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Der Erfinder und sein Impresssario:
Dr. Felix Wankel und der Aufsichtsratvorsitzende von Mazda, K. Yamanoto,
trafen sich oft auf der Frankfurter Automobilausstellung IAA zum Gedankenaustausch

Felix Wankel - ein Autodidakt
1902-1988

Der berühmte Ehrenbürger der Stadt Lahr
bleibt als Erfinder des Kreiskolbenmotors unvergessen
 

Von Peter Goehringer



"Die Automobilwelt hat einen ihrer großen Ideengeber verloren" erklärte 1988 die Konzernspitze des japanischen Automobilgiganten Mazda zum Tode von Dr. Felix Wankel. Der weltweit angesehene Erfinder wurde am 13. August1902 in Lahr geboren und war bis 1936 Bürger dieser Stadt. Die wichtigsten Stationen im Leben des begnadeten Ingenieurs skizziert der folgende Beitrag.*
 


Schon als Kind ist Felix Wankel, Sohn eines Lahrer Forstbeamten, von Maschinen fasziniert. Insbesondere das Innenleben der damals noch selten rollenden Autos beschäftigt den jungen Wankel. Seine Gedanken kreisen immer wieder um die gleiche Frage: Muß so ein Automotor unbedingt hin- und hergehende Kolben haben, die das ganze Vehikel samt Insassen gehörig durcheinanderschütteln? Kann man nicht einen vibrationsarmen Antrieb bauen, bei dem eine rotierende Scheibe die ruppig oszillierenden Kolben ersetzt.
Ähnliche Gedanken waren indessen schon vielen Erfindern vor Felix Wankel durch den Kopf gegangen. Die Geschichte des "Kreiskolbenmotors", wie die Erfindung von Wankel später heißt, beginnt schon im 16. Jahrhundert mit einem Itatiener namens Rimelli und setzt sich fort über eine Kreiskolben-Dampfmaschine von Ericsson, über den Briten Cooley zu dem Franzosen Sensaud de Lavaud. Letzterer erhielt 1938 ein Patent für eine Drehkolbenmaschine, die im Viertakt arbeitet.

Was Wankel indes von den meisten seiner Vorläufer unterscheidet: Er ist kein abstrakt denkender Wissenschaftler, sondern ein typischer Tueftler, der Zeit seines Lebens mit der Mathematik auf dem Kriegsfuß steht. "Mich stören die Formeln"
 


Das Geburtshaus Schillerstrasse 4 in Lahr


 

äußert er sich einmal knapp als Schüler des Lahrer Gymnasiums. Und verläßt in der Unterprima kurzerhand die ungeliebte Schule.

Felix Wankel bleibt Praktiker und Autodidakt. Er besucht weder eine technische Lehranstalt noch eine Universität. Nebenbei macht er eine Lehre als Kaufmann. Zielstrebig beginnt er als Vierundzwanzigjähriger an der Verwirklichung seines Jugendtraumes zu arbeiten: ein Triebwerk mit drehenden Kolben zum Laufen zu bringen. 1924 entsteht ein Entwurf auf dem Reißbrett, aber es gibt keine Möglichkeit, die Maschine auszuführen und zu erproben. Indes konnte er 1932 erste Patente zur Abdichtung des Verbrennungsraumes anmelden.

Schweißtreibende 25 Jahre stehen ihm bevor, ehe sich die Industrie ernsthaft für Wankel's Konstruktion und Modelle interessiert. Andere Dinge, so die Politik, scheinen für den verbissen arbeitenden jungen Mann uninteressant zu sein. Oder doch nicht? Denn überraschend umstellt eines Tages - wir schreiben mittlerweile das Jahr der Machtübernahme, also 1933 - die Lahrer SS das Haus in der 
 

Im Hause Obertorstrasse 15 in Lahr wurde Felix Wankel 1933 verhaftet


Obertorstraße, das Wankel mit seiner Mutter bewohnt, und verhaftet den jungen Konstrukteur. Nach wenigen Tagen Haft im Amtsgefängnis kommt er wieder frei. Die Hintergründe für diese kurze Episode schildern Zeitgenossen folgendermaßen:

Als Verlagskaufmann wird Felix Wankel 1926 arbeitslos und tritt in die NSDAP ein, die er aber vor 1933 wieder verläßt. Zeitweise arbeitet er in der Gauleitung in Karlsruhe und hilft einen Korruptionafall in Parteikreisen aufzudecken. Der GauleiterWagner, verwickelt in die Affäre, verübelt ihm diese Enthüllung und veranlaßt nach der Machtuebernahme seine Festnahme. Die Freilassung kommt durch Intervention eines einflußreichen Wirtschaftsführers direkt bei Hitler zustande.

Wankel konstruiert in den folgenden Jahren unverdrossen weiter und baut 1934 den Prototyp eines Kreiskolbenmotors. Das geschieht in der Lahrer Firma Schneider Automatenbau, die ihm das Material und eine Werkstatt unentgeltlich zur Verfügung stellt. 1936 zeichnet sich ein Durchbruch ab: Das Reichsluftfahrtsministerium wird auf den ideenreichen Konstrukteur aufmerksam und offeriert ihm die Einrichtung eines Motoreninstitutes in Lindau. Wankel, mittlerweile verheiratet nimmt an und zieht im gleichen Jahr mit seiner Frau an den Bodensee.

1944 kommt ein Drehkolbenverdichter auf den Prüfstand und besteht seinen Probelauf. Der Einmarsch der Franzosen beendet Wankels Aufbauarbeit; das Institut wird beschlagnahmt und praktisch vernichtet. Obendrein kommt Wankel für kurze Zeit in Franzosenhaft.
 

Der Kreiskolbenmotor - hier ein Schnittbild -
hat keine auf- und abgehenden Teile wie die ueblichen Automobiltriebwerke,
sondern nur rotierende Teile. Das macht ihn leise und vibrationsarm

 

Felix Wankel schrieb als Erfinder neuer Brennkraftmotoren ein Stueck Technik-Geschichte


 

Wenige Jahre später baut Wankel in seinem privaten Wohnhaus erneut ein Motoren Institut mit Werkstatt, Prüfstand und Zeichenbüros auf - die TES (Technische Entwicklungsstelle). 1951 kommt dann die entscheidende Wende: NSU, der bekannte Motorradproduzent und aufstrebende Automobilhersteller in Neckarsulm, entschließt sich zur Zusammenarbeit mit dem kleinen Lindauer Institut. Nach dreijähriger Konstruktions- und Experimentierarbeit entsteht 1954 der erste, für ein Fahrzeug vorgesehene Viertaktmotor mit kreisenden Kolben.

Ihr Debüt gibt die Wankel-Konstruktion allerdings nicht als Motor, sondern als Ladegebläse für einen winzigen Zweitaktmotor mit 50 ccm - und nimmt dabei 1956 an einem kuriosen Weltrekord teil: Mit dem Zweitakt-Motörchen von NSU erreicht der "Baumsche Liegestuhl", eine Stromlinien-Zigarre auf zwei Rädern, eine Geschwindigkeit von 196 km/h.

Im Februar 1957 läuft endlich der erste Wankel-Verbrennungsmotor im Labor und wird von der Fachwelt als revolutionäre Entwicklung gefeiert. Die ersten Autos mit Kreiskolben erscheinen als "Versuchs-Prinzen" von NSU 1960 auf den bundesdeutschen Straßen. Dann, 1963, hat das erste Wankel-Serien-Auto auf der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt seinen großen Auftritt. Der niedliche NSU-Spider, ein Sportflitzer, hat einen Kreiskolbenmotor mit einem Kammer volumen von 500 ccm und 37 kW Leistung. Der Motor geht ein Jahr später in die Serienproduktion.

Das zweite "Wankel-Auto" bauen die Japaner, das dritte wiederum NSU: Der heute legendäre RO 80 aus Neckarsulm hat einen Zweischeiben-Motor mit 1000 ccm Volumen und 81 kW Leistung. Er verleiht der frontgetriebenen Limousine eine
 

 

Der NSU-Spider war das erste Serienauto mit einem Kreiskolbenmotor.
Es hatte sein Debuet 1963 auf der IAA in Frankfurt.

 

In Deutschland erlangte der Wankel-Motor einen Achtungserfolg -
als Triebwerk fuer den "grossen NSU" RO 80


Spitze von 180 km/h, sorgt für eine ungewöhnliche Laufruhe - stellt sich aber als recht reparaturanfällig heraus.

Dennoch stehen in den 7Oer Jahren die Lizenznehmer bei Wankel Schlange, nachdem schon 1958 der amerikanische Hersteller von Flugzeugtriebwerken Curtis Wright "eingestiegen" war. Wankel bringt immer weitere Verträge unter Dach und Fach, so mit Daimler Benz und VW, Rolls Royce und Porsche, General Motors und Ford, Nissan, Mazda und Yamaha, Toyota, American Motors, Krupp und vielen anderen, darunter alle größeren Motorradproduzenten.

Die Lizenzgewinne sind beträchtlich. Doch um ein mehrfaches werden sie von den Kosten überschattet, welche die Lizenznehmer für neue Ferigungsstraßen und weltweite Ersatzteillager investieren müssen.

Die Euphorie hält nicht lange. Zwar werden Probleme mit "Rattermarken" auf den Gehäuse-Innenflächen und mit den Dichtleisten kuriert; die Erwartung jedoch, der Motor lasse sich preisgünstiger produzieren als die konkurrierende Hubkolbenvariante, erfüllt sich nicht. Der sichelförmige Hubraum erweist sich ferner als ungünstig fürVerbrauch und Schadstoff-Emissionen, außerdem läßt sich die Drehmomentschwäche im unteren Drehzahlbereich nicht abgewöhnen. Die galoppierenden Brennstoffpreise während der ersten Energiekrise und verschärfte Abgas vorschriften in Amerika besiegeln mit das Schicksal des Wankel-Motors.

Als dann NSU mit der VW-Tochter Auto Union zur Audi fusioniert, bremst der Wolfsburger Vorstand die Wankel-Fortentwicklung. Anfang 1977 rollt der letzte So wurde der Motor des Felix Wankel zu einem verglühenden Kometen. Die großen Erwartungen erfüllte er nicht. Von den ursprünglichen Lizenznehmern baut ihn nur noch Mazda in nunmehr gereifter Ausführung für das Sportcoupe RX 7, ferner die schon totgesagte britische Motorradfabrik Norton für die Polizei im eigenen Land.

Übrigens befaßte sich Wankel nicht nur mit Automobil- und Motorradantrieben. 1976 wankelt das Motorboot ,,Zisch" mit einer 220 kW starken Kreiskolbenmaschine und über 100 km/h über den Bodensee. Und 1982 stellt das Lindauer Institut den neuen DKM 78 vor, ein Drehkolbentriebwerk, das aus 300 ccm Kammervolumen 300 kW herauskitzelt. Auch im Alter setzt sich Felix Wankel also nicht zur Ruhe. Er verkauft zwar 1986 sein Institut für 100 Mio. DM an Daimler-Benz - und tüftelt weiter an neuen Motorkonstruktionen. Viel Beifall findet unter anderem ein mechanischer Kompressor, um dessen Serienreife sich der pfälzische Turbolader Fabrikant Kühnle, Kopp und Kausch (KKK) weiterhin bemüht.

1981 erhält Felix Wankel - inzwischen Ehrendoktor der TH München und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes - die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Lahr. Ehrenbürger seiner zweiten Heimat Lindau will er nicht werden. Dieser Entscheidung geht ein handfester Krach mit den Stadtvätern voraus, die im Konsens mit Naturschützern seinen Plan ablehnen, seinem Institut am Bodensee ein Bootshaus mit Museum anzugliedern. Verärgert bringt Wankel einenTeil seiner Patenteinnahmen in eine Stiftung bei den Eidgenossen ein. Sie verwirklicht das Museumsprojekt auf dem Schweizerischen Ufer. Jährlich vergibt die Stiftung den schon 1972 ins Leben gerufene Wankel-Tierschutzforschungspreis.

Als Dr. h. c. Felix Wankel am 9. Oktober 1988 nach langer Krankheit in Heidelberg stirbt, sind es seine Gönner aus dem Land der aufgehenden Sonne, die in einer Presseverlautbarung versichern, daß es bei Mazda weiterhin Motoren ohne Ventile und Pleuel geben wird. Die Japaner, so scheint es, sehen das Entwicklungspotential des vibrationsarmenWankel Triebwerkes noch lange nicht als ausgereizt an. An die zwei Millionen Kreiskolbenmotoren baute Mazda seit 1961, vorwiegend für den erwähnten Sportwagen RX 7. In einer Würdigung nach dem Tod von Felix Wankel vergleicht das Unternehmen den genialen Sohn der Stadt Lahr mit den großen Erfindern und Motorenkonstrukteuren Otto und Diesel.
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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