Der neue Ehrenbürger der Stadt Lahr
Dr.h.c. Felix Wankel erhielt die Ehrenurkunde
Seit dem 22. Mai 1981 hat die Stadt Lahr einen neuen Ehrenbürger,
der sich würdig in die Reihe der Persönlichkeiten ein- reiht,
die von der Stadt auf diese Weise geehrt und ausgezeichnet wurden. Oberbürgermeister
a.D. und Alt-Regierungspräsident Dr. Paul W a e l d i n war der erste,
der nach dem Zweiten Weltkrieg diese Würde verliehen bekam. Bei der
Eingliederung der Gemeinde Kuhbach wurde der Kuhbacher Ehrenbürger
Hans B e n e t z , der in den USA lebt, auch Ehrenbürger von Lahr.
Danach würdigte der Gemeinderat die Verdienste des früheren Bürgermeisters
der französischen Partnerstadt Dole, Senateur Charles L a u r e n
t - T h o u v e r e y , um die Städtepartnerschaft und die Verständigung
zwischen Deutschland und Frankreich durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts.
Mit Dr. Felix W a n k e l ernannte der Gemeinderat durch einstimmigen Beschluß
nunmehr einen in der ganzen Welt bekannten Lahrer zum Ehrenbürger
unserer Stadt.
Stolz schwang in der Stimme von Oberbürgermeister Dr. Brucker
mit, als er vor vielen Festgästen in der von der Jugendmusikschule
umrahmten Feierstunde die Laudatio auf Dr. Wankel hielt und nachzeichnete,
wie interessant und auch bewegt das Leben des bald Achtzigjährigen
verlaufen ist.
Am 13. August 1902 wurde Felix Wankel als Sohn des badischen Forstassessors
Rudolf Wankel im Haus Schillerstraße 11, in dem heute das Standesamt
und die Volkshochschule untergebracht sind, geboren. Der Junge wuchs in
Lahr, Donaueschingen und Heidelberg auf, denn der Vater fiel als Offizier
schon am 19. August 1914 in der Schlacht bei Mühlhausen im Elsaß.
Später zog die Mutter von Dr. Wankel wieder nach Lahr, wo sie in der
Obertorstraße ein Haus erwarb. So kam auch der Sohn, der gerne von
den Ferientagen bei der Großmutter in Lahr erzählt, wieder nach
Lahr zurück.
1924 richtete er sich am Rosenweg eine eigene Werkstatt ein. In
Lahr lernte er auch die am Amtsgericht tätige Emmy Kirn
kennen, die bald seine Frau wurde. Nun wurde auch der Schwager,
Arthur Kirn, zu einem seiner engsten Mitarbeiter. 1962 machte Felix Wankel
Verbesserungsvorschläge für Hochdruck-Fettschmierapparate und
wurde dadurch auf die Probleme der Abdichtung bei gleitender Reibung aufmerksam.
Von einem Fettdurchflußanzeiger kam er "auf eine Drehkolbenmaschine
ohne ungleichförmige bewegte Teile". 1927 begann er mit dem zeichnerischen
Gestalten von Drehkolbenmotorensätzen und von Dichtteilen.
1933 geriet Felix Wankel in Konflikt mit den neuen Machthabern und
wurde für einige Monate inhaftiert. Lahr war ihm jetzt verleidet.
Er siedelte 1936 nach Lindau/Bodensee um, wo er Versuchswerkstätten
aufbaute und Forschungen für die Deutsche Versuchsanstalt für
Luftfahrt betrieb. 1943 erhielt er eine Anerkennungsprämie der Lilienthal-Gesellschaft.
1945 wurden seine Forschungs- und Entwicklungsstätten in Lindau durch
die französische Besatzungsmacht demontiert. Dr. Wankel aber ließ
sich nicht unterkriegen. Er beginnt heimlich mit den Arbeiten an dem Manuskript
"Einteilung der Rotationskolbenmaschinen", sowie an Vorentwürfen für
Rotationskolbenmotoren. 1951 konnte er wieder einen eigenen Forschungsbetrieb
einrichten. Er nahm Kontakte mit der deutschen Auto-Industrie auf.
Im April 1954 ermöglichte eine Maschine das Viertaktverfahren
in e i n e r Maschine. Das war die Geburtsstunde des Wankel-Motors, dessen
Name bald um die ganze Welt gehen sollte. 1969 erhielt Felix Wankel, der
auch viele Patente besitzt, das Ehrenzeichen des Verbandes Deutscher Ingenieure
in Gold. Am 5.12.1969 wurde er Ehrendoktor der Technischen Hochschule in
München. 1970 zeichnete ihn der Bundespräsident mit dem Großen
Bundesverdienstkreuz aus, 1971 ehrte man ihn durch die Verleihung der Franklin-Medaille
am Institut in Philadelphia. Das Land Bayern überreichte 1973 den
Bayrischen Verdienstorden. Nun folgte die Heimatstadt mit der Würde
des Ehrenbürgers nach.
Dr. Felix Wankel hat nicht nur viele Träume geträumt,
so sagte der Oberbürgermeister, sondern auch geforscht, konstruiert
und realisiert. Gerade jetzt habe der Wankel-Motor in Japan einen neuen
Siegeszug angetreten und längst außer dem Automobil viele andere
Gebiete der Technik erobert.
"Wir freuen uns", so schloß Oberbürgermeister Dr. Brucker
seine Laudatio, "daß Sie sich wieder zu Lahr bekennen, daß
Sie 'heimgekehrt' sind. Wir ehren in Ihnen einen großen Ingenieur,
einen bedeutenden Forscher, einen vorwärtsweisenden Erfinder, aber
auch einen Natur- und Tierfreund, einen Menschen, der trotz aller Schicksalsschläge
und Widerwärtigkeiten unbeirrt seinen Weg gegangen ist, der ein Weg
in die Zukunft, in technisches Neuland und ein Weg des Geistes und des
Schaffens war.
Eine Ausstellung
Von den Arbeiten Dr. Wankels konnten sich viele Lahrer überzeugen.
Dr. Wankel hatte mit seinen Mitarbeitern in der großen Fahrzeughalle
der Lahrer Feuerwehr eine große Wankel-Ausstellung aufgebaut. In
ihr wurden neben dem von NSU gebauten berühmten Auto "RO 80" mit Wankelmotor
auch andere Autos und schnittige Motorräder mit Wankel-Motoren gezeigt.
Auch das Motorboot "Zisch", das auf dem Bodensee und auf dem Meer erprobt
wurde, stand in der Halle. Weiterentwicklungen von Wankel Motoren, die
immer kleiner und damit vielseitiger verwendbar wurden, zeigten Möglichkeiten
für den Einbau in Kältemaschinen für Kühlschränke.
Ein interessiertes Publikum ließ sich die Forschungen und die Arbeiten
Dr. Wankels erläutern.
Die Volkshochschule Lahr faßte zusammen mit dem VDI die Gelegenheit
beim Schopf und bat Dr. Wankel um einen Vortrag. Im überfüllten
Saal des Parkrestaurants schilderte er den Werdegang der Erfindung und
die Verwirklichung eines technischen Traumes, der schon von James Watt,
dem Bahnbrecher der Hubkolbendampfmaschine, um 1780 geträumt worden
war. Auch die Erfinder Otto, Diesel und andere hatten nach der Kreis- und
Drehkolbenmaschine getastet. Erst Dr. Wankel kam der Lösung einer
Wärmekraftmaschine mit kreisendem und drehendem Kolben näher
und verwirklichte schließlich den Traum.
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