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(transcribed by Ingeborg Brigitte Gastel Lloyd)

Dr. Johannes Widmann von Maichingen 
Dr. Johannes Widmann von Heimsheim

von Walther Pfeilsticker



Erweiterter Abdruck aus Sudhoffs Archiv 41, Band Heft 3, September 1957. Die Arbeit lag im wesentlichen schon im Maerz 1951 fertig vor. Ein sehr gekuerzter Vortrag ueber die beiden Leibaerzte mit erstmaliger Vorfuehrung der fotografierten Glassscheiben wurde vom Verfasser am 28. September 1954 im Schloss zu Sigmaringen vor der Gesellschaft fuer Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik gehalten. Erschienen in den Nummern 9 bis 12 von 1958 unserer Heimatblaetter, allerdings ohne die Quellen.

Dieser Sonderdruck ist veranlasst vom Heimatsgeschichtsverein fur Schoenbuch und Gaeu e.V. (Boeblingen, Galgenberg 48), zugleich fuer den Verein fuer Familien- und Wappenkunde in Wuerttemberg und Baden eV (Stuttgart-0, Heinrich-Baumann-Strasse 31).

Wilhelm Schlecht'sche Buchdruckerei, Verlag des *Boeblinger Boten*, Boeblingen.

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I


Ueber diese beiden Gleichnamigen, der eine von Maichingen, der andere von Helmsheim, ist in den vergangenen hundert Jahren schon viel geschrieben worden, und die Literatur ist ziemlich unfangreich und zerstreut. Will man sich mit dem einen oder anderen beschaeftigen oder ihren Lebensschicksalen nachgehen, so ist dies ohne Beruecksichtigung des Doppelgaengers kaum moeglich, denn die Lebenslaeufe dieser beiden Zeit- und Berufsgenossen ueberschneiden sich in so eigenartiger Weise, daß es nur vereinten Kraeften annaehernd gelang, ihre Einzelschicksale zu entwirren und auseinanderzuhalten. Den wohl gruendlichsten Beitrag hierzu lieferten die eingebenden Untersuchungen von Baas in den Jahrgaengen 1911 und 1926 der Zeitschrift fuer die Geschichte des Oberrheins. Sie lassen jedoch noch genuegend Fragen offen, ja sie weisen auf Moeglichkeiten hin, die Baas selbst auffallenderweise nicht ausgeschoepft hat obwohl wir gerade ihm und seinen Entdeckungen neben dem wuertt. Geschichtsforscher Theodor Schoen diese Hinweise verdanken. die bis zur Gegenwart auch in der Kunstgeschichte voellig unbemerkt geblieben sind. Wie Baas es versaeumte, aus seinem medizinischen Denkkreis herauszutreten und einen Blick in Nachbargebiete zu tun. so bewegten sich die bisherigen kunsthistorischen Betrachtungenzu einseitig nur auf ihrem ureigensten Gebiet, sodaß sich dadurch die Kunsthistoriker fuer sie bedeutsame AUfschluesse im medizinischen-historischen Umkreis entgehen liessen. So wenig die Geschichte einer Wissenschaft isoliertbetachtet werden kann, so wenig passt dies fuer vergleichende Geschichte in die Landschaft, aus der sie herrvorgegangen und in den Sippenkreis, in dem sie aufgewachsen sind. Eine Mitberuecksichtigung der geographischen oder genealgischen Geographie ist hei derartigen Unterschuchungen unerlaesslich, wie uns auf Schritt und Tritt die neuzeitlichen Geschichtsforschungen der verschiedensten Disziplinen beweisen.
 

Die wuertt. Geographie scheint im *Ausland* eine Art dunkler Erdteil zu sein, und ihr Gebiet entspricht den weißen Flecken, die unser Globus da und dort noch aufweist. Baas, der gruendlichste aller Bearbeiter aller Widmann-Problems, haelt selbst noch in den Nachtraegen von 1926 zu seinen Studien *Moechingen unweit Sindelfingen* fuer die richtige Ortsbezeichnung und sagt, daß dieser Ort in der Literatur *oefters entstellt, z.B. als Maichingen u.a.* vorkomme, während der unter Sudhoffs Protektorat im Institut fuer Geschichte der Medizin in Leipzig 1925 doktorierende E. Wild leichtes Alpdrücken verursacht, wenn er von dem Maichinger Widmann schreibt: *Er stammt aus dem kleinen schwaebischen Doerfchen Moechingen auf der rauhen Alp* (!), während Maichingen doch im *fruchtbaren Gefilde sich ausbreitet*, das abseits der Schwaebischen Alb liegt. Und von Heimsheim (Baas schreibt *Heinsheim*, das einmal in Baden vorkommt), so wenig ihm bekannt wie Uhlands Ballade von den drei Schleglerkoenigen, sagt Baas, dass es *ein mehrfach in Baden und Wuerttemberg vorkommender Ort* sei, obwohl jedes Ortslexikon des Deutschen Reiches bestaetigt, daß es nur ein einziges Heimsheim gibt und zwar nur in Wuerttemberg. Zum Geographischen sei noch gesagt, daß die wuerttembergischen Orte, die in den Universitaetsmatrikeln, besonders fuer Tuebingen und Heidelberg, im Zusammenhang mit dem Namen Widmann (auch Moechinger und Salicetus) vorkommen, im wesentlichen sind: Dagersheim im Kreis Boeblingen, 4,7 km von Böblingen entfernt, Darmsheim ebenda, 5,8 km von Boeblingen und 4,5 km von Maichingen entfernt. Maichingen selbst, gleichfalls im Kreis Boeblingen, 7 km von Boeblingen entfernt, also alle in naher gegenseitiger Nachbarschaft, und alle in der damaligen Zeit in der sich unsere Untersuchungen bewegen, dem StiftSindelfingen zugehoerig. Nur Heimsheim, Kreis Leonberg liegt etwas abseitiger, etwa 12 km von Maichingen entfernt. Nicht weniger beachtlich ist das sippenmaessige, das uns in den Universitaetsmatrikeln durch die annaehernde Gleichzeitigkeit der Inscriptionen aus denselben Ortschaften auffaellt, so in Wien Mangoldus Wydman de Tagersheim 1420, in Tübingen die Dagersheimer; Blasius 1510 Juni 5, Georg 1524 Juni 18*), die mit Mangod Widmann. dem Schreiber, und Konrad, dem Chorherrn in Sindelfingen, Johannes Widman de Sindelfingen, 1438 in Wien im 2. Semester immatrikuliert (Univ. Matr. Wien I. 2. Lieferung 1956), auch mit Nikolaus Witman, immatrikuliert in Heidelberg 1451 Dezember 20 zu vergleichen waeren (Toepke, Univ. Matr. Heidelberg Bd I Seite 155 und 269). Dann die Heimsheimer: Ambrosius II, immatr. 1558 Februar 11, Johann 1481 Februar 12, Peter 1494 Januar 7, wozu noch kommt Hans Widmann genannt Schefe, Buerger zu Heimsheim 1487 Juni 19 (Urk. Nr. 10555), vielleicht Vater der beiden folgenden: Mangold Widmann selig Bruder des Heimsheimer Arztes Johann Widmann 

*) Ein Altdorfer Buerger Georg Widmann beaufsichtigt 1584 als Leibarzt des Abtes und als Siechenmeister des Klosters Weingarten die Distilliersstube der Weingartener Klosterapotheke. S. *Beitraege zur Wuertt. Apothekengeschichte*, Bd. 1, Heft 1, Dez. 1908, S. 23 und 24.

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in Freiburg der in dessen Testament von 1530 Mittwoch naechst nach des Heiligen Kreuztags Inventonia d. i. 4. Mai, genannt ist mit seinen *zween weltlich Sun*, leider ohne Berufs- und Ortsnamen (Stadtarchiv Freiburg P VIII a 1). Weiter die Maichinger: Johann 1484 Juli 6, Paul 1490 Oktober 22 und Wolfgang 1502 Mai 31. Bemerkenswert ist ferner die Gleichheit der Vornamen in den verschiedensten Orten und den verschiedensten Familienkreisen der Widmaenner, wie dies besonders bei dem nicht allzu haeufigen Namen Ambrosius in die Augen faellt; naemlich Ambrosius aus Maichingen, immatrikuliert Tuebingen 1490 September 24, Ambrosius aus Heimsheim, imm. Tübingen 1518 Februar 11 und Ambrosius aus *Moeringen*, d. i. Mühringen Kreis Horb, immatrikuliert Tübingen 1574 September 22. Alle diese Umstände draengen zu der Annahme, daß hier verwand schaftliche Beziehungen vorliegen muessen, wofür wir den Beweis für unsere zwei Johanne, den Maichinger und den Heimsheimer, zu erbringen haben. 

Auf das Genealogische uebergehend, von dem ich nur das Unentbehrlichste zum Verstaendnis der verwandschaftlichen Beziehungen anführe, erleben wir in der Widmann-Sippe den nicht allzu haeufigen, daher umso reizvolleren Geburtsvorgang eines Familiennamens. Im Jahre 1342 närnlich unter dem 9. November reversiert Mangolt l, der Maier von Dagersheim, dem Stift Sindelfingen für das Erblehen des Widemhofs zu Dagersheim (Urk Nr.12148; beachte Urkundenbuch von Esslingen 1337 September 23 und 1340 April 7. Wenn auch urkundlich nicht belegbar, so glaube ich doch, diesen Mangolt unbedenklich als ersten bekannten Stammvater des Widmann Geschlechts annehmen zu duerfen, denn in der angenommenen Stammlinie folgt diesem ein Hans Widmann von Dagersheim, genannt 1430 Januar 21 als Vater des 1433 Juni 8 schon verheirateten Mangold II von Dagersheim, der um 1400 geboren sein mag. Es werden also etwa zwei oder drei Generationen zwischen dem Widemmaier Mangolt und Hans Widmann anzunehmen sein (Urk Nr; 1870 und Rep. A 325 Geistliche Verwaltung Böblingen fol 38). Eines Werners I. von Dagersheim Sohn Hans wird als Bürger in Stuttgart genannt. 1406 Juli 23 (Urk. Nr. 12665), ferner eines weiland Werner II, Dekans und Pfarrers zu Dagersheim Seelwaerter 1454 August 12 (Url. Nr. 7336). In der gedruckten Veröffentlichung sind die Namen der Seelwaerter, hier wohl mit der Bedeutung Testamentsvollstrecker, verschwiegen, wir finden sie aber im angegebenen Rep. im Kaufbrief des Schultheissen, Gerichts- und Heiligenpflegers, und der Gemeinde zu Dagersheim namens der dortigen Heiligenpflege für Konrad Widmann, Chorherrn zu Sindelfingen, Arideris Kruthacker, Pfarrer zu Dagersheim, Mangold (III) Widmann, Kaplan zu Waldenbuch, gest um 1469), Heinz Widmann von Moechingen und Hainz Widmann von Dagersheim, saemtliche Seelwaerter desu verstorbenen Werner Widmann, Dekans und Pfarrer zu Dagersheim. Hier glaubt man doch die Stimme des gleichen Blutes aus gemeinsamen Stamme deutlich zu vernehmen. Weiter tritt ein Fruehmesser Werner III -ohne Zuname- in Dagersheim 1478 Mai 1 auf (Urk. Nr.1715. auch Urkundenbuch der Stadt Stuttgart, wo noch mehrere Dagersheimer angefuehrt sind). Einer der angeführten Mangolds ist wohl personengleich mit dem 1420 in Heidelberg inscribierten Mangold Wyedmann alias Ruefe (eines Ruef Wydeman selig von Oberesslingen Kinder werden genannt 1363 ff im Urkundenbuch der Stadt Esslingen Bd II. Ueberein Widmann-Siegel der Esslinger konnte nichts in Erfahrung gebracht werden).

Dieser Mangold wird 1429 und 1446 als Mangold Schreiber und als Hausbesitzer in Stuttgart genannt (Urk. Nr.12682 und Wuertt. Viert.-Jahrs-Hefte 1906 S. 439). Er ist 1430 Schreiber Graf Ludwigs I. zu Urach und spaeter Kanzler, tot 1460. Er hatte zusammen mit Schreiber Michel von Waldorf das Messneramt zu Magstadt zu Lehen 1435, auch besaß er 1443 einen Hof zu Pflugfelden, 1452 zwei Hoefe in Kornwestheim und um 1447 einen Hof in Oßweil. Er siegelte 1443 mit einem Schreibersymbol, naemlich Tintenfaß und Federklei wie 1497 sein Sohn Konrad. Außerdem siegelte er vor 1450 mit dem springenden Widder im Schild. 

(Es ist im 15. Jahrh. nichts Ungewoehnliches, daß in ehrbaren Familien zwei, ja sogar drei verschiedene Siegel nebeneinander in Gebrauch waren, so z. B. bei den Gremp, Welling, Tegen. Das Siegel mit dem Tintenfaß ist als Amtssiegel anzusehen. siehe v. Alberti, wuertt. Adels- und Wappenbuch). Von seiner Frau Adelheid (Ellin) Raemy von Nuertingen, als Witwe genannt - 1463 September 12, sind sieben Kinder bekannt: 

l. Mangold IV, Canonicus in Tuebingen, inscr. 1477/78, Rektor der Universitaet und Dr. Decretalium 1491, auch Assessor beim Hofgericht 1493. 

2. Konrad, Vogt von Marbach und Steinheim, auch *Konrad* Mangolt, Sohn des Mangolt Schreiber* oder *Konrad Widmann, genannt Mangold*. Er wurde 1494 durch Graf Eberhard V. gefangen gesetzt, besaß 1491 den Hof zu Pflugfelden, siegelte 1497 wie sein Vater mit dem Schreibersymbol, war eine zeitlang auch Buerger zu Brackenheim 1461 und 1487 und starb in Marbach 1508 auf Mittwoch nach Bartholomaei (Urk. Nr. 12903). Leider ist auf seinem Grabstein außen am Chor 

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der Alexanderkirche in Marbach das Wappenschild ausgebrochen. 

3. Ludwig, genannt Mangold, 1455 war Doktor und Rat 1481, Chorherr des Stifts in Tuebingen 1493, das mit Sindelfingen zusammenhing, war auch Hofgerichtsbeisitzer noch 1497 und starb 1528. 

4. Margarethe, verh. mit Berthold Bock d. Ae., Schultheiss in Wildberg, tot 1477. 

5. Adelheid, genannt 1457, wird von der Leibeigenschaft befreit 1471 und war Gattin des Kanzlers Bernhard Schoeferlin. 

6. Dorothea, heiratete vor 1478 Hans Helbrich, Bürger in Leonberg und war tot 1483/84. 7. Barbara, vor 1457 verheiratet mit Jakob Walther, genannt Kuehorn in Stuttgart (Ahnentafel Hegel Nr.2013 und Ahnentafel Zeller Nr. 3629). 

Auf der gleichen Generationshoehe wie Mangold IIl steht Konrad Widmann d. Ae. von Dagersheim, in Heidelberg immatrikuliert 1421/22, Kirchherr zu Hoefingen und Graf Ludwigs Kaplan 1434, spaeter Chorherr zu Sindelfingen 1454-6, Kaplan des Stifts 1471 (Urk. Nr. 998, 1709, 12903 u. Toepke Bd. 1, S. 155), den wir wohl als Mangolds Bruder und somit als Sohn des Hans Widmann von Dagersheim ansprechen duerfen. So verlockend es nun waere, den Maichinger Johann Widmann als achtes Kind dem Ehepaar Mangold Widmann und Adelheid Raemy anzuhaengen, so müssen wir zu unserem Bedauern bis auf weiteres darauf verzichten, denn alle Mühe war bisher vergebens, irgendeinen Hinweis einer Zugehörigkeit zu irgendeiner dieser Familienglieder ausfindig zu machen, es wäre denn der Heinz von Moechingen im Kaufbrief vom 12. August 1454, der der Zelt nach sehr wohl als Vater des um 1440 geborenen Johann Widmann passen würde. 

II.


Nach diesen nicht zu umgehenden genealogischen Hinweisen ist es an der Zeit, auf seine, des Möchinger Widmann Persoenlichkeit selbst naeher einzugehen. Ich halte mich im wesentlichen an die Ergebnisse von Baas, die in der Zeitschrift fuer die Geschichte des Oberrheins, Neue Folge Bd.26, 1911 und Band . 39, 1926 niedergelegt sind. Johann Widmann, der Maichinger, geboren um 1440, trittzrum erstenmal in Erscheinung als *de Moechingen* 1451 Oktober 1 in der Univ. Matrikel von Heidelberg, wird dort Baccalaureus 1461 Juli 9 und Magister artium 1463 Maerz 19 und zwar *sub Magistro Conrado Moechingen*. Nun verliert sich seine Spur in der gedruckten Literatur, bis sie wieder auftritt in einer Handschriftensammlung der Karlsruher Landesbibliothek, welche aus Widmanns Buechersammlung herrührt und die im 17. Jahrhundert das Kloster St. Georgen erworben hatte. Diese St George Hanschriften tragen die Nummern 43-49 und Nr.55. Unter diesen erweckt die Nr. 48 unser besonderes Interesse, da in ihr von 1466 ab Vermerke enthalten sind die besagen, daß sie geschrieben seien *in gymnasio papiensi* oder auch in *studio ticinensi* - von Ticinum, wie Pavia vor derLangobardenzeit hieß -, also geschrieben in Pavia. Damit wird eine Stelle in Widmanns Schrift: *De pestilientia* belegt, wo er auf Blatt 42, co. 2, cap. 12, seinen *praeceptor Johannes Marlianus Papiensis* nennt. so daß als gesichert anzusehen ist, daß Widmann in Pavia seinen Studien oblag, ehe er nach Padua weiterzog.

Darueber gibt die St Georgener Handschrift Nr. 45 Bescheid. In ihr ist ein Antidotarium des Pavianer, spaeter Paduaner Professors Anthonio de Guanerii enthalten. wo auf Blatt 75 der Eintrag steht: *die 17. Februarii anno 1468 scriptum padoe per Jo. W.* Wir erfahren also dadurch, daß der Maichinger Anfang 1468 in Padua weilte. Aber schon im gleichen Jahr hatte er Padua wieder verlassen und befand sich auf Umwegen auf der Heimreise, wie ein Eintrag in der Handschrift Nr.48 auf Blatt 108 aufweist, naemlich: *Anno 1468 die alia post Margarethe virginis gloriose (d. i.16. Juli) scriptum per Johannum Wiedman in Sclavonia in opido petovianti*. Unter dieser Stadt ist Pettau an der Drave in Slovenien zu ver stehen, heute suedslawisch Ptuj, das Widmann vermutlich ueber Venedig, Trient, Laibach erreicht haben dürfte und wo er dann in der Bibliothek des dortigen Klosters sich beschäftigt haben mag. In der gleichen Handschrift Nr.45 auf Blatt 34 trägt Widmann frohen Herzens, abes leider ohne Datum ein: *Finitum feliciter 1469 per Joh. Wid. Ulme*, wodurch seine Rueckkehr in die engere Heimat bezeugt und sein (erster?) Ulmer Aufenthalt festgelegt ist. In Ulm soll W. noch (oder wieder?) 1472 gewesen sein. Trifft dies zu, so muß er innerhalb dieses Zeitraums in Ferrara gewesen sein, wo er 1469 Mai 10 zum Doktor promovierte (siehe Sudhoff in Archiv für Geschichte der Medizin Bd. 16, 1924 S. 10). In der Handschrift Nr.49 schreibt er auf Blatt 1 zum ersten Mal seine neue Wuerde *Iste liber est Mag(ist)ri Johannis Widmann doctoris in medicinis*. Was W. in den Ulmer Jahren von 1469-1472 oder vielleicht bis 1474 getrieben haben mag, ist bisher nicht bekannt Jedenfalls finden wir ihn in Ingolstadt wieder, wo er unter dem 21. Maerz 1474 als *Medicinae chirurgiae doctor* eingeschrieben ist. Die Annalen Ingolstadts zählen ihn zu den *Personae illustriores ex inscriptis*. Bald darauf, schon 1476, stand er im Dienste des Markgrafen von Baden und lebte wahrscheinlich in Pforzheim.

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Aber den weltgereisten und wissensdurstigen Mann hielt es dort nicht lange, denn unter dem 12. Juli 1477 wird er von der Stadt Basel auf ein Jahr als Stadtarzt angenommen mit 24 Gulden Jahrsold, aber ohne zum Lesen an der Universitaet mehr verpflichtet zu sein, *als es ihm selbst gefalle*. Im Sommersemester 1477 laesst sich W. dann in Basel an der Hochschule einschreiben, wo im gleichen Jahr, wie schon erwaehnt, ein Gleichnamiger aus Pforzheim als bacc. art. sich einschreiben laesst (Matrikel der Universitaet Basel I (1951), S. 129/43 und S. 148/23). Aber schon 1478 kehrt er wieder aus Basel in die Dienste des Markgrafen Christof I. zurueck und ist dessen Leibarzt bis 1483 oder 1484. Der Briefwechsel von 1476 zwischen W., der Stadt Basel und dem Markgrafen ist abgedruckt bei Baas, Zeitschrift fuer Geschichte des Oberrheins, 1926 S. 466. Die Originale befinden sich im Stadtarchiv Basel (Miszellen, Bd. 78, 1926, Missiven A 14, Oeffnungsbuch Stadt Basel V S. 187, Anmerkung).

In diesen Jahren steht Widmann in Briefwechsel mit dem ihm befreundeten Domherrn Petrus Schott in Strassburg bis 1490, niedergelegt in dessen Lucubratiunculae*, doch sind nur Schotts Briefe dort zu finden, die teils nach Baden, teils nach Tuebingen gerichtet sind und aus denen zu entnehmen ist, dass W. sich hoher Wertschaetzung erfreute und ihm von allen Seiten grosses Vertrauen entgegengebracht wurde. In den Jahren 1481 und 1483 war er aus aerztlichen Gruenden besuchsweise im Hause Schotts in Strassburg. Dieser gibt in seinem ersten Brief vom 21. Juli 1481 ihm die Anrede *tamquam frater charissimus* und dankt ihm fuer die lebensrettende Behandlung seiner Mutter. Der zweite Brief vom 6. Juli 1482 laesst erkennen, dass ausser Briefen auch Buecher von Strassburg nach Baden fuer den Freund besorgt wurden. Aus dem dritten Brief vom 26. Mai 1483 geht hervor, dass Widmann Schotts Schwester in ihrer Krankheit in Strassburg besucht hatte. Ein vierter Brief ist vom 14. August 1483. Im gleichen Jahr am 3. November hat *meister Hans Widemann doctor in artzenye das burgerrecht empfangne und ist yme das vergebens zugelossen uff montag nach Allerheiligen und will dienen zur lutzernen*. (Eintrag im Strassburger Buergerbuch I, S. 243). Unter *zur lutzernen* duerfte es sich wohl um eine Trinkstube *Zur Laterne* gehandelt haben, in welcher eine Zunft ihr Stammlokal hatte, denn jeder, der in die Dienste einer Stadt trat, musste bei einer Zunft eintreten, auch wenn er durch seinen Beruf nicht zu dieser gehoerte. In Strassburg z.B. gehoerten der *Zunft zur Luzern* die Korn- und Mehlleute, auch die Chirurgen an. Ihr Zunftwappen war in Schwarz ein goldener Baer mit silbernem Halsband, eine Laterne in den Tatzen haltend (siehe Paul Martin, Die Hoheitszeichen der freien Stadt Strassburg 1200-1681 (1941). Dieser Zunft gehoerte auch Paracelsus an. In anderen Staedten gehoerten Aerzte auch anderen Zuenften an, so z.B. in Freiburg i.Br. 1537 der Malerzunft *zum Riesen*, da die Aerzte gleich wie die Maler den Ebangelisten Lukas, der Arzt war, als Patron verehrten (Brenzinger, Das Geschlecht der Brenzinger, Bd. I, 1949, S. 204. Privatdruck bei Laupp, Tuebingen). Widmann-Moechinger schreibt, ohne Datierung, *mynen herren, dem maister und raeten* und bezeichnet sich als *kuenftiger artzt hie zu Straszburg*. Er wurde also Stadtarzt in Strassburg und gibt in dem erwaehnten Schreiben verschiedene Anregungen, so *juramenta vnd eyd, wie man zu Bamberg, Nuernberg vnd Wurtzburg den apotekern geyt*, fuegt auch einige Ratschlaege hinzu, wie der unrechtmaessigen Betaetigung von allerlei Kurpfuschern, auch der Scherer zu begegnen sei oder fuer Schwangere und Gebaerende besser zu sorgen sei, als die derzeitigen Hebammen dies taeten. Aber schon nach Verfluss von 3/4 Jahren, naemlich schon 1484 Juli 6, wird *Johann Widmann de Moechingen utriusque medicine doctor* an der Universitaet Tuebingen eingeschrieben und Petrus Schott beschreibt unter dem 1. Maerz 1485 dem *ordinarie legenti in Thubingen* seine eigene Krankheit und bittet des oefteren noch um Widmanns aerztlichen Rat oder um seinen Besuch in Strassburg. Auch wuenscht er samr seinen Eltern in diesem Brief der Gattin Widmanns *salubrem laetemque partum*. Widmann sah also neuen Vaterfreuden entgegen, denn er war schon in Baden verheiratet und hatte zwei dort geborene Soehne, naemlich den 1479 geborenen Beatus und den 1481 oder 1482 geborenen Ambrosius. Wer aber war(en) seine Ehefrau(en)?

Die Mehrzahl der Quellen nennt eine Badenerin namens Ingelhan. Woher diese Weisheit stammt, konnte ich nicht ermitteln. Vielmehr war seine Gattin und die Mutter seiner Kinder Beatus und Ambrosius Mechthild Baelz, Tochter des Heinrich Baelz, Schreiber, deren Geschlecht einen Hahn im Schilde fuehrt. Von ihr sind 3 Briefe erhalten, aufbewahrt im Wuertt. Staatsarchiv, von denen zwei bei Haller, die Anfaenge der Universitaet Tueb., abgebildet sind. Auch erbte Widmann durch sie 1492 einen Hof in Kornwestheim, der vorher Heinrice Schreiber gehoerte. Dieser Hof ist aber ein anderer als derjenige, welcher dem Mangold dem aelteren gehoerte.

Der erste Sohn Beatus, als Wydman de Baden* in Tuebingen inskribiert 1489 Nov. 19, war 1504 Professor des Kirchenrechts, wie aus einem Gedicht des Heinrich Bebel an

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den Vater hervorgeht, war dann vorderoesterreichischer Kanzler, 1508 *tirolischer Kanzler* genannt, und Regimentsrat der oesterreichischen Regierung. Er erwarb 1516 Schloss und Dorf Muehringen, Kr. Horb, wonach er und seine Nachkommen sich nannten, ferner 1525 Gut und Dorf Kirchentellinsfurt. Er siegelte mit dem springenden Widder noch 1523 und ebenso ein *Jakob Widmann von Mieringen* 9. Juli 1627 (v. Alberti Wappenbuch Bd. 2, S. 1055; Oberamtsbeschreibung Horb 1865 S. 22 f.; wuertt. medizin. Korrespondenzblatt 1896 S. 58; Zuericher Siegelsammlung. In Tuebingen sind immatrikuliert: Claudius Widmann von Mehringen 1530 Maerz 10 und Christoph Widmann von Moeringen 1530 August 7).

Beatus W. war mit Barbara Schad verheiratet, einer Verwandten des Kardinals Matthaeus Lang. Er soll 1531 (oder 1537?) August 13 gestorben sein. Nicht uninteressant ist seine Nachkommenschaft, die ich ohne Verantwortung anfuehre. Eine Tochter Anna war Gattin von Ulrich von Lichtenstein, eine andere war mit Wolf Leonhard Ifflinger v. Graneck verheiratet, die dritte Brigitte war seit 1546 Frau von David Beetz v. Rothenstein. Ein Sohn Wolfgang war 1546 bis 1550 Pfarrer in Ravensburg. (Beachte den Maichinger Wolfgang Widmann, immatrikuliert TUebingen 31. Mai 1503). Der Sohn Hans Jakob W. war Vogt zu Horb. Dessen Kinder waren folgende: Anna Maria, verheiratet mit Hans Vol v. Wildenau; Barbara verheiratet mit Andreas Ifflinger v. Graneck; Hans Christof mit Anna v. Dottingen, deren Tochter Genevea mit Hans Christof Beetz v. Rothenstein verheiratet war. Dieser letztere verkaufte Kirchentellinsfurt an Herzog Friedrich von Wuerttemberg 18. Maerz 1594, Der Sohn Ambrosius wurde 1576 in Tuebingen erstochen, der Sohn Hans Heinrich starb bei der Belagerung von Maastricht 1578. Hans Philipp war salzburgischer Rat und Pfleger zu Kaprun und starb in Lauffen 1599, seine Frau war eine geborene Goldin v. Lampolding.

Des Maichingers zweiter Sohn Ambrosius, in Tuebingen inscr. 1490 September 24 als *de Tuvingen* (Hermelink 25/49), doktorierte in Italien 1504, wie ebenfalls aus dem Bebelschen Gedicht hervorgeht; war 1506 Ordinarius juris civilis in Tuebingen, wo er in der Muenzgasse wohnte, jetzt Haus Nr. 11, also in naechster Nachbarschaft seines vaeterlichen Besitztums, wie wir noch sehen werden. Als Probst wird er erstmals genannt 1509 Februar 9. Er war auch Hofgerichtsassessor 1510 Oktober 23 und besass als *Ambrosius Salicetus praepositus et cancellarius* 1512 Wiesen in Sindelfingen und hatte 1522 Januar 13 das Patronatsrecht ueber die Pfarreien Dagersheim und Darmsheim (als Kanzler fur die Universitaet! (Hess)). Wegen der Reformationsumtriebe floh er 1535 nach Rottenburg a.N., wo er ueber 80jaehrig am 10. Juni 1561 starb. Er siegelte mit dem Widder-Wappen (Haller, Anfaenge ...; Roth, Urkunden zur Geschichte der Universitaet Tuebingen 1877 S. 61; Freiburger Dioezesenarchiv 31 (1903) S. 186 u. 192; Visitationsakten in Wuertt. Geschichtsquellen Bd. 22 (1932); Heyd, Bibliographie II; Neues Wuertt. Dienerbuch 2913 u.a.m.). Ein dritter Sohn duerfte wohl Balthasar W. gewesen sein, der in Heidelberg immatr. wurde 1478 Dez. 21 als *de Pforzheim*, Baccal art. 1480 Nov. 4 (Toepke I, S. 358).

Von den drei Toechtern war Genoveva mit dem wuertt. Kanzler Gregor Lamparter (gestorben 1523) verheiratet. Dieser liess das von ihm gewoelbte Stueck des Kreuzgangs der Hospitalkirche zu Stuttgart mit dem Widmann'schen Wappen zieren (Bach-Lotter, Bilder aus Alt-Stuttgart 1896 S. 51). Die Tochter Maria hatte den badischen Kanzler Jakob Kirser (Kurser) zum Manne und Kordula den Konrad Gremp, Buerger zu Vaihingen/Enz. Kordula, gest. 1551, hatte 1516 April 24 den St. Anna-Altar im Kloster Maulbronn mit 100 Gulden gestiftet.

Doch kehren wir nach dieser Abschweifung zu Johann Widmann-Moechinger zurueck. Als dieser als Professor in Tuebingen aufgezogen war, erwarb er 1486 August 18 ein Grundstueck in der Muenzgasse neben dem Blaubeurener Pfleghof um 47 Gulden und 1 Pfund und baute darauf ein Haus, in welchem er wohnte. Heute ist dieses Haus die Nr. 9, wurde jedoch in der Christnacht 1649 durch Feuer zerstoert, waehrend Nr. 7 der einstige Blaubeurener Pfleghof war (Eimer, Tuebingen Burg und Stadt ... (1945) S. 113; Haller a.a. O. Bd. 2 S. 46-49, nennen Nr. 7 als Widmanns Haus. Siehe auch Crusius, Schwaebische Chronik II S. 139). Im Jahr 1498 am 6. Maer verkaufte Widmann sein Haus an seinen Schwager Dr. Jakob Kruetlin von Degerloch, auch Jakob Tegerlocher genannt, fuer 800 Gulden (ueber diesen Hausverkauf siehe Haller Bd. II S. 49). Dieses Haus, *so der hochgelert unser lieber getruwer und lybartzt doctor Johans Moechinger gebuwen hat*, schenkte Herzog Ulrich 1507 Oktober 19 seinem Kanzler Lamparter. Unter dem 16. Oktober 1491 wurde Widmann auf 1 Jahr als Hofarzt der graeflichen Familie angenommen mit 100 Gulden Sold, einem Hofkleid und 1/4 Malter Hafer fuer 1 Pferd und mit Sitz in Tuebingen. Im gleichen Jahr setzte er am 20. Dezember im Namen der medizinischen Fakultaet seinen Namen unter die zweite Ordnung, die Graf Eberhard der Hochschule gegeben hatte.

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Die zweite Bestallung als Leibarzt Graf Eberhards im Bart, von dessen Gemahlin und des jungen Grafen Ulrich reversierte er als Hofmedicus in Tuebingen 29. Sept. 1493. Sie lautete auf *lebenslang und nit laenger**, des Jahrs um 150 Gulden, halb auf St. Georgen und die andere Haelfte auf St. Michaelstag (1506-1512 waren die Ziele Weihnachten und Johannis Baptiastae), dazu 10 Malter Roggen, 10 Malter Dinkel, 10 Malter Hafer Tuebinger Mess, in sein Haus zu antworten, ihm und seinem Knecht den Tisch zu Hof, den Schlaftrunk und ein Brot, und fuer seine Person das Hofkleid. *Er soll warten ... und wenn ihn mein gnaediger Herr ausserhalb Tuebingen brauchen wird, soll man ihm fuer seine Person gut Pferd schicken und auch eines fuer den Knecht in seiner Gnaden Kost und ohne Schaden. Dazu soll er das Examen der Sondersiechen haben im ganzen Land zu Wirtenberg allein, dass er auch nach Notturft und in der Belohnung wie sich gebuehrt und von alters herkommen ist, versehen soll laut Bestallung. Er soll auch Graf Eberhard mit der Universitaet handeln, dass sie ihm, wann er in der Herrschaft Geschaeften ist, nichts abrechnen an seiner Besoldung. Er soll nit duerfen im Feld liegen oder wann Pest regiert bleiben, die Herrschaft seie dann selber da. Wann er auf Befehl Graf Eberhards des aelteren zu andern reitet, die sollen ihm fuer solche kleine Muehe billig Belohnung widerfahren lassen* (Hauptstaatsarchiv, Dienerbuch von 1490-92, 1494 und 1500; Sattler, Grafen IV S. 23; Wuertt. medizinisches Corresp. Blatt 1896, Nr. 8 1901 S. 161, 1905 S. 865; Haller a.a.O. Bd. I S. 135). Widmann hatte 1491/92 Graf Eberhard nach einer Krankheit gluecklich wiederhergestellt, begleitete ihn auf den Reichstag zu Worms 1495, wo Graf Eberhard am 21. Juli die Herzogswuerde erhielt, deren er sich aber nur ein halb Jahr erfreuen konnte, da er am 24. Februar 1496 starb. Der Tod seines Herrn hatte dem Ansehen Widmanns starken Abbruch getan, was besonders aus einem Brief hervorgeht, den Eberhards Schwester Elisabeth im Mai 1496 an den Markgrafen Friedrich von Brandenburg richtete und in dem es heisst: *Kert euch nit gar an Doctor Maichinger. Dan es ist das gemain Geschrey in Schwaben, er hab Herzog Eberhard ertod und hab im Arzeney geben, das hab so sehr an ihm ueberhand genommen und hab ihm die Stuhl nit koenen stellen, dass er hiernach das Blut oben und unten hab von ihm getrieben, da sey er gestorben.* Trotz aller uebeln Nachreden am Hofe ernannte 1497 die medizinische Fakultaet in Tuebingen den Johannes Meuchinger zum Dekan. Doch zum Leibarzt bestellte Herzog Eberhard II. den Doktor Johann Stocker 1496 November 11 auf 3 Jahre, allerdings nicht am Orte des Hofes, sondern von Haus aus, d.h. von Ulm. Vorlaeufig war also fuer Johannes Widmann-Maichinger kein Boden mehr in Wuerttemberg. Was lag naeher, als dass Widmann seine frueheren Beziehungen zum badischen Hof zum Anlass nahm, sich wieder um eine Anstellung in Baden zu bewerben. Sein Gesuch musste um so eher Erfolg haben, als es durch die Bitte des noch nicht zur Regierung gelangten Herzogs Ulrich mit Nachdruck unterstuetzt wurde, der sich an die Zeit, als er noch das Kind Heinrich war, seines und seiner Eltern Leibarztes erinnert haben mag. Die Bestellungsurkunde vom 29. November 1497, gueltig ab 1498 August 15, traegt naemlich die teilweise lesbare Aufschrift *Bestallung ... durch ernstlich bitt ... Herzogs Ulrichs von Wirtenberg ... (Generallandesarchiv Karlsruhe und Haller a.a.O. Bd. II S. 47). Die Bestallung als Leibarzt des Markgrafen Christof I. von Baden lautete, dass der Markgraf *den hochgelehrten unsern lieben getreuen Meister Johann Wiedman, den man nennet Moechinger, Doctor der Artzney, bestellt zu unserm und unserer Erben Arzt, also dass er zu Baden oder ... in einer andern Stadt unserer Markgrafschaft Baden sein Wohnung han solle.* Widmann verpflichtet sich, auch den Freunden und Nachbarn zu raten, doch auf ziemliche Belohnung. Pestilenzzeiten soll er am Ort bleiben, soll Apotheker und Apotheken in Baden beaufsichtigen, die Aussaetzigen der Markgrafschaft examinieren mit einem Scherer. Kein Kurpfuscher solle geduldet werden. Sein Sold betraegt jaehrlich 100 Gulden, 30 Malter Korn, 2 Fuder Wein - Mortenauer oder Breisgauer -, Hofkleidung, wie er auch am Hof sein soll, wenn der Fuerst anwesend. Dazu erhaelt er, was fuer 2 Pferde noetig ist, die ihm ausserdem ersetzt werden sollen, wenn sie abgaengig worden. Weiter erhaelt er Brennholz soviel er bedarf. Ein Sohn kann auf Kosten des Markgrafen in Frankreich oder Italien studieren. Hausfrau, Kinder und Habe laesst der Markgraf in Tuebingen abholen mit 6 Klosterwagen. Der Arzt samt seinem Haus soll von Schatzung frei sein. Jedoch dieser Vertrag kam nicht zur Durchfuehrung, denn kurz vor Widmanns Amtsantritt und nach Graf Eberhards II. Sturz nahm der im Juni 1498 zur Regierung gelangte Herzog Ulrich Widman zu seinem Leibarzt an und erhoehte sein Gehalt auf 200 Gulden, die in zwei halbjaehrigen Raten zu entrichten waren. Auch wurden, wie von 1507 bis 1513 in den Landschreibereirechnungen nachzuweisen war, 66 Gulden Kostgeld fuer ihn und einen Knecht regelmaessig bezahlt, ausserdem 1507 noch 12 Gulden, 1 Pfund 2 Schilling 6 Heller Zehrung fuer eine Reise zum Bischof von Bamberg.

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Ausserdem bezog Widmann 1507 bis 1509 eine Guelt von 133 Gulden und 1507 noch eine von 40 Gulden. Nun ist es auch verstaendlich - was bisher bei der Annahme, Widmann habe seine badische Leibarztstelle angetreten, unerklaerlich war -, warum Widmann 1498 fuer die wuerttembergische Hauptstadt um geschickte Hebamme sich bemuehte, und zwar in dem Sinne, dass 8 fuer die Altstadt, 3 fuer die Liebfrauen - und 2 fuer die Esslinger Vorstadt eingestellt werden sollten. Und so 
wird es auch zur Selbstverstaendlichkeit, dass Widmann 1500 die Apotheke des Cyriak Horn d.Ae. in Stuttgart beaufsichtigte.

Bei Herzog Ulrichs Hochzeit 1511 wurde er, wie viele andere Vertraute, als Aufsichtsperson verwendet. Wenn jedoch Haller die Angaben Weyermanns, dass Widmann 1506 zum zweiten Male in Ulm, und zwar als Stadtarzt, gewesen sein, fuer *unmoeglich* erklaert, so glaube ich doch, hier eine Einschraenkung machen zu muessen, indem ich darauf hinweise, dass ja auch der Ulmer Arzt Leibarzt war und doch in Ulm ansaessig blieb. Es scheint wohl moeglich, dass Widmann ohne Verlust seiner Leibarztstellung aus uns bisher unbekannten Gruenden eine zeitlang in Ulm aerztlich taetig war. Es ist schwer einzusehen, warum Weyermann seine Behauptung einfach aus der Luft gegriffen haben soll. Viel wahrscheinlicher ist, dass er aus einer Quelle schoepfte, die im Ulmer Stadtarchiv lag und im vergangenen Krieg abhanden gekommen und bisher unauffindbar geblieben ist, naemlich eine Abschrift von Doktor Johann Frank von der Handschrift des Lic. Johann Dietrich Leopold: Memoria Physicorum Ulmanorum 1377 bis 1733, worauf mich Herr A. Rieber in Ulm dankenswert aufmerksam machte.

Unter dem 17. Juli 1506 widmete Heinrich Bebel sein Buechlein *Ars versificandi* (von der Kunst, Verse zu machen) dem Johann Salicetus, Herzog Ulrichs Medico (Salicetus von salix, die Weide. Gerade in der Humanistenzeit wurden die sinnlosesten Namensdeutungen latinisiert und graecisiert und danach *redende* Wappen konstruiert wie in der heraldisch tiefstehenden Biedermeierzeit bis zur Gegenwart. So zeigt auch das Wappen des Kreisforstrats Wilhelm v. Widenmann in Tuebingen-Bebenhausen (1798 bis 1844), Ahnentafle des Verfassers Nr. 10) einen geharnischten roemischen Legionaer, der 3 Weidenruten haelt. Ja selbst den Wider im Widmann'schen Wappen als *redend* anzusehen, steht nicht ausserhalb des Moeglichen).

In diese Zeit um die Jahrhundertwende faellt auch Widmanns des Maichingers literarische Taetigkeit, die weder umfangreich noch inhaltsreich war. Sich mit seinen Schriften zu beschaeftigen ist muessig, denn er war ein Kind seiner Zeit und stand auf dem Boden arabischer Ueberlieferung wie alle seine damaligen Berufsgenossen. Doch seine reformerischen Vorschlaege in bezug auf das Hebammen- und Apothekerwesen zeigen ihn uns als einen Mann des Fortschrittes, dem das lobende Wort des Properz: *in magnis voluisse sat est* wohl zukommt. Maichingers Schriften sind folgende:

1. Tractatus de pestilentia, vor 1497. Er erwaehnt in sener spaetestens 1497 erschienenen zweiten Schrift seine fruehere *De pestilentia*, von der aber bisher kein Exemplar bekannt zu sein scheint. Demnach ist anzunehmen, dass die Ausgabe von 1501 ein Nachdruck ist. Dieser kam in Tuebingen heraus (Steiff, Der erste Buchdruck in Tuebingen 1891 S. 68 f.). Deutsche Ausgaben sind bekannt von 1511, 1514 und 1519. Diese sind ein umgearbeiteter Auszug, den *Dr. Joh. Wydmann genannt Moechinger* seinen drei Toechtern widmete.

2. Tractatus clarissimi medicinarum Doctoris Johannis Widman dicti Meichinger de nustulis et morbo qui vulgato nomine Mal de Frantzos appellatur. Dieser kam 1497 wahrscheinlich in Strassburg heraus. Aus einem Schreiben Widmanns an seinen Schueler Johannes Nell, Physikus in Strassburg vom 20. Januar 1497 ist zu entnehmen, dass die Handschrift schon 1496 fertig war. Astruc nennt eine weitere Ausgabe, welche mit lateinischen Lettern im Unterschied zu dem in gotischen Lettern gesetzten Exemplar in Leipzig gedruckt ist. (Steiff a.a.O. S. 229; Conr. Heinr. Fuchs, Die aeltesten Schriftsteller ueber die Lustseuche ... (1843); Karl Sudhoff, Aus der Fruehgeschichte der Syphillis in Studien zur Geschichte der Medizin 1912, S. 100; von demselben, Zehn Syphillisdrucke, Mailand 1924; Friedr. Schnurrer, Chronik der Seuchen, Bd. 2 (1825), S. 55; Riegger, Amoenitates literariae, fasc. II 194; Wuertt. Medizin, Correspondenzblatt 1852).

3. Tractatus de balneis Thermarum ferinarum (vulgo Wildbaden), Tueb. 1513, auch deutsch im gleichen Jahr erschienen (Steiff a.a.O., S. 105). Ist abgedruckt bei Johann Rudolph Kammerer, Disputationum medicarum in Academia Tubingensi, Tuebingen 1611. Nach Haller Bd. I, S. 138 soll Widmann waehrend der Saison haeufig, vielleicht alljaehrlich seine Kunst in Wildbad ausgeuebt haben.

4ff. Weiter ist ein Rezept Widmanns bekannt, das er 1506 dem erkrankten Landgrafen Wilhelm von Hessen schickte (Sudhoff, Studien zur Geschichte der Medizin, Bd. 9 (1912), S. 100). Ferner bearbeitete 1912 Ernst Wild in einer Leipziger medizinischen Doktordissertation *Ein Consillium ueber

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Blasengeschwuere und Steinleiden*. Weiter ist eine handschriftliche Apothekenordnung 1486 bekannt, auf die Walther Zimmermann in *Mein Heimatland* 1925 aufmerksam macht und welche von Otto Winkelmann in seiner Arbeit ueber *Das Fuersorgewesen der Stadt Strassburg* veroeffentlicht wurde, erschienen im 5. Band der Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte 1922. Sie kann als die erste wuerttembergische Apothekerordnung gelten, auch bildete sie den Ansporn fuer seinen Heimsheimer Verwandten in Freiburg, als dieser 1529 den Rat zur Schaffung einer Apothekerordnung anregte, welche allerdings erst nach des Heimsheimers Tod, nach dem Muster des Entwurfes des Maichingers aufgebaut, 1549 Wirklichkeit wurde.

Von 1513 an liegen die naechsten Jahre ueber Widmanns Leben im Dunkeln. Nur Irenicus in seinen Germaniae exegeseos gibt 1518 an, dass seine Zeitgenossen unter den hervorragenden Aerzten in erster Reihe Johann von Mechingen nannten. Waehrend Haller auf das Jahr 1516 hinweist, in welchem durch den Sturz des Kanzlers Lamparter und seines Anhangs von Herzog Ulrich ein Umschwung im Lande verursacht worden sei, der auch fuer Widmann als Lamparters Schwiegervater den wuerttembergischen Boden zu heiss werden liess, um ihn mit dem badischen Pforzheim zu vertauschen, koennte man auch an Herzog Ulrichs Fluchtjahr 1519 denken, nach welchem Widmann in Wuerttemberg nichts mehr zu gewaertigne hatte. Trotzdem standen seine beiden Soehne Beatus und Ambrosius in oesterreichischen Diensten. Wie dem auch sei, jedenfalls erst 1522 meldet wieder eine Urkunde vom 14. April, dass Johann Widmann gen. Moechinger, der Arznei Doktor, und Mechthild Beltzin, seine eheliche Hausfrau, jetzt zu Pforzheim wohnend, dem Propst der dortigen Stiftskirche 190 Gulden uebergeben haben. Das zum Glueck trotz aller Faehrnisse noch heute erhaltene Stiftungsdenkmal am vorletzten linken Pfeiler der Pforzheimer Stiftskirche vor dem Eintritt in den Chor zeigt die Wappen des Ehepaars: Das Widmaennische, einen steigenden oder springenden Widder, und das Baelzische, einen Hahn. Die Inschrift lautet: *Anno domini 1522 hat der wirdig hochgelert Her Johan Widman genant Moechinger der Artznei doctor Ain ampt von dem Hochwirdigen Sacrament des fronlichnams unsers hern Jhesu Christi allen Donerstag In ewigkeit zu Singen gestifft uff dem Alltar der heiligen drey Kunig*. Abgebildet ist die Stiftertafel sowohl in *Mein Heimatland* a.a.O. als auch in dem Band *Kunstdenkmaeler der Stadt Pforzheim* in Kunstdenkmaeler Badens 9. Bd. Am 31. Dezember 1524 starb der angesehene und oft genannte Arzt und wurde in der Stiftskirche zu Pforzheim begraben.

III.


Hiermit verlassen wir den Maichinger, um uns mit seinem Sippenverwandten Johann Widmann dem Heimsheimer naeher zu befassen. Dessen Lebensgang scheint geradliniger verlaufen zu sein. Er tritt in unseren Gesichtskreis mit seinem Matrikeleintrag an der Universitaet Tuebingen unter dem 12. Februar 1481 als *Johannes Wydman de Haymsen*, Baccal. Artium 1483 Mai 22, Mag. art. 1485 Febr. 25 (Hermelink, Matrikel der Univ. Tueb. 7/30). Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass 1487 Juni 19 ein Hans Widmann gen. Schefe, Buerger in Heimsheim, auftritt, dem der Pfaff Hans Meier von Beihingen, Fruehmesser in Heimsheim, sein Fruehmessguetlein zu Erblehen leiht und welcher der Zeit nach sehr wohl als Vater des Heimsheimers gelten koennte (Urkunde Nr. 10555). Schon 1491 Aug. 12 finden wir ihn als Med. Doctor in Freiburg i.Br., wo er unter dem 14. Gebr. 1492 von der

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Universitaet Bescheid erhaelt, dass er auf drei Jahre *Lector in medicinis uti alter ordinarius* mit 30 Gulden jaehrlich angenommen sei. Im gleichen Jahr wird er von dem spaeteren Kaiser Maximilian I. am 17. Aug. investiert. Rasch folgten weitere Aufstiege, indem er 1493 Apr. 12 wirklicher Ordinarius wurde mit einer Gehaltsaufbesserung auf 40 Gulden, dann Stadtarzt 1494, Freitag vor Laurentii (d.i.s. Aug.). Auf seinen Antrag bei der Freiburger Fakultaet 1498 auf Gehaltszulage wird diese 1499 bewilligt und auf 68 Gulden erhoeht, zugleich mit der Erlaubnis, zwei Tage (im Monat?) in aerztlicher Taetigkeit abwesend zu sein. In den *Gewaffbuechern* des Freiburger Stadtarchivs erscheint er von 1500 bis 1506 regelmaessig. Im Jahre 1500 erhielt Widmann Urlaub in die Baeder, ob fuer seine eigene Gesundheit oder, wie dies sein Landsmann und Namensvetter in Wildbad zu tun pflegte, als Saisonbadearzt, um das Angenehme mit dem Nuetzlichen zu verbinden, sei dahingestellt. Wie dies auch anderwaerts an Universitaeten ueblich war und ist, hielt er Studenten als Kostgaenger bei sich. Wir erfahren naemlich 1502, dass *item ein Student gestorben bei dem medico doctor Hansen* (MUensterrechnungen des Generallandesarchivs Karlsruhe). 1503 bemueht sich Markgraf Christoph I. von Baden um Widmanns Dienste, denn am 23. Oktober ds. Js. bittet unser Heimsheimer die Universitaet um seine Entlassung. Diese wurde nicht gewaehrt, sondern die Hochschule schloss 1505 mit Widmann einen neuten Vertrag und erhoehte sein Gehalt auf 80 Gulden, stellte allerdings die Bedingung auf unentgeltliche Behandlung der Ordinarii. Ob nun Widmann aus eigener Machtvollkommenheit oder einem Rufe folgend oder nur besuchsweise in aerztlicher Eigenschaft von Freiburg abgwesend war, jedenfalls findet sich in den Missiven des Freiburger Stadtarchiv ein Schreiben, datiert 1504 in vigilia Laurentii (d.i. 9. Aug.) mit der Anschrift an *den hochgelehrten JohannWidmann, der Arznei Doctor, jetzt zu Strassburg, unsern besondern lieben und guten Freund*. Vielleicht war eine Schuldverschreibung des Markgrafen von ueber 400 Gulden, welche der *hofartzet meister Johannsen Widmann von Heinbsheim* ihm geliehen hatte, die Ursache, die ihm den Titel eines Hofaztes einbrachte?

Auf den ersten Blick auffallend ist die Tatsache, dass durch Herzog Ulrich von Wuerttemberg der *Doctor Johannes Widmann artzet zu Friburg ist bestellt laut Bestallbriefs uf Montag nach nativitatis Mariae ao. 1507 (d.i. 13. Sept.) und gibt man ihm 30 Gulden und ein Hofkleid*, auffallend deshalb, weil in dieser Zeit der Maichinger Leibarzt Herzog Ulrichs war. Dies scheint aber insofern sich zwanglos zu erklaeren, als bei dieser Bestallung von Leib- oder Hofarzt keine Rede ist. Sie sollte auch nur zum Zweck der Begleitung des Herzogs auf seiner Reise nach Rom Geltung haben, die vielleicht der Maichinger abgelehnt haben mag unter gleichzeitiger Empfehlung seines Verwandten, denn er stand damals in dem Alter von etwa 67-68 Jahren, wo eine Romreise noch etwas mehr bedeutete als heute mit Express, Schlafwagen oder Flugzeug, vollends wenn diese Reise im Winter erfolgte, denn der Aufbruch von Blaubeuren aus fand im Januar 1508 statt. Zudem war man in der damaligen Zeit mit 67 Jahren schon ein recht alter Mann. Vielleicht hatte auch des Heimsheimers Aufenthalt in Strassburg, wie wir oben gesehen, aus aehnlichen Gruenden stellvertretend fuer seinen aelteren Verwandten stattgefunden. Jedenfalls wurde der Heimsheimer unter dem 9. Oktober 1507 von der Universitaet Freiburg auf ein Vierteljahr beurlaubt und befand sich am 30. Januar 1508 mit Herzog Ulrich und seinem Gefolge in Bozen, wo die Reise schon ihrEnde fand (Sattler, Grafen IV, S. 26 f., Staelin III, S. 774 und IV, S. 72). Am 25. Mai 1508 dankt Herzog Ulrich der Stadt Freiburg in einem Schreiben dafuer, dass sie ihm ihren Stadtarzt ueberlassen haette. Damit hatte die Beziehung zum wuerttembergischen Hof ihr Ende gefunden und Widmann kehrte an seinen alten Posten in Freiburg zurueck, wie ein Fertigungsprotokoll von 1508 Aug. 19. dartut, in welchem er als Stiefvater von Hans, Simon und Margarethe, weiland Bernhard Reichenbachs selig Kinder genannt ist. Aus seiner eigenen Ehe mit der Witwe Margarethe, einer geborenen Spielmann, hatte Widmann zwei Toechter, naemlich Kordula II und Elisabeth (Die erste Kordula ist die Tochter des Maichingers, eine dritte ging aus des Heimsheimers anderer Ehe hervor). Aus beiden Ehen soll W. 6 oder 7 Kinder gehabt haben, darunter auch einen *Christoffel* (briefliche Mitteilung von Dr. Hefele-Freiburg vom 7.10.1954; er starb 22. Juni 1956), welcher wahrscheinlich dergleiche ist, der als Johann Christoph Widmann von Freiburg in Tuebingen immatrikuliert wurde 15. Juni 1523 (Hermelink 81/15). Zwischen 1530 und 1536 erscheinen als seine Kinder neben Christoffel: Kordula, Ursula und Veronika. Um die Toechter gleich vorwegzunehmen, so war Kordula mit Konrad Botzheim zu Offenburg verheiratet, Elisabeth mit Joachim v. Sulz, Buerger zu Colmar, Ursula um 1546 mit Jakob de Nanto, Barbara um 1546 mit Hans Eitel v. Karben und eine ungenannte mit Dr.jur. Stephan Waig (nach Hefele). Am 19.Dez. 1514 quittiert Dr. Widmann fuer sich und seine Frau Margaret

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Spilman ueber 9000 Gulden aus dem Nachlass seines Schwiegervaters Ludwig Spilman (1525 war ein Johann Spielman Abt von St. Blasien. Dieser und der genannte Ludwig Sp. haben verschiedene Wappen, die sich merkwuerdigerweise auch von dem Spielmann-Wappen auf dem Glasgemaelde, wie wir spaeter sehen werden, unterscheiden). An einem Revers vom 5. November 1520 haengt Widmanns Siegel mit dem Widder, worauf zum erstenmal Walther Zimmermann in *Mein Heimatland* 1925 hinweist und als erster die sippenmaessige Zusammengehoerigkeit des Maichingers und des Heimsheimers auf Grund ihrer Wappengleichheit nachweist.

Eine weitere Ehe schloss Widmann mit Helena Hirt (nicht *Hilt*, wie Baas an ener Stelle schreibt), was sowohl aus seinem Testament von 1530, als auch aus einer Urfehde von 1537 hervorgeht. Helena schenkte ihm die drei Toechter Barbara, Kordula III und Ursula und nach 1530 noch einen Sohn Hans Adam, wie aus der Teilung des Nachlasses von 1536 Juni 20 zu entnehmen ist (Stadtarchiv Freiburg, Teilbuch Bl. 12 und 13). Der Urfedhebrief von 1537 Maerz 6 (Baas schreibt 1553) beginnt: Ich Helena Hirttin von Villingen, weylanndt des hochgelehrten Herrns Johannsen Wydmans der artzney Doctors zu Fryburg im Breissgaw verlassen Wittib, bekenne hirmit offentlich ...*. Er laesst uns einen Blick in eine merkwuerdige Angelegenheit tun, denn es geht aus ihm hervor, dass Helena Hirt wegen Gotteslaesterung angeklagt war und dass sie nun bekennt, dass sie alle Ursache habe, Gott dankbar zu sein dafuer, dass sie als Dienstmagd zu solchen Ehren und Gut gekommen sei.

Doch wir sind der Zeit weit voraus geeilt und kehren zu dem Jahr 1511 zurueck. Wieder wendet sich der Markgraf von Baden am 9. Januar 1511 an die Universitaet Freiburg mit dem Ersuchen, den Doktor Widmann unter Vorbehalt sienes Lehramts auf fuenf Jahre ihm zu ueberlassen. Da die Universitaet wieder nicht darauf einging, legte Widmann seine Professur unter dem 25. Juni 1512 nieder, bat aber bei seinem Weggang, dass die Hochschule *saltem aliquando, cum se casus dederit, sui memoresse velit*. Der Heimsheimer verliess also nach etwa 21 Jahren seine bisherige Wirkungsstaette Freiburg, um sich nach Baden-Baden in die Dienste des Markgrafen zu begeben, der endlich sein Ziel erreicht hatte und sich zweimal durch Briefe vom 9. Jan. und 30. Aug. 1513 an den Freiburger Stadtrat fuer seinen Hofarzt und dessen Stiefkinder verwendete. Im Jahre 1520 kommt der Heimsheimer wieder nach Freiburg zurueck laut Revers vom 5. November fuer sich und seine Kinder und ist in den dortigen Steuerlisten bis 1530 nachweisbar. In diesen Zeitraum faellt auch die Eheabrede fuer seine Tochter Kordula zwischen ihm und Konrad v. Botzheim aus Offenburg. 1529 wird Widmann in einem Protokoll ueber eine Apothekenbesichtigung in Freiburg erwaehnt, im gleichen Jahr unter dem 27. September verzeichnen die Colmarer Missiven einen Brief an ihn. Sein Testament errichtete er 1530 Mai 4, das im Stadtarchiv zu Freiburg wie die uebrigen Dokumente uns erhalten ist (unter P VIII a 1). Darin gedenkt er auch seiner anderen Hausfrau Margaretha Spielmann und spricht den Wunsch aus, bei den Augustinern begraben zu werden *vor Sanct Erharts Altar neben Doktor Johannes Odernheim sei. Begraebnis mit einem Stein verzeichnet*. Er vermacht Unserer Lieben Frauen Bau die Summe von 15 Gulden, *dass aus denselbigen gemacht werde ein Vierteil eines grossen obersten Fensters, so im neuen Chor noch zu machen sind mit Schild und Bildung, wie die sunst gemacht werden.* Diese Tatsache war schon 1896, also vor mehr als 60 Jahren dem Historiker und Genealogen Theodor Schoen bekannt, der jedoch all dieses auf den Maichinger bezog. (Wuertt. Medizin, Corresp. Blatt Bd. 66 (1896) Nr. 8 vom 22. Febr.). Aber weder er noch 30 Jahre spaeter Baas -der etwas anders zitiert- liessen sich von dieser so klaren Willensbestimmung beeindrucken, wie wir noch hoeren werden. Widmanns letztes Lebenszeichen ist ein Vertrag vom 1. Juni 1532, Samstag nach Fronleichnam, den er mit seinem beiden Tochtermaennern Konrad Botzheim und Joachim v. Sulz abschloss. Sein Todestag ist unbekannt geblieben, doch werden in einer Gueltenaufstellung des Markgrafen Ernst von Baden von 1535 des Hans Widmann zu Freiburg Erben genannt. Ferner besitzt das Freiburger Stadtarchiv das Inventarverzeichnis ueber Dr. Johann Widmanns selig verlassen Hab und Gut vom 17. Maerz 1536 und dessen Teilung vom 20. August 1536, Mittwoch nach unseres lieben Herrn Fronleichnamtag, sowie die Jahresabrechnungen der Vormundschaft, deren erster Termin auf Montag nach dem Jahrtag 1536 (d.i. 10. April) faellt (Vogteirechnungen 1536-56), so dass der Anfang des Jahres 1536 oder das Ende von 1535 als die Zeit seines Sterbens anzunehmen ist. Sein Haus, das zu seiner Zeit *zum kalten Luft* (seit 1730 *Zum wilden Mann*) hiess und das spaeter Dr.jur. Stephan Weig, sein Schwiegersohn, markgraeflichr Rat bewohnte und das 1900 der Salzstrasse 30 entsprach, war ein Eckhaus gegenueber den Augustinern gelegen, das er um 280 Gulden erkauft hatte. Aus der Teilung erfahren wir noch, dass der Besitz an Silbergeschirr, Schmuck, Hausrat 

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u.a. m. ein betraechtlicher war und dass sein Vermoegen an Geld etwa
20 000 Gulden betrug.

Unter den silbernen Bechern waren grosse mit den Wappen Widmanns und seiner Frau Spielmann, ferner ein Deckelbecher mit den Schilden von Reichenbach, Spielmann und Widmann. Fuer den Grabstein waren an Meister Jerg den Werkmeister vier Gulden ausgegeben. Vorne vor der Oberstuben befand sich ein *Allmarien*, unser schwaebisches *Almarei*, was einen Wandschrank bedeutet, *darin nichts dann Buecher, ist noch versecretiert.* Wie gerne wuessten wir, wes Inhalts diese Buecher gewesen sein mochten! In einem anderen Schrank befand sich *nichts dann Harnisch und bantzer und ein hernin Armbrost*. (Hermann Flamm, Geshcichtliche Ortsbeschreibung der Stadt Freiburg i.B., Bd. 2 (1903), S. 237. Ich verdanke diesen Hinweis und diejenigen auf die Kunstliteratur Herrn Dr. Noack, Direktor der Staedt. Sammlungen in Freiburg.)

IV.


Heben wir noch einmal die wesentlichen Punkte der Lebenslaeufe der beiden Widmann heraus, in denen sie sich gleich oder *zum Verwechseln aehnlich* waren. Beide stammten aus Wuerttemberg, Maichingen und Heimsheim. Beide waren in Tuebingen an der Hochschule, der Maichinger als Ordinarius fuer Medizin, der Heimsheimer als Student gleichzeitig 1484. Beide standen in wuerttembergischen Hofdiensten. Beide standen in badischen Hofdiensten. Beide waren in Strassburg 1483 und 1504. Beide waren Professoren der Medizin, in Tuebingen der eine, in Freiburg der andere. Beide beendigten ihr Leben in Baden, der eine in Pforzheim, der andere in Freiburg.

Es bleibt nur noch das Versprechen einzuloesen, das wir bisher schuldig geblieben sind, naemlich einen weiteren Beweis zu liefern, dass die beiden Aerzte Johann Widmann dem gleichen Familienverbande angehoerten. Dass Forscher wie Schoen und Baas sich diese Gelegenheit entgehen liessen, scheint schwer verstaendlich, da doch der Schluss des Testaments des Heimsheimers in Freiburg so klar die Richtung weist. Was lag naeher, als dass die Entdecker des Testaments und Kenner seines Inhalts sich bemuehen wuerden, nach *Schild und Bildung* zu fahnden? Vielleicht geschah dies auch; dass aber nichts dabei herauskam, mag der Umstand entschuldigen, dass die in Frage kommenden Glasgemaelde, von denen noch zu sprechen sein wird, damals in der Kunstwelt noch ganz unbekannt waren und erst durch den Versteigerungskatalog von Mone 1897 in die Oeffentlichkeit kamen, als Schoen seine Forschungen bereits abgeschlossen hatte. Baas allerdings haette 1911 und 1926 die Moeglichkeit gehabt, dem Glasgemaelde auf die Spur zu kommen, obwohl auch fuer ihn Mone die einzige Quelle gewesen waere. Die Gegebenheiten lagen fuer den Verfasser wesentlich guenstiger. Die Umschau im Freiburger Muenster ab assumptionem beatae Mariae virginis war gegen alle Vermutung ohne jeden Aufschluss. *Dagegen befand sich in der Freiburger Kartause, die eine Viertelstunde Dreisam aufwaerts am Suedhang des Schlossbergs liegt, ein dreiteiliges Glasgemaelde, das in seinem linken Teil zu Fuessen des stehenden Johannes des Taeufers den knienden Stifter zeigt, im Mittelteil die stehende Muttergottes mit Kind und zu ihren Fuessen links die Unterschrift *Johannes Widman doctor* mit seinem Wappen, einen heraldisch linkssteigenden Widder weiss (!) in Gold ..., rechts *Margaret Spilmenin 1528* mit dem Wappen, gespaltener Schild, rechts schraeger Querbalken, rot in Weiss, links glattes Feld (Farbe mir unbekannt). Im Rahmenfeld zu Fuessen der stehenden Hl. Magaretha, die kniende Stifterin und eine Tochter. Die drei Glasgemaelde befinden sich im Wallraff-Richartz-Museum in Koeln ...* So er Bericht im Auszug der Freioburger Museumsdirektion als Antwort auf meine Anfrage. Die Glasgemaelde sollen gegen Einvierteljahrtausend auf dem Speicherboden von St. Blasien gelegen haben, kamen dann nach der Saekularisation um 1807 in den Besitz des Barons Eichtal, dann 1820 an den Grossherzog Ludwig von Baden, der sie 1826 auf Schloss Langenstein unterbrachte, bis dieses samt seinen Kostbarkeiten 1848 an den Grafen Douglas kam. Im Besitze der Familie Douglas blieben die Gemaelde bis zur Versteigerung im Mai 1897, wodurch sie in alle Winde zerstreut wurden. Der bedauerliche heraldische Schoenheitsfehler in Widmanns Wappen, weisser Widder in goldenem Feld an Stelle eines schwarzen Widders, ist nach Ansicht meines Gewaehrmanns als falsche Ergaenzung in der Biedermeierzeit, also etwa zwischen 1820 und 1830 anzusehen, wie solche Ergaenzungen auch an mehreren anderen Scheiben aus der Freiburger Kartause nachweisbar sind. Doch darf uns dieser Umstand die Entdeckerfreude nicht nehmen, dass wir hier die in des Heimsheimers Testament gestifteten Glasfenster vor uns haben und dass das Wappenbild die Zugehoerigkeit zum grossen Familienverband der aus Dagersheim und Umgebung stammenden wuerttembergischen Widmann aufs neue beweist. Dass wir ausserdem die Persoenlichkeiten, welche die Stifterbildnisse darstellen, einwandfrei und erstmalig deuten konnten, ist ein besonders eindringlicher Beweis

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fuer den Wert genealogischer Forschung. Abgebildet sind die Glasgemaelde -seit 1928 im Schnuetgenmuseum in Koeln -im Katalog von Mone 1897 und in Oberrheinischer Kunst, 2. Jg. 1926/27, Tafel 85, Abb. 2 bis 4 zu der Arbeit von Elisabet Balcke-Wodarg, aus welch letzterem die Wuertt. Landesbildstelle die Aufnahmen machte. Auf da Kunsthistorische eingehend sei nur der eine Punkt aus der genannten Arbeit herausgegriffen, wo die Verfasserin auf S. 164 sagt: *Die starke Beschneidung (der Glassscheiben, der Verf.) deutet darauf hin, dass sie (in der Kartause, der Verf.) in fremde Fenstergewaende eingepasst wurden.* Daraus geht klar hervor, dass die Glasgemaelde vorher an einem anderen Orte sich befanden, und was liegt naeher, als sich der Bestimmung im Testament des Stifters zu erinnern, nach welcher in Unserer Lieben Frau Bau ein Vierteil eines grossen obersten Fensters im neuen Chor mit Schild und Bild zu schmuecken sei. Die Datierung des Kunstwerks mit der Jahreszahl 1928 sagt uns, dass die Bildnisse des Ehepaares zu dessen Lebzeiten geschaffen wurden. Als Schoepfer der Glasgemaelde vermute ich entweder den Meister von Messkirch, der im dritten und vierten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts taetig war, oder den Hans Baldung und dessen Schule, der von 1512 bis 1516 am Muenster in Freiburg wirkte und in dieser Zeit sich besonders der Glasmalerei widmete. Doch darueber moegen sich die Fachleute streiten.

Bei der Fuelle des in einem Jahrhundert gefoerderten Materials ueber die beiden Leibaerzte Johann Widmann war die Aussicht, Neues bringen zu koennen, recht gering. Waren fruehere Forscher, an erster Stelle Th. Schoen, bestrebt, die beiden Widmaenner unter einen Hut zu bringen, so freuen wir uns heute, jeden seinen eigenen Hut aufsetzen zu koennen. Dass wir um sie das einigende Band einer Familiengemeinschaft schlingen konnten, ist wieder ein schlagender Beweis dafuer, dass die so oft gering geachtete Genealogie und Heraldik wieder einmal als eine unentbehrliche Hilfswissenschaft sich erwiesen und wie schon des oefteren auch in unserem Falle das entscheidende Wort gesprochen hat. Damit ist aber das letzte Wort noch nicht gesagt. Manches der in der Gegenwart

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lebenden Familienglieder mag ueberrascht sein, wenn es erfaehrt, dass auch es zur Sippe dieser Aerzte gehoert und dass das gemeinsame Band sich auch um ihn schlingt, denn sowohl in Dagersheim und Maichingen als in Heimsheim leben heute zahlreiche Widmann, und ein Heimsheimer besitzt ein zerdruecktes Siegel, dessen Bild erst durch unsere Feststellungen als das Wappen mit dem springenden Widder gedeutet werden konnte. Ihre beruehmten Sippengenossen sind ihnen aber bisher unbekannt geblieben.

Im Gesamtueberblick ueber das Gewonnene ist man erstaunt ueber den raschen Aufstieg der Sippe zu hohen geistlichen und weltlichen Wuerden und Aemtern. Ich erwaehne nur den in Heidelberg immatrikulierten Konrad Widmann aus Dagersheim 1421/22, welcher 1442 Kaplan des Grafen von Wirtemberg war, an Geld und Guetern sehr vermoeglich, so dass er in Stuttgart ein Pfrundhaus besass, eine eigene Kaplanei stiften konnte und 1454 Chorherr des Stifts Sindelfingen war, beachtlich auch deshalb, weil er nicht wie alle anderen Chorherrn vor und nach ihm dem niederen Adel angehoerte, sondern aus dem Bauernstande kam, trotzdem aber erhebliche Beziehungen zu dem wuerttembergischen Grafenhaus und zur hohen Geistlichkeit hatte. In welch nahen Beziehungen das Grafenhaus zum Stift Sindelfingen stand, geht schon daraus hervor, dass das Schorherrenstift zwei Bastarde aus dem Hause Wirtemberg zu Proebsten hatte, naemlich den 16. Probst Ulrich v. W., gestorben 9. Maerz 1348, illegitimer Sohn Graf Eberhards des Erlauchten, welcher 6 Jahre vor seinem Tod dem Mangold, dem Maier in Dagersheim, den Widemhof dort als Erblehen ueberliess, dann den 19. Probst Ulrich Wiortenberger um 1420 bis 1425, dessen Vater noch umstritten ist. Ferner ist das Chorherrenstift die Urzelle der Universitaet Tuebingen, da dieses in der Zeit seiner hoechsten Bluete durch paepstliche Genehmigung am 11. Mai 1476 auf Ansuchen Graf Eberhards im Bart nach Tuebingen verlegt wurde, wodurch nach Gruendung der Universitaet am 13. November des gleichen Jahres der Propst Johannes Degen erster Kanzler, der Chorherr Johannes Nauclerus erster Rektor und die Mehrzahl der Chorherren die ersten Professoren der neuen Universitaet wurden. Ist es nur Zufall, dass schon 1477/78 Mangold, der Canonicus, sich einschreiben laesst und als Mangold Widmann 1483 Rektor wird? Eindrucksvoll sind auch die Heiraten der Kinder der beiden Aerzte in adlige Geschlechter.

Nach diesen Erwaegungen kann man sich des Verdachts nicht erwehren, es koennte sich bei dieser Widmannsippe irgendwann um eine direkte oder indirekte Bastardabstammung handeln, sei es vom wuerttembergischen oder einem anderen Adelsgeschlecht, sei es aus dem Kreis der Insassen des weltlichen Chorherrenstifts, dessen Glieder ja an keine Moenchsregeln gebunden waren, blieben sie ja doch Weltgeistliche, konnten eigenes Vermoegen und eigene Haeuser besitzen, und ihre Verpflichtungen richteten sich nur nach dem Grade der empfangenen Weihen. Beispiele fuer die oberflaechliche Respektierung des Zoelibats sind in dieser Zeit nicht selten, haben wir doch im Chorherrenstift St. Martin selbst Beispiele dafuer. Ferner erinnere ich an die unseren Widmaennern voellig fernstehende gleichnamige Familie aus der Haller Gegend, aus welcher der Musiker und Komponist Erasmus Widmann (1572-1634) hervorging, dessen Vater und Grossvater aus dem Konkubinat geboren wurden (s. Darstellungen aus der Wuertt. Geschichte 36, Bd. 1951, bearbeitet von Georg Reichert).

Eine weitere Stuetze erhaelt die Vermutung einer Bastardenabstammung dadurch, dass Mangold W., er Schreiber, 1458 als Nachbar des Herrn von Dagersheim auftritt (Urk.Buch 228, 8: Wais, Alt-Stuttgart: Die aeltesten Bauten 2. Auflage 1954, S. 48). Da die Herren von Dagersheim mit der Familie Welling verschwaegert waren (Urk.-Buch 354, 33: 440, 13: Wais 49) und bei letzterer an eine Bastardenabstammung von dem wuerttembergischen Grafenhaus gedacht werden kann, koennte man auch an eine Abstammung der Widmann von denen von Dagersheim denken (nach Mitteil. des Kulturamts der Stadt Stuttgart).

Quellen:

(Remark by I.B. Gastel - since the print was so small I was not able to get all the numerical information on the pages!)

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