Worldroots.com

Brigitte's Pages

What's New
Site Map

Search
Engines

Main Page
Surnames
Research

Germany
Baden
Bavaria
Wuerttemberg

Royalty

Poets
Philosophers ...
Movers+Shakers
Entertainers

v. Stauffenberg
v. Wuerttemberg
v. Castell
v. Helfenstein

Popes
Cardinals
Saints

Family Search
Archives, etc.
Diaries

Argentina
South America

Fine Art

Russian
Impressionism
 
 
 

Donations
 
C a r l   F r i e d r i c h   V i e r o r d t .

Der Lebenslauf eines Lehrers und Gelehrten.



Er war am 18. November 1790 in Carlsruhe geboren, als Sohn des 1810 verstorbenen Grossh. Kammerrats und Lehrers an der tieraerztlichen Hochschule, Ernst Jacob Vierordt*), und dessen Gattin Anna Magd. Scherer aus Weil bei Loerrach. Zu Ehren des damaligen Markgrafen C a r l  F r i e d r i c h  wurde dem Taeufling dessen Name gegeben, in welchem Umstande die tiefe Anhaenglichkeit zu wurzeln schien, die er seinem Fuerstenhause durch's ganze Leben bewahrte. Aus seiner fruehesten Jugend ist nur bekannt, dass er bis zu Ostern 1808 das Gymnasium seiner Vaterstadt besuchte und dann, mit den besten Schulzeugnissen ausgeruestet, die Universitaet Heidelberg bezog, wo er sich dem Studium der Theologie widmete. Seiner Lebensfreudigkeit und seines biedern Charakters wegen war er unter seinen Studiengenossen, wozu auch der Reichsgraf Leopold von Hochberg, der spaetere Grossherzog von Baden, zaehlte, sehr beliebt. Im Jahre 1811 verliess er die Hochschule und wurde am 8. October nach "mit Vorzueglichkeit" bestandenen Examen in die Zahl der evangelischen Pfarrcandidaten aufgenommen.

Indessen war er nur kurze Zeit als Vikar zu Weisweil im geistlichen Amte taetig, denn Neigung und Befaehigung bestimmten ihn zum Lehrberufe. Um sich im Franzoesischen zu vervollkommen, gegab er sich in die Schweiz, zunaechst in das weltbekannte Institut Pestalozzi's in Yverdon, wo er in der Folge als Lehrer wirkte, und uebernahm dann eine Hauslehrerstelle bei dem angesehenen Kaufherrn Roulet-Meserac in Neuchatel, dessen drei Soehne er unterrichtete. 

In die Heimat zurueckgekehrt, erhielt  V i e r o r d t  im Jahre 1816 seine erste Anstellung als dritter Lehrer mit dem Titel eines Subdiakonus am Paedagogium zu Lahr, wo er vier glueckliche Jahre verlebte, nachdem er schon im folgenden Jahre 1817 in den Ehestand getreten war. Seine vorbildliche Dienstfuehrung fand die Anerkennung der Behoerde und er selbst genoss den Verkehr gebildeter Maenner, deren Mittelpunkt der erste Beamte, Freiherr von Liebenstein war. 

*)Die Familie  V i e r o r d t  fuehrt ihre Hausgeschichte bis auf den Anfang des 17. Jahrhunderts zurueck. In jener Zeit lebte im fuerstlichen Waldeck'schen Staedtchen Landau ein Amtmann, Stephan Vierordt, welcher einen Sohn Engelhart hatte, der als Forstmeister in Wasserburg 1675 starb. Von ihm stammt Anton Christoph Vierordt, 1713 Diakonus in Lahr, dessen Sohn Mathaeus Engelhart Vierorth, der Stammvater der Linie, welcher unser Verwandter angehoerte, 16 Kinder hatte und als Pfarrer in Wittlingen 1772 starb. Er war der Vater des genannten Kammerrats. -Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts gehoert demnach die Familie, die sich fortan Vierordt schrieb, dem Lande Baden an.


Im November 1819 wurde er zum zweiten Lehrer und wirklichen Diaconus befoerdert und im August 1820 an das Lyceum in Carlsruhe versetzt. Das Jahr 1823 brachte ihm, statt des bisherigen geistlichen, den Titel eines Professors und das Jahr 1838 die Ernennung zum Hofrat, sowie zum Mitglied der evangelischen Kirchen- und Pruefungskommission.

Am 5. April 1846 wurde er in's Residenzschloss berufen, wo ihm sein jetziger Landesherr, Grossherzog Leopold, das Ritterkreuz des Zaehringer Loewenordens persoenlich ueberreichte. 

In den stuermischen Jahren 1848/49 konnte man ihn, trotz seines vorgerueckten Alters, selbst in kriegerischer Taetigkeit sehen, mit der Flinte auf der Schulter Patrouillengaenge machen oder Wachtdienste tun. Jedoch war, wie wir spaeter sehen werden, der Einmarsch der preussischen Truppen fuer ihn und sein Haus von einer besondern und erfreulichen Bedeutung.

Nach dem Ableben Grossherzog Leopolds im Jahre 1852 hatte Prinz Friedrich an Stelle seines erkrankten aeltern Bruders Ludwig die Regentschaft uebernommen. Auch diesem Fuersten war Vierordt naeher getreten, indem ihm im Jahre 1841 der ehrenvolle Auftrag zu Teil wurde, den beiden Prinzen Unterricht in der Geschichte zu erteilen. 

Der im Jahr 1855 erfolgte Tod seines Freundes und bisherigen Directors, Professor Ernst Friedr. Kaercher, rief Vierordt im Juni an die Direktion des Lyceums, der er im 65sten Lebensjahre, obgleich noch koerperlich und geistig ruestig, nur ungern uebernahm. Im Januar 1856 war er am Schlusse seines 40sten Dienstjahrs angelangt, aus welchem Anlasse ihm durch ein Handschreiben des Prinzregenten Friedrich der Charakter als Geh.Hofrat und von der Universitaet Heidelberg das Diplom eines Doctors der Theologie verliehen wurde. 

Waehrend sich die Zahl seiner Lehrstunden nun naturgemaess vermindert hatte, lasteten die Directorialgeschaefte schwer auf ihm, was ihn auch im April 1859 veranlasste, um Pensionierung oder wenigstens Enthebung von diesen Arbeiten nachzusuchen. Aber erst im folgenden Jahre wurde ihm seine wiederholte Bitte gewaehrt und er unter Anerkennung seiner langjaehrigen treuen Dienste im 70sten Lebensjahre in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.

Man darf aber nicht glauben, dass er die Tage der Ruhe nun in Untaetigkeit und Beschaulichkeit verlebt haette; sein unzerstoerbarer Arbeitstrieb begleitete ihn in sein Otium cum dignitate. Noch drei Jahre wirkte er als Mitglied der Kirchen- und Pruefungs-Kommission und liess sich von der Oberschulbehoerde als Visitator verwenden, als welcher er noch die Lyzeen in Heidelberg, Wertheim und Rastatt besuchte.

Schon im Jahre 1863 wurde er von einem zehrenden Fieber befallen, das ihm seine gewohnte Arbeit nur unter grossen koerperlichen Beschwerden ermoeglichte und am 19. Dezember 1864 seinen sanften Tod herbeifuehrte, dem er mit Seelenruhe entgegensah, als dem grossen Entraetsler letzter Dinge.

So schlummert der Schnitter auf der Garbe, 
Sein Tagewerk ist vollbracht.      Klopstock.


Nachdem wir nun Vierordt's Berufsgang als Lehrer geschildert haben, wollen wir auch seine schriftstellerische Taetigkeit einer Besprechung unterziehen. 

Obgleich urspruenglich Theologe, war er Meister in allen philologischen Faechern, die er behandelte. Lateinisch und Griechisch, Franzoesisch und Deutsch, Geographie und Naturwissenschaft, vor allem Religion und Geschichte, beherrschte er mit gleicher Gruendlichkeit, was ihm nur durch seinen rastlosen Fleiss zu erreichen moeglich geworden war. 

Das besondere Feld, das zu bearbeiten er sich vorgenommen hatte, war die Geschichte. Schon im Jahre 1833 hatte er angefangen, Material zu einem grossen geschichtlichen Werke zu sammeln, das 1847 unter dem Namen "Geschichte der evang. Kirche im Grossherzogthum Baden" als Frucht seiner langjaehrigen Studien und Forschungen erschien. Im Manuscript zwar schon frueher fertig geworden, konnnte erst acht Jahre nach dem ersten auch er zweite Band, welcher die Geschichte der evang. Lirche vom Jahr 1571 bis zur Neuzeit enthielt, erscheinen, nachdem auf Antrag der Universitaet Heidelberg ein Beitrag aus Staatsmitteln dazu bewilligt worden war, unter der Bedingung, dass der Verleger 400 Freiexemplare des gesamten Werkes an die einzelnen evang. Pfarreien des Landes ueberlasse.

Gross war der Erfolg und warm die Aufnahme, die diesem aus tiefem Quellenstudium entsprungenen, von einem Geiste der Ruhe, Wuerde und Maessigung durchgewehten Geschichtswerke auch von Andersdenkenden und -glaeubigen zu Teil wurde; -sagt er doch in seinem eigenen Schlusswort (Bd. II. S. 573): 

"Moege bald aus der Zahl meiner kathol. oder evang. Mitbuerger ein Anderer viel genauer als ich entwickeln, wie wohlthaetig das Nebeneinanderbestehen der beiden Kirchen in dem friedlichen Theile ihrer Vergangenheit gewirkt habe, und einst, unter bessern Verhaeltnissen als jetzt, wirken koenne, bis die Zeit sich erfuellt, wo beide verschiedene gefaerbte Strahlen des christlichen Lichtes die Wiedervereinigung in dem finden werden, von welchem sie ausgegangen sind. Weit hinausgeschoben ist das Jahrhundert der Wiedervereinigung nur durch die Schuld selbstsuechtiger Menschen, welche auf das, was die kathol. und protest. Deutschen miteinander gemein haben, auf Nationalitaet, Sprache und Heimathland, auf Christenthum, heilige Schrift und die drei aeltesten Bekenntnisse einen weit geringern Werth legen als auf das, was nur, zumal in der Kirchenverfassung und in den Kirchengebraeuchen, von einander trennt. Und doch schreibt Der, dessen Name ueber allen Namen ist, gerade in diesen hoechstwenig vor, waehrend er die Grundsaetze sittlichen Handelns und die erhabene Lehre seines seligmachenden Glaubens so genau bezeichnet.*) 

Weitere Zeugen seiner Geistesarbeit sind eine "Geschichte der im Jahr 1586 in Durlach eroeffneten und 1724 nach Carlsruhe verpflanzten Mittelschule", sowie eine groessere Anzahl in Zeitschriften zerstreuter Aufsaetze und wissenschaftlicher Programmbeilagen, ausserdem mehrere nachgelassene Manuscripte. Unter diesen ist als groesseres historisches Werk die nach seinem Tode in Druck erschienene "Badische Geschichte bis zum Ende des Mittelalters" zu nennen, welcher er noch eine Fortsetzung bis auf die Gegenwart folgen lassen wollte.

*)Von der Verwirklichung dieses schoenen Gedankens sind wir leider noch weit entfernt: - waehrend die beiden Kirchen und Saeulen der Staatsordnung in ihren Gegensaetzen beharren, ist eine andere Partei eifrig an der Arbeit, die Autoritaet des Staates und der Kirche zu untergraben, was ihr durch eine humane Gesetzgebung nur zu leicht gemacht wird. 


Carl Friedrich Vierordt war aber nicht nur ein bedeutender Lehrer und Schriftsteller, sondern auch ein eben solcher Mensch, der es verstanden hat, ausser seiner Wissenschaft auch seiner Familie und sich selbst zu leben. Er besass ein grosses Mass von Selbstbeherrschung, war seinen Schuelern ein allzeit gerechter Lehrer und seinen Collegen ein Freund und Berater. War auch der Grundzug seines Wesens gemessener Ernst, so konnte er doch im vertrauten Kreise durch Humor und Heiterkeit ueberraschen.

An der Seite seiner ihm 1817 zu Lahr angetrauten Gattin Rosette geb. Preu war es ihm vergoennt, 47 Jahre in gluecklicher Ehe zu leben und in seinen hinterlasssenen Personalien ruehmt er ihr dankbar nach, dass sie, "die Gefaehrtin seiner Jugend, ihn mit sanfter Hand geleitet ueber die Beschwerden des Alters." 

Von ihren vier Kindern starben zwei im zartesten Alter, waehrend ein Sohn und eine Tochter ihre Lebensbestimmung fern vom Elternhaus und der engern Heimat finden sollten: der Sohn -in der wissenschaftlichen Welt weithin bekannt und als Schriftsteller hoch geachtet -als Professor der Physiologie an der Universitaet Tuebingen, deren Rector er im Todesjahr seines Vaters war, -die Tochter, an welcher der Vater mit grosser Innigkeit hing, von einem wackeren jungen Kaufmann, der im stuermischen Jahr 1849 in Kriegergestalt in Carlsruhe erschienen war, als friedliche Eroberung und glueckliche Gattin in dessen Vaterstadt entfuehrt. 

Welche Sehnsucht das Vaterherz nach den entfernten Kindern empfand, offenbaren zahlreiche poetische Zuschriften an dieselben; -es duerfte von Interesse sein, hier einige Stellen daraus mitzuteilen.

    An seine Berliner Kinder beim Jahreswechsel 1856:
    Genius der Elterntreue 
    Bringe du mit zartem Sinn 
    Bei dem Jahresschluss auf's Neue 
    Meine Wuensche nach Berlin
    Zu der Philippstrasse hin 
    Dir ist jenes kleinen Kreises 
    Friedlich stiller Raum bekannt.
    Lege ihm des Palmenreises 
    Heiteres Bild in seine Hand,
    Andacht heilige das Band. 
    Denn wo zwei in Jesu Namen 
    Oder drei versammelt sind, 
    Rufst du auch dein Ja und Amen; 
    Und wenn Sehnsuchtsthraene rinnt, 
    Bete du mit meinem Kind. 
     
    Im Dezember 1858 in's Gebetbuch seiner Tochter:
    Auch das nun verflossene Jahr 
    Sah dich, Vater, nie ermueden, 
    Uns zu lileben immerdar. 
    Und mir hast du es beschieden, 
    Dass ich, was mir theuer war, 
    Wiedersah - wohl und zufrieden. 
    Lasse du, o Herr, die Meinen
    An dem Neckar Gross und Klein, 
    An der Spree und an dem Rhein 
    Bald auf's Neue sich vereinen 
    Und dann aus dem Kreise keinen
    Ferne von den Andern sein! 
     

    Noch an Weihnachten 1863, schon leidend, sagt er von seiner Gattin: 
    Schwach ist sie nur im Hoffen,
    In der Alterspflege nicht; 
    Bei Erfuellung dieser Pflicht 
    Strahlet sie unuebertroffen. 
    Moege Gott sie ihrem Alten, 
    Dem sie so schon jung gefiel, 
    Bis an seiner Tage Ziel 
    Stets und gnaediglich erhalten! 
    Uch nach eigner Besserung lechz' ich, 
    Was mich trifft, leicht oder schwer, 
    Das verschweig ich Euch nicht mehr 
    Mit dem Jahre vierundsechzig.*) 
    Und Euch Lieben in der Ferne 
    Segne Gott den neuen Herd; 
    Bleibet Ihr einander werth,
    O dann leuchten heitre Sterne.

*) Sein Todesjahr.

So sehen wir den laengst Entschlafenen vor uns, wie er uns im Leben erschienen, ernst und heiter, streng und mild, je nach Anlass und Stimmung; -noch im Alter eine aufrechte Gestalt, mit Adlernase und Falkenblick, sein dunkles Haupthaar nur wenig gebleicht, -eine eigenartige Erscheinung, aber ein ganzer Mann. 

Copyright 1995-2004 Brigitte Gastel Lloyd
 


 
Worldroots Home Page