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Geschichte der *Moser von Filseck*
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Im Auftrage der Familie
bearbeitet von
Friedrich Bauser
Als Handschrift gedruckt.
Stuttgart 1911
Druck von A. Bonz' Erben
VORWORT
Vor etwa vier Jahren erteilte mein Vater dem Verfasser des vorliegenden
Werkes den Auftrag, eine Geschichte der Familie Moser von Filseck zu schreiben.
Die eingehenden Studien und gruendlichen Forschungen, welche der Verfasser
machte, um das Material zu sammeln und zu sichten, verfolgte mein Vater
mit lebhaftem Interesse, ja er beteiligte sich selbst mit Eifer daran.
Erst beim Weiterschreiten der Arbeit zeigte es sich, welchen Umfang diesselbe
annehmen musste, und wo ein Baustein beigetragen war, da wurden wieder
neue Luecken sichtbar, zu deren Ausfuellung es weitere Quellen zu erschliessen
galt. Wenn auch manchmal die erhofften Resultate ausblieben, so lohnten
doch oft interessante Ergebnisse die aufgewandte Muehe. So hat die Beschaeftigung
mit dieser Arbeit, die ihm stets lieber und lieber wurde, meinem Vater
die letzten Jahre seines Lebens verschoent. Ihre Vollendung zu sehen, war
ihm nicht mehr vergoennt, und es ist mir ein teures Vermaechtnis geblieben,
das Werk seinem Abschluss zuzufuehren. Wenn ich es hiemit weiteren Kreisen
uebergebe, so tue ich es im Andenken an meinen Vater und bringe dies durch
Beifuegung seines Bildes noch besonders zum Ausdruck.
An dieser Stelle sei nun auch den Vorstaenden und Beamten der Archive
und ganz besonders dem Vorstand des Kgl. Haus- und Staatsarchivs in Stuttgart,
Herrn Direktor Dr. von Schneider, fuer ihr dem Verfasser erwiesenes Entgegenkommen
und ihre tatkraeftige Unterstuetzung der waermste Dank ausgesprochen. Ganz
wesentlich hat zum Zustandekommen des Werkes beigetragen mein Vetter, Herr
Archivrat Dr. Krauss, der mit sachverstaendigem Rat in steter Hilfsbereitschaft
meinem ater und mir zu Seite stand. Ferner haben von den Angehoerigen unserer
Familie Herr Paul Moser von Filseck, Pfarrer in Eberstadt, und dessen Bruder,
Herr Ernst Moser von Filseck, Staatsanwalt in Heilbronn, welche sich schon
frueher mit der Sammlung von Notizen zur Moserschen Genealogie befasst
haben, den Verfasser bei seiner Arbeit in anerkennenswertester Weise gefoerdert.
Endlich hat sich um die Vollendung des Ganzen, namentlich durch unermuedliches
Lesen der Korrekturen, mein Vetter, Herr Finanzrat Paul Teuffel, verdient
gemacht. Auch den Genannten moechte ich daher hier noch meinen aufrichtigsten
Dank abstatten.
Stuttgart und Muenchen, Neujahr 1911
Einleitung
Seite 1
I. Teil
Die Familiengeschichte der Moser von Filseck
I. Abschnitt. Ursprung und aelteste Geschichte der
Familie; Adelsverleihung,
zeitweiliger Nichtgebrauch der Adelspraedikate, Adelserneuerungen.
Seite 5
II. Abschnitt. Genealogie und Lebensbeschreibung
der
einzelnen Familienmitglieder:
Gemeinsamer Stamm
Seite 22
Aeltere oder Valentinische Linie
Seite 27
Juengere oder Balthasarische Linie
Seite 84
III. Abschnitt. Der Gueterbesitz
Seite 169
IV. Abschnitt. Staistik
Seite 187
II. Teil
Regesten zur Familiengeschichte der Moser von Filseck
Seite 192
Anhang: Regesten ueber anderweitige Traeger
des Namens Moser oder Marstaller,
deren Zugehoerigkeit zur Familie der Moser von Filseck zum Teil wahrscheinlich
ist,
aber nicht unrkundlich feststeht
Seite 242
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Quellen und Literatur
Seite 253
Erklaerung der Abkuerzungen
Seite 256
Register
Seite 258
Beilage: Stammbaum der Familie
E I N L E I T U N G
Seite 1
Bei dem ablehnenden Verhalten, das häufig gegenüber genealogischen
und familiengeschichtlichen Forschungen eingenommen wird, ist die Frage
nach Zweck und Ziel der Familiengeschichte wohl berechtigt. Johann Jakob
Moser (1) sagt hierüber in der Vorrede zu seinen genealogischen Nachrichten:
,,Dergleichen Nachrichten gereichen nicht nur denen Interessenten selbst,
sondern auch anderen curiosen Personen zu einem an sich unschuldigen Vergnügen;
ja, sie haben gar offt in dem gemeinen Leben und bei besonderen Gelegenheiten
ihren vielfältigen Nuzen . Die heutige Zeit denkt, seitdem Lorenz
(2) die lange mißachtete Genealogie zu einer mit den modernsten Problemen
verknüpften selbständigen Wissenschaft erhoben hat, weit ernster
über den Zweck einer Familiengeschichte. Nicht nur, daß eine
solche das sehr begreiflieche Interesse eines jeden an seiner Herkunft
befriedigt: sie verfolgt auch den Auf- und Niedergang des Geschlechts,
den Wechsel der Wohnorte und der Besitzungen, die Änderung von Namen
und Wappen; vielleicht stößt man sogar auf Ansprueche rechtlicher
Natur zum Vorteil einzelner Geschlechtsgenossen. ,,Die Statistik ercheint
uns in einer persönlichen Bedeutung, wenn wir das Durchschnittsalter
unserer Vorfahren, das Heiratsalter, die Kinderzahl, die Berufsarten, Zunahme
und Abnahme der Generationen, Zahl der Verheirateten und Ledigen jeder
Generation unseres Geschlechts beleuchten"(3).
Ebenso kommen medizinische und physiologische, bisweilen auch psychiatrische
Fragen zur Sprache (4). Dadurch gewinnen wir oft
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(1) J. J. Moser, Genealogische Nachrichten etc, Stuttgart
1752
(2) Dr. Ottokar Lorenz, Professor der Geschichte:
Lehrbuch der gesamten wissenschaftlichen Genealogie, Stammbaum und Ahnentafel
in ihrer geschichtlichen, soziologischen und naturwissenschaftlichen Bedeutung.
Berlin 1898, bei Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung).
(3) Vgl. Erich Weissenborn, Quellen und Hilfsmittel
der Familiengeschichte, Leitfaden für Freunde der Familienforschung,
1908. Vorn "Roland" gekroente Preisschrift, S. 1 ff.
(4) Ebenda.
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Seite 2
ungeahnten Aufschluß ueber die Vererbung von Fähigkeiten,
Charakteranlagen und Neigungen (1). Und wer sich mit der Geschichte seine
eigenen oder einer andern Familie beschäftigt, wird sich dann nicht
selten auch eingehender mit der Landesgeschichte befassen, woraus häufig
eine größere Liebe zu Heimat und Vaterland entspringen mag.
Ganz zu schweigen davon, daß die Geschichte einer Familie oder einzelner
ihrer Glieder oft ein Stück Welt- oder Landesgeschichte darstellt.
Endlich können hervorragende Familienmitglieder der nachwachsenden
Generation zum Beispiel dienen.
Was nun die Aufgabe der vorliegenden Familiengeschichte im besonderen
anlangt, so strebt auch sie dem Ziele jeder Familiengeschichte zu, vollständige
und wahrheitsgetreue Berichte zu liefen über alles, was sich auf die
Glieder einer Familie bezieht, und ein Bild von der Folge der Lebenserscheinungen
in den Generationen und in den Zweigen und Ästen zu geben. Infolge
der Spärlichkeit und Lueckenhaftigkeit der Quellen, namentlich für
die aeltere Zeit, wird sich freilich diese ideale Aufgabe nur bei regierenden
Familien, für die sih iim großen Ganzen Staats- und Familiengeschichte
deckt, vollständig lösen lassen (2).
Bei Abfassung einer Familiengeschichte wird man sich von vorn herein
über den Begriff der Familie (3) klar sein muessen. Mehr und mehr
wird es Sitte, die erweiterte Familie zum Gegenstand der Familiengeschichte
zu machen, d. h. nicht nur die unter dem Geschlechsnamen Geborenen, sondern
auch die Ahnen der angeheirateten Frauen sowie die Nachkommen der Gcschlechtstöchter
zu berücksichtigen. Auf den folgenden Blaettern wird sich die Darstellung
auf die Träger des Namens Moser beschränken und die Genealogie
der verschwägerten Familien nur ausnahmsweise berücksichtigen.
Im einzelnen handelte es sich um eine Reihe besonderer Aufgaben. Wohl
hat das berühmte Mitglied des Geschlechts Joh. Jak. Mosers
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(1) Vgl. Robert Sommer, Goethe im Lichte der Vererbungslehre,
Leipzig 1908.
(2) Über Quellen und Literatur vgl. S. 252 ff
.
(3) Mit dem Worte Familie wird einmal die Gruppe von
Personen bezeichnet, die durch Verwandtschaftsband miteinander verknüpft
sind, und zwar sowohl Agnaten wie Kognaten, während nach römischem
Recht und heute auf Grund fideikommisaarischer Satzung die Familie nur
die Agraten umfaßt.
Von dieser Familie verschieden ist diejenige im volkswirtschaftlichen
und im streng juristischen Sinn, welch letzterer für familien- und
erbrechtliche Gesichtspunkte entscheidend ist.
Vgl. auch Handwörterbuch der Staatswissenschaften
Bd. III, S.790.
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Seite 3
und vor ihm andere sich eingehend mit der Genealogie des Geschlechts
befaßt (1), allein vielen Fragen ging jener nicht nach oder konnte
es nicht, weil er, wie er selbst sagt, "lange Jahre außer Landes
gewesen sei". Vor allem hat er die Archive nicht ausgiebig benützt,
so daß seine Aufzeichnungen ueber rein genealogische Notizen nicht
hinausgehen. In dieser Richtung waren seine Angaben durch biographisches
Material zu ergänzen. Da seine genealogischen Mitteilungen nur bis
ins letzte Viertel des 18. Jahrhundens reichen, so war außerdem von
da an die Fortsetzung selbständig zu liefern.
Es wird unten ausgeführt werden, daß die Moser im 15. Jahrhundert
sich Marstaller nannten. Dieser Name war von dem entsprechenden von ihnen
bekleideten Hofamte genommen, und so ergab sich die Frage nach dem gegenseitigen
Verhältnis der Namen Moser und Marstaller.
Dann galt es, die Herkunft der Familie festzustellen und möglichst
weit zurück zu verfolgen. Selbstverstaendlich wurde grundsaetzlich
nur authentisches Quellenmaterial berücksichtigt und von vorn herein
auf die Gepflogenheit vieler Genealogen verzichtet, etwa den "Beweis" der
Abstammung der Familie von Karl dem Großen zu führen (2). Die
Moser hatten im Laufe der Zeit verhältnismaßig viele Besitzungen.
Näheres ueber deren Umfang, Erwerb, Verlust usw. zu erheben, erschien
als wuenschenswert..
In einer modernen Anforderungen genügenden Familiengeschichte sind,
soweit möglich, die Biographien sämtlicher Glieder zur Darstellung
zu bringen. Die schon vorhandene Literatur über Johann Jakob Moser
und dessen zwei Söhne ist unten, S. 44 ff., 54 ff., namhaft gemacht.
Über diese hervorragenden Männer wird nur in Kürze berichtet,
im übrigen auf die bezüglichen Quellen verwiesen werden, weil
die vorliegende Schrift bei einer eingehenden Würdigung derselben
zu umfangreich geworden wäre, und weil das Leben sowie die wissenschaftliche
und politische Bedeutung der genannten Moser schon vielfach von zuständiger
Seite behandelt worden ist, so daß neue Gesichtspunkte kaum mehr
hätten beigebracht werden können.
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(1) Die bezüglichen Schriften s. bei Quellen
und Literatur, S. 252 ff. (2) Weissenborn, a.a. 0., S. 9, sagt hierüber:
,,Viele Familien oder sagen wir die meisten auf der niedrigsten Lebensstufe
kommen bei der Aufstellung von genealogischen Tafeln nicht über 2-3
Generationen hinaus, andere bis zum Dreissigjaehrigen Kriege, also bis
zu 8-10 Generationen, wenige bis zur Reformation, und ganz selten können
Geschlechter ihre Ahnen bis ins Mittelalter und bis zu den Kreuzzügen
glaubwürdig nachweisen.
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Seite 4
Auf die meisten der hier beruehrten Punkte sind die Verfasser der erwaehnten
alten genealogischen Arbeiten nicht eingegangen. Es sei ausdruecklich hervorgehoben,
dass das vorliegende Buch nicht etwa nur eine erweiterte und verbesserte
Neuauflage der aelteren Genealogie darstellt, sondern eine selbstaendige
Arbeit nach den angedeuteten Gesichtspunkten. Die Einleitung des Stoffes
ergibt sich aus der Inhaltsuebersicht.
Seite 5
I. TEIL
Die Familiengeschichte der Moser von Filseck.
I. Abschnitt.
Ursprung und älteste Geschichte der Familie.
Im Jahre 1520 bedient sich der Vogt von Herrenberg, Balthasar Moser,
eines Siegels mit dem Moserschen Wappen (im roten Feld ein silberfarbener,
gegen die obere rechte Ecke des Schilds aufsteigender Steinbock mit ausschlagender
Zunge), das die Umschrift ,,Balthasar Marstaller" trägt. Damit ist
die Identität der Moser und Mar staller urkundlich nachgewiesen. In
den früheren Urkunden nannte sich jener Balthasar ausschließlich
Marstaller, dann bediente er sich bald beider Namen (z. B. 1525 ,,Balthas
Moser, genannt Marstaller"), bald des einen oder des andern, bis er nicht
lange hernach ausschließlich den Namen Moser fuehrte, der damit endgültig
durchgedrungen war.
Die bisherigen Moserschen Genealogien bezeichnen als direkte Aszendenten
des Herrenberger Vogts (Balthasar III) dessen Vater Balthasar II und dessen
Großvater Balthasar l. Obgleich sich dieser Geschlechtszusammenhang
urkundlich nicht belegen läßt, so spricht doch fuer ihn und
damit für die Existenz der Familie zu Beginn des 15. Jahrhunderts,
von den gleichen Vornamen abgesehen, insbesondere die Autorität Oswald
Gabelkofers, des berühmten württembergischen Leibarztes, Historikers,
Bibliothekars und Archivars, von dem Bernhard Unfried, der Herausgeber
der drei Moserschen Geschlechtstabellen aus den Jahren 1629, 1633 und 1634
sagt, daß es ihm gelungen sei, die Eltern jenen Balthasar III namhaft
zu machen (1).
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(1)Tabelle Unfrieds von 1634: Nam D. Osvaldus Gabelchoverus
olim quatuor ex ordine Ducum Wirteb. Medicus, Historiographus item ac Bibliothecarius
vir rerum harum scientissimus, illius parentes primus prodidit et nominatim
appellavit Balthasarum Marstallerum, eo nomine primum, hujusque comparem,
Barbaram Lenserin.
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Seite 6
Ferner schreibt Johann Jakob Moser (1) im Jahr 1752, dass sich sein
Geschlecht schon wenigstens ueber 300 Jahre in dem Herzogtum Wuerttemberg
befinde. Und eine aehnliche Behauptung stellt 1585 Andreas Osiander (2)
auf, naemlich dass die Moser schon 200 Jahre dem Hause Wuerttemberg dienen.
Von Balthasar I wissen wir nus, dass er um 1400 lebte und eine geborene
Lenz zur Frau hatte. Sein Sohn Blathasar II wird zum erstenmal in einer
Urkunde des Jahres 1477 genannt (3). Er bekleidete das Hofamt eines Marstallers
beim Grafen Ulrich V. dem Vielgeliebten und spaeter beim GrafenEberhard
im Bart, bzw. dessen Vetter Eberhard dem Juengeren (II.) von Wuerttemberg
und ist als solcher von 1480-1496 urkundlich nachweisbar (4). Dass Balthasar
I im Besitze desselben Amts gewesen ist, ergibt sich aus den Quellen nicht,
weil sie, insbesondere die Dienerbuecher (5), nicht so weit zurueckreichen.
Doch ist es an sich sehr wahrscheinlich, ja muss fast notwendig angenommen
werden, wenn man auch ihm den Familiennamen Marstaller zuschreibt.
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(1) Joh. Jakob Mosers Genealogische Nachrichten (1752)
S. 47.
(2) Andreas Osiander sendet am 2. Februar 1585 dem
Herzog Ludwig von Wuerttemberg ein lateinisches Gedicht *Dialogus Ducis
Ludovici et Ursulae Palatinae*, die bevorstehende Verlobung des Herzogs
mit Ursula, Tochter des Pfalzgrafen von Luetzelstein, feiernd. Auf die
Rueckseite schreibt er eine Fama Andreana, Nachweis der vieljaehrigen Dienste,
welche die Andreae und die mit ihren verwandten Moser den wuerttembergischen
Fuersten gleistet.
Fama Andreana
1. Haben die Andreische bei der Wuerttembergischen
Evangelischen Kirche gedient 99 Jahre, naemlich
D. Jacobus Andreae, Kanzler ....................................
40 Jahre
Johann Andreae, Abt zu Koenigsbronn ......................
28 Jahre
Johann Valentin Andreae ...........................................
29 Jahre
Gottlieb Andreae als Vikarius ....................................
2 Jahre
2. Haben von ihrer muetterlichen Moserschen Linie
her die Moser bei dem Haus Wuerttemberg gedient 200 Jahre, naemlich
a) Balthasar Moser, Rittmeister bei Grav Ulrich bene
amato 1443
b) Balthasar Moser, Kammerrat bei Herzog Ulrico
c) Balthasar Moser, Kammerrat bei Herzog Ulrich und
Christoph
d) Valentin Moser, Vogt zu Herrenberg, und sein Bruder
Balthasar Moser, Kammerrat bei Herzog Christoph und Ludwig
(3) S. Regesten Nr. 1
(4) In einer Urkunde des GrafenEberhard des Juengeren
vom 6. November 1481 (Rep. Kloster Lorch, S. 209) erscheint des Grafen
*Marstaller Balthasar Schmid* (Offenbar mit unsrem Balthasar II identisch)
als Anwaerter auf dem Mesneramt in der Lorcher Pfarrkirche.
(5) Das aelteste Dienerbuch von 1453/79, das ueberhaupt
unvollstaendig zu sein scheint, fuehrt keine Marstallbeamten auf.
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Seite 7
Balthasar II war Bürger von Stuttgart, wo er 1497 starb, und dort
in der Reinsburggegend beguetert. Seine erste Frau, die als solche 1473
erwähnt wird, war Magdalena Haug. Nach ihrem Tode heiratete Balthasar
II Margaretha Reich aus Esslingen, Witwe des Nikolaus Fünfer (1);
sie lebte noch 1513 als Witwe in Stuttgart. Dieser zweiten Ehe entstammt
als einziger Sohn der oben erwähnte Balthasar III, geb. 15. Juni 1487,
+ 28. Juli 1552, der Stammvater der beiden Moserschen Hauptlinien, dessen
Lebensbeschreibung später noch ausfuehrlich gegeben wird.
Nun erhebt sich die wichtige Frage, ob die Familie vor ihrer Berufung
zum Marstalleramt, das den beiden ersten Balthasar und zeitweise auch dem
dritten den Geschlechtsnamen gegeben hat, einen solchen etwa noch gar nicht
besessen und dann den ursprünglichen Namen Marstaller in der dritten
nachweisbaren Generation mit dem Namen Moser vertauscht hat, oder ob umgekehrt
der Name Moser der fruehere gewesen und nur vorübergehend zugunsten
des von dem Amte abgeleiteten Namens Marstaller verdrängt worden ist.
Die erstere Moeglichkeit ist prinzipiell nicht zu verneinen, da viele Familien
erst im 15. Jahrhundert durch ihren Beruf zu Namen gekommen sind. Aber
man konnte sich dann lediglich keinen Grund denken, warum nun Balthasar
III um 1520 plötzlich zu dem alten Familiennamen Marstaller den neuen
Namen Moser hinzugenommen hätte, wogegen es ganz natürlich ist,
daß die Familie den ursprünglichen Namen Moser ablegte, als
sie ein größeres Ansehen mit sich bringendes Hofamt erhielt
und dann wieder auf jenen zurückgriff, nachdem sie dieses Amt niedergelegt
hatte.
Wir haben uns in der sparsamen Grafenzeit die Verhältnisse im württembergischen
Marstall wie die ganze Hofhaltung überhaupt als sehr einfach und bescheiden
vorzustellen. An der Spitze standen die Marstaller, die als Hofbeamte von
der obersten Horcharge (also dem Hofmarschall, bzw dem Haushofmeister)
abhingen. Dem Marstaller waren die Sattel- und Hengstknechte und dann die
gewöhnlichen Stallknechte unterstellt. Die Zahl der in einem Marstall
dienenden Personen ging über 20 nicht hinaus, deren Obhut ungefähr
60 Pferde anvertraut waren (2). Nachweisbar bis zum Jahre 1494 (vermutlich
bis zum Tode Herzog Eberhards I. im Februar 1496) waren mehrere Marstaller
nebeneinander vorhanden.
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(1) Die Fünfer waren eine sehr angesehene Stuttgarter
Familie. Johannes Fuenfer war Kanzler des Grafen Ulrich des Vielgeliebten.
(2) Rep. Hofsachen, S. 15.
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Gewiß aber hatte jeder Marstall immer nur e i n e n
solchen zum Leiter; verschiedene Glieder des Fürstenhauses hatten
ihre besonderen Marställe mit je einem Marstaller an der Spitze. Neben
dem Marstall des Grafen gab es einen Frauenmarstall. Im Dienerbuche von
1485 wird Balthasar II Moser Marstaller ausdrücklich dem Hofgesinde
"des jungen Herrn" zugezählt, stand also damals nicht im Dienste von
Eberhard I. im Bart, vielmehr von dessen Vetter Eberhard dem Jüngeren
(II.)
Der Erwerb der Herzogswürde erheischte größeren Glanz.
Nun wurden bei Hof die hohen Erbämter eingeführt, und mit der
Erweiterung des übrigen Hofstaats änderte sich auch die Organisation
des Marstalls. Ein Stallmeister bekam die Aufsicht, 1721 begegnen wir sogar
einem Oberstallmeister nebst drei Stallmeistern und zahlreichen sonstigen
Stallbeamten. Darunter befand sich immer noch ein Marstaller. Aber seit
Schaffung der hoeheren Stallämter muß sich seine Position wesentlich
verschlechtert haben. Bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts scheint er ungefähr
die Funktionen des späteren Stallmeisters versehen und überdies
eine Anzahl beruflicher Pflichten in sich vereinigt zu haben, die später
unter verschiedene selbständige Marstallbeamte verteilt gewesen sind.
Insbesondere gehoerte der Einkauf und Verkauf von Pferden zu seinen Obliegenheiten
(1). Jedenfalls gab im 15. Jahrhundert das Marstalleramt, das seine Träger
in nahe persönliche Berührung mit den Fürsten brachte, tüchtigen
Männern Gelegenheit, sich hervorzutun. Offenbar hat sich Balthasar
II Moser-Marstaller für seine Person eine über die Bedeutung
der von ihm bekleideten Hofecharge hinausgehende Stellung am württembergischen
Hofe geschaffen. Wenn er auch Kriegsrat (2) im eigentlichen Sinne schon
darum nicht gewesen sein kann, weil sich dieses Amt in Wuerttemberg erst
seit dem Jahre 1610 nachweisen läßt, so dürfen wir doch
annehmen, daß er vom Grafem Eberhard im Bart, dessen Vertrauen er
genoß, in kriegerischen Angelegenheiten zu Rat gezogen worden und
wirklich ein in den Künsten des Kriegs und Friedens erfahrener Mann
gewesen ist.
Von den verschiedenen Erklärungen des Namens Moser ist die, welche
ihn mit Moos (= sumpfige Gegend) in Zusammenhang bringt, die wahrscheinlichste.
Moser wäre danach der Anwohner eines solchen Gewands. Die Bezeichnung
der Herkunft mit der Silbe -er ist spezifisch oberdeutsch.
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(1) S. Regesten Nr.5.
(2) Wie die obenerwähnten Unfriedischen Geschlechtstabellen
behaupten.
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Seite 9
Bei dieser Namensdeutung versteht man auch, warum im sumpfreichen Oberschwaben
besonders viele Moser vorkommen. Überhaupt ist der Name seit dem 13.
Jahrhundert im oberdeutschen Sprachgebiet sehr verbreitet. Im heutigen
Württemberg, insbesondere im Donaukreis, begegnen wir vielen Familien
Moser, desgleichen im angrenzenden Baden. Doch finden sich solche auch
in Ungarn, Holland und Polen. In Tirol, im Salzburgischen, in Kärnten
und in Steiermark gab es bereits im 14. Jahrhundert adelige Moser. Etwaigen
genealogischen Zusammenhängen dieser zahlreichen gleichnamigen Familien
untereinander nachzugehen, würde zu weit führen. Es ist allerdings
nicht ausgeschlossen, daß ein Glied einer oberschwäbischen oder
einer sonstigen auswärtigen Familie Moser als Marstaller in graeflich
württembergische Dienste getreten ist (1). Näher dürfte
jedoch die Annahme liegen, daß Landeskinder mit diesem Hofamte betraut
worden sind, und zwar solche, die aus einem dem Hoflager samt dem Marstall
zum Aufenthalt dienenden Orte stammten. Und da scheinen nun einige Anzeichen
darauf hinzuweisen, daß vielleicht Urach als die Wiege der Moser
von Filseck in Betracht kommt. Dort hatten von 1427-1441 die Grafen Ludwig
I. und Ulrich V. der Vielgeliebte ein gemeinschaftliches Hoflager. Es ist
allerdings richtig, dass der Name Moser in den ältesten Urkunden des
Uracher Amtes nicht, spaeter nur in der Form Möser, Moesser, Mösel
(2) vorkommt. Allein der aelteste Teil der Stadt, der in einer wasserreichen
und im 14. und 15. Jahrhundert noch sumpfigen Gegend lag (3), hieß
Musel oder Mosel, das Gewand nannte man wohl das Moos. Es ist nun nicht
undenkbar, dass eine Familie sich danach Moser nannte. Auch sonst war in
Urach die Benennung von Familien nach dem Gewande üblich. So heißt
die dortige Familie Pfeler nach dem zweitältesten Stadtteil Pfeln,
die Familie Schwan nach dem gleichnamigen Gewande, und neben den
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(1) Johann Jakob Moser sagt ausdrücklich, daß
ihm von einer Einwanderung seiner Familie nach Wuerttemberg nichts bekannt
sei (Genealog. Nachrichten von 1752, S. 47). Eine zu Anfang des 18. Jahrhunderts
in der Familie auftauchende Ueberlieferung sie stamme aus Sachsen, entbehrt
jeglichen festen Stützpunktes. Wenigstens haben Nachforschungen in
den saechsischen Archiven zu durchaus negativen Ergebnissen geführt.
Vermutlich handelt es sich bei dieser Tradition um die von Moser zu Martinskirche
an der Elbe, deren Ahnherr Ludwig Wilhelrn Moser, um 1600 vornehmer saechsischer
Rat und Kammersekretarius, wahrscheinlich aus Schwaben nach Sachsen eingewandert
ist und von dem nicht zu den Moser von Filseck zählenden Oettingischen
Kanzler und Rat Dr. Jakob Moser abstammt.
(2) Lagerbuch Urach von 1554, BI. 50, 56.
(3) Schuhkraffts Unterhaltungsblatt 1817, S. 462,
485, 506.
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Seite 10
schon 1383 vorkommenden Geyer findet sich ein Geyersbad (1). Endlich
sei daran erinnert, daß der älteste Balthasar Marstaller eine
Lenserin zur Frau hatte. Die Lenz aber sind ein bis zum 14. Jahrhundert
nachweisbares bekanntes Uracher Geschlecht. Dasselbe gilt von der ersten
Frau des Balthasar II, einer geborenen Haug.
Ein genealogischer Zusammenhang der drei Balthasar Moser-Marstaller
mit andern gleichzeitig auftretenden Marstallern ist nicht nach weisbar,
wenn auch nicht ausgeschlossen. Der Name Marstaller war in Deutschland
damals durchaus nicht selten. Er rührte stets vom Berufe des Marstallers
her. Marställe aber gab es ja überall. In der Grafschaft Württemberg
kamen, wie eingehende Quellenforschungen ergeben haben, im 15. Jahrhundert
Marstaller nur in Stuttgart und Urach (Stadt und Amt) vor, also da, wo
fürstlich wüerttembergische Hofhaltungen mit Marställen
vorhanden waren (2). Erst im 16. Jahrhundert trifft man sie auch in andern
Orten (3).
I. Die Stuttgarter Marstaller
Urkundlich kommt der Name zuerst 1393 vor (4). In diesem Jahre wird
zu Stuttgart eines "Marstallers Tochter Kind" erwähnt, wonach also
eine Person, die entweder diesen Namen führte oder das Marstalleramt
versah (oder beides), bereits um 1330 gelebt haben muß. Im Jahre
1401 erscheint ein Pfaff Albrecht Marstaller (5).
Seit 1454 begegnet man einem Gabriel Marstaller (6), der in fürstlichen
Diensten stand und 1480 beim Leichenbegängnis des Grafen Ulrich des
Vielgeliebten fungierte (7). Er wird zuletzt 1484 erwähnt.
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(1) Eine Analogie findet man unter anderem in Schorndorf,
dessen ältester Stadtteil "uf dem Sand" heißt, wonach sich die
Familie ,,Ufdemsand" oder ,,Aufdemsand" nannte (ihre gelehrten Mitglieder
"In arena").
(2) In Neuwürttemberg wird z. B. ein Karonikus
Marstaller in Rottenburg erwähnt (s. Regest Nr. 13).
(3) Seit 1542 und 1550 in Bolheim, Heidenheimer Amts,
1542 in Dimbach, Weinsberger Amts, 1542 in Grossgartach (s. Regesten Nr.39,
44, 46 und Rep. Kanzleisachen B. 19); außerhalb des damaligen Herzogtums
namentlich in den Reichsstaedten Ulm, Gmuend usw.
(4) Regesten Nr.296.
(5) Regesten Nr.297.
(6) Regesten Nr.314, 316, 317, 318, 321, 322.
(7) Historische Handschrift der K. Landesbibliothek
Nr.43, Bl. 244-255: Beschreybung, was bey der Begräbnus oder Begängnus
weylundt Grave Ulrichs zue Wurtemberg etc. Hochloblicher gedachtnus anno
1480 gehalten worden.
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Seite 11
Ein Kunz und ein Ulrich Marstaller kommen 1483 und 1485 vor. Beide waren
gleichfalls fürstliche Marstaller (1). Später werden sie nicht
mehr genannt. Von da an gab es dann überhaupt neben den Balthasar
Moser-Marstaller in Stuttgart keine anderen Marstaller mehr.
II. Die Uracher Marstaller.
In dem früher zum Uracher Amt gehörigen Münsingen tritt
urkundlich um 1435 ein Hans von Münsingen, genannt Marstaller, auf.
In spaeteren Urkunden heißt er einfach Hans Marstaller. An den verschiedenen
Fehden der Grafen Ludwig und Ulrich (des Vielgeliebten) hat er tätigen
Anteil genommen (2). Nach Ausweis der Münsinger Lagerbuecher und anderer
urkundlichen Nachrichten (3) zählte dieser Hans Marstaller zu den
begütertsten Männern des Amts; vor allem gehoerte ihm ein Erblehenhof
in Münsingen. Seine angesehene Stellung bietet eine Analogie zu der
von Balthasar II Moser-Marstaller. Außer diesem Haus wird 1445 ein
Jakob Marstaller im Dienste des Hofs zu Urach genannt (4). Im 16. Jahrhundert
finden sich eine Anzahl Marstaller in dem damals gleichfalls zum Uracher
Amt gehörigen Pliezhausen (5).
Ehe nun die Geschichte der einzelnen Glieder der Familie Moser von Filseck
erzählt wird, muß noch auf die mit ihr gleichzeitig in Württemberg
blühenden übrigen adeligen Familien Moser eingegangen werden,
um Verwechslungen vorzubeugen. Solche lagen umso naeher, als die unter
A behandelte Familie und die Moser von Filseck vielfach dieselben Vornamen
hatten, dieselben Stellen im Staatsdienste bekundeten, in dieselben Familien
heirateten, ja untereinander verschwaegert waren (s. unten).
A. Von einem Hans Moser zu Niederndorf in
Kärnten stammte ab Nikolaus Moser, kaiserlicher Bergmeister in der
Idria, wohnte zu Villach, erhielt von Kaiser Karl V einen Wappenbrief.
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(1) Regesten Nr.319, 324, 325; Landschreibereirechnung
von 1485, Bl. 110.
(2) Rep. Der Herrschaft Feind, S. 4.
(1) Regesten Nr. 18, 19, 20.
(4) Vgl. Crusius, Schwäb. Chronik II, S. 56:
Jakob Marstaller wird mit der brieflichen Botschaft von der Geburt Eberhards,
des nachmaligen ersten Herzogs, zum Abt von Maulbronn geschickt, der gebeten
wird, Patenstelle zu übernehmen. Vgl. Reg. 301.
(5) 1522, 1542, 1545 werden Philipp, Bartle, Martin,
Kaspar Marstaller als in Pliezhausen ansässig und begütert genannt
(s. Erneuerung der Kellerei Tuebingen l522/23, II., S. 426; Rep. Landsteuer,
S. 9, 20).
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Seite 12
Seine Söhne waren Gabriel (I) und Joseph. Ersterer war Ratsverwandter
zu Villach und Bergwerksbesitzer. Er hatte 9 Söhne (Benedikt, Anshelm,
Bernhard, Erasmus, Michael, Christoph, Franz, Gabriel II, Reichart) und
9 Töchter. Benedikt, Anshelm, Bernhard und Gabriel erhielten von Kaiser
Rudolf II., Prag 2. Dezember 1603, ein Adelsdiplom. Das Wappen ist ein
in der Mitte längsgeteilter Schild, der hintere halbe Teil ist quer
in zwei gleiche Teile geteilt, wovon der untere rot oder rubin, der obere
weiß oder silbern ist. Aus dem roten Teil ragt ein von einer runden
Mauer umgebener hoher Turm mit langen Fenstern und rotem Dach in den weißen
Teil hinein. Der vordere Teil des Schildes ist schwarz, auf einem im Grunde
fließenden bläulichen Wasserstrome erscheint ein aufrechtstehender
Löwe mit rot ausgeschlagender Zunge, in der rechten Pranke über
sich an grünen Stengeln drei Moskolben haltend.
Gabriel (II) verließ der Religion halber sein Vaterland und kam
nach Württemberg. Sein Sohn Siegmund Benedikt war fürstlich wuerttembergischer
Geheimer- und Ehegerichtssekretarius. Er starb am 18. Mai 1697. Verheiratet
war er mit Anna Philippine, Tochter des Daniel Hauff, fürstlich württembergischen
Expeditionsrats und Landschreibereiverwalters (1). Seine Kinder waren:
l. Gabriel (III) geb. 9. Oktober 1657 zu Stuttgart, + 25. Dezember 1719
daselbst, fürstlich württembergischer Regierungs- und Hofrat
(2), verheiratet in erster Ehe mit Christina Dorothea, Tochter des fürstlich
württembergischen Rentkammerexpeditionsrats Joh. Reichard Faber, in
zweiter Ehe mit Juliana Dorothea, Tochter des Hofmedikus Konrad Cellarius.
Kind: Maria.
2. Ursula Helena.
3. Philippina Benedikta.
4. Esther, verheiratet mit Johann Christoph Moser von Filseck, fürstlich
württenbergischem Kammerrat (s. Stammtafel Nr 179).
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(1) Eine Schwester seiner Frau, Anna Rosina Hauff,
war mit Johann Jakob Moser von Filseck (1620-1668) verheiratet (s. Stammtafel
Nr. 39).
(2) Er war der Begründer der ersten, 1704 ins
Leben gerufenen württemb. Hofbank, deren Direktor er wurde. Sie ging
1716 wieder ein, weil sie, vom Hof zu sehr in Anspruch genommen, sich nicht
rentierte. Gabriel Moser, der sogar für die Bank große persönliche
Opfer gebracht hatte, wurde infolge des Mißerfolgs heftig angefeindet
und schwer verdächtigt (vgl. Rep. Oherhofmarschallamtsregistratur
S.376 ff.).
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Seite 13
5. Daniel Philipp, fürstlich württembergischer Geheimer Sekretarius
und Registrator, geb. 1670, + 1730. Verheiratet in erster Ehe mit Katharina
Brigitta Reuß, in zweiter Ehe mit Maria Jakobina Vischer.
Kinder:
a) Benedikta Dorothea.
b) Daniel Ludwig.
c) Katharina Henrika.
d) Juliana Benedikta.
e) Johann Ludwig, geb. 1716, + 1752.
Mit Johann Ludwig erlosch dieser württembergische Zweig der aus Kärnten
eingewanderten von Moser.
B. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts besaß
ein Siegmund von Moser, kaiserlicher Oberkommissarius, das Schloß
Ebersberg (1) bei Backnang. Die Familie soll ebenfalls aus Oesterreich
stammen (2). Siegmund bat am 7. Februar 1640 den Herzog Eberhard III. um
Verleihung der Gnadenjagd in Ebersberg. Die fürstlichen Raete empfahlen
Ablehnung, da das Jagen in diesem Forst mehr Schaden als Nutzen stifte;
übrigens würden solche Jagden nur an Männer vergeben, die
sich besonders um das Haus Württemberg verdient gemacht haben, von
Siegmund Moser sei aber hierorts nichts bekannt (3). Er führte im
Wappen einen weidenden weißen Hirsch, hinter demselben drei lange
Moskolben.
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(1) Am 10. Februar 1768 bat Gottfried Moser von Filseck
das Ritterdirektorium Orts am Kocher um ein Attest, daß die Familie
von jeher beim Kanton Kocher inkorporiert gewesen sei (K. Staatsfilialarchiv
Ludwigsburg, Rep. Ritterkreis Schwaben, Franken und am Rhein, S. 9. Nr.49.
M. Moser von Filseck), worauf das Direktorium das Zeugnis ausstellte und
das Mosersche Wappen (mit dem Steinbock) bestätigte mit der irrigen
Begründung, daß die Familie Moser von Filseck in der Mitte des
17. Jahrhunderts beim Kanton Kocher rezipiert gewesen sei und Filseck,
Ebersherg und Utzwingen besessen habe; in Wirklichkeit war Filseck schon
seit 1573 nicht mehr im Besitz der Moser von Filseck, Ebersberg wie Utzwingen
bei Nördlingen überhaupt niemals, da ja jener Siegmund nicht
zur Familie gehörte.
(2) Nach J. J. Mosers Genealogischen Nachrichten von
1752, S. 36 f.
(3) Rep. Geheime Ratsakten, S. 37.
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