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Ihr Himmel auf Erden war in Württemberg

Vor 150 Jahren wurde die russische Großfürstin Wera Konstantinowa geboren


Von Hans-Dieter Frauer (epd)

Stuttgart (epd).

Für die russische Großfürstin Wera Konstantinowa (1854-1912) war Württemberg der Himmel auf Erden. Sie war tief beeindruckt von den "edlen Sitten" und den "festen Grundsätzen" dort, vor allem aber von der tiefwurzelnden Lehre seiner evangelischen Kirche.
©epd-bild/Archiv
Für die russische Großfürstin Wera Konstantinowa (1854-1912) war Württemberg der Himmel auf Erden. Sie war tief beeindruckt von den "edlen Sitten" und den "festen Grundsätzen" dort, vor allem aber "von der tiefwurzelnden Lehre seiner evangelischen Kirche". So heißt es wörtlich in der von Wera aufgesetzten Stiftungsurkunde für die "Heilandskirche" in Stuttgart. Diese Kirche stiftete sie aus Dankbarkeit am Jahrestag, "da 50 Jahre dahingegangen sind, seit ich meinen Fuß in dieses gelobte Land setzen durfte". Mit einer Matinee in der Heilandskirche wurde nun an ihren 150. Geburtstag erinnert.

Wera wurde am 16. Februar 1854 in St. Petersburg als Enkelin von Zar Nikolaus I. geboren. Als Neunjährige kam sie an den Königshof nach Stuttgart zu König Karl und Königin Olga, ihrer Tante. Das kinderlose Ehepaar adoptierte das kluge Mädchen und ließ ihr eine überaus sorgfältige Erziehung angedeihen. 20-jährig heiratete sie 1874 Herzog Wilhelm Eugen von Württemberg (1846-1877); mit ihm hatte sie drei Kinder. Als Eugen nach drei Jahren im Duell in Düsseldorf ums Leben kam, blieb die Witwe bis zu ihrem Tod im Jahre 1912 in Württemberg.

Die tiefgläubige Frau besuchte die russisch-orthodoxen Gottesdienste in Stuttgart. Sie drängte darauf, dass die kleine Stuttgarter Gemeinde aus Angehörigen der russischen Gesandtschaft sowie Bediensteten am Königshof eine eigene Kirche als geistlichen Mittelpunkt erhielten. Am Entstehen der am 17. Dezember 1895 in Stuttgart eingeweihten "Russischen Kirche" hat die Herzogin maßgeblichen Anteil, weil sie es verstand, über den Zaren Geldmittel für den Kirchenneubau zu beschaffen.

Ihre eigene Entwicklung führte Wera aber weiter in die württembergische evangelische Landeskirche und in die altpietistische Gemeinschaft. Seit dem jähen Tod ihres Mannes besuchte sie immer häufiger die Gottesdienste der Innenstadt, deren Pfarrer herausragende Prediger waren sowie die "Versammlungen" der Altpietisten, deren Leiter der bedeutende Pädagoge Christian Dietrich war. So wuchs Wera immer mehr in den evangelischen Glauben hinein und konvertierte schließlich im Jahre 1909.

"Längst war mir Württemberg zur zweiten Heimat geworden", schrieb sie dazu. Nun "erschloss sich in mir auch der innere Wert der tiefwurzelnden Lehre seiner evangelischen Kirche, und es ward von Jahr zu Jahr immer klarer in mir, wo die Wahrheit zu finden war". "Ich durfte mich in den Schoß der evangelischen Kirche aufnehmen lassen, der mein Herz mit all seinen Fasern schon längst angehörte."

Die Herzogswitwe wirkte auch im diakonischen Bereich. Auf Wera gehen die "Weraheime" für gefallene Mädchen zurück, sie unterstützte das Gustav-Adolf-Diasporawerk und den CVJM. Ein Denkmal hat sie sich aber mit der von ihr gestifteten und bezahlten "Heilandskirche" gesetzt, der einzigen Kirche dieses Namens in Württemberg.

In der Stiftungsurkunde legte sie fest, dass an dieser Kirche nur Pfarrer predigen dürfen, die "von Herzen auf dem positiven Boden und der kritiklosen Lehre der Heiligen Schrift" stehen und "entschiedene Anhänger der (pietistischen) Gemeinschaft" sind. Dafür erhielt die Kirche einen Gemeinschaftssaal als Anbau, und im Grundbuch ist bis heute eine Dienstbarkeit eingetragen, die der Gemeinschaft ein einklagbares Recht auf seine Benutzung einräumt.

Kirchengebäude und Gemeinschaftssaal wurden erbaut, wie von der Herzogin gewünscht, die Stifterin starb aber kurz nach dem ersten Spatenstich am 8. Mai 1912 erst 58-jährig. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer getroffen und in den frühen 60er Jahren durch einen Neubau ersetzt. Dort erinnert noch immer ein "Herzogin-Wera-Raum" an die Stifterin. (0166/15.02.04)

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