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Gegen Ende des 15. Jahrhunderts tritt in Wiesensteig ein Ludwig Renz
auf, der in Ulm 1450 geboren ist und zuerst auch in Ulm gewohnt hat. Er
behielt dieses sein Ulmer Buergerrecht
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auch bei, nachdem er sich in Wiesensteig niedergelassen
hatte. Bei der Unterschung der Frage nach der Zugehoerigkeit Ludwigs zu
dem Ulmer Stamm muss zunaechst daran festgehalten werden, dass nach dem
heutigen Stande der Forschungen die genealogische Abstammung Ludwigs von
der Ulmer Familie urkundenmaessig nicht genau festgelegt werden kann. Georgii
fuehrt allerdings in seinen biographisch-genealogischen Blaettern (S..710-715)
ueber die Renzen aus: *Ulrich Rentz, geb. 1480 oder 1490, gest. 1547, kaiserlicher
Kriegshauptmann, zog mit seinem Vater von Ulm nach Wiesensteig und wurde
Richter dasselbst.* Dabei hat freilich Georgii nicht angegeben, aus welchen
Urkunden er diese Feststellungen gemacht hat. Aber bei der ernsthaften
und gewissenhaften Forschertaetigkeit Georgiis ist an der Richtigkeit seiner
Angaben nicht zu zweifeln; es liegt auch kein Grund vor, anzunehmen, dass
sie falsch sind. In den von dem Pfarrer C.Fr. Renz in Bempflingen bearbeitenden
Stammtafeln der Familie Renz ist Ludwig Renz sowohl in Ulm als auch in
Wiesensteig sesshaft aufgefuehrt. Es ist anzunehmen, dass Ludwig noch Besitztum
in Ulm hatte, das er nicht so rasch veraeussern konnte oder wollte und
das er als Buerger von Ulm besser verwalten konnte.
Anstelle des urkundlichen Nachweises der unmittelbaren Abstammung Ludwigs
von der Ulmer Familie koennen also heute nur Mutmassungen und Ueberlegungen
treten, wie eine solche Filiation moeglich waere, und in diesem Sinne sind
auch die vorhergehenden und nachfolgenden Ausfuehrungen aufzufassen. Sie
sind veranlasst einmal als Ergaenzung der bereits in der Renzschen Genealogie
verfolgten Gedankengaenge, die ja auch auf die wahrscheinlichkeit einer
solchen Abstammung hinweisen, und dann, weil zwischen den alten Ulmer Familien
und dem Ulm-Wiesensteiger Ludwig Renz zweifellos eine Relation bestehen
muss. Ich will hiebei keineswegs die Gruende ausser acht lassen, die gegen
eine solche Argumentation sprechen. Den einen Grund habe ich bereits angedeutet,
naemlich, dass die beiden durchaus verschiedenen Wappen -das alte Ulmer
Patrizier- und das juengere kaiserliche Wappen- durchaus verschieden sind.
Man musste ja annehmen, dass, wenn die Brueder Ludwig und Ulrich unmittelbare
Abkoemmlinge der Ulmer Patrizier waren, auch das alte Wappen oder wesentliche
Teile davon in dem neuen kaiserlichen sich wiedergefunden haetten. Auch
moege darauf hingewiesen werden, dass, bevor Ludwig in Wiesensteig sich
niederliess, andere Renzenfamilien schon eine oder mehrere Generationen
dort sesshaft waren und ihre Soehne zum Teil in das dortige Chorherrnstift
schickten. Es muessen schon recht wohlhaende und angesehene Familien gewesen
sein, und in dem Fall des Dr. Martin Renz, der in der Zeit von 1475 bis
1500 5x Rektor der Universitaet Heidelberg war, handelt es sich ohne Zweifel
um einen ganz hochbegabten Menschen. Es ist zwar nicht erwiesen, aber hoechst
wahrscheinlich, dass auch diese Familien vor ihrer Ansiedlung in Wiesensteig
von Ulm hergezogen sind.
Noch weniger ist urkundlich nachweisbar, welcher der Ulmer Familien
Ludwig zuzuzaehlen ist. Seinem Stand und seiner Bildung nach muesste er
bei den begueterten Familien Ulms einzureihen sein. Aber welcher? -Auch
der Vorname Ludwig gibt uns da zunaechst keine naehreren Anhaltspunkte
fuer weitergehende Vermutungen, da er bislang in den Ulmer Renzenfamilien
nicht Brauch gewesen ist. Nur zweimal ist uns bisher der Name begegnet:
1484, wo Ludwig Renz bei dem Meister Georg Franklin als Goldschmiedlehrling
eintritt, und 1507, da Ludwig Renz (der Sohn unseres Ludwig) von der Universitaet
Tuebingen zum Magister ernannt wird. Er tritt also nachweisbar erst mit
dem in Wiesensteig angesiedelten Ludwig Renz auf und kann nur als Folge
von Eheschliessungen und der dadurch ewingetretenen Beziehungen zu anderen
Ulmer Familien und Geschlechtern in die Familie Renz hereingekommen und
dann dort weitergefuhert worden sein.
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Es waere dies also kein Grund, ihn von dem Geschlecht der
Renzen auszuschliessen. Wir haben dieselbe Beobachtung ja auch bei Sebastian
gemacht, der erstmalig um die Mitte des 15. Jahrhunderts auftritt und von
da ab ein beliebter und viel gebrauchter Vorname war. Und auch in unserer
Zeit ist es gar nicht Ungewoehnliches, dass alte ueberlieferte Namen ploetzlich
verschwinden, um anderen, *modernen* Platz zu machen.
Nun ist uns bekannt, dass die Familien Renz und Rottengatter zwiefach
miteinander verbunden waren: Konrad Renz, gest. vor 1495, hatte Osanna
Rottengatter zur Frau und um 1485 mit Ludwig Rottengatter eine Handeslgesellschaft,
der selbst wieder Magdalena Renz, eine Tochter des Hans Renz und der Ursula
Kraft (Hauffs Ahnentafeln), zur Frau hatte. Diese Magdalene, 1511 als Witwe
bekannt, machte in diesem Jahr eine Stiftung und ist Urahne des schwaebischen
Dichters Wilhelm Hauff. In dem Geschlecht der Rottengatter war der Vorname
Ludwig schon oefter und frueher erschienen. Es liegt also durchaus im Bereich
des Wahrscheinlichen, wenn wir annehmen, dass der Wiesensteiger Ludwig
Renz auch ein Angehoriger der mit den Rottengatters verbundenen Familie
ist. Er wuerde danach auf Hans dem Juengeren, Hans den Aelteren, gest.
ca. 1443, Fritz den Tucher (ca. 1395) und Hans den Tucher zurueckgehen.
Fuer die Wahl von Wiesensteig als neuem Siedlungsort moegen verschiedene
Gesichtspunkte massgebend gewesen sein, die in den engen Beziehungen, welche
zwischen Ulm und der Grafschaft Helfenstein bestanden, begruendet sind.
Wiesensteig gehoerte damals zum Besitz der Grafen von Helfenstein, einer
reichsfreien Ritterschaft, die ihre eigenen Soeldnerheere aufstellte und
unterhielt und u.a. auch im Auftrage Dritter gewaltsame und kriegerische
Auseinandersetzungen durchfuehrte. Neben ihrer Eigenschaft als Landvogt
(seit 1348) kamen sie dadurch auch in engere Bindungen mit Ulm, das sich
zum Schutze seiner Interessen
oefters der Helfensteiner Hilfe versicherte, wofuer sich natuerlich
die Grafen reichlich entschaedigen liessen. Aber sowhl diese als die sonstigen
Einnamen aus der Grafschaft reichten bei der ueppigen Lebenshaltung und
Verschwendungssucht der Grafen bei weitem nicht aus, so dass sie be ihrem
ewigen Hunger nach Geld oefters gezwungen waren, Darlehen von der Stadt
Ulm aufzunehmen. Die Versuche, ihre Schuldenlast abzutragen, blieben in
Keime stecken und schlugen in das Gegenteil um. Nachdem diese allmaehlich
auf 37 000 Gulden angewachsen waren, verpfaendeten die Grafen im Jahre
1382 einen Teil ihrer Grafschaft an die Stadt Ulm, um sie schliesslich
im Jahre 1395, als die Schuld auf 123 000 Gulden angestiegen war, ganz
zu verkaufen. Wiesensteig blieb zwar im graeflichen Besitz, doch blieben
noch manche Bindungen zwischen Ulm und Wiesensteig (Uebernahme von Lehensguetern
usw.). Auch stehen Angehoerige der Helfensteiner Familie inulmischen Diensten;
es hatte sich z.B. Graf Ludwig von Helfenstein im Jahre 1483 fuer 420 Gulden
mit 7 Pferden auf 6 Jahre und im Jahre 1488 auf Lebenszeit der Stadt Ulm
verschrieben.
Auch die Renzen waren den Helfensteiner Grafen nicht ganz unbekannt,
wie aus den verschiedenen uns bekannten Lehensbriefen hervorgeht. Schonim
Jahre 1430 erhaelt Hans Renz am St. Ulrichstag den Hof von Jungingen zugesprochen
mt Zehenden, Soelden usw., den der Bauer Bubbert innehatte. Der Lehensherr,
Graf Friedrich von Helfenstein, siegelt den Brief. Sebastian Renz, Buerger
zu Ulm, Hansen Rentzen sel. Sohn, erhaelt 1521 *den Hof und Zehenden zu
Jungingen als Lehen und die Soeld daselbst, so vormal ein Zehendstadel
gewest und dataus solche Soeld mit Bewilligung des Lehensherrn gemacht
worden, in Ansehung der getreuen Dienst durch seine Eltvordern*; Bauer
ist Hans Jung. 1533 am Mittwoche nach St. Nicolau verleiht Graf Ulrich
von Helfenstein an Hansen Renzen von Ulm fuer sich
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selbst und als Traeger von wegen Friedrich, Sebastian und Ambrosii
der Renzen von Ulm, seine Gebrueder, den Hof und Zehenden zu Jungingen
und die Soeld daselbst, so vormals ein Zehendstadel gewest; Bauer ist Adam
Berg. Im Zusammenhang mit dem gesamten Gueterverkauf durch diese Brueder
erfolgt am 15. Februar 1544 die Lehensaufkuendigung an den Grafen Ulrich,
der dem Verkauf der Lehensttuecke an Joerg Fugger und seine Brueder zu
Augsburg zustimmt.
Zur Wahrung ihrer Interessen hatte auchdie Stadt Ulm ihre Vertreter
in Wiesensteig sitzen, und man ist versucht anzunehmen, dass Ludwig auch
aus diesem Grund zur Wahl von Wiesensteig als Siedlungsort gekommen ist.
Wenn er in den uns ueberkommenden Lehensbriefen nicht erwaehnt ist, so
haengt das damit zusammen, dass diese Lehensbriefe auf Angehoerige des
Ulm-Augsburger Stammes geschrieben waren und Ludwig mit diesen nur weitlaeufig
verwandt war. Auch war Ludwig zur Zeit des Abschluesses der Briefe von
1521 und 1533 bereits gestorben.
Noch eine andere Moeglichkeit der Herkunft Ludwigs, des *ersten Wiesensteigers*,
draengt sich bei der Durchsicht der Unterlagen auf: Ludwig koennte Conrat
den Aelteren zum Vater haben, der uns in den Jahren 1408 und 1410 begegnet
und dessen Frau Agathe als Wohltaeterin der Kartause Gueterstein bei Urach
bekannt ist. Conrat wird auch 1416 mit seinem Bruder Hans dem Juengeren
genannt, der, wie wir schon gehoert haben, 1424 und 1426 Hospitalpfleger
und 1427 Steuerherr ist und dessen Frau Elisabeth geb. Oethin viele fromme
Stiftungen, u.a.die eines Altars in Unserer Lieben. Frauenkirche gemacht
hat. Beider Vater ist Conel. (1406), der mit Martin (um 1390) und Hans
dem Aelteren oefters als Vetter erscheint; sie gehoeren alle zum Stamme
Fritz bzw. Hans Rentz dem Tucher, und alle fuehren das alte ulmische Rentenwappen.
Die vielen Beziehungen zwischen Ulm und Wiesensteig, d.h. der Grafen von
Helfenstein, in deren Diensten Ludwig Vogt und Kastenkeller war, und die
Kriegsdienste der beiden Soehne Ludwig und Ulrich -Namen, die auch in dem
Helfensteiner Grafengeschlecht vorkommen-, fuer die sie als einzige der
grossen Familie den Adelsbrief bekamen, koennten diese Annahme bestaerken.
Nur einer der drei Soehne Ludwigs blieb in Wiesensteig sesshaft, wahrend
dessen Sohn von Wiesensteig wieder weggezogen ist.
Ludwig war nach den vorhandenen Urkunden Graeflich Helfensteinscher
Vogt und Kastenkeller und zugleich Richter in Wiesensteig. Ueber seine
sonstigen Vermoegens- usw. Verhaeltnisse wissen wir wenig. Wir erfahren
aus den Saalbuechern der Stadt Wiesensteig und des Hosptals zum Hl. Geist
z.B.: 1549 gibt Hans Rentz 1 Pfund 9 Sch. jaehrlich Zins aus seiner Scheuer;
an anderer Stelle git *Hanns Rentz 1 Pfund aus seinem Krautgarten und eine
Mahd vom Krautgarten zwischen Hannsen Rentzen an beyden Orthen* (beidereits).
Aus dem Wiesensteiger Chorherrnstift, einem frueheren Benediktinerkloster,
treten oefters Renzen heraus. In den Universitaetsmatrikeln begegnen wir
1454 Martin Renz in Heidelberg, 1486 Johannes Renz in Heidelberg, 1485
Ludwig Renz in Tuebingen, 1512 Konrad Renz in Tuebingen, 1516 Johannes
Renz in Tuebingen immatrikuliert. Der junge angehende Baccalaureus erhielt
in dem Weisensteiger Chorherrnstift seine Vorbereitung, bevor er sich zum
Studium auf die Universitaet begab. Die in Heidelberg immatrikulierten
studierenden Renz waren Wiesensteiger.
Ludwig hatte 3 Soehne, von denen zwei in Kriegsdienste traten und in
den Faehnlein Georgs von Frundsberg fuer die Rechte Kaiser Maximilians
stritten. Die beiden Kriegshauptleute muessen sich dabei ehrenvoll geschlagen
haben, denn sie wurden durch kaiserliches Dekret vom 13.7.1513 mit Wappen-
und Adelsbrief fuer sich und ihre Nachkommen ausgezeichnet. Der aeltere
der beiden, Ludwig, war 1507 von der Universitaet Tuebingen zum
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Magister ernannt worden und ist schon 1514 gestorben; er
hatte 3 Soehne und 2 Toechter, von denen der eine, Konrad, als Doktor und
Kanzler in Dillingen im Jahr 1547 einen wertvollen silbernen, innen vergoldeten
Pokal stiftete, der den Wappenbrief aufnahm und, durch den jeweiligen Familiensenior
aufbewahrt, bei Familienfesten benutzt werden sollte. Von diesem Zweig
sind keine weiteren Nachrichten vorhanden.
Ulrich, der zweite Sohn und Kriegshauptmann, war nach seiner militaerischen
Laufbahn Richter in Wiesensteig; er hatte in Tuebingen studiert und ist
dort 1507 zum Magister ernannt worden. Er hinterliess nur einen Sohn Ulrich,
der aber der Ahnherr eines sich weitverzweigenden Geschlechtes werden sollte.
Er hatte seinen Wohnsitz nach Weinsberg verlegt, wo er Vogt, Amtskeller
und geistlicher Verwalter, spaeter auch Stiftspfleger in Oberstenfeld und
Hofmeister in Lichtenstern war. Von Ulrich spaltete sich die Familie in
fuenf Zweige auseinander, die zunaechst noch im Unterland ansaessig waren,
sich dann aber ueber fast ganz Wuerttemberg verbreiteten, wobei sich einzelne
Zweige in Baden, Elsass, Hessen, Thueringen, Ostpreussen und Posen niederliessen.
Heinrich, der aelteste Sohn Ulrichs, war Pfarrer, zulaetzt Praelat
in St. Georgen, also in sehr angesehener Stellung, und Gruender einer Linie,
dieueber 5 Generationen nachgewiesen ist und sich vornehmlich den geistlichen
Berufen gewidmet hat. Sie waren sowohl im Neckarkreis wie auch im Schwarzwaldkreis
und in Stuttgart zuhause. Ueber seine Tochter Eleonore, die den spaeteren
Abt Alex. Wohlfahrt in Alpirsbach heiratete, ist Heinrich Urahne des Dichters
Hoelderlin. Anfang des 18. Jahrhunderts gilt die Linie als ausgestorben.
Die Familien der beiden naechsten Soehne Ulrich und Vollmar sind nur
ueber zwei weitere Generationen nachweisbar und gelten als ausgestorben.
Dagegen finden wir in den Nachkommen des Peter Renz, der zuletzt Oberamtmann
in Bartenstein war, die zweitstaerkeste Linie der Familie Renz; sie ist
bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts im Neckargau zu finden. In den folgenden
Generationen tauchen sie dann in Baden, Strassburg und im Elsass, in Hessen
und Thueringen auf, wo ein Renz Buergermeister von Muehlhausen wird. Sie
gehoeren im allgemeinen dem geistlichen und dem Lehrerstand an, steigen
dann in en hoeheren Staatsdienst auf, gelangen zu hochangesehenen Stellungen
im Osten des Reiches (Ostpreussen und Posen) und werden mit dem Personaladel
ausgezeichnet.
Ein anderer Zweig Peters wechselt von dem bald zur Tradition gewordenen
geistlichen Beruf in den Kaufmannsstand ueber und gelangt durch Tuechtigkeit
und guenstige Heiraten in sehr wohlhabende Vermoegensverhaeltnisse; seine
Kinder lassen sich in Worms nieder, fuehren dort grosse Handelshaeuser
und sind als Buergermeister der Stadt Worms taetig. Die Linie ist bis in
die heutige Zeit nachweisbar.
In der weiteren Folge sind die den Hauptstamm bildenden Renzen immer
noch in Weinsberg und naehrerer Umgebung (Neuenstadt, Oberstenfeld) ansaessig
als Keller, Amtmaenner, Pfarrer und Buergermeister, bis sie mit Johann
Konrad Renz als Amtmann und Hofmeister nach Rechenthosfen, damals ein herzogliches
Krongut, uebersiedelten. Durch die Soehne Johann Konrads teilt sich der
Stamm wieder in 5 Linien, die fast alle bis in die heutige Zeit hereinragen.
Johann Konrad, zweiter Sohn Johann Konrads, ist der Stammher der Urach-Pfullinger
Linie, die dort nahezu 300 Jahre lang sesshaft ist und deren Mitglieder
im Gemeindedienst, als Geistliche, aber auch im hoehreren Staatsdienst
taetig gewesen sind. Sie sind bis Anfang des 19. Jahrhunderts nachweisbar,
es ist aber anzunehmen, dass auch heute noch Nachkommen dieser Linie vorhanden
sind.
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Die Marbacher Linie, von Wolfgang Friedrich ausgehend, ist
ebenfalls bis Anfang des 19. Jahrhunderts nachzuweisen, scheint aber ausgestorben
zu sein. Ihre Angehorigen waren durchweg in Marbach ansaessig, bekleideten
dort ueber 2 Generationen hinweg das Amt des Buergermeisters und waren
sonst als Kaufleute taetig. Ein Renzsches Haus am Marktplatz, das spaeter
in den Besitz des Kaufmanns Richter ueberging, ist heute noch vorhanden
und traegt das Renzsche Wappen. Ein Ururenkel Wolfgangs stieg als hoeherer
Justizbeamter zu dem Posten des Regierungspraesidenten in Ellwangen auf,
wo er mit dem wuerttembergischen Kronenorden ausgezeichnet und mit dem
Personaladel beliehen wurde.
Die Linie Georg Christophs spaltet sich mit seinen Soehnen in einem
wuerttembergischen und einen schlesischen Zweig. Die Glieder des ersteren
leben als Pfarrer und Gemeindebeamte bis Mitte des 19. Jahrhunderts im
Neckargau und verschwinden von da ab, um in Freiburg, Koeln und Nordamerika
wieder aufzutauchen. Der zweite, schlesische Zweig zeigt ein fast ausschliesslich
militaerisches Gepraege, gelant zu hohen militaerischen Ehren und Wuerden
und findet durch Heiraten Eingang in adelige Familien. Nachgewiesen sind
sie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wobei aber anzunehmen ist, dass
auch heute noch Mitglieder und Nachkommen dieser Linien vorhanden sind.
Die von dem juengsten Sohn Guenther Albrecht ausgehende Linie hat sich
vermoege der Tuechtigkeit und strebsamen Begabtheit der einzelnen Glieder
zu hohen Staatsaemtern und grossen Ehren und Wuerden aufgeschwungen. Die
Linie teilt sich zunaechst wieder in zwei Zweige, von denen der Stammvater
des badischen Zweiges die Tradition der Bekleidung hoher Staatsstellen
erst noch beibehielt und mit seinen Nachkommen durch Erbschaften und Heiraten
in sehr guenstige Vermoegensverhaeltnisse gelangte. In den weiteren vier
Generationen widmeten sich dann die Nachkommen dem Militaerberuf, der ihnen
sehr hohe und ehrenvolle Stellungen, z.T. im Generalsrang, einbrachte.
Der zweite Zweig, ebenfalls fast nur dem militaerischen Berufe obliegend,
kam auf diese Weise ueber Kassel nach Breslau und Oberschlesien, wo er
durch Einheiraten in adelige Familien neben hohe Stellungen auch guenstige
Vermoegensverhaeltnisse und groesseren Grundbesitz erwerben konnte. Von
beiden Zweigen sind heute noch Nachkommen vorhanden.
Der Hauptstamm blieb in der folgenden Generation noch dem Berufe des
Vaters als Hofmeister treu; dessen Nachkommen wechseln nun aber in die
verschiedenen Berufe des Handwerks und Gewerbes ueber, ein Kennzeichen,
das diese sehr starke, sich weit ausbreitende Linie charakterisiert, so
dass man sie als die Linie des Handwerks und Bewerbes bezeichnen kann.
Sie ist erst noch in Gross-Sachsenheim und Murr sesshaft; dann aber finden
wir die Nachkommen auf dem Hohentwiel und von da in Ludwigstal bei Tuttlingen
und in Tuttlingen selbst, wo sie nun seit ueber 200 Jahren, ueberaus weit
verzweigt, in allen Berufen sich breit gemacht und sich damit ihren Anteil
an den Erfolgne des Tuttlinger Gewerbefleisses gesichert haben. Erst in
neurer Zeit haben sich einzelne Mitglieder neue Berufe gewaehlt, vor allem
den Kaufmannsstand, den Lehrerstand; auch im Verwaltungsdienst, im hoeheren
Staatsdienst, als Ingenieure und Techniker sehen wir die Renzen sich ausbreiten.
Die in Tuttlingen familiengebundenen Berufe sind hauptsaechlich die Wirte,
die Rot- und Weissgerber und die damit verbundenen Berufe der Lederindustrie,
die Faerber und die Messerschmiede, die sich in der weiteren Entwicklung
auf die Herstellung chirurgischer Instrumente und die Feinmechanik umstellten,
eine Industrie, die ja gerade in Tuttlingen zu hoher Bluete gelangte und
ihre Erzeugnisse in den Laendern der alten und neuen Welt absetzt. Es waren
meistens nur kleinere und mittlere Betriebe,
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die sich vom Vater auf den Sohn vererbten, so dass wir deutllich
die Zweige der Weissgerber und Leimsieder, der Rotgerber, der Wirte, der
Messerschmiede vor uns sehen. Diese kleineren Betriebe, insbesondere in
der Instrumentenherstellung, sind dann vielfach im ersten Viertel unseres
Jahrhunderts von anderen inzwischen zu Grossbetrieben herangewachsenen
aufgesogen worden, fuer welche sie die Erzeugnisse in den eigenen Heimwerkstaetten
herstellen. So ist z.B. die A.G. fuer Feinmechanik (vorm. Jetter und Scherer)
fuer die ganze Tuttlinger Instrumentenfabrikation fuehrend und richtungweisend
geworden. Auch in der in Tuttlingen ebenfalls zu grosser Bluete gekommenen
Schuhindustrie finden wir Vertreter der Renzen.
In neuerer Zeit macht sich ein Auswandern einzelner Mitglieder in andere
Gegenden innerhalb und ausserhalb Wuerttembergs bemerkbar, was bei der
starken Ausbreitung der Familie in Tuttlingen nur eine natuerlicheFolge
der Sorge um das gesicherte Weiterkommen ist.
Aufgeschlagen liegt die Geschichte unserer Familie vor uns, die uns
ueber einen Zeitraum von 500 Jahren berichtet und uns Aufschluss gibt ueber
Menschen, die uns nahe stehen, deren Blut wir in unseren Adern wiederfinden.
Oft moechte man etwas genauer und eingehender unterrichtet werden ueber
diese und jene Umstaende, ueber Ereignisse in- und ausserhalb der Familie,
die Anlass zu einschneidenden Veraenderungen gewesen sind. Aber das sind
Wuensche, die aus den schon mehrfach angegebenen Gruenden nichtmehr Wirklichkeit
werden koennen. Wenn dabei trotzdem ein gewisses stolzes Gefuehl in uns
wach wird, so ist das nur zu berechtigt; denn es ist eine stattliche Reihe
von Ahnen, die sich aneinander anschliessen, jeder wuerdig seiner Vorgaenger
und Vorbild seiner Nachfolger. Sie beginnt in der Reichsstadt Ulm, in der
sich das Geschlecht der Renzen manche achtbare Stellung errungen und am
Gedeihen der Stadt seinen Anteil gehabt hat; andere Teile sonderten sich
ab, verliessen den Heimatboden und fassten an neuen Siedlungsorten Wurzel,
entwickelten sich von da aus weiter und haben sich im Auf und Ab der Geschichte
emporgerungen, sind zum Teil auch versunken.
So zusammengefasst stellt unsere Sippe schon eine kleine Volksgmeinschaft
dar, die ihre Vertreter in allen Berufen sitzen hat. Am staerksten vertreten
ist dabei das Handwerk mit 77 Mitgliedern, es folgen die Kaufleute mit
27 Angehorigen, dazu 7 Fabrikbesitzer, der geistliche Beruf ist mit 33
Pfarrern und 4 Kirchen- und Rentenpflegern besetzt, 29 waren im hoeheren
Staatsdienst taetig, 22 waren Amtmaenner, Voegte, Stadt- und Amtsschreiber,
24 widmeten sich dem militaerischen Beruf, 10 der Rechtswissenschaft; 9
Buergermeister, 8 Ingenieure und Techniker, 12 Aerzte, 5 Lehrer und Philologen
und 2 Professoren runden das Berufsbild ab. 20 Familienangehoerige haben
die Heimat verlassen; von ihnen haben sich die meisten (12) in Nordamerika
eine neue Heimat gesucht. Auffallend ist dabei, dass die Familie Renz in
der Kunst keine Vertreter hat. Es hat den Anschein, als ob dem Renzschen
Blut die dafuer notwendigen Grundstoffe fehlen und die Zufuhr dafuer geeigneten
neuen Blutes bisher nicht gefunden wurde.
Mit Achtung und Ehrfurcht stehen wir so vor unseren Ahnen, und in tiefer
Wehmut senken wir unser Haupt im Andenken an die vielen, die zu allen Zeiten
hinauszogen, um mit der Waffe in der Hand Heim und Herd zu schuetzen und
ihr Leben fuer eine sichere und bessere Zukunft von Volk und Vaterland
zu opfern. Wenn wir aber den Sinn unserer Geschichte richtig erfassen,
so fuehlen wir in uns Aufgabe und Verpflichtung, das Erbe, das uns schon
mit der Geburt auf den Weg gegeben wurde, zu hueten und zu pflegen als
einen Hort, der Leben und Kraft spendet fuer uns, unsere Nachkommen und
fuer unsere heimatliche Scholle.
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