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    (transcribed by Ingeborg Brigitte Gastel Lloyd)
       
      Quelle: Konrad Vaut, der Vogt von Cannstatt, ein schwäbischer Ahnherr. Autor/Herausgeber: Lauxmann, Richard. Veröffentlicht: Stuttgart: Müller, 1930, Serien: Schriften des Vereins für Württembergische Familienkunde ; 3 .
       
    Konrad Vaut, der Vogt von Cannstatt,
    ein schwaebischer Ahnherr



    Seite 1

    Man haette gerade so gut, vielleicht noch besser sagen koennen: *Johannes Vaut, genannt zum Stock, der Schultheiss von Zuffenhausen*. Aber bekannter als der Vater ist der Sohn, der als Vogt (1) von Cannstatt 1516, zusammen mit den Voegten von Tuebingen und Weinsberg, den Bruedern Conrad und Sebastian Breuning, auf dem Marktplatz in Stuttgart hingerichtet wurde, weil sie die Absetzung Herzog Ulrichs betrieben haben sollen. Ob Vater oder Sohn, die Wiege des Geschlechts stand in Zuffenhausen. Die Jahrzehnte lange Beschaeftigung mit der Geschichte von Zuffenhausen (2) fuehrte mich schon fruehe zu Vaut, Sohn und Vater. Gelegentliche Zuschriften von Hauptmann Winter und CarlLotter und das Studium von *Faber, Familienstiftungen*, brachten mich auf die Bedeutung der Vaut fuer die wuerttembergische Familiengeschichte. Eine Anfrage in den Blaettern des Vereins fuer wuerttembergische Familienkunde war die naechste Veranlassung, dem *Allerweltsahnherrn, der natuerlich auch zu meinen Vorfahren zaehlt* (wie der Vorstand unseres Vereins mir schrieb), etwas nachzugehen. Dass der Vater Vaut auch Schillers Vorfahre muetterlicherseits ist, dass weiter Uhland, Moerike, Hoelderlin, Hauff, Schelling, Vischer, Gerok, von Schmoller und viele andere (siehe unten) von ihm abstammen, duerfte dem Interesse weiter Kreise begegnen. Vor kurzem schrieb Dr. Hans Mueller (Jena): *Auf das Ehepaar Vaut v. Plieningen koennen sich sehr viele Wuerttemberger zurueckfuehren. Es ist wahrscheinlich das am haeufigsten verkommende Stammelternpaar unter den aus Faber bekannten.* Moegen meine Ausfuehrungen nicht nur heimatliche Zeitbilder, sondern auch den vielen Nachkommen unseres Vaut, zu denen auch ich mich zaehle, wenigstens den genealogischen Unterbau bieten fuer ihre eigenen, weitergehenden, familiengeschichtlichen Studien und Forschungen!

    In Zuffenhausen -heute eine Stadt von 16 000 Einwohnern, eine der aeltesten Ansiedlungen des Landes, mit zahlreichen Spuren aus der Stein-, Kelten-, Roemer- und Alemannenzeit, mit einer Hippolytus-Kirche aus dem

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    (1) Von *advocatus*. Sozusagen Oberamtmann, Oberamtsrichter und Stadtvorstand in einer Person. Seit 1759 heisst der Vogt *Oberamtmann.
    (2) Verfasser war 1903 bis 1929 Stadtpfarrer in Zuffenhausen.
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    Seite 2

    8./9. Jahrhundert - amtete im 15. Jahrhundert als Schultheiss, Hans (3) Vaut. Er stammte hoechstwahrscheinlich aus Zuffenhausen selbst, wo die Familie seit Jahrhunderten ansaessig war. Der Name wird auf ueber 15erlei Weise geschrieben: Vaut (so bei Heyd und Kugler), Vautt (so in den Prozessakten des Vogts von Cannstatt und bei J.J. Moser), Fautt (so bei Faber), Faut, Fauth, Fot, Foet, Voutt, Fockt, Fogt, Vogt, Vott, Vot, Voit, Voytt, Fuht, Fout und anders mehr. In Zuffenhausen nennt das Esslinger Spitallagerbuch von 1334: Conrat Vogt: 1402: Cunrat Fogt, Cuntz Fogt, Hans selig des Vogts Sohn; 1413: Hans Fockt, Matz Foetin, Kunz Fogt; 1424: Hans Vogt; 1448 testiert: Johannes Voutt, judex secularis judicii in Zuffenhausen; 1454: Hans Vogt, Schultheiss; 1456: Jung Hans Vogt der Juengere, Heiligenpfleger; 1473: Kunrat Vott. Bei der *Erneuerung* 1473 wirkt mit Hans Vott, Schultheiss. 1474: Hans Faut, Schultheiss; 1476: Hans Vot, Conrad Vot, Widenmayer (der Stifts Stuttgarts) zu Zuffenhausen. 1488 (*Landschaden*): *Adam und Hans Vot fuehrt den Buechsenwagen des gnaedigen Herrn fuer Westheim heraus gen Kocherstetten.

    Auch in der Umgebung von Zuffenhausen war der Name und die Familie vertreten. In Kornwestheim 1364: Konrat Vogt; 1391: Auberlin Vogt. In Cannstatt gehoerte sie um die Wende des 15./16. Jahrhunderts zu den Honoratioren. In Stuttgart 1334 und 1350: Vogt, Faut, Fuht. 1491 verkauft Hans Faut, der Juengere, Ratsherr, dem Grafen Eberhard im Bart 21 Morgen Wald in der Muenchhalbe (Stuttgart) um 66 Pfund Heller. Im 16. Jahrhundert verschwindet der Name immer mehr aus Stuttgart. Im Dienerbuch kommt 1564 nur noch ein Hans Conrad Vaut, Oberrats-Skribent. Heute ist der Name vor allem im Unterland, in Baden und in der Pfalz verbreitet. In Zuffenhausen sind nach Jahrhunderten wieder zwei Familien des Namens. Das Adressbuch von Stuttgart nennt 15 *Fauth* und 1 *Fout* (Lic. Dr. A. Faut aus Altdorf). Beziehungen zu unserem Vaut lassen sich nicht nachweisen. Doch moechte ich die Nachforschungen damit keineswegs als abgeschlossen bezeichnen.

    Zuffenhausen war im 15. Jahrhundert ein recht bescheidenes Dorf, das zum Amt Cannstatt und damit zu Alt-Wuerttemberg gehoerte. Eine ganze Reihe von Kloestern hatte hier Besitz: St.-Clara-Kloster und St.-Katharinen-Spital in Esslingen, Kloster Bebenhausen, Kloster Lorch (*Freiberg*), Stift Stuttgart (dem die Kirche seit 1421 inkorporiert war), die Herrschaft Wuerttemberg u.a. Der Schultheiss und die Verwalter des Kirchen- und Klosterguts, die *Wid- und Klostermaier*, hatten gewiss alle Haende voll zu tun, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Die Lagerbuecher geben davon Zeugnis. Der gute Ackerboden und die an der Burgholzhoehe sonnig gelegenen Weinberge brachten reichen Eintrag. Auch der stark parzellierte Wald, in welchem noch heute die Bebenhauser Marksteine zu sehen sind, machte zu schaffen.

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    (3) So in den Urkunden. Faber nennt ihn *Johannes*. J.J. Moser sagt: *Jo. Vautt*.
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    Seite 3

    1452 musste vom Stift Sindelfingen als Vermittler ein Streit zwischen Kloster Bebenhausen und *Schultheiss, Gericht und ganzer Gemeinde Zuffenhausen*, des Vasel-Viehs wegen, geschlichtet werden. Im selben Jahr gab es Verhandlungen mit Graf Ulrich (V) wegen des zwischen Zuffenhausen und Feuerbach gelegenen grossen Sees (bei der *Seestrasse*), der beiden Gemeinden je haelftig in Erbpacht geliehen wurde fuer *25 Pf. H. jaehrlich auf Sankt Martins Tag.* Die vielerlei Zinsen, Gilten und Abgaben der Bauernschaft verursachten in den Zeiten Eberhards im Bart immer mehr Schreiberei und stellten an obere und untere Beamte wachsende Forderungen. In Vauts-Amtszeit fiel auch der Umbau bzw. Neubau der Kirche. Beweis u.a.: die Steinmetzzeichen am Westportal. Und dann das geistige Leben: Nach der Universitaets-Matrikel von Heidelberg studierte dort 1475 Conradus Winmann de Zussenhausen, Constanciensis (1477/78 studierte er in Tuebingen weiter). 1493 Johannes Zipffel de Zuffenhusen. In der ersten Matrikel der neugegruendeten Universitaet Tuebingen (1477) ist eingetragen: Michahel Vot (Vott) de Zufenhusen, 1480 mag. art. Er war der Sohn des Schultheissen und wurde spaeter Pfarrer in Zuffenhausen. Eine Notiz im Finanzarchiv besagt: *Zu Beginn des (16.) Jahrhunderts war in Zuffenhausen Pfarrer Michel Vauth und Hans Vauth. Haben zum Teil Geld ausgeliegen und haben spaeter den Schuldbrief gestiftet. Ferner haben zwei Brueder Weinmann, Conrad und Bernhard, von Zuffenhausen, reiche Pfarrer, aus der Schweiz Geld geben auf St.-Hippolytus-Altar zu einer Kaplanei. Ein Nachkomme der Vauth, Dr. Johann Vauth und Bernhard Weinmann, haben sich vereinigt, um eine Dotation und Fundation einer Kaplanei in Zuffenhausen aufzurichten. Sie haben den Pfarrer von Zuffenhausen nach Konstanz geschickt, um die Stiftung firmieren zu lassen. Die Konfirmation, die Bestaetigung, hat Dr. Johann Vauth zu seiner Hand genommen und mit ihm aus dem Lande gefuehrt (siehe unten) und Brief und Siegel der Zins hinter ihm dem Weinmann gelassen. Brief und Siegel wurde in die fuerstliche Kanzlei in Stuttgart ueberantwortet.* 1495 weiht Johann, Bischof von Ascoli, nach Supplikation *Johann (Vaut?) von Zuffenhausen, Kaplan am Altar der 12 Apostel in der Pfarrkirche zu Zuffenhausen, Konstanzer Dioezese, am 18. April zum Subdiakon, am 19. zum Diakon, am 20. zum Priester*.

    Ueber Johann Vauts Geburtsjahr und ueber sein Sterbejahr wissen wir nichts. Wir sind ja vor der Mitte bzw. dem Ende des 16. Jahrhunderts in den allermeisten Faellen auf die trockenen Angaben der Steuer-, Zins- und Lagerbuecher angewiesen, die ueber persoenliche und familiaere Verhaeltnisse nur selten Auskuntgeben oder einen Schluss zulassen. 1490 heisst es einmal *Hans Vaut, alter Schultheiss*. 1491 erscheint als Vauts Nachfolger Michael Siegel, als *alter Schultheiss*. Wo Schultheiss Vaut in Zuffenhausen gewohnt hat, wo auch sein Sohn Conrad, der Vogt von Cannstatt, geboren wurde? Hoechstwahrscheinlich im *alten Rathaus*, das unmittelbar vor der Kirche stand und 1899 bei der Restauration der Kirche abgebrochen wurde.

    Seite 4

    Er koennte aber auch in einem der drei Klosterhoefe gewohnt haben, da das *alte Rathaus* fuer eine Oekonomie keinen Raum bot. Ob er eine groessere Oekonomie hatte, geht aus den Lagerbuechern, die immer nur einzelne Parzellen anfuehren, nicht hervor.

    Bei *Faber, Familienstiftungen,* (4) wird dem Namen des Schultheissen Vaut und dem seines Sohnes Erhard hinzugefuegt, *genannt zum Stok (Stock) (5). Was es damit fuer eine Bewanntnis hatte, kann ich nicht sagen. Die zeitgenoessischen Quellen, Lagerbuecher, Vertraege usw., bieten keinen Anhalt. Lokale Beziehungen sind in Zuffenhausen nicht vorhanden. Wir hatten in Zuffenhausen 1413 einen *Stock-Weg* und ein Gewand *im Stockach*. In Kornwestheim gab es 1413 eine Familie Stock (Hans Stock, Benz Stock). *S.S. G.G.* - Stock, Stein, Gras, Grein* - war nach Grimm die Losung der Freischoeffen im Femgericht. Ihre Bedeutung soll der letzte Freigraf 1820 ins Grab genommen haben. Man koennte ja auch an das Schultheissenamt denken, *in den Stock* legen, Stockmayer usw. Und dann wird der Hauptteil des Kerf- (Nicht Kerb!) Holzes, den der Schuldherr zurueckbehielt, *Stock* genannt. Auch an den Stabs-Schultheissen mag erinnert werden, ebenso an *Stabhalter* und *Stock-Gebaeude*. Bis auf weiteres muss die Frage offen bleiben.

    Johannes Vaut war nach Johann Jakob Moser verheiratet mit Elisabeth von Plieningen (*Plieningerin*). Eine auffaellige Tatsache. Manche haben schon an eine Elisabeth gedacht, die aus Plieningen stammte. Wir haben aber keinen zureichenden Grund, den Adel der Vautin anzuzweifeln. Des Schultheissen Sohn, Erhard, verheiratete sich mit Agnes, Edle von Muenchingen. Der Vogt von Cannstatt war in 2. Ehe verheiratet mit Katharina von Echterdingen. Des Schultheissen Frau entstammte dem seit 1142 genannten altwuerttembergischen Ministerialengeschlecht der von Plieningen. Ein Zweig der Familie war seit 1291 in der Reichsstadt Esslingen. Von ihm scheint die frueher in Schorndorf (1542 flg.) ansaessige Familie *Plieningen* abzustammen. Ein anderer Zweig verschuldete Ende des 13. Jahrhunderts und verkaufte die letzten Gueter auf den Fildern. Dieser Zweig scheint sich in der Umgegend von Goeppingen wieder einen Sitz geschaffen zu haben; er war beguetert in Wangen bei Goeppingen, Bartenbach, Holzheim, Eislingen, Diegelsberg. Die Grablege war im Kloster Adelberg. Die Glieder der Familie waren zum Teil in Goeppingen verbuergert. Vielleicht war des Zuffenhauser Schultheissen Frau

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    (4) Heft 4: Bayersche Stiftung, die fuer Vaut hautpsaechlich in Betracht kommt.
    (5) J.J. Moser kennt in seinen *Vischerischen Ahnentafeln* diesen Beinamen nur bei dem Sohn Erhartd. Leider ist die von ihm in diesemZusammenhang oefter erwaehnte *Vauttische Genealogie, Msc* nicht mehr aufzufinden. Doch wird er sie restlos ausgeschoepft haben. - Die Vischerischen Ahnentafeln*, *auf welchen des sel. Wuerttb. Oberrats Dr. Johann Jakob Vischers hinterlassener Kinder Vor-Eltern von Vaeter- und Muetterlicher Seiten, so weit hinaufzukommen gewesen, vorgestellet seynd* usw. (Tuebingen 1728) wurden auf Veranlassung von +Direktor Sigmund Vischer (Ludwigshafen) 1906 in Facsimiledruck neu herausgegeben unter Beigabe des grossen Stahlstich-Portraits des um das Land in Kriegszeit und Geiselschaft hoch verdienten Oberrats (+1705), dessen juengste Tochter, Rosine, J.J. Mosers Frau war.
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    Seite 5

    eine Schwester oder Base Dietrichs IV. von Plieningen (+1485), welcher 1471 Vogt in Eislingen war und 1480 Schloss Schaubeck mit Kleinbottwar erwarb, wo bis zum Aussterben des Geschlechts Sitz und Grablege blieb. Aber auch in Zuffenhausen selbst hatten die von Plieningen in alter Zeit Besitz. Im Spital-Lagerbuch Esslingen von 1334 lesen wir bei Zuffenhausen: *der von bliningen hofstatt ze nechste am Kirchhofe bi Balmarn* (damals Schultheiss), und an anderer Stelle: *ob der Winterhalen uff der Rutin und ob der von blieningen wingart*. 1391 verkauften Betha und Anna von Plieningen eine Weingilt im Azenberg (Stuttgart). Ein Hans Walter von Blieningen zinst 1527 von einem Haus in der Liebfrauen-Vorstadt Stuttgart.

    Zu diesem und dem Folgenden moechte ich an die Vorbemerkung zur Bayerischen Stiftung bei Faber (Heft 4) erinnern: *Von der Seite des Stifters selbst sind nur seine Eltern und Grosseltern von muetterlicher Seite bekannt, hingegen von den Eltern seiner Frau, Agnes, geb. Fautt oder Vautt oder Voyt, wie dieser Name verschieden geschrieben wird, hat man Nachrichten bis zu ihren Urgrosseltern hinauf, welche zwar sich auf keine juridischen Beweise gruenden, weil die Kirchenbuecher nicht soweit zurueckgehen, aber doch einen solchen Grad der Glaubwuerdigkeit haben, dass man solche um so mehr fuer richtig annehmen konnte, als sie nirgends widersprochen werden. Die Verwandten von Seite der Frau des Stifters haben sich ausserordentlich weit ausgebreitet, und es sind dieselben in dem fuer die Administration gefertigten Geschlechtsregister (6) moeglichst vollstaendig beschrieben.

    Nach den *Vischerischen Ahnentafeln* und den Ergaenzungen bei Faber (Bayersche Stiftung) hatte der Schultheiss von Zuffenhausen folgende Kinder:

    1. Johannes + jung.
    2. Erhard, genannt *zum Stock*, Ratsherr in Stuttgart 1512. oo Agnes, Edle von Muenchingen. Ihre Tochter, Barbara (+1514) oo Johannes Stickel, Buergermeister in Stuttgart (24.2.1528). Beider Epitaphien in der St.-Leonhards-Kirche in Stuttgart. Stickels Wappewn in Gablenberg (7).
    3. Margarete, oo Joss (Josua) Vogler, Vogt in Cannstatt (+1496). Vogler war 1468 mit Graf Eberhard im Bart im Heiligen Land. Kinder:

      a) Thomas, Kuechenmeister des Herzogs Eberhard. (Dessen Sohn, Chilian, studiert 1492 in Tuebingen Jura, wird Stadtschreiber in Cannstatt. Sein Sohn Chilian, Dr.jur. Professor in Strassburg und Tuebingen.)
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    (6) Konnte im Original nicht eingesehen werden. Doch wird es J.J. Moser und Faber eingehend benuetzt haben.
    (7) Siehe auch Seytter, Unser Stuttgart, S. 202: *Ein stuecklein vom alten Stickel*. Die Bandstrasse hiess einst Stickelsgaessle. Ueber Stickel, der gemainer Stadt viel guths gethon*, siehe E. Schneider, Stuttgart im Bauernkrieg. W.V.H. 1901, Seite 401 slg.
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      b) Margarete oo Conrad Hohenloch in Waiblingen. Tochter: Anna Margarete oo Georg Ren, Dr.med. in Pforzheim.
      c) Dorothea oo Johann Brassicanus, Praezeptor in Tuebingen, war 1500 lateinischer Schulmeister in Cannstatt (7a).
      d) Elisabethe oo Caspar Bonz, Wirt in Cannstatt. Tochter: Margarete, oo Joh. Wekherlin.
      e) und f) Jodokus und Simon, Domherren in Konstanz.
    4. Konrad, der Vogt von Cannstatt (siehe unten).
    5. Adelheid, oo Bernhard Loeffler in Zuffenhausen. (1333 Bernhart Loeffler; 1409 Werner Loeffler, Weingaertner; 1533 Bernhard Loeffler, Pfleger des Heiligen in Zuffenhausen.)
    6. Agnes, oo Gall Schweikhardt, Buergermeister in Cannstatt. (Die Familie ist noch heute in Cannstatt vertreten).
    7. Caspar, *welcher letztlich Priester worden*.
    8. Michael, studiert 1477/78 in Tuebingen, 1480 Magister; spaeter Parrer in Zuffenhausen, 1486,1490,1494 *Maister Michel Vot, der Chorherrn zu Costenz Pfleger*.
    9. Johannes, oo in Cannstatt mit Katharina, Tochter des Johann Koenigsbach (Koenigspach, Kungspach, 1470-77,81,92 Stadtschreiber in Stuttgart). Sohn: Johann Conrad, Senator in Stuttgart (*qui cognatus cum Weinmanno*), +21.10.1585. oo 1. 1562 Margarete Angster. oo 2. 1568 Marie Magdalene Leininger, Tochter des Johann Leininger von Pluederhausen, Rats- und Hofamtmann in Stuttgart. Kinder:
      a) Agnes (+6.11.1635), oo 25.5.1596 Dr. Andreas Bayer, Professor in Tuebingen (+24.1.1635), Stifter eines Stipendiums im Neuen Bau 1635.
      b) Hieronymus, Kirchenrats-Registrator, oo 1604 mit Catharine, Tochter des Johann Burkhard Dreher, Kammerrat. Diese in 2. Ehe: Johann Koechelin, Landschreiberei-Registrator von Urach. Tochter: Katharine, oo 1633 Johannes Meiderlen, Vogt in Grossbottwar, Oberrats-Sekretaer in Stuttgart. In 2. Ehe: Johs Rathgeb. In 3. Ehe: Johannes Schmid. In 4. Ehe Johann Georg Kuerner, Tutelarratspraesident.
      c. Katharine, oo 1590 Melchior Kurrer, Buergermeister in Stuttgart. Tochter: Anne Marie, oo 1612 Georg Hermann, Prinzen-Praezeptor in Stuttgart, von Scharnhausen.
    Konrad (Nr. 4), *der Vogt von Cannstatt*, *um 1450, war in 1. Ehe verheiratet mit Katharine Trautwein, aus altem Stuttgarter Buergergeschlecht.

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    (7a) Naeheres ueber Brassicanus (= *Koehl*) siehe Stahlecker, *Beitraege zur Geschichte des hoeheren Schulwesens in Tuebingen. W.V.H. 1906, Seite 4 flg.
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    Seite 7

    In 2. Ehe mit Katharina von Echterdingen. Die Herren von Echterdingen hatten in Stuttgart Besitz. Michael Ott von Echterdingen kommandierte 1519 das Geschuetz des Schwaebischen Bundes gegen Herzog Ulrich. Das Geschlecht ist 1580 ausgestorben. Kinder aus 1. Ehe:

      1. Bernhard, studiert 1517. (Eine *Bernhard Vauts Witwe*) und *Bernhard Vauts Kinder* werden spaeter in Cannstatt genannt. (8)).
      2. Katharine, oo Leonhard Breitschwert (1522 Vogt und Keller zu Liebenzell, 1523-24 Vogt und geistlicher Verwalter in Boeblingen. Sohn des Lucas Breitschwert, Jaegermeister Herzog Ulrichs, der, wie J.J. Moser anfuehrt, 115 Jahre alt wurde. Sohn des Reichsritters Lucas Breitschwert.) Kinder:
        a) Leonhard Breitschwert, *1519, 48 Jahre lang Amtmann in Merklingen, +9.10.1593. oo Lucia Dreher, Tochter des Johann Dreher, Vogt in Leonberg, +1574. (Auf dem Grabstein steht: Lucia Drewerin.) Kinder:
          1. Johann Wilhelm, *5.12.1558, +5.5.1624, Rat- und Landschreiberei-Verwalter.
          2. Johann Leonhard, +1619.
          3. Margarete, oo Ludwig Hipp, Visitationsrat, +1588.
          4. Anna oo Jakob Korn, Amtsschreiber in Merklingen.
          5. Agnes, +1611, oo 1581 Conrad Schropp. In 2. Ehe oo Jakob Essich, *1560, +1612, Amtmann in Merklingen, Sohn des Bartholomaeus Essich, Vogt in Bulach.
          6. Marie Salome (+17.1.1609), oo 1584 Paul Heerbrand, Gewoelbeverwalter in Stuttgart, (*6.7.2560, +11.2.1624)
        b) Veit Breitschwert, Vogt in Backnang, *1526, +9.1.1595. oo 1. Barbara, Tochter des Burkhard Stickel, Kammerratt. oo 2. Anna Buob. oo 3. 1583 Dorothea Stehlin, Witwe, geb. Keller. Sohn:
          Veit, *Backnang 13.6.1565, +Stuttgart 17.3.1631, Geheimrat und Syndikus des schwaeb. Kreises. Epitaph in der Hospitalkirche. Kinder:
            1. Wilhelm Leonhard
            2. Praxedis, oo Christian Faber, Oberrat
            3. Anna Agnes, oo Professor Martin Neuffer in Tuebingen.
      3. Sabine (*um 1490), oo1517 Georg Essich, Vogt und Schultheiss in Wildbad (9) 1526-1531. (Erhielt 1530 von Kaiser Karl V. einen Wappenbrief) In 2. Ehe verheiratet mit Haeusler.
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    (8) Kirchenbuchauszuege von Professor Max Cramer (Heilbronn) und Lagerbuecher.
    (9) Bis vor kurzem haben die Genealogen angenommen, dass Georg Essich-Vaut einen Sohn namens Bartholomaeus, Vogt in Bulach (siehe oben), gehabt habe, durch welchen manche Stammbaeume zu Vaut kommen. Namhafte Forscher (+Oberstudiendirektor Dr. W. Haecker (Heilbronn), Pfarrer A. Rentschler (Moeglingen), vor allem aber Professor A. Essich (Heilbronn) haben nachgewiesen, dass das nicht moeglich sein kann, sondern dass Bartolomaeus ein Sohn des Matthaeus war. Dagegen duerfte wohl Johann Konrad Essich, Schultheiss in Rutesheim, ein Sohn, und die Nonne Sabina im Kloster Neutin bei Wildberg eine Tochter der Sabina Vaut gewesen sein.
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    Seite 8

      4. (?Anna, oo Johs Sattler.)

      Kinder aus 2. Ehe mit Katharina von Echterdingen:

      4. Johannes, U.J.D., 1515 Magister. Spaeter kaiserlicher Rat und Mitregent des Herzogtums Wuerttemberg. Wie Gabelkover sagt *boes wirtembergisch*, d.h. ein erbitterter Feind Herzog Ulrichs. Wandte sich spaeter nach Augsburg. (Siehe unten.)
      5. Heinrich, U.J.D., 1522 Magister, Kammergerichtsassessor.
      6. Friedrich, Kanonikus in Stuttgart, 1534.
      7. Erhard, Hatschier (Mitglied der Leibwache) Koenig Ferdinands.
      8. Sebastian, 1524 Soldat.
      9. Jakob, 1526 Soldat.
      10. Margarete (+19.12.1562), oo 1. Johann Koenig (1519 Wendel Koenig, Vogt zu Cannstatt), Zahlmeister, d.h. oberster Beamter der herzoglichen Schaefereien. oo 2. Josef Albrecht Schuetz. Tochter:

        Barbara (+5.10.1571), oo Balthasar Moser, Kammerrat. (Siehe dazu Faber, Bayersche Stiftung, Par. 35) (9a)
    Nicht einzureihende Vaut sind: Friedrich Vaut, Forstmeister in Stuttgart 1515, 1528; Sebastian Vaut von Cannstatt, studiert 1524; Conrad Faut aus Stuttgart, studiert in Tuebingen 1528; Joannes Faut de Canstat, studiert 1528; Vitus Vaut (Pfat) von Stuttgart, studiert 1511; Anna, Hans Vautt Witwe in Cannstatt 1522; Bernhard Vautt in Cannstatt 1530; Bastian Vautt 1530; Barbara Vouttens Erben 1530; Anna (+1562), oo Johannes Sattler, Buergermeister in Cannstatt, Hofgerichtsassessor in Tuebingen; Dorothea Vaut, oo Michel Schmuz in Cannstatt;Hans Conrad Vaut, Oberrats-Skribent in Stuttgart 1564. Ein wuerttembergischer Major v. Vaut starb bei der Belagerung der von den Tuerken besetzten griechischen Festung Negroponte 1688. (v. Andler, *Die wuerttembergischen Regimenter in Griechenland 1687-89*; W.V.H. 1922, Seite 273). In Zuffenhausen ist die Familie um die Wende des Jahrhunderts ausgestorben bzw. weggezogen. Sie verteilt sich in der ersten Haelfte des 16. Jahrhunderts auf Cannstatt und Stuttgart.

    Stuttgart zaehlte ums Jahr 1500 etwa 6000 Einwohner. 1519 schrieb Ulrich von Hutten in einem Brief aus Esslingen u.a. *Stuttgart nennen die Schwaben

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    (9a) Epitaph in der Leonhardskirche (siehe Schmid, Stuttgarter Epitaphien, Landesbibliothek cod.hist.oct. 18 und cod.hist. fol. 320): *Als man zelt nach Christi unseres lieben Herrn Geburt 1561 den 17. Februar starb der Ehren Vest und fuernehme Joseph Albrecht Schuetz. Als man zelt nach Christi unseres lieben Herrn Geburt 1562 19. Dezember starb die ehrenreiche und Tugentsame Frau Margarete Voytin, seine geliebte Hausfrau, deren Seel der allmechtige Gott eine froehliche Auferstehung verleihen woelle. Amen.* (Siehe auch Crusius zum Jahr 1561 und 1562.)
    Epitaph in der Hospitalkirche: *Ao. 1595 4. May verschied in Gott der Edel und Ehren Vest Balthasar Moser, der Elter, Wuertt. Cammer-Rath, und zuvor Ao. 1571 den 4. October starb die Ehren und Tugendreich Barbara Koeniging, seine eheliche Hausfrau ...* (Die Stuttgarter Kirchenbuecher beginnen erst 1579.)
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    das Paradies der Erde, so anmutig liegt es.* Die Stadt war von Mauern und Stadtgraben umgeben: *grosser Graben* (heute Koenigsstrasse) und *kleiner Graben* (heute Eberhard- und Karlsstrasse). den Schluessel zur Stadt bildete die grosse, spaeter in das heutige Alte Schloss umgebaute, von einem Wassergraben umgebene *Burg* der wuerttembergischen Grafen; seit 1495 herzogliche Residenz. Die stattlichen Ecktuerme stammen von Herzog Ludwig. Zwischen der Burg und dem Chorherrnstift (jetzt Zahn-Nopper) die Stiftskirche zum heiligen Kreuz. Bis 1506 von einem Kirchhof umgeben. Ihr grosser Turm war um diese Zeit noch nicht bis zur heutigen Hoehe gefuehrt. Die Hauptstrasse der Stadt war die Hirschgasse. Den Mittelunkt und das Herz des Verkehrs bildete der von alten Holzhaeusern eingerahmte Marktplatz. Im Osten schloss sich an die Staft die ebenfalls von Mauern umgebene *Esslinger Vorstadt* an. Inmitten von Gaerten und Wiesen die St.-Leonhards-Kirche mit einem Kirchhof. Im Westen die *Liebfrauen-Vorstadt* mit der Predigerkirche (Hospitalkirche) des Dominikaner-Klosters mit Kirchhof. Daneben der Turnieracker. An die Ummauerung dieser Vorstadt, spaeter *reiche* Vorstadt genannt, erinnert noch das *Bollwerk*. Anschliessend der grosse und der kleine See (Seestrasse). Das Prediger-Kloster mit seinem sehenswerten Kreuzgang, spaeter Buergerhospital, ist heute der Polizeidirektion eingeraeumt. Den Reichtum der Bewohner Stuttgarts bildeten die vielen Weinberge rings umher. Im Westen und Norden die Feuerbacher Heide und der Kriegsberg (von *Krieche* = Wildkirche). Im Sueden die Reinsburg, das Heslacher Tal, die Weinsteige (welche das Land Wuerttemberg seit 1441 in zwei Teile schied: *ob der Steig* und *unter der Steig*). Im Osten der Bopser, der Esslinger Berg usw. Die Stadt selbst trug noch lange ein sehr laendliches Gepraege. Auf dem Marktplatz stammen nur noch einige Unterstoecke aus der Zeit um 1500. Fast in der Mitte des Marktplatzes stand seit 1435 das grosse, hohe *Herrenhaus*, auch *Malefizhaus* genannt. Es beherbergte im Erdgeschoss Brot- und Fleischlauben. Im ersten Stock die Staende der Gerber, Tuchmacher und anderer Zuenfte. Im zweiten Stock war der grosse Gerichtssaal, der auch zu Hochzeiten und Schauspielen benuetzt wurde. Darueber eine Anzahl Fruchtboeden. Auf dem Dach das *Arme-Suender-Gloecklein*. Daneben das *Narrenhaeuslein* und der *Pranger*. Spaeter beherbergte das Haus die herzogliche Bibliothek. Es wurde 1821 abgebrochen. An der Stelle des heutigen Rathauses erhob sich seit 1466 das Buerger- oder Stadthaus. Dahinter das *Buergerhoefle* und Vogteigebaeude, in welchem die Verhandlungen des Gerichts, d.h.des Gemeinderats, stattfanden. Dort befand sich auch seit 1510 ein Christus-Bild mit der Unterschrift *Verhoer baid Tail, darnach sprich Urtail!* Den 1435 gepflasterten Marktplatz schmueckte seit 1455 ein Brunnen. Unter den Gebaeuden, welche den Platz umgaben, ist hervorzuheben ein Haus des Ambrosius Volland. Weiter werden genannt: 1511 *des Phrygions Haus*, *des Matthias Riekhs Haus*. Vor allem aber die *Fuggerei* des Hans Besserer von Ulm, die ein Monopol fuer Gewuerze, Seide, Pelzwaren, Leinwand hatte und sich auch mit dem Gross-

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    verkauf von Wein und Fruechten befasste. Die angesehensten und reichsten Familien Stuttgarts waren Teilhaber, eine Art *GmbH*. Eine der Gassen hiess die Stickelsgasse (Bandstrasse). Von Gasthaeusern werden die *Sonne*, spaeter der *Goldene Adler* genannt. Freude und Leid wechselten in der Stadt in jenen Jahren. 1502 raffte die Pest viele Hunderte hinweg; am 21. Februar 1508 brachte ein Wolkenbruch im Heslacher Tal eine riesige Ueberschwemmung, bei welcher das Wasser auf dem Marktplatz ueber mannshoch stand. 1511 fand mit unerhoertem Prunk und Aufwand die Hochzeit Herzog Ulrichs mit Sabina von Bayern statt. 1514 wurden auf dem Marktplatz sechs Haeupter des Aufruhrs vom *Armen Konrad* hingerichtet und ihre Koepfe an den Toren aufgesteckt. Im Gegensatz zu der Mehrzahl der Bewohner der Stadt, hartschaffenden Weingaertnern mit auskoemmlicher, aber bescheidener Lebenshaltung, stand in jenen Jahren die prunkvolle Hofhaltung des jungen Herzogs. Das Strassenbild belebten Ritter und Reisige, hoch zu Ross, in den Ruestungen der Zeit Kaiser Maximilians und Karls V., wie wir sie von Zeichnungen Duerers u.a. kennen. Baertige Landsknechte und Hellebarden, mit gewaltigen Hackenbuechsen und grossen Trommeln. Die *Ehrbarkeit*, die Beamten, meist in schwarzer Kleidung, kurz geschorenes Haar, lange Baerte, ein kurzes Schwert an der Seite. Daneben viel Geistlichkeit, Chorherren und Moenche, Kaufleute und Handwerker, Buerger und Bauern. Maenner und Frauen aller Staende, Reisende und Fuhrleute, Bettler und fahrendes Volk. Es waren ueberaus bunte, farbenfreudige Bilder, wie sie die Illustration von G. Adolf Closs zu Hauff's *Lichtenstein*, die Gemaelde von Professor Karl Haeberlin und die Zeichnungen von Theodor Lauxmann zur Geschichte Wuerttembergs und zu Seytter *Unser Stuttgart* u.a. uns zeigen.

    Und dann Cannstatt (10). Der Ravensburger Ladislaus Suntheim, der um 1500 das Land bereiste, schreibt: *Canstat ein Staettle und Slos am Neckher, do ist ain Wirtshaus, das hat ain Prun in der stuben hinterem ofen, do hat es allbeg wen man kumbt allerley gut Fisch in.* Wohl war die Stadt klein im Vergleich mit anderen wuerttembergischen Amtsstaedten wie Waiblingen und Schorndorf oder gar der Reichsstadt Esslingen. Aber Cannstatt lag im Mittelpunkt des Landes und im Schnittpunkt der 6 wichtigsten Strassen, wo von Wien, Augsburg, Ulm, Heilbronn, Frankfurt, Koeln, die oesterreichischen, niederlaendischen, rheinischen, auch venezianischen Kaufleute einander begegneten und die Nuernberger nach Strassburg und Basel durchreisten. 1512 kam Luther auf der Rueckreise von Rom durch Cannstatt und ruehmt aus diesen Anlass die schwaebische Gastfreundlichkeit. 1480-1490 war der Gedanke der Neckarschiffahrt bis Heilbronn in Fluss gekommen. Die Stadt legte sich um die Kirche zum heiligen Kosmas und Damian her, in ihrer heutigen Gestalt erbaut 1471

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    (10) Siehe dazu E. Pfleiderer: *Aus Cannstatts Vergangenheit.* (Cannstatter Zeitung 1904.)
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    bis 1506, damals noch ohne Turm, aber mit einer Orgel versehen. Um die Kirche war ein Kirchhof, der 1506 an die der Maria geweihte uralte, 1495 restaurierte, Uffkirche, draussen vor der Stadt, verlegt wurde. Ueber dem Neckar drueben war die gleichfalls ummauerte Vorstadt Brye. Ueber ihr stand auf dem Berg beim Roemerkastell die uralte, damals schon baufaellige Martinskirche von Altenburg, bis 1320 die Mutterkirche von Stuttgart. Sie wurde um diese Zeit in die Vorstadt Brye verlegt (jetzt katholische Kirche). 1491 erhielt die Stadt ein neues Ratshaus; das alte stand an der Stelle des Wertzschen Hauses. Seit den Zeiten Herzog Eberhars im Bart wurden die frueher mit Schindeln bedeckten Daecher in Stadt und Land mit Ziegeln versehen. *Auf dem Ratshaus amtete der Buergermeister und der Stadtschreiber mit dem Gericht (Gemeinderat), scharf bewacht von dem Vogt, der in dem der Stadt gehoerigen Gebaeude gegenueber dem heutigen Polizeiamt residierte.* Nur wenige der damaligen Haeuser stehen noch. Hinter der Kirche lag der Konstanzer und der Esslinger Pfleghof. In der Vorstadt Brye war eine kleine Wasserburg, *ein gar altfraenkisch Haus mit Wassergraben, Lustgaerten und schoenen Wiesen ringsherumb, wo viel Fuersten und Edelleut verkehren*. Die Stadt Cannstatt hatte, auch dank 40 guten Weinjahren, um 1500 einen guten finaniellen Stand und in den folgenden Zeiten lebhaftes Interesse fuer die Ideen der humanistischen und reformatorischen Bewegung. 1502 sagte Felix Fabri: *Das Volk ist lebensfroh, sehr kriegerisch, badet viel, liebt blanke Kleidung.* Leider war viel Trinken ueblich, auch auf den Kanzleien. Grosse Roheit auch in gerichtlichen Dingen. Die Mitglieder des Rats und Gerichts durften ein seidenes Wams, ein Barett und goldene Ringe tragen; an ihrem Wehrgehaenge, ohne das kein Buerger ausging, silberne Verzierungen. Ihre Soehne durften statt der glatten Hosen zerschnittene anschaffen, und der Frau Rat und Fraeulein Tochter waren samtverbraemte Kleider, seidene Huetlein und reicher Schmuck erlaubt. Vor 1500 kommt kein Vaut in Cannstatter Urkunden vor. Dagegen studierten von 1515 bis 1528 verschiedene Vaut in Tuebingen. Neben der Familie der Vaut standen um diese Zeit die Vogler bei der Buergerschaft in grossem Ansehen. Zu den Cannstatter Amtsorten gehoerte vor allem auch Zuffenhausen. Der Verkehr zwischen der Amtsstadt und dem Amtsort war auf den beiden Verbindungswegen ueber die *Brag* und ueber das Burgholz immer sehr lebhaft.

    Buergermeister in Cannstatt war um die Wende des Jahrhunderts Konrad Vaut (11), der Sohn des Zuffenhauser Schultheissen. 1514 wurde ihm das Vogtamt uebertragen. Er war schon in hoeheren Jahren. Ueber seinen Lebensgang und fruehere Amtstaetigkeit ist nicht bekannt! Seine Vorgaenger im Vogtamt waren Sebastian Breuning 1496, Georg Vischer 1500, Michael Sattler 1502, Hans Wolf 1505. Vaut scheint ein Mann von besonderen Verdiensten gewesen zu sein. Nur einmal wird er, soviel ich sehe, als Vogt erwaehnt,

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    (11) Cannstatt 1486,1490,1494 *Joss Vogler, der Zeit Vogt; Conrad Vot, Burgermeister (Staatsarchiv, Lagerbuch Nr 269).
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    und zwar in den Ehehaendeln seines Stadtschreibers Matthaeus Enker (12), eines sittlich anruechigen und gewalttaetigen Mannes, mit welchem er es wohl auch all die Jahre als Buergermeister nicht leicht gehabt hatte. Ein barmherziger Stadtknecht hatte der Frau des Enker, Margarete Trinkler, zur Flucht verholfen. Vogt Vaut, der sie hatte bewachen lassen, war wohl nicht dabei. *Ich hab sechs Fuess (zwei Beine und ein Pferd; sie nur zwei). Ich will baelder als sie in Stuttgart sein!* soll er ausgerufen haben. Er ahnte damals nicht, wie bald er seinen letzten Ritt nach Stuttgart tun sollte. Dunkle Gewitterwolken hatten sich ueber dem Lande Wuerttemberg zusammengezogen. Um die Zeitlage zu verstehen, muessen wir um ein Jahrzehnt zurueckgehen.

    Herzog Eberhard im Bart, klein von Gestalt, aber gross in seinen Regententugenden und seinen Verdiensten um sein Land, das er zu hoher Bluete gebracht hatte, war im Jahre 1496, nachdem er nur ein Jahr sich seiner Herzogwuerde erfreut hatte, gestorben. Da er keinen Leibeserben hatte, ging die Regierung auf seinen unfaehigen, 49 Jahre alten Vetter Eberhard II ueber. Eberhard im Barte hatte das vorausgesehen und schon 1492 in seinem Testament Vorsorge getroffen. Es sollte fuer den Fall, dass keine Besserung eintrete, beim Kaiser ein Regimentsrat beantragt werden. *So kam es*, sagt Schneider in seiner Geschichte von Wuerttemberg, *dass die altwuerttembergische Verfassung neben die absolutistische Regierungsform eine ihrem Wesen nach republikanische stellt.* Die Missregierung Eberhards II. wurde immer schlimmer. Am 10. April 1498 kuendigten ihm Regimentraete und Ritter, Praelaten und Kanzleibeamte, Voegte und Schultheissen als Mitglieder der Landschaft und alle anderen die Pflicht. Am 8. Mai sprach der Kaiser Maximilian die Absetzung aus. Eberhard musste das Land verlassen. Er starb spaeter auf dem Lindenfeld im Odenwald.

    Ihm folgte sein Neffe Ulrich (12), vaterlos und mutterlos aufgewachsen. Begabt, aber von heftigem Charakter, stolz und starrkoepfig, hatte er eine sehr mangelhafte Erziehung genossen. Statt der Wissenschaften interessierten ihn nur Spiele; Hunde und Jagden traten an die Stelle des Lateins. Am 5. Juni 1498 ritt er, 11 Jahre alt, als Herzog in Stuttgart ein. Gegen den Wunsch der Regimentsraete wurde er schon im Jahre 1503, erst 16 Jahre alt, vom Kaiser Maximilian, dessen Liebling er war als Reiter und Jaeger, fuer volljaehrig erklaert. Der Anfang seiner Regierung war glaenzend. Im Pfaelzer Krieg gewann er die Aemter Maulbronn, Neuenstadt, Mockmuehl, Weinsberg und Loewenstein Wo sich der stattliche junge Herzog mit dem blauen, feurigen Auge, dem blonden, krausen Haar und dem roten Barte zeigte, erregte er Aufsehen. Seine Hofhaltung wurde immer glaenzender und verschwenderischer. Seine Freigebigkeit war beruehmt. Kuehn auf der Jagd -noch ist im 

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    (12) Siehe E. Pfleiderer: *Eine Cannstatter Ehetragoedie aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts.* (Cannstatter Zeitung 1926)

    (12a) Siehe Heyd, Ulman, Kugler u.a.
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    goldenen Saal in Urach ein riesiger Eber nachgebildet, den er eigenhaendig erlegt-, gewann er durch Leutseligkeit die Zuneigung des gemeinen Mannes. Er musste aber bei seinem steigenden Aufwand im Landtag so viel von besserem Haushalten hoeren, dass er zuletzt den Landtag nicht mehr einberief, bis er dazu gezwungen wurde. Mit noch nie dagewesener Pracht beging er 1511 seine Hochzeit mit der ihm schon in der Kindheit verlobten Sabina von Bayern. Am 2. Maerz zog er der von Darmstadt in vergoldetem Wagen mit grossem Gefolge kommenden, 18 jaehrigen Braut im roten Festgewand, von Gold und Edelsteinen trotzend, mit tausend Rittern und Reisigen entgegen. Beim Pragwirtshaus begeneten sich die beiden Zuege. Man veanstaltete gleich an Ort und Stelle ein Ehrenturnier. In koestlichem Aufzug zog man in Stuttgart ein, wo in der Stadt, ie etwa 6000 Einwohner zaehlte, gegen 16 000 Menschen eine Woche lang gespeist wurden. In der Stiftskirche vollzog der Bischof von Konstanz die feierliche Vermaehlung. Die Prunksucht Ulrichs fuehrte aber zu immer groesserem Aufwand und zu Schulden. Ohne dass die Landschaft gefragt wurde, wurde eine Steuer um die andere eingefuehrt. Ulrichs Gewalttaetigkeit und Starrkoepfigkeit missachtete dabei voellig die drohende Erregung des Vokes. *Armer Konrad* nannten sich die Unzufriedenen. Ulrich musste endlich den Landtag einberufen. Man machte ihm bittere Vorwuerfe wegen seiner Verschwendung und Willkuer. Eine kaiserliche Gesandschaft mit Franz von Sickingen wohnte dem Landtag bei. Es kam am 8. Juli 1514 ein Vergleich zustande, der Tuebinger Vertrag, der Grundpfeiler der Verfassung Alt-Wuerttembergs. Ulrich versprach Besserung. Mit Muehe wurde der Aufstand des *Armen Konrad* unterdrueckt. Aber der Herzog hielt nichts oder nur sehr weniges von dem, was er versprochen hatte. Seine Raete machten ihm Vorhalt. Ulrich bekam den Eindruck, dass man ihn unter eine Art von Regimentsrat stellen wolle, wie einst Eberhard II. In Ulrich kochte es gegen Freund und Feind. Mit seiner Gemahling, der ihm in vielen Stuecken gleichgearteten, stolzen Sabina, war er zerfallen.

    Dazu kam die Untat des 8. Mai 1515: Im Boeblinger Wald ermordete Ulrich auf der Jagd im Jaehzorn und aus gekraenktem Ehrgeiz seinen Freund Hans von Hutten. Alles war starr vor Entsetzen! In Cannstatt sagte der Vogt Vaut oeffentlich: *Hat uns der Teufel mit dem Narren beschissen!* Mit Hilfe Dietrich von Spaet in Urach floh Sabina am 24. November aus dem Lande zu ihrem Bruder, dem Herzog Wilhelm von Bayern. Ulrich wurde beim Kaiser verklagt. Ulrich von Hutten, ein Vetter des Ermordeten, machte ganz Deutschland gegen den Moerder, als den schlimmsten der Tyrannen, mobil.

    Sowohl die Huttenschen als auch Ulrich wandten sich an den Kaiser. Dieser fordert im September 1516, dass Ulrich auf 6 Jahre der Regierung entsagte, und dass mit allem Ernst eine Sanierung der zerfahrenen Zustaende im Herzogtum Wuerttemberg in die Wege geleitet werde. Im andern Falle wird ihm des Reiches Acht angedroht. Ulrich laesst das Volk ueber die Bedingungen des Kaisers, ob er sie annehmen solle oder nicht, abstimmen. Aus Furcht vor einer

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    Herrschaft der Ehrbarkeit, der Beamten, werden sie abgelehnt. Das bestaerkte Ulrich inseinem Trotz. Er wollte sich mit Waffengewalt an den Huttenschen raechen. Auch im Landtag wird in Abwesenheit Ulrichs darueber verhandelt. Die Brueder, Conrad Breuning, der Vogt von Tuebingen, dem Ulrich nach seinem eigenen Gestaendnis sehr viel zu danken hatte als dem unbestrittenen ersten Staatsmann Wuerttembergs jener Zeit, und Sebastian Breuning, sein Bruder, der Vogt von Weinsberg, raten zu Maessigung. *Da der Herr jung und in der Sach wie offenbar ganz hitzig, moechte gut sein seiner Gnaden nit also eine "freie Hilf" zuzusagen*. In einen Verteidungskrieg, nicht aber in einen Angriffskrieg, koennte sich die Landschaft einlassen. Das passte Ulrich ganz und gar nicht. Eine neue Gesandschaft an den Kaiser mit Kanzler Lamparter und Sebastian Breuning richtete nichts aus. Aber Ulrich hatte sie im Verdacht,, dass sie hinter seinem Ruecken seine Absetzung betreibe. Angesichts dieser Tatsache und aus Geldnot sah sich Ulrich gezwungen, nachtraeglich auf des Kaisers Bedingungen einzugehen. In einem Vergleich zu Blaubeuren am 18. Oktober 1516 nahm er alles an. Er wollte sich auf 6 Jahre ein vom Kaiser und von ihm selbst eingesetztes Regiment von 7 Personen gefallen lassen und ausser Landes gehen. *Aller Unwille, Aufruhr, Zwietracht und Widerwaertigkeit sollen tot und hingelegt sein.* Nur hoechst widerwillig war Ulrich auf die Amnestie eingegangen. Der Kaiser widerruft die Acht.

    Gleich nach der Rueckkehr von Blaubeuren beginnt aber Ulrich mit seiner Rache. Er leiht Verleumdern sein Ohr. Vor allem ist Dr. Ambrosius Volland sein boeser Geist. Er wittert ueberall Verrat. *Er sucht vor allem die Maenner zu beseitigen, deren Vergangenheit und Begabung ihnen den leitenden Einfluss in der zu bildenden Behoerde gesichert haben wuerde.* Zugleich will er die anderen einschuechtern. Kaum 4 Wochen nach Blaubeuren, am 19. November, laesst er den schon seit laengerer Zeit seines Amtes entsetzten Conrad Breuning, am 20. November dessen Bruider, Sebastian Breuning, ausserdem Konrad Vaut, den Vogt von Cannstatt, und Hans Stickel, BUergermeister zu Stuttgart, greifen und ins Gefaengnis werfen. Unter Volland wird ein Landgericht gebildet fuer die Hochverratsprozesse. Persoenlich Feinde der Angeklagten sind die Richter. Ein Zeitgenosse sagt:

                *An Gericht hat er zusammen gelesen,
                On Gefahr und ganz ohn allen Hass,
                Recht wie der Teufel Pflomen ass.*
    Die auf der Folter erpressten Gestaendnisse (Urgichten) wurden, selbst bei Widerruf, fuer gueltig erachtet, der vorgeschlagene Beweis der Unschuld durch Entlastungszeugen nicht zugelassen, getrennte Beratung des Gerichtshofes verhindert. Vor diesem Tribunal standen am 10. Dezember 1516 im Herrenhaus auf dem Stuttgarter Marktplatz Sebastian Breuning und Konrad Vaut. Beide waren auf dem Asperg eingekerkert und gefoltert worden. Ulrich hatte den .........
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