STAMMBUCH DER
HUGEN UND PREUEN
FUENFHUNDERT JAHRE HAUSGESCHICHTE
Mit einem Anhang "Biographien"
und einem Nachtrag "Der Weltkrieg"
"Wohl dem, der seiner Vaeter gedenkt"
Fuer die Familie verfasst von
MICHAEL CONRAD
THEODOR HUG
Lahr, Baden, Germany, 1914
Vorwort.
Nach der beifaelligen Aufnahme meiner vorjaehrigen
Arbeit "Chronik des Hauses Hugo", von welchem ich muetterlicherseits
abstamme, entschloss ich mich, in diesem Jahre den Stammbaum und die Geschichte
der Familie
"HUG-PREU", der mein Vater angehoerte, zu bearbeiten.
Dadurch habe ich zugleich einer Anregung aus meinem engeren Verwandtenkreis
entsprochen und beklage es nur, dass eine solche Aufgabe fuer den Verfasser
in Wahrheit nichts anderes ist, als ein Gang durch einen grossen Friedhof,
um das Andenken Verstorbener auszugraben. Allen, die mir in freundwilliger
Weise dabei an die Hand gingen, spreche ich auch an dieser Stelle meinen
Dank aus.
Im Gegensatz zum Hause Hugo waren der Familie Hug bis zu ihrer Niederlassung
in Lahr einfachere Verhaeltnisse beschieden, waehrend sich die Familie
Preu schon von altersher eines groesseren Wohlstandes und Ansehens ruehmen
durfte. Beide Familien sind dem evangelischen Glauben ihrer Vorfahren bis
heute treu geblieben. Wenn ich mich in dieser Schrift besonders mit meinem
Grossvater THEODOR CONRAD HUG I
lange beschaeftige, so geschah dies
aus zweierlei Ursachen, -einmal, weil er der Begruender unserer in Lahr
angesiedelten Familie dieses Namens, und dann, weil er als ein Grosskaufmann
im wahren Sinn des Worts anzusprechen ist, dem wir schon deshalb eine eingehende
Schilderung seiner grosszuegigen und erfolgreichen Taetigkeit schulden;
sie duerfte fuer seine maennlichen Nachkommen, welche saemtlich seinen
Beruf sich zu eigen machten, nicht ohne Interesse sein. Damit moechte ich
aber keineswegs einer erblichen Kaufmanns-Dynastie in der Familie das Wort
reden, sondern trete im Gegenteil dafuer ein, dass man die Soehne nicht
immer wieder in den gleichen Beruf des Vaters stellt. Derselbe sollte mehr
der persoenlichen Neigung und Befaehigung des Einzelnen angepasst sein,
da z.B. mancher das Zeug zu einem tuechtigen Beamten hat, sich jedoch fuer
den Kaufmannsstand nicht eignet, und so auch umgekehrt. Aber ganz abgesehen
von dem Ausmass persoenlicher Tuechtigkeit, ist die kaufmaennische Laufbahn,
wie kaum eine andere, schwankenden Ertraegnissen, grossem Risiko und unvorhergesehenen
Wechselfaellen in der Geschaeftslage unterworfen, welche sowohl ein Festhalten
am Hergebrachten, als eine sichere Gewaehr fuer die Zukunft ausschliessen;
-so konnte selbst das einst weitgebietende Handlungshaus der "Fugger" den
Stuermen des 30jaehrigen Krieges nicht Stand halten. Die Berufswahl der
Soehne ist eine Frage von groesster Bedeutung, da sie dem ganzen Leben
das Gepraege verleiht und es nicht zuletzt die Sicherheit der Existenz
ist, in welcher der Charakter sich festigt.
Wie im Hause Hugo waren es auch hier wieder die Toechter, welchen die
Kaufmannsfamilie Preu durch Heirat einen erfreulichen Zuwachs anderer Berufsstaende
zu verdanken hat, worunter einige tuechtige Beamte, beruehmte Mediziner
und namhafte Gelehrte zaehlen.
Unter letzteren steht in vorderster Reihe
ein anderer Preu'scher Schwiegersohn, mein Grossonkel CARL FRIEDRICH
VIERORDT, welchen persoenlich zu kennen mir noch vergoennt war, und
dessen verdienstvolles Wirken eine ausfuehrliche Besprechung in dieser
Schrift mit Recht beanspruchen durfte.*) Aus den Abschnitten, welche ich
den beiden Schwaegern und hervorragenden Vertretern zweier so verschiedener
Berufsstaende gewidmet habe, wird unschwer zu ersehen sein, unter welchen
Wandlungen der eine seinen Weg erst suchen musste, ohne je bestimmt zu
wissen, ob er zum Ziele fuehrte, waehrend dem anderen ein Wegweiser gesetzt
war, der ihm die gerade Bahn, an den Kreuzwegen vorbei, zum Ziele zeigte.
Wenn nun in einer Familienchronik einzelnen viel Lob gespendet und von
anderen nur wenig oder gar nichts gesagt wird, so ist dies in der Natur
der Sache und gewiss auch in dem Mass der Verdienste begruendet, woraus
man indessen nicht auf eine Zuruecksetzung der anderen schliessen darf.
Obwohl vom heutigen "Uebermenschtum" noch unberuehrt, waren auch unsere
Voreltern sicherlich alle nicht frei von menschlichen Schwaechen und Fehlern;
dadurch wollen wir uns aber die Freude, ihre Nachkommen zu sein, nicht
verkuemmern lassen.
*) Mit Benuetzung einer dem
Andenken Vierordt's gewidmeten Beilage zum Karlsruher Lyzeumsprogramm fur's
Jahr 1865, vom damaligen Direktor Dr. Christ.Friedr. Gockel.
Die Ergebnisse meiner, aus Familienpapieren und persoenlicher
Erinnerung ergaenzten Nachforschungen gewissenhaft wahrzunehmen, ist mir
bei der Bearbeitung dieser Schrift, welcher ich den Namen "Stammbuch
der Hugen und Preuen" gegeben habe, der leitende Grundsatz gewesen.
Moege dieselbe eine wohlwollende Beurteilung finden und unseren spaeteren
Nachkommen die Geschichte ihrer Vorfahren in bleibender Erinnerung erhalten,
damit von ihnen nicht gesagt werden kann:
Wenn du gestorben bist, wer denkt noch deiner?
Im ersten Jahr vielleicht ein Heer,
In zehn Jahren wohl noch einer,
In zwanzig Jahren keiner mehr.
Lahr, im Juli 1914
Theodor Hug
Demnaechst erscheint, als Folge zur
"Chronik des Hauses Hugo":
--Die Familie Pannifex, seit 1629--
"Schoen ist es, den Spuren seines Geschlechtes
nachzugehen, denn der Stammbaum der Familie ist fuer den Einzelnen das,
was die Geschichte des Vaterlandes fuer ein ganzes Volk ist.". (Esajas
Tagner)
Das Wappen der H u g e n :
Das Wappen der P r e u e n :
(Es zeigt 2 springende Woelfe)
Ueber buergerliche Wappen schreibt
die
"Taegliche Rundschau:"
Es war keine Prunksucht und
keine leere Protzerei, die den Anlass gaben, das Wappen ueberall anzubringen;
auch keine Sucht, sich persoenlich vordraengen zu wollen oder eine Familie
in den Schein des Reichtums zu bringen. Denn die Wappen sind zumeist ganz
schlicht und schmucklos und bewahren, wenn auch Ausnahmen vorkommen, da
es zu jeder Zeit eitle Menschen gegeben hat, ganz reine Formen, sind von
jener edlen, einfaeltigen Ausdruckskunst, die erst jetzt wieder zu Ehren
kommt. Es wart der alte, gute Familiensinn, der den Wappenschmuck suchte
und foerderte. Das stolze Gefuehl der Zusammengehoerigkeit wurde durch
das Wappen ausgedrueckt und gepflegt.
Die Familie Hug, 1458 - 1914.
Eine Familiengeschichte soll auch ueber den
Ursprung des Namens Aufschluss geben: Der Name Hug - ebenso Hugo
und
Haug, welche gleichen Stames sind -ist vom altdeutschen
hugu
oder vom alsaechsischem
hugi (Gedanke, Sinn, Geist) abzuleiten und
eine Verkuerzung des Vollnamens Hugubert oder
Hugibald, woraus
wieder Hubert und Huber gebildet ist. So aendern sich nicht
nur die Zeiten und die Menschen, auch die schoenen alten Namen wurden geaendert
und verstuemmelt.
Das alte Geschlecht der Hugen, 1),
auf welches unser Stammbaum hinweist, war zu Waldshut 2) ansaessig
und wird dort 1458 - 1524 urkundlich genannt. Es begab sich, dass anno
1495 diese dem Hause Habsburg zu eigene Stadt durch eine grosse Feuersbrunst
heimgesucht wurde, der 182 Haeuser zum Opfer fielen, wodurch zahlreiche
Familien von heut auf morgen aus Wohlstand in Nothstand gerathen waren
und sich gleichwohl keiner billigen Entschaedigung von Seiten der Herrschaft
versehen durften. Die Stadt musste Capitalien in Basel und Schaffhausen
aufnehmen, um den Wiederaufbau bewerkstelligen zu koennen. Indessen konnten
sich die uebel zufriedenen Buerger dem Einfluss der kommenden Zeitereignisse
nicht entziehen: -die neue Lehre Zwingli's in der Schweiz hatte auch in
Waldshut der Reformation den Boden geebnet, wozu sich in der Folge noch
der Bauernkrieg gesellte. Durch ihr Buendnis mit den rebellischen Bauern
im August 1524 betrat die Stadt, abgesehen vom kirchlichen Abfall, auch
in politischer Hinsicht den Weg der Revolution gegen ihren Landesherrn.
Daraus ergab sich eine schwere Zeit fuer Waldshut, das in beiderlei Hinsicht
unterlag und die Verbannung der Raedelsfuehrer sowie die Confiszierung
ihrer Gueter als Strafe hinnehmen musste.3)
1) Ferner gab es in Oberbaden
die aeltern Geschlechter der Hugen von Heiligenberg (im 12. Jahrhundert)
und von H u g s t e t t e n , sowie im Oberelsass die Hugen von Sulz.
Wahrscheinlich sind diese Familien urspruenglich alle eines Stammes gewesen.
2) Waldshut gehoerte
zu Vorderoesterreich, das seit 1458 durch Erzherzog Sigismund und dessen
Landvogt, Markgraf Wilhelm von Baden-Hochberg (+1473) regiert wurde.
3) Bei einer Unterhandlung von
Abgesandten der Stadt Waldshut mit den Vertretern der Regierung am 12.
September 1524 zu Engen, sagte der Statthalter, Graf Rudolf von Sulz, zu
dem Waldshuter Ratsherrn Bollinger: "Wir kennen Dich und Deinesgleichen,
ihr seid aufgezeichnet, Du musst der erste sein, dem man den Grind abhaut.
Wir wollen euch das Evangelium um die Ohren blaeuen, das ihr die Haende
ueber den Kopf zusammenschlagen muesst; wir wollen euch dermassen strafen,
dass ihr allen Menschen, so der lutherischen Secte sind, ein Exempel und
Vorbild sein muesst." (Freiburger Urk.-Buch I) Bollinger fluechtete in
die Schweiz, wo wir seinen Nachkommen wieder begegnen.
Unter den Vielen, die damals entweder gezwungenermassen, oder
um der neuen Glaubenslehre freiwillig ihre Heimath verliessen, befand sich
auch ein Zweig der Familie Hug ,welcher sich der Reformation angeschlossen
hatte; er wanderte in die benachbarte Schweiz aus, wo wir nun unsere Vorfahren
zu suchen haben.
Dort lebte vor 300 Jahren zu Beringen
im Canton Schaffhausen ein Ortsbuerger,
Marcus Hug benennet,
der im Jahr, da man zaehlte nach Menschwerdung Christi 1584, geboren ward
und als unser leibhafter Ahnherr anzusprechen ist. Seine ihm anno 1607
angetraute Hausfrau
Magdalena, aus dem weitverzweigten Geschlechte
der
Bollinger, dessen Wiege auch in Waldshut gestanden, schenkte
im 6 Kinder:
-
Adam, *November 1608,
-
Katharina, *4. November 1610,
-
Hans, *10. Mai 1612, +
-
Hans Jacob, *1. Januar 1614,
-
Hans II, *14. Juli 1616,
-
Anna, *3. Februar 1621.
Diese Leute fuehlen sich wohl als Eidgenossen
und Landwirthe auf eigener Scholle und gehoerten vornehmlich der Zunft
der Weingaertner an, die in dem dazumal gesegneten Rebland mit reichlichem
Ansehen und Wohlstand bedacht war. Sie hatten in der Folgezeit zahlreiche
Nachkommen, von denen aber etliche bei einem grossen Landsterben, der schwarze
Tod geheissen, um's Leben gekommen. Sintemalen es eine Unmoeglichkeit war,
die Nachgebliebenen nach den oberflaechlichen Eintraegen im Kirchenbuch
so auseinander zu halten, um daraus die einzelnen Stammlinien ableiten
oder doch das, so uns belanget, fuersorglich herausziehen zu koennen, will
es uns als das richtigste beduenken, die oftmals wiederkehrenden Vornamen
der Soehne in alphabetischer Reihenfolge hier niederzuschreiben:
Adam, Alexander, Bernhardt, Caspar, Conrad,
Friedrich, Hans, Heinrich, Jacob, Johannes, Ludwig, Mathaeus, Thobias.
Anmerkung: Das Gemeindewappen
von Beringen fuehrt in der linken Schildhaelfte eine Weintraube. Merkwuerdigerweise
findet sich dort, wie auch in Schaffhausen, keine Familie unseres Namens
mehr vor. Dieselben sind schon vor langem, mit dem Aufhoeren des Weinbaues,
in die innere Schweiz verzogen und zu andern Berufen uebergegangen. D.D.
Erst die spaeteren Eintraege ermoeglichten es, unsere Stammfolge
wieder festzustellen, und das geschah mit
Bernhardt Hug - dem Nachkommen
eines der vorn genannten drei Soehne des Marcus - und seiner Ehegemahle
Elisabetha Rost. Deren Sohn Mathaeus Hug I,
geboren am 22. Juli 1714, nahm anno Domini 1741 eine Jungfer Ursula
Pommer aus dem Canton Zuerich zur Frau und verzog nach der Stadt Schaffhausen,
wo er unserer Familie erstmals den kaufmaennischen Stempel aufdrueckte
und in dem 1569 erbauten Hause "Zum Dornhahn"*) eine Handlung begruendete.
Dieses, einstens zum Kloster St. Johann gehoerend, soll als weltliches
Asyl gestiftet worden sein, in das die Adeligen und Herren der Ritterschaft,
so sie alt oder untauglich geworden, sich begaben, um darinnen ein eingezogenes
und gottgefaelliges Leben zu fuehren, was aber nicht immer geschah; -was
man darueber noch sagen koennte, ist dieser Schrift nicht dienlich und
soll sohin unberedet bleiben.
Er uebernahm das Geschaeft seines Vaters und
ehelichte 1785, da er schon 42 Jahre zaehlte, Anna Weis aus Wiesendangen
im Canton Zuerich; sie war aus der Sippe seiner Mutter und hatte waehrend
deren Krankheit und nach ihrem Heimgang seinen Haushalt loeblich gefuehrt.
Mathaeus
und Anna hatten 5 Kinder:
-
Ursula, *4. Juni 1742,
-
Mathaeus II, *22. Dezember 1743,
-
Hans Jacob *13. August 1749,
-
Barbara, *1754,
-
Maria Magdalena, *29. Oktober 1759,
von welchem der Sohn Mathaeus Hug
II, 1743-1826, unsere Linie eroeffnete und in dem Herrn Vogt Pommer
aus Herblingen einen maenniglich angesehenen Goetti (Taufpathen) erhielt.
*) In Schaffhausen hat jedes
alte Haus seinen Namen, der ihm neben seiner urspruenglichen Bauart gewahrt
bleibt. Das Anwesen "Zum Dornhahn" grenzte an zwei Gassen; der rueckwaerts,
nach dem Muensterplatz gelegene Hof mit Stallung wurde spaeter ueberbaut
und vom Vorderhaus abgetrennt. Letzteres hat nach dem Tode unseres Vorfahren
nur selten seinen Besitzer gewechselt und gehoert seit 1890 dem Restaurateur
Ad. Schaidt, Vordergasse 11.
Aus der Ehe von Mathaeus Hug II sind 5 Kinder hervorgegangen:
-
Theodor Conrad I, *15. September 1786,
-
Maria Catharina, *12. Dezember 1787, frueh
gestorben,
-
Balthasar, *8. November 1791, frueh gestorben,
-
Anna Maria, *10. Oktober 1795, +1856.
Diese war seit 1816 verheiratet mit Johann
Schachenmann, *1791 und hatte 5 Kinder:
-
Johann Mathaeus, *1817
-
Luise, 1818,
-
Luise Friederike, 1819,
-
Maria Margarethe, *1822
-
Caroline Schachenmann, 1823
-
Maria Catharina II, 1798-1839, ehelichte
1816 den Kaufmann
Carl Emmerich Ignaz Joh. Baptist Montfort*) aus
Freiburg im Breisgau, 1790-1858, welcher ein Freund ihres Bruders und bei
dessen frueherem Prinzipal J.F. Lenz, Steingutfabrik in Zell a.H., in leitender
Stellung war. Von da uebersiedelten sie Mitte der 30er Jahre nach Freiburg,
wo sie ein Manufakturwarengeschaeft gruendeten. Von ihren 6 Kindern sind
die 5 aelteren in Zell geboren:
-
Theodor Carl Montfort, 1817-1879, Kaufmann
in Freiburg, verheiratet mit
Pia Herder von da. 4 Toechter und 1
Sohn. **)
-
Eduard Friedrich Montfort, 1819-1881,
hat studiert, war Oberamtsmann in Offenburg, spaeter Stadtdirektor in Bruchsal
und vermaehlt mit Anna Finner, eines Apotheker's Tochter von Triberg.
2 Soehne und 1 Tochter.
-
Maria Catharina Montfort, 1824-1894, war
mit Gerichtsnotar Schilling in Ettenheim verheiratet. 2 Soehne und
1 Tochter.
-
Carl Hermann Montfort, 1830-1886, gruendete
ein Manufaktur- und Konfektions- geschaeft in Freiburg und heiratete die
Tochter Bertha des Distr.-Notars
Glyckherr in Kirchzarten,
und in zweiter Ehe deren Schwester Elvira. 3 Toechter und 2 Soehne.
-
Maria Anna Montfort, 1833-1870, war Lehrfrau
im Kloster St. Ursula in Freiburg.
-
Josepha Barbara Montfort, geb. 1837, ehelichte
den Kaufmann Leo Dreher in Freiburg, wo sie als Seniorin der Familie
Montfort im Witwenstand lebte. Keine Kinder.
*) Die Familie Montfort
ist kath. Glaubens und fuehrt ihren Stammbaum zurueck auf Carl Franz
Montfort, 1683-1769, Kaufmann, Buerger und Ratsherr, zuletzt Buergermeister
von Freiburg, das damals unter oesterr, Herrschaft stand. Er war verheiratet
mit Maria Lischier von Krotzingen und ist mit ihr im Freiburger
Muenster bestattet.
**) Dieser 1855 geb. Sohn ist
unser Vetter, Herr Carl Th. Fritz Montfort, Kaufmann in Freiburg,
Kaiserstrasse 38.
Der aelteste Sohn des Mathaeus II war unser Grossvater
Theodor Conrad Hug I,
1786-1845, welchem ein besonderes Kapitel in dieser Schrift gewidmet ist.
(Siehe Anhang.)
Er ist der Begruender unserer L a h r e r
Linie, war Grosskaufmann und seit Dezember 1817 verheiratet mit Amalie
Charlotte Preu, 1798-1893, einer Tochter des Kaufmanns Johann Jacob
Preu in Lahr und der Friedericke, geb. Kuenzlin (siehe unter
Familie Preu.)
Waehrend er schon im 59. Lebensjahr seiner
Familie und seinem Wirkungskreise entrissen wurde, ueberlebte ihn seine
Witwe um 48 Jahre. Pflichttreu im Leben und ruestig bis an's Ende, entschlief
sie im biblischen Alter von nahezu 95 Jahren bei ihrer Tochter in Karlsruhe
und ist in der Familiengruft auf dem alten Kirchhofe zu Lahr an der Seite
ihres Mannes bestattet. Sie hatten zwei Kinder:
-
Amalie Theodore Hug, 1818-1901, vermaehlt
seit 1837 mit dem damaligen Oberamtmann
-
Gottlieb Friedrich Lang in Lahr, spaeter
in Rastatt, welcher in erster Ehe mit Caroline Wirth geb. Freiin von
Lotzbeck verheiratet war und 1859 als Geh. Regierungsrat in Mannheim
gestorben ist.
Sie uebersiedelte nach Karlsruhe, wo sie
nach einem langen Witwenstand, im Alter von 83 Jahren aus dem Leben schied.
Von ihren 3 Toechtern heiratete:
-
Clara Lang, 1838-1906, den Grossh. Bad.
Hauptmann der Infanterie,
Dr. Max Gastel in Freiburg, gest. 1912
als Major a.D. zu Karlsruhe, und hatte 2 Kinder:
Clara und Max, von welchen
nur letzterer verheiratet ist und ebenfalls 2 Kinder hat.
-
Mathilde Amalie Lang, 1839-1910, starb
ledig in Karlsruhe.
Laura Lang, geb. 1842, war seit 1868
mit dem 1883 verstorbenen Hauptmann der Artillerie, Gustav Kuntz,
verheiratet und lebt mit ihrer einzigen Tochter Laura, welche unvermaehlt
ist, in Karlsruhe.
Beide Offiziere machten den Feldzug 1870/71
gegen Frankreich mit und nahmen dann ihren Abschied.
2. Theodor Conrad Hug II,
1821-1903, besuchte das Paedagogium in Lahr und kam nach seiner im vaeterlichen
Geschaefte bestandenen Lehrzeit nach Morges i.d. franz. Schweiz und dann
nach Marseille, wo er einige Jahre bei der Schweizer Firma Robert Freres
in Stellung war. Diese stand in enger Geschaeftsverbindung mit seinem Vater,
welcher hingegen einen Sohn aus diesem Hause bei sich aufgenommen hatte.
Seine damals in die juengste franz. Colonie Algier unternommene Reise war
ihm eine bleibende schoene Erinnerung.
Der 1845 erfolgte Tod seines Vaters rief ihn
zur Uebernahme des Geschaefts nach Hause zurueck. Im gleichen Jahre fuehrte
er seine Jugendliebe, Pauline Frieda Hugo, 1824-1909, heim, eine
Tochter des Tabakfabrikanten Michael Hugo und dessen Gattin
Friedericke,
geb. Pannifex in Lahr (siehe "Chronik des Hauses Hugo".) Sie hatte,
gleich ihren Schwestern, auf dem Paedagogium ihrer Vaterstadt, das unter
der trefflichen Leitung des Professors und spaetern Geh. Hofrats C.A. Gebhardt
stand, und in einem Institut in der franz. Schweiz, wie im Elternhause,
eine sorgfaeltige Erziehung erhalten, welche sie auf ihre Kinder zu uebertragen
bestrebt war. Unermuedlich in der Erfuellung ihrer Hausfrauen- und Mutterpflichten
machte sie das Alltagsleben im Hause zum Mittelpunkt ihres Daseins, treu
dem Grundsatz, dass dies der Boden, auf welchem wir wachsen und aus dem
wir unsere Nahrung ziehen muessen; -und so koennte man fast sagen, dass
ihr Verhaeltnisse und Menschen hauptsaechlich nur in ihren Beziehungen
zur Familie bedeutsam erschienen. Das Vertrauen seiner Mitbuerger berief
Theodor C. Hug mehrmals in's Ratscollegium, sowie in den Vorstand
der Handelskammer.
Nach der 1880 erfolgten Aufloesung des Geschaefts,
das Anfangs der 50er Jahre von der Marktstrasse in die Dinglinger-Vorstadt*)
verlegt worden war, zogen die Eltern Hug nach F a l k e n a u an
der Eger, wo ihre Tochter verheiratet war, begleiteten diese 1895 auch
nach ihrem neuen Wohnsitz C a n n s t a t t und konnten dort im gleichen
Jahre ihre goldene Hochzeit feiern. Sie durften sich noch eine Reihe von
Jahren eines ruestigen Greisenalters erfreuen und fanden auf dem Uffkirchhof
daselbst ihre gemeinsame Ruhestaette.
 
Anmerkung: Dass ich in
diesen Aufzeichnungen unsere engere Familie eingehender behandelt habe,
darf ich wohl damit begruenden, dass sie in erster Reihe fuer unsere
Nachkommen bestimmt sind. D.D.
*) Jetzt Pfisterer'sches Haus,
Kaiserstrasse 85
Die von ihren 4 Kindern ist das zweite, Camill, nur 5
Monate alt geworden und sind 2 Soehne und 1 Tochter noch am Leben:
1. Michael Conrad Theodor Hug,
geb. 26. April 1847. Nach dem Besuche des Gymnasiums in Lahr war er fuer
die Dauer eines Jahres auf der Garnier'schen Handelsschule zu Friedrichsdorf
am Taunus und ebenso lange im Institut Roulet zu Neuchatel, um dann seine
gleich nach der Schulzeit begonnene Lehre im vaeterlichen Geschaeft zu
beendigen. Spaeter nahm er Stellungen im Auslande an, zunaechst in Lyon,
dann in Triest bei der Drogenfirma Julius Stettner, welche eine langjaehrige
Geschaeftsfreundschaft mit seinem vaeterlichen Hause verband. Im Jahre
1868 auf 69 diente er als Einj.-Freiwilliger im 1. Bad. Leibdragoner-Rgt.
zu Mannheim, machte das Kriegsjahr 1870/71 als Unteroffizier im Ersatzregiment
mit und ist im Besitz der Kriegsdenkmuenze, sowie der 1897 zum 100. Geburtstage
Kaiser Wilhelm's I. Gestifteten Erinnerungsmedaille. In's vaeterliche Geschaeft
zurueckgekehrt, heiratete er im Oktober 1875
Marie Buehler, geb.
12. Dezember 1857, Tochter seiner Cousine Buehler geb. Jamm (Siehe
"Chronik des Hauses Hugo") und deren Gatten Carl Buehler von Lahr,
Rohtabakhaendler in Mannheim. Mit kaum 18 Jahren in den Ehestand getreten,
ist sie heute die treubesorgte Grossmutter eines ihr an's Herz gewachsenen
Enkelkleeblatts.
Anmerkung: Als die nachhaltigsten
Eindruecke aus meiner Schulzeit moechte ich hier erwaehnen: Die Feier von
Schiller's 100. Geburtstag am 10. November 1859 und des 50. Jahrestags
der Voelkerschlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1863. Waehrend sich die
erste im Weichbild der Stadt abspielte und in einer zuendenden Festrede
unseres Gymnasiumsdirektors, Herrn Geh.Hofrat C.A. Gebhardt, in der zu
Ehren dieses Tages neu eroeffneten Schillerstrasse gipfelte, fuehrte uns
die zweite auf den Schutterlindenberg. Dort wurde, nach einer patriotischen
Ansprache des Herrn W. Schubert, am Abend ein maechtiges Freudenfeuer entzuendet,
dessen himmelan lodernden Flammen die Erinnerung an Deutschlands groessten
Sieg weit in's Land hinein und ueber die Rheingrenze trugen. D.D.
Vom Jahr 1880-81 hielt sich Theodor Hug im Geschaeft
seines Bruders in Chicago und New York auf und brachte von diesem amerikanischen
Intermezzo nicht nur schoene Reiseerinnerungen, sondern auch praktische
Eindruecke und Erfahrungen mit, welche ihn 1882 zur Gruendung einer Kartonagenfabrik
ermutigten. Diese pflegt vorzugsweise den Export und steht seither mit
dem New Yorker Geschaefte in bestaendiger Fuehlung. Ohne maennliche Nachkommen,
ist er der letzte seines Namens in der Lahrer Linie und heute, kraft seiner
Jahre, der S e n i o r der Familie Hug. Die einzige Tochter:
Laura Maria, geboren 10. September
1876, ist seit 1901 verheiratet mit dem Fabrikanten Max Sievert,
geb. 8. April 1870, Teilhaber der seit 1816 bestehenden Firma C.F. Dreyspring
in Lahr; sie haben 3 Kinder:
-
Lotte Sievert, geb. 15. November 1902,
-
Herta Sievert, geb. 4. Februar 1912,
-
Claus Sievert, geb. 4. Februar 1912.
2. Pauline (genannt Paula) Hug,
geb. 17. September 1853, fand ihre Ausbildung in der Hoeheren Tochterschule
zu Lahr, unter Rektor Gustav Specht, und im Grossherzogl. Institut zu Mannheim.
Sie ehelichte 1875 den Buchdruckereibesitzer CARL MUELLER, 1847-1896,
Teilhaber der Firma Mueller & Weiser in Falkenau a.d. Eger (Boehmen),
und lebt als Witwe in Cannstatt. 2 Kinder:
-
Carl, geb. 1. April 1876, besuchte die
Handelsschule in Nuernberg, hatte aber zum Kaufmannsstande keine Neigung,
die ihn ganz zum Seemannsberufe hinzog. Mit Zustimmung seiner Eltern und
seinem Reifezeugnis fand er Aufnahme auf dem deutschen Schulschiff "Stein*,
wo er -wie nachher auf der "Arcona" und auf zahlreichen Reisen- seine fachmaennische
Ausbildung erhielt. Heute faehrt er als Obersteuermann der Handelsmarine
in australischen Gewaessern, ist unverheiratet, in Australien naturalisiert
und Buerger von Sidney, wo er auch seinen Wohnsitz hat. Seine Schwester:
-
Elsa, 1882-1896, folgte ihrem Vater wenige
Wochen im Tode nach und ist an dessen Seite in Cannstatt beerdigt, -ein
kaum erbluehtes Menschenleben den Freuden und Leiden des Erdendaseins entrueckt.
3. Herman Hug, geb. 12.
Oktober 1857, besuchte die Gymnasien zu Lahr und Constanz, sowie die Aheimer'sche
Handelsschule in Kirchheim-Teck, war dann zur Lehre im Geschaeft seines
Vaters und diente 1876 auf 77 als Einjaehrig-Freiwilliger im 3. Bad.Dragoner-Regiment
"Prinz Karl Nr. 22" zu Karlsruhe. Im Jahre 1878 begab er sich nach den
Vereinigten Staaten von Amerika, zunaechst nach Chicago, wo er im Oktober
gleichen Jahrs mit seinem Landsmann Leopold Metzger ein Importgeschaeft
in Apotheker-Utensilien usw. begann, welches nach dessen im Maerz 1881
erfolgten Austritt nach New York verlegt wurde. Es hat sich dort in der
Folgezeit als Fabrikationsgeschaeft zu grosser Bluete entfaltet und fuehrt
den Namen "The New York Label-&-Box-Works, Herman Hug."
Herman Hug trat auch das amerikanische
Buergerrecht an und ist der Begruender der New Yorker Linie Hug, welche
nach dem Ableben seines Bruders die einzige im Mannesstamm sein wird.

Er heiratete 1882 Katie Jann in Hoboken,
gest. 1890, und 1904 in zweiter Ehe Anna Huber aus Horgen (Schweiz),
welche er bei ihrem Onkel in New York kennen gelernt hatte.
Von beiden Soehnen erster Ehe ist:
-
Walter, geb. 9. September 1884, ledig,
gest. 22. Juni 1933
-
Herman Carl, geb. 6. Januar 1888, verheiratet
mit Dora Edelhoff von Hoboken und im Geschaeft seines Vaters. 1
Tochter:
-
Dorothy, geb. 15. Dezember 1913
Die Kinder zweiter Ehe sind:
-
Gustav Theodor Roosevelt, geb. 4. Maerz
1905, dem Tag der Inauguration Roosevelt's als Praesident der U.S.
-
Anna Marie, geb. 1. Juli 1910, von welchen
ersterer z.Zt. der juengste Traeger unseres Namens ist.
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