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Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Bd. XI, H. 12 (1963), 
S. 281 - 284
 


Dengler aus Sulz
von Gerd Wunder


In Sulz an der Eck (bei Wildberg) beherrschen in der Kirchenbuchzeit vor allem zwei Familiennamen das Bevölkerungsbild, die Dengler und die Röhm. Die Realteilung bringt es mit sich,.daß die meisten Familienmitglieder als Erben kleiner Teilgrundstücke im Dorf bleiben oder, wenn sie herausgeheiratet haben, noch Besitz dort haben und weiter vererben. Schon bei Beginn der Kirchenbücher sind die Dengler so zahlreich, daß es ohne andere Quellen aussichtslos erscheint, sie genealogisch zusammenzuordnen. Diese anderen Ouellen liegen aber zum G1ück in Lagerbüchern und vor allem in zwei Leibeigenenverzeichnissen vor. Die letzteren mit ihren genauen Angaben über Mütter und Kinder lassen es besonders schmerzlich erscheinen, daß der Unverstand des 19. Jhdt. aus mißverstandener Deutung des Wortes "Leibeigenschaft" (das ja bei uns praktisch nicht mehr als eine Verpflichtung zur Personalsteuer bedeutet) diese unersetzlichen Quellen größtenteils vernichtet hat. 

Unter den Leibeigenen des Amts Wildberg im Jahre 1552(1) werden zwei Familien Dengler aufgeführt, Gerg und Hans. Margarete, Gerg Tenglers Weyb, steuert eine Henne und hat folgende Kinder: Hans, Michel, Gerg, Anna (Steffan Remen Weyb), Margarete (Hans Weyshars zu Kuppingen verlassene Witwe); Gertraud (Lienhard Schneiders von Gechingen Weyb), Dorothee (Friedrich Haiden von Calw Weib) und Apollonia (Hans Wernhers von Eningen Weib). Der jüngere Georg Denngler ist im Leibeigenenbuch von 1586/92(2) als 70jähriger Bewohner von Obersulz genannt, also gehören die Kinder des älteren Georg der Generation von 1510/25 an. Jerg Tengler hat 1528 als Träger inne: "ain Hove, genannt Reschenhof(3), außerdem 1535 das Hagenapfelslehen(4); er ist 1516/53 nachzuweisen, 1528 einer von der geschworenen Gemeind(3) und 1552 der älteste des Gerichts(5). Auch sein Vater läßt sich nachweisen, denn 1535 besteht in Wildberg ein Jahrtag für Michell Tenngler zu Sulz, und "das Hauptgut hat inne Jerg Tengler sein Son(4); da der Jahrtag dieser Zeit nit mer begangen wird, ist es der Erben Meinung, die 16 Schilling Gült zu einem Almosen zu verordnen". Von Georgs Kindern ist Dorothee (Heyd) eine Ahne von Hölderlin, Hegel, Steeb, Laiblin u. a.; doch ergibt die Altersberechnung, daß Barbara (1578 - 1645), die 1593 Georg Vischer heiratete, nicht ihre Tochter, sondern nur ihre Enkelin sein kann. Von den Söhnen des älteren Georg begegnet uns Hans (Hensin) 1536/66 auf dem Zaignerslehen, verheiratet mit Anna Schneider (seine Söhne sind Georg, der 1564 nach Wildberg heiratete, Hans genannt der Hensishans, verheiratet 1566 mit Barbara Mornhinweg, Lenzin, verheiratet 1567 mit Margarete Schneider, Jakob, genannt der Hensisjakob, auf dem Reschenhof, verheiratet 1578 mit Agnes Mornhinweg. Zu den Kindern des Hensishans gehören Georg, * 1571, genannt Hensishansenjörg, ein Vorfahr von Auguste Supper(6), und Hans, * 1581, ein Bäcker, genannt Hensishansenhansele(7). Der Sohn des Lenzin, Hans * 1572, heißt Lenzishans, während der Sohn des Hensisjakob, Hans * 1590, der Großhans ist. Der zweite Sohn des alten Georg, Michel, genannt 1545/66, war mit Katharine Renz(8) verheiratet; seine Töchter sind Katharine
(* ca. 1541, oo Hans Rem), Sara (* ca. 1551, oo Hans Haagen) und Margarete (* ca. 1556, oo Werner Mornhinweg). Der dritte, Georg der Junge, ist 1545/92 nachgewiesen, verheiratet mit Barbara und dann mit Christine Pfost aus Gültlingen; aus 1. Ehe stammen Hans (* um 1549, genannt Jörgenhans, oo 1569 mit Magdalena Rotfelder, dessen Söhne jung Hans, * 1570, oo Anna, und Georg, * 1572, gen. Männlin, oo Agnes) sowie Michel (* 1551), aus zweiter Margarete (* ca. 1555, oo Hans Roller, Schönbronn), Kaspar (* ca. 1558, oo 1585 Marg. Kirchherr aus Holzbronn), Magdalena (* ca. 1558, oo Hans Roller, Haugstett), Dorothee (* ca. 1559, oo Hans Brenner, Walddorf), Christine
(* 1569) und Georg (* 1574).

Als Brüder des älteren Georg könnte man vielleicht auch Michel Dengler in Bulach und Hans in·Wildberg vermuten; sicher sein Bruder ist der 1525/58 in Sulz nachgewiesene Joß Dengler, dessen Kinder Michel (1563/83, oo Barbara Rhem) und Margarete (oo Jakob Rehm)(7) sind. Das letztere Ehepaar erscheint im Sindelfinger Familienbuch als Stammelternpaar der Sindelfinger Röhm(9). Es mag hier angemerkt werden, daß Jakob Rehm 1560/85 auf dem Briegelshof saß und vor 1583 Schultheiß war; aus den Besitzangaben der Lagerbücher ergibt sich, daß seine Eltern Hans Rehm (+ vor 1551) und Anna, sein Großvater Jerg Rem auf dem Briegelshof (1523/28, im Gericht 1528) und dessen Vater Peter Rem auf dem Briegelshof in Untersulz (1496) waren. Der Name dürfte eher von Remigius als von Romuald abzuleiten sein.

Der zweite Dengler, dessen Familie uns das Leibeigenenbuch von 1552 nennt, scheint eine Generation älter als Georg zu sein, war also vielleicht ein jüngerer Bruder des vor 1534 verstorbenen Michel. Anna, Hans Tenglers Weyb, war 1552 bereits tot(1) und hatte folgende Kinder: Angnes (oo Jakob Kreydler, Alten-Altheim), Margarete (oo Simon Lörin, Ostelsheim), Anna (oo Matthes Miller, Gültlingen), Afra (oo Hans Widmann, Gültlingen), Lentzin und Albrecht in Sulz, Hans in Gültlingen und Michael in Ebhausen. Hans Tengler hat mit seinem Sohn Lentzin 1528 einen Teil des Lölinshofs in Untersulz(3), er ist 1516/35 erwähnt und war 1524 und 1528 der älteste des Gerichts(10). Von den Kindern ist Anna (Miller) eine Ahnfrau des Peter Goeßler; ihre Kinder waren Jakob, Anna (* ca. 1522, oo ca. 1550 Ramey-Remigius Renz in Oberjettingen)(7), Ursula (+ 1566, oo Konrad Hagen d. Junge, Sulz),·Margarete (oo Heinrich Löri, Wildberg), Matthäus d. Junge (in Gültlingen, oo Katharine Ziegler), Hans (in Gültlingen, oo Ursula Digelin), Barbara (* 1534, oo Jakob Bast in Gültlingen), Lorenz (* 1536), Michel und Katharine. Lenzin (1524/58 genannt) saß auf dem Lölinshof, verheiratet mit Margarete Schneider, seine Söhne sind Jakob, Hans,1553/60, dann weggezogen, vielleicht der Hans in Ehningen, von dem Christian Schrempf abstammt(6) und Michel 1558/83, der Lenzismichel, auf dem Lölinshof, oo 1562 Ursula Renz; von dessen Söhnen ging Lorenz (* 1576) nach Wildberg, Hans (* 1582, genannt Lenzishans) blieb in Sulz. Der zweite Sohn des Stammvaters, Albrecht, heißt in den Quellen auch Ruprecht oder abgekürzt Pret; seine 5 Söhne sind Jörg (oo 1560 Katharine Eysenhart, der Sohn Hans * 1561 ist der Georgensohn), Hans (oo 1561 Anna Klinck, der Sohn Georg * 1563 ist der Hansensohn), Bernhard (oo 1568 Agnes Stickel in Wildberg), Albrecht (oder Ruprecht, oo 1569 Anna Kirchherr in Holzpronn) und Michel (der Brettenmichel, oo 1576 Agnes Rotfelder). Der dritte Sohn des alten Hans, Hans in Gültlingen, war dort 1551 Schultheiß, verheiratet mit Katharine, ebenfalls einer wirtembergischen Leibeigenen; er hatte folgende Kinder: 

Barbara, Andreas, Hans (* ca. 1535, ebenfalls Schultheiß in Gültlingen, seine Tochter Christine + 1582 war 1574 verh. mit dem Schultheiß Kaspar Krafft in Gültlingen), Jörg (in Hingstett, oo Ester), Katharine (oo Simon Klinger, Müller Berneck), Dorothee (* ca. 1536, oo Hans Digelin), Lorenz (* ca. 1546, Schultheiß in Neuweiler) und Tobias (* 1541, Bauer Gültlingen). Der jüngste endlich, Michel, war verheiratet mit Anna Renz aus Sulz(8), 1536 in Ebhausen, + vor 1592; seine Kinder sind Martin, Hans (in Nagold), Michel (* ca. 1550), Abel (* 1551), Samson, Petronella (oo Simon Mayer, Wöllhausen), Margarete, Katharine und Anna. Es scheint, daß die zahlreichen Dengler in Ebhausen zum größten Teil von diesem Michael abstammen. 

Die wenigen geschilderten Familien lassen doch bereits einige charakteristische Züge erkennen, die wir bei der Suche nach Spitzenahnen beachten müssen: großen Kinderreichtum und weite Verbreitung einer Bauernfamilie in die benachbarten Dörfer. Beachtlich sind auch die Übernamen zur Unterscheidung Gleichnamiger, die nicht immer den Vaternamen, sondern zuweilen auch den Großvaternamen weitergeben. Endlich fällt die Vornamengebung nach Eltern, Großeltern und Oheimen auf. In diesem Zusammenhang scheint die Gruppe Michel-Hans für die Dengler so charakteristisch, daß wir uns nicht versagen können, in einer Skizze ihre Verbreitung darzustellen.

Außer in Sulz kommen Dengler im 15. Jh. auch in Oberjesingen vor; vielleicht lag dort der Ursprung der Familie, denn 1461 wird ein Heinrich Dengler aus Jesingen in Deckenpfronn, 1495 ein Andreas in Oberjesingen selbst erwähnt. Ob die zahlreichen Wildberger Dengler alle aus Sulz abzuleiten sind, läßt sich nach der bisherigen Erfassung der Quellen ebenfalls nicht sagen. Wohl aber dürfen wir in den Dengler aus Sulz eine der großen fruchtbaren Bauernfamilien unserer Heimat sehen. 

Anmerkungen : 

1) Hauptstaatsarchiv WLE 20 
2) WLE 21 
3) HStA G(eistl. Lagerbuch) 1859 
4) G(eistl. Lagerbuch) 23/21 
5) W(eltl. Lagerbuch) 1998 
6) Mitteilung von Dr. W. Bardili 
7) Vorfahren des Verfassers 
8) vgl. Südwestd. Bl. f. Familienkunde 1960, S. 86 
9) Helmuth Maier, Sindelfinger Familien S. 478 
10) vgl. P. Schwarz, Altwürtt. Lagerbücher (Quellen d. Kommission f. gesch. Landeskunde) I 214

(Anschrift des Verfassers: Gymn. Prof. Dr. G. Wunder, 717 Schwäbisch Hall, Postfach 664) 

Ergänzung in: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, XII, S. 167: 

Ergänzend zu den veröffentlichten Namen muß darauf hingewiesen werden, daß in den Türkensteuerlisten von 1545 nur ein Dengler in Ebhausen (Michel aus Sulz) vorkommt, in Wildberg drei, ein armer Zimmermann und zwei noch ärmere, vielleicht seine Söhne, also offensichtlich Zuwanderer, dagegen in Sulz bei Wildberg sieben zum Teil recht wohlhabende Familien. Es kann also vermutet werden, daß Sulz die Stammheimat in diesem Jahrhundert war (ob sie nun im vorhergehenden aus Oberjesingen zugezogen waren oder einen Ableger dorthin entsandt haben), zumal Sulz eines der reichsten Dörfer jener Ämter war. (Vgl. dazu "Aus Schönbuch und Gäu" am 14. 9. 1966, sowie 2. 11. 1966). Die in Ebhausen bald nach 1550 vorkommenden weiteren Dengler wie Simon, dessen Sohn 1560 heiratet, dürften aber dann der Verwandtschaft des zugewanderten Michel, vielleicht als Neffen oder Vettern, entstammen.

Einen neuen Spitzenahn vermittelt eine Urkunde vom 21. 7. 1473, nach der Heinrich Zimmermann in Haiterbach um 7 Pfund Heller einen Zins von 7 Schilling aus zwei Wiesen genannt die Staläcker zu Sulz an Michel Tengler, zu Obersulz gesessen, verkauft (Württ. Regesten 14654). Dieser Michel Tengler kann nicht der bezeugte Vater des Georg Dengler auf dem Reschenhof (1516/52) sein, zumal ja ganz junge Leute solche Geschäfte nicht zu tätigen pflegten. Wir können in ihm also wohl den Vater des Michel (+ vor 1534) auf dem Reschenhof wie des Hans (+ nach 1536) auf dem Löhlinshof, den gemeinsamen Stammvater der Sulzer Dengler, vermuten.
 

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