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Kreuzwertheim/Wertheim. "Nein, ich fühle mich
allerdings noch nicht als Gruftie." Der dies schmunzelnd sagt und dann
noch ein, "das sind doch heutzutage so die Ausdrücke dafür,
oder?"
hinterher schiebt, feiert am morgigen Sonntag seinen 80. Geburtstag:
Alfred-Ernst Fürst zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg. Kein
Pensionär,
der sich gemütlich zurücklehnt, aber einer, der es
genießt, nach einem
arbeitsreichen Leben nun seit geraumer Zeit mehr Muße zu haben
für
seine Hobbys und Leidenschaften. Wann immer es geht an seiner Seite
Fürstin Ruth-Erika, mit der er seit mehr als 50 Jahren
glücklich
verheiratet ist. "Alle Unternehmungen machen wir gemeinsam", so der
Fürst im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten,
für das er sich die
Zeit genommen hat, obwohl bereits zahlreiche Gäste auf dem Schloss
in
Kreuzwertheim eingetroffen waren, die seinen Ehrentag morgen mit ihm
feiern wollen.
Dabei soll der Geburtstag eigentlich "gar nichts Besonderes
sein".
Geplant ist vor allem ein "gemütliches Mittagessen mit der
Verwandschaft". Doch "alleine die engere Familie, das sind dann schon
rund 25 Personen, und die müssen natürlich schon alle dabei
sein",
freut sich der Jubilar auf das Zusammentreffen und das
"ländlich-familiäre Fest ohne Firlefanz". Die Hauptsache sei,
wenn man
so zusammenkomme, dass man sich unterhalten könne. Zuvor aber wird
man
gemeinsam den Gottesdienst besuchen, denn "an einem Tag wie diesem ist
es wichtig zu danken". Geschenke, sagt der Fürst fast
beiläufig, habe
er sich im übrigen verbeten. Wer etwas geben wolle, könne
dies der
Christusträger-Bruderschaft im Kloster Triefenstein zukommen
lassen.
Geboren wurde Alfred-Ernst zu
Löwenstein-Wertheim-Freudenberg am 19.
September 1924 auf Schloss Triefenstein. Später siedelte er mit
seiner
Familie nach Langenzell über, ehe er 1931, nach dem Tode des
Großonkels
nach Kreuzwertheim kam, wo der Vater des Jubilars die Nachfolge
angetreten hatte. Bis Juni 1942 besuchte er das Gymnasium in Wertheim.
Praktisch von der Schulbank weg wurde er zum Reichsarbeitsdienst
eingezogen und als gerade einmal 17-jähriger in der "Goldenen Aue"
zwischen dem Harz und dem Kyffhäuser gelegen, eingesetzt.
Gerade in diesen Tagen hat diese Zeit für den
Fürsten wieder eine
besondere Bedeutung gewonnen. Seit über 50 Jahren habe er einen
Freund
gesucht, mit dem er beim Arbeitsdienst war. Zwei Mal habe man sich
danach noch getroffen und dann aus den Augen verloren. Bis vor kurzem
sei die Suche erfolglos geblieben, doch nun habe er, mit Hilfe des
Internets, wieder Kontakt bekommen. Am Mittwoch feierte der Freund, der
als Musiker in der Schweiz lebt, selbst seinen 80. Geburtstag. "Wir
waren damals gemeinsam auf einer Stube", berichtete der Jubilar von so
manchem gemeinsam verübten Streich. Es waren offensichtlich keine
"Böse-Buben-Stücke", denn "von da an hatten wir beide einen
Schlag beim
Chef", und vielleicht auch deshalb sei man etwas länger beim
Arbeitsdienst geblieben.
Schließlich musste man aber doch zum Militär. Der
junge Adelige war
bei der Wehrmacht in Brandenburg und Berlin und wurde dann in
Südfrankreich eingesetzt. Von April bis zum Sommer 1945 verbrachte
er
in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in den berüchtigten
"Hungerlagern" in der Pfalz, ehe er wieder nach Hause zurückkehren
konnte.
Hier absolvierte er eine landwirtschaftliche Ausbildung und
dann das
Studium in Weihenstephan, das er als Diplom-Landwirt abschloss. Damit
war der Grundstein gelegt, den eigenen Betrieb übernehmen zu
können.
"Ich war technisch sehr interessiert", sinniert er heute
rückblickend
auf die Frage, ob dies auch bei einem anderen Lebensweg sein Berufsziel
gewesen wäre. "Das wäre dann wahrscheinlich etwas
stärker in den
Vordergrund getreten, als die Landwirtschaft." In der Zwischenzeit
trägt der älteste Sohn, Erbprinz Ludwig, die Verantwortung
für die
geschäftlichen Belange des Hauses, und "ich rede ihm da nicht
hinein",
auch wenn er sich nach wie vor dafür interessiert.
Zeit seines Lebens war dem Jubilar der Dienst an der
Allgemeinheit
eines der höchsten Güter. So hatte er auch zahlreiche
Ehrenämter inne.
Dazu gehörte, und diese Aufzählung kann wirklich nur
unvollständig
sein, der Vorsitz des Aufsichtsrates der damaligen Volksbank Wertheim.
Er war für die CSU 24 Jahre lang Mitglied des Kreistages des
Main-Spessart-Kreises und für die CDU der Sektionssprecher des
Wirtschaftsrates in Baden-Württemberg. Dem Beirat der
Denkmalstiftung
Baden-Württemberg gehörte der Fürst ebenso an wie dem
Ausschuss des
Verbandes der baden-württembergischen Grundbesitzer. "Ja, ich war
wirklich in sehr vielen Gremien tätig. Nicht, dass es besonders
angestrengt hätte. Es hat im Gegenteil sogar Spaß gemacht.
Aber man
muss auch der jüngeren Generation einmal Gelegenheit geben,
Verantwortung zu übernehmen", begründet er den Rückzug
von den meisten
Positionen.
Nach wie vor aber ist er Vorsitzender der Vereinigung des
Adels in
Bayern und Präsident der Vereinigung der deutschen
Adelsstände. In
dieser Funktion hatte er zum Beispiel vor zwei Jahren den
europäischen
Adelstag vorzubereiten und zu leiten, der in Potsdam stattfand. "Das
war ein toller Erfolg", erinnert er sich noch heute gerne an dieses
Ereignis, vor allem "wenn man bedenkt, was von den Freunden aus dem
Ausland zum Abschluss alles gesagt wurde". Es sei da gelungen, manche
Brücke zu schlagen.
Aktiv übt der Fürst auch noch das Patronat über
zwölf evangelische
und drei katholische Pfarreien in der so genannten alten Grafschaft und
darüber hinaus aus. Wie schon bei früherer Gelegenheit
betonte der
Fürst, das Patronat sei "das älteste Mitspracherecht von
Laien in der
Kirche. Deshalb liegt es mir auch am Herzen". Und er nimmt die daraus
erwachsenden Rechte und Pflichten ernst. Auch wenn der Jubilar sein
gesellschaftliches und politisches Engagement auf ein, wie er vor
Jahren einmal sagte, "Normalmaß zurückgeschraubt" hat, in
das berühmte
"schwarze Loch" ist er danach nicht gefallen. Das könne zwar schon
passieren, wenn man nicht bereit sei, sich Beschäftigung zu
suchen,
sich Hobbys zuzuwenden. Er aber tue das "und ich bin dankbar, dass mir
dafür noch die Gesundheit gegeben ist".
Dankbar ist er auch, dass er nach wie vor seine Frau an seiner
Seite
weiß. Am 9. September 1949 schloss er mit ihr den Bund fürs
Leben, fünf
Kinder, drei Töchter und zwei Söhne gingen aus der Verbindung
hervor,
gemeinsam erfreut man sich an den Enkelkindern. Und noch heute gilt,
vielleicht mehr denn je, "wir machen alle Unternehmungen gemeinsam". So
habe man erst kürzlich, zum zweiten Mal, eine Donaufahrt genossen,
"das
war wirklich eine Freude, wir haben viel Spaß gehabt".
"Mit Freude gesehen" habe er im vergangenen Jahr auch, wie man
in
Wertheim und der Region das Jubiläum der Grafschaft gefeiert habe.
"Ich
möchte nicht sagen, dass ich stolz darauf bin, aber es ist nun
einmal
so, dass meine Familie dies über Jahrhunderte mit geprägt
hat. Es ist
schön, dass es erhalten wird, dass es hier noch so ist in der
alten
Grafschaft und den Menschen etwas bedeutet." Wohl nicht nur aus der
alten Grafschaft, sondern weit darüber hinaus werden Fürst
Alfred-Ernst
morgen die Glückwünsche zum Geburtstag erreichen. Auch die
Fränkischen
Nachrichten schließen sich diesen gerne an. ek
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