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Prächtige Adels-Hochzeit in Mettlach
Aus Prinzessin Cynthia wird eine Gräfin, und der Kölsch-Kellner der Stammkneipe aus Studenten-Tagen war dabei
Von TRAUDL BRENNER


SonnenscheinVor dem Sandsteinportal der Kirche in Mettlach zeigt sich das junge Paar: Cynthia zu Solms-Hohensolms-Lich und Richard Graf zu Waldburg Wolfegg und Waldsee heirateten an der Saar. Sie arbeitet als Entwicklungshelferin, er ist Banker in Frankfurt. Das Publikum schaute, wie sollte es anders sein, besonders nach den Hüten. FOTO: BRENNER

Mettlach. Herren - auch junge - im Cutaway und phänomenal behütete Damen, Adel aller Klassen, buntes babylonisches Sprachgewirr, strahlender Sonnenschein - das gibt es im Saarland eigentlich nur in Mettlach, wenn Hochzeit ist. Diesmal war Cynthia, Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich, der Fest-Anlass: Sie heiratete am Samstag in der Mettlacher Kirche Richard Graf zu Waldburg Wolfegg und Waldsee. Hauptgrund für Mettlach als Hochzeitsort war, dass die Braut eine Enkelin der Gangolfer Linie der Familie von Boch ist. Ihre Mutter Millicent ist Tochter des langjährigen Generaldirektors von Villeroy & Boch, Luitwin von Boch-Galhau, und seiner Frau Beatrice. Sie ist Medizinerin und verheiratet mit Prinz Wilhelm zu Solms-Hohensolms-Lich, Professor in Marburg. Das Ehepaar hat vier Kinder, von denen eine weitere Tochter, Amicie, vor drei Jahren ebenfalls in Mettlach geheiratet hat, im gleichen wunderbaren Rahmen, und ebenfalls bei Sonnenschein. "Boch-Wetter" sagen die Mettlacher dazu, denn angeblich scheine die Sonne immer, wenn bei Bochs gefeiert wird. Die Braut von damals, wie ihre Schwester per Heirat von der Prinzessin zur Gräfin geworden - sie heiratete Johannes Reichsgraf von Thurn und Valsassina - hatte jetzt schon das erste Kind dabei: Albertina, genannt Alba. Die Kleine war eines von vielen Kindern, die an dieser Hochzeit teilnehmen durften. Und weil auch adlige Kinder absolut keine Lust auf lange festliche Brautmessen haben, konnte man vor der Kirche hübsche Szenen beobachten, wenn Herren mit fliegenden Cut-Schößen mit ihrem Nachwuchs Fangen spielten, um ihn bei Laune zu halten.

Beim auch von vielen Touristen beobachteten Auszug aus der Kirche fühlte man sich dann fast um drei Jahre zurückversetzt, zur letzten Hochzeit, so sehr ähnelten sich die Bräute, die Kleider, die langen Schleppen. Die Blumenkinder, die Blätter körbeweise über das Brautpaar regnen ließen, waren allerdings andere. Auswahl gibt es genug. Dieses Fest war der quicklebendige Gegenbeweis zur viel bejammerten These, Deutschland gingen die Kinder aus.

Empfang dann im wunderschönen Saareck-Park, unter Sonnendächern und Bäumen. Aus ganz Europa und auch aus Übersee waren die Gäste angereist, darunter auch viel Prominenz: wie zum Beispiel Hermann Otto Solms, Bruder des Brautvaters, der als Politiker seinen Prinzen-Titel nicht benutzt. Auch eine ganze Reihe von Mettlachern waren eingeladen - voran der Kirchenchor, der den Gottesdienst gestaltet hatte. Das witzigste "Geschenk" für die Braut: Der "Köbes vom Früh am Kölner Dom", der Kellner ihres früheren Stammlokals während der Studentenzeit. Den hatten Freunde als Überraschung hergezaubert.

Für den Nachwuchs all der Fürsten und Prinzen und Grafen war eigens im Saareck-Park ein kleines Karussell aufgebaut. In Springbrunnen waren aber auch behütete schicke Frauen zu beobachten, die es wie ihre Kinder machten: Schuhe aus und rein ins kühle Wasser. Die ganz Kleinen verschliefen im Schatten von Büschen und Bäumen den Tag.

Was trägt man bei solchen Anlässen in diesen Kreisen? Der Cutaway war den Herren per Einladung verordnet. Sie passten auch überwiegend hervorragend hinein - kaum Übergewicht irgendwo zu erkennen. Und die Damen? Kniekurz meist die Kleider, leuchtend, teils gewagt in der Kombination die Farben. Und eben die Hüte, vom Topfhut bis zum Wagenrad, in jedem Fall aber vor der sengenden Sonne schützend.

Das Brautpaar übrigens hatte, außer der engen verwandtschaftlichen Beziehung der Braut, noch einen weiteren Grund, in Mettlach zu heiraten: Hier hat bei den beiden der berühmte Funke gezündet. Als nämlich Cynthia vor nicht langer Zeit bei ihrer Großmama Beatrice in St. Gangolf zu Besuch war, tauchten ihre Brüder auf und hatten Richard dabei. Die beiden kannten sich zwar schon von Kindesbeinen an, weil die Eltern befreundet waren, aber droben bei der Oma in St. Gangolf haben sie sich dann gefunden. Das junge Paar lebt in Frankfurt. Cynthia, Entwicklungshelferin im Dienst der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ), muss viel in südamerikanische Länder reisen, der Bräutigam ist Banker.

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