Worldroots.com

Brigitte's Pages

What's New
Site Map

Search
Engines

Main Page
Surnames
Research

Germany
Baden
Bavaria
Wuerttemberg

Royalty

Poets
Philosophers ...
Movers+Shakers
Entertainers

v. Stauffenberg
v. Wuerttemberg
v. Castell
v. Helfenstein

Popes
Cardinals
Saints

Family Search
Archives, etc.
Diaries

Argentina
South America

Fine Art

Russian
Impressionism
 
 
 

"Adel verpflichtet" nach Markgrafenart

Bodenständig, bescheiden und ein Selbstverständnis als Königliche Hoheit: Max von Baden ist 70

Überlingen:  Von Martin Baur

Adel verpflichtet!" Das geflügelte Wort gilt auch für den Markgrafen von Baden, der heute seinen 70. Geburtstag feiert; dort wo er einst geboren wurde, auf Schloss Salem. Doch
der Chef des Hauses Baden lebt das Sprichwort auf seine Art. In seiner Person verbindet sich unterm geliebten gefilzten Waidmannshütchen eine erdige Bodenständigkeit mit einem Adels-Selbstbewusstsein, das nur mit Standesdünkel verwechseln kann, wer ihn nicht kennt.

Wie passt das zusammen: Da ist einerseits der studierte Land- und Forstwirt, der mit Vergnügen bei der Zuchtschau des Fleckviehverbandes - als dessen Vorsitzender - mit den
Bauern fachsimpelt. Da gibt es den Oberst der Reserve, der einst nach Übungen in Pfullendorf den Wehrpflichtigen Bierkästen spendierte und vergnügt mit ihnen plauderte.
Andererseits ist da "Seine Königliche Hoheit", wie er immer noch am liebsten angesprochen wird. SKH Max Markgraf von Baden, der Probleme hat mit der Medienöffentlichkeit: So fern dem Zupacker im Wald, dem Waidmann und Naturfreund jener Glamour ist, den ein Teil seiner hochadligen Verwandtschaft zu brauchen scheint, so fern ist ihm deren Hassliebe zur leichten Journallie. Er drängte immer in den Hintergrund. Interviews gab er nie. Noblesse oblige?

Was mit Standesdünkel verwechselt werde könnte, ist sein Weltverständnis, in dem sich die vermeintlichen Widersprüche im Wesen des Markgrafen vereinen. Fast schon schulbuchmäßig scheint er geprägt von der "Erziehung zur Verantwortung" nach den reformpädagogischen Idealen Kurt Hahns.

Gemeinsam mit Hahn, seinem Privatsekretär, hatte der Großvater des heutigen Markgrafen, ebenfalls Max mit Namen und letzter kaiserlicher Reichskanzler, die "Schule Schloss Salem" gegründet. Dort und im schottischen Gordonstoun, das Hahn nach seiner Emigration ins Leben rief, erhielt der heutige Markgraf Max seine prägende Erziehung. In Elite-Lehranstalten, die sich als Modelle eines Staates verstehen, in denen jeder Schüler als Bürger "öffentliche Verantwortung" zu übernehmen habe. Ein Weg dorthin ist der erlebnispädagogische Ansatz über jene aus dem Internat Salem bis heute bekannten "Dienste", in denen auch die Kinder der Mächtigen und Reichen, etwa in der Feuerwehr, Pflichterfüllung und Unterordnung lernen sollen.

So erklärt sich des Markgrafen Engagement in nahezu 50 Vereinen, in denen er oft mehr als repräsentative Aufgaben hat. Er sitzt in Organisationen zur Förderung der Wissenschaft, im Rheinschiffahrtsverband, im Wasserwirtschaftsverband Baden-Württemberg, in der Landessynode Karlsruhe. Und er ist Vorsitzender des Kreisverbandes Überlingen des Deutschen Roten Kreuzes. In den 80-er Jahren gründete er die Hilfsorganisation "Germanaid-Baden e.V.", die Flüchtlinge in aller Welt durch Hilfslieferungen in Krisengebiete unterstützt.

In jener Hahn'schen Erziehung gegen alle Maß- und Rücksichtslosigkeit erklärt sich auch seine Bodenständigkeit im Umgang mit Menschen aus der Region. Ja, seine Herzlichkeit in der persönlichen Begegnung - die man sehr schnell erleben kann, wenn man nicht gerade für die Boulevard-Presse auf Markgrafen-Hatz ist. Als Mensch gibt einem der Markgraf das Gefühl, die Distanz schrumpfen zu lassen. Als Mensch kennt er keinen Dünkel.

Dann ist da die andere Facette seiner Persönlichkeit, der erste Diener seines Clans zu sein. Und der geht auf nicht weniger als die Zähringer zurück. Hermann aus dem Hause der
Herzöge von Zährigen nannte sich 1112 erstmals Markgraf von Baden. Maximilian Andreas Friedrich Gustav Ernst August Bernhard Markgraf von Baden trägt deshalb auch den
Titel "Herzog von Zähringen".  Ihn "Königliche Hoheit" zu nennen, mag er deshalb nicht nur als Respekt davor sehen, dass die Großherzöge regierende Landesherrn waren, denn dadurch bedingt sich der Titel. Sondern auch als Verneigung vor fast 1000 Jahren abendländischer Geschichte und Tradition. Adel verpflichtet. Auch die anderen, könnte wertkonservative Ansicht sein.

Zurück zur Erziehung. Weil die Pädagogik Kurt Hahns für den Markgrafen in seiner Prägung so bestimmend war, mag er Mitte der 80-er Jahre wohl auch so stur und unversöhnlich reagiert haben: Als er jene erzieherischen Ideale verkommen sah, wollte er das Internat aus dem Schloss klagen. 1993 beging der Markgraf seinen 60-er und schaute auf einen verlorenen Rechtsstreit mit der Schule zurück, die schlimmsten Turbulenzen durch die Verschuldung der markgräflichen Unternehmungen hatte er noch vor sich. Erst 1995 waren 264 Millionen Mark durch eine massive Gesundschrumpfung getilgt, durch Verkäufe von
Firmenbeteiligungen, Immobilien und jene legendäre Kunstauktion in Baden-Baden. Das Haus Baden war lange in den Schlagzeilen. Aber der Markgraf tat genau das Richtige dagegen. Wie schwer ihm die Entscheidung 1998 gefallen sein muss, seinen Sohn Erbprinz Bernhard zum Generalbevollmächtigten zu machen, darüber kann nur spekuliert werden. Auf jeden Fall müsste er ohne die Bürde der direkten operativen Verantwortung für 4000 Hektar Wald und das mit über 120 Hektar größte private Weingut Deutschlands seinen 70. Geburtstag heute so richtig genießen können. Indem er in den Ruhestand ging, brachte Max von Baden das markgräfliche Schiff in ruhige Gewässer. Er ordnete seine Person dem Haus unter. Adel verpflichtet
.
Worldroots Home Page