DIE
PREUEN SEIT
1440.
LAHR
Sanft gebettet zwischen Huegeln,
Wo die Schutter leise rauscht,
Mild umweht von Zephyrs Fluegeln
Und von Gaerten still umlauscht
Hier von Reben licht umschlungen,
Dort von Wiesenhaengen gruen,
Dunkle Waldesdaemmerungen
Dich geheimnisvoll umzieh'n.
Villen blinken an den Haengen,
Winken freundlich aus dem Tal,
Das ertoent von frohen Saengen
In der Sommersonne Strahl.
Stolz gruesst Geroldseck herueber
Von der steilen Bergeshoeh',
Und zum Rheinstrom schwebt hinueber
Einer eig'nen Sehnsucht Weh'.
Wann im Park die Knospen springen
Und die Amseln floeten laut,
Will's in aller Herzen klingen
Wie ein Dank - in Jubellaut.
Deiner holden Anmut Wellen,
Deines Lenzes lindes Glueh'n
Unsre Herzen freudig schwellen -
Moegst du stets gedeih'n und blueh'n!
Prof. Th. Keller.
DIE FAMILIE PREU, 1440 -
1914
Der Ursprung unseres Familiennames
Preu
ist schwer zu bestimmen. Dieser findet sich in alten Urkunden auch Prey
oder
Brey geschrieben und duerfte von braeuen (Brauer, engl.
Brewer) herkommen, ebenso wie die Namen P r e y e r (aus Viersen) und P
r e u e n h u e b e r (in Nuernberg).
Der Stammbaum der Preuen reicht lueckenlos
fast 500 Jahre in die Vergangenheit zurueck, - ein halbes Jahrhundert,
in dessen Verlauf sich ein grosses Stueck Weltgeschichte vor den Augen
und im Leben unserer Vaeter und Urvaeter abgespielt hat.
Obwohl die vielen Stuerme und Umwaelzungen
waehrend dieses langen Zeitenflugs auch manchem von ihnen schweren Schaden
zugefuegt haben werden, gibt uns doch keine Ueberlieferung Kunde davon,
dass der eine oder andere sie mit dem Leben bezahlen musste.
Die Heimat der Preuen war Weissenburg
am Sand oder im Nordgau, eine freie Reichsstadt bis sie 1802 an Bayern
kam, und in der die Reformation starke Wurzeln geschlagen hatte. Bis auf
die Gegenwart sind Nachkommen der Familie P r e u dort ansaessig geblieben.
I.
Jacob Preu I, ist 1440 dasselbst geboren,
im Jahr, da Friedrich III. des heil. Roem. Reichs deutscher Nation Kaiser
und Koenig wurde und Johannes Gutenberg (recte Gensfleisch) die Buchdruckerkunst
erfand. Jacob starb 1518.
Bedeutsame historische Ereignisse, welche
die ganze Entwicklung der Neuzeit mit vorbereiten halfen, fielen in seine
78jaehrige Lebenszeit, so
1453, die Eroeberung von Constantinopel
durch die Tuerken, welche das Ende des ostroemischen Reichs unter Kaiser
Constantinus besiegelte.
1483 wurde der Reformator Dr.
Martin Luther zu Eisleben geboren.
1492 Entdeckung von Amerika
durch Christoph Columbus.
1498 Dasco da Gama fand fuer
Portugal den Seeweg nach Ostindien.
1500 Cabral entdeckt Brasilien
und nimmt es fuer Portugal in Besitz.
1506 Copernicus begruendet das
Weltsystem der Astronomie von der Bewegung der Erde und aller Planeten
um die Sonne.
1510 Erfindung der Taschenuhren
durch Peter Hele (Henlein) in Nuernberg (Nuernberger Eier), welche man
fueglich hier auch mit aufzaehlen darf.
1517 Beginn der Reformation.
Luther schlug seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg an.
Von unserm Ahnherrn wissen wir nur, dass er
Almosenpfleger und ebenso wie sein Sohn, der Stadtschreiber
II. Peter Preu I., 1464-1550,
"Herr des Innern Raths" war. Die Ratsmitglieder wurden aus den alten Geschlechtern
oder Patriziern gewaehlt. Dieser war zugleich Wahlherr und erhielt am 28.
Maerz 1538 vom roem. Koenig und nachmaligen Deutschen Kaiser Ferdinand
I.*) das Wappen verliehen. (Der Wappenbrief auf Pergament wird im Altertumsverein
zu Weissenburg aufbewahrt.)
Seine 3 Soehne waren:
III. 1. Johannes Preu I.,1487-1566,
er bildet den aeltern Stamm,
2. Jacob II., 1516-1592, war aus zweiter
Ehe, ebenso
3. Peter III., 1519-1603, welcher den
juengern Stamm bildete. Von diesen zwei Staemmen gingen vier Hauptlinien
aus, naemlich durch die Soehne des
Johannes:
a) Peter II., 1509-1587, die erste
(unsere) Hauptlinie (siehe unten),
b) Hieronymus I., 1511-1568, die zweite
Hauptlinie mit 2 Soehnen,
und durch die Soehne Peter's:
e) Christoph II., 1550-1612, die dritte
Hauptlinie (daraus ein schlesischer Zweig),
d) Michael II, 1554-1598, die vierte
Hauptlinie (daraus ein thueringischer Zweig).
IV. Peter Preu II., ist
der Stammvater unerer (ersten) Hauptlinie
und war, wie sein Vater, auch "H.d.l.R." und Stadtschreiber; seine Hausfrau
Felicitas
schenkte ihm 6 Soehne:
V. 1. Michael Preu I.,1534-1585,
war Rector zu Heilsbronn und zweimal verheiratet: a) mit Felicitas Groetsch,
b) mit Magdalena ...
2. Johann II.,
1536-1616, H.d.l.R. und Tuchmacher, verh. mit Anna Bittenfelder,
3. Peter IV.,
geb. 1538, Tuchmacher, verh. mit Veronica Nuding,
4. Christoph I.,
1540-92, Tuchmacher, verh.
Mit Ursula Wiedmann,
5. Conrad, geb.
1546, verh. mit Anna Amler,
6. Daniel I.,
1562-99, verh. mit Marg. Hauenschild.
Der Erstgeborene, Michael, setzte unsere
Linie fort durch seinen einzigen Sohn:
*) Ferdinand I., seit 1526
Koenig von Ungarn und Boehmen, wurde 1531 zum roemischen Koenig erwaehlt
und folgte 1556 seinem Bruder KarlV, (seit 1519) in der Kaiserwuerde. Dieser
war der letzte deutsche Kaiser, welcher vom Papst gekroent wurde und konnte,
als gleichzeitiger Koenig von Spanien, in Wahrheit sagen, dass in seinem
Reiche die Sonne nicht untergehe.
VI. 1. Samuel Preu I, 1583-1634,
der Saecklermeister war und mit seiner Frau Catharine Pruegel 3
Soehne hatte:
VII. 1. Samuel Preu II, 1608-1661,
ein Zeuge des 30jaehrigen Kriegs (1618-1648, war H.d.l.R., Wahlherr und
Buergermeister und von Beruf Handelsmann. Seiner Ehe mit Dorothea Oetzen
sind 2 Soehne entsprossen (siehe unten).
2. Johann III.,
1613-1678 bekam das Geschaeft seines Vaters und nahm Agatha Geiselbrecht
zur Frau.
3. Daniel II., 1623-1689,
H.d.l.R., Buergermeister und Stadtrichter sowie Kirchen- und Scholarherr,
war zweimal verheiratet: a) mit Eva, verw. Eder - b) mit Marg.
Sibylla Roth.
Die beiden Soehne unseres Samuels waren:
VIII. 1. Samuel Preu III., geb.
1635, der neben den Aemtern seines Vaters noch das eines Steuerers versah
und mit
Anna Marg. Zimmer im Ehestand lebte, aus welchem der Sohn,
Johann
Wilhelm, 1655-1698, hervorging.
2. Johann Christoph, 1636-1669, Archdiaconus
und mit Sophia Beurer vermaehlt.
Ueber die Verheiratung von Samuel III. einzigem
Sohne gibt uns folgender Auszug aus einem alten Kirchenbuch getreue Kunde:
Trauzeugnis
"Den 20. Juli 1680 hielt seinen
hochzeitlichen Kirchgang der Ehrbar Johannes Wilhelm Preu, Buerger und
Meister des Tuchmacherhandwerks allhier, Sohn des Herrn Samuel Preu, des
Innern Raths und wohlverdienten Steurers und seiner Hausfrau Anna Margaretha
Zimmerin, mit der tugendsamen Jungfrau Agatha, des Herrn Buergermeisters
und Hospitalpflegers zu Weissenburg,
Joachim Feuerlein, und seiner
Hausfrau Maria nachgelassenen ehel. Tochter."
IX. Johann Wilhelm Preuwar
geboren den 25. Februar 1655 und fast 8 Jahre juenger als seine 1647 geborene
Hausfrau
Agathe Feuerlein, welche ihm 5 Kinder schenkte:
1. Andreas,geb.
10. August 1682,
2. Samuel, geb.
31. October 1683,
3. Esajas, geb.
5. August 1685,
4. Catharina,
geb. 8. November 1686,
5. Maria Margaretha,
geb. 7. Juli 1688
Von dieser ist der zweite Sohn
X. Samuel Preu IV.,der
Stifter unser b a d i s c h e n L i n i e .
Anmerkung: Natuerlich
waren unsere Preu'schen Vorfahren auch mit Toechtern gesegnet, deren Namen
aber wegen Raummangels hier nicht aufgefuehrt werden konnten. Unser Senior,
der hochwuerdige Herr Kirchenrat Preu zu Weissenburg, geb. 1832 und zur
vierten Hauptlinie zaehlend, besitzt eine Stammtafel der Gesamtfamilie
Preu mit ihren Seitenlinien, auf welcher ueber 400 Namen maennlicher Nachkommen
verzeichnet sind.)
Samuel Preu IV. widmete sich dem geistlichen
Stande, studierte auf der Hochschule zu Heidelberg in der damaligen Kurpfalz
und begann seine Laufbahn als Baden-Durlach'scher Vicar zu Carlsruhe. In
der Folgezeit war er Pfarrer zu Huchenfeld, Knielingen, Kirchheim und zuletzt
15 Jahre in Niefern bei Pforzheim, wo er am 1. Juli 1744 seinen Geist aushauchte.
Seine trauernde Wittib, Margarethe Barbara,
eine geborene Kuemmer*), liess zu seinem Gedaechtnis einen Denkstein
mit warmem Nachruf setzen, der -ein Meisterstueck der damaligen Steinmetzkunst-
sich heute noch in der Kirche zu Niefern befindet und dessen Inschrift
wir hier wiedergeben:
Stehe still, Wanderer, Betrachte
das Grabmahl Eines redlichen Gottesgelehrten,
Eines eifferigen Predigers,
Eines liebreichen Ehegatten,Eines sorgfaeltigen Vatters.
Es ist Herr Samuel Preu,
Bestverdienter Pfarrer der Gemeinde Niefern,
Welcher diese Sterblichkeit
im Weissenburg am Sand Anno 1683 den 31. October angezogen,
das Amt eines treuen Lehrer
Bey vier Gemeinen Huchenfeld, Knielingen, Kirchheim und Niefern
Bis in das 33 Jahr in Segen
gefuehret und das Sterbliche An dem letztbenannten Ort
Anno 1744 den 1. Juli abgelegt.
Welchem diesen Stein Zum Denkmal
der Liebe hat setzen lassen
Die nachgelassene betruebte
Wittib Margaretha Barbara, Eine geborene Kuemmerin.
Mein Wanderer, wuensche seinen
Gebeinen Eine sanfte Ruhe und sehe,
Dass Dumit ihm bewahrest In
dem Leben die Gottesfurcht, im Sterben die Seeligkeit.
(Leichentext: Psalm XLXX, V.
2 u. 3)
*)Ihre Schwester, Augusta
Maria Kuemmer, 1678-1754, war die Frau von Anton Christoph Vierordt,
1669-1713, einem Waldecker, vordem Pfarrer in Huchenfeld und seit 1700
Diaconus und Praeceptor in Lahr, wo beide aus dem Leben schieden. Ihre
Soehne Mathaeus Engelhart (1704) und Friedrich August (1713)
wurden in Lahr geboren.
Von ihren 6 Soehnen:
1. Johann Samuel,
geb. 1713 zu Huchenfeld,
2. Johann Ludwig,
geb.
1720 zu Knielingen (siehe unten),
3. Philipp Samuel,
geb.
1723 zu Knielingen, gest. 1729,
4. Christoph Michael,
geb.
1730 zu Niefern, gest. 1731,
5. Gottlieb Heinrich,
geb.
1732 zu Niefern, gest. 1733,
6. Jacob Friedrich,
geb.
1734 zu Niefern,
wurde letzterer auf der Flucht, den Tag nach
seiner Geburt, in Pforzheim getauft. In den Kriegswirren jener Zeit sind
die Einwohner der umliegenden Landgemeinden in diese damals befestigte
Stadt gefluechtet. Die 3 Knaeblein (3-5) erlagen den Blattern.
Der zweite Sohn, unser
XI. Johann Ludwig Preu,kam,
nachdem er in Pforzheim die Schule besucht hatte, zu seiner Tante Vierordt
nach Lahr, diesem durch seinen lebehaften Handel weithin bekannten Staedtchen,
wo er sich dem Kaufmannsstand widmete und nach einem arbeitsreichen Leben,
am 14. Juli 1779, das Zeitliche segnete.
Er hatte das Beduerfnis, dreimal und ohne
lange Wartezeit zu heiraten, woraus wir ihm aber keinen Vorwurf machen
wollen, da wir doch seiner letzten Ehe unser Dasein verdanken. Erstmals
freite er im September 1744 die Jungfrau
a. Maria Elisabetha Schnellin, 1721-1745,
Tochter des gewesenen Apothekers Philipp Reinhard Schnell*) in Lahr und
der Elisabetha geb. Hockenjos. Diese Ehe war nur von zehnmonatlicher
Dauer und blieb kinderlos.
Schon sechs Monate nach dem Tode seiner ersten
Frau ging er im Januar 1746 die zweite Ehe ein, mit
b. Johanna Dorothea Posthin, 1729-1754,
Tochter des Joh. Ludwig Posth, der als "Landschreiber gnaedigster hochfuerstl.
Durchl. Herrschaft" im Taufbuch eingetragen ist, und der Christiana Beltzer,
eines Pfarrer's Tochter in Sensenheim (Pfalz).
Sie gab 3 Soehnen das Leben:
1. Philipp Ludwig
Preu, 1747-1749,
2. Friedrich Samuel
Preu, 1750-1753,
3. Philipp Ludwig
Preu, 1752-1756,
das aber, wie wir sehen, fuer jeden nur von kurzer
Dauer war.
*)Schnell hatte von der
damals Nassau'schen Herrschaft die Conzession zur Gruendung der "Loewen-Apotheke"
erhalten, welche spaeter durch mehrere Generationen im Besitz der Familie
Haenle war und 1905 von Herrn Apotheker J. Netzler aus Karlsruhe kaeuflich
erworben wurde. Das Haus ist 1896 abgebrannt und vollstaendig neu aufgebaut
worden.
Ein Jahr nach dem Heimgang seiner zweiten
Frau gruendete er im October 1755 seinen dritten und dauernden Hausstand
mit der erst 15jaehrigen Jungfrau
c. Susanna Dorothea Schnitzlerin*), 1740-1795,
aus einem alten Lahrer Geschlechte, dessen Soehne wir bis in die Neuzeit
in der angesehenen Gerberzunft vertreten finden.
Sie war die Tochter des Rotgerbers und Buergermeisters
Joh.
Jacob Schnitzler und der Sabine Dorothea Kiesel, und die Enkelin
der Anna Catharina Schnitzler, geb. Pannifex. (Siehe die Familie Pannifex)
Als die Stammutter des in Lahr angesiedelten
Zweigs der Preuen beschenkte sie ihren um 20 Jahre aelteren Gatten noch
mit 6 Kindern, von welchen das juengste Carl Ludwig, geb. 1778, nur 1 Jahr
alt wurde.
Dessen aeltere Geschwister waren:
1. Johann Ludwig
Preu, 1757-1766,
2. Christian Samuel Preu, 1761-1783,
3. Margarethe Dorothea Preu, 1764-1767,
4. Sophia Christina Preu, 1767-1793.
Letztere ehelichte 1783 den Handelsmann Joh.
Gottlieb Morstadt in Lahr und hatte 3 Kinder:
Johann Gottlieb Morstadt, geb. 1785,
Christina Sophia Morstadt, geb. 1786,
Catharina Dorothea Morstadt, geb. 1791.
Nach dem Tode seiner ersten Frau schloss Morstadt
1795 einen zweiten Ehebund mit der Tochter Dorothea des Handelsmanns
und spaetern Buergermeisters
Georg Friedr. Pannifex II. in Lahr,
welche eine Schwester unerer Grossmutter Friedericke Hugo- Pannifex**)
war.
XII. 5. Johann Jacob Preu, wurde
am 7. August 1770 in Lahr geboren und starb 1841 in Karlsruhe, wo er zwei
Toechter verheiratet hatte. Er war Kaufmann und Inhaber eines Manufakturwarengeschaefts,
das schon seinem Vater gehoert hatte (jetzt Hertenstein'sches Haus, Ecke
Markt- und Kirchstrasse.)
In seiner ihm im Januar 1792 angetrauten Gattin
Regina
Friederica Kuenzlin, 1775- 1814, Tochter des Joh. Ernst Albrecht
Kuenzlin***), Bierbrauers zum Rappen in Lahr und der Sabina Dorothea
Meurerin, fand er eine musterhafte Hausfrau und treubesorge Mutter
ihrer 6 Kinder; es ist eine Freude, ihre noch vorhandenen Briefe an ihre
auswaerts lernenden Soehne zu lesen.
Diese braven Leute, deren Bildnisse wir hier
wiedergeben, verdienen unsere Verehrung als die Stammeltern der von Lahr
ausgehenden 6 L i n i e n P r e u , von welchen die dritte in diesem Jahrhundert
ausgestorben ist, waehrend die uebrigen 5 Staemme sich unter andern Familiennamen
bis auf den heutigen Tag fortpflanzten und in nachstehenden Abschnitten
einzeln besprochen werden.
Es sind:
1. Dorothea Friedericke, 1793-1839,
2. Carl Ludwig, 1795-1838,
3. Gustav Friedrich, 1796-1850,
4. Amalie Charlotte, 1798-1893,
5. Rosette, 1800-1866,
6. Henriette, 1804-1866,
waehrend zwei juengere Soehne
Heinrich Eduard, geb. 1805, und Eduard,
geb. 1807, im Jahre ihrer Geburt starben.
*) Anno 1698 wird ihr Urgrossvater,
Joh.
Georg Schnitzler, als Schultheiss von Lahr genannt, das in diesem Jahre
283 Buerger zaehlte, davon 16 neu aufgenommen und 29 in Burgheim. (2. Buergerbuch,
1662-1778.)
**) Siehe "Chronik des Hauses
Hugo" und "Familie Pannifex."
***) Siehe "Stammtafel der Familie
Kuenzlin."
Die Familie K u e n
z l i n , seit 1356.
Die Familie Kuenzlin, welcher die Stammutter
unserer 6 L i n i e n P r e u angehoerte und in der das Kuefergewerbe
von altersher heimisch war, kommt schon im ersten Lahrer Buergerbuch vom
Jahr 1356 unter dem Namen
Cuentzeli mehrfach vor. Spaeter schrief
sie sich Kuentzel, dann Kuenzle, und ist heute in Lahr ausgestorben.
Erlaeuterungen zur Stammtafel.
1) Erstmals ist anno 1356 erwaehnt:
"Claus Cuentzeli, Schultheisse sun von
Hugswilre, ist burger uff sime halben bus zu Lare." Demnach darf
Hugsweier bei Lahr als die Heimat der Familie gelten - 2) War Kuefer -
3) Kuefer und Bierbrauer zum Rappen. Die Langlebigkeit seiner 90 Jahre
alt gewordenen Frau Christina Friederica (1718-1808), Tochter des
fuerstl. Kammerrats Joh. Ja c o b S c h e l l und der A n n a S a l o m
e a, geb. R e i n b o l d, scheint sich auf ihre Urenkelin, unsere Grossmutter
A m a l i e H u g, geb. P r e u, vererbt zu haben, welche ein Alter von
95 Jahren erreichte und deren beiden Kinder auch ueber 80 Jahre alt wurden
(Siehe IV. Linie Preu) - 4) Bierbrauer zum Rappen. - 5) Kuefer und Hirschwirt.
- 6) Kuefer und Bierbrauer zum Sternen. - 7) Kettenschmied. - 8) Baecker
- 9) Kuefer und Baerenwirt. - 10) Kuefer und Bierbrauer zum Hechten. -
11) Apotheker zum Engel. - 12) Kaufmann in Manufakturwaren. - 13) Kaufmann
in Spezereiwaren. - 14) Kaufmann und Eisenhaendler. - 15) Der letzte Rappenwirt
Kuenzlin.
Die Brauerei zum Rappen war nach ihm viele
Jahre im Besitz der Familie Schaller und besteht heute noch, ebenso die
bekannte "Magnatentafel", welche schon unsere Vorvaeter zu ihren Stammgaesten
zaehlte.
Auch die andern, oben erwaehnten Brauereien
und Wirtshaeuser stehen noch an gleicher Stelle, mit Ausnahme des alten
Gasthofes zum Hirsch, das einst dem Voelker'schen Neubau, jetzt Weil'sches
Haus in der Kaiserstrasse, weichen musste und nun seit langem in der Friedrichsstrasse
(Hirsch-Taennle) weitergefuehrt wird.
Der letzte Rappenwirt Kuenzlin als Lahrer
Stadtdragoner (1815). Das Corps wurde 1810 gegruendet und im Revolutionsjahr
1848 aufgeloest.
Die Stadt Lahr im 15. Jahrhundert.
Die alte Tiefburg Lare war im Besitz der Herren
von Geroldseck, welche sie 1275 zur Stadt erhoben. (Siehe "Chronik des
Hauses Hugo". Ihre Reste wurden 1780 abgebrochen, bis auf den mit einem
Dach versehenen Turm in der Mitte, den heute noch stehenden "Storchenturm."
Berichtigung. In den
Fussnoten soll es heissen anstatt E n g e l h a r t, richtig E n g e l
b e r t Vierordt.
Der Geburtsort unserer P r e u ' s c h
e n Vorfahren.
Die ehemals schwaebische Landstadt Weissenburg
wurde 1029 durch Kaier Conrad II. Vermoege eines Vertrags mit Herzog Ernst
II. Von Schwaben zu einer unmittelbaren kaiserl. Freien Reichsstadt erhoben
und blieb es bis 1802. Im Jahre 1525 hatte sie -wie die meisten Reichsstaedte-
die Reformation angenommen. Oberhalb der Stadt erhebt sich die fruehere
Bergfeste W u e l z b u r g - ehedem ein Kloster - 600 Meter ueber dem
Meere.
Anmerkung: Das heutige W e i
s s e n b u r g mit etwa 7000 Einwohnern ist der Sitz eines Bezirksamts
im Bayr. Reg.Bez. Mittelfranken. Es hat 3 evang. Und 1 kath. Kirche sowie
hoehere Schulen und erfreut sich eines lebhaften Gewerbe- und Industriebetriebs.
D i e s
e c h s L i n i e n P r e u.
Kirchenrat L.E. P r e u
in
Weissenburg.
Zum Gedaechtnis.
Am 15. April 1917 ist der Senior der Familie
Preu, Herr Kirchenrat Ludwig Eduard Preu*), kgl. I. Pfarrer und
Dekan zu Weissenburg in Bayern, hochbetagt in die ewige Heimat eingegangen.
Ein Nachkomme unseres gemeinsamen Ahnherrn
Jakob
Preu I. (1440-1518), zaehlte er zur 4. Hauptlinie des alten und angesehenen
Geschlechts der Preuen, welches mit den Geschicken seiner Vaterstadt stets
eng verknuepft und seit dem Mittelalter bis zum Ende ihrer Reichsfreiheit
durch eine Reihe von Ratsherren und Buergermeistern in ihrer Regierung
vertreten war. Auch viele Diener der Kirche sind aus ihm hervorgegangen.
Kirchenrat Preu ward am 10. November 1832
als Sohn des Rotgerbermeisters
Aug. Friedr. Preu in Weissenburg
geboren und widmete sich dem geistlichen Stande. Er machte seine Gymnasial-
und Universitaetsstudien zu Ansbach und Erlangen und bekleidete seit 20
Jahren das Amt eines Pfarrers in seiner Vaterstadt, wo er sich als unermuedlicher
Seelsorger und bedeutender Prediger die Liebe und Verehrung seiner Gemeinde
erwarb. Seiner Vaterstadt bewies er treue Anhaenglichkeit und war fuer
ihre gemeinnuetzigen Unternehmungen immer zu haben, wie er auch persoenlich
eine weitgehende Wohltaetigkeit uebte.
Durch verschiedene Auszeichnungen seines Landesherrn
fanden seine Verdienste fuer Kirche, Schule und Staat die wohlverdiente
Anerkennung.
Seine Gattin Emilie, geb. Glaser, Revierfoersterstochter
aus Weissenburg, ist ihm schon vor 20 Jahren im Tode vorausgegangen. Der
einzige Sohn Hofrat Albert Preu, 2. Buergermeister von Bayreuth,
steht z.Zt. als Bataillonsadjutant im Felde, ist verheiratet aber ohne
maennliche Nachkommen.
Nach kurzem Leiden machte ein sanfter Tod
dem an Arbeit und Fruechten reichen Leben des alten Herrn ein Ende, aber
sein Andenken wird im Segen bleiben.
Senior der Familie ist jetzt der Neffe des
Verstorbenen, Herr Handelsrichter
Wilhelm Preu in Nuernberg, dessen
einziger Sohn Karl fuer den Fortbestand der P r e u e n zu sorgen hat,
deren badische Linie im Mannesstamm bereits erloschen ist.
D i e I.
L i n i e .
Dorothea Friedericke Preu,
1793-1839, vermaehlte sich im Mai 1809 mit Kaufmann Carl Heinrich Moeller
in Lahr, 1782-1854. Dessen Eltern waren Joh. Georg Moeller, gewesener
Ober-Kammerrat in Braunfels und Elisabeth, geb. Graf. 5 Kinder:
1. Heinrich Eduard Moeller, 1810-1859
war Kaufmann in Freiburg im Breisgau und heiratete 1846 Emilie Fischer,
1814-1873, Tochter des Kaufmanns C.P. Fischer in Lahr (spaeter Stoesser-Fischer,
jetzt Knopf'sches Haus), welche nach dem Tode ihres Gatten in ihre Vaterstadt
zurueckkehrte. Ihre in Freiburg geborenen 3 Soehne sind:
a. Eduard Heinrich, 1850-1852.
b. Emil Otto, 185201910, starb
als Kaufmann in San Francisco, Cal. Es betrauern ihne seine Witwe, Anni
geb. Heunisch aus Chicago, und 2 Kinder.
c. Eduard Heinrich, geb. 1857,
Kaufmann und Director einer Aktiengesellschaft in Biebrich am Rhein, ist
vermaehlt mit Elisabeth (genannt Betty) Widmann aus Karlsruhe, geb.
1858. 5 Soehne:
1. Erich Eduard, geb. 8. Januar 1886
in Muehlhausen im Elsass, ist Diplom-Ingenieur und z.Zt. in Brunsbuettel-Koog
an der Elbe.
2. Georg Emil, geb. 28. Dezember 1887
in Karlsruhe, ist Kaufmann in der Filiale der Biebricher Aktiengesellschaft
in Constantinopel.
3. Walter Theodor, geb. 22. Oktober
1889 in Karlsruhe, studiert Architektur in Darmstadt.
4. Otto Heinrich, geb. 14. April 1891
in Karlsruhe, ist Kaufmann und in Birmingham in Stellung.
5. Eduard August, geb. 16. Februar
1898 in Dresden, besucht noch die Schule und ist im Elternhause.
2. Bertha Moeller, 1812-1870, war seit
1840 vermaehlt mit dem prakt. Arzt Heinrich Schuele in Freiburg
und hatte 4 Kinder:
1. Bertha Schuele, geb. 1842, ehelichte
den Kuerschner Gustav Heisler in Freiburg und Starb in Baden-Baden.
2 Toechter:
a. Bertha Heisler, geb. 1866,
ist unvermaehlt und hat eine Fremdenpension in Baden-Baden.
b. Clara Heisler, geb. 1868 heiratete
den prakt. Arzt. Dr. Loebell ebenda.
2. Carl Schuele, geb. 1845, wanderte nach
Amerika aus und hat spaeter keine Nachricht mehr von sich gegeben.
3. Marie Schuele, geb. 1849, verheiratet
sich 1878 mit Adolf Buehn, frueher Kaufmann in Lyon. Derselbe lebte
seit 1870 als Rentner in Freiburg, wo er 1898 starb und wo auch seine Witwe
ihren Wohnsitz hat. Ihre einzige Tochter Bertha, geb. 1879, ist
mit Architekt Robert Ernst Muehlbach aus Hannover vermaehlt und
hat einen Sohn:
Robert Heinz Muehlbach, geb. 21. Juli
1907.
4. Fritz Schuele, 1852-1875, war Kaufmann
und starb ledig.
3. Robert Moeller, 1814-1852, ehelichte
Mayer
Stina Lindberg in Helsingfors, gest. 1863.
4. Mathilde Moeller,geb. 1816, gruendete
ihren Hausstand in Frankreich mit Hilaire Alex. Petit in Voulpaix,
hatte aber seit dem deutsch-franz. Krieg ihre Beziehungen zu ihren Verwandten
in Deutschland geloest.
5. Marie Moeller, geb. 1819 in Lahr,
gest. 1900 in Freiburg im Breisgau, war vermaehlt mit Kaufmann Christian
Stolz von Dinglingen, 1798-1884, langjaehriger Prokurist und Geschaeftsfuehrer
im Hause L o t z b e c k Gebrueder, Schnupftabakfabrikant in Lahr.
2 Kinder:
1. Eduard Emil Stolz,1847-1912,
war Kaufmann -in juengeren Jahren in der Levante, zuletzt in Karlsruhe-
und seit 1886 verheiratet mit Johanna Laura Spuner aus Jassy, geb.
1865. 2 Kinder:
D i e I I. L i n i e.
XIII. Carl Ludwig Wilh. Preu,
1795-1838,
machte seine kaufmaennische Lehre in einem Frankfurter Bankhause und uebernahm
spaeter das Haus und Geschaeft seines Vaters. Ausserdem besass er eine
Kalksteingrube zwischen Burgheim und Heiligenzell, in welcher er durch
einen ungluecklichen Zufall verschuettet wurde und seinen jaehen Tod fand.
Er war seit 1818 verheiratet mit Wilhelmine Wolf, (1796-1881) Tochter
des Michael Wolf, Besitzers des Gasthofs zur Sonne in Lahr, womit
zugleich die Posthalterei verbunden war, und der Catharina Elisabeth
Schoetter. 5 Kinder:
XIV. 1. Carl Preu, 1819-1871,
lernte die Kaufmannschaft in einem Speditionshause zu Mannheim und bildete
sich dann zum Bierbrauer aus. Nachdem er in der Grossbrauerei von Anton
D r e h e r in Schwechat bei Wien gute Fachkenntnisse erworben hatte, machte
er sich in seiner Vaterstadt durch Uebernahme der Stulz'schen Brauerei
selbstaendig (jetzt Bergbrauerei Zahler) und vermochte durch Fleiss und
Tuechtigkeit, und durch seine ausgezeichnete Gattin Elisabeth geb. Leppert
(1824-1892)
tatkraeftig unterstuetzt, seiner Arbeit grosse Erfolge abzuringen. Mit
ihm, dem 14. Seines Stammes, ist die badische Linie Preu im Mannesstamm
erloschen, da von seinen beiden Kindern der zur Fortsetung berufene Sohn
a. Carl Wilhelm Preu, geb. 1851, schon
1853 starb. Die ueberlebende Tochter ist
b. Mina Preu, geb. 1855, welche mit
dem Kaufmann in Lahr (1854-1911) verheiratet war und deren einzige Tochter
Martha
Gertrud, geb. 1879, mit dem Grossh. Bad. Oberfoerster Rudolf Wankel,
geb. 1867 in Pforzheim, vermaehlt ist.
1 Sohn:
Felix Heinrich Wankel, geb. 13. August
1902 zu Lahr.
2. Emma Preu, 1820-1835, hielt sich in
einem Toechterinstitut zu Lausanne auf, als ein Nervenfieber (Typhus) ihrem
jungen Leben ein Ziel setzte.
3. Ida Preu, 1822-1872, ehelichte
den Kaufmann Wilhelm Klett in Sulzburg, gebuertig aus Suhl und hatte
2 Toechter:
a. Amelie Klett, geb. 1850 zu Sulzburg,
gest. 1882 zu Berlin, heiratete den Amtsrichter Heinrich Kohlunt in
Muellheim und in zweiter Ehe ihren Vetter, Premierleutnant Max Ruestow.
Die Tochter erster Ehe:
Prisca Amalie Kohlunt, geb. 1870 zu
Muellheim, lebt in Muenchen, wo sie mit Dr. Hans Leber verheiratet
ist. 1 Sohn
b. Anna Klett, verehelichte Kullmann,
hatte
5 Kinder.
4. Otto Preu,geb. 1824, widmete
sich dem Kaufmannsstande und starb schon 1843.
5. Wilhelmine (genannt Minna) Theodore
Preu, geb. 1827, hat sich zur Lehrerin ausgebildet und diesen Beruf
eine laengere Reihe von Jahren in New York ausgeuebt, um sich Mitte der
70. Jahre von ihrer erfolgreichen Taetigkeit in ihre Vaterstadt Lahr zurueckzuziehen;
sie blieb unvermaehlt und starb 1881 in Baden-Baden.
D i e III. L i n i e .
Gustav Friedrich Preu, 1796-1850,
war ebenfalls Kaufmann und machte seine Lehre in Heilbronn. Er besass das
spaeter von Buchhaendler und Buchdruckereibesitzer J.H. Gieger (Lahrer
Zeitung und Hinkender Bote) erworbene Anwesen, seinem Bruder gegenueber
(Ecke Markt- und Kirchenstrasse -jetzt Ehm. Waibel'sches Haus, samt Hintergebaeuden
und dem davor gelegenen Garten, auf welchem heute das Foehringer'sche Haus
steht.), sowie eine Oelmuehle bei den sogenannten Lohscheuern.
Seine ihm 1825 angetraute Frau, Elisabeth
Walter, 1800-1872, war eine Tochter des Physicus Dr. Johann Daniel
Walter. 5 Kinder:
1. Gustav Adolf, 1826-1843,
lernte die Kaufmannschaft in Neufreistett und starb
dasselbst.
2. Marie Luise, 1829-1830.
3. Fanny, 1832-1901, ledig in
Lahr.
4. Emma, 1836-1904, ledig in Lahr.
5. Carl Alexander, 1840-1845,
mit welchem diese Linie schon in der ersten Generation ausgestorben ist.
D i e I
V. L i n i e .
Amalie Charlotte Preu,1798-1893, ehelichte
den Grosskaufmann Theodor Conrad Hug in Lahr, 1786-1845 und hatte
2 Kinder.
(Siehe unter Familie Hug.)
Diese beginnt mit
Amalie Charlotte Preu und Theodor Conrad
Hug I.
1798-1893
1786-1845
2 Kinder:
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---------------------------------------------
1. Clara Lang 1838-1906 und 2. Mathilde Lang 1839-1910
und 3. Laura Lang *1842
verh. Gastel
verh. Kuntz
2 Kinder
1 Tochter:
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D i e V. L i n i e.
Rosette Preu, geb.
1800 in Lahr, gest. 1866 in Tuebingen. Sie heiratete 1817 den damaligen
Diaconus am Paedagogium zu Lahr, Carl Friedrich Vierordt, 1790-1864,
spaeter Lyceumsdirector und Geh. Hofrat in Karlsruhe, -ein hervorrageneder
Gelehrter, welchem ein besonderer Abschnitt in dieser Schrift gewidmet
ist. (Siehe Anhang) Von ihren 4 Kindern sind M a r i e, geb.1822 und W
i l h e l m , geb. 1824, im Jahre ihrer Geburt gestorben. Die ueberlebenden
waren 1 Sohn und 1 Tochter:
1. Karl (von) Vierordt, geb. 1818 zu
Lahr, gest. 1884 zu Tuebingen als o. Professor an der dortigen Universitaet.
Er studierte in Heidelberg, Goettingen und
Berlin Medizin, machte 1840 das Staatsexamen und ging dann auf Reisen,
mit laengerem Aufenthalt in Berlin und Wien. Er liess sich zuerst als pract.
Arzt in Karlsruhe nieder, wurde 1843 Oberarzt im Grossh. Bad. Leib-Infantrieregiment,
1849 Professor und 1855 Director des physiologischen Instituts der Universitaet
Tuebingen. Seine Verdienste um sein Hauptfach, die Physiologie, sind hervorragende
und unbestrittene; er foerderte besonders die Lehre vom Blut und schrieb
zahlreiche, auf diesem Gebiet grundlegenden Werke, welche im Convers.-Lexicon
verzeichnet sind. Eine ihm 1865 von seinem Koenig verliehene Ordensauszeichnung
brachte ihm den damit verbundenen Personaladel.
Carl Vierordtgruendete 1846 seinen
Hausstand mit Pauline Seubert,
1824- 1903, Tochter des Geheimraths
Dr.med.
Karl Aug. Seubert in Karlsruhe und der Wilhelmine geb. Vierordt,
die eine Tochter des Hof-Oekonomierats
August Vierordt war.
6 Kinder:
a. Pauline Vierordt, geb. 1847 zu
Karlsruhe, wohnt in Tuebingen.
b. Emma Vierordt, geb. 1848 zu Karlsruhe,
starb 1889 in Florenz.
c. Theodor Vierordt, geb. 1850 zu Tuebingen,
gest. 1883 als Apotheker in Ebingen/Wuertt.. Er war verheiratet mit Hedwig
Palm, Tochter des pract. Arztes Dr. Palm daselbst und hatte
eine Tochter Ernestine (genannt Erna), geb. 1880, welche mit dem
Kaufmann Emil Beck von Ebingen verheiratet ist; diese wohnen jetzt
in Mannheim und haben keine Kinder.
d. Hermann Vierordt, geb. 1853
zu Tuebingen, studierte daselbst, sowie in Berlin, Wien und Leipzig und
ist o. Honorarprofessor der Medicin an der Universitaet Tuebingen. Auch
ihm hat die Wissenschaft wertvolle Forschungen und zahlreiche Werke zu
verdanken.
Seit 1888 vermaehlt mit Anna Roth,
geb. 1862, Tochter des 1895 verst. Sanskritisten Prof. Dr. Rudolf v.
Roth in Tuebingen, sind ihrer Ehe 2 Toechter entsprossen:
Klara, geb. 3. Febr. 1890,
Dora, geb. 16. Okt. 1893.
e. Luise Vierordt,geb. 1857 und
f. Karl Vierordt, geb. 1860, sind im
Alter von nur einem Jahr gestorben.
2. Luise Vierordt, geb. 1829 in Karlsruhe,
gest. 1901 in Berlin, war seit 1855 verheiratet mit dem 1903 verst. Kaufmann
Albert
Sommerfeldt, Generalkassier der Borsig'schen Maschinenfabrik in Berlin,
und kinderlos.
D i e VI. L i n i e.
Henriette Preu, geb.
1804 in Lahr, gest. 1866 in Karlsruhe, ehelichte den Stiftungsverwalter
Ernst
August Vierordt in Karlsruhe, 1775-1843, ein Bruder ihres Schwagers
Carl Friedrich Vierordt, und hatte 1 Sohn und 2 Toechter, von welchen
die juengste, Emilie, im Kindesalter starb. Die Ueberlebenden waren:
1. Bertha Vierordt, 1825-1899, wurde
die Gattin von Gymn.-Professor Dr. Jacob Lamey in Karlsruhe, 1811-1878.
Dieser war der Sohn des Pfarrers
Lamey in Dainbach bei Boxberg und
studierte ebenfalls Theologie, wandte sich aber spaeter der Philologie
zu. 2 Kinder:
a. Eduard Lamey, 1850-1871,
trat 1870 als Kriegsfreiwilliger bei der Artillerie ein, wurde vor Belfort
am 17, Januar 1871 verwundet und starb einen Monat spaeter im Elternhause
zu Karlsruhe an Typhus.
b. Julie Lamey, geb. 1852 zu
Mannheim, ist seit 1879 verheiratet mit Geh. Hofrat Dr.phil. Alfred
Theophil Holder, geb. 1840 zu Wien, als Sohn des Portraitmalers Gottlieb
Holder, 1806-1845, und dessen Gattin Natalie Rheinboldt. Er
besuchte das Grossh. Lyceum zu Rastatt, studierte in Bonn und Heidelberg
und setzte seine Studien an der Kaiserl. Bibliothek in Paris fort. Nachdem
er seit 1863 Lehrer am Lyceum in Rastatt, dann am Priv. Gymnasium Schoonoord
te Ryswijk bei Haag und zuletzt Vertreter des Vorstandes der hoeh. Buergerschule
zu Ladenburg gewesen, trat er 1867 in den Dienst der Grossh. Hof-, jetzt
Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe, deren Director er heute ist. Er
gab eine Anzahl wissenschaftlicher Werke heraus und ist corresp. Mitglied
des Institut de France in Paris. 1 Sohn:
Eduard Holder, geb. 31. August 1880.
2. Eduard Vierordt, 1830-1900, Geh. Oberfinanzrat
in Karlsruhe, leistete neben seinem Berufe, als Vorstand des bad. Frauenvereins
besonders waehrend des Kriegsjahres 1970/71 hervorragende Arbeit und war
spaeter eine Reihe von Jahren Reichsbevollmaechtigter fuer Steuern und
Zoelle in Magdeburg.
Seiner Ehe mit Luise, geb. Grossweyler,
1830-1908, entstammen 2 Kinder:
a. Oswald Vierordt,1856-1906,
ergriff zuerst die militaerische Laufbahn, war Leutnant und widmete sich
dann, seiner Neigung folgend, dem Studium der Medicin. Als Geh. Hofrat
und Professor an der Universitaet Heidelberg, wurde er, erst 50 Jahre alt,
durch einen Schlaganfall aus seiner glaenzenden Laufbahn gerissen. Es betrauern
den zu frueh Heimgegangenen, ausser seiner Witwe, Dora, geb. Schneider,
ein Sohn
Hans, geb. 1887, der Leutnant ist,
und 2 Toechter:
Annemarie,geb. 1891,
Maria, geb. 1895.
b. Marie Luise Vierordt, geb. 1871, ist
mit dem Grossh. Landescommisaer
Dr. Otto Flad in Karlsruhe vermaehlt
und hat 3 Kinder:
Helmuth Flad, geb. 1895,
Erika Flad, geb. 1897,
Wolfgang Flad, geb. 1903.
Gedenktafel
fuer diejenigen Mitglieder
unserer Familie,
welche in der Zwischenzeit
durch den Tod abgerufen wurden.
Wer mutig fuer das Vaterland gefallen,
Der baut sich selbst ein ewig Monument
Im treuen Herzen seiner Landesbrueder,
Und dies Gebaeude stuerzt kein Sturmwind
nieder. (Th. Koerner (Zriny)
Es fielen auf dem Felde der Ehre:
Am 19. August der Grossh. Oberfoerster
Rudolf
Wankel, Oberleutnant d.L.a.D. in Dornach (Elsass) durch Schrapnellschuss.
Am 12. November der prakt. Arzt Dr.
Max Gastel in Muenchen, Oberleutnant im Landweh-Inf.-Rgt. Nr.
17 und Inhaber des Eisernen Kreuzes, im Kampf vor Verdun (Frankreich).
Beide hatten sich dem Vaterland freiwillig
im Frontdienst zur Verfuegung gestellt.
Ferner starb nach schwerem Leiden,
Am 4. Oktober, Frau Mina Heidlauff,
geb. Preu in Lahr (Schwiegermutter des Oberfoersters Wankel), tief
betrauert von allen, die ihr naeher standen.
Mit ihr ist eine sorgsame Mutter und Grossmutter
heimgegangen und zugleich der Name Preu in der bad. Linie erloschen.
Copyright 1995-2005 Brigitte Gastel Lloyd |