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Schloss jetzt offiziell Domizil
Donaueschingen
Von
Wolfgang Losert
Jahrzehnte lang war das
Donaueschinger Schloss mehr Museum als Wohn- und Lebensraum. Schon
Fürst Joachim und Fürstin Paula zogen zuerst die Villa Dolly
und später das Salzmannhaus am Karlsplatz dem Prachtbau als
privates Refugium vor. Und auch Heinrich und Milana zu Fürstenberg
wohnten bis kürzlich in dem unspektakulär anmutenden "Haus
Hofjägerberg" an der Sennhofstraße, einem Einfamilienhaus,
wie es auch in jeder besseren Wohngegend der Stadt stehen könnte,
mit großem Grundstück zwar, aber eben doch blass im
Vergleich zum mondänen Flair des nahen Schlosses.
Der Generationswechsel nach dem Tod
des Fürsten Joachim aber wurde auch für den mächtigen
Residenzbau mit seinen 155 Zimmern und 30 Schlafgemächern,
prächtigen Repräsentations-Räumen und
sehenswert-anachronistischen Bädern und Toiletten zur
Schicksals-Fügung. Und Fürstin Milana danach zur
Protagonistin einer bemerkenswerten Renaissance zurückkehrender
aristokratischer Wohnverhältnisse. Im Sommer schon kündigte
das Fürstenpaar den Lackmustest für die Nutzbarkeit des
Schlosses als privates Domizil an. Bis in den Winter hinein, wenn die
Temperaturen auf der Baar tief pegeln, wollte man Erfahrungen sammeln:
Lassen sich die Räume ausreichend beheizen? Würde sich auch
ein behagliches Wohngefühl in einer Groß-Puppenstube
temperieren? Outen sich bislang unentdeckte Mängel in der
Infrasturktur? Und ist der durch eine zielfühende
Eintrittspreis-Politik zwar spürbar zurück gestaute, aber
freilich nie ganz versiegende Touristenstrom ein Störfaktor?
Auf all diese Fragen sind
mittlerweile Antworten gereift, die der Chef des Hauses
Fürstenberg, Fürst Heinrich, am vergangenen Donnerstag bei
der Ehrung der FF-Arbeitsjubilare mit einer offiziellen Erklärung
summierte: Das Schloss sei jetzt definitiv der private Wohnsitz der
Familie: "Wir wollen den Donaueschinger damit zeigen, dass das Bauwerk
wiederbelebt ist". Und weiter dachte Fürst Heinrich ganz
pragmatisch: Wäre doch schade, wenn sich die latenten und teueren
Renovierungs- und Erhaltungsmaßnahmen nicht wenigstens durch eine
Wohnnutzung amortisieren würden.
Zum Familienfest Weihnachten, das ja
auch symbolisch steht für Herbergssuche, hat die Familie
Fürstenberg also ihre "Krippe" gefunden. Heinrich und Maximiliane,
der für mehrere Monate "wieder bei den Eltern wohnende" Erbprinz
Christian und sein Bruder Antonius sind Schlossbewohner geworden,
teilen sich die Adresse mit einem ständigen Hausmeister und
fühlen sich "richtig wohl" an der besonders in den Wintermonaten
beschaulich-stillen Lage.
Belebter aber könnte der
Prachtbau schon im kommenden Spätsommer werden. Dann sollen
Pläne reale Traktion bekommen, die dem Schloss vollends die Aura
einer museal verpuppten Immobilie verscheuchen. Eine Reihe
hochkarätiger Kammermusik-Konzerte soll das Gebäude zu einer
ersten Adresse des Kunstgenusses im Land machen. Und ausgewählte
"Fünf-Sterne-Events" für eine Klientel, die sich solch
fürstliches Ambiente leisten kann, zaubern die Rendite-Ruine
vielleicht ja sogar zum rentierlichen "Wohn- und Geschäftshaus".
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April 19, 2003 - R E I C H S T E D E U T S C H E - Der
kleine Prinz
von Karsten Langer.
Bisher war die Dynastie derer zu Fürstenberg vor allem für
ihre Großzügigkeit und ihren barocken Lebensstil bekannt.
Kürzlich hat der junge Prinz das Erbe angetreten. Ob er der
Tradition des Hauses treu bleiben kann, ist fraglich.
Hamburg - "Fürsti" nannten ihn seine Schulkameraden salopp, und
das noch bis vor kurzem. Denn Christian Joachim Maximilian Erbprinz zu
Fürstenberg so lautet sein offizieller Titel hat die
Klassenzimmer eines Schweizer Internats erst vor wenigen Jahren
verlassen.
Trotzdem ist er schon jetzt der mächtigste Spross eines der
ältesten und bedeutendsten Hochadelsgeschlechter Europas. Bei
offiziellen Anlässen wird er mit dem Titel "Durchlaucht"
angesprochen.
Seit dem Tod seines Großvaters Joachim zu Fürstenberg im
Juli vergangenen Jahres ist der 25-Jährige Alleinerbe des Hauses
mit Stammsitz in Donaueschingen. Heinrich, der Vater des Prinzen, wurde
bei der Erbfolge übersprungen aus steuerlichen Gründen,
wie es heißt. Damit gehören dem jungen Fürst zu
Fürstenberg mehr als 20.000 Hektar Land, die lukrative
Privatbrauerei, Kunstschätze, Immobilien, Güter im Ausland et
cetera. Der Wert des Vermögens wird auf bis zu 700 Millionen Euro
taxiert. Aber trotz seiner Abstammung gibt sich der Prinz weltlich und
bürgernah - so will es wohl die Etikette der Gegenwart. "Man
sollte nicht versuchen, das große Geld zu machen". "Ich will mich
nicht hinter meinem Titel verstecken. Ich möchte beweisen, dass
ich wirtschaftlich erfolgreich agieren kann", sagte der Prinz
kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur DPA.
Statt sich den schöngeistigen Dingen des Lebens hinzugeben und die
Verwaltung des schnöden Mammons anderen zu überlassen, wird
er Immobilienkaufmann und studiert nebenbei an der European Business
School in Berlin.
Aber erst in acht Jahren soll Prinz Christian die Leitung des Hauses
Fürstenberg auch offiziell übernehmen. Bis dahin führen
sein Vater und der Geschäftsführer Hans-Rüdiger Schewe
die Geschäfte.
Nach seiner Ausbildung wird der Erbprinz aller Voraussicht nach ein
veritabler Manager sein. Und beweisen, dass Fürstenhäuser
nach Abzug aller Insignien letzthin nichts weiter sind als schnöde
Wirtschaftsbetriebe, wenn auch unter besonderem Vorzeichen. "Ein
Fürstenhaus kann man nicht wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen
führen. Man sollte nicht versuchen, das große Geld zu
machen", weiß der Erbprinz.
Der Ausverkauf hat begonnen... Selbst unter Berücksichtigung der
Tatsache, dass der Begriff "groß" relativ gemeint sein
könnte - der Erbprinz dürfte mit seiner Meinung nicht
unbedingt auf die ungeteilte Zustimmung vorangegangener Generationen
stoßen. Heinrich Fürstenberg zum Beispiel hatte keine Scheu
vor großen Summen.
Obwohl nicht offiziell als Erbe eingesetzt, war dem Vater des
Erbprinzen mit Beginn der neunziger Jahre die Leitung der adeligen
Unternehmungen nach und nach übertragen worden. Schnell stellte
Heinrich fest, dass all die Schlösser und Brauereibetriebe, die
Wälder und Besitzungen unterhalten sein wollen - ein
traditionsbewusstes Adelshaus verschlingt viel Geld.
Also ergriff der Generalbevollmächtigte von Zeit zu Zeit
unpopuläre Maßnahmen. Um an Bargeld zu kommen, handelte
Heinrich, wie schon sein Vater Joachim gehandelt hatte: er
verscherbelte das adelige Tafelsilbers.
1992 verkaufte er Teile der Hofbibliothek für stolze 48 Millionen
Mark an das Land Baden-Württemberg. 1999 wurde die
Musikaliensammlung veräußert, das Londoner Auktionshaus
Christie's übernahm die Versteigerung des fürstlichen
Weinkellers. Zuletzt spülte der Verkauf der Handschrift des
"Nibelungenliedes" 19 Millionen Mark in die Kassen. Gerüchten
zufolge sollen demnächst auch die alten Meister aus der
Gemäldesammlung dran glauben müssen – das Haus
Fürstenberg dementierte energisch.
"Meine Aufgabe ist es, die Tradition zu bewahren"
Mit dem anstehenden Generationswechsel besteht nun die berechtigte
Hoffnung, dass der Ausverkauf der Kulturgüter bald ein Ende hat.
Denn Erbprinz Christian weiß um die Verantwortung, die bald auf
seinen Schultern lasten wird. "Meine Aufgabe ist es, die Tradition
meiner Familie zu bewahren", sagte der Prinz unlängst und
fügte an: "Adel bedeutet für mich, dass ich mir der
Geschichte unseres Hauses bewusst bin." Zur Geschichte des Hauses
gehören auch die zahlreichen Bälle und Festivitäten, die
alljährlich stattfinden. In Adelskreisen genießen die Partys
einen legendären Ruf. Böse Zungen behaupten sogar, der
barocke Lebensstil sei schuld am chronischen Kapitalbedarf der Familie.
Den Stammhalter erwarten also keine leichten Aufgaben. Er wird das Erbe
im Sinne der Tradition, im Sinne der Denkmalschützer und
gemäß den Regeln seines Standes hegen und pflegen
müssen. Sollte ihm der wirtschaftliche Erfolg dennoch versagt
bleiben, muss ihm deswegen nicht bange sein: Zu den besten Freunden des
Hauses gehören die Grimaldis und die Familie Thurn und Taxis aus
dem benachbarten Bayern. Die würden dem Fürsten in spe bei
finanziellen Engpässen bestimmt zur Seite stehen.
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July 2004, Article by J. Rau: Ein fast normaler Geschäftsmann.
Erbprinz Christian zu Fürstenberg tritt ein großes Erbe an
mit allen Chancen und Zwängen. Über seinen Lebensweg konnte
er nicht selbst bestimmen: Blaues Blut und goldener Gerstensaft wurden
Erbprinz Christian zu Fürstenberg in die Wiege gelegt und damit
auch ein verantwortungsvolles Erbe. Doch so richtig zu stören
scheint es ihn nicht mehr: "Früher interessierte mich der ganze
Adel
nicht besonders, da wollte ich Rockstar werden oder im Filmbusiness
Fuß fassen, doch mit 17 entdeckte ich dann, dass das auch eine
schöne Verantwortung sein kann", blickt er heute zurück.
Bis zu seinem 13. Lebensjahr verbrachte der Fürstensohn seine
Kindheit in Donaueschingen, ministrierte am Sonntag und saß auch
schon mal beim FV Donaueschingen auf der Bank. Schon damals beherrschte
er vier Sprachen - nicht nur Englisch und Deutsch, sondern auch
Französisch, Spanisch und durch seine Mutter, Fürstin
Maximiliane, ein ausgesprochen gutes Italienisch. Bei aller
Weltgewandtheit zog es ihn nach dem Studium in den US doch zurück:
"Europa hat kulturell viel mehr zu bieten, außerdem hat man hier
einfach mehr Freiheiten und ich wollte wieder nach Deutschland, mich
mit der deutschen Wirtschaft auseinandersetzen", beschreibt der
Erbprinz seine Motivation zur Rückkehr. Und lernte in seinem
ersten Job in der Immobilienbranche, dass er in einer Republik lebt:
"Ich wollte mich am Telefon nicht mit Erbprinz Christian zu
Fürstenberg melden, das hätte den Kundenkontakt doch
beeinträchtigt, so war ich denn eben einfach Herr
Fürstenberg." Das Problem ist gelöst, seit er im
Familienunternehmen arbeitet - zusammen mit Vater Heinrich Fürst
zu Fürstenberg. Um 8.30 Uhr sitzt er am Schreibtisch, geht
Unterlagen durch, nimmt Termine wahr und plant auch noch Events mit: So
das Fürstenberg-Gartenfestival an diesem Wochenende, die
Fürstenberg-Classics. Und dann ist da noch ein Projekt, das ganz
seines ist: der neue Beach-Club "Princess Paradise", der ebenfalls an
diesem Wochenende eröffnet. So ist auch die Aussicht auf ein Leben
mit vorgegebenem Rahmen - Christians jüngerer Bruder Antonius wird
da größere Freiheiten haben - ganz erträglich: "Ich
trete ein wirklich schönes Erbe an, und schließlich liegt
mir Donaueschingen einfach am Herzen." Nur eine Gleichgesinnte sucht er
noch - und warnt sofort: "Mit Prinzessin spielen hat das wenig zu tun,
denn da müssen Abendessen für 400 Leute, Jagden,
Empfänge und vieles andere organisiert werden."
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