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Geschichte Bayerns vom 6. Jahrhundert bis 1949.

Bayern (Herzogtum, Koenigreich)

Die Bayern werden erstmals um die Mitte des 6. Jahrhunderts bei Jordanes (Getica 
c. 55 Baibari) erwaehnt. Sie setzen sich vor allem aus Germanen boehmischer, westlicher und oestlicher Herkunft sowie Romanen zusammen, wobei -nach neuester Ansicht den Alemannen besonderes Gewicht zukommt, aber -die aus Boehmen stammenden Einwanderer namengebend wurden (Boio-varii, Baju-warii) und der neue Stamm im Gebiet der roemischen Provinz Noricum ripense und im Flachland der Raetia secunda im wesentlichen zu Beginn des 6. Jahrhunderts entstand. 

An seiner Spitze stehen die seit dem Tode Theoderichs des Grossen (626) von dem Merowingerkoenig Theudebald eingesetzten und von den Franken abhaengigen (fraenkischen?, burgundischen?) Agilolfinger (Garibald I. 550-90, Sitz in Regensburg), von denen nach dem Aufbau eines Koenigreichs (regnum) Tassilo III. 788 von Karl dem Grossen abgesetzt wurde. Der Siedlungsraum reichte vom Lech bis zur Enns und von Premberg (Burgenfeld/Nabburg bis zu den Alpen (Bozen). Das Recht des zu Beginn des 8. Jahrhunderts christianisierten Stamms wurde in der Lex Baiwariorum aufgezeichnet (vor 743). Am Ende der Karolingerzeit erscheint erneut ein Herzog der bis zur Raab und bis Friaul, Istrien und Dalmation ausgreifenden Bayern (rex in regno Teutonicorum Arnulff 907-937, Sohn des Markgrafen Luitpold). 

Otto I. entsetzte 947 die Familie der Luitpoldinger des Herzogstums und uebertrug es mit Friaul seinem mit der Luitpolderingerin Judith verheirateten Bruders Heinrich. Unter dessen Sohn Heinrich (II.) dem Zaenker erhielt Bayern seine groesste Ausdehnung (952 Marktgrafschaft Verona, Marken Krain und Istrien bis 976). Otto II. setzte aber Heinrich den Zaenker 976 ab und trennte die bayerische Ostmark, den Nordgau und Kaernten mit den italienischen Marken von Bayern, das Heinrich 985 wieder erhielt, ab. Unter den Saliern wurde Bayern meist an Familienmitglieder gegeben, von 1070-1139 an die Welfen (1070 Welf I., 1101 Welf II., 1120 Heinrich der Schwarze, 1126 Heinrich der Stolze, der zugleich Sachsen erbte), 1139 an die Babenberger und 1156-80 unter Abtrennung der den Babenbergern verbleibenden Mark an der Donau (Ostmark, Herzogtum Oesterreich) erneut an die Welfen (Heinrich den Loewen). 1180 gelangte mit der Absetzung Heinrich des Loewens das noch um Oberoesterreich, Traungau und Steiermark verkleinerte bayerische Herzogtum an Otto von Wittelsbach, einem Nachkommen der seit der Mitte des 11. Jahrhunderts urkundlich nachweisbaren Grafen von Scheyern (-Wittelsbach), welche seit etwa 1120 das bayerische Pfalzgrafenamt innehatten. Die mit der Belehnung durch das Herzogtum Bayern neu begruendete Dynastie der Wittelsbacher, die eine straffe Verwaltung in Bayern ausbildete (34 Landgerichte bzw. Pflegeaemter), wurde rasch in Auseinandersetzungen mit den bayerischen Grossen verstrickt. 

Stadt und Hochstift Regensburg loesten sich ebenso wie das Erzstift Salzburg vom Herzogtum. Landesfuersten wurden auch die Bischoefe von Bamberg, Brixeen, Freisung und Passau sowie die Grafen von Tirol und die Landgrafen von Leuchtenberg. Umgekehrt erhielt der Herzog 1208 die Bestaetigung der Erblichkeit des Herzogtums und die Reichslehen des Pfalzgrafen Otto VIII. und des Andechser Grafen Heinrich von Istrien, 1214 die Belehnung mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein und etwa gleichzeitig weitere Gueter (u.a. Aibling). 1240 erlangte er die vordem freisingische Stadt Muenchen. 1242 beerbte er die Grafen von Bogen, 1248 die Grafen von Andechs und die aelteren Grafen von Ortenburg und vertrieb den letzten Grafen von Wasserburg. 1254/55 wurde Bayern dann in einen kleineren westlichen Teil ("Oberbayern"), zu dem der Nordgau und die Pfalzgrafschaft bei Rhein sowie die Kurwuerden kamen, und einen groesseren oestlichen Teil ("Niederbayern" zwischen Reichenhall, Cham, Freising und Landshut) geteilt. 1268 erhielt es das konradinische Erbe in der Oberpfalz und am Lech (Landsberg), was besonders Oberbayern zugute kam. 

1289 verlor Bayern die Kurwuerde an Boehmen. 1294 wurde die Pfalz von Oberbayern geloest. 1314 wurde Ludwig IV (von Oberbayern) zum deutschen Koenig gewaehlt (1328 Kaiser). Er verlieh 1323 seinem Sohn Ludwig V. die durch das Aussterben der Askanier erledigte Mark Brandenburg. 1340 erlosch die 1331 dreigeteilte niederbayerische Linie. Ihre Gueter fielen an Oberbayern, fuer welches Kaiser Ludwig 1335/1346 ein Landrecht erliess, zurueck. Schon 1329 hatte Ludwig selbst im Hausvertrag von Pavia den Soehnen seines Bruders die Rheinpfalz und einen Teil des Nordgau, die Oberpfalz, abgetreten (einschliesslich der Kurwuerde). Gegen Ludwig des Bayern Plaene teilten dann seine sechs Soehne 1349/51/53 Bayern und weitere hinzuerworbene Gueter (1346-1433 Grafschaften Holland, Seeland, Friesland, Hennegau, ausserdem Tirol (1342-1363)) auf. Ludwig V. (Bayern-Muenchen) erhielt Oberbayern mit Tirol, Ludwig IV. und Otto V. gemeinsam die Mark Brandenburg. Stephan II. fast ganz Niederbayern. Wilhelm I. und Albrecht I. das Gebiet um Straubing (Bayern-Straubing) sowie die Niederlande. Hiervon fiel 1363 Oberbayern an Stephan II. von Niederbayern, der aber 1369 Tirol an Habsburg abtreten musste. Brandenburg musste 1373 an Karl IV. abgegeben werden. 

1392 wurde Bayern zum drittenmal geteilt. Herzog Johann II. erhielt den suedwestlichen Teil Oberbayerns (Bayern-Muenchen). Herzog Friedrich Niederbayern (Bayern-Landshut), Herzog Stephan III. Streubesitz an der oberen Donau und im Alpenvorland (Bayern-Ingolstadt). 1425 erloschen die in der zweiten Teilung 1349 ff. entstandene Straubinger Linie im Mannesstamm. Nach dem Pressburger Schied von 1429 fiel das 1425 rasch vom Kaiser an Habsburg verliehene Straubinger Land zur Haelfte an die beiden Muenchener Herzoege (Bayern-Muenchen) und zu je einem Viertel an Bayern-Landshut und Bayern-Ingolstadt. 1433 musste die Herrschaft ueber die Niederlande an den Herzog von Burgund abgetreten werden. 1445/7 starb mit Ludwig dem Buckligen die Linie Bayern-Ingolstadt aus. Ihre Gueter fielen an Heinrich XVI. von Bayern-Landshut, der nunmehr zwei Drittel Bayerns beherrschte und dessen Nachfolger Ludwig der Reiche 1472 die Universitaet Ingolstadt gruendete. 1450 trat Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut im Erdinger Vertrag seinem Muenchener Vetter einen kleinen Teil des Erbes ab. Gleichzeitig gewann Bayern-Landshut Donauwoerth und die Herrschaften Heidenheim, Heideck, Wemding und Weissenborn. 1485 zog Albrecht IV. von Bayern-Muenchen die Grafschaft Abensberg ein, 1487 unterstellte sich die verschuldete Reichsstadt Regensburg seiner Landeshoheit. Am 1.12.1503 starb die Linie Muenchen-Landshut mit Georg dem Reichen in maennlicher Linie aus. Zwischen dem mit der Georgstochter Elisabeth verheirateten Ruprecht von der Pfalz und Albrecht IV. von Bayern- Muenchen kam es zum Erbfolgekrieg, da Georg Elisabeth zur Erbin eingesetzt hatte, obwohl nach dem Teilungsvertrag von 1392 und dem Erdinger Vertrag von 1450 beim Aussterben der Linie Bayern-Landshut, Bayern-Muenchen das Erbe erhalten sollte. Gegen das Versprechen von Gebietsabtretungen erhielt Albrecht IV. die Unterstuetzung Koenig Maximilians. 

Im Koelner Schied Maximilians vom 30.6.1505 wurde das Landshuter Erbe dann dem Muenchner Gebiet zugefuegt. Albrecht IV. musste aber 1505 verstreute Gebiete zwischen Fichtelgebirge und oberer Donau (Neuburg, Hilpoltstein, Burglengenfeld, Sulzbach) zur Bildung des fuer die Kinder Rupechts geschaffenen Fuerstentums der "Jungen Pfalz" (Pfalz-Neuburg) sowie andere Gueter an den Kaiser (Gerichte Kufstein, Rattenberg, Kitzbuehel, das Zillertal sowie Kirchberg, Weissenhorn, Heideck und Wemding), an die Reichsstadt Nuernberg (Altdorf, Hersbruck) und an Wuerttemberg (Heidenheim) abtreten. 1506 wurde ein Primogeniturgesetz in Kraft gesetzt, das die Einheit des Landes sichern sollte. Dieses so gefestigte Land erhielt 1516 eine Landesordnung. 1518 ein reformiertes Landrecht. 1520 eine Gerichtsordnung und 1616 durch Herzog Maximilian (1597-1651) erneut ein Landrecht. 1623 gewann der Herzog den Kurfuerstenstand. 1607 Donauwoerth, 1616 Mindelheim und 1628 die Oberpfalz. Maximilian II. Emanuel wurde 1691 Statthalter der spanischen Niederlande, verlor aber 1704-1714 Bayern an Oesterreich. Karl VII. Albrecht erhielt 1742 die Kaiserkrone und erwarb 1734 und 1740 die Herrschaften Hohenwaldeck, Wartenberg, Suelzburg und Pyrbaum. Unter Maximilian III. Joseph oeffnete sich Bayern der Aufklaerung. 1758 stiftete er auf Betreiben Ickstatts und Loris die Akademie der Wissenschaften in Muenchen. Zugleich wurde durch Ickstatt die voellig zersplitterte Staatsverwaltung neu organisiert und durch Kreittmayr das bayerische Recht kodifiziert (Codex Juris Bavarici Criminalis 7.10.1751, Codex Juris Bavarici Civilis 2.1.1756). 1777 starben die bayerischen Wittelsbacher aus und wurden durch die wittelsbachpfaelzischen Kurfuersten (Karl Theodor) beerbt, so dass -abgesehen von Pfalz-Zweibruecken-Birkenfeld- erstmals seit 1329 die getrennten wittelsbachischen Lande (einschliesslich Pfalz, Juelich, Berg, Pfalz-Neuburg, Pfalz-Sulzbach) wieder vereinigt wurden.

1779 ging das bayerische Innenviertel an Oesterreich verloren, 1797/1801 das linksrheinische Gebiet an Frankreich. Beim Tod des kinderlosen Karl Theodor gelangte Maximilian IV. Josef von der Linie Pfalz-Zweibruecken- Birkenfeld an die Herrschaft und vereinigte so die gesamten wittelsbachischen Lande. Maximilian IV. Joseph (1799-1825), seit 1806 Koenig Maximilian I., und sein Minister Freiherr Maximilian Joseph von Moteglas (1799-1817) schufen dann den modernen Staat Bayern. 1801 umfasste das Herzogtum Bayern mit den Reichsgrafschaften Valley, Hals bei Passau, Cham und Hohenschwangau sowie der Reichspflege Woerth 590 Quadratmeilen mit 880000 Einwohnern. 1803 gewann Bayern durch Paragraph 2 des Reichsdeputationshauptschlusses als Entschaedigung fuer die linksrheinischen Gueter (Rheinpfalz, Zweibruecken, Simmern, Juelich, Lautern, Veldenz, Berg op Zoom, Ravenstein) in Franken die Hochstifte Wuerzburg und Bamberg sowie die Reichsstaedte Rothenburg, Weissenburg, Windsheim und Schweinfurt, die Abteien Waldsassen und Ebrach, die Reichsdoerfer Gochsheim und Sennfeld sowie aus dem Hochstift Eichstaett die Aemter Sandsee, Wernfels/Spalt, Abenberg, Arberg/Ornbau und Wahrberg (Vahrnberg)/Herrieden, in Schwaben das Hochstift Augsburg, eine Reihe von Kloestern (Kempten, Irsee, Wengen, Soeflingen, Elchingen, Ursberg, Roggenburg, Wettenhausen, Ottobeuren, Kaisheim, Sankt Ulrich und Afra in Augsburg) und die Reichsstaedte Dinkelsbuehl, Kaufbeuren, Kempten, Memmingen, Noerdlingen, Ulm, Bopfingen, Buchhorn, Wangen, Leutkirch sowie vor allem in Altbayern selbst die Hochstifte Freising und Passau diesseits von Inn und Ilz. Die rechtsrheinische Pfalz kam aber an Baden. 

1805 erlangte Bayern in den Vertraegen von Bruenn und Pressburg die Reichsstadt Augsburg, die Markgrafschaft Burgau, habsburgische Gueter in Oberschwaben, Vorarlberg, Passau, Eichstaett und Tirol mit Brixen und Trient (im Austausch gegen Wuerzburg). Am 1.1. 1806 stieg es zum Koenigsreich auf. Nach dem Beitritt zum Rheinbund am 12.7.1806 gewann es Ansbach (im Austausch gegen Berg) und zahlreiche kleine Herrschaften, die Reichsstadt Nuernberg sowie Gebiete des Deutschen Ordens. 1809/1810 erlangte es auf Kosten Oesterreichs das Innenviertel und das Hausruckviertel, Salzburg und Berchtesgaden, ausserdem Bayreuth und Regensburg, musste aber Suedtirol an Italien und einen Teil Mainfrankens an das Grossherzogtum Wuerzburg abgeben. Ein Vertrag mit Wuerttemberg liess im Westen die Iller zur Grenze werden und Ulm an Wuerttemberg uebergehen. 1815/16 (14.4.1816) musste Bayern jedoch Tirol, Vorarlberg, Salzburg, das Innenviertel und das Hausruckviertel an Oesterreich zurueckgeben, erhielt aber seinerseits das Maingebiet von Wuerzburg bis Aschaffenburg und dazu die linksrheinische Pfalz zurueck. Die verschiedenen verbliebenen Gebiete wurden unter dem leitenden Minister Monteglas zu einer straff verwalteten Einheit vereinigt, welche am 10.6.1815 als drittgroesster Staat widerstrebend dem Deutschen Bund beitrat, 1808/18 eine Konstitution bzw. Verfassung und 1813 ein einheitliches modernes Strafrecht (Kriminalgesetzbuch) erhielt und die Universitaeten Bamberg, Altdorf, Dillingen, Innsbruck und Salzburg aufhob. 

Alleiniger Mittelpunkt wurde Muenchen, das 1826 auch die 1800 schon von Ingolstadt nach Landshut verlegte Universitaet gewann. 1837 wurde das Land neu in sieben Regierungsbezirke (Schwaben, Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken) gegliedert, zu denen noch die Pfalz als achter Regierungsbezirk trat. Durch preussisches Gesetz vom 24.12.1866 wurde das bisherige bayerische Bezirksamt Gersfeld, das aus Orten der frueheren Herrschaft Gersfeld und der ehemals fuldischen Aemter Weyhers, Bieberstein und Oberamt Fulda bestand, und der bisher bayerische Landgerichtsbezirk Orb mit Orten, die 1815 aus dem Grossherzogtum Frankfurt an Bayern gelangt waren, mit Preussen vereinigt. Am 20./23.11.1870 schloss Bayern als letzter sueddeutscher Staat in Versailles den Vertrag ueber den Eintritt in das Deutsche Reich ab, bei dem es nach der Verfassung von 1817 als Reservatrechte eigene Diplomatie, Post, Eisenbahn, Bier- und Branntweinsteuer sowie beschraenkte Wehrhoheit behielt. Im November 1918 rief der Fuehrer der Unabhaengigen Sozialdemokratie Eisner in Bayern die Republik aus. Koenig Ludwig III. ging ausser Landes, verweigerte aber jedoch Abdankung. Gleichwohl wandelte sich das Koenigreich zum Freistaat (Verfassung vom 12./19.8.1919).

Aufgrund der neuen Verfassung verlor Bayern im Deutschen Reich fast alle Sonderrechte. Am 1.7.1920 wurde Sachsen-Coburg mit Bayern vereinigt. Am 9.3.1933 wurde die Regierung des Ministerpraesidenten Held (Bayerische Volkspartei) durch die Nationalsozialisten verdraengt. 1934 verlor Bayern seine Eigenstaatlichkeit und wurde Gebietskoerperschaft des Reiches. 1945 kam es zur amerikanischen Besatzungszone, doch wurden Lindau und die Pfalz der franzoesischen Besatzungszone zugeteilt. Umgekehrt kam das zuvor thueringische Ostheim zu Bayern. Die Pfalz wurde von Bayern getrennt und 1946 dem Land Rheinland-Pfalz eingegliedert. Lindau kam 1956 zu Bayern zurueck. Am 1.12.1946 erhielt Bayern eine neue Verfassung. 1949 lehnte der Landtag Bayern das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wegen unzureichender Beruecksichtigung bayerischer Sonerrechte ab, doch wurde Bayern Land der Bundesrepublik Deutschland.

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