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Series *Meister-Saenger am Muenchner Hof- 
und Nationaltheater 1850 - 1950*

-geschrieben von Helga Schmidt in der Sueddeutschen Zeitung in Jahre 1993-

-ergaenzt von Ingeborg Brigitte Gastel Lloyd in 1996- 

Georg Hann
Komoediant wider Willen


 

Der "Hann Schorschi", Wiener mit Wahlheimat Muenchen -  Georg Hann

- beim Nennen dieses Namens werden diejenigen Musikliebhaber, die ihn hoeren konnten, sofort sein unverwechselbares samtweiches Timbre im Ohr haben. Der am 30. Januar 1897 in Wien geborene Saenger (Sohn von Georg Franz Hann, geb. 24.4.1862 in Ernstbrunn, Nieder-Oesterreich, gest. 09.11.1933 in Wien und der Josepha Eisler, geb. 16.12.1864 in Hundsheim und gest. 27.11.1927 in Wien) war weit mehr ein "Muenchner" Saenger als mancher, der hier geboren wurde: Hann war eine Muenchner Institution. "Dass i a schee Stimm' hab, hab I schon g'wusst, eh i a Theater von innen g'sehn hab", sagte er oft. Aber obwohl er gern im Freundeskreis sang, gab es vorerst noch nicht das konkrete Berufsziel "Saenger". Nach der Schulzeit ( seine Vorbildung waren die Volksschule, Abitur, 3 Semester Handelsschule, 2 Semester Staatsverrechnung und Kameralistik und bekam sein Abgangszeugnis an der Akademie fuer Musik in Wien) meldete er sich zunaechst als Freiwilliger zum Militaerdienst zur oesterreichischen Armee und wurde im 1. Weltkrieg 1918 als Leutnant entlassen.. Seine Versuche, im Bankgewerbe eine buergerliche Karriere zu machen, verliefen nicht sehr befriedigend. Ebenso nicht als Lokalreporter, Buchhalter und Bankbeamter. Er schrieb sich an der Wiener Akademie fuer Tonkunst ein und studierte ab 1924 (also erst mit 27 Jahren) bei Professor Theodor Lierhammer Gesang. Hann hatte in Wien eine Chorvereinigung gegruendet, mit der er auch solistisch auftrat. Clemens von Franckenstein, der damalige Muenchner Generalintendant, wurde auf den Saenger aufmerksam und lud ihn zu einem Probegastspiel ein.

Debuet als Eremit

In einer Freischuetz-Auffuehrung steht er am 15. Februar 1927 als Eremit erstmals auf einer Muenchner Buehne und wird sofort als 2. serioeser Bass neben Paul Bender engagiert. Hann singt eine Vielzahl von zunaechst kleinen, dann mittleren und schliesslich ersten Fach-Partien. Aber welches Fach hatte Hann eigentlich? Er sang Guglielmo, Papageno, Fluth (Lustige Weiber), Wolfram, also lyrischen Bariton respektive Kavaliersbariton; er sang Fuerst Jeletzki (Pique Dame), Escamillo, Amonasro, Tonio (Bajazzo), Kothner, also Charakter-Bariton; er sang Scarpia, Pizarro, Telramund, Amfortas, Sachs, mithin dramatischen und Heldenbariton; er sang Sarastro, Koenig Heinrich, Penaios (Daphne), Timur, Daland, Fiesco (Simon Boccanegra), den serioesen Bass; er sang Zsupan, Kezal, Barbier von Bagdad, Bacuius, Leporello, den Spielbass. Wie war ihm das alles moeglich? Nun, es wurde ihm moeglich durch seine in jeder Lage leicht ansprechende und warm klingende Stimme. Er selbst sah sich allerdings vor allem in schweren, heldischen, daemonischen Rollen, also etwas als Scarpia, einer Partie, die seinem jovialen Gemuet und seiner weichen Stimme voellig entgegengesetzt war. Doch die Intendanz schien froh zu sein, einen so vielseitig verwendbaren Saenger zu haben.

Falstaff, Ochs, Kezal 

Als Mensch war Hann einerseits einfach, humorvoll und wohl auch ein wenig naiv, andererseits aber selbstbewusst und sehr empfindlich; er konnte ausgesprochen bockig reagieren, wenn es nicht gelang, ihn zu ueberzeugen. Diese Erfahrung mussten die Dirigenten und Intendanten oft machen. Der ab 1937 neue Generalmusikdirektor und Intendant Clemens Krauss erkannte, dass Hann aufgrund seiner komoediantischen Begabung und seiner doch eher als "Basso cantante" einzuordnenden Stimme ein idealer Interpret fuer eine Neuproduktion des Verdischen "Falstaff" war. Fuer Hann brach eine Welt zusammen. Es heisst, er habe -dem Weinen nahe- in der Kantine gesessen und vor sich hin gemurmelt: "Kaan Gurnemanz mehr und kaan Scarpian!" Aber der untruegliche Instinkt des Theater-Praktikers Clemens Krauss sollte sich als richtig erweisen: Der Falstaff (Die lustigen Weiber von Windsor) wurde einer der Glanzrollen von Hann, denn die Rolle verlangte einen Saenger, der den schwergewichtigen Moechtegern-Don-Juan nicht als derben Trunkenbold, sondern mit feiner Grazie und Selbstironie zu zeichnen und zu singen vermag, Forderungen, die Hann vorzueglilch erfuellte. In dieser Rolle wurde Georg Hann uebrigens gemalt von Paul Matthias Padua*) und in die Galerie des Nationaltheaters (3. Rang rechts) aufgenommen. Bei einer Falstaff-Probe rief Krauss einmal aus dem Orchestergraben zu dem auf der Buehne im Waschkorb versteckten Hann hinauf: "Hann, was ist denn heute mit Ihnen los, Sie singen ja wie der Weiss Ferdl." Hann lupfte den Korb und konterte: "I hab' gar net g'wusst, dass der so a scheene Stimm' hat!" 

Clemens Krauss sah Hann auch fuer den Ochs im "Rosenkavalier" vor, eine Rolle, die man ihm frueher bereits mehrfach angeboten hatte. Er hatte weder mit der Tessitura der Partie noch mit dem wienerischen Idion ein Problem - warum also wehrte er sich so lange gegen diese Wunsch- Rolle eines jeden Bassisten? Ganz einfach: Hann studierte nicht sehr schnell, und die Partie des Ochs ist nun einmal eine Partie, die ein sehr langes Studium erfordert. Aber er hat natuerlich auch in dieser Rolle sein Publikum begeistert. Auf der Schallplatte spielte Hann allerdings lediglich Szenen des Ochs ein (in einer Gesamtaufnahme singt er den Faninal), ebenso in jener kostbaren Film-Aufzeichnung, bei der Richard Strauss zu seinem 85. Geburtstag mit Ausschnitten aus der Oper zum letzten Mal am Pult des Prinzregententheaters stand.**) Eine weitere Erfolgsrolle der Clemens-Krauss-Zeit wurde der Kezal in der "Verkauften Braut". Und auch zu dieser Rolle hatte man ihn erst ueberreden muessen, denn sie wird oft mit einem zweiten Fach- Saenger besetzt, falls dieser die noetige darstellerische Persoenlichkeit hat. In den mustergueltigen Strauss-Auffuehrungen unter Krauss gab es fuer Hann noch manche weitere anspruchsvolle Buffo-Partien, in der er glaenzen konnte. Er war -darin sind sich die aelteren Musikkenner mit gutem Gedaechtnis einig- der beste Waldner, den Muenchen je hatte. Und er fand in der Partie des La Roche in "Capriccio", die er in der Urauffuehrung der Oper im Jahre 1942 sang, eine Paraderolle. 

Aber Hann war keineswegs nur Buehnensaenger. Er sang in den jaehrlichen Passionsauffuehrungen oft die Christus-Partie, (eine Matthaeus Passion ohne Hann als Christus war zu seiner Zeit in Muenchen so wenig denkbar wie ohne Patzak als Evangelist.) die er beruehrend gestaltete, und er wirkte haeufig in Auffuehrungen von Haydns "Schoepfung" oder "Jahreszeiten" sowie in verschiedenen Messen (oft unter Krauss) mit. Daneben war Hann ein ausgezeichneter Liedersaenger, den der damals bedeutendste deutsche Liedbegleiter Michael Raucheisen begleitete. Hier vermochte er vor allem mit Balladen oder balladesken Liedern zu ueberzeugen. - Georg Hann hat eine Vielzahl von Schallplatten eingespielt, die meisten in seinen spaeteren Jahren und zwar waehrend des 2. Weltkrieges. Er sang vor allen auf DGG "Cavalleria rusticano", "Bajazzo", "Rigoletto", auf Vox vollstaendiger "Fliegender Hollaender" und "Rosenkavalier", auf Urania "Der Corregidor" von H. Wolf, "Die lustigen Weiber von Windsor" und MMS "Schoepfung". Leider sind viele davon nicht mehr erhaeltlich und bisher auch noch nicht auf CD erschienen.***)

Wien, London, Mailand 

Auch ausserhalb Muenchens war der vergoetterte Muenchner Haus-Bassist gefragt und mit grossem Erfolg taetig. Er sang in Wien, Berlin, Paris, London (1947 als Pizarro (Fidelio), Leporello und in "Salome" von Richard Strauss), an der Oper von Bruessel und an der Mailaender Scala und natuerlich auch bei den Salzburger Festspielen -u.a. Faninal (Rosenkavalier), Waldner (Arabella), Leporello, neben Hotter als Don Giovanni, Sarastro (Zauberfloete), Pizarro, Simon in Dantons Tod).

Am 2. Dezember 1950 stand er als Landgraf in "Lohengrin" zum letzten Mal auf der Buehne des Prinzregententheaters. Georg Hann starb *im Zenith meiner (seiner) ruhmreichen Laufbahn* (Zitat des La Roche aus "Capriccio". Waehrend einer Rundfunkaufnahme fuehlte er sich ploetzlich nicht wohl. Hann brach die Aufnahmen ab und fuhr mit dem Taxi nachhause. Er starb in der darauffolgenden Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1950. Hann sollte in einem Meistersinger-Film als Kothner mitwirken, ein Projekt, das ihm sicher ebensoviel Freude gemacht haette wie eine Einladung zu einer Produktion mit Gustav Gruendgens. Georg Hann genoss eine volkstuemliche Popularitaet wie nur wenige grosse Saenger; eine Strasse in Obermenzing erinnert an ihn. 

*)Paul Mathias Padua, *1903 Salzburg/Oesterreich, +1981 Rottach-Egern/Deutschland. Padua galt als Autodidakt. Seit 1922 beschickte er dieAusstellungen im Muenchner Glaspalast und -nachdem er 1935 den Preis fuer das beste deutsche Maennerbildnis und 1938 denjenigen fuer das schoenste Kinderbildnis erhalten hatte- seit 1938 die Ausstellungen im Haus der Deutschen Kunst, Muenchen.

**)Am 13.7.1949 dirigierte der nun 85 jaehrige Komponist die Mondscheinmusik aus "Capriccio" im Prinzregententheater. Es war sein letzter Auftritt als Dirigent. Die Originalauffuehrung fand am 28.2.1942 unter der Leitung von Clemens Krauss im Nationaltheater ihre Premiere. Krauss hatte seine besten Saenger dazu aufgeboten: Viorica Ursuleac (Graefin), Walter Hoefermeyer (Graf), Horst Taubmann (Flamand), Irma Beilke und Frank Klarwein (ital. Saenger), Hans Hotter (Olivier), Hildegarde Rancsak (Clairon), Georg Hann (La Roche) - Saenger, die nicht nur mit dieser Auffuehrung Muenchner Theatergeschichte geschrieben haben. 

***) Durch grosse Nachfrage sind in der Zwischenzeit sehr viele CD's mit Georg Hann Partien auf den Markt gekommen und in jeder serioesen klassischen Musikabteilung zu finden, wie z.B. im Kaufhaus Beck/am Rathauseck in Muenchen und natuerlich im Internet.
 

Copyright 1995-2005 Brigitte Gastel Lloyd

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