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Aus: Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde, Band 20, Heft 6, Juni 1992, S. 286 - 292

 

Selbstbewußtsein und Familiensinn
Der württembergische Theologe Jakob Andreae,
seine Vorfahren und Nachkommen
 

Vortrag bei der 69. Jahreshauptversammlung des Vereins für 
Familien- und Wappenkunde, Stuttgart 25. Jan. 1992
 

von Hermann Ehmer


Jakob Andreae ist - neben Johannes Brenz - der bedeutendste württembergische Theologe der Reformationszeit. Er ist ferner bekannt durch eine zahlreiche Nachkommenschaft und erscheint daher in vielen Ahnentafeln. Andreae ist geboren in Waiblingen am 25. März 1528 als Sohn des Schmieds Jakob Endris. Nach dem Besuch der Lateinschulen in Waiblingen und Stuttgart kam er 1541 ins Tübinger Stift zum Studium der Theologie. Schon zu Pfingsten 1546 wurde er als Diakonus (2. Pfarrer) nach Stuttgart berufen. Der 18jährige heiratete umgehend, nämlich eine Anna Entringer von Tübingen. In seinem Amt machte sich Andreae sogleich einen Ruf als guter Prediger, was durch die Anschaulichkeit seiner Sprache und seine Gabe, schwierige Gedanken verständlich darstellen zu können, begründet war. Herzog Ulrich ließ ihn im Schloß predigen und war von Andreae angetan; diese Begegnung war der Beginn einer engen, vertrauensvollen und nie getrübten Verbindung Andreaes zu den drei württembergischen Herzögen seiner Zeit. 

Zunächst griff aber die große Geschichte in Andreaes Leben ein. Im Verlauf des Schmalkaldischen Krieges rückten Ende Dezember 1546 die spanischen Truppen Karls V. von Norden in Württemberg ein. In Marbach verübten sie solche Greueltaten, daß viele Leute aus Stuttgart flohen. Besonders die evangelischen Geistlichen mußten sich bedroht fühlen, so daß alle - mit Ausnahme von Andreae - das Weite suchten. Für einige Zeit oblag ihm daher als einzigem die geistliche Versorgung Stuttgarts. In dieser Situation bewies er Eigenschaften, wie Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und Geistesgegenwart, die ihn in seinem ganzen weiteren Leben auszeichneten. 

Eine Folge des Krieges war das 1548 erlassene Interim, durch das die evangelischen Kirchen wieder zum katholischen Glauben und Kultus hingeführt werden sollten. Die allermeisten württembergischen Pfarrer nahmen dieses kaiserliche Religionsgesetz nicht an und mußten deshalb entlassen werden. Auch Andreae war darunter. Er verfügte sich, da der Herzog ihm seine Unterstützung zugesagt hatte, nach Tübingen, wo er seine Studien fortsetzte. Dort stand er im November 1550 Herzog Ulrich bei, als dieser sich auf dem Tübinger Schloß zum Sterben niederlegte. 

Herzog Christoph, der unmittelbar nach dem Tode des Vaters die Regierung antrat, versicherte sich umgehend der Dienste Andreaes, der 1552 als Pfarrer und Superintendent nach Göppingen berufen wurde. Nach seiner Promotion zum Dr. theol. wurde Andreae 1553 einer der vier Generalsuperintendenten des Landes. Er gehörte somit zu den wichtigsten Theologen des Landes und hatte auch die württembergische Religionspolitik nach außen zu vertreten. So wirkte er maßgeblich mit an der Durchführung der Reformation in den Grafschaften Helfenstein und Öttingen und in der Markgrafschaft Baden-Durlach, ferner als Berater in Fragen der Kirchenordnung, so etwa in der Reichsstadt Rothenburg o.d.T. Andreae nahm auch an Reichs- und Fürstentagen teil, auf denen theologische Probleme verhandelt wurden, so in Augsburg, Regensburg und Frankfurt am Main. Nachdem er 1557 am Religionsgespräch in Worms teilgenommen hatte, reiste er 1561 zusammen mit dem Tübinger Professor Jakob Beuerlin und zwei herzoglichen Beamten nach Frankreich, da vom französischen Hof die Zusendung eines württembergischen Theologen zu einem Religionsgespräch zwischen Katholiken und Hugenotten in der Abtei Poissy bei Paris erbeten worden war. 

Die Reise ließ sich schlecht an, schon auf der Botnanger Steige erlitt man einen Unfall. Außerdem kamen die Württemberger zu spät; das Gespräch war vorzeitig abgebrochen worden. Dazu starb Beuerlin in Paris an der Pest. Dieser Mißerfolg konnte Andreaes Karriere jedoch nicht hemmen, er wurde daraufhin - als Nachfolger Beuerlins - zum Kanzler der Universität Tübingen ernannt Als solcher war er der Vertreter des Herzogs an der Universität und hatte zugleich eine theologische Professur inne. 

Andreae sah seine Aufgabe freilich weniger in der akademischen Lehrtätigkeit, als vielmehr in der Einigung des deutschen Protestantismus, der durch die theologischen Streitigkeiten uneins geworden war, die sich nach Luthers Tod 1546 erhoben hatten. In einer solchen Einigung hat Andreae seine Lebensaufgabe erkannt, wenn er auch nach wie vor reformierend und beratend tätig war, so etwa in der Reichsstadt Hagenau und im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel. 

Das Ziel, die Einigung der deutschen evangelischen Kirchen unter dem Augsburger Bekenntnis von 1530, war natürlich nur durch die Unterstützung der Fürsten, vor allem der Herzöge Ludwig von Württemberg und Julius von Braunschweig und des Kurfürsten August von Sachsen möglich. Diese Aufgabe machte es notwendig, daß Andreae fast 5 Jahre nach Sachsen ausgeliehen wurde und eine gewaltige Reisetätigkeit entfaltete, da die Erarbeitung einer Konkordie, durch die die Streitigkeiten abschließend gelöst werden sollten, Abstimmungen mit den namhaftesten Theologen erforderte. 1577 war diese "Konkordienformel" fertig, so daß nunmehr um Unterschriften dafür bei den evangelischen Reichsständen und deren Kirchendienern geworben werden konnte. Diese Unterschriften bildeten zusammen mit der Konkordienformel, dem Augsburger Bekenntnis und den altkirchlichen Bekenntnissen das 1580 gedruckte Konkordienbuch, das zum 50jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses erscheinen konnte. 

Nach Abschluß dieser Aufgabe war Andreae in seinem letzten Lebensjahrzehnt weiterhin als Professor, aber auch auswärts visitierend und beratend tätig. In diese Zeit fällt ferner die Abfassung seiner Lebensbeschreibung. Eine solche Autobiographie war für die Zeit durchaus ungewöhnlich; vergleichbare Lebensbeschreibungen von Zeitgenossen gibt es nur wenige, z. B. von Götz von Berlichingen und Sebastian Schertlin von Burtenbach. Alle drei Verfasser eint das Bewußtsein eines außerordentlichen Lebenslaufs, d.h. ein besonderes Selbst-Bewußtsein, das man im Falle Andreaes auch im biblisch-christlichen Sinne als Bewußtsein der Erwählung bezeichnen darf. Andreaes Autobiographie zeichnet sein Leben von der Wiege an als Kette solcher Momente der Erwählung, die nicht nur in der Bewahrung in allerhand Gefahren konkret wird, sondern auch in der Gestalt von Menschen, die zur rechten Zeit in sein Leben eintreten. Durch diese Konzentration auf seine Person schildert Andreaes Autobiographie etwa die Staatsaktionen, an denen er teilnahm, nur insoweit, als er mit seiner Person daran beteiligt war. 

Der Schlußteil der Lebensbeschreibung Andreaes berichtet von der Reise nach Paris und seiner glücklichen Heimkehr. Eine Beschreibung des zweiten - und wichtigeren Teils - seines Lebens gibt es leider nicht, da Andreae über dieser Arbeit am 7. Januar 1590 starb. Erhalten ist die Lebensbeschreibung in einem Druck aus dem Jahre 1630, den der Enkel Johann Valentin Andreae veranstaltete. Dies ist deswegen ein Glücksfall, weil die wohl in der Hand des Enkels befindliche Urschrift sehr wahrscheinlich zusammen mit dessen Habe 1634 in Calw verbrannte. 

Jakob Andreae erwähnt in seiner Autobiographie natürlich auch seine Familie und seine Abstammung. Sein Vater, der Schmied Jakob Endris, stammt aus Möckenlohe (zwischen Eichstätt und Neuburg/Donau). Dessen Vater war nach Ingolstadt gezogen und ist dort begraben. Andreaes Mutter stammte von Gundelfingen bei Lauingen und war schon in ihrer Jugend nach Waiblingen gekommen, wo sie in erster Ehe einen Schmied heiratete. Früh verwitwet heiratete sie dann den Jakob Endris, der auf der Wanderschaft halb Europa durchwandert und auch eine Wallfahrt zu seinem Namenspatron nach Compostella gemacht hatte. Das älteste Kind aus dieser zweiten Ehe ist Jakob Andreae. 

Jakob Andreaes Frau Entringer kennen wir von dem der 1630 gedruckten Lebensbeschreibung beigegebenen Porträt, auf dem 1525 als ihr Geburtsjahr genannt wird. Dies kann freilich nicht stimmen, da diese Frau 18 Kinder geboren hat, das letzte 1575. Man wird also annehmen müssen, daß sie 1530 geboren ist und somit im Alter von 16 Jahren geheiratet hat. Sie wird als Tochter von Johann Entringer bezeichnet, der wohl der Sohn oder Enkel des Hans Entringer ist, der 1546 im Alter von 103 Jahren in Tübingen verstarb. Von diesem Entringer berichtet Johann Valentin Andreae die Geschichte, wie jener in der Zeit der österreichischen Verwaltung Württembergs (1519-1534) eines Nachts auf dem Tübinger Marktplatz gerufen habe: ,,Hie gut Württemberg, Grund und Boden!" Einer Bestrafung für dieses Vergehen sei er aber nur aufgrund seines hohen Alters entgangen. 

Von den 18 Kindern Jakob Andreaes erreichten 10 (5 S., 5 T.) das Erwachsenenalter. Von den Töchtern heirateten zwei Beamte, nämlich Susanna (Eisengrein) und Blandina (Schweickart), zwei Theologen, und zwar Maria (Schütz) und Hedwig (Magirus), eine, Corona, einen Arzt (Frey). Genealogisch am interessantesten ist wohl Maria, die in zwei Ehen zusammen 13 Kinder gebar, von denen neun selber Nachkommen hatten. Ihr Sohn Jakob aus der ersten Ehe mit dem Pfarrer Georg Schütz wurde 1630 Kanzler in Öhringen, dann in Wertheim. Dessen Sohn Johann Jakob Schütz ist bekannt als Freund Philipp Jakob Speners und William Penns, ebenso als geistlicher Liederdichter (Ev. Kirchengesangbuch 233). Aus der zweiten Ehe Marias mit dem Juristen Johann Harpprecht stammt eine besonders zahlreiche, bis heute reichende Nachkommenschaft ab. 

Im Kontrast zur weiblichen Linie steht die Entwicklung der männlichen Linie. Die 1902 erschienenen "Beiträge zur Genealogie und Geschichte der Familie Andreae" wußten damals nur noch zwei von Jakob Andreae abstammende Namensträger Andreae zu nennen. Von Jakobs Söhnen wurden drei Theologen, nämlich Jakob II., David und Johannes, einer Arzt (Ulrich) und einer (Daniel) Beamter. Am interessantesten ist hier Jakob (* Tübingen 1549, + als Pfarrer in Kirchentellinsfurt 1630). Er hat eine Familiengeschichte hinterlassen (Abschrift in der Württ. Landesbibliothek, gedruckt in den "Beiträgen"). Überliefert ist dieser Text durch M. Philipp Uckelin, der Schwager und Amtsnachfolger als Pfarrer in Neckarzimmern von Joseph Andreae, dem Sohn des Verfassers, war. 

Der Text bietet eine breitere Fülle familiengeschichtlicher Nachrichten als die Autobiographie von Jakob Andreae und erweitert unsere Kenntnis der Familie auf drei Generationen vor ihm. Der Urgroßvater von Dr. Jakob Andreae war Stefan Endris, dessen Frau eine geborene Holzapfel. Diese hatte sieben Kinder, darunter einen Stephan, der der Vater Jakobs des Schmieds wurde. Wir haben hier die Genealogie einer Familie von Bauern und Dorfhandwerkern, wie sie sonst nur in der städtischen oder adeligen Sphäre vorkommt; sie ist somit ebenso einzigartig wie die Autobiographie von Jakob Andreae. 

Die Familiengeschichte bietet nicht nur eine Stammreihe, sondern nennt auch Seitenverwandte, wobei die Kenntnisse freilich nicht immer exakt sind. Dies belegt also Kontakte der Familie von Jakob Andreae mit den entfernten Verwandten im Ursprung der Familie im Hochstift Eichstätt, in Möckenlohe und Nassenfels. So wird auch von Besuchen einzelner dieser Verwandten in Tübingen oder bei dem Schmied Jakob Endris berichtet . Dieser verbrachte nämlich seinen Lebensabend als Pfründer im Kloster Bebenhausen, wo er auch am l. Juni 1566 starb. Sein Grabmal ist heute noch in der Klosterkirche zu sehen, "nit weit von der Prälaten Begräbnis", wie der Enkel - offensichtlich nicht ohne Stolz - berichtet. 

Die Familiengeschichte gibt auch Kenntnis von den anderen Nachkommen Jakobs des Schmieds. Unter diesen ergriff der zweite Sohn Georg ebenfalls das Schmiedehandwerk. Eine von dessen Töchtern verheiratete sich mit Johann Parsimonius, Pfarrer in Neckarrems. Aus dieser Ehe entsprang eine Tochter Anna, die gegen den Entscheid des Stuttgarter Ehegerichts den Scharfrichter von Schwäbisch Hall, Peter Gentner, heiratete. Gerd Wunder hat in seinem Werk über ,,Die Bürger von Hall" nachgewiesen, daß diese in der Familiengeschichte berichtete Romanze historisch ist, wenngleich auch einzelne Ausmalungen so nicht stimmen. 

Die Familiengeschichte zählt dann die Kinder und Kindeskinder von Jakob Andreae auf, wobei dem Verfasser offensichtlich familiengeschichtliche Aufzeichnungen des Vaters, u. a. über die Geburt seiner Kinder, vorlagen. Es wird aber auch ersichtlich, daß Jakob Andreae diese Aufzeichnungen - zu seinem eigenen Bedauern - nicht immer vollständig gemacht hat. Da Andreae gelegentlich die Paten seiner Kinder nennt, wird daraus meist auch die Namenswahl erklärlich. Im übrigen darf man womöglich die im Herzogtum Württemberg 1558 erfolgte Einführung der Kirchenbücher auch einmal im Lichte solcher privaten Aufzeichnungen des führenden Theologen sehen. 

In dem Abschnitt "wie sich Dr. Jakob Andreaes Kinder und Enkel verheiratet haben" berichtet zunächst der Verfasser Jakob Andreae II. über sich selber, seine amtliche Laufbahn, seine Kinder, und wie er diese verheiratet hat, sowie über deren Kinder und Kindeskinder, dann über seine eigenen Geschwister und deren Nachkommen. Die Geschichte der Familie Andreae schließt mit der Feststellung: "Und wie man vom Deutschmeister sag, er könne bis gen Rom reisen und alle Nacht auf einem ihm zugehörigen Gut seine Zehrung und Nachtlager haben, also darf einer im wirtembergischen Land keinen ganzen Tag reisen, sondern er kann gleichsam in einem jeden Städtlein oder Dorf jemanden von der Andreaeischen Linie antreffen und seinen Ausspann haben." 

Der Abschreiber Uckelin bemerkt noch, daß Johann Valentin Andreae eine Genealogie seiner Familie im Druck erscheinen hat lassen. In der Tat hat der berühmte Enkel von Jakob Andreae die genealogischen Interessen der Familie fortgesetzt. Er veröffentlichte nicht nur 1630 in Straßburg die ,,Fama Andreana reflorescens", die die Autobiographie des Großvaters und die für diesen gehaltenen Leichenpredigten und andere Texte, sondern auch eine Genealogie mit dem Titel ,,Olea Andreana" (Andreaescher Ölbaum) enthält, die die Vorfahren und Nachkommen von Jakob Andreae in Listenform nennt. Im Widmungsschreiben dieser Genealogie für Jakob Andreae II., Pfarrer in Kirchentellinsfurt, bietet der Verfasser eine Statistik der Familie Andreae, wonach der Großvater Jakob 18 Kinder, 80 Enkel, ca. 200 Urenkel und 50 Urenkel hatte. Die Familie stellte 30 Theologen, 13 Juristen, 17 Ärzte, 10 weitere Gelehrte und 8 Beamte. 

Es ist dies nicht die einzige genealogische Arbeit von Johann Valentin Andreae. Zu nennen ist hier noch sein 1644 erschienenes "Geschlechtsregister" das seine, sowie die Vorfahren seiner Frau Agnes Elisabeth geb. Grüninger, desgleichen ihre Nachkommen aufzählt. Besonders deutlich werden hier die Einschnitte in der Entwicklung der Familie, die der 30jährige Krieg. besonders das Jahr 1634 und die Folgezeit verursacht hat. 

Johann Valentin Andreae hat schließlich auch noch eine Autobiographie verfaßt, die freilich einen anderen Charakter hat als die des Großvaters. Sie ist wesentlich stilisierter, was sich auch in seinem komplizierten Latein ausdrückt, das sich stark von dem Latein des Großvaters abhebt. Auffällig sind besonders die unzähligen Namen von Personen, mit denen Johann Valentin Andreae in Verbindung stand und die er in seiner Autobiographie nennt. Der bedeutendste Unterschied zur Lebensbeschreibung des Großvaters ist aber, daß er die seinige bis in seine letzten Lebensjahre geführt hat. Offensichtlich warnte ihn das Bruchstück, das Jakob Andreae hinterlassen hatte. 

Johann Valentin Andreae verfaßte auch eine Lebensbeschreibung seiner Mutter Maria geb. Moser von Herrenberg. Diese war schon früh Witwe geworden und ermöglichte trotz kärglicher Mittel ihren Söhnen das Studium. Bekannt ist sie als "Hofapothekerin" in Stuttgart; sie lebte ferner einige Jahre am Hofe der Herzoginwitwe Sibylla in Leonberg und zuletzt bei ihrem Lieblingssohn Johann Valentin in Calw. Das Lebensbild, das dieser von seiner Mutter gezeichnet hat, ist ebenfalls außergewöhnlich und wurde bis in dieses Jahrhundert vielfach literarisch ausgewertet. 

Die Familie Andreae vereint so in ihren bedeutenden Mitgliedern ein deutliches Selbstbewußtsein mit einem ausgeprägten Familiensinn. Der Zusammenhalt zeigt sich auch an Äußerlichkeiten, wie im häufigen Vorkommen des Vornamens Jakob und der Namen Blandina, Corona und Regina, wie drei der Töchter Andreaes hießen. Erst bei Johann Valentin Andreaes Kindern finden wir Eigenschöpfungen des Vaters, wie Ehrenreich und Wahrermund. Deren Bruder Gottlieb (1622-1683), ein hochbegabter, mit zunehmenden Alter aber etwas wunderlicher Mann, taufte als Pfarrer in Wangen bei Stuttgart zwei seiner Töchter auf die Namen Augustana Confessio und Formula Concordiae. Diese Namensgebung ist nicht einfach ein Zeugnis der Skurrilität dieses Mannes, sondern noch einmal eine Erinnerung an den Stammvater Jakob Andreae, indem damit an die beiden wichtigsten Bekenntnisschriften des deutschen Luthertums erinnert wurde, mit denen das Wirken Jakob Andreae in engster Beziehung steht, nämlich das Augsburger Bekenntnis von 1530 und die Konkordienformel von 1577.
 
 

Quellen:

Hermann Ehmer (Hrsg.), Leben des Jakob Andreae, Doktor der Theologie, von ihm selbst mit großer Treue und Aufrichtigkeit beschrieben, bis auf das Jahr Christi 1562 (Quellen und Forschungen zur württembergischen Kirchengeschichte Bd. 10) Stuttgart 1991. 
Beiträge zur Genealogie und Geschichte der Familien Andreae, Bd. I, Heft I-III, Köln 1902.
 

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