|
Bistum E i c h s t a e t t.
Das Bisthum Eichstaett ist im Jahre 745 von dem heil. Bonifacius gegründet
und von dem Grafen Swigger, Ahnherrn der Grafen von Hirschberg, mit einem
angemessenen Wittum versehen worden. Erster Bischof war St. Wilibald, der
bis 781 regierte. Auf Vermittlung der Grafen von Hirschberg, welche Schirmvögte
des Hochstifts und seine obersten Richter in weltlichen Sachen blieben,
verlieh der Kaiser dem Bischof Erchanbald um das Jahr 908 das Recht, in
Eichstätt Markt zu halten und Geld zu muenzen, was Kaiser Konrad 918
bestaetigte. Gebhard, der letzte Graf von Hirschberg, begründete durch
seine Freigebigkeit die nachmalige Stellung der Bischöfe. Waehrend
die letzteren bisher nicht einmal einen unmit telbaren Immunitaetsbezirk
zunächst um Eichstätt besessen hatten, schenkte Graf Gebhard
1291 für seinen Todesfall dem Bisthum seine Hauptburg Hirschberg mit
allen Zugehörungen, 1296 die Schirmvogtei über Eichstätt
und alle bischöflichen Tafelgüter, u. A. Obgleich sich die Herzöge
Rudolf und Ludwig von Bayern 1800 vom Kaiser als die gesetzlichen Erben
erklären liessen, liess sich der Graf nicht hindern. im J. 1804
die früheren Schenkungen zu bestätigen und zu vermehren. Nach
dem Tode des Grafen 1305 fand ein Vergleich zwischen den Herzogen und Bischof
Johann l. statt, welcher dem Hochstifte die Herrschaft Hirschberg und das
Gebiet von Eichstätt sicherte. - Unter dem Bischof Gabriel von Eyb
(1496-1525) wurde der geistliche Sprengel der Bischöfe bedeutend geschmälert.
Von den 817 Pfarrgemeinden des Bisthums nahmen 110 die Reformation an,
nur die der Landeshoheit des Bischofs unterstellenden Parochien blieben
dem katholischen Glauben erhalten.
Die Bischöfe führten den Titel "Von Gottes Gnaden Bischof
und Fürst von Eichstätt." Sie hatten im Reichsfuerstenrathe ihre
Stolle zwischen den Bischöfen von Worms und Speyer. Das Domcapitel
bestand aus 15 Capitularen und 13 Domicellaren, die von stiftsfähigem
Adel sein, und 16 Ahnen nachweisen mussten. Bei der Bischofswahl war eine
Majorität von 2/3 der stimmführenden Domherren entscheidend.
Im J. 1802 wurde das Fürstbisthum säcularisirt und bei den
"allgemeinen Entschädigungen" an Bayern abgetreten; durch die Pariser
Konvention am 26. Dec. 1802 kam es (mit Ausschluss von 7 Aemtern) an den
Grossherzog Ferdinand von Toskana als ein Bestandtheil des Kurfuerstenthum's
Salzburg. Es war dann vorübergehend, 1804, theilweise in den Händen
Preussens und kam 1805 durch den Frieden von Pressburg wieder an Bayern.
König Maximilian l. von Bayern verlieh 1817 das Fürstenthum Eichstätt
dem Herzog Eugen von Leuchtenberg, von dessen Haus es 1855 wieder zurückgekauft
wurde.
Durch das Concordat der Krone Bayern mit dem päpstlichen Stuhl
1817. wurde der geistliche Sprengel des Bisthums wiederhergestellt. Der
letzte Fuerstbischof von Eichstätt, Joseph Graf v. Stubenberg, erhielt
das neue Bisthum sowie das Erzbisthum Bamberg und starb 1824.
Wappen.
Das Wappen des Fürstbisthums Eichstätt war ein s. Bischofsstab
im r. Felde. Ich finde den Wappenschild bereits auf dem Siegel des Bischof
Heinrich V. Schenk von Reicheneck (1330-43).
In dem Wappensiegel des Bischofs Gabriel v. Eyb (1496-1535) erscheint
der bischöfliche Wappenschild neben dem Geschlechts-Wappenschild des
Bischofs (drei r. Muscheln in S.). Beide Schilde sind mit der Infal bedeckt.
(Taf. 23 Nr.2).
B. Martin von Schaumberg (+ 1590) führt einen gevierten Schild.
In 1. u 4. der Bischofsstab. 2. u. 3. halb gespalten und quergetheilt von
S. R. und B. (Schaumberg). Der Schild ist mit der Inful bedeckt. (Tafel
24 Nr.1).
Johann Christoph von Westerstetten (1612-1636). Geviert. 1.u..
4. Eichstätt. 2. u. 3. halbgespalten und quergetheilt s.-r.-b. (Westerstetten).
2 Helme: 1) mit r.-s. Wulst, darauf ein behandschuhter Arm, der einen
Bischofsstab schrägrechts hält (Eichstätt), 2) ein #, mit
g. Lindenblättern besäter Flug (Westerstetten). (Tafel 24 Nr.
3).
Bischof Marquard II. Schenk von Castell (1636-85) führt
ebenfalls einen quadrirten Schild. 1. und 4. wie oben 2. und 3. in S. ein
r. Hirschgeweih (Sch. v. Castell). Auf dem Schilde ruhs ein Helm, darauf
ein r. Kissen mit der Inful. Der Schild ist von Krummstab und Schwert schräg
hinterlegt. (Taf. 24 Nr. 2).
Complicirter hinsichtlich der Helme sind die Wappen der folgenden Bischöfe.
Wir geben als Beispiel:
Das Wappen des Bischofs Franz Ludwig Schenk Freih. v. Castell
(1725
36).
Geviert mit Mittelschild.
1. u. 4. in S. ein r Hirschgeweih. 2. u. 3. in S. zwei r. gekrönte
nach innen gekehrte Leoparden (Schenk v. Castell). Mittelschild: Bischofsstab.
4. Helme. 1) gekroent mit dem r. Hirschgeweih (Sch. v. C.). 2) mit
einem r. Kissen, darauf die bischöfl. Inful, 3) mit dem Fürstenhut,
darauf ein mit einem g. Handschuh bekleideter Arm. welcher einen Bischofsstab
links schräg hält (2. u. 3. Eichstaett). 4) gekrönt mit
einem r.-gekleideten Mannsrumpf ohne Arm. -- Helmdecken : r.-s.
Der Schild ist von Krummstab und Schwert, schräg hinterlegt.
Schildhalter: 2 goldene Löwen. (Taf. 25).

Wappen des Bischofs Johann Anton Joseph Freih. v. Freyberg erwählt
1736.
Gevierter Schild. 1. u. 4. der Bischofsstab 2. u. 3. von S. u. B. quergetheilt,
unten drei (2, 1) g. Kugeln. (Freyberg).
3 Helme: 1) mit dem Arm, welcher den Bischofsstab rechtsschräg
hält. 2) mit dem r. Kissen darauf die Inful, 3) (v. Freyberg:) gekrönt
mit 5 Straussfedern. (Taf. 27. Nr.1).
Raymund Joseph Graf von Stassoldo (erw. 1757).
Gevierter Schild nicht Mittelschild.
Mittelschild: : von G und # sechsfach quergetheilt und mit einem Herzschilde
belegt, welcher das Bisthumswappen enthält.
1. in G. ein #, gekroenter Doppeladler 2. u. 3. in G. Das Brustbild
einer Mohrin mit s. Stirnbinde, 4. in G. sechs Straussfedern abwechselnd
# u g.
Auf dem Schilde, der von einem fuerstlichen Wappenmantel umfangen ist.
ruht der Fürstenhut , hinter dem Schilde senkrecht steht das Kleeblattkreuz.
Ueber dem Schild stehen sechs Helme:
1) und 6) (von rechts nach links gezählt) gekrönt, darauf
eine wachsende Mohrin mit s. Stirnbinde; die beiden Figuren halten ein
Band mit der Inschrift:: Intima candent,
2) gekrönt mit dem Adler des ersten Feldes,
3.) mit Fuerstenhut und dem, einen Krummstab haltenden Arm,
4) mit r. Kissen und darauf ruhender Inful,
5) gekroent mit den Federn des 4. Feldes.
Schildhalter: zwei Mohren, von denen de r zur Rechten einen Krummstab,
der zur Linken ein Schwert schraeg hält. (Taf 26).
Bischof Joseph Graf von Stubenberg: letzter Fuerstbischof (1790-1802)
fuehrt folgendes Wappen :
Geviert. 1. u. 4. der Bischofsstab. 2. u. 3. in # ein mit den Widerhaken
nach oben gerichteten (eisernen) Anker, durch dessen Ring ein geflochtener
blonder Haarzopf (Tau?) gezogen ist. Der Schild ist von einem fuerstlichen
Wappenzelte umgeben. Hinter dem Fürstenhute steht senkrecht das Kleeblattkreuz.
Das Wappenzelt ist von Krummstab und Schwert hinterlegt. (Taf. 27).
Das Bisthumswappen ist 1803 in das Wappen des Churfuersten Ferdinand
von Salzburg aufgenommen worden. Wir werden das letztere unter Salzburg
bringen und behandeln.
Die Bischöfe neuerer Ordnung pflegen sich blos ihres Familienwappens
zu bedienen, und dasselbe mit den Insignien der bischöflichen Wuerde
zu umgeben. Ich unterlasse es daher, ein Beispiel aus diesem Zeitraume
beizubringen.
Wappen des Domcapitels.
Das Wappen des Domcapitels ist: drei g. Leoparden in R. (Taf. 23 Nr.3).
-- Angeblich soll der h. Willibald, erster Bischof von Eichstaett, der
Legende nach ein Prinz von England dem Domcapitel dieses Wappen verliehen
haben. Wir dagegen wollen den thatsaechlichen Gehalt dieser Angabe so formuliren,
dass das Domcapitel von Eichstätt das Wappen von England, als das
vermeintliche des h. Wilibald, angenommen habe. Auch das Walpurgis-Kloster
zu Eichstaett - gestiftet von der h. Walpurgis, einer Schwester Wilibald,
- fuehrt dasselbe Wappen, wie an seinem Orte des Näheren wird dargelegt
werden.
Reihenfolge der Bischoefe von Eichstaett.
1) St. Willibald aus England, + 781.
2) Gerhoch, + 2. Febr. 802.
3) Aganus, + 9. Nov. 819.
4) Adelung, + 25. Aug. 841.
5) Altinus (Altumus), + 21. Febr. 858.
6) Otker, + 881.
7) Gottschalk, + 12. Nov. 884
8) Erchambald, + 19. Sept. 908.
9) Udalfried, + 1. Januar 933.
10) Stargand (Stockhard), + 11. Febr. 966.
11) Reginald, + 989.
12) Megingoz, Graf von Lechsgemuend, + 28. April 1014.
13) Gundacker I., + 20. Dec. 1019.
14) Walter, + 20. Dec. 1021.
15) Heribert, Graf von Rotenburg, + 24. Juli 1042.
16) Gottsmann, Bruder des Vorigen, + ebenfalls 1042 17. Oct.
17) Gebhard I., Graf von Calw (von Hirschberg?), wurde 1055 Papst unter
dem Namen Victor II.
18) Gundacker II., + 2. Aug. 1075.
19) Ulrich I., + 1099.
20) Eberhard I., Sohn des Markgrafen Otto von Schweinfurt, + 1111.
21) Ulrich II., 1125.
22) Gebhard II., Graf von Hirschberg, + 17. März 1149.
23) Burchard, vom Papste entsetzt 1153.
24) Conrad l. von Morsbach (Morsbeck), + 13. Jan. 1171.
25) Egilolf, resignirt 1182.
26) Otto, + 1196.
27) Hartwich, Graf von Sulzbach, + 2. Mai 1223.
28) Friedrich l. von Hanenstadt, + 1226.
29) Heinrich l. von Zipplingen 1226-, + 10. Jan. 1229.
30) Heinrich II. von Tischingen 1229-, + 21. Juni 1284.
31) Heinrich III. von Ravensberg 1234--, + 30. Juni 1237.
32) Friedrich II. von Parsberg 1237-, + 28. Juni 1246.
33) Heinrich IV. Graf von Württemberg, + 18. Mai 1259.
34) Engelhard, + 4.Mai 1261.
35) Hildebrand von Kern, + 24. März 1279.
36) Reinbot von Mulnhardt, + 26. Aug. 1297.
37) Conrad II. von Pfeffenhausen, + 17. Mai 1305.
38) Johann I., natürlicher Sohn eines Edeln von Dirpheim im Zürchgau,
K. Albrechts Geheimer Rath und Kanzler 1305, wurde 1307 Bischof von Strassburg.
39) Philipp von Ratzenhausen (Rathsamhausen), der heil. Schrift Docter
1307-, +25. Febr. 1322.
40) Marquard von Hageln, + 6. Febr. 1324.
41) Gebhard III, Graf von Lechsgemund und Graisbacb, + 14. Sept. 1327
bei der Belagerung von Pisa.
42) Friedrich III., Landgraf von Leuchtenberg, Abt zu Langheim und
Ebrach, vom Papste 1328 zum Bischof von Eichstaett ernannt, + 27. März
1329.
43) Heinrich V., Schenk von Reicheneck, vom Papste ernannt, + 10. Febr.
1344.
44) Albrecht I. von Hohenfels, + 1353, vom Capitel erwählt, aber
vom Papste nicht bestätigt, der vielmehr
45) Berthold, Burggrafen von Nürnberg. Deutschordensritter, ernannte.
Berthold verdrängte jedoch seinen Gegenbischof nicht und übernahm
die Regierung erst nach dessen Tode, nachdem er noch von dem Capitel eigens
gewählt worden war, *16. Sept. 1365.
46) Raban Schenk von Wilburgstetten, + 18. Oct. 1383.
47) Friedrich IV., Graf zu Oettingen, + 19. Sept. 1415.
48) Johannes II., Herr zu Heideck, vorher Dompropst + 3. Juni 1429.
49) Albrecht II. von Rechberg, + 9. Sept. 1445.
50) Johann III. von Aich, der h. Schrift Doctor, K. Albrecht II. Kanzler,
1. Jan. 1464.
51) Wilhelm von Reichenau, + 18. Nov. 1496.
52) Gabriel von Eyb, der Rechte Doctor, geb. 5. Dec. 1446, erwählt
1496, + 30. Nov. 1535.
53) Christoph Marschall von Pappenheim, + 10. Juni 1539.
54) Moritz von Hutten 1539-, + 8. Dec. 1452.
55) Johann (Eberhard II.) von Hirnheim, + 4. Juli 1560.
56) Martin von Schaumberg 1560-, + 1590.
57) Caspar von Seckendorf, erwählt 1590, + 28. April 1595.
58) Johann Conrad von Gemmingen, erw. 1595-, + 7. Nov. 1612.
59) Johann Christoph von Westerstetten, geb. 8. Jan. 1563, Domdechant
zu Eichstädt 1592, Propet zu Ellwangen 11. April 1602, Bischof von
Eichstaedt 4. Decbr. 1612, resign. 21. Oct. 1636, *28. Juli 1637.
60) Marquard Schenk von Castell 1636-, + 18. Jan. 1685.
61) Johann Eucharius Schenk von Castell, + 6. März 1697.
62) Johann Martin von Eyb, erw. 6. (16.) April 1697, + 6. Sept. 1704.
63) Johann Anton Knebel von Catzenellenbogen, geb. 18, Octob. 1646,
erw. 9. Febr 1705, + 27. April 1725.
64) Franz Ludwig Schenk Freih. von Castell, geb. 5. Aug. 1670, erw.
3. Juli 1725, + 17. Sept. 1736.
65) Johann Anton Joseph Freih. von Freyberg auf Hopferau, erw. 5. Dec.
1736, +20. April 1757.
66) Raymund Anton Graf von Strassoldo, geb. 29. April 1718, erw. 5.
Juli 1757, + 13. Jan. 1781.
67) Johann Anton Ernst von Zehmen, geb. 25. Nov. 1715, erw. 27. März
1781, +23. Juni 1790.
68) Joseph Graf von Stubenberg (letzter Fuerstbisehof) 1790-1802, stirbt
1824 als Erzbischof von Bamberg und Bischof von Eichstaedt.
Source:
Bisthuemer und Kloester. I. Reihe: Bisthuemer.
J. Siebmacher's grosses Wappenbuch
|