Otto H. Becker: *Gesamtarchiv
Schenk von Stauffenberg, Herrschaft Wilflingen:
Urkundenregesten 1366-1805,
bearbeitet von Otto H. Becker - Stuttgart: Verlag Kohlhammer, 1981. (Inventare
der nichtstaatlichen Archive in Baden-Wuerttemberg; Band 17)
Geschichte
von Wilflingen und Egelfingen
Der 1086 erstmals erwaehnte Ort Wilflingen
war urspruenglich Sitz eines gleichnamigen Ortsadels, der jedoch schon
im 13. Jahrhundert in benachbarte Staedte abgewandert war. Bereits 1274
bestand der Ort aus den Doerfern Gross- und Kleinwilflingen, wobei letzteres
auch Enhofen genannt wurde. Die beiden Doerfer bildeten in der Folgezeit
jedoch stets eine Gemeinde.
Im 13. Jahrhundert hatten in Wilflingen u.a.
die Herren von Gundelfingen, die Grafen von Veringen, die Grafen von Grueningen-Landau,
das Kloster Heiligkreuztal sowie das Konstanzer Domkapitel Besitz und Rechte
inne. Als Ortsherrschaft erscheint dann seit Anfang des 14. Jahrhunderts
eine Linie der Herren von Hornstein, die sich nach Schatzberg oder auch
nach Wilflingen nannte. Moeglicherweise sass in Wilflingen zeitweise wenigstens
eine Nebenlinie der Herren von Hornstein zu Schatzberg.
1438 verkaufte Hans von Hornstein zu Schatzberg
fuer 6200 fl die Doerfer Gross- und Kleinwilflingen und den Weiher zu Langenenslingen
an den wuerttembergischen Landhofmeister Hans Truchsess von Bichishausen.
Dieser suchte seinen neu erworbenen Besitz zu arrondieren und erwarb zu
diesem Zweck 1440 von Konrad von Hornstein die Vogtrechte an der Kirche
zu Wilflingen bei dem Schloss mit Zubehoer und Einkuenften.
Ueber die Tochter des Kaeufers, Barbara Truchsessin
von Bichishausen, die sich um 1454 mit Werner Schenk von Stauffenberg vermaehlte,
gelangte der Wilflinger Besitz an die Schenken von Stauffenberg, einem
Geschlecht, das im 13. Jahrhundert das Schenkenamt der Grafen von Zollern
innehatte.
Der Enkel des Schenken Werner, Sebastian Schenk
von Stauffenberg, kaufte 1538 fuer 1600 fl von der Rosina von Gueltlingen
den Burgstall Schatzberg mit dem Dorf Egelfingen samt Zubehoer. Diese mit
der Burg Schatzberg zusammenhaengende Herrschaft war im 14. Jahrhundert
ueber die Habsburger an die Herren von Hornstein gelangt und war danach
Sitz der schon erwaehnten Schatzberger Linie der Hornsteiner. 1487 verkaufte
Joerg von Hornstein genannt Hertenstein zu Grueningen den Burgstall Schatzberg
mit dem Dorf Egelfingen und Zubehoer an den Sigmaringer Obervogt Hans von
Mulfingen, den Grossvater der Rosina von Gueltlingen.
Mit der Erwerbung von Egelifngen hatte der
Besitz der Schenken von Stauffenberg in diesem Bereich seinen endgueltigen
Umfang erreicht. In der 1566 unter den Soehnen des Schenken Sebastian vorgenommenen
Erbteilung fiel der Komplex Wilflingen und Egelfingen an Albrecht Schenk
von Stauffenberg. Er war der Stammvater der sogenannten Wilflinger Linie
der Familie. Die Herren von Wilflingen waren ausserdem Patronatsherren
der sogenannten Unteren Pfarrkiche der Gemeinde. Letztere verlor 1615 ihre
Rechte als Pfarrkirche und wurde um 1720 bis auf den Kirchturm abgerissen.
Seither ist die Untere Kirche alleinige Pfarrkirche
in Wilflingen. Den Schenken stand ferner das Praesentationsrecht fuer je
eine Kaplanei - und Fruehmesspfruende in Wilflingen zu. Die beiden aneinandergrenzenden
Herrschaften Wilflingen und Egelfingen wuchsen unter den Schenken von Stauffenberg,
wie dies die herrschaftlichen Rechnungen veranschaulichen, verwaltungsmaessig
zu einer Einheit zusammen. Die rechtliche Stellung der Herrschaft in Wilflingen
und Egelfingen war jedoch recht unterschiedlich.
So konnten die Schenken nach gerichtlichen
Auseinandersetzungen mit den Grafen von Werdenberg und danach mit den Grafen
von Zollern, die ihre Grafenrechte in der Grafschaft Sigmaringen durchzusetzen
trachteten, erst im sogenannten Riedlinger Vertrag von 1582 das Hochgericht
in einen ausgemarkteten Bezirk ausserhalb des Wilflinger Dorfetters und
in den Wilflinger Waeldern das Recht, Holzdiebstaehle ahnden zu duerfen,
behaupten. In Egelfingen dagegen konnten sie ihre Ansprueche auf das Hochgericht
gegenueber der Grafschaft Sigmaringen nicht durchsetzen, sondern mussten
sich mit dem Niedergericht begnuegen. In weiteren Auseinandersetzungen
mit den Grafen von Sigmaringen ist es den Schenken 1589 dann endgueltig
gelungen, das kleine Waidwerk in einem bestimmten Gebiet des Wilflinger
Zwing und Banns durchzusetzen. Das Ausstocken von Waeldern erscheint erst
im 18. Jahrhundert als gesichertes Recht der Schenken von Stauffenberg.
Die Streitigkeiten mit den Sigmaringer Grafen
brachten der reichsritterschaftlichen Familie insgesamt gesehen keine nennenswerten
Nachteile. Auch die naechste Generationen bewiesen, dass sie nicht nur
gute Verwalter ihres ererbten Sitzes waren. Nicht wenige Angehoerige der
Familie machten im Militaerdienst, als Beamte in landesherrlichen Diensten
sowie in der katholischen Kirche Karriere. Johann Franz Schenk von Stauffenberg
(1658-1740) von der Wilflinger Linie stieg als Bischof von Konstanz und
Augsburg wie kurz vor ihm Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1644-1693)
von der Amerdinger Linie als Bischon von Bamberg sogar in den Reichsfuerstenstand
auf. Fuerstbischof Johann Franz hat sich in Wilflingen mit dem Umbau des
Schlosses (1710-1719), dem Neubau der Pfarrkirche (1728-1730) und mit der
Anlegung des Eisighofs (vor 1727) bleibende Denkmaeler gesetzt. Vor allem
aber gelang es den Schenken von Stauffenberg beider Linien, den ererbten
Besitz durch Heirat, Belehnung und durch kaeufliche Erwerbungen bedeutend
zu mehren. Die Amerdinger Linie konnte ausser dem Komplex Amerdingen bei
Noerdlingen (1566/74) die fuerstlich bambergischen Lehengueter Greifenstein
und Burggrub (1691) erwerben. Noch erfolgreicher war die Wilflinger Linie.
Von den zahlreichen Erwerbungen waren von dauerhafter Bedeutung fuer die
Familie die Erwerbungen von Risstissen (1613/39), Lautlingen mit Margrethausen
(1610/1625), Baisingen (1696), Geislingen (1697/98) sowie von Eberstall
(1716/30) und von Jettingen (1747).
Der Austieg der Familien fand seine Anerkennung.
1698 wurden die Schenken vo Stauffenberg Wilflinger Linie und Amerdinger
Linie in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Die Wilflinger Linie erreichte
1791 sogar die Erhebung in den Reichsgrafenstand. Die angestrebte Reichsstandschaft
blieb der nunmehr reichsgraeflichen Linie der Schenken von Stauffenberg
jedoch versagt. Infolge der Mediatisierung der Reichsritterschaft 1805
gelangten Wilflingen und Egelfingen unter wuerttembergische Landeshoheit.
Das damals eingerichtete Patrimonialgericht Wilflingen wurde bereits 1809
wieder aufgehoben.
Die Versuche des souveraenen Fuerstentums
Hohenzollern-Sigmaringen nach Abschluss des Rheinbundes 1806, sich der
ehemaligen reichsritterschaftlichen Herrschaft Wilflingen zu bemaechtigen,
wodurch die Exklave Langenenslingen mit dem Fuerstentum verbunden worden
waere, schlugen fehl. Die Herrschaft Wilflingen blieb wuerttembergisch
und wurde dem Oberamt Riedlingen zugewiesen.
1833 starb die reichsgraefliche Linie der
Schenken von Stauffenberg aus. Ihre Gueter und Rechte zu Wilflingen, Geislingen,
Baisingen, Lautlingen und Risstissen im Koenigreich Wuerttemberg sowie
die Herrschaften Jettingen und Eberstall im Koenigreich Bayern fielen gemaess
Erbvertraege und fideikommissarischer Bestimmungen an die Amerdinger Linie,
deren Herrschaften Amerdingen, Burggrub und Greifenstein unter bayerische
Landeshoheit gelangt waren.
Nach dem Tode des 1874 in den bayerischen
Grafenstand erhobenen Freiherrn Franz Schenk von Stauffenberg i.J. 1881
wurden zwei Fideikommisse errichtet, das graefliche mit Jettingen, Eberstall,
Amerdingen Greifenstein, Lautlingen, Baisingen, und das freiherrliche mit
Risstissen, Wilflingen und Geislingen.
Die nach Abloesung der Feudallasten im 19.
Jahrhundert noch verbliebenen Vorrechte des Adels wurden nach dem 1. Weltkrieg
durch die Aufhebung der fideikommissarischen Bindungen der Vermoegen 1919/20
in Bayern und Wuerttemberg sowie durch das Reichsgesetz zur Beseitigung
der Vorrechte des Adels 1920 aufgehoben. Die graeflichen und freiherrlichen
Linien der Schenken von Stauffenberg zogen aus dieser Entwicklung die Konsequenzen,
hoben 1922 den Familienvertrag von 1830 auf und teilten die Familiengueter
unter sich auf. Das Schloss und die Gueter zu Wilflingen wurden dabei einem
Angehoerigen der freiherrlichen Linie der Familie Schenk von Stauffenberg
zugesprochen.
Die Doerfer Wilflingen und Egelfingen gelangten
nach Aufhebung des Oberamtes Riedlingen 1938 an den Landkreis Saulgau und
1973 an den Landkreis Biberach; Egelfingen wurde 1972 und Wilflingen 1975
nach Langenenslingen eingemeindet.
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