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Vorwort
Die Anfaenge der nun vorliegenden Schrift liegen schon eine lange Reihe
von Jahren zurueck. Der Wunsch, etwas mehr zu wissen, als Ahnentafeln bieten,
war in mir schon immer lebendig. Und allerorts, nicht nur im Schwabenland,
stoesst man ja immer wieder auf einmal auf einenRenz, von dem man wohl
ahnen moechte, der er zur Familie im weiteren Sinne gehoert, von dem man
aber nicht weiss, wo er in dem weit verzweigten Baume unterzubringen ist.
Bei der Liebe zur engeren Heimat, ihrem Boden und ihren Bewohnern steht
das Leben der eigenen Sippe und ihre Verbundenheit mit der Scholle, auf
der sie gedeiht, an erster Stelle. Freilich ist dazu etwas mehr notwendig
als nur die Geburts- und Sterbetage unserer Alturgrosseltern; obwohl sich
auch aus diesen nuechternen Daten, den Heiraten, dem Beruf,der Grunedung
der Familie, manche Schluesse ziehen lassen, wenn man richtig zu lesen
versteht. So eine Familie und Sippe, die auf eine Reihe von Generationen
zurueckblicken kann, ist ja aufs engste mit der Geschichte des Landes verbunden,
in dem sie lebt und wird. Deutlich erkennt man, wie der einzelne vorwaerts
und zu Wohlstand kommt, wenn auch sein Land eine Bluetezeit erlebt. Allerdings
nicht durch Wohlsein- und Treibenlassen, sondern durch Arbeit, Fleiss und
Pflichtbewusstsein. Schon in der Berufswahl zeigt sich das Schicksal von
Familie und Volk. Da finden wir durch Generationen hindurch die friedlichen
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von Handwerk, Gewerbe und Handel, dann Zeitenlaeufte, in
denen sich eine grosse Anzahl der Gemeinde- und Staatsdienst widmet oder
in der militaerischen Laufbahn aufwaerts steigt. Starke und fruehzeitige
Sterbeziffern lassen das Unheil von Krankheiten und Seuchen erkennen, und
Ab- und Auswanderungen deuten auf schwierige Zeiten oder Erwerbsunmoeglichkeit
im eigenen Lande hin. - Die Namen, die sich oft durch viele Geschlechter
erhalten und dann ploetzlich wieder wechseln, sind mit der Landesgeschichte
verbunden und zeigen die Verehrung des Landesfuersten oder einer sonstigen
bedeutenden Persoenlichkeit an.
Als mir nun kurz nach dem ersten Weltkrieg die *Genealogie der Familie
Rentz oder Renz aus SChwaben* aus den Jahren 1865 - 1879 in die Haende
kam - ein Buch, das grossen Seltenheitswert besitzt und meines Wissens,
ausser in zum Teil unbekanntem Privatbesitz, nur noch in einem Exemplar
vorhanden ist -, nahm der Plan erste greifbare Formen an. Es war mir darum
zu tun, den Anschluss der eigenen Familie an die in dieser Generalogie
aufgefuehrten Staemme zu finden, und vor allem die ZUgehoerigkeit der vielen
in Tuttlingen ansaessigen Renzen nachzuweisen und festzulegen. Es sind
die Familien, die schon seit ueber 200 Jahren dort sesshaft sind und sich
zu der staerksten Linie entwickelt und ausgebreitet haben.
Aber der Weg zu diesem Ziel war sehr lang und muehevoll, unterbrochen
durch berufliche Arbeit, erschwert durch viele Ortsveraenderungen, die
mir als Beamten beschieden waren, und durch das muehevolle Zusammentragen
der Einzelergebnsse, wie sie jeder Familienforcher zur Genuege kennt.
Ich moechte daher jetzt schon und an dieser Stelle allen denen meinen
herzlichen Dank sagen, die mir durch ihre freiwillige Mitarbeit zum Gelingen
des jetzt vorliegenden Werkes geholfen haben. An erster Stelle gebuehrt
dieser Dank meinem Onkel,
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dem Abt. Praes. Herm. Renz in Stuttgart, der sich in sehr
aufopfernder Weise bemueht hat, *Licht in das Dunkel* zu bringen und unklare
Zusammenhaenge durch oertliche Forschungen und Feststellungen aufzudecken.
Auch meine beiden Brueder Hermann und Erwin darf ich nicht unerwaehnt lassen.
Sie haben weder Zeit noch Kosten gescheut, Material, insbesonder5e ueber
die frueheren Zeiten, zusammenzutragen und zu ergaenzen durch Forschungen
an Ort und Stelle, sei es in Ulm, Wiesensteig oder in den unterlaendischen
Siedlungsorten: Forschungen, die mir als Fernabwohnendem nicht oder nur
sehr schwer moeglich waren.
An dieser Stelle moechte ich auch des Herrn Dr.W. von Renz, Karlsruhe,,
in aufrichtig dankbarer Gesinnung gedenken, einem Enkel des Verfassers
der *Genealogie.* Sein reiches Familienarchivmaterial, durch seinen Vater
und ihn selbst ergaenzt und berichtigt, hat er zur Verfuegung gestellt
und sich selbst neben seiner angestrengten Berufsarbeit zur Mitarbeit bereitgefunden,
um das Werk in der nun vorliegenden Form abschliessen zu koennen.
Eine Feststellung darf nicht unerwaehnt bleiben: In den meisten Faellen
kam ich ueber eine rein chronologische Darstellung nicht hinaus. Denn wir
Tuttlinger besitzen leider so gut wie keine Familienaufzeichnungen ueber
das persoenliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben unserer Vorfahren.
Selbsterlebtes und Erzaehltes aus dem Munde von Eltern und Grosseltern
ist im grossem Ganzen alles, was wir besitzen. Es entspricht wohl dem strebsamen,
regen und nuechternen Geist der Renzen und der Tuttlinger ueberhaupt, dass
man sich neben dem nackten Kampf um Arbeitsplatz und Vorwaertskommen um
solch nebensaechliche Dinge, *die nichts einbringen*, nicht viel kuemmert,
und dass man sich in einer bescheiden-schuechternen Art heute, schriftliche
Aufzeichnungen ueber sich selbst und die eigene Familie zu fertigen und
zu hinterlassen. Man wandte sich mehr der Wirlichkeit,
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dem praktischen Leben und seinen Forderungen zu. So sind
es neben den muendlichen Ueberlieferungen nur amtliche Unterlagen, Kirchenbuecher
usw., die uns ein Bild ueber unsere Vorfahren entstehen lassen, und von
einer Geschichte im engeren Sinne kann man nicht sprechen, sondern mehr
von einer genealogischen Darstellung unserer Ahnen.
Moechte daher doch jeder einen kurzen Lebensabriss von sich selbst
niederlegen, als Testament und bleibende Erinnerung fuer seine Kinder und
Kindeskinder. Wir sind doch schliesslich alle das Ergebnis des uns von
unseren Ahnen mtgegebenen Erbgutes, und zwar in koerperlicher sowie in
geistiger Beziehung. Es wird sich dieser Vererbunsgvorgang wohl nie ganz
klaeren lassen, dazu ist er zu verwickelt. Auch haben wir keine Moeglichkeit,
ihn durch uns selbst zu beeinflussen; es gibt kein Mittel, z.B. ein musikalisches
Talent auf ein Kind zu uebertragen, wir koennen das vorhandene Talent nur
foerdern und ausbauen. Aber es ist uns klar, dass die richtige Whl des
Ehepartners von entscheidender Bedeutung ist.
Wenn wir in unseren Ahnen das Unbegreifliche, das in uns wirkt, verehren,
dann wissen wir, dass wir geworden sind, was wir durch sie werden mussten,
und dass wir keinem blinden Trieb zufolge in die Ehe treten. Nicht das
schoene Gesicht, nicht Geld, Protektion und gute Verbindungen sind entscheidend
und sollen uns leiten, sondern unser Verantwortungsgefuehl unserem eigenen
Blut und unseren Nachkommen gegenueber. Nur so ist eine Aufwaertsentwicklung
zu hoeherem reinem Menschentum moeglich.
In dem Bestreben, das Menschentum zu verbessern,, insbesondere auch
die Erblichkeitslehre und das Interesse dafuer zu verbreiten, ist es notwendig,
auch der Jugend so frueh wie moeglich die eigene Familie naeher zu bringen,
sie vor die eigenen Ahnen- und Sippenschaftstafeln zu stellen. Und das
sei mit ein Zweck unserer Familiengeschichte.
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So moegen denn diese Aufzeichnungen hinausgehen und Eingang
finden in den Familien. Sie moegen die Saat streuen fuer eine reiche Frucht
und das Band festigen, das uns alle zusammenschliesst, nicht nur in der
eigenen Familie und Sippe, sondern auch im weiteren Sinne in der grossen
Familie der Volks- und Schicksalsgemeinschaft.
Und wenn dann unsere Nachkommen in einer stillen beschaulichen Stunde,
die es wohl immer noch geben wird, nach diesen Blaettern greifen, so werden
sie die Wurzeln ihres eigenen Daseins erkennen; es wird ihnen zum Bewusstsein
kommen, warum manches in ihrem Leben so und nicht anders geworden ist.
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Die Geschichte einer Familie, die auf eine Reihe von Generationen ueber
mehrere Jahrhunderte zurueckblicken kann, laesst sich unmittelbar mit der
Geschichte eines Volkes, insbesondere desjenigen, unter dem sie selbst
gelebt, vergleichen. So wie hier Zeiten des Aufstiegs und der Bluete mit
solchen des Stillstandes oder des Niederganges wechseln, so gibt es auch
dort, nachdem sie einmal aus dem Dunkel der Vergangenheit ausgetreten ist,
Zeiten des Wohlstands und Glueckes und Zeiten der Not, der harten Entbehrung
und schliesslich des Elends. Die ersten Spuren lassen in der Regel enge
und aermliche Verhaeltnisse erkennen, die aber meistens mehr oder weniger
rasch durch Fleiss, Tuechtigkeit und Begabung einzelnen Familienangehoeriger
durch geordnete, wohllhabende und auch wohl angesehene Verhaeltnisse abgeloest
werden. Doch auch ier laesst sich kein Stillstand verzeichnen. Persoenliches
Missgeschick, ob selbst oer unverschuldet, wirtschaftlicher Niedergang
oder sonstige einschneidende politische Ereignisse beeinflussen in hohem
Grade Lebensstil und Wohlstand des Einzelnen wie der Gesamtheit. Der ungebrochene
Lebenswill muss sich dann wieder durchsetzen, um unter Verzicht auf alles
Uebernommene mit neuem Mut und aufgefrischtem Blut den Kampf gegen des
Schicksals Maechte aufzunehmen und erfolgreich zu bestehen. In dem Leben
der Voelker wie in dem der Familien!
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Dieser Vorgang laesst sich auch bei der Familie Renz in ihren einzelnen
Zweigen immer wieder verfolgen. Schon im Jahre 1108 kommt der Name Rentz
bei einem alten Rittergeschlecht im oberen Donautal vor, und in einer Schkungsurkunde
des Ulrich von Freyberg an das Elisabethenkloster in Ulm vom 12. Juli 1237
erscheint amtlich der erste Rentz -Cunradus Razo - als Zeuge.
Zwei Fragen auf einmal tauchen da auf. Was hat eine Schenkungsurkunde
mit Familienforschung zu tun, und wie kommt ein Cunradus Razo zum Renzengeschlecht?
Zur ersten Frage muss gesagt werden, dass es bekanntlich damals im Mittelalter
mit der Schreiberei noch recht schlecht bestellt war; es gab da noch nicht
so viele Abc-Schuetzen wie heute. Die Kunst des Lesens und Schreibens -oft
auch in regierenden Fuerstenhaeusern ein Buch mit sieben Siegeln - wurde
ausschliesslich in den Kloestern und Kanzleien geuebt, und ueber zu viele
Gebote der Rechtschreibung hatte man sich auch noch nicht zu beklagen.
Geburts- und Taufscheine kannte man noch nicht; andere schriftliche Aufzeichnungen
fehlen ebenfalls; oder sie wurden nicht aufbewahrt, sind jedenfalls nicht
auf uns uebergegangen. Da helfen also nur schriftliche Urkunden aus jener
Zeit, die wir in den alten Archiven finden, als sicherste Grundlagen fuer
den Nachweis der Entstehung und Abstammung der Familien oder, wie man sich
damals ausdrueckte, der Geschlechter. Es sind dies meistens Kauf/, Erb/,
Tausch- oder Pfandvertraege, auch Stiftungsurkunden, bei welchen ausser
den Kontrahenten eine mehr oder minder grosse Anzahl von Zeugen als Garanten
des Vertrags von der Gerichtsbehoerde entweder mit Namen aufgefuehrt wurde
oder ihre Namen selbst unter Beifuegung ihres Siegels unter den Vertrag
gesetzt haben.
Die Forschungen in diesen Urkunden sind jedoch dadurch erschwert, dass
sie bis ins 14. Jahrhundert in der fast allein
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ueblichen lateinischen Amtssprache abgefasst wurden in der
damals gebraeuchlichen ausfuehrlichen und uns umstaendlich anmutenden Schreibart.
Aber diese Schwierigkeiten tun der Sache selbst keinen Abbruch.
Damit haengt nun auch die Antwort auf die zweite Frage zusammen. Die
damals uebliche willkuerliche Rechtschreibung dehnte sich natuerlich auch
auf die Personen- und Eigennamen aus. Ganz abgesehen davon, dass es fuer
den Einzelnen bei der Unerblichkeit der Eigennamen keine Schwierigkeit
war, seinen Namen abzuaendern. Man schrieb diese vielfach nach dem Gehoer,
verschnoerkelte und verzierte sie, wie es eben so Mode war. Und die lateinische
Amtssprache leistete dem nodh Vorschub; denn es wurden den Namen noch gefaellige
und sinnige Anhaengsel angehaengt und diese dadurch teilweise ganz entstellt
(latinisiert). So wird Konrad zu Conradus, Heinrich zu Hainricus, Krafft
zu Kraftio und Roth gar zu Rufus; und aus dem Renz wird auch wohl ein Ranzio.
Wenn wir uns nun fragen: woher kommt denn der Name Renz und was bedeutet
er?, so tun wir gut, uns einmal fuer kurze Zeit in die damalige Zeit zurueckzuversetzen
und dabei auch gleich noch einen Sprungs rueckwaerts zu tun, also in die
mormittelalterliche Zeit.
Unsere heutige Namengebung fuehrt bis ins Mittelalter, ins 13. Jahrhundert,
zurueck. Vor dieser Zeit war der Brauch so, dass jeder Deutsche den Namen
seiner Sippe trug, der diese meist auch in irgendeiner Form kennzeichnete;
so bedeutete z.B. Konrad, aus den halthochdeutschen Woertern Kuon-Rat zusammengesetzt,
einen kuehnen Ratgeber. Dieser Name ging nun
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vom Vater auf den Sohn ueber; aber der aus zweu Wortstaemmen
bestehende Name bot weiter die Moeglichkeit, einen davon fuer die uebrigen
Sippenangehoerigen zu verwenden und ihn mit anderen Wortstaemmen zu verbinden;
er war ja damit als zur Sippe gheoerig gekennzeichnet. Wir kennen ja diese
Art der Namengebung in vielfacher Beziehung aus unseren Heldensagen und
brauchen uns dabei nur an Hildebrand und Hadubrand, an Siegfried, Sieg(is)mund,
Sieglinde zu erinnern. Es ist einleuchtend, dass durch diese vielseitige
Moeglichkeit von Wortverbindungen eine Unzahl von Namen entstehen konnte,
die eine genaue Bezeichnung der Sippenangehoerigen zuliess. Die Zugehoerigkeit
zur Sippe wurde auf diese Weise sehr scharf herausgehoben. Der Wortschatz,
der damit unsern Altvordern zur Verfuegung stand, geht fast ins Unermessliche.
Verschiedene Umstaende vom Beginn der Voelkerwanderung an haben es dann
vermocht, dass ein grosser Teil dieses Wortschatzes entweder aufgegeben
oder nicht mehr verstanden wurde. Die uebriggebliebenen Namen genuegten
aber nun nicht mehr, um ihre Traeger alle zu unterscheiden. Wer konnte
sich denn da unter den vielen Hansen, den Ulrichen, den Peter noch auskennen?
Auch bei den Behoerden, auf den Kanzleien usw. musste das zu Unzutraeglichkeiten
fuehren. Man denke nur an das Eintreiben von Zinsen und Steuern, an die
Vorladung vor Gericht usw. Konnte sich da nicht auch mancher Konrad hinter
seinem Namensvetter stecken? Man behalf sich also, auch im behoerdlichen
Verkehr, mit der Zugabe von Bei- oder Uebernamen: der Alte, der Junge,
der Dicke, der Lange, der Fromme, der Stolze oder der Loewe, der Baer;
Zusaetze also, die sich entweder auf das Alter oder auf koerperliche oder
charakterliche Eigenschaften bezogen. Sie waren ja auch in den Fuerstengeschlechtern
ganz und gaebe und haben sich vielerorts bis in die heutige Zeit hinein
erhalten. Es ist auch heute noch ueblich, den Traegern von Familiennamen,
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besonders wenn sie haeufig auftreten, ein Anhaengsel zu
geben, an denen nicht selten der Volkswitz Gelegenheit nimmt, einem etwas
anzuhaengen. So kannte man in Tuttlingen noch bis vor kurzem unter den
vielen *Storz* den *Pariser* und den *Mailaender* Storz, weil sie
einmal dort gewesen; sein Brot konnte man beim *Lochbeck*, beim Knoepflesbeck*
oder beim *Zipfelsbeck* kaufen; wollte man aber eine gute Laugenbrezel
haben, so musste man eben zum *Brezetlesbeck* gehen. Aus der Vielheit der
in Tuttlingen in Kurs gewesenen Spitznamen seien nur der *Langsamstig*,
der *Kommteuchmehr*, und der *Phantasiemueller* erwaehnt.
Standen so die Namen damals in einer gewissen lebenswahren Beiehung
zu ihren Traegern, war also der *Schmid wirklich ein Schmied, der *Beck*
ein Baecker, so trifft das spaeter nicht mehr zu und hat sich im Lauf der
Generationen vielfach ins Gegenteil verkehrt. Da man noch keine Erblichkeit
der Namen kannte, war es wohl moeglich, dass einer seinen Namen wechselte,
insbesondere bei Ortsveraenderungen. Es konnte sich ein Schwarz, wenn seine
Haut- und Haarfarbe das nicht vertrug, ohne weiteres in einen Weiss oder
Rot verwandeln oder sonst einen anderen Namen zulegen. Es waren also diese
Beinamen noch keine Sippennamen. Das aenderte sich erst, als Kaiser Friedrich
II. Durch ein Dekret die Einfuehrung dauernder Familiennamen anordnete,
und das geschah um die Mitte des 13. Jahrhunderts.
Die Durchfuehrung dieser Anordnung erfolge allerdings nur schrittweise,
und es dauerte lange, bis die Erblichkeit der Familiennamen allgemein eingefuehrt
war.
Anhand dieser Erwaegungen und Feststellungen sehen wir, dass es nicht
moeglich ist, aus dieser fruehen Zeit eine suammenhaengende Familiengeschichte
mit genealogischer Entwicklung aufzustellen. Erst die Einfuehrung dauernder
Familliennamen, ihre Erblichkeit, die Aufnahme besonderer Familienzeichen
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(Wappen) und Lebensgueter sichern den Fortbestand der Familie
und den Nachweis der einzelnen Familienmitglieder, die nun durch besondere
Ruf-(Vor)-namen unterschieden werden konnten. Damit ist dann auch die Aufstellung
besonderer Stammbaeume und Stammtafeln moeglich geworden. Jeder Versuch,
den Ursprung der Familien in noch frueheren Zeiten zu erforschen, ist darum
meist erfolglos, mindestens unsicher. Und was aus jenen fruehen Zeiten
ueber Famillien berichtet wird, beruht gewoehnlich nur auf Sage oder Ueberlieferung
und ist, wo nicht ganz erdichtet, mindestens fragwuerdig.
Aus diesen Gruendne ist es auch bei der Familie Renz zwecklos, weiter
als bis ins 13. Jahrhundert zurueckzugehen, obgleich angenommen werden
kann, dass diese schon lange vor dem Jahre 1237, in dem das erste Mitglied
derselben in Ulm genannt wird, dort (vielleicht unter anderem Namen) bestanden
hat, weil dieses bei ihrem ersten Auftreten sogleich in amtlicher Stelle
erscheint.
Die Beibehaltung gewisser Familiennamen fuer alle Zeiten fuehrte auch
dazu, dass der grundbesitzende Adel seinem Namen den seiner Burg oder seines
Sitzes anfuegte und ihn als Familiennamen beibehielt. Im Buergerstand aber
scheinen haeufig fruehere Uebernahmen, wie sie im Volksmund gebrauechlich
waren, fuer immer beibehalten worden zu sein.
Der Name Rentz, oder wie er jetzt in den meisten Familien geschrieben
wird, Renz, ist auf wuerttemberg-schwaebischem Boden sehr verbreitet, und
wie bei anderen Namen hat man sich auch bei ihm ueber seine Herkunft viele
Gedanken gemacht, wobei aber auch der Unkklarheiten und Unstimmigkeiten
nicht weniger geworden sind.
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Es ist ohne Zweifel, und ich schliesse mich da den Gedankengaengen
des Oberstudiendirektors J.K. Brechenmacher an, dass der Name Renz eine
Kurzform des altgermischen Reginbert (allemannisch-schwaebische Form) =
der im Rat Bestaendige, ist. (Fraenkische Form, noerdlich der Alb: Reginhart
= kuehn im Rat.) Wie wir bereits gesehen haben, entstehen daraus auch die
Formen Reginbodo, -fried, -wald, usw. Regin wird dabei schon frueh zusammengezogen
zu Rein, aehnlich wie Hain aus Hagen, Goetz aus Gottfried usw. Mancherlei
Kurz- und Koseformen entstehen dabei wie Reino, Reinzo, Renzo. Der mhd.
Name Reinz = Renz entspricht dem althochdeuten Reginzo, den man auch fuer
Regimbertus setzen kann (Regimbertus qui et Reginzo 959).
Es wuerde zu weit fuehren, auf die weiteren Ableitungen wie Reinle,
Reindl, Rein usw. Einzugehen, doch sei auch hier auf andere Kurz- und Koseformen
wie Rentlin, Raentzlein, Rentzel und auf die in anderen Kurzformen wie
Kunz, Lutz, Manz usw. Liegenden Schluss-Z hingewiesen, die ebenfalls aus
der vorgermanischen Zeit stammen.
Zu der schon frueher angegebenen Gepflogenheit der Veraenderlichkeit
der Namen kommt noch die Eigentuemlichkeit, in der Schrift des Mittelalters
einzelne Buchstaben, namentlich *n* ganz auszulassen oder andere Konsonanten
auszuwerfen bzw. durch ein anderes Zeichen zuersetzen, z.B. durch den Accent
circumflex auf dem vorhandenen Vokal. So wird dann aus Rantz und Ranzio:
Raz und Razio )mit circumflex), wobei dannauch wieder Raz und Razio vorkommt.
An der verschiedenen Schreibweise Renz und Rentz darf man sich also keineswegs
stossen; die beiden Hans und Osswald Rantz, die 1503 in Neckarsulm waren,
werden 1504 als die Renz in Sulm genannt. Auch hieraus sieht man wieder,
dass Renz und Ranz (Rantz) durchaus dasselbe ist.
Auf alle Faelle duerfte es abwegig sein, fuer unsere Familie den Namen
Renz als keltischen Ursprungs oder ihn als Kurzform
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des Namens Lorenz (Laurentius) anzusehen, und zwar allein
deshalb, weil Renz schon laengst Sippenname war, als Lorenz Taufname wurde.
Auch in den Ulmer Urkunden stossen wir neben Rentz in der Hauptform auf
die Schreibweise Renz (auch Renntz und Rennz). Es schreibt sich z.B. Rentz
Sohn als Renz, auch kommt Hans Henz neben Hanns (uns sogar Hannss) Renz
noch im 16. Jahrhundert vor.
Der Name Reginbert ist uebrigens auch in mehreren Ortsnamen verankert:
Rempertshofen im Kreis Wangen hiess 1200 Raemprechtshofen, 868 Reginbrechiswilare,
Rametshofen bei Friedrichshafen wird frueher Ramprechtehoven genannt. Etwas
juengere Datums sind die unmittelbar von dem Namen Renz abgeleiteten Ortsnamen:
die beiden Weiler Alt-Renzen und Neu-Renzen im Ohntal suedlich Oehringen;
im Nuernberger Raum Renzendorf, ein einzelner Bauernhof mit einem Buergersitz,
welcher im Jahr 1500 im Bezirk Georg Schedels war; im Bezirk des Amtes
Lauf Renzenhofen: Nuernbergischer Weiler, eine Stunde von Lauf gegen Nuernberg
(Bundschuh, geogr.-toptogr. Lexikon von Franken, IV,, 1801, S. 476 und
477); Renzendorf im Kreis Ahlsfeld (Hessen); Renz auf Ruegen; Rena a.d.
Suder bei Flensburg; Renzel in der Naehe von Altona; Rentschmuehle an der
Strecke Plauen-Greiz usw. Eine neuzeitliche Renzensiedlung finden wir im
Hochschwarzwald zwischen Triberg und Furtwangen in dem vor einigen Jahren
von em Friedensfreund Dr. Martin Renz aus Freiburg im Breisgau gegruendeten
Friedendoerfchen Renzeck.
Der Sippenname Renz war im Mittelalter besonders im schwaebischen Raum
sehr stark verbreitet. In Ulm, im Donautal, in Oberschwaben trifft man
um diese Zeit schon sehr viele Renzen, und es ist nicht uninteressant,
was der mittelalterliche Geschichtsschreiber F. Fabri hierzu schreibt.
Er fuehrt das zahlreiche Auftreten auf drei Ursachen zurueck und sagt:
*Ein Grund,dass dieser Name verschiedenen beigelegt worden
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ist, ist der, weil Friedrich II., Kaiser dieses Namens,
einen Sohn hatte namens Renz (in der Geschichte als Enzio bekannt, Legat
des Reichs, geb. 1224 in Bologna; er wurde 1249 vonn den paepstlichen Bolognesen
bei Fossalta gefangen genommen und starb in Gefangenschaft am 14.3.1272
in Bologna, auch von seinen Gegnern hoch geachtet und geehrt), einen sehr
kriegerischen Mann, der gegen die Lombarden, Italien er und Sizilianer
viele schwere Kriege fuehrte; weshalb dieser Name bei mehreren als Eigenname
blieb, besonders in Schwaben: denn er hatte sein Heer aus Schwaben in die
eben genannten Gegenden gefuehrt. Ein anderer Grund der Vermehrung dieses
Namens ist der: Zu der Zeit naemlich, da Papst Clemens in Avignon residierte,
war in Rom ein oeffentlicher Schreiber, ein hochherziger Mann, der die
Roemer versammelte und ihnen, wenn sie ihm folgen wollten, eine Reformation
und Zurueckfuehrung der Monarchie in die Stadt Rom versprach. Dieser Mann
aber hiess Rentius, weil er aus der edlen Familie der Rentier war. Mit
einem Heer, das er gesammelt hatte, wuetete er gegen die vom Papst eingesetzten
Dienstleute und Voegte, toetete eine grosse Menge une versuchte eine neue
Verfassung einzufuehren und den Senat wiederherzustellen. Alle Bewaffneten
dieses Heeres wurden nun nach ihrem Hauptmann Rentii genannt und unter
diesen waren viele Deutsche, namentlich Schwaben, die ihre Namen aus Italien
in die Heimat brachten. Ueberdies gibt es einen dritten Grund. Als naemlich
Ludwig der Baier gegen die Kirche wuetete und oftmals exkommuniziert,,
Schismatiker und Ketzer genannt worden war und doch gegen Papst und Kirche
auftrat, wurde er durch den Papst abgesetzt und Karl IV. gegen ihn in einem
Ort, Renze genannt, gewaehlt, und deswegen wurden alle seine Anhaenger
Renze genannt, und aus diesem Grunde blieb der Name an manchem Adeligen
und Nichtadeligen, Reichen und Armen, Grossen und Kleinen haengen*.
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Der erste urkundlich bekannte Rent scheint im Jahre:
1237 Schenkungsurkunde des Ulrich von Freyberg an das Elisabethenkloster
in Ulm vom 25.7.; unter den Zeugen ist Cunradus Razo genannt (Ulmer Urkundenbuch
Seite 56).
1244 In der Verkaufsurkunde des Ulrich des Aelteren und des
J. von Pfefflingen sind unter den Zeugen *viri imperii* duo Ranzones genannt
(U.U.S.73).
1246 In der Abtretungsurkunde des Abtes von Reichenau ist u.a.
Conradus Razo Zeuge (U.U.S.76).
1265, 28. Februar, In der Schenkungsurkunde der Stadt Ulm (U.U.S.118)
steht als erster Zeuge Hainricus venerabillis capellanus hospitalis dictus
Razo.
1281 Wahrscheinlich derselbe *Viro et sacerdote dicto Razo*
ist Zeuge in der Urkunde des Bischofs von Marienwerder ueber Abhalten von
Gottesdiensten vom 11. November (U.U.S.170); er erscheint noch einmal in
der Urkunde der Stadt Ulm vom 15.5.1292 ueber den Verkauf von Hofstaetten
als Hofmeister Dominicus dictuz Ratz; er ist in der Geschichte des Hospitals
als *Pfaff Heinrich* bekannt .
1319, 16. Januar ist ein Reinsch als Zeuge genannt 1339, 27.
September, Verkaufsurkunde ueber ein Gut, das Cunrat Korntiur von Wippingen
von Rentz, Steter von Shwaichowen, Buerger zu Ulm, gekauft hat (U.U.II,I.S.211).
1339, 23. April, Reinz ne Bollingen baut den Hof zu dem Nordeshart
bei Bollingen (Messebrief des Gerwig von Hoerningen und Vetter) U.U.II,S.206).
1364 Kaufbrief vom 30. Maerz des Hans Renz der Tucher.
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1365 Urkunde des Johann der Rot von Schreckenstein ueber
den Reintzengarten in der Havengassen (U.U.II.S.601).
1366 Zinsbrief vom 31. Mai des Liupprant Stroetlin aus einem
Garten, vor dem Goegglertor, der dem Hans Rentz, dem Gebuettel, gehoert
(U.U.II,2,S.818).
1366 Zinsbrief des Fritz Rot von Zell ueber einen Baumgarten
in der Hafengasse, den der Renz der Gebuettel hat (u.U.II,2,S.638).
1366 Fritz Rentz, Tucher und B.z.U., kauft ein Holz im Schnaith
am 6. Dezember fuer 136 Pfund Heller. Er verkauft dasselbe Holz bereits
wieder am 24. Februar 1367 fuer 156 Pfund (U.U.II,2,S.642+646).
1369 Reintz von Talvingen, B.z.U., stiftet fuer die Siechen
im Spital (U.U.II,2,S.696).
1375, 16. Juni, Rentz der Vischer wird wegen Irrung des Gotteshauses
angeklagt (U.U.II,S.793)
1376 Agnes Rentz, B.z.U., vermacht den Fundenkindern ihren Baumgarten
vor dem Frauentor und ihren ganzen Nachlass (U.U.2,S.815+816).
1377 27. Oktober, Kaufbrief des Fritz Rentz des Tuchers ueber
ein Holz und Wiesen (U.U.II,2,S.845).
1378 29. Maerz, Kaufbrief des Fritz Rentz und Sohn Hans ueber
2 Gueter in Jungingen (U.U.II,S.866).
1390 Martin Rentz siegelt eine Urkunde.
1391 4. Oktober, Kaufbrief des Fritz Rentz d. Aelteren (Schmid
615).
1393 Conrad Rentz verkauf einen Hof zu Offenhausen (Reg.B.12,5.342)
1394 Die Brueder Conrad, Hanns und Lienhard Rentz kaufen zwei Maehde vom
Kloster Reichenau (U.U.II,S.86).
1395 wird Hans, Sohn des Fritz, genannt.
1398 9. Juli, Hans Renz ist Stadtrechner.
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1406 Hanns Renz d. Juengere, Conrads sel. Sohn, kauft Krafftsche
Haeuser auf dem gruenen Hof; derselbe tritt 1410 mit seinem Bruder Chunrat
als Buerge auf.
1411 Hans Renz, Vater und Sohn, sind mit der Fischenz in der
Donau belehnt.
1414 und 1416 erscheint wieder Hans d. Aeltere als Kaeufer,
ebenso.
1417 Hans Renz kauft einen Garten in Schweighofen.
1420 Hans Renz, Conz sel. Sohn, kauft von den Westerstetten
Steinhaus, Haeuser, Hofreiting und Gaertlen auf dem gruenen Hof.
1421 Hans Renz d. Juengere und seine Frau stiften ein Licht
in der Dreifaltigkeitskirche, im selben Jahr auch in der Predigerkirche.
Mit Beginn des 15. Jahrhunderts bekleiden die Renzen staendig oeffentliche
Aemter, wie wir das 1398 bei Hans Renz gehoert haben.
1406 und spaeter 1429 werden Conrads Sohn Martin und dessen
Sohn Conz als Mitglieder des Rats genannt.
1420 19. Maerz, Hanns Renz kauft 1 ½ Jauchert Aecker zu Offenhausen.
1426 28. April, Protokoll ueber eine Gerichtssitzung wegen eines
Streits zwischen Burkhard von Erlbach und den Hospitalpflegern Konrad Kraft
und Hans Renz des Juengeren; unter den Richtern ist Hanns Renz der Aeltere.
1426 30. Juli, Konrad Kraft und Hans Rentz d. Juengere verkaufen
als Spitalpfleger die Zinsen aus dem Spitalkornkasten (Verhandlungen des
Vereins fuer Kunst und Altertum -V.d.V.- Heft III-251).
1427 Hans Rentz der Aeltere und seine Frau Anna Ottin verkaufen
an den Sohn Hans einen Hof und Garten zu Offenhausen; in demselben Jahr
ist Hans Rentz der Juengere als Steurer genannt (kornbeck, Statistik).
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1428 Cunrat Rentz und seine Frau Agathe stiften ins Predigerkloster;
Kinder sind: Martin, Anna, verheiratet mit Itel Kraft, Ottilie und Gret,
verheiratet mit Wilhelm von Embs aus einer landstaendischen Adelsfamilie.
1429 13. Maerz, Hans Renz der Aeltere ist Richter.
1429 erscheint Martin Rentz, des Konrads sel. Sohn (Urk.Pred.Kloster);
ebenso im Jahr 1458.
1430 wird Cuntz Rentz, Stotenhabers Knecht (Kontordiener) und
Hans Rentz im Buergerbuch genannt (Schmid, 615).
Im Steuerbuch der Stadt Ulm sind 1425 und 1426 Hans Renz d. Aeltere,
Hans d. Juengere und Martin Rentz eingetragen; im Jahr 1427 ist Hans Rentz
der Alt auf dem gruenen Hof mit 8 Pf. 9 Sch. Und Hans Rentz in der Mailand
Hirschgasse mit 39 Pf. 5 Sch. Angeschworener Steuer eingetragen: *die Rentz
waren unter den Hoechstbesteuerten*.
1432 Elisabethe Oetin, des Hans Renz des Alten Witwe, trifft
eine letztwillige Verfuegung (Urk.z.Pfarrk.1890, Nr.13).
1435 13. Juli, Hans Rentz Pfleger des Spitalweinkellers.
1442 Johannes Rentz wird wegen der Reichenauer Zinsen in den
Bann gelegt (Urk.Pfarrk.).
1443 Donnerstag vor Sant Oswalds Tag: Stiftungsbrief des Hanns
Rentz des Elteren ueber eine Messe auf dem St. Peters Altar der Predigerkirche.
1445 4. Maerz, Verkuendung der Absolution des Johannes Rentz
(Urk.Pfarrk..Nr. 167).
1445 28. Juli, Wilhelm von Embs und Margarete Rentzin, seine
eheliche Hausfrau, und deren Traeger Wilh. Ehinger der Aeltere und Martin
Rentz, ihr Bruder, verkaufen den Kirchensatz zu Holzheim an das Ulmer Hospital
(V.d.V. Heft III-290).
1453 Hanns Rentz und Conrad Oet (Vetter) sind Pfleger einer
Testamentsstiftung des Hanns Graet; Hans Rentz siegelt (U.Pf.K.Ba.Ve.188).
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1455 10. April, Claus und Walther, die Ungelter Gebrueder,
verkaufen an die Spitalpfleger ihr Kornhaus hinter dem Spital fuer 200
fl.; Konrat Ott und Hans Rentz der Aeltere, sind Zeugen und Siegler (V.d.V.
Heft III-314)
1455 27. Juni, die Hospitalpfleger haben vom Pfaff Diebold Schmid,
Richter zu Wylr einen Zins aus dem Burghof zu Burgkrieden mit 20 fl. Abgeloest;
Siegler sind Ungelter und Hans Rentz der Aeltere, Richter (V.d.V. Heft
III-318).
1459 31. August, Hans Rentz der Aeltere ist mit 8 anderen Richtern
ueber einen Streit des Hans Ruetter mit Wilhelm Ehinger d.A. wegen des
Hirtenstabs zu Buethel (V.d.V. Heft III-328).
1460 Hans Renz ist Hospitalpfleger, desgl. 1463.
1465 Kaufbrief des Claus Renz.
1468 6. Juni, Hans Rentz d.A. ist Richter und Siegler beim Kauf
des Hofs zu Goegglingen fuer Martin Roeschmann (V.d.V. Heft III-342).
1469 9. Mai, beim Kauf einer Hofstatt und Garten zu Pfuhl durch
Hans und Berta, Kinder des Joerg Schedler vom Ulmer Hospital (V.d.V. Heft
III, Urk. 350) sind die Siegler wie vor; vom selben Jahr 1469, B.z.U.,
zur Zinszahlung an das Deutsche Ordenshaus aus seinen Gaerten; Zeugen und
Richter sind Hans Rentz d.A. und Wilh. Besserer (V.d.V., Heft III, Urk.
366).
1478 Sebastian Renz studiert in Tuebingen.
1478 Urkuknde vom 19. September: Hans Ruch, Weber im Ulm einerseits
und die Spitalpfleger Claus Ungelter und Thomas Wuertemberger einigen sich
wegen der Zehnten aus den Gaerten des ersteren. Siegler ist u.a. Hans Rentz
d.A., Richter (V.d.V. Heft III-366).
1479 Hans Renz und Claus Ungelter siegeln eine Urkunde ueber
Stiftung einer Messe des Wolfg. Buhlinger auf St. Osswalds Altar in Uns.
Lb. Frauenkirche (Urk.Pfarrk. Nr. 268).
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1480 Urkunde vom 2. Januar 1480: Die Spitalpfleger Joerg
Lieber und Hans Gienger verkaufen fuer das Spital zu Offenhausen Feld und
Gueter zu Pfuehl; Siegler sind Magnus Kraft und Hans Rentz d.A. (V.d.V.
Heft III, Urk..379).
1480 Nach der Urkunde vom 19. April und vom 15. Maerz 1474 besitzt
Hans Rentz d.A. Gueter vor dem Herdtbrucker Tor und am Wege von Ulm nach
Steinheim jenseits der Donau (V.d.V. Heft II-40 und Heft III-355).
1484 Ludwig Renz tritt bei Georg Franklin als Goldschmiedlehrling
ein.
1487 Conrad Renz d.J. hat mit Ludwig Rottengatter, einer alten
Ulmer Patrizierfamilie angehoerend, eine Handelsgesellschaft.
1489 13. Maerz, Urkunde ueber die Stiftung eines Altars in Unserer
Lieben Frauenkirche durch Elisabeth Renz geb. Oetin, Hansen des alten Renzen
Witwe (Urk. Pfarrk. 18990, Nr. 302).
1490 Jakob Renz, Sattler.
1491 Sebastian Renz, Sohn des Konrad Renz.
1495 Osanna Rottengatterin, Witwe des Konrad Renz, verkauft
Gueter zu Offenhausen an Hans Renz und dessen Erben.
1495 19. August, Hans Renz ladet den Grafen Joerg von Werdenberg
zur Hochzeit seines Sohnes Sebastian ein mit Elisabeth Ehinger, einer Tochter
des Martin Ehinger sel. (Fuerstl. Fuerstenberg. Archiv Donaueschingen,
Vol.I, Fasc.I, S. 496); er bittet (Urk. vom 15.9.) den Herzog Eberhard
von Wirtemberg und andere Grafen und Herren um Wildpret und Gefluegel fuer
die Hochzeit (Graf Eberhard von Wuerttemberg schenkte alle Jahre den Geschlechtern
zu Ulm zu ihren froehlichen Zechen Wildpret).
1496 Hans Renz ist Landpfleger, 1501 des Rats.
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1497 Urkunde vom 17, April ueber Zinsverteilung einer Erbgemeinschaft
aus dem Haus der Witwe des Conrad Rentz d.A. an die Pfarrkirchenbaupflege.
1507 Ludwig Renz und Ludwig Schlieber werden von der Universitaet
Tuebingen zum Magister creiert.
1508 Der Goldschmiedmeister Jakob Renz nimmt einen Lehrling
auf.
1510 Conrad Renz ist Bettelherr (Aufseher ueber das Armenwesen);
Urkunde vom 16. Oktober.
1511 Urkunde vom 6. Oktober, Magdalene Rentz, Witwe des Ludwig
Rottengatter, spendet einen Zins fuer den Bau Unserer Lieben Frauenkirche;
Siegler ist Conrad Rentz des Rats. Im selben Jahr wird Sebastian als des
Rats genannt, ebenso in den Jahren 1512,1516,1518,1520 und 1521; daneben
ist er Richter, Herrschaftspfleger, nach einer Urkunde vom 25. April 1513
auch Pfarrkirchenbaupfleger.
1517 wird von Sebastian Renz berichtet, dass er Kartenmaler
ist und im Auftrag des Augsburger Handelshauser Welser Reisen durch alle
vier Weltteile unternimmt; 1527 faehrt er nach dem neuentdeckten
Amerika, ist Gouverneur in St. Domingo auf der Insel Hispaniola (spaeter
Haiti), die damals in Welserschen Besitz war. Nik. Federmann, ebenfalls
ein Ulmer, besucht ihn 1529, *den er mit allem Noetigen versah* und der
als Feldhauptmann nach Venezuela weiterreiste. Am letzten August 1532 kehrte
er mit Federmann nach Augsburg zurueck, liess sich aber endgueltig wieder
in Ulm nieder (Federmann: Historia Indiana).
Im Jahre 1517 wird auch Klara Renz, Witwe des Ott Rot genannt
(Greiner, Ulmer Spital, S. 151).
Ein Sebastian Renz wird weiter als Richter gefuehrt in den Jahren 1523,1525,1526
und 1528; ein anderer Sebastian Renz ist Zunftmeister der Kraemerzunft
in den Jahren 1516,1519,
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1520,1523,1524. Im Jahr 1520 ist Sebastian Renz, des Rats,
Pfleger der Rentzschen Pfruende, desgleichen 1529 und zugleich Pfleger
und Lehensherr der Gutbrodpfruende auf dem St. Wendelinsaltar; ein Zeichen,
dass die Renz auch mit der Patrizierfamilie Gutbrod, die wohl im Absterben
war, in naehrerer verwandschaftlicher Beziehung standen.
Mit Ulrich Neidhard ist Sebastian Renz als Vertreter der Stadt auf
dem Staedtetag in Esslingen, auch in den Jahren 1513 und 1524. 1542 wird
das Ehepaar Sebastian Renz-Ehinger als verstorben gemeldet und als deren
Soehne Hans, Pfleger in Babenhausen, Friedrich und Ambros, Buerger in Augsburg
und Sebastian, Buerger in Ulm genannt. Diese verkaufen 1544 ihre Gueter
zu Offenhausen, Breitingen, Jungingen, Lehr, Thalfingen-Oettingen und Holzheim,
mit anderen Burgstallen, Bannen, Hoefen, Haeusern, Gaerten, Zinsen, Lehen
usw. und allen Zubehoerden fuer 15 000 rhein. Gulden.
1520 Konrad Renz und Martin Schaffner sind Testamentsvollstrecker
einer Stiftung (W.V.f.L. 1900, S. 441)
1521 Lehensbrief des Grafen Ulrich von Helfenstein fuer Sebastian
Renz ueber den Hof und Stades des Hans Jung zu Jungingen.
1525 Bastian Renz und Rentzen Hansen geben ihr Buergerrecht
auf; im selben Jahr wird der Pfarrhelfer Christoph Renz im Muenster (16.10.1515
Mag.theol. in Heidelberg) wegen ungebuehrlichen Benehmens in der Kirche
abgesetzt.
1527 wird dem Prediger und Moench Bernhard Renz wegen Anstoessigkeit
das Predigen untersagt.
Im Jahr 1533 erhielt Hans Rentz als Traeger fuer sich und seine Brueder
Ambrosius, Friedrich und Sebastian von dem Grafen zu Helfenstein den Hof
des Adam Berg nebst Zubehoer zu Lehen.
Am 28. August 1532 muss sich Sebastian Renz beim Rat der Stadt
mir 3 anderen Buergern wegen zu langen Ausbleibens
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verantworten: er sei *im vergangenen Jahr nur der sterbenden
Laeuften (nicht der Religion wegen, wie vermutlich der Verdacht war) mit
mehreren anderen Buergern weggezogen und habe sich also in Laujingen aufgehalten,
aber vor 14 Tagen wieder hieher begeben (Keidel, S.338).
1544 heiratete Sebastian Renz Barbara Roth von Schreckenstein
aus dem alten Ulmer Patriziergeschlecht, das in diesen Jahren in den Adelsstand
erhoben wurde.
1600 ist der Weber Johann Jakob Renz zu Ulm; sein Sohn Abel,
geb. 17.8.1626, studiert Theologie in Strassburg und wird 1651 Prediger
in Isny.
1619 tritt Jerg Rentz, Sohn des Jerg Rentz, als Lehrling bei
dem Goldschmiedmeister Elias Merkle ein; er ist 1621 aus dem Handwerk ausgeschieden.
1635 Hufschmied Michael Renz (Seuffer, Schmiedezunft, S.38).
1650 Jodokus Renz und 1651 Johann Jakob Renz studieren, ebenso
1658 Matthaeus Renz (Weyermann 5882).
1692 studiert Benedikt Renz aus Ulm Medizin in Basel und schreibt:
De Hypercathorsi 4. Basil 1692
Auf der Meistertafel der Zimmerleut von 1665 (im Ulmer Stadtmuseum)
sind die Bildnisse von Ulrich Rentz act 44 und Joerg Rentz act 67.
Christoph Renz, der Sohn eines Ulmer Webers, geb. 1708, studiert 1732
in Wittenberg Theologie und wird 1738 Pfarrer in Thalheim bei Heilbronn;
ist dort 1754 gestorben; sein Sohn Tobias Michael, geb. 11.1.1743, ist
Not.Caes. Publicus in Ulm und Fruchtaccisor, gest. 6.9.1822.
Es sind immer wieder geschichtliche Ereignisse, die unsere Entwicklung
und unser Leben massgebend beeinflussen, und man
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kann einen Zeitabschnitt auch erst dann richtig beurteilen,
wenn man sich den geschichtlichen Ablauf stets vor Augen haelt. Es ist
daher auch fuer uns gut, zuerst etwas in der Geschichte zu blaettern, denn
manches ist doch unserm Gedechtnis entschwunden, das aber zum Verstaendnis
der Entwicklung unserer Familie wissenswert ist. Es soll keine Wiederholung
des schulgeschichtlichen Unterrichts ein -dazu sind ja die Geschichtsbuecher
da-, auch soll unsere Schilderung kein umfassendes und erschoepfendes Bild
der damaligen Zeit geben. Ein solches Bild wuere weit ueber den Rahmen
unserer Familiengeschichte hinausgehen; ausserdem gibt es eine ganze Anzahl
guter Geschichtswerke, die sich sehr eingehend mit der Geschichte Ulms
beschaeftigen. Aber diese Werke stehen ja nicht jedem zur Verfuegung und
sind vor allem fuer unsere Beduerfnisse zu umfangreich. Uns moege ein kurzer
Gang durch die Hauptstrasse des damaligen Ulm genuegen; dabei haben wir
Zeit, da und dort einen kurzen Seitenblick in diese und jene Nebengasse
zu werfen, ohne uns aber von unserem Hauptziele zu sehr ablenken zu lassen.
Fuer den Kenner der Ulmer Verhaeltnisse, den Mann vom Fach, wie auch fuer
den, der glaubt, ohne diesen *Unterricht* auszukommen, steht nichts im
Wege, diesen Abschnitt zu ueberschlagen.
Schon lange vor unserer Zeitrechnung war der Ulmer Raum besiedelt von
friedlichen Voelkern, die der Landwirtschaft und dem Fischfang oblagen.
Die Kelten, die um 500 bis 400 v.Chr. diese Voelker leicht besiegten, konnten
ihre Herrschaft bis zum Eindringen der Roemer kurz vor der Zeitwende aufrecht
erhalten. Und diese hatten die Lage von Ulm als wichtigen Waffenplatz erkannt
und fuer seinen Schutz gesorgt. Mit dem Eindringen der Alamannen (Sueben)
im 3. Jahrhundert neuer Zeitrechnung wurde die Roemerherrschaft beseitigt
und der militaerisch noch wichtiger gewordene Stuetzpunkt Ulm wurde noch
mehr ausgebaut.
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Die ersten schriftlichen Zeugnisse (Urkunden) finden wir im
Jahr 854, wo uns von einem Palast der Deutschen Koenige und roemischen
Kaiser (Ludwig der Deutsche) und roemischen Kaiser (Ludwig der Deutsche)
berichtet wird. Diese Kaiserpfalzen sind als Wanderresidenzen der regierenden
Herrscher (Kaorlinger( anzusehen, sie waren also nur voruebergehend
bewohnt, wenn die Koenige von ihren oft recht ausgedehnten Kriegsfahrten
heimkehrten und dann fuer mehr oder weniger kurze Zeit den Geschaeften
der inneren Landesverwaltung oblagen; sei hatten noch keinen staendigen
Wohnsitz, erst mit Prag und spaeter mit Wien wurde der feste Wohnsitz (Residenz)
der Herrscher Brauch. Von den Karolingern sind solche Pfalzen in Sueddeutschland
noch in Ingelheim und Bodmann bekannt. Die Ulmer Pfalz oder der Koenigshof
war auf der beherrschenden Hoehe des Lauterberges angelegt, dem heutigen
Weinhof, und, obwohl er erst 854 genannt wird, doch schon recht viel frueher,
wahrscheinlich von Karl dem Grossen, gebaut worden; denn seine Nachfolger
hatten bei den andauernden Kaempfen gegen Reichsfeinde wenig Zeit fuer
solche Bauten.
Zum Schutz der Pfalzen waehrend der Abwesenheit der Gebieter blieb
ein staendiges Gefolge von Hofleuten auf der Burg zurueck. Es waren dies
Angehoerige von alten Freien, denen neben den persoenlichen Diensten die
Verwaltung der Gefaelle, der Zoelle, Muenze, der Hoefe usw. oblag. Neben
diesen Ministerialien, die dem spaeteren niederen Adel entsprechen, kennen
wir noch einen mittelfreien Stand, die sogenannten Koenigsleute, die ihren
persoenlichen Grundbesitz eingebuesst hatten und sich vielfach im Schutze
der Pfalzen, auch der Bischofssitze aufhielten; sie standen unter Hofrecht
und waren zinspflichtig. Nicht selten traten sie spaeter zur Kaufmannschaft
und vermittelten den Vertrieb der von den Hoerigen hergestellten Waren.
In diesen auf den Burgen sitzenden Koenigsleuten, den Burgensen, sehen
wir die aeltesten Buerger im heutigen Sinn, also die spaeteren Patrizier
und
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Geschlechter. Aber diese Nachkommen der Burgenser (Patrizier
konnten ja erst entstehen, als auch im Gegensatz zu ihnen die zuenftige
Bevoelkerung aufbluehte.
Es wuerde zu weit fuehren, auf die weitere Entwicklung der Staedte und
der Bewohner von Stadt und Land einzugehen, zumal sie ja im Mittelalter
in staendigem Fluss war und dann dazu fuehrte, dass auch die bisher Unfreien
ihre lang erkaempften Rechte erhielten. In dem trefflichen Werk von Freiherr
Roth von Schreckenstein: *Das Patriziat in den deutschen Staedten*
sind diese Verhaeltnisse mit tiefer Gruendlichkeit untersucht und dargestellt.
Schon Karl der Grosse, der auf religiosem Gegbiet in den Fusstapfen
des Bonifsazius weiterging, hatte damit begonnen, Ansiedlungen von Kloestern
zu foerdern und zu unterstuetzen. So gab er z.B. dem Benediktinerkloster
Reichenau eine Niederlassung in Ulm (auf dem gruenen Hof) und schenkte
ihn noch ansehliche Gueter. Diese Schenkungen hatten aber damals neben
gottgefselligem Werk einen durchweg praktischen Selbstzweck und entsprachen
keineswegs nur einem Akt der Froemmigkeit. Es waren ja die Kloester, in
denen nicht nur die religiosen Handlungen guebt, schoene Kuenste, Wissenschaft
und Schriftgelehrtheit gehandhabt und gepflegt wurden -sie waren auch damals
eifrige Foerderer und Pfleger von Landwirtschaft und Gewerbe, und ein grosser
Teil des Handels ging durch die Klosterpforten. Es ist bekannt und auch
nicht zu widerlegen, dass eie Geistlichkeit im fruehen Mittelalter an der
gesamten Entwicklung einer hohereren Kultur sowohl als auch der Staedte
und Staende einen sehr wesentlichen Anteil hatte. Es war die Zeit, wo Kloester,
Kirchen und geistliche Stiftungen aller Art in enger Fuehlung mit der hoehreren
une niederen Bevooelkerunt an der Hebung der Bodenkultur und Besserung
der Lebensverhaeltnisse taetig gewesen sind. Trotz Askese und Verherrlichung
des Ueberirdischen haben auch der irdische Lebenswert der christlichen
Lehre, die Betonung der Berufs- und Naechstenpflicht ihren
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Platz zu behaupten und zur Geltung bringen koennen. Man
nannte daher auch allgemein die Zisterzienser die Weber, waehrend die allerdings
nicht in Ulm ansaessigen Kapuziner als die Bierbrauer galten. Und die Staedter
sagen, was sehr einleuchtend ist, die Moenche nicht ungern in ihren Mauern;
denn die verhalfen ihnen zu Wohlstand und ebneten ihnen die Wege zu eigenem
Aufstieg.
So siedelten sich in Ulm waehrend des 13. Jahrhunderts neben den Reichenauer
Benediktinern die Augustiner an, sowie die verschiedenen Bettelorden der
Franziskaner (Barfuesser) und Dominikaner; auch der Deuytschorden war mir
einer Komturei vertreten. Dazu kamen noch die vielen Pflegehoefe, z.B.
der Zisterzienser und Praemonstratenser und auswaertiger Kloester, welche
dort ihe Ereugnisse gegen die staedtischen austauschten. Wenn man bedenkt,
dass alle diese Niederlassungen eine eigene Kirche hatten oder zumindestens
eine Kapelle, so kann man ermessen, allein welche Bautaetigkeit in Ulm
un diese Zeit und welch reges Leben dort herrschen musste. Besass doch
Ulm damals nicht weniger als 11 Kirchen, 31 Kapellen mit 14 Kloestern un
12 Klosterhoefen!
Erst viel spaeter begannen diese hereingestroemten Gaeste eine immer
drueckendere Last zu werden. Es war weniger die grosse Zahl von Niederlassungen
selbst, zu denen auch noch weibliche Abteilungen (z.B. Klarissinnen) kamen;
sie erfreuten sich alle besonderer Vorrechte, genossen Steuerfreiheit usw.,
und ihr Streben nach Staerkung ihres Einflusses auf allen Gebieten war
nicht dazu angetan, sie bei dem selbst nach Macht und Ansehen strebenden
und emporsteigenden Ulmer beliebt zu machen. Da auch ihre Lebensfuehrung
allmaehlich immer mehr sich auf weltliche Dinge ausrichtete, zu Muessiggang
und Ausschweifung neigte, also alles nur nicht vorbildlich war und mit
kirchlicher frommer Zucht nicht mehr gemein hatte, so wurden sie schliesslich
nur noch als laestige und drueckend-hemmende Glieder im
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Leben der Stadt empfunden. Aber es gelang erst gegen Ende
des 14. Jahrhunderts, sich von diesen Fesseln zu loesen und wirschaftlich
frei zu machen.
Doch damals, zur Zeit der Karolinger, bedienten sich die Fuersten gerne
dieser christlich-religioesen Einrichtungen. Denn sie waren ja die Schriftgelehrten,
aus deren Schoss Wissenschaft, Kunst, Handel und Gewerbe ihren Naerhstoff
bekamen, waehrend die Fuersten selbst noch schrifunkundig waren. So bedachten
diese die Kloester mit Schenkungen und Stiftungen, machten sie dadurch
zinspflichtig und ersparten sich dabei einen Verwaltungsapparat mit einem
Heer von Beamten, der teurer, komplizierter und vielleicht auch unzuverlaessiger
gewesen waere.
Die fuer die Pfalz notwendigen, zum Teil schon von den Roemern angelegten
Verkehrswege waren dem immer lebhafter werdenden Gueteraustausch in der
so guenstig gelegenen Stadt Ulm recht foerderlich und der Uebergang zur
Geldwirtschaft setzt schon recht frueh ein. Bereits in der zweiten Haelfte
des 11. Jahrhunderts hat Ulm eine eigene Muenze, die als Zahlungsmittel
bestimmt und anerkannt wurde.
In den verschiedenen Thronstreitigkeiten sowohl der Sachsen- wie auch
der Salischen Kaiser war Ulm immer recht gimpflich weggekommen. Anders
wurde es zu Beginn der Staufenzeit, als Lothar von Supplinburg gewaehlter
Koenig war und der Staufe Konrad als Gegenkoenig aufgestellt wurde. Dieser
hatte das ihm treu ergebene Ulm zum Hauptwaffenplatz erwaehlt, gegen den
nun Lothar mit Uebermacht anrueckte. Nach erfolter Uebergabe zerstoerte
Lothars Bundesgenosse Heinrich der Stolze von Bayern im Jahre 1134 die
Stadt fast bis auf den Grund durch Feuer. Die Treue wurde aber den Ulmern
belohnt, denn nach Lothars Tod 1137 und der darauffolgenden Thronbesteigung
KOnrads III. wurde Ulm mit dessen Unterstuetzung wieder aufgebaut und nicht
unwesentlich erweitert.
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Die vielen Kriegszuege der Kaiser gegen Papst, Gegenkoenige,
aufsaessige Fuersten und Reichsfeinde uswl hielten diese oft lange Zeit
ausser Landes fest. Diese Zeit -besonders nach dem Tode Barbarossas, 1190-
war den im Lande bleibenden Fuersten, Rittern, Bischoewfen, aber auch den
Staedten in ihrem Streben nach groesseren Freiheiten und Selbstaendigkeiten
recht guenstig. Die Ulmer, die schon 1244 mit einem eigenen Siegel erschienen,
erhielten, wohl unterstuetzt von dem kgl. Vogt, 1255 eine eigene Verfassung,
mit einem von der Buergerschaft gewaehlten, dem Vogt unterstellten Buergermeister,
Ratsherren (Konsuln) und fuer wichtige Fragen der Gesamtheit der Buergerschaft.
Diese Buergerschaft bestand freilich nur aus den *Vollbuergern*, d.h. Kaufleute
und Handwerker zaehlten noch nicht mit; ihnen war auch ein Zusammenschluss
verboten.
Im Jahre 1274 erhebt Rudolf I. Ulm durch eine Urkunde zur freien Reichsstadt
und gibt ihr ein besonderes Stadtrecht, das dme der Stadt Esslingen angeglichen
war. Das Wichtigste darin war, dass 63 Buerger, das sind Patrizier, sich
alljaehrlich ihren *Minister* (Buergermeister) selbst waehlen, der
nun nicht mehr dem Vogt untersteht, und dass besonders auch der Einfluss
der Kirche verschwindet und der Abt von Reichenau seiner bisherigen Rechte
enthoben wird. Zu dieser Entwicklung hat zweifellos auch das nach dem Untergang
der Staufen eingetretene Interregnun beigetragen, zumal auch das Herzogtum
Schwaben aufgehoert hatte, dessen Rechte, Einkuenfte, usw. also wegfielen
und so die Stadtbehoerde eine Stellung hatte, die rechtlich der eines Landesherrn
entsprach.
Doch waren freilich der arbeitenden Bevoelkerung -Handwerker, Kauflleute,
Bauern- alle Recht beschnitten, so dass wir noch ein rein aristokratisches
System vor uns haben. Die Rechte werden der Stadt in der Folgezeit noch
mehrfach bestaetigt und erweitert, so im Jahre 1466 durch die Bestaetigung
der
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freien Wahl des Ammanns und 1386 durch eine Muenzordnung,
nach der nur Heller von Augsburg, Nuernberg, Hall und Ulm gueltig sind
und ueberall anerkannt werden, auch Muenzfaelscher bestraft werden koennen.
Aber Bestrebungen der unteren Buergerschichten auf Anerkennung werden
auch um diese Zeit schon fuehlbar; sie schliessen sich zu wirtschaftlich-religiosen
Vereinigungen zusammen, in denen wir die ersten Anfaenge des Zunft- und
Gildewesens erkennen. Im Jahre 1292 lesen wir zum erstenmal von einer Leineweberzunft.
Ihre Entwicklung und Bedeutung wird auch dadurch gefoerdert, dass Ulm gegen
Ausgang des 13. Jahrhunderts zur Aufstellung eines eigenen Stadtheeres
schritt, in dem auch die Handwerker als Fusstruppen Dienste leisteten.
Sie wurden dabei, nach Berufen geordnet, in die acht Abteilungen Baecker,
Feinbaecker, Metzger, Schmiede, Schneider, Schuhmacher, Tuchscherer und
Weber eingeteilt. Ihr Einfluss auf die staedtische Verwaltung macht sich
schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts bemerkbar.
Die Zuenfte, urspruenglich 8, spaeter auf 17 erweitert, hatten jede
ihre eigenen Zunftgesetze, die die Rechte und Pflichten und auch schon
eine Art Gewerbeordnung enthielten, ueber deren Einhaltung die Zunft streng
wacht. Die hergestellten Waren werden zunft-amtlich geprueft, bevor sie
in den Handel kommen. So kennen wir nicht nur die Fleisch- und Brotbeschau,
auch eine Garn-, Bleich-, Leinwand-, Leder-Beschau usw. waltete ihres Amtes.
Den Zuenften, wie in Ulm soi auch im ganzen Reich, fielen diese Recht nicht
muehelos und ohne Kaempfe in die Haende; sie wurden schliesslich 1345 in
dem ersten Schwoerbrief festgelegt. Innerhalb ihres Standes hatten die
Zuenfte damit schon eine eigene Rechtsprechung und waren durch die Zunftmeister
als Vorsitzende im Rat derStadt vertreten, deren Bevoelkerung nun nach
der Verfassung in 7 Klassen (Ordnungen eingeteilt war.
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Es waren dies:
1. der alte Adel
2. die zugewanderten Ritter und Edelleute
3. die Geschlechter
4. die Ehrbaren
5. die Geschaefts-, Kauf- und Handelsleute
6. die Handwerker
7. die uebrigen Einwohner
Den Angehoerigen der 7. Ordnung standen keine besonderen Rechte zu.
Es faellt auf, dass der Bauernstand hier, wie aucn noch spaeter bei anderen
Gelegenheite,. z.B. Volksabstimmung usw., nirgend erwaehnt ist, obwohl
er doch sicher bei den vielen zu Ulm gehoerigen Orten und Hoefen in stattlicher
Zahl vertreten gewesen sein muss. Auch er musste sich seine Rechte erkaempfen,
wenn auch, wie wir aus dem Verlauf des Bauernkrieges wissen, mit recht
wenig Erfolg.
Den auf einer natuerlichen und gesunden Entwicklung geltend gewordenen
Beduerfnissen wurde im Wege der Verhandlungen Rechnung getragen und Wuensche
und Forderungen der Buergerschaft in dem sogenannten grossen Schwoerbrief
vom Jahre 1397 niedergelegt, einem Dokument, das in seiner Gruendlichkeit
Zeugnis ablegt von dem Weitblick der damaligen Ulmer. Er emoeglichte es,
alle latenten Kraefte zu loesen, sie zu leiten und in friedlicher Harmonie
einzuordnen in ein mustergueltiges Gemeinwesen.
Die Ulmer Staatsbehoerde bestand nunmehr aus dem Kleinen Rat mit 32
Mitgliedern, der, jaehrlich je zur Haelfte gewaehlt, aus dem Buergermeister,
14 Patriziern und 17 Vertretern der Zuenfte bestand, dem Grossen Rat mit
40 Mitgliedern (30 Zuenftige und 10 Vertreter der Geschlechter), die jaehrlich
gewaehlt wurden; fuer wichtige Fragen, z.B. Krieg, war ein Volksentscheid
der gesamten Buergerschaft vorgesehen, und die laufenden Geschaefte
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besorgte ein Ausschuss, der spaetere Geheime Rat, aus 2
Patriziern und 3 Zuenftigen. Wahlberechtigt waren nur die Zuenftigen, die
auch den Buergermeister waehlten; nicht wahlberechtigt waren also ausser
den Frauen die Gesellen und die Bauenerschaft. Der abtretende Buergermeister
blieb noch 2 Jahre als Altbuergermeister im Rat vertreten.
Die Zunftzugehoerigkeit war fuer jeden Berufstaetigen obligatorisch,
zwischen den einzelnen Klassen herrschte jedoch eine sehr scharfe Trennung.
Kein Zuenftiger konnte in den oberen Klassen Aufnahme finden, wie auch
umgekehrt der Abstieg in die Zunft den Austritt aus dem Patriziat zur Folge
hatte. Doch wurden in der zweiten Haelfte des 15. Jahrhunderts (um 1480)
die vier oberen Klassen zu einer einzigen, dem sogenannten Patriziat, vereinigt,
jener nach roemischem Vorbild uebernommenen Einrichtung. Auf der anderen
Seite hatten sich auch die Kaufleute, die durch ihren wachsenden Handel
zu Reichtum und Ansehen gelangt waren und sich einen Weitblich angeeignet
hatten, der manchem Patrizier zur Ehre gereicht haette, eine achtunggebietende
Stellung verschafft. So sah sich mancher dieser Patrizier veranlasst, sich
am Grosshandelsgeschaeft zu beteiligen; durch Einheiraten in staedtische
und landstaendische Adelsfamilien kamen auch familiaere Annaeherungen zustande.
Solche Familien, die also noch nicht zum Patriziat gehoerten, wurden nun
als *ehrbar* bezeichnet und hatten sich in den sogenannten Mehrergesellschaften
vereinigt. Doch verschwand im Laufe des 16. Jahrthunderts auch diese Unterscheidung;
es gab von da ab nur Patrizier und Buerger.
Von den Zuenften waren die Marner oder Wollenweber (Loderer und Grautucher)
zu der maechtigsten, reichsten und auch angesehensten emporgestiegen. Sie
genossen auch gewisse Sonderrechte und nahmen unter den Zuenften eine Sonderstellung
ein. Sie war die einzige, der auch angesehene Geschlechter angehoerten.
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Es ist nun erstaunlich zu sehen, welche Kraefte im Volk
schlummerten und nun in Auswirkung der neuen Verfassung zur Entfaltung
kamen. Man dnekt dabei unwillkuerlich an einen Baum mit seinem kahlen Geaest,
das, nachdem die Macht des Winters gebrochen, zu spriessen und zu sprossen
beginnt und mit unwiderstehlicher Gewalt in kurzer Zeit in ein gruenes
Blaettermeer verwandelt wird.
Zweifellos bestand zunaechst nur ein Handel mit Erzeugnissen aus dem
eigenen Lande; hoeren wir doch schon um das Jahr 1050 von Herman dem Lahmen
von Reichenau den Ulmer Loden als besonders geruehmt. Die Rohware fuer
die Woll- und Leinenstoffe lieferten die Schafe der Alb und die Flachsfelder
im Donautal. Die Herstellung der Stoffe erfolgte in stiller Heimarbeit;
sie wurden dann dem Grosshaendler gebracht, der sie gegen andere nuetzliche
Dinge wieder eintauschte. Mit zunehmender Ausdehnung des Handels wurden
andere Waren im Tausch eingefuehrt, wie z.B. Gold und Kupfer fuer die Gold-
und Kupferschmiede. Als aber in der ersten Haelfte des 13. Jahrhunderts
die ersten Baumwollballen aus Indien eintrafen, da verstanden es die tuechtigen
Ulmer Leineweber, aus dieser mit Leinen gemischt eine neue Stoffart, Barchent
genannt, herzustellen, ein Verfahren, das lange Zeit Berufsgeheimnis blieb;
nicht nur wegen seiner Billigkeit, auch wegen seiner Guete fand dieser
Stoff reissenden Absatz und wurde so zu einer wahren Goldquelle, die staendig
nach Ulm floss.
Auch andere gewerbliche Dinge bluehten in Ulm.
Um zunaechst bei den leiblichen Genuessen zu bleiben, standen die Ulmer
Mueller in gutem Ruf; die von ihnen hergestellte *Ulmer Gerste* (*Rollgerste*)
war weithin bekannt, und auch die Baecker verstanden es, aus dem Mehl schmackhafte
Leckereien zu bereiten. Fuer manchen von uns werden die Ulmer Mutscheln,
auch Ulmer Geigen genannt, noch gut in Erinnerung sein.
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Auch die Kupfer- und Goldschmiede, die Gerber und Schreiner
sind zu erwaehnen, welch letztere mit den Ulmer Schraenken weit ueber die
Grenzen hinaus bekannt waren. Der Weinhof verraet schon mit seinem Namen
seinen Zweck; es waren grosse Mengen Wein, die eingefuehrt und wieder weiterverhandelt
wurden. Schliesslich sei noch als wichtige Erwerbsquelle der Handel mit
dem aus dem Salzkammergut eingefuehrten Salz erwaehnt.
Und weil uns das besonders interessiert, denn wir kommen in unserer
Geschichte darauf zurueck, wollen wir uns merken, dass Ulm, so sonderbar
das klingen mag, auch noch Handelszentrale fuer Hostien und Spielkarten
war. Fuer die letzteren hatten urspruenglich die Venetianer eine Monopolstellung,
die ihnen aber sehr zum Leidwesen und Aerger von den Ulmern abgenommen
wurde. Die Bilder, Figuren und einzelnen Worte der Spielkarten wurden in
Holz geschnitzt und spaeter bemalt (illuminiert). Die Karten wurden, wie
Fabvrii erzaehlt, *in Legeln (kleine Faesser) nach Italien, Sizilien und
in die entferntesten Inseln des Meeres und an jeden Strand gesandt*. Sie
waren ein beliebtes und begehrtes Tauschgut fuer Spezereien aller Art.
Aber auch in Ulm selbst waren die Spielkarten nicht unbeliebt; ja die
Spielleidenschaft und Spielwut muss sogar solche Formen in den Trinkstuben
der Zuenfte und der Oberen angenommen haben, dass der Rat der Stadt sich
im Jahre 1479 gezwungen sah, ein allgemeines Spielverbot (besonders gegen
den Glueckstopf (Lotto) zu erlassen.
Den Hauptanteil an dem Aufbluehen hatten aber zweifellos die Kaufleute
und die Handeslherren mit ihren weiten Beziehungen in alle Laender. Mit
Venedit als dem damals wichtigsten Ein- und Ausfuhrhafen bestand ein dauernder
und reger Verkehr, und die Deutschen besassen dort ein eigenes Wohn- und
Geschaeftsviertel. Dort wurden die wichtigen ueberseeischen Artikel eingehandelt,
Seide, Gewuerz, Pfeffer, Schmuck und Kostbarkeiten. Der Verkehr
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vollzog sich inFrachtenzuegen auf den Handelsstrassen, die
natuerlich in beiden Richtungen beladen fuhren. Fuer den ungestoerten Ablauf
sorgten Faktoreien, die an den Hauptpunkten eingerichtet waren. Sie ueberwachten
die Sicherheit auf den Strassen und die noetige Bespannung der Fahrzeuge,
erkundeten neue Wege und vor allem auch neue Einkaufs- und Erwerbsmoeglichkeiten.
Unter den Zuenften stiegen zweifellos die Marner zu der maechtigsten
und angesehensten auf. Ihr Reichtum war so gross, ihre Beziehungen und
ihr Einfluss so kraeftig, dass sie als einige unter den Zuenften den Zutritt
zu den Geschlechtern erhielt. In dem Dominnikanerpropst Felix Fabri, der
in Ulm lebte und 1502 gestorben sit, haben wir einen sehr gruenglichen
und scharfblickenden Geschichtsschreiber des Mittelalters, der uns in seinen
*Abhandlungen ueber Ulm* sehr viel von den damaligen Zustaenden berichtet
und sich auch nicht scheut, mit klarem Blick Misstaende und Missbraeuche
der Kirche und ihrer Einrichtungen blosszustellen und zu brandmarken. Hoeren
wir, was er schreibt: *Die dritte Zunft ist die der Marner, d.h. derjenigen,
die graue Tuecher aus Wolle machen oder mit ihnen handeln. Denn ehemals
war diese Zunft die maechtigste in Ulm, durch Reichtum und Angehoerige
hervorragend, weil fast aller Handel von ihnen abhing. Daher war diese
Zunft mit besonderen Privilegien begabt; in ihr sind heutzutage (1441-1502)
einige Grosshaendler, Kramer, auch einige Tuchmacher und Wollarbeiter in
jederlei Wolle. In dieser Zunft sind auch alte Geschlechter, z.B. die Renzen,
und einst die Leschabrand und die Lebzelter.*
Und ueber die Geschaeftsleute sagt er noch an derselben Stelle:
*Der fuenfte Stand der Buerger der Stadt Ulm gilt als zusammengesetzt
aus den Geschaeftsleuten und ist ein bedeutender und gewissermassen Hauptstand,
zu dem fast alle vorangehenden und folgenden eine gewisse Beziehung und
Anteil haben. Und
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umgekehrt nimmt er mit allen teil, mit den hoeren an Adel
und Reichtum, mit den niederen an Arbeit und Noeten und wenn einer vom
zweiten, dritten oder vierten Stand herunterzukommen anfaengt, so steigt
er alsbald in diesen fuenften Stand herab, um wieder zu Kraeften zu kommen.
Und wenn einer von den folgenden Staenden vorwaerts kommt, erhebt er sich
gleich in diesen Stand herauf, um noch mehr vorwaerts zu kommen. Und so
haben sie die groessten und die geringsten Kaufleute als Genossen und lassen
bisweilen die Geschlechter mit ihnen am Gewinn teilnehmen. Diese Geschaeftsleute
zieren die Stadt Ulm im Innern, nach aussen aber verschoenern sie sie.
Denn niemals waere sie zu solchem Reichtum gekommen und haette solchen
Ruf erlangt, wenn nicht die Laufleute dies bewirkt haetten. Darum wurden
einst wahre Geschaeftsleute, die Handel im Grossen trieben, wenn sie reich
geworden waren, wie ausgediente Krieger angesehen und in den Stand der
dritten, adeligen Buerger aufgneommen, wenn sie nur durch Reichtum und
Verstand etwas galten ...
Ebenso verbreitet niemand mehr als die Geschaeftsleute dne Ruf von
Koeln, Frankford, Nueremberg, Augsburg und Ulm. Es hat naemlich Franken
Nueremberg gleichsam als Warenhaus, Bayern Augsburg, Schwaben aber hat
unser Ulm, das mit bekannten und fremden Waren gefuellt und voll von den
taetigsten Geschaeftsleuten ist, durch deren Scharfsinn fast ganz Schwaben
die gewuenschten Waren geniesst. Ulm ist wie gesagt durch den Schweiss
seiner Kaufleute zu solcher Hoehe erhoben worden und koennte heute nicht
bestehen ohne die Sorge seiner Geschaeftsleute. Denn diese Buerger von
den 4 vorgenannten Staenden und die von den zwei folgenden koennten nicht
leicht die Laender besuchen zum Einkauf der Waren, deren jeder nach seiner
Stellung bedarf, und sie haben auch nicht die Regsamkeit und Erfahrung
dazu. Denn den geistlichen und kirchlichen Personen ist es nicht erlaubt,
Handel zu treiben, den Adeligen und Kriegsleuten kommt
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es nicht zu, den Geschlechtern und Buergern des dritten
Standes ist es nicht erspriesslich, den Handwerkern und andern fehlt es
an Zeit dazu; deshalb sind fuer das Gemeinwesen die Kaufleute notwendig,
deren es in der Ulmer Gemeinde eine bemerkenwerte Anzahl gibt, und unter
ihnen sind viele nicht minder ehrbare und beruehmte Familllien als die
vorhergenannten im vierten Stand ...*
Unser Bild ueber das Leben in Ulm waere aber nicht vollstaendig, wollten
wir ueber dem regsamen Geist seiner Buerger die uebersehen, die fuer das
Gedeihen und das Wohl der Gemeinschaft verantworlich waren, und es versteht
sich eigentlich von selbst, dass in einer Stadt, in der solches Leben pulsiert,
die Stadtvaeter nicht auf der Baerenhaut gelegen haben. Und in derTat sehen
wir auch hier auf allen Gebieten eine emsige und weitsichtige Taetigkeit.
Im Bauwesen entstehen eine Reihe staedtischer Bauten, die der Stadt ihr
Gepraege geben, so 1337 das Fundelhaus, wohl das aelteste Fuersorgeheim
dieser Art in Deutschland, 1338 das Kornhaus, 10 Jahre spaeter das Schlachthaus,
und als Kroenung wird in der zweiten Jahrhunderthaelfte das Rat- und Kaufhaus
erstellt und 1377 vollendet. Daneben beginnt aber der imposanteste Kirchenbau
zu erstehen, mit dem Ulm seine Groesse auch nach aussen hin zur Schau bringt:
das Muenster, zu dem im Jahr 1377 der Grundstein gelegt wird. Es ist ein
gewaltiger Bau mit seinen 140 m Laenge und den 3 Schiffen von je 15 m Breite,
der Raum bieten soll fuer 2300 Koepfe. Nur aus Mitteln der Stadt und der
Buergerschaft, die gleich bon Beginn an einen grossen Opfersinn an den
Tag legen, fast ohne Hilfe der Kirche (Ablassbriefe) entsteht das Werk,
in dem, mit einem Notdach ueberdeckt, bereits 1405 der erste Gottesdienst
abgehalten werden kann. Das Beduerfnis fuer eine eigene Kirche lag aber
auch darin begruendet, dass die Pfarrkirche ausserhalb des Mauerguertels
lag, was besonders in kriegerischen Zeiten sehr laesitg war. Um den Bauplatz
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zu gewinnen, musste aber erst ein ganzes Wohnviertel niedergelegt
werden. Reich waren die Spenden, die von den gebefreudigen Ulmern staendig
flossen. Ausser Geldspenden wurde auch viel fuer die Ausschmueckung der
Kirche getan; im Jahr 1485 zaehlte man 51 Altaere in der Kirche neben vielem
kostbarem Bilderschmuck.
Die Erfahrungen in der Vergangenheit fuehrten auch dazu, die Befestigung
der Stadt den Erfordernissen der neuen Kriegstechnik entsprechend zu verbessern
und zu erweitern. In den Jahren 1318-1378 wurden die Vorstaedte in den
Ring einbezogen, der aus einer Vor- und einer Hauptmauer bestand. Vier
Haupttore und 20 weitere kleinere Tore stellten die notwendige Verbindung
mit der Aussenwelt dar.
Es ist ein recht angenehmes Bild, das wir vor uns sehen, aber es war
nicht immer so friedlich, wie es auf den ersten Eindruck erscheint. Politisch
stand Ulm auf der Seite des Kaisers; es war ihm nachwievor treu ergeben
und elistete ihm Waffenhilfe gegen die Reichsfeinde. Trotzdem muss gesagt
werden, dass die Ulmer die vielen Koenigsbesuche allmaehlich immer mehr
als Last empfanden. Der kostenlose Aufenthalt des Kaisers samt seinem Gefolge
waere vielleicht fuer die reichen Ulmer noch zu ertragen gewesen. Als aber
die Kaiser ein immer begehrlicheres Auge auf die freien Staedte zu werfen
begannen, als Karl IV. sogar daran ging, die Einkuenfte der Stadt zu verpfaenden
und einen Vogt einzusetzen und der Kaiser sein wiederholtes Geloebnis den
freien Staedten gegenueber brach, kam es zur offenen Fede. Karl zog mit
einem Heerhaufen vor die Stadt und belagerte sie, musste aber nach kurzer
Zeit wieder erfolglos abziehen (1376), Nicht minder schwer war vorher die
Thronstreit zwischen Friedrich von Oesterreich und Ludwig dem Bayern und
mit dem Papst (Johann XXII.), der sogar die Buergerschaft in zwei Parteien,
eine kaiserliche und eine bayerische spaltete. Der Versuch des Bayern,
sich die Stadt untertaennig zu machen, schlug allerdings fehl.
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Aber auch die Fuersten waren nicht muessig in dieser Zeit.
Insbesondere waren es die Grafen von Wuerttemberg, die ja immer ein scheeles
Auge auf die ihnen so verhassten Staedter geworfen hatten. Unter Eberhard
dem Greiner fuehrten die Fehden zu offenen und erbitterten Schlachten,
die mit wechselndem Erfolg endeten: Altheim 1372 und Doeffingen 1388 mit
einer Niederlage der verbuedeten Staedter, waehrend bei Reutlingen 1377
die Faehnlein Eberhards mit blutigen Koooepfen abziehen mussten. Bei Altheim
und Doeffingen fanden auch die beiden Ulmer Buergermeister, Heinrich und
Karl Besserer, die ihre Scharen selbst ins Feld fuehrten, den Heldentod.
Der Zwist fand in dem vorlaeufigen Landfrieden von 1389 sein Ende.
Schliesslich ist auch noch zu erwaehnen, dass die Stadt Ulm in der
Mehrung ihres Besitzes neue Wege ging. Bisher hatten sie es ihren reichen
Buergern und Patriziern ueberlassen, wenn sie sich ausserhalb der Stadt
Gueter und Grundstuecke ankauften. Jetzt ging sie aber selbst daran, ihren
Grundbesitz zu vermehren. Anlass dazu bot die allmaehliche Verschuldung
der Grafen und des landstaendischen Adels, die dadurch und auch durch geleistete
Waffenhilfe in immer groessere Abhaengigkeit der Stadt gegenueber gerieten.
So gelangte Ulm Ende des 14. Jahrhunderts in den Besitz von Langenau, der
Feste Albeck und einiger Doerfer im Nordosten der Stadt. Einen noch fetteren
Bissen erhaelt die Stadt durch den Erwerb des groessten und besten Teils
der Grafschaft Helfenstein, deren Schuld von 37 000 Gulden, anstatt getilgt
zu werden, auf 123 000 angewachsen war. Geislingen und das obere Filstal
bis Suessen kam so in den Besitz der Stadt, die nunmehr als groesste und
vokreichste Stadtrepublik anzusehen ist und in ihrer Ausdehnung nur noch
von Nuernberg uebertroffen wird.
Dass eine so aufbluehende Stadt nicht frei war von sonstigen laestigen
Schwaermen, ist nur zu gut zu verstehen; wir wissen ja, dass damals das
Raubrittertum bluehte und mit zunehmender
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Schwaeche des Reichs sein Unwesen immer weiter ausdehnen
konnte. Die oft mit reichen Schaetzen beladenen Lastwagen der Ulmer Handelsleute
hatten infolge des immer unsicherer werdenden Strassenverkehrs recht zu
leiden. Schutzgeleite allein genuegten nicht; ein Buendnis mit Augsburg
Anfang des 14. Jahrhunderts zur Sicherung der Handelsstrassen war der Vorlaeufer
des grossen Bundes von 21 sueddeutschen Staedten, dem spaeter auch Grafen
beitraten. Er wurde dann abgeloest durch den reinen staedtebund, der zwar
durch die Goldene Bulle des Kaisers verboten wurde, aber trotzdem Erfolge
hatte und 1381 zur Vereinigung mit den rheinischen Staedten fuehrte. Zwistigkeiten
unter den Staedten, die sich meist um die Kostenverteilung drehten, liessen
die Macht der Staedter sinken,was wiederum zu einer Staerkung des Raubrittertums
fuehrte. Es kam dann schliesslich im Jahre 1487 der Grosse Schwaebische
Bund zustande mit dem Regierungssitz in Ulm, dem auch Fuersten, Grafen
und Bischoefe angehoerten und der im Jahre 1500 durch Maximilian zum Schwaebischen
Kreis ausgebaut wurde.
Wir haben uns etwas lange in dieser spaetmittelalterlichen Zeit des
14. Jahrhunderts aufgehalten; aber es war notwendig, denn sie zeigt uns
Ulm in seinem glanzvollen Aufstieg zur Macht und Ansehen, ein Aufstieg,
der es zu einer nie wieder erreichten Hoehe brachte. Es war moeglich durch
Fleiss und Tuechtigkeit, durch Glueck und Erfolg, durch Opfersinn und Gemeinschaftsgeist
aller Bewohner. Der weitere Anstieg geschieht nun in etwas massvollerem
Tempo; er naehert sich seinem Hoehpunkt, und Ulm geniesst die Fruechte
seines Fleisses. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts macht sich dann ein Stillstand
bemerkbar, dem allmaehlich ein Erloschen des Glanzes, ein Absteigen von
der wirtschaftlichen und politischen Vormachtstellung folgt. Die Grunde
hierfuer sind in mancherlei Ursachen zu suchen.
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Schon in der ersten Haelfte des 15. Jahrhunderts erlitten die
Ulmer Handelsleute eine starke Einbusse durch einen Krieg, den Kaiser Sigismund
mit der Stadt Venedig fuehrte und der eine Sperrung des so wichtigen Handelshafens
brachte. Auch machte sich die Konkurrenz der Schwesterstadt AUgsburg immer
mehr unangenehm bemerkbar. Die so geschaeftstuechtigen Fugger und die ihnen
auf dem Fuss folgenden Welser traten auf den Plan und eroberten sich eine
Stellung nach der anderen. Und seitdem sich diese der Barchentweberei angenommen
hatten und sie auch grosszuegig in Oberschwaben einfuehrten, versiegte
fuer die Ulmer auch diese reiche Goldquelle. Fast erweckt es den Anschein,
als ob die Ulmer, die ja nun im Kleinen wie im Grossen Rat Zuenftige, also
Handwerker sitzen hatten, doch nicht mehr den Weitblick, den Unternehmungsgeist,
den Elan, der sie frueher beseelte, besassen wie ehedem, als sie nur von
Patriziern gelenkt wurden. Wir sehen dies besonders bei der Verlagerung
des Welthandels in der Folge der Entdeckung der neuen Seewege nach den
fernen Laendern. Man ueberliess die Erschliessung und Ausbeutung dieser
unermesslichen Reichtuemer den Spaniern und Portugiesen. Kein Ulmer Handeslmann
hat sich dabei massgeblich beteiligt, und auch den Augsburger Welser liess
die Heimat im Stich, als er sich in St. Domingo auf Haiti und spaeter in
Venezuele (Klein-Venedig) festgesetzt hatte. Unternehmungslustige junge
Ulmer Buergersoehne hatten sich ihm als Koloniasatoren zur Verfuegung gestellt,
da sie in der Heimatstadt selbst kein Verstaendnis fanden. Dann aber, als
die Bedeutung Venedigs zu sinken begann und die norddeutsche Hansa immer
maechtiger aufbluehte, hatten die Ulmer wohl den Anschluss versaeumt.
Politisch gesehen verlebte Ulm in der zweiten Haelfte des 15. Jahrhunderts
und zu Beginn des 16. Jahrhunderts der Ruhe ohne kriegerischen Wirren.
Aber mit dem Anwachsen der Macht der Fuersten infolge der Schwaeche des
Kaisers schwindet
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der Einfluss der Staedte, auch der Ulms. Auch die Glaubensbewegung
wirft ihre Schatten voraus, und der von Luther angefachte Sturmwind faellt
in Ulm auf vorbereiteten Boden. Schon sehr frueh schliesst sich die Stadt
der Reformation an, und die im Jahr 1530 durchgefuehrte Abstimmung ergab
eine ueberwaeltigende Mehrheit fuer den neuen Glauben; nur ein Drittel
der Patrizier und ein Sechstel der uebrigen Buergerschaft waren fuer Rueckkehr
zum alten Glauben. Ulm stand aber auf der Seite Zwinglis, und dies fuehrte
dann im Jahre 1531 zu dem bekannten Bildersturm, dem unschaetzbare Werte
an Bildern, Altaeren, Kirchen und Kapellen zum Opfer fielen. Auch der Bauernkrieg
1525/26 wuehlte die Landbevoelkerung auf, wenn auch die Stadt selbst verschont
blieb.
In dem Kampf des Kaisers, der mit aller Gewalt den alten Glauben wieder
einfuehren wollte, finden wir Ulm auf der Seite des Schmalkaldischen Bundes.
Der Krieg gleichen Namens, unfaehig gefuehrt und zum Teil durch Verrat
verloren, brachte fuer Ulm grosse Verheerungen, eingeschleppte Seuchen
und eine riesige Kriegskontribution. Auch der nachfolgende Fuerstenkrieg,
bei dem Ulm wieder auf Seiten des Kaisers stand, endete verlustreich und
mit grossem Schaden. Das SChlimmste aber war wohl der Verfassungsbruch,
den Kaiser Karl durchfuehrte. Der alte Rat wurde abgesetzt und mit neuen,
katholisch gesinnten Kraeften besetzt. Der kleine Mann wurde ausgeschaltet
und nur die Patrizier waren wahlberechtigt, die zwei Drittel aller Stellen
aus ihrer Mitte waehlen konnten. In dem neuen Schwoerbrief von 1556 wurde
der Rat auf 41 Mitglieder festgesetzt, von denen 23 den Geschlechtern angehoerten.
Im Jahre 1552 verleiht der Kaiser an 17 Patrizierfamilie den Reichsadel,
welche in einer *untertaenigsten Supplication* die wiedergewonnene Gunst
des Kaisers benutzten, die ihnen frueher schon zugestandenen Adelsrechte
erneut bestaetigen zu lassen; es hatte sich also nicht die Haelfte der
alten Patrizier zu diesem Schritt entschlossen.
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Im uebrigen bneuetzte Ulm die friedliche Zeit zur weiteren
Befestigung der Stadt, deren Bollwerke bereits 1527 nach Vorschlaegen Albrecht
Duerers verstaerkt worden waren, aber jetzt den Fortschritten der Feuerwaffen
nicht mehr standhielten. Der Festungsguertel erhielt fuenfeckige Bastionen,
und die Donauinsel wurde zu einem Brueckenkooopf ausgebaut. Und nachdem
in den Jahren 1615-1622 um den bisherigen Guertel ein weiterer Kranz von
Bastionen gelegt worden war, galt Ulm als staerkste Festung und wurde waehrend
des Dreissigjaehrigen Kriges als wohlgeschuetzter Waffenplatz benuetzt.
Tatsaechlich wurde die Stadt auch nie mit Gewalt bezwungen, doch hatte
sie waehrend dieses dreissigjaehrigen Ringens namenlose Leiden zu ueberstehen.
Die durchziehenden Truppen von Freund und Feind verheerten und plluenderten
Stadt und Land und waren auch die Ursache des grossen Pestjahres 1634.
Nur einmal gelang es, die Festung einzunehmen, allerdings mehr durch List
als durch kriegerische Kunst, als die Bayern zu Beginn des spanischen Erbfolgekrieges
1702 die Stadt ueberrumpelten und ihr in der zweijaehrigen Besetzung mehr
Schaden zufuegten, als sie im Dreissigjaehrigen Krieg erlitten hatte.
Aber trotz der Verschuldung der Stadtkasse und der groesstenteils leeren
Geldsaecke der Buerger erholte sich Ulm bald,und nicht nur das gewerbliche,
auch das geistige und kuensterliche Leben blueht wieder auf. Zwar herrschen
immer noch die oligarchischen Verhaeltnisse, die durch die allmaehlich
ueblich gewordene lebenslaengliche Ratsherrnmitgliedschaft noch verstaerkt
worden waren und schliesslich zu einer Art Vetterleswirtschaft gefuehrt
hatten. Die Buergerschaft, dadurch veraergert und unzufrieden, erhob wohl
Klage wegen Misswirtschaft, hatte aber doch nicht mehr die Kraft, sich
offen gegen die herrschende Klasse aufzulehnen. Doch die Zeit schreitet
weiter und geht der Reife zur Aufhebung der Freiheit der Reichsstaedte
entgegen, die sie in der Folge der napoleonischen Kriege den Landesfuersten
in die Arme treibt.
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