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Bischoffshausen[1]

 

“Nun folg’ mir aus dem Tale

Zu all’ den Bergeshöhn,

Wo altersgrau Ruinen,

Wo Schlösser schimmernd stehn!

                            (Karl Duval.)

 

 

wischen Witzenhausen und Münden durchfließt die sonst durch schroffe Berge eingeengte Werra ein breites, lachendes Tal mit fruchtbaren Feldern, saftigen Wiesen und wohlhabenden Dörfern, umrahmt von ragenden Bergen mit prächtigen Wäldern. Auf dem linken Ufer dehnt sich der Kaufunger Wald mit seinen schroffen Hängen und einsamen Forsten, während auf der anderen Seite die Witzenhäuser Stadforst, das Leinholz und das Große Holz den Fluß begleiten. Zwischen Bergen und Feldern liegt unterhalb Witzenhausens das etwa 200 Einwohner zählende Dorf Bischhausen. Es wird überragt von dem zwischen der Landstraße und der Eisenbahn auf einem Hügel gelegenen Rittergute Bischoffshausen, dem Stammsitz der gleichnamigen Familie. Dicht dabei erhebt sich auch die kleine Kirche, ein Zeichen, daß wir hier den Kern der ganzen Ansiedlung zu suchen haben. Heute wandert man auf fester Straße dahin, und am steilen Hange des Badensteines sucht sich das Bahngleis seinen Weg. Der Wanderer dagegen, der im Mittelalter von Allendorf nach Münden zog, sah sich bei Bischhausen gezwungen, rechts abzubiegen, um über Albshausen das Tal der Werra bei Gertenbach wieder zu erreichen. Zwischen dem Badenstein und dem Flusse versperrte nämlich ein Gewirre von Werraarmen und -Inseln (Werdern) den Weg. Ist es nicht ganz natürlich, daß sich an diesem für den Verkehr wichtigen und gegen Wasser und Sumpf des Tales durch die Anhöhe geschützten Platze schon in früher Zeit ein Dorf befand? Und zu dem Dorfe gesellte sich dann später die Burg, von der aus das Tal und die erwähnte Straße zu beherrschen waren.

 

            Wann beide entstanden, entzieht sich unserer Kenntnis. Eine spätere Nachricht sagt, daß sich an einer Stelle, die jetzt durch die Bahnlinie von der Ortschaft getrennt wird, sieben heute nicht mehr vorhandene Gehöfte befanden, und eine Urkunde des 14. Jahrhunderts hat die Erinnerung aufbewahrt, daß Wenden –wohl vereinzelte Kriegsgefangene- die Dorfstelle am Fuße des Badensteins gerodet haben. Die Namen von Dorf und Gut weisen auf einen Bischof als Gründer hin, wobei jedenfalls an einen Mainzer Erzbischof zu denken ist. Vielleicht besagt der Name auch nur, daß die bäuerlichen Abgaben aus diesem Dorfe für den bischöflichen Haushalt bestimmt waren. Wenn man an die Christianisierung der Werragegend denkt, ergibt sich leicht, daß die Bezeichnung unseres Dorfes nicht weiter zurückgehen kann als bis in die erste Hälfte des 8. Jahrhunderts, als es in dem fraglichen Gebiet einen Bischof gab. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir uns, daß Bonifatius 722 Bischof, 732 Erzbischof ohne festen Sitz und 748 Erzbischof zu Mainz wurde. Die Missionare weihten das Kirchlein zu Bischoffshausen dem heiligen Martin, dem früheren Reitersmann, der den noch in heidnischen Vorstellungen befangenen Bewohnern besonders genehm sein mochte.

 

            Es bestanden allem Anscheine nach tatsächlich engere Beziehungen zwischen dem Dorfe und der Mainzer Kirche. Wenn es auch mehrere Ortschaften des gleichen Namens gibt, so ist mit aller Wahrscheinlichkeit Bischoffshausen an der Werra gemeint, als Karl der Große ums Jahr 780 dem Kloster Hersfeld ein ganzas Dorf, Biscofeshusun, schenkte. Einen weiteren Anhalt bringen Nachrichten aus dem 12. Jahrhundert. Der Graf Siegfried von Bonemeburg war ein Enkel des aus der Geschichte Heinrich IV. bekannten Grafen Otto von Northeim. Der Enkel wollte der Stiftung seines Ahnen, des St. Blasienklosters zu Northeim, Ehre machen und es von neuem bereichern. In dieser Absicht gab er nicht nur eine große Anzahl von Feldgütern dahin, sondern er bewog auch den Erzbischof Markolf von Mainz (nachdem dieser die Schenkungen durch seinen Bann geheiligt hatte), eine Anzahl Zehnten hinzuzufügen. Unter den Dörfern denen sie entstammten, kommen zwei Bischhausen vor, nämlich “Bischoueshusen” und “Biscopeshusen” (1141).

 

            Auch der Umstand, daß Bischhausen der Sitz eines Erzpriesters war deutet auf engere Beziehungen zur Mainzer Kirche hin. Der Dekanatsbezirk Bischhausen gehörte zum Archidiakonat Heiligenstadt. Auf dem rechten Ufer der Werra umfaßte er nur die Kirchen in Berge, Eichenberg und Unterrieden. Berge wird in einer Urkunde von 1337 ausdrücklich als Unterpfarre genannt und erwähnt, daß mehrere Pfarrer diesem Stuhle unterstellt waren. Unstreitig griff der Bischhäuser Sprengel auch auf das linke Ufer der Werra über. Die Zustimmung die der Geistliche von Bischoffshausen zum Bau und zur Einrichtung der unmittelbar vor der Brücke von Witzenhausen gelegenen Kapelle, später Stempelshausen genannt, erteilte, zeigt, daß sein eigener Pfarrbezirk bis an die Werra reichte. Der Kaplan dieser Kapelle wurde anfänglich von dem Bischhäuser Erzpriester vorgeschlagen, später von dem Kloster St. Wilhelmi in Witzenhausen und darauf von den hessischen Landgrafen. Als Pfarrer und somit Erzpriester von Bischhausen werden genannt: Theodorich 1266, 1268, 1271, Friedrich 1272, Johann Kämmere 1337, Kerstan Depholde 1357, Albert Heberleib (1401), Peter Waltmann aus Alfeld (1401 vom Landgrafen präsentiert). Die Pfarre ist zur Zeit der Reformation eingegangen. Im 16. Jahrhundert wurde unser Dorf von den beiden Geistlichen zu Witzenhausen abwechselnd versehen, zwischen 1616 und 1622 jedoch der zweiten Stelle beigelegt. Das Patronat war stets im Besitze der Landesherrschaft. Jedoch machte im Jahre 1829 ein Mitglied der Familie von Bischoffshausen Ansprüche, ohne sie näher begründen zu können. Die Verbindung mit Witzenhausen besteht noch heute. Die jetzige Kirche entstammt dem Jahre 1769. Das ältere Gabäude war wegen Baufälligkeit lange Jahre geschlossen. Deshalb mußten die Bewohner von 1733 bis zur Erbauung der neuen Kirche den Gottesdienst in Witzenhausen besuchen.

 

            Es ist sehr wahrscheinlich, daß die auf dem rechten Ufer der Werra gelegenen Ortschaften des Kreises Witzenhausen ursprünglich zum benachbarten Niedersachsen gehörten. Als Herzog Albrecht von Braunschweig 1263 in der Schlacht von Wettin gefangen genommen wurde, mußte er im folgenden Jahre seine Freiheit außer der Zahlung einer Geldsumme durch die Abtretung von acht Burgen an der Werra erkaufen. Es steht nicht ganz fest, ob auch das Schloß in Bischoffshausen darunter war. Die alten Chroniken sprechen jedoch ausdrücklich und hauptsächlich von Allendorf und Witzenhausen, ohne alle Namen zu nennen. Sollte nicht auch Bischhausen das Schicksal von Witzenhausen geteilt haben?

 

            In jener bewegten Zeit taucht der erste bekannte Stammvater der sich nach dem Dorfe am Fuße des Badensteins nennenden Familie von Bischoffshausen auf. Das Geschlecht ist niedersächsichen Ursprungs und stammt aus Alhusen bei Hoya an der Weser. Nach dem Stammorte nannte sich der Ritter Willekin von Alhusen, der Vogt des Herzoges Albrecht des Großen von Braunschweig. Als solcher verwaltete er mit dem Amtssitze in Göttingen bis 1264 das Land Oberwald (Südhannover), war dann Vogt zu Hannover und zuletzt wieder in Göttingen. Er führte bereits das Adlerwappen der Familie von Bischoffshausen. Seine denkwürdigste Tat ist die Gefangennahme des Erzbischofs Gerhard von Mainz. Nachdem dieser in einer Fehde die Gegend um Friedland gründlich ausgeraubt hatte, wurde er am 16. Januar 1256 bei Volkerode auf dem Eichsfelde, mit Beute reich beladen, von Willekin, der ihn mit einem bewaffneten Haufen verfolgte, gefangen genommen. Der Kirchenfürst saß lange Zeit in Braunschweig, bis er sich loskaufen konnte. Vogt Willekin war mit einer von Wohlendorf (bei Rethem), deren Familie ein Zweig des weitverbreiteten Geschlechts von Nienburg war, vermählt. Seine drei Söhne nannten sich demnach Heinrich von Nienburg, Segeband von Wohlendorf und Willekin von Alhusen. Der letzte war Mönch zu Loccum. Aus Urkunden von 1265 ff. ersehen wir, daß Vogt Willekin den Besitz in der alten Heimat seiner Familie verkaufte. Da wir von seinen Söhnen bereits 1291 Segeband (neben dem Grafen Werner von Lauterberg) in Bischhausen ansässig finden mit einem Besitz, der bedeutend genug war, daß die Nachkommen den Namen davon übernahmen, ist anzunehmen, daß Willekin bedacht war, seine Familie in die damals zu seinem Verwaltungsbezirke gehörige Werralandschaft zu verpflanzen. Segeband war verheiratet mit einer Tochter Hermanns von Uslar. Beider Sohn nennt sich 1312 Hermannus de Biscoppeshusen sive de Woldendorpe, von 1313 an aber lediglich “de Biscopeshusen”. Auch er setzte die Bestrebungen seines Großvaters fort durch den Verkauf der restlichen alten Familiengüter im nördlichen Niedersachsen.

 

            Schon die Absicht des alten Willekin mag auf den Erwerb der Burg Bischoffshausen gerichtet gewesen sein, zumal sie damals im Gebiete seines Herzogs lag. Der übergang der Werragegend in hessischen Besitz dürfte diesen Plan vereitelt haben. So begnügten sich seine Nachkommen mit einem wahrscheinlich ansehnlichen Besitze in Bischhausen, ohne irgend welchen Anteil an der Burg zu haben. Diese wird urkundlich in den Jahren nach 1300 zum erstenmal erwähnt. Um diese Zeit befand sie sich in den Händen Friedrichs von Rosdorf. Er hatte keine unmittelbaren Erben, was dem Landgrafen von Hessen jedenfalls ganz gelegen war, um eine Grenzfeste wie Bischoffshausen nicht einer Familie lassen zu müssen, die auch dem Erzbischof von Mainz  (der eben den Hanstein neu aufbauen ließ!) verpflichtet war. Darum ließ sich der Landgraf am 13. März 1308 von Friedrichs weiteren Erben eine Erklärung ausstellen,daß das “castrum Bischoueshusen” nach dem Tode des jetzigen Inhabers unbehindert in hessischen Besitz zurückkehren würde. In demselben Jahre werden als Burgmannen in Bischopeshusen genannt: Heinrich von Kreuzburg (aus der noch später im Dorfe Bischhausen ansässigen Familie), Heinrich, Detmar und Georg von Stockhausen und Bertram un Walter von Hundelshausen. Friedrich von Rosdorf starb um 1325. In der Folgezeit wurde die Burg von den hessischen Landgrafen an verschiedene Geschlechter vergeben. Alle damals aufstrebenden ritterbürtigen Familien trachteten in den Besitz eines oder nehrerer Schlösser zu gelangen. Es entwickelte sich ein regelrechter Wettbewerb, bis schließlich eine Familie im Besitze einer Burg blieb. Im Jahre 1338 verpfändete der Landgraf Heinrich vier Gebrüdern von Berlepsch für 407 Mark reinen Silbers sein Schloß Bischoffshausen samt Zubehör und besonders den Gütern, welche die von Ziegenberg besessen hatten. Die Familie von Berlepsch aber hatte schon früher in unserem Dorfe Fuß gefaßt. 1352 und 1353 wird Tile von Berlepsch als “wohnhaft zu Bischoffshausen genannt, 1353 auch die Brüder Hermann, Tile und Arnold und 1354 wieder Tile. In diesem Jahr verpfänden ihm die Landgrafen Heinrich und Otto ihr Vorwerk zu Bischhausen, an dem gleichzeitig Bertold Spanseil Anteil erhält. Im Jahre 1357 scheidet Hermann von Berlepsch, nachdem er von dem Landgrafen mit 200 Mark abgefunden war, aus seinem Anteile an der Burg Bischoffshausen und den Ziegenbergischen Gütern aus und um diese Zeit anscheinend auch die übrigen Familienmitglieder. Bereits im Jahre 1361 verspricht Bertold Spanseil mit seinen beiden Söhnen , dem Landgrafen “sin sloz Bischoffeshusen zu halden”. Doch wohnen Arnold von Berlepsch un sein Sohn Hans noch 1364 “zu Bischofshusen”, vielleicht auf dem dortigen Vorwerke. Sie sind die Erbauer des 1369 vollendeten Schlosses Berlepsch, dessen Aufbau nach Lage der Dinge von Bischhausen aus erfolgt sein muß. Zwei Jahre später verpfändet der Landgraf dem Tile von Berlepsch und seinen beiden Söhnen sein “Hus Bischoffeshusin” für 30 Mark. Sie sollen dort wohnen und für die Bewachung die erforderliche Sorge tragen, zu welchem Zwecke der Landgraf als Unterhalt für Turm und Torwächter jährlich 5 Mark Geld und 5 Malter Roggen anweist. Diese Maßregeln deuten darauf hin, daß die Burg von Feinden bedroht war. Tile mußte sich verpflichten, ohne Erlaubnis des Landgrafen keine Fehde von der Burg aus zu beginnen. Der genannte Hans von Berlepsch, mit dem die Sparrenlinie ausstarb, vermählte sich 1384 in zweiter Ehe mit Lutgarde aus dem Geschlecht Rabe von Kanstein. Die ihr angewiesene reichhaltige Leibzucht bestand aus drei Fischereien zu Bischoffshausen nebst zwei Kothöfen, einem Wein- und einem Baumgarten daselbst, zwei Vorwerken zu Gartenbach mit jährlich 14 Mark Geldes und einem Gefälle von 28 Malter Korn und Hafer zu Albshausen, das ganze mit 400 rheinischen Gulden ablösbar.

 

            Nach den Nachrichten über die Berlepsche Erbteilung von 1488 scheint der Besitz dieser Familie in Bischhausen nicht uinbedeutend gewesen zu sein. Damals erhielt Kaspar von Berlepsch dort 24 Viertel Frucht, darunter 6 Viertel von Hermann Heiligenstadt. Der Weinberg des Ortes (heute Dreisch und Ackerland oberhalb des Dorfes) sollte nach der übereinkunft der drei das Erbe teilenden Junker in ihrem gemeinsamen Besitz bleiben. Nach dem Zinsregister von 1559 gab Ewald Kolle, “der bodner”, ein Huhn, ein Schock Eier von Haus und Hof, 6 Hahnen vom Grundacker, 20 Aale vom Werder, 2 Gulden oder dafür jeden Freitag ein Essen Fische im Werte von 2½ Albus, ferner 2 Gänse von einer Wiese im Albshäuser Felde. Joachim Krummel gab 5 Scheffel Korn und die gleiche Menge Hafer, letztere von einer halben Hufe Landes, ferner 2 Albus vom Hofe, ein Schock Eier und 2 Hahnen. 1564 gab der Fischer ein Huhn, ein Schock Eier vom Spitzenhofe, 6 Hahnen vom Grundacker, 20 Aale von der Wehrstätte und jeden Freitag 2 Pfund Fische. (Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts hören wir, daß außer den Herren von Bischoffshausen die von Berlepsch und das Haus Hessen-Rothenburg in Bischhausen berechtigt sind.)

 

            Schon am 12. September 1372 erhielten die Brüder Segeband, Willekin 7und Hermann von “Bischofishusin”, Heinrich der Junge von Kreuzburg und die Brüder Otto und Heinrich von Stockhausen (die Söhne des Ritters Heinrich) die Burg Bischoffshausen mit allem Zubehör von den Landgrafen Heinrich und Hermann für 35 Mark Silbers versetzt. Dabei wurde ihnen die Entlohnung der Türmer, Wächter und Pförtner zugesichert, ebenso der Ersatz von Unkosten, die sie für den “borglichen buw, an muren adir an grabin” aufwenden würden. Das Vorwerk hatte damals Bruno von Berge in Pfand. Bis in das 15. Jahrhundert hinein hatten auch die von Boyneburg Güter in Bischhausen.

 

            Bald nachdem die von Bischoffshausen als Pfandbesitzer in die Burg eingezogen waren, entbrannte die Fehde des Sternerbundes auf allen Seiten. Ein großer Teil der Hessischen Ritterschaft stand dem Landgrafen feindlich gegenüber. Doch die Treue der Burginhaber von Bischoffshausen wankte nicht. 1377 hören wir von einer eventuellen Anwartschaft Hermanns von Bischoffshausen auf die Burg Altenstein, und am 13. September 1379 erfolgte die Belohnung der erwiesenen Treue durch Umwandlung des Pfandbesitzes der Burg in ein erbliches Mannlehen. In der darüber ausgestellten Urkunde wird keinerlei Zubehör des Schlosses erwähnt. Erst in dem nächsten der noch vorhandenen Lehnbriefe wird als lehnrühriger Besitz außer der Burg gennant: fünftehalb Hufen Landes und 17 Höfe und 2 Weinberge zu Bischoffshausen, das Holz Badenstein, die Hühnergülde vom Rodelande am Badenstein und am Wolfsbach, die Fischerei auf der Werra, eine Wiese auf der Werra zwischen Witzenhausen und Unterrieden, die Hälfte des Waldes Morgenfeld, seit 1593 auch das Vorwerk zu Bischhausen, die Fischweide daselbst auf der Werra und das ganze Morgenfeld. Dazu kommen Besitzungen in Unterrieden, Mollenfelde, Hermannrode, Klein-Almerode, dem hessischen Anteil von Berge und Hebenshausen.

 

            Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatte die Burg Bischoffshausen stürmische Tage zu bestehen, da das Verhältnis zwischen Hermann dem Gelehrten und Otto dem Quaden wieder ein feindseliges wurde. Diesmal stande die hessischen Adeligen jedoch auf der Seite ihres Fürsten. Die Hessen erschienen sengend und brennend in der nächsten Nähe von Göttingen, und der Herzog Otto verwüstete u. A. im Sommer 1385 die Felder bei Witzenhausen und eroberte den Altenstein. Cassel wurde vorher und nachher wiederholt belagert. Bei einem dieser Streifzüge wurde auch die Burg Bischoffshausen (etwa 1387 oder 1388) von den Braunschweigern erobert. Zahlreiche Fehden wurden in der Folgezeit von Bischoffshausen aus geführt. Unsicherheit herrschte auf allen Wegen. Im Jahre 1408 nahmen die Inhaber unserer Burg Dransfelder Bürger gefangen und beschädigten die Güter der von Adelebsen und von Kerstlingerode. Herzog Otto der Einäugige und der Rat von Göttingen vermerkten das sehr übel. Der Herzog rückte mit den Bürgern und ihren Helfern vor die Burg Bischoffshausen, nahm sie ein und verwüstete sie. Doch dies Mißgeschick dämpfte die Fehdelust nicht. Im Jahre 1411 sehen wir Hermann von Bischoffshausen an der Seite der von Uslar mit anderen im Kampfe gegen Duderstadt, und einer Urkunde von 1442 entnehmen wir, daß die Duderstädter ihn am Mittwoch nach St. Markus gefangen genommen hatten und er im Gefängnisse zu Grunde gegangen war, weil er un sein Bruder Hans die Urfehde nicht leisten wollten. Mit wütendem Hasse verfolgten die Nordhäuser in den Jahren 1475 bis 1477 Hans von Bischoffshausen, der mit seinem Bruder und seinem Schwager Hans Windold zu Sollstädt anscheinend nicht unberechtigte Ansprüche vertrat. Umsonst wurde die Vermittelung der Grafen von Schwarzburg, von Stolberg und Wernigerode angerufen. Lange dauerte der Streit, und die Búrger litten merklichen Schaden. Im Jahre 1461 wurde die Gegend von Witzenhausen zu beiden Seiten der Werra in der Fehde des Landgrafen Ludwig gegen Grubenhagen stark heimgesucht und auch die Flur von Bischausen verwüstet. Auch in denjenigen Fehden, in welche die Familie von Bischoffshausen verwickelt war und die vor allem durch gegenseitige Verheerung des Besitzes geführt wurden, litten ihre Dörfer, Bischhausen jedoch offenbar weniger als die an der Grenze gelegenen und dem Angriff zuerst ausgesetzten Ortschaften. Das Verschwinden des noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts genannten Dorfes Neuenrode mag damit zusammenhängen.

 

            Eine wichtige Erwerbung war das Schloß und Gericht Altenstein, das Hans von Bischoffshausen im Jahre 1438 mit seinen vier Söhnen vom Landgrafen Ludwig als Lehen empfing. Es blieb im vollen Besitze der Familie bis zu seiner wiederkäuflichen Abtretung an das Herscherhaus im Jahre 1643 und dann in bloßem lehnsrechtlichen Besitz bis zum vollständigen Verkaufe im Jahre 1753. Die Belehnung erfolgte für treue Dienste.

 

            Die Schläge des Dreißigj¨hrigen Krieges, der das Werratal besonders stark mitnahm, trafen die Familie von Bischoffshausen doppelt schwer. Zeuge dafür ist der von nun an stete Verfall des Stammsitzes, von dem sie sich bald zurückzog. Otto Wilke, der Nachfolger von Hans Wilhelm, hatte noch zu Lebzeiten seines Vaters, der sich nach Neuenrode zurückzog, an der Burg gebaut. Der Altenstein wurde in den ersten Jahren des Krieges zerstört. Otto Wilke baute ihn wieder auf. Nach einer nochmaligen Verwüstung blieb er dann in seinen Trümmern liegen.

 

            Dorf und Burg Bischoffshausen wurden durch 25 Jahre immer wieder geplündert, verwüstet, durch Kriegssteuern ausgesogen und die Ortschaft nahezu zerstört. Seit dem Frühjahr 1623 vollzog Tilly die Strafexpedition gegen Hessen wegen der zweideutigen Haltung des Landgrafen. Sie bestand in einem langsamen, für das Land qualvollen Durchmarsche von der Wetterau bis an die Leine. Auf das Gericht Bischhausen entfielen für einen Monat 18 Malter Hafer, 5 Malter Korn, dann wöchentlich an Geld 71 Taler, an Brot 1193 Pfund, an Fleisch über 800 Pfund, an Bier gegen 1200 Maß. Dazu kommen Heu, Stroh und andere Sachen. Ein Leutnant erhielt täglich 10 Pfund Brot, 6 Pfund Fleisch, 2 Maß Wein, 10 Maß Bier, ein viertel Schaf oder Kalb und Futter für 4 Pferde. Am 6. Und 7. Juli ergoß sich das fremde Kriegsvolk über die Buttlarschen Dörfer Ermschwerd und Ziegenhagen und gelangte, nachdem es dort alles ausgeplündert und die Häuser schwer beschädigt, zum Teil niedergebrannt hatte, nach Witzenhausen. Am 14. Marschierte die Abteilungen, die in Eschwege und Allendorf gestanden hatten, durch die Stadt. “Die Kranken, Huren und der Troß”, so heißt es in einem Berichte von jenem Tage, “liegen vor Bischoffshausen”. Am 19. Juli schreibt Elisabeth von Berlepsch an den Landgrafen: “Das Tillysche Kriegsvolk hat meiner armen Freunde und Verwandten als dero von Bodenhausen, Berlepsch, Bischhausen, Berga und Buttlar ihre Häuser jämmerlich verwüstet”. Vieles von dem geraubten Gute wurde in Witzenhausen von Hehlern zurückerhalten. Als das Heer abgerückt war, folgten zahlreiche Nachzügler. Die drückenden Kriegssteuern mußten weiter entrichtet werden. Dabei suchte ein Bezirk dem anderen einen Teil der Last zuzuwälzen. Die Städte stritten mit den adeligen Dörfern und in diesen die Gerichtsherren mit den Untertanen.

 

            Im Herbste 1623 kehrte das Tillysche Heer aus dem Norden zurück. Noch im nächsten Frühjahr hatte Witzenhausen eine Garnison, um deren Abzug dringend gebeten wurde. “Niemand könne sonst in seinem Hause bleiben, die Leute berließen Haus und Hof, das Land werde wüst liegen bleiben”. Die Stadt war den unangenehmen Gäste, die sie in ihren Mauern hatte, am meisten preisgegeben. Man versuchte es mit einer Bittschrift an den General Tilly. Dessen Antwort vom 1. Juli 1624 lautete nicht unbillig, indem sie nach Möglichkeit Erleichterung in Aussicht stellte. Augenblicklich aber sei damit nicht zu rechnen. Durch dieses Entgegenkommen ermutigt, wandte man sich noch einmal an den Heerführer der feindlichen Partei. Es sei alles aufgezehrt und erschöpft. Deshalb möge die Witzenhauser Garnison verlegt werden. Außer dem Winterquartier habe man schon im Sommer ein Feldlager in der Gemarkung gehabt. Alle adeligen Häuser seien geplündert, zum Teil verbrannt, Vieh und Hausgerät weggekommen, die Feldfrucht zertreten, verfüttert und verderbt, Saatkorn und Pferde fehlten. Die Familie von Bischoffshausen suchte sich zu helfen, indem der älteste Sohn Otto Wilkes in Tillys Heer eintrat. Dennoch befand er sich schon damals in der schwersten Bedrängnis. Am 24. Juni 1624 mußte ihm Stephan Beuermann zu Hedemünden 7 Malter Hafer “vorsagen” gegen die Verpflichtung, dafür zum nächsten Michelis 14 Taler zu zahlen. In demselben Jahre lieh Otto Wilke von dem Syndikus Cristoph Hupede in Münden 200 Reichstaler und verpfändete ihm dafür die Hälfte seines freien Gutes und Vorwerkes in und bei Hedemünden, bestehen aus 2 Hufen Landes und einem Hause und Hofe. Bis zum Jahr 1676 sehen wir die Familie sich bemühen, den Besitz in Hedemünden von den Inhabern einzulösen, jedich vergeblich.

 

            Im Herbst 1625 wurde die Umgebung von Witzenhausen von den durchziehenden Scharen Wallensteins schwer heimgesucht. In dem von Bischoffshausenschen Dorfe Berge lagen mehrere Tage lang 3000 Mann Fußvolk, ebenso in Hebenshausen. Vierzehn Tage währte der Durchmarsch, der jedenfalls alle Vorräte an Vieh und Lebensmitteln erschöpfte. Im November folgten die Truppen Marodes, die, vor Witzenhausen mit Erfolg abgewiesen, in den schutzlosen Dórfern ihr Unwesen trieben. Im Frühjahr 1626 überschritt Christian von Braunschweig, “der tolle Halberstädter”, die Grenze, um das Hessenland zu “befreien”. Damit veranlaßte er aber Tilly aufs neue zum Heranmarsch, der am 26. Mai Münden erstürmte.

 

            Im Jahre 1628 schreiben die Dorfbewohner der Umgegen von Witzenhausen in einem Tgesuche: “Dazu kommt dann auch das letzte einquartierende Volk, welches 8000 Mann stark sein soll, hat uns ganz um das Unsrige gebracht ... Fünf Jahre und sonderlich die letzten drei Jahre sind wir also gescheucht, gepreßt, gequälet und gepeinigt worden, daß wir nun gemeldete drei Jahre nicht eine Furche Landes ausstellen, ja dieses Jahr nicht soviel an Pferden, Samen und sicherer Zeit, zu geschweigen der ausgemergelten Leibeskräfte, in Vorrat haben, daß wir ein Plätzchen Rübsamen und noch viel weniger andere Sommerfrüchte, weil der Acker einer Heide gleich sieht, ausstellen möchten und geben es also ganz und gar verloren”. Sie möchten nur wieder zu ihren Hútten kommen können und von den Artillerieknechten nicht mehr geschlagen werden, die trotzdem eine Kriegssteuer erpressen wollten. Damals waren von den Dörfern des Amtes Witzenhausen nur noch neun bewohnt, acht lagen öde und wüst und zwar so sehr, daß in etlichen auch nicht ein Haus mehr zu finden war. Das letztere war namentlich zu Bischhausen, Hebenshausen und Berge –also im ganzen Gericht Bischoffshausen- der Fall. Mancher ließ Haus und Hof im Stich und fristete bettelnd das nackte Leben.

 

            Nachdem auch im Sommer 1630 ein Durchmarsch kaiserlicher Regimenter nicht gefehlt hatte, zogen im nächsten Jahre nacheinander die Scharen Tillys, Altringers und Fuggers plündernd durch das Tal der Werra.

 

            Es kam das Frühjahr 1632. Pappenheim schlug sich mit dem hessischen und braunschweigischen Heere an der Leine und Diemel. Da erschien plötzlich eine Abteilung Kroaten im Werratal, um eine von Pappenheim ausgeschriebene Brandschatzung einzutreiben. Als die Summe nicht aufzubringen war, griff man zu Geiseln. Darunter war außer den Bürgermeistern von Witzenhausen, Allendorf und Eschwege auch Otto Wilke von Bischoffshausen. Sie wurden nach Einbeck geschleppt und dort ins Gefängnis geworfen, wo sie in einem stinkenden Loche gehalten wurden und die Kosten für ihre Ernährung selbst aufbringen mußten. Erst wenn die verlangte Summe von 30000 Talern aufgebracht war, erfolgte die Freilassung. Der mitgefangene Richard von Berlepsch konnte zu Anfang des Jahres 1633 seine Loslassung erkaufen. Körperlich gebrochen kehrte er heim und starb zwei Jahre später im besten Mannesalter. Otto Wilke dagegen beschloß sein Leben bald in der Gefangenschaft. Seine Söhne leisteten alle Kriegsdienste. Auf die Nachricht vom Tode des Vaters verließ der Älteste jedoch seine Stelle, damit die Güter nicht als herrenlos betrachtet würden. Alle adeligen Sitze und Höfe waren in fremden Händen, die Häuser verwüstet und geplündert. Bischoffshausen selbst war mi allem Zubehör samt Neuenrode für eine größere Forderung schon zu Lebzeiten des Vaters (1630) Hermann von der Malsburg, dem ehemaligen Statthalter, eingeräumt worden. Hans Heimart, der älteste der vier Brüder, erhielt von diesem auf seine Bitte Neuenrode abgetreten, mit Haus und Gut, aber öde und wüst.

 

            Die Jahre 1636 bis 1640 brachten neue feindliche Durchzüge. 1637 flüchteten alle Bewohner vor den Kroaten. In den letzten Jahren des großen Krieges folgte das “schwedische Kriegswesen”. Um wieder in den Besitz des Gutes Bischoffshausen zu gelangen, mußte sich Hans Heimart zur Abtretung des Altensteines entschließen. Die Summe von 4000 Talern, die 1643 bei der Ablösung gezahlt wurde, galt in erster Linie der Wiedereinlösung des Stammhauses und Burgsitzes. Im nächsten Jahre gab auch der einzige noch lebende Bruder von Hans Heimart, Adam Wilke, den Kriegsdienst auf und kam mit Weib und Kindern zu seinem Bruder nach Neuenrode. Er hatte in Lothringen Claudine von Mousson geheiratet und als Rittmeister in dem zuletzt von Frankreich übernommenen Heere Bernhards von Weimar gedient. Bald finden wir ihn und die Seinen in Bischoffshausen wohnhaft. Dort hatte er 1647 unerwünschte Gäste, eine schwedische Vormacht unter Major Blume gegen die kaiserlichen unter General Holzapfel. Sie “lag damals in die neun Wochen allhiero uf Bischoffshausen und wurde allemal von zehn zu zehn Tagen mit 120 Pferden abgelöset”. Adam Wilke wurde durch diese Einquartierung dermaßen ausgesogen, daß er sein Brotkorn verkaufen mußte.

 

            Wie mag damals die alte Burg ausgesehen haben? Nach einer Beschreibung aus dem Jahre 1503 war sie nicht unbedeutend, was sich schon aus dem Vorhandensein einer Vorburg ergibt. In der Mitte der ganzen Anlage erhob sich der “Torn”, ein 80 bis 100 Fuß hoher, viereckiger Steinturm mit einem 30 Fuß über der Erde liegenden Eingange. Am Tore befand sich das “Porthus”. In der Vorburg, die man durch das Tor –wohl an der Stelle des jetzigen Einganges- betrat, lag das “alte Haus”, offenbar das jetzige Pächterwohnhaus (s. Abbildung 16), das jedoch noch vor 100 Jahren als “himmelhoch ragend” geschildert wird, “als eine zusammengefügte, 5 bis 6 Stockwerke hohe Häusermasse mit zwei Giebeln, zahllosen Zimmern” usw. Auf der Südseite stand damals noch “ein dreistöckiges, massives, schmales Haus, ein Teil der uralten Burg miy einem Treppenturm, äußerst baufällig”. An den Bergfried, den erwähnten hohen Turm in der Mitte des heutigen Wirtschaftshofes, schloß sich “die Scheidemauer”, welche die Vorburg abschloß. Dort oder in der Hauptburg standen noch zwei Wohnhäuser, ein Reisigenstall und ein im 15. Jahrhundert errichteter Stall. In dessen Nähe führten zwei Treppen auf die Mauer und zu einem “langen Kragenstein”, der vor dem Reisigenstalle stand. Zwischen dem Hause und der Mauer sollte ein Gang bleiben, daß man auf die Mauer kommen konnte.

 

            Das alte Burggebäude wurde von der Familie in den Jahren 1810 bis 1812 zuletzt bewohnt. Durch den Brand von 1816 verschwand es an der Südseite. Im Jahre 1827 brannte auch das zum Teil noch heute stehende Hauptgebäude in seinen oberen Stockwerken nieder, wodurch es seine Turmartige Höhe einbüßte. Um 1830 wurde der hohe Turm hinweggeräumt. Damit verlores Burg und Dorf vollends das Wahrzeichen, das ihnen durch Jahrhunderte das Gepräge gegeben hatte. Eine einschneidende Veränderung vollzog sich durch den am 1. Oktober 1869 bei Bischhausen begonnenen Bau der Eisenbahn. Der steile Südhang des Badensteines wurde weggesprengt und durch die so gewonnenen Erdmassen der tiefe Einschnitt zwischen Badenstein und Rabensberg durch den jetzigen hohen Damm ausgeglichen. Drei hinter der Kirche und unter dem Burggarten gelegene Bauernhäuser mußten abgebrochen werden.

 

            Zu dem adeligen Gerichte Bischoffshausen gehörten Bischhausen, Berge, Hebenshausen und Neuenrode. Es bestand gleich den übrigen hessischen Patrimonialgerichten bis in die westfälische Zeit. Die Gerichtsbarkeit der Adeligen umfaßte in Hessen die Kriminal- und bürgerliche Rechtsprechung. Viele Beispiele beweisen diese ziemlich weitgehende Zuständigkeit auch für Bischoffshausen. So wurden hier bestraft: Ehebruch (1543), Untreue (1544), Entführung (1545), Falschspiel (1549), tödliche Verwundung (1550), Tätlichkeit (1554), Ehebruch (1557), Tätlichkeit (1558). Im Jahre 1564, als zu Bischhausen ein Totschlag geschehen und auf besonderen Wunsch des Landgrafen der Täter in Cassel gerechtfertigt werden sollte, schrieb der Landesherr am 10. April 1563 ausdrücklich an Berlt von Bischoffshausen, es solle dadurch den Gerechtsamen der Familie kein Abruch geschehen. Trotzdem schlugen die Behörden gerade von dieser Zeit an während der Minderjährigkeit des damaligen Inhabers ein anderes Verhalten ein. Als 1569 zu Bischhausen von den Fischern ein ertrunkener Knabe in der Werra gefunden und am Kirchhofe begraben wurde, ließ der landgräfliche Schultheiß von Witzenhausen die Leiche wieder ausgraben und in Witzenhausen bestatten. Als 1580 am Weihnachtstage “ein fremder Wurzeler” auf der Straße bei Bischhausen tot (wie man später zugab, erfroren) aufgefunden und von den Einwohnern in die Kirche gebracht worden war, eilte der Schultheiß noch des Abends mit etlichen Bürgern nach Bischhausen, um “zu Erhaltung seines gnädigen F. Und H. Hochheit und Gerechtigkeit den toten Körper abzufordern”, da der Verstorbene “vielleicht ermordet sein mochte”. Es half weder ein Gutachten der Rechtsfakultät zu Jena, noch die Berufung auf den Brief des Landgrafen Philipp des Großmütigen. Die Familie behielt in Zukunft nur die niedere Gerichtsbarkeit. Zu ihrer Ausübung hielten die von Bischoffshausen einen Amtmann.

 

            Außer dem Gute Bischoffshausen hat die Familie noch einen größeren Hof in Berge. Beide sind verpachtet. Der Eingang zu dem Herrenhause des Gutes zeigt eine Sandsteinfassung im Rundbogenstiel. Darüber befindet sich eine in Stein gehauene Maske. Links und rechts sehen wir in Manneshöhe zwei Wappen, das von Bischoffshausensche, kenntlich an dem Adlerkopfe, und die drei zunehmenden Monde der Herren von Bodenhausen (s. Abbildung 17). Der untere Teil des Gemäuers ist anscheinend alt. Ein zugemauerter Eingang an der einen Giebelseite weist auf seiner Einfassung eine unkenntlich gewordene Jahreszahl auf, anscheinend 1596. Am Stallgebäude bemerken wir ein Doppelwappen, rechts eine Bütte (von Buttlar), links den Adlerkopf der von Bischoffshausen. Darüber stehen die Buchstaben O.W.V.B. M.V.B. G.V.B. und die Jahreszahl 1618 (s. Abbildung 18). Die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Gutes beträgt 500 Morgen.

 

            Mit der Geschichte von Bischoffshausen haben wir ein Jahrtausend durchwandert. Im Wechsel der Zeiten ist die früher so ansehnliche Burg von ihrer Ritterherrlichkeit zum Alltagswerk eines von Pächtern betriebenen Wirtschaftshofes herabgesunken. Doch zu ihren Füßen erheben sich die Häuser und Höfe der Bauern in stattlicher Wohlhabenheit. Wir kennen aus den älteren Zeiten ihre Schicksale nur im allgemeinen, den niederdrückenden Anteil, den sie an den Leiden des großen deutschen Krieges trugen. Wir hören von den Diensten, Abgaben und anderen Lasten, die sie dem Landesherrn und der adeligen Gerichtsherrschaft schuldeten. Ihre damalige Lage mag uns wenig beneidenswert erscheinen, aber wie nur der Lehnsverband den Rittergutsbesitz gerettet, so hat er auch die Bauern bei der Scholle erhalten. Der Dreißigjährige Krieg hätte schonungslos auch den Rest entwurzelt, wenn die übriggebliebenen nicht Gerichtsuntertanen gewesen wären. Die in dem Kirchenbuche um 1700 am häufigsten auftretenden Namen sind: Sunder, Jatho, Hesse, Volkmar, Fahrenbach, Knüttel, Wagener, Schwabe, Sachse, Herolt, Fülgraben, Walter, Fischer, Kindermann usw.

 

            Die ältere Form des Ortsnamens haben wir kennen gelernt. Langsam verwandelte sich die Endung “husen” in das hochdeutsche “hausen”, während der ganze Name zu “Bischhausen” zusammengezogen wurde. In den amtlichen Urkunden erhielt sich jedoch der volle Name “Bischoffshausen”, bis im 18. Jahrhundert die verkürzte Form auch für die Familie allgemein üblich wurde. Doch tritt die ursprüngliche Form immer wieder in den Akten und Unterschriften der Familie hervor, und seit dem Ende des 18. Jahrhunderts führt sie nur den alten Namen. Der Name der Ortschaft lautet längst “Bischhausen”. Für den Rittergutsbezirk wurde jedoch, der alten überlieferung entsprechend, der Name “Bischoffshausen” durch königliche Verfügung wiederhergestellt.

 

            Der Wanderer, der von der im Tale ziehenden Landstraße aus das schlichte Herrenhaus mit dem kleinen Türmchen auf dem Hange des Badensteines liegen sieht, ahhnt nicht, daß sich hier einst eine stattliche Burg erhob. Die einschneidenden Veränderungen, die an der Stätte vollzogen wurden, habe die Erinnering an die Feste, von der das noch heute blühende Geschlecht den Namen führt, erblassen lassen. Wollen wir ein Bild des alten Bischoffshausen gewinnen, so müssen wir den mächtigen Bahndamm wegdenken und den Burgplatz uns geräumiger vorstellen, das noch bestehende alte Hauptgebäude um mehrere Stockwerke wachsen lassen, den Platz mit ähnlichen hohen und grauen Gebäuden einsäumen, in ihrer Mitte aber den mächtigen Bergfried wieder erstehen und die alten Mauern “mit altersgrauen Wimpern” (Annette von Droste-Hülshoff) herniederblicken lassen auf die grünen Auen der Werra und die Höfe der Bauern zu den Füßen der alten Burg. So war es einst. Im Laufe der Jahre und Jahrhunderte hat sich jedoch das Bild gänzlich geändert.

 

 

            An die Zeit der noch nach 1600 blühenden Werraschiffahrt erinnert der bei Bischoffshausen liegende “Winborn” (Weinborn). Hier und an dem “Gesegneten Born” bei Albungen füllten die Schiffer heimlich die angebohrten oder angetrunkenen, mit fränkischem oder Werratalwein gefüllten Fässer wieder auf, wenn sie etwas von dem edlen Stoff daraus entnommen hatten. Beide Quellen standen in dem Rufe, den mit ihrem Wasser getauften Wein weder zu verdünnen noch zu trüben.

 

 

“Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit,

Und neues Leben blüht aus den Ruinen.”

                                                            (Friedrich v. Schiller.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           

 



[1] Auszug aus “Burgen, Schlösser und Herrensitze im Gebiete der unteren Werra – Heft 2” von Heinrich Lücke, Verlag von H. Lücke, Parensen (b. Nörten i.Hann.), 1924

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