Ingeborg Brigitte Gastel
Lloyd
Verwandtschaftsbeziehungen zwischen der
Familie Zeller und schwäbischen Künstlerfamilien
des 15. und 16. Jahrhunderts
Von Herbert Leube, Suedwestdeutsche
Blaetter fuer Familien- und Wappenkunde, 12/1996
Auf zahlreichen württembergischen und
schwäbischen Ahnentafeln ist die aus Martinszell im Allgäu stammende
Familie Zeller vertreten.(1). Herausragende Persönlichkeiten in der
Zeller'schen Familiengeschichte waren in der Zeit nach dem Dreißigjährigen
Krieg die vier Brüder Johann Konrad Zeller, Abt von Bebenhausen, Christoph
Zeller, Hofprediger in Stuttgart und Propst von Denkendorf, Johann Ulrich
Zeller, Geheimer Regimentsrat in Stuttgart, Johannes Zeller, Abt von Maulbronn,
und ihr Schwager Johann Leonhard Volmar, Hofprediger in Mömpelgard.
Von den vier vorgenannten Brüdern leiten sich die vier Hauptlinien
der Zeller'schen Nachkommenschaft ab. Unter ihnen und den Nachkommen ihrer
Schwestern findet man eine fast unüberschaubare Zahl von Vertretern
der geistlichen Berufe. Das Zellerbuch von 1974 (2) führt in 567 Zeller-Familien
102 Zeller als Geistliche und 90 Zellerinnen, die einen Pfarrer geheiratet
haben. Damit dürften die Zeller die Pfarrerfamilie in Württemberg
sein, die seit der Reformation die meisten Vertreter im Kirchendienst hatte.
Mit dem Blick auf die Nachkommen der vier Zeller Brüder kann man also
mit Fug und Recht die Zeller als eine ausgesprochene Pfarrerdynastie ansprechen.
Wendet man aber von den vier eingangs genannten Zeller-Brüdern aus
den Blick zurück in die Vergangenheit, gewinnt man ein anderes Bild.
Vater Johannes II Zeller (1575-1635) und Großvater
Johannes I Zeller (1548-1613) waren wohl Pfarrer, beide in dem kleinen
Schwarzwalddörflein Rotfelden zwischen Wildberg und Nagold, zusammen
65 Jahre, bis der Sohn 1635 zusammen mit seiner Frau in der großen
Not des Dreißigjährigen Krieges nach der Schlacht von Nördlingen
an der Pest starb. Weiter in der Vergangenheit sind aber keine Pfarrer
mehr zu finden. Das ist nicht verwunderlich, denn wir sind in der Reformationszeit,
und die vorreformatorischen Priester und Prediger hatten in der Regel keine,
zumindest keine legitimen Nachkommen.
Die Pfarrei Rotfelden lag weit ab vom Weltgetriebe.
Beide Rotfeldener Pfarrer Zeller hatten eine reiche Kinderschar zu erziehen;
vom älteren sind vier, vom jüngeren elf Kinder bekannt. Vier
dieser elf waren die oben genannten vier Brüder. Bereits Karl August
Zeller (1, S.31) ging der Frage nach, wie die vier Brüder aus dem
kleinen Schwarzwalddorf zu so wichtigen Ehrenstellen im damaligen Württemberg
aufsteigen konnten. Die oflenbar hervorragende Begabung der vier Brüder
spielte mit Sicherheit die entscheidende Rolle. Laut Magisterbuch (3) waren
alle - mit Ausnahme von Johann Konrad, er lag im Mittelfeld - innerhalb
ihrer Promotion beim Magisterexamen unter den Besten. Ebenso sicher können
wir aber auch mit K.A. Zeller annehmen, daß ein weiterer Grund in
der Gattenwahl der beiden Rotfeldener Pfarrer bestanden haben muß.
Beide haben in angesehene Familien von gehobener sozialer Stellung eingeheiratet
und ihren Kindern neben dem wertvollen geistigen Erbe vorteilhafte verwandtschaftliche
Beziehungen vermittelt. Johannes Zeller hatte sich 1574 mit Walburg, der
jüngsten Tochter des Tübinger Ratsherrn Jakob Haag und der Anna
Moralt verheiratet. Auf die Bedeutung der im Zabergäu zur Ehrbarkeit
gehörenden Familie Moralt und den mit ihr durch Heirat verbundenen
führenden Familien Lindenfels und Emhart haben bereits Decker-Hauff
und K. Hess hingewiesen.(4). Und vier Schwestern der Walburg Haag waren
1574, als die Ehe Zeller-Haag geschlossen wurde, schon mit führenden
Theologen und Beamten verheiratet: Anna mit dem württembergischen
Oberrat Dr. Friedrich Schütz; Agnes mit Dr. theol. Lorenz Frisäus,
Superintendent in Brackenheim; Barbara mit Daniel Grückler, Stadtpfarrer
auf der einträglichen Grückler'schen Erbpfarrei Neubulach; Margarethe
mit dem Tübinger Professor Leonhard Engelhardt, der später Pädagogarch
in Stuttgart wurde.
Auf den Einfluß, den beispielsweise
die Familie Grückler auf den Werdegang der verschwägerten Familie
Zeller hatte, ist bereits K.A. Zeller eingegangen (2, S.32 ff.). So ist
wohl anzunehmen, es spielte eine Rolle, daß als Amtsvorgänger
Johannes I Zellers in Rotfelden der Bruder seines Schwagers Gallus Grückler
bis zu seinem Tod 1580 dort als Seelsorger gewirkt hatte. Später,
1635 wurde Pfarrer Johann Leonhard Grückler Vormund von Johannes,
dem jüngsten der vier Zeller-Brüder, nachdem die Eltern an der
Pest gestorben waren.
Auch die Spuren der Familie der Frau von Johannes
II Zeller lassen sich in der Zeller'schen Familiengeschichte verfolgen.
Johannes II Zeller (1575-1635) hatte sich nach seiner Berufung als Diakon
in Heidenheim im Sommer 1600 mit Beatrix Bloss verheiratet, Tochter von
Oktavian Bloss, württembergischer Eisenfaktor und Bergverwalter in
Mergelstetten bei Heidenheim, (5) der später in Bleichach im Allgäu
ein eigenes Bergwerk betrieb, und der Margarethe Daur, die nach Bloss'
Tod 1601 den Abt von Anhausen, Martin Cless heiratete; Großeltern
waren der Stadtschreiber in Göppingen Oktavian Bloss und Anna Moser,
aus der bekannten württembergischen, später als Moser von Filseck
geadelten Beamtenfamihe. (6)
Soweit es die Herkunft der Zeller selbst betrifft,
müssen wir allerdings K.A. Zeller korrigieren, wenn er feststellt
(2, s. 31): ,,... die beiden Rotfeldener Pfarrer, aus einem tüchtigen
Handwerker- und Bauerngeschlecht stammend ...,, . Großvater Konrad
von Johannes I Zeller stammte wohl von einem Bauernhof in Martinszell im
Allgäu. Vater und Großvater Hans und Konrad Zeller waren indessen
Baumeister im Dienst des württembergischen Herzogs Ulrich. So können
wir also sagen: Der Tübinger Ratsherr Haag gab seine Tochter dem Sohn
des Baumeisters Zeller in die Ehe; und wir brauchen darin kein soziales
Ungleichgewicht zu sehen.
Beide Baumeister Zeller sind im württembergischen
Dienerbuch auch als Steinmetzmeister oder Decker bezeichnet.(7) Unter einem
Baumeister der damaligen Zeit - auch wenn er gelegentlich als Steinmetz
oder Zimmermann erwähnt wird - ist nicht ein Bauhandwerker im heutigen
Sinn zu sehen, er ist vielmehr als Architekt und Bauunternehmer zu verstehen.
So war beispielsweise der Nachfolger von Hans Zeller im Amt des Baumeisters
am Hohentwiel der spätere württembergische Hofbaumeister Aberlin
Tretsch, der später erwähnt wird. Auch die Dombaumeister des
Mittelalters führten oftmals die Bezeichnung Steinmetz; ihre ,,Steinmetzzeichen"
sind noch heute als Beweis ihrer Bauleitung - wie die der Zeller am Hohentwiel
- an ihren Bauwerken zu finden.
Dehnen wir nun unsere Betrachtung der Familienbeziehungen
über die beiden Baumeister Hans und Konrad Zeller noch weiter bis
ins ausgehende Mittelalter aus, so sehen wir, wie die Zeller mit ihrem
Familienumfeld mitten in den weltlaeufigen Kreisen der Künstler und
Baumeister standen. In ihren gesellschaftlicher Bezügen waren sie
ursprünglich Fremde für einen an eine bestimmte Herrschaft gebundenen
Pfarrer- und Beamtenstand, zu dem die Zeller in späteren Generationen
gehörten.
Ehe Konrad und Hans Zeller im Auftrag von
Herzog Ulrich 1639-45 am Hohentwiel arbeiteten, ist erwiesen, daß
sie im Dienst des Fürstabts von Kempten und des Bischofs von Augsburg
an verschiedenen Orten tätig waren. Hans Zeller hat sich offenbar
1545 beim Landammann Seneca Nachtrub auf der als Verwaltungssitz dienenden
Burg Fluhenstein aus der bischöflich-augsburgischen Leibeigenschaft
frei gekauft, um sich in Tuttlingen niederlassen und dort heiraten zu können
(2, S. 21). Die Ablösung der Leibeigenschaft, d. h. der Zinspflicht
gegenüber dem Bistum Augsburg, war Voraussetzung, um in einem fremden
Herrschaftsgebiet - hier im württembergischen Tuttlingen - eine Bürgerstochter
zu ehelichen.
Die beiden Baumeister Konrad und Hans Zeller
waren an verschiedenen oberdeutschen Orten tätig. So ist es denkbar,
daß sie sich ihre Ehefrauen nicht unbedingt aus Martinszell oder
der unmittelbaren Nachbarschaft holten. Den Namen der Ehefrau des Stammvaters,
des Baumeisters Konrad Zeller kennen wir. Sie wird als Elisabeth Lascher
oder Loscher angegeben. Konrad Zeller obwohl aus Martinszell im Allgäu
stammend, war dem Bischof von Augsburg zinspflichtig. Was liegt also näher,
als die Verwandten seiner Frau auch in Augsburg zu suchen? Tatsächlich
lebte zur Zeit Konrad Zellers in Augsburg die Familie der Stadtwerkmeister
und Brunnenbauer Loscher. Die Familie Loscher wurde von Hannelore Müller
beschrieben. (8) Zeitlich am nächsten an Konrad Zeller liegen die
Brüder Konrad Loscher, + 1514/ 15, Zimmermann und Stadtwerkmann, und
Anthoni Loscher, + 1532/33, Zimmermann und Brunnenmeister, mit ihren Kindern.
Ein Hinweis auf eine Elisabeth Loscher, die Konrad Zeller aus Martinszell
im Allgäu geheiratet haben könnte, findet sich zwar bei H. Müller
nicht. Auch steht die im bayerischen Staatsarchiv gemachte Feststellung
ohne Zusammenhang, daß eine Ursula Zeller, verheiratet mit Konrad
Loßherr, 1529 mit Gut zu Häusern in Martinszell belehnt wurde
(2, S. 25). Wir wissen aber beispielsweise von Konrad Loscher, daß
er als Stadtwerkmann häufig Reisen ins Allgäu zur Holzbeschaffung
für städtische Bauarbeiten unternehmen mußte. So ist also
denkbar, daß eine Familienbeziehung zwischen Konrad Zeller und den
Augsburger Loscher zustande kam.
Bekanntester Vertreter der Familie Loscher
war der Zeitgenosse Zellers, der Bildhauer und Architekt Sebastian Loscher
(1482/83- 1551), Sohn des oben genannten Konrad. (9) Die Bedeutung Sebastian
Loschers als Künstler und Bildhauer trat erst zu Beginn dieses Jahrhunderts
ins Licht. Es sind nur wenige Kunstwerke erhalten, die ihm aufgrund seiner
Signatur eindeutig zugeschrieben werden können. Doch wird heute allgemein
angenommen, daß z. B. die früher als Werk Adolf Daur's - den
wir später betrachten - angesprochene, verschwenderisch ausgestattete
Fuggerkapelle bei St. Anna in Augsburg im Entwurf und in der Ausführung
im wesentlichen Sebastian Loschers Werk gewesen sein muß.
Wie bereits erwähnt, war der Schwiegervater
des Rotfeldener Pfarrers Johannes II Zeller der württembergische Faktor
und Bergverwalter Oktavian Bloss (+ 1600). Seine Frau Margarethe Daur (1542/52-1614)
stammt aus einer alten Augsburger Künstlerfamille. (10) Zwar war ihr
Vater Michael (1517-92) wie ihr Ehemann Bergwerksbesitzer; von ihm hatte
Oktavian Bloss seinen Besitz in Bleichach. Doch findet man bei Michaels
Vettern und in der Generation des Vaters Hans über den Großvater
Adolf zum Urgroßvater Bartholomäus Daur viele Bildhauer, Kistler,
Maler und Kunstschreiner. Die Berufsbezeichnung Kistler ist heute nicht
mehr gebräuchlich. Werke der Kunstschreiner, Bildschnitzer und Kistler
waren die berühmten holzgeschnitzten Altäre und Chorgestühle
der Gotik, kunstvolle Schränke und Einlegearbeiten. Eine Silberstiftzeichnung
von der Hand Hans Holbeins stellt den Großvater Adolf Daur dar und
ist überschrieben mit ,,Adolf Dischmacher".
Von der Hand des Urgroßvaters, des Malers
Bartholomäus Daur (Daucher, Thorer) hängt noch heute im Ulmer
Kunstmuseum das Bildnis der Ursula Greck. Sein Sohn Adolf Daur (1483-1523)
war einer der ersten Augsburger Künstler, die die Formenwelt der italienischen
Renaissance nach Deutschland brachten. (11) Zahlreiche Altäre stammen
aus seiner Werkstatt; der berühmteste ist der prächtige Marmoraltar,
bereits im Renaissancestil, in der Kirche in Annaberg im Erzgebirge. Adolf
Daur heiratete Afra Erhart, die Tochter seines Meisters. Er hatte zusammen
mit Afras Bruder Gregor seine Ausbildung als Bildhauer in der Werkstatt
vor Gregors Vater Michael Erhalt erhalten. Auch später waren Adolf
Daur und Gregor Erhart in Freundschaft verbunden. Zusammen mit dem befreundeten
Hans Holbein d. Ae. (1465-1524), dem Vetter von Gregor Erhards Frau Anna
Mair, erhielten sie 1502 den Auftrag, den Hochaltar im Zisterzienserkloster
Kaisheim bei Donauwörth zu errichten.(12) Gregors Sohn Paulus Erhart
(+t nach 1577) war Bildhauer wie sein Vater; von ihm sind zwölf Kinder
und Enkel als Goldschmiede und Bildhauer bekannt. Michel Erhart war im
späten 15. Jahrhundert der bekannteste und meistbeschäftigte
Ulmer Bildhauer. (13) Mit dem Schreiner Jörg Syrlin d. Ae. zusammen
erhielt er 1474 den Auftrag für den Hochaltar im Ulmer Münster.
Leider sind viele seiner Werke im Bildersturm der Reformation zugrunde
gegangen; das einzige mit seiner Signatur versehene, noch erhaltene Werk
ist das große Kruzifix im Chor der Michaelskirche in Schwäbisch
Hall.
Michel Erharts Frau war Margarete Ensinger
Es besteht begründete Annahme, daß sie aus der Dombaumeisterfamilie
Ensinger stammt. (14) Stammvater war Ulrich von Ensingen (1350/60-1419)
aus Ensingen bei Ulm oder Oberensingen bei Nürtingen, der am Mailänder
Dom arbeitete, seit 1392 am Ulmer Münster, 1399 zusätzlich Baumeister
am Straßburger Münster. Sein Sohn Matthäus wurde 1420 als
Münsterbaumeister nach Bern berufen, 1430 hatte er zusätzlich
die Oberleitung beim Bau der Frauenkirche in Eßlingen, seit 1446
war er Münsterbaumeister in Ulm. Der Enkel Vinzenz, vermutlich Margarete
Ensingers Vater, war Nachfolger seines Vaters beim Münsterbau in Bern,
1456 bereits Münsterbaumeister in Konstanz, 1460 an der Martinskirche
in Colmar, 1470 am Basler Münster (15).
Söhne Adolf Daurs waren Hans (1487/88-1538)
und Adolf Daur (1498- 1558). Hans, der Vater des oben genannten Bergwerksbesitzers
Michael Daur und Großvater der mit Oktavian Bloss verheirateten Zeller-Ahnin,
wurde wie sein Vater Bildhauer, zog aber aus Augsburg weg und ging in württembergische
Dienste, offenbar vor allem deswegen, weil seine Frau Susanne Spitzmacher
wegen ihrer Teilnahme an der Wiedertäuferbewegung in Augsburg verfolgt
wurde. (16) Die Spitzmacher wie die Erharts - Michels Tochter Walpurg,
verheiratete Fugger vom Reh, hatte zwei Söhne, die Goldschmiede wurden
- hatten zahlreiche familiäre Bindungen zu Goldschmiedefamilien vor
allem in Augsburg. Die familiäre Bindung zwischen Künstlern und
Goldschmieden lag nahe. In den meisten Städten waren beide in derselben
Zunft organisiert. Adolf Daur (1498-1556), Adolfs Sohn, wurde als Kunstschreiner
bekannt. (17) Er schuf das mit Intarsien und großen Figuren von Propheten
und Aposteln geschnitzte Chorgestühl und die Kanzel im Heiligkreuzmünster
zu Schwäbisch Gmünd, ehe er 1552 in herzoglichen Diensten nach
Stuttgart kam und sich dann in Lauffen als Holzbildhauer niederließ.
Durch die weit verzweigte Familie Daur bestanden
Verschwägerungen mit einer Reihe weiterer Kuenstlerfamilien: Eine
Tochter des Bildhauers Adolf Daur (1463-1523) war verheiratet mit dem Bildschnitzer
Wolfgang Weißkopf (+ 1530), der 1525 das Gehäuse für die
Orgel in der Lorenzkirche in Nürnberg im gotischen Stil fertigte.
(18) Eine zweite hatte den Kistler und Stadtwerkmeister in Ulm Endris Stromair,
zum Ehemann, der 1536 am alten Rathaus und am Spital in Schwäbisch
Gmünd tätig war. Die Tochter Margarete des Kunstschreiners Adolf
Daur (1498-1558) hatte sich mit dem Kunstschreiner Balthasar Krezmaier
vermählt, der beim Bau des Lusthauses in Stuttgart tätig war
Eine ganze Dynastie von Baumeistern und Künstlern vor allem in Württemberg
leitet sich von ihm her. (19) Neun Söhne, Enkel und Urenkel haben
sich als Werkmeister, Bildschnitzer, Goldschmiede und Feuerwerker einen
Namen gemacht. Der Sohn Kaspar Krezmaier errichtete übrigens zusammen
mit Friedrich Fischlin 1626 die Kirche in Rotfelden, dem Stammort der Zeller,
wie noch heute auf einer Tafel über dem Portal zu lesen ist. Der Sohn
Johann d. Ae. wurde als der ,,Archimedes unseres Vaterlandes" gerühmt.
Adolf Daurs (1498-1558) Sohn Hans Adolf schließlich
war Kunstschreiner am Hof in Stuttgart (20). Er erscheint wie sein Onkel
Hans auf vielen schwäbischen Ahnentafeln, so z. B. auf der des Lehrers
an der Karlsschule und Schillerfreundes Jakob Friedrich Abel oder des in
französischen Diensten geadelten Grafen Karl Friedrich Reinhardt.
(21) Über Abel ist er auch Ahn der vier Werner-Schwestern, die Ende
des 19. Jahrhunderts vier Zeller-Brueder heirateten, sodaß sich der
Kreis zur Familie Zeller wieder schließt. Hans Adolf Daur heiratete
Christine, Tochter von Aberlin Tretsch (1505/10-1567/77). Aberlin Tretsch
war der vielbeschäftigte Hofbaumeister des Herzogs Christoph von Württemberg,
ein Amt das nach ihm Georg Beer unter Herzog Ludwig und Heinrich Schickhardt
unter Herzog Friedrich inne hatten. Sein wichtigstes Werk ist das Alte
Schloß in Stuttgart; daneben hatte er die Oberleitung bei Bauten
in Asperg, Weinsberg, Waiblingen, Leonberg, Schorndorf, Tübingen und
vielen anderen Orten. Sein Hauptverdienst ist sein Anteil an der 1562 verabschiedeten
württembergische Bauordnung. (22)
Wir kehren schließlich zu Margarete
Daur zurück. Ihr Vater, der mehrfach erwähnte Bergwerksbesitzer
Michael Daur hatte sich um 1542/43 während seiner Heidenheimer Zeit
mit Margarete, Tochter des dortigen Bürgermeisters Stoffel Franz vermaehlt,
der seinerseit Margarete Baldung aus Schwäbisch Gmünd zur Frau
hatte. Der Vater Hans der Margarete Baldung war kaiserlicher Notar in Gmünd.
Und hier treffen wir wieder auf Künstlerkreise, denn aus derselben
Gmünder Familie Baldung stammte der Maler Hans Baldung Grien <1484/85-1545).
Ein Bruder, zwei Onkel und ein Vetter des Malers, die sich als Gelehrte
einen Namen gemacht haben, sind bekannt, doch kennen wir Name und Beruf
des Vaters von Hans Baldung Grien nicht. So wissen wir also auch nichts
über die genaue Verwandtschaftsbeziehung des Malers zur Frau des Heidenheimer
Bürgermeisters Franz, die zur selben Zeit gelebt hat. (23)
Mit unserem Blick auf Ahnenfamilien der eingangs
genannten vier Zeller-Brüder und deren Schwestern öffnen wir
ein Fenster in die bunte bewegte Welt des Ubergangs vom Mittelalter zur
Neuzeit. Die betrachteten Familien gehörten zum kleineren Teil, wie
K. A. Zeller von den Zeller selbst gemeint hat, zu Handwerker- und Bauerngeschlechtern.
Wir finden vielmehr überwiegend künstlerische Berufe. Bekannte
Namen aus der Kunstgeschichte tauchen auf, wie Loscher Daur, Erhart, Ensinger,
Holbein oder Baldung-Grien. Es sind Familien die bedingt durch den Beruf,
den sie ausübten, an vielen Orten zuhause waren, mit Hoch und Nieder
zu verkehren hatten, Familien, die Ruhm und finanziellen Erfolg oftmals
in einem unsteten Wanderleben unter großen Mühen erarbeiten
mußten.
Anmerkungen:
(1) Siehe z. B. AT Eduard
Zeller, Planck, Tscherning, Loller, Pfeilsticker.
(2) Karl August Zeller:
Die Familie Zeller aus Martinszell, Stuttgart 1974.
(3) Johann Niconaus Stoll:
Sammlung aller Magister-Promotionen, welche zu Tübinger von Anno 1477-1755
geschehen, Stuttgart 1756.
(4) Hansmartin Decker-Hauff:
Die Tübinger Haag und ihre Beziehungen zum Zabergaeu. In: Südwestdeutsche
Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDBI.) 5 (1953), S..
235-238; Karl Hess: Der Morolt-Hof in Hausen an der Zaber In: SWDBI. für
Familien- und Wappenkunde 11 (1953), S. 313-316.
(5) Richard Stawitz: Eine
Abstammungsfolge Bloß. In: SWDBI. für Familien- und Wappenkunde
17 (1982). S.5. 17-18.
(6) Walther Pfeilsticker:
Neues Wuerttembergisches Dienerbuen (NWDB), 3 Bände, Stuttgart 1957-1974,
par. 2358.
(7) NWDB, par. 1933.
(8) Hannelore Müller:
Sebastian Loscher und sein Geschlecht. In Lebensbilder aus dem Bayerischen
Schwaben 3 (1954), S. 153-209.
(9) Neue deutsche Biographie
(NDB), Bd. 15, S. 193-194); Ulrich Thieme, Felix Becker: Allgemeines Lexikon
der Bildenden Künstler (Thieme-Becker), Bd. 23, S. 401.
(10) Hannelore Müller:
Die Künstlerfamilie Daucher. In: Lebensbilder aus dem Bayerischen
Schwaben 6(1958), S. 131-165.
(11) NDB, Bd 3,S. 525-526;
Thieme-Becker, Bd. 8, S.427-431.
(12) NDB, Bd. 9, S. 512
ff.
(13) Hannelore Mueller:
Michel und Gregor Erhart. In: Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben
5 (NBD6), S.16-44; NBD! Bd. 4, S. 582-584; Thieme-Becker, Bd. 10, S. 599.
(14) Lore Riegraf: Ahnenliste
Robert Mayer. Sonderheft der SWDBI. für Familien- und Wappenkunde
1982, In 6374 ff.
(15) NDB, Bd. 4,S. 537-539.
(16) Martin Kessler: Die
Ahnen des Pfarrers Gustav Kessler (1833-1918). In: Deutsches Familienarchiv
66(1977), S. 228-232.
(17) NWDB, par.; 1075; NDB,
Bd. 3, S.525.
(18) Thieme-Becker, Bd.
35, S.345-346.
(19) Thieme-Becker, Bd.
21,S. 509; NWDB par. 1639, 1645,1648.1916,1917, 1946.2338, 3264; Ferdinand
Friedrich Faber: Die Württembergischen Farnilienstifungen, Neudruck
1940,3, par. 44; 30, par. 102; 69, par. 39.
(20) NWDB, par.1075.
(21) Vgl. auch die AT Raffeisen,
Robert Mayer, Hauff.
(22) Allgemeine deutsche
Biographie. Bd. 38, S. 577-579; Thieme-Becker, Bd. 33, S. 383; NWDB par.
1919.
(23) Walther Ludwig: Vorfahren
von Paul Ludwig: In: Deutsches Familienarchiv 116 (1994), S.161 und 190;
Saur: Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 6, S. 437 ff.
|