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"Adel verpflichtet" nach Markgrafenart
Bodenständig, bescheiden
und
ein Selbstverständnis als
Königliche Hoheit: Max von Baden ist 70
Überlingen: Von Martin Baur
Adel verpflichtet!" Das geflügelte Wort gilt auch für den
Markgrafen von Baden, der heute seinen 70. Geburtstag feiert; dort wo
er einst geboren wurde, auf Schloss Salem. Doch
der Chef des Hauses Baden lebt das Sprichwort auf seine Art. In seiner
Person verbindet sich unterm geliebten gefilzten Waidmannshütchen
eine erdige Bodenständigkeit mit einem Adels-Selbstbewusstsein,
das nur mit Standesdünkel
verwechseln kann, wer ihn nicht kennt.
Wie passt das zusammen: Da ist einerseits der studierte Land- und
Forstwirt, der mit Vergnügen bei der Zuchtschau des
Fleckviehverbandes - als dessen Vorsitzender - mit den
Bauern fachsimpelt. Da gibt es den Oberst der Reserve, der einst nach
Übungen in Pfullendorf den Wehrpflichtigen Bierkästen
spendierte und vergnügt mit ihnen plauderte.
Andererseits ist da "Seine Königliche Hoheit", wie er immer noch
am liebsten angesprochen wird. SKH Max Markgraf von Baden, der Probleme
hat mit der Medienöffentlichkeit: So fern dem Zupacker im Wald,
dem Waidmann
und Naturfreund jener Glamour ist, den ein Teil seiner hochadligen
Verwandtschaft zu brauchen scheint, so fern ist ihm deren Hassliebe zur
leichten Journallie. Er drängte
immer in den Hintergrund. Interviews gab er nie. Noblesse oblige?
Was mit Standesdünkel verwechselt werde könnte, ist sein
Weltverständnis, in dem sich die vermeintlichen Widersprüche
im Wesen des Markgrafen vereinen. Fast schon schulbuchmäßig
scheint er geprägt von der "Erziehung
zur Verantwortung" nach den reformpädagogischen Idealen Kurt Hahns.
Gemeinsam mit Hahn, seinem Privatsekretär, hatte der
Großvater des heutigen Markgrafen, ebenfalls Max mit Namen und
letzter kaiserlicher Reichskanzler, die "Schule Schloss Salem"
gegründet. Dort und im schottischen Gordonstoun, das Hahn
nach seiner Emigration ins Leben rief, erhielt der heutige Markgraf Max
seine prägende Erziehung. In Elite-Lehranstalten, die sich als
Modelle eines Staates verstehen, in
denen jeder Schüler als Bürger "öffentliche
Verantwortung" zu übernehmen habe. Ein Weg dorthin ist der
erlebnispädagogische Ansatz über jene aus dem Internat Salem
bis heute bekannten "Dienste", in denen auch die Kinder der
Mächtigen und Reichen, etwa in der Feuerwehr,
Pflichterfüllung und Unterordnung lernen sollen.
So erklärt sich des Markgrafen Engagement in nahezu 50 Vereinen,
in denen er oft mehr als repräsentative Aufgaben hat. Er sitzt in
Organisationen zur Förderung der Wissenschaft, im
Rheinschiffahrtsverband, im Wasserwirtschaftsverband
Baden-Württemberg, in der Landessynode Karlsruhe. Und er ist
Vorsitzender des Kreisverbandes Überlingen des Deutschen Roten
Kreuzes. In den 80-er Jahren
gründete er die Hilfsorganisation "Germanaid-Baden e.V.", die
Flüchtlinge in aller Welt durch Hilfslieferungen in Krisengebiete
unterstützt.
In jener Hahn'schen Erziehung gegen alle Maß- und
Rücksichtslosigkeit erklärt sich auch seine
Bodenständigkeit im Umgang mit Menschen aus der Region. Ja, seine
Herzlichkeit in der persönlichen Begegnung - die man sehr schnell
erleben kann,
wenn man nicht gerade für die Boulevard-Presse auf Markgrafen-Hatz
ist. Als Mensch gibt einem der Markgraf das Gefühl, die Distanz
schrumpfen zu lassen. Als Mensch
kennt er keinen Dünkel.
Dann ist da die andere Facette seiner Persönlichkeit, der erste
Diener seines Clans zu sein. Und der geht auf nicht weniger als die
Zähringer zurück. Hermann aus dem Hause der
Herzöge von Zährigen nannte sich 1112 erstmals Markgraf von
Baden. Maximilian Andreas Friedrich Gustav Ernst August Bernhard
Markgraf von Baden trägt deshalb auch den
Titel "Herzog von Zähringen". Ihn "Königliche Hoheit"
zu nennen, mag er deshalb nicht nur als
Respekt davor sehen, dass die Großherzöge regierende
Landesherrn waren, denn dadurch bedingt sich der Titel. Sondern auch
als Verneigung vor fast 1000 Jahren abendländischer
Geschichte und Tradition. Adel verpflichtet. Auch die anderen,
könnte wertkonservative Ansicht sein.
Zurück zur Erziehung. Weil die Pädagogik Kurt Hahns für
den Markgrafen in seiner Prägung so bestimmend war, mag er Mitte
der 80-er Jahre wohl auch so stur und unversöhnlich reagiert
haben: Als er jene erzieherischen Ideale
verkommen sah, wollte er das Internat aus dem Schloss klagen. 1993
beging der Markgraf seinen 60-er und schaute auf einen verlorenen
Rechtsstreit mit der Schule zurück, die schlimmsten Turbulenzen
durch die Verschuldung der markgräflichen Unternehmungen hatte er
noch vor sich. Erst 1995
waren 264 Millionen Mark durch eine massive Gesundschrumpfung getilgt,
durch Verkäufe von
Firmenbeteiligungen, Immobilien und jene legendäre Kunstauktion in
Baden-Baden. Das Haus Baden war lange in den Schlagzeilen. Aber der
Markgraf tat
genau das Richtige dagegen. Wie schwer ihm die Entscheidung 1998
gefallen sein muss, seinen Sohn Erbprinz Bernhard zum
Generalbevollmächtigten zu machen,
darüber kann nur spekuliert werden. Auf jeden Fall müsste er
ohne die Bürde der direkten operativen Verantwortung für 4000
Hektar Wald und das mit über 120 Hektar
größte private Weingut Deutschlands seinen 70. Geburtstag
heute so richtig genießen können. Indem er in den Ruhestand
ging, brachte Max von Baden das markgräfliche Schiff in ruhige
Gewässer. Er ordnete seine Person dem Haus unter. Adel
verpflichtet
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