            1699-1713 Pfarrer an St. Andreas zu Erfurt, in: MFK 3/1984, S. 553 ff).
       4.  Wilhelm Hieronymus, get. 9.8.1683 (zwei Wochen vor des Vaters Tod), imm. Jena 23.10.1703, cand. med., dann
Ratsherr, 1718 Ob. Zweiermann, begr. 18.4.1718 (LP Stolberg 3812), oo Erfurt (Kaufm.) 22.9.1705 Ursula Maria Schorch, T.d. Johann Schorch, Buergermeister (LP Stolberg 20485, vgl. Bauer, Erfurter Ratsherren u. ihre Familien im 17. Jahrhundert (Schriftenreihe der Stiftung Stoye, Bd. 19, 1989), S. 121/2.
16.  Er starb nur zwei Wochen vor seinem Schwiegervater und wie dieser an der Pest. - Dem 1684 von Johann Georg Hertz in Erfurt gedruckten *Selig vollbrachten Lebens-Wandel* haben folgende Goenner und Freunde Nachrufe beigefuegt.:
Dr. theol. Johann Balthasar Haberkorn, Prof., Senior (= Superintendent) des Ministeriums und Pastor Praedicatorum.
Johann Valentin Friese, Stadtsyndicus,
Johann Christoph Schlegel, Kantor u. Schulkollege der Kaufmannschule,
M. Zacharias Hogel, Gymnasii Senatorii Rector,
M. Friedrich Wilhelm Foerster, Gymnasii Senatorii Professor,
M. Johann Fabian Hagen, Nachfolger des seligen Herrn Pastors,
Johann Melchior Cummer, Diaconus der Andreasgemeinde,
M. Johann Laurentius Pfeiffer, Diaconus der Barfuessergemeinde,
Johann Gloerfeld, Pastor der Reglergemeinde,
M. Joh. Melchior Schellenberger, electus (erwaehlter) Pastor (St.) Thomae,
Johann Georg Saccus, Diaconus der Predigergemeinde,
Simon Hoe, Diaconus der Michaelisgemeinde und Gymnasii Senatorii Professor,
Karl Hermann, Bibliotheca Erfurtina (Erfurt 1863), nennt diese Leichenpredigt unter Nr. 5 auf S. 376 und zitiert: *10 Bl. Lebenslauf mit Bildnis*.  Dieses Bildnis haengt aber leider keiner LP der Sammlungen Stolberg, im Stadt- und Domarchiv Erfurt, der Forschungsbibliothek Gotha, in Braunschweig und Goettingen an..
17.  Johann Christoph Olearius, Rerum Thiringicarum Syntagma, Allerhand denckwuerdige Thueringische Historien und Chronicken, 1. Teil (Erfurt 1704), S. 34/35.

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