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Elise Wuppermann Texanische Tagebücher 1850-1860 

Abgeschrieben und herausgegeben von
Gerhard Vowinckel Nerzweg 6 22159 Hamburg Deutschland

Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. 

Deckelinnenseite auf einem eingeklebten Blatt mit den eingeprägten Initialen E W:)

Alles mag auf dieser Welt, über gehn, sich ändern, Freud und Leid nicht dauernd hält, Ewig aber meine Liebe. Was Gott will, gescheh' all'zeit, Ihm wollen wir vertrauen, Gläubig auf ihn schauen. Dich zu lieben, mein Leben Dir zu weih'n Einzig nur von dir geliebt zu sein, Ist mein höchstes Glück; mein Wunsch auf Erden, Nie von dir getrennt zu werden! -

Von deiner treuen Elise. Life-oak-hill, den 11. Juni, 1850.

I. Mein Tagebuch,

Angefangen, den 29. September 1850, am ersten Tage unserer Verheirathung. 

Nach meinem Heimgang (Tode) sollen meine texanischen und deutschen Tagebücher, und Briefe in den Besitz meiner geliebten Tochter, Clara Tafel übergehen. Nach ihr, sollen dieselben auf Lily Thomae, und nach Lily, auf Laura Vowickel kommen. Düsseldorf, den 9. Nov. 1915 Eure, Euch innig liebende Mutter, Joh. Elise Wuppermann

Tagebuch

29. Sept. 1850. Gestern feierten wir unsere Hochzeit, ein glücklicher, seeliger Tag, ein Tag, voll froher süßer Erwartung, voll Liebe und Seeligkeit! 

Mein geliebter Otto und ich wurden 5 Uhr Abends auf dem Hofe unserer lieben Mutter unter einer schönen Ulme von Prediger Joung getrauet, er hielt eine schöne inhaltreiche Rede. Die Gäste, Jettchen und Bianca Nohl, Minchen Lenhsen (?), Herr Ferguson, Schmiedt, Krochmann, Fischer. Koenemanns, Heusinger, und meine liebe Mutter und Geschwister, welche im Kreise um uns standen, gratulirten und umarmten uns auf innigste. O Vater, o Clara, ihr fehltet mir noch gar zu sehr, warum verließet ihr uns so früh? Doch wie egoistisch von mir, so zu klagen, Ihr habt ja nun kein Leid, keine Schmerzen mehr, und seid bei unserem gütigen Vater im Himmel! 

Nach der Trauung tranken wir ein Glas Wein und gingen dann ins Haus zum Eßen. Unter anderen hatten wir einen schönen Sandkuchen von Herrn Tillmann, einen Stärkepudding von Jettchen, einen Reiskuchen vom mir, verfertigt. Schinken, Rinderbraten, Kartoffelsalat, vor dem Essen Boullon, nachher Thee. Die Gäste baten uns, etwas zu musizieren, worauf Hermine und ich einige Duette sangen, wonach mich Minchen in unser liebes Häuschen begleitete. Mein lieber Otto war schwarz gekleidet, mit weißer Weste und Rosenbouquetchen im Knopfloch. Nachdem ich angekleidet war, befestigte mir die liebe Hermine das von ihr verfertigte Myrthenkränzchen ins Haar, und meine theure Mutter überraschte mich, indem sie mir eine schöne mit Diamanten besetzte Nadel, ein Geschenk meines lieben Otto, überreichte, und an die Brust heftete. Otto trug eine Uhrkette aus meinen Haaren, ein Geschenk meines Bruders Julius. Als Hochzeitsgeschenke bekamen wir, von Louis und Jettchen ein Dutzend flache Teller und Salatgabel u. Löffel mit silbernem Griff; von Herrn Ferguson, einen Suppenlöffel, ordinäre Salatgabel und Löffel und einen Waßereimer von Zedernholz mit kupfernen Reifen, von Minchen einen hübschen Bettüberzug, von Herrn Schmidt 4 Enten (?), und von Herrn Be- chem ein hübsches Kästchen, welches wir aber erst nach seiner Abreise erhalten. Heute Morgen machte ich uns ein gutes Biefsteak, Nachmittags, besuchten uns die Mutter und Geschwister. Dienstag den 15 Okt. Heute theilte uns Louis mit, daß sich die liebe Minchen mit Gustav Heusinger verlobt habe. Eduard schoß einen großen Hirsch. 

Oktober 1850

Sontag, den 19. Okt. machten wir eine kleine Tour um Pekanüsse zu suchen. Mutter und Geschwister fuhren, Otto und ich ritten. Wir verbrachten den Tag recht vergnügt, Aßen Mittags ein Butterbrod mit Eiern, suchten fleißig Nüße und kehrten früh wieder nach Hause. Die arme Helenchen hatte Fieber, zur Abwechslung kizelte ich meinen Bären ein bischen, wofür er mich mit seinen großen Tatzen , tüchtig in die Füße kniff. 

Dienstag, den 21. Okt. Heute machten uns alte vom Steins ihre Abschiedsvisite, ich gab ihnen Ottos Zeichnungen (von Mutters Farm) an Tante Hanchen nebst einem Briefe mit. 

Mittwoch, den 22. Okt. Heute morgen kaufte Otto 2 Kühe mit jungen Kälbern von Narvarra, und trieb sie mit Herrn Krochmann in die Panne, wir gaben ihnen die Namen Mina und Bianca. Dann schlachtete Otto das erste Schwein, ein kleines Spanferkel. 

Den 29. Okt. Mein lieber Otto hat eine dicke, geschwollene Backe und Zahnschmerzen. Heute morgen holte er unsere 4 Schweine von Willow Springs. Gestern besuchte uns Herr Reinbach, welcher in Begriff war, nach Deutschland zu reisen, um seine Mutter und Schwestern zu holen. Sein Fuhrmann brachte die beiden Damensättel mit für Mutter und Hermine. Die Letzteren besuchten mich gestern Nachmittags. 

Den 25. oct. brannte und markte Otto mit den Herrn Bechem und Krochmann unser Vieh, die Herrn blieben zum Mittagessen bei uns. 

31. Okt. wurde unser Hühnerhaus fertig, Otto schoß eine große Ratte todt, das Geschwür am Zahn hat Otto durchge- schnitten, und die Geschwulst und Schmerzen hören auf. Herr Schmidt reist nach Indianola um seine Frau abzuholen, und wird uns Proviant einkaufen. Julius ist in Seguin, um die Hobelbank zu machen. Herr Tillmann besucht herrn Bechem, er hat eine schlimme Hand, war heute hier. Ich goß 98 ?????? mit Wachs für künftigen Sommer. 

November 1850

2. Nov. Otto schlug heute mit Herrn Schuchardt das Haus unten herum zu. Morgens früh lag ein Schwein todt in der Penne. Mein lieber Mann verkaufte heute die erste Butter 2 Pfd., zu 20 L. das Pfd. Heute Abend schlug Otto mit herrn Sch. im Rauchhaus eine große Stinkkatze todt. 

Sontag, den 3. Nov. Otto machte heute Morgen ein allerliebstes Kästchen, mit Herrn Schuchard, indem er mir sagte, es sei für unsern kleinen Caro, nach Tisch gestand er mir aber, es sei für zwei Tauben bestimmt, welche er, bei dem Kaufe von Mina u. Bianca von Navarra erbeten, und für mich bestimmt habe. Der gute, liebe Mann! Nachmittags ritten wir hin nach Navarra, die Tauben zu holen. Die Damen waren sehr artig, schenkten uns noch 2 junge Tauben, 3 Stangen Zuckerrohr, Blumen, und zeigten mir den schönen großen Spring. 

Den 4. Nov. Mein liebes Männchen schmiert mit H. Setsu die Küche aus, und fand unter dem Kamin eine kleine Eierschlange, die 3te seit 5 Wochen, ich tödtete früher 2 große Moccassin-Schlangen, eine an der Quelle, die andere in der Küche im Salzbad. 

7. Nov. Brill (?) brachte heute Morgen ein Viertel von einem Bief, dieses wurde eingesalzen, und morgen geräuchert. Die arme Mutter hat leider das Fieber wieder. Herr Krochmann brachte Otto Briefe von unserm lieben Vater und Schwester Laura, welche leider die traurige Nachricht von dem Tode unserer lieben Schwester Mathilde enthielten. Drei liebe, theure Verwandte sind in diesem Jahre von uns geschieden, das ist sehr schmerzlich! Den 28. Sept. an unserem Hochzeitstage waren die Briefe abgegangen. 

8. Nov. Otto fand heute beim Aufräumen im Kornhause eine Eierschlange. Heute Morgen trieb er mit Herrn Krochmann unsere ???? in die Penne. Gegen Mittag schoß mein lieber Mann eine große Ratte im Rauchhaus. 

9. Nov. Ich brannte u. mahlte ein Säckchen Caffee für einen Amerikaner welcher an die Fenz kam und darum bat, für 20 c. 

14. Nov. Otto kaufte den Cid und war einige Tage in Seguin, wegen Herrn Bechems Process. 

15. Nov. Herminens Geburtstag, mein lieber Otto machte das Appartement fertig, woran ihm meine Brüder halfen. Sehr angenehm und plaisirlich ist das Butter verkaufen, bis jetzt habe ich schon 2 1/2 Dollar für Butter eingenommen. 

17. Otto brannte mit Mr. Rogers Herrn Bechem und Julius , den Ali, den Cid und die Mary. Dann schlachteten wir eines der drei Schweine für den Winter. 

18. Sontag, Wir ritten mit Mutter, Julius und Hermine nach Seguin, und besuchten Tom Johnsten und Klasing. Abends tranken wir bei Mutter den Caffee. Otto hat eine kleine Geschwulst am Beine. 

December 1850

6. Dec. Otto schlachtete mit Julius 2 Schweine, eins von 128, das andere von 140 Pfd. Wir hatten einen doppelten Norder von 6 Tagen und 5 Grad Kälte, Otto's Geschwulst und Schmerzen haben bedeutend nachgelassen. 

8 Dec. Mein lieber Otto schoß ein Eichhörnchen, eine Ente und ein Rebhuhn. 

13. Dec. Otto trieb mit Herrn Krochmann und Bechem die Rose mit einem schönen Kuhkalbe in die Penne. Tags vorher machten wir Bratwürste und Panhas. Von der Kälte litte ich sehr. 

14. Dec. Otto ritt heute Morgen nach Braunfels, um sich Pferdegeschirr zu kaufen, und verlor in Seguin seinen Plänket (?), welchen Herrn Tillmann wiederbrachte. Ich war den ganzen Tag bei der Mutter, da Otto erst Morgen wiederkommen will, so bat ich Eduard bei mir zu schlafen, was er auch that. Nachmittags bekam Mutter Besuch von Rogers und Brills, wir musierten, was ihnen sehr gefiel. 

Es ist zum todtlachen, wenn die Mutter englisch spricht, so sagte sie z.B. zu Miss Perregh, Et is heute werri wärm, zu Mr. Rogers: Iß yü Moder well? Mr. R.: Jes Mem. Mutter: Jes Mem? 

15. Dec. Seit einigen Tagen bin ich immerwährend übel, sehr frostig und müde, wenn es wirklich die Ursache von dem ist,was Mutter glaubt, so würde ich mich unaussprechlich freuen. 

21. Eduard schoß heute 5 Haasen, von denen er uns 2 brachte. den 15. kam Otto von Braunfels zurück, und brachte ein junges spanisches Pferd mit, welches er in Br. zu 10 Doll. gekauft, und Fritz genannt hatte. 

24. Wir bekamen heute Besuch von Herrn Krause und einem andern Mann, Namens Maurer, welche die Nacht bei uns blieben. Nachmittags machte ich ein Christbäumchen fertig, woran zu Lichterchen ein Stück Wachsstock benuzt wurde. Morgens backte ich Spekulatius. Mein liebes Ötterchen holte Abends die Kinder bei der Mutter ab, welche einen Teller mit Speculacius und eine Kleinigkeit dazu bekamen. Als ich sie kommen hörte, steckte ich den Baum an, welcher ganz nett war. Ottöchen über- raschte mich mit einem schönen Waschkorbe und einer Gießkanne, welche mir sehr lieb sind, ich schenkte ihm 1 paar Stiefel, 1 paar hirschlederne und 1 paar wollene gehäckelte Handschuhe und 1 blaue Schreinerschürze. Wir waren alle sehr vergnügt und tranken ein Gläschen Punsch zusammen. Wie gut ist mein lieber theurer Otto, und wie sehr liebe ich ihn! 

25. Dec. Erster Weihnachtstag, schlechtes Wetter, den ganzen Tag Regen. Wir hatten eine kleine Gesellschaft zum Mittagessen, Mutter und Geschwister und die Herrn Bechem und Krochmann. Mittags ein schönes Essen: einen gebratenen Puter, Nudeln, Potetossalat, Schnitzeln, Kastanie und Apfelpai. Nachmittags spielten wir Ko- mödchen, und tranken um 8 Uhr, wozu ich zweierlei gutes Brod, Rauchfleisch, Butter, Käse und Apfelpai aufsetze. Dann plauderten wir noch etwas, und sangen ein Weihnachtslied.

26. Die vergangene Nacht und heute immer Regen, unsre Betten mußten wir in die Stube ??????? 

Januar, 1851

Montag, den 6. Wie freue ich mich, wieder in unserm lieben Häuschen zu sein, meine lieben Kühe wieder melken zu können, und meinem lieben Männchen wieder seine Lieblingsspeise, warmes Maisbrod zu backen. Silvesterabend waren wir bei unserer lieben Mutter, wo wir ein Glas Punsch tranken. Neujahrmorgen traten wir unsere Reise nach dem Zibolo an, zuvor ritten wir zur Mutter, um ihr zum neuen Jahr zu gratulieren, die arme Frau lag im Bette und hatte das Fieber. Es war so kalt, daß wir, um uns zu erwärmen mehrere Mal tüchtige Strecken zu Fuß gingen, wo dann Otto die Pferde führte, ich aber hinterherlief und die Pferde mit einem Stocke antrieb. Mittags 1 Uhr kamen wir bei Nohls an, die Guadaloupe war so klein, daß wir durchreiten konnten. Abends waren wir bei Ferguson zum Thee, wo wir uns gut amüsirten. Da Fritz lahm war, lieh Otto bei Ferguson die Bill, ein herrliches Pferdchen, welches ich nach dem Zibolo und zurück, ritt. Otto war so heiser, daß er kaum sprechen konnte. Den 2. ritten wir, zu Riotte, unterwegs stieß der alte Niels zu uns, welcher uns den nächsten Weg zeigte. Herr Wallrath und Frau Riotte empfingen uns sehr freundlich, Herr Riotte war nach San Anton, kehrte jedoch abends zurück. Wir blieben bis Sonntag morgen, wo uns Herr Wallrath nach Braunfels begleitete. Indeß ich mich mit der lieben Frau Riotte und ihren Kindern unterhielt, machte Otto manchen Ritt in die Umgegend, deren Hauptzweck war, Wagen zu besehen, den letzten Morgen fand er endlich einen, welchen er wahrscheinlich kaufen wird. Den 3. waren wir Nachmittags bei Brachts zum Caffee, Frau B. und ich freuten uns gegenseitig, uns wieder zu sehen, sie war gesund und munter, sie wohnten recht nett, in einem kleinen hübschen Häuschen. Frau Bracht versprach mir, uns recht bald zu besuchen. Den 4. ging ich mit Frau Riotte zu Perimann, welche das Pianino von alte v. Steins gekauft haben. Nachdem ich die liebe Familie Riotte näher kennengelernt habe, bedaure ich es doppelt, daß sie nicht ganz in uns'rer Nähe wohnen. Wir erkälteten uns beide sehr, besonders ich bekam einen heftigen Husten. In Braunfels trafen wir Heusinger, welcher uns von Minchen den 30. Dec. als ihren Bräutigam vorgestellt war, sie logierten Nachts bei uns und ritten den andern Morgen mit Bianca, Goldbeck und Seele, welche mit ihnen kamen, nach Braunf. zurück. 

7. Gestern bei unserer Rückkehr hörten wir, das ein Huhn krepiert, und die eine Taube verunglückt sei. Otto trieb heute mit Herrn Krochmann die wilde Nonne (?), welche uns fortgelaufen war, wieder ein, er arbeitet wieder an der Fenz auf Willow Spring 

13. Unsere liebe Mutter entschloß sich Gestern auf unser aller Bitten, Louis' und Jettchens Einladung nach Braunfels zu folgen, um sich zu erholen und endlich das Fieber los zu werden, Julius fuhr sie heute morgen hin, ich hoffe auf Gott, und bitte ihn, daß er sie bald in unsere Mitte gesund zurück- führe. 

17. Wir haben wieder einen tüchtigen Norder. Den 14 besuchte uns Herr Runge , und theilte uns die freudige Nachricht mit, die erwarteten Kisten seien unterwegs, er logierte Nachts bei uns. Den 15. besuchte uns Herr Riotte, er kam, um eine Negerinn (?) zu miethen. Abends gingen wir hinauf und musizirten, welches Herrn Riotte sehr amüsirte. Otto brachte endlich Briefe von Deutschland, worunter 5 an Mutter, 2 an Julius, und 1 von Ohm Hermann an mich. Herr Krochmann hilft Otto die Fenz dicht machen, und das Thor an der Kuhpenne verbessern. Gestern Morgen ritten Herr Bechem und Otto mit Herrn Riotte um den Wagen von Maclöln zu holen. 

17. Otto ist noch nicht zurück gekehrt, jedenfalls hällt ihn der Norder zurück, welcher heute wieder mit aller Gewalt wüthet, und braust. Ich machte heute ein kleines Gedicht für ihn, überschrieben: "Hihsenbeinchens Heimkehr." Walter und Helenchen schlafen bei mir. 

Sonntag, den 19. Jan. Gestern Abend kam mein lieber Otto zurück, er brachte den Wagen, und die beiden längst erwarteten Kisten mit den Hochzeitsgeschenken mit. Gestern Abend packten wir noch die größte aus , und heute Nachmittag die kleinere. Sie enthielten beide schöne Geschenke, unter anderm 1 silbernen Suppenlöffel, 1 Dutzend neusilberne Suppen- u. dito Theelöffel, 1 Dutzend Dessert-Messer und Gabel 1 Dutzend Fischmesser (?) u. Gabel, 1 Thee- u Löffelkistchen, 2 Stücke Leinwand und viel Gebild (?). Ferner eine schöne Gewürzdose, 2 Säckchen mit Pflaumen, ein große Büchse voll Thee, Gartengeräthschaften, eine schöne Lampe mit 6 Gläsern 3 Glocken, und 12 Dutzend Lampenwinken (?) Zwirn, Litze; für Otto ein Tabaksbeutel, für mich 1 Geldbeutel, und 1 hübsches Kindermützchen, u.a.m. Diese schönen Geschenke machen uns viel Vergnügen. Für H. Könemann war auch ein kleines Päckchen beigefügt, woraus wir ein Stück Kistekuchen (?) machten. Otto liegt zu Bett, in voriger Nacht mußte er sich tüchtig übergeben, wahrscheinlich wegen Überladung des Magens. Julius ritt heute Morgen nach Br., um der Mutter die von Deutschland angekommenen Briefe zu bringen u. sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. 

24. Jan. Wir hatten Besuch von Prediger Kleist, welcher uns recht gut gefiel. Brief von Mutter, sie hat leider das Fieber wieder. 

26. Ich wurde heute 21 Jahre alt mein lieber Otto schenkte mir eine Matratze, Hermine einen Pflaumenkuchen. Julius aß zu Mittag mit uns, wir hatten Hasenragout mit Nudeln und Pflau- menkompot.. Nachmittags ritten wir alle in die Kirche, und Abends tranken alle Geschwister Thee mit uns, ich bin also nun 21 Jahre alt, vor einem Jahre kannte ich meinen theuren Otto kaum, und bin jetzt schon über 4 Monate seine Frau, der liebe gute Gott lasse uns noch lange vergnügt und sorgenfrei und wie jetzt, einander herzlich liebend zusammen leben! 

27. u 28. Otto und ich arbeiteten beide den ganzen Tag im Garten, Otto grub ihn ganz um, indeß ich harkte und säete. 

Februar. 1851

4. Heute Morgen ersäufte ich unsere kleine Katze, weil sie es mit dem stehlen zu arg machte. Morgen fahre ich mit Eduard nach Braunfels um die Mutter abzuholen. 

7. Gestern kam ich von Braunfels zurück, Mutter ist leider noch immer nicht gesund, Frau Ferguson hat ein todtes Kindchen bekommen, die arme, arme Frau wie dauert sie mich. Minchen kam mit uns, um 4 Wochen hier zu bleiben. Vorgestern Morgen begleitete ich sie mit Eduard nach ihrer künftigen Farm, welche mir recht gut gefiel. Otto verpflanzte heute die Pfirsichbäume, wobei ich ihm half. 

März. 1851.

9.) Heute ging ich mit meinem lieben Mann zum Abendmahl, die Rede von Pastor Kleist erbauete mich durchaus nicht, ebenso war die heilige Handlung lange nicht so feierlich, wie in Deutschland. Mutter und Hermine gingen ebenfalls zum Abendmahl. Diesen Abend waren die Herren Bechem, Runge und Listig zum Thee bei uns. Das Wetter ist außerordentlich warm und schön jetzt. 

10. Christian, der Junge, welchen Otto zur Hülfe gemiethet hat, bekam heute in Folge heftiger Erkältung das Fieber, Otto schrieb deßhalb an Dr. Morgan. Vor einigen Tagen war Bianka (?) hier, um uns ihren Bräutigam vorzustellen, sie nahmen Minchen wieder mit zurück. Otto wurde heute mit pflanzen des Korns fertig. 

Vor einigen Tagen hatte Otto mit Hermine einen kleinen Streit wegen Hans (Pferd), welcher jedoch jetzt wieder glücklich beigelegt ist. 

Mittwoch, 12. März holte uns Edmund v. Stein mit Fergusons Wagen nach Braunfels, um in dem Liebhaber Conzert mitzuwirken. Hermine und ich fuhren mit, Eduard ritt, und Otto kam den andern Tag nach. Ich besuchte Frau Ferguson und trank Cakao mit ihr. Abends fand das Conzert statt, den 13. Hermine und ich spielten die Ouvetüre aus dem Califen von Bagdad, und sangen das Duett aus dem Freischütz "Schelm halt fest", ich sang die Arie aus Robert dem Teufel, Herr Listig, Fräulein Dittmar, Eduard und Hermine spielten abwechselnd. Nach dem Conzert war Ball und ich hatte das Vergnügen, einigemal mit meinem lieben Männchen zu tanzen. Mitunter wurde Caffee, Thee und Wein mit feinem schönem Backwerk herumgereicht, so wie auch guter Kartoffelsalat, Sülze, Butterbrod, mit Kalbs-, Schweine und Puterbraten. Wir amüsirten uns sehr gut und gingen erst gegen 1/2 2 Uhr Nachts nach Nohls. Den andern Tag regnete es, wir konnten erst Freitags wieder nach Hause, Herr Seele fuhr uns. Er machte Hermine den andern Tag einen Antrag, welche ihn aber natürlich nicht annahm. Wir verkauften an Louis 72 Pfd. Speck, welchen Herr Seele mitnahm. 

Den 16 März wurde das Clavier bei Mutter abgeholt, Abends 9 Uhr durch die Herrn Morgan und Hill, wann wird ein neues da sein? Mutter verkaufte es zu 200 Dollar. 

Den 25 fing ich eine Stinkkatze im Schlafzimmer, Otto war nicht zu Hause, ich rief Julius und Eduard, der Letztere schoß sie todt. 

Den 27. trieb Otto die Altsche und Flora mit jungen Kälbern ein, Christian hat das Fieber, auch ich bin seit gestern Morgen sehr unwohl. 

April. 1851

den 10. April machte ich 18 Pfd. Butter ein, zu unterst 4 Pfd. von mir, dan 4 Pfd. von Mutter, und zuletzt 10 Pfd. von Frau Brill. Den 11. grub sie Otto im Rauchhaus in die Erde. 

Den 13. bekam die Nami in der Kuhpenne ein todtes Kalb, den 14. starb das Kalb von der Alma. 

Den 17. ritt ich mit Mutter, Otto u. Hermine nach Seguin, wo mir Dtr. Morgan zur Ader ließ, wobei mir sehr schlecht wurde. 

April. 20 Ostern. Wir aßen Mittags nebst Herrn Bechem bei der Mutter, Puter, grünen Salat mit Eiern und Schnitzeln, nach Tisch kamen Navarro's, welche weil es Abends regnete, bis den andern Morgen da blieben. Ich ritt mit Otto, Herrn B. Julius und Eduard zur Kirche, Pastor Kleist predigte recht schön. Abends tranken wir den Thee bei der Mutter, aßen Ostereier und Reiskuchen. Den 2ten Ostern wurde nichts aus der Parthie zu der Quelle des Geronimo, Otto arbeitete den ganzen Tag im Felde. 

26) Heute bekam ich Briefe von Deutschland, von Tante Hanchen, Louise Korte, Schwester Laura und deren Tochter Laura, Otto von Tante Hanchen, und Schwager Hösterey. 

Juni. 1851.

22) Lange schrieb ich nichts in mein Tagebuch und muß deßhalb ziemlich weit nachholen. Vor 3 Wochen kam Staeheli uns zu besuchen, oder vielmehr um Hermine zu sehen, auf welche er von James (?) Ferguson u. Frau Riotte aufmerksam gemacht worden war. Sie gefiel ihm sehr gut und er versprach uns in 14 Tagen einen zweiten Besuch. Frau Theisen machte uns mit ihrem Manne den ersten Besuch. Den 8. (erster Pfingsttag,) aßen wir bei Mutter Hirschbraten von Goldbeck und Fietzebohnen, Frau Opem (?) und Perrig (?), herr Bechem und Herr und Frau Schmitt aßen ebenfalls dort, die beiden ersten uneingeladen. Den 9. (zweiter Pfingsttag) fuhren wir morgens 6 Uhr zum Gernonimo Spring, auf Louis und Goldbeks Land. Herr Bechem, Fischer und Pröbsting, so wie Mrs. Cooke, Cäcilie und Josepha Navarro gingen mit. Die beiden Goldbeks hatten einen langen Tisch und Bänke an einer schönen Stelle im Bottom aufgeschlagen. Mit den Braunfelsern waren unserer 29 Personen. Fritz Goldbek schoß 2 Fische, welche sich Jettchen beide zueignete. Wir hatten uns gut mit Proviant versehen, kalten Puter, Rauchfleisch, Eiern, Brod, Butter, Weintraubentorte, und Ottokuchen (?). Navarros hatten Ceeks gebacken. Gegen 6 Uhr Abends gingen wir und nahmen einen Baum mit Honig aus, aßen aber fast alle zu viel, was uns sehr schlecht bekam. Gegen Abend wurden bei dem schönsten Mondschein gesellschaftliche Spiele gespielt, und einige hübsche Lieder gesungen. Pröbsting wurde sehr fexiert indem ihm vor und nach sein Plänket, Sattel, Wyskyflasche und Stiefel weggenommen wurden. Eduard spielte zum Tanz auf, mein armer Otto tanzte auch einigemal aus Pflichtgefühl, obgleich er sich sehr unwohl fühlte. Theodor Goldbek hatte sich einige Tage vorher mit der Axt arg in den Fuß gehauen. Wir amüsirten uns recht gut und fuhren andern Morgens 10 Uhr wieder nach hause. Otto fuhr den Tag darauf mit Herrn Schmitt wieder hin, um die Bienen zu holen, welche aber vor einer halben Stunde fortgeflogen waren. 

14.) Kam Staeheli wieder, Abends nach Tische gingen wir alle zusammen zu Herrn Fischer, Herr Bechem trug die Mutter und Herr Staeheli Hermine durch den Creek, ich ritt. 16.) ritten wir nach Seguin, besuchten Frau Theisen und spielten Clavier, Herr Bechem war auf dem Rückweg ein bischen drüben (?). 17.) Nach dem Essen machte Herr St. Hermine einen Antrag, diese bat sich 14 Tage Bedenkzeit aus. 

19.) Otto ritt nach Braunfels um sich bei F. noch näher nach dem Charackter St. zu erkundigen, diese gaben ihm die besten Zeugnisse. Er ritt auch zu Ölkers wegen einem Mädchen zur Hülfe für mich, dieses hatte jedoch einstweilen nicht überredet werden können. Bekäme ich doch bald wenn auch nur eine kleine Hülfe, das viele arbeiten wird mir immer saurer. Du lieber Gott, noch einige Wochen und wir haben schon ein liebes Kind, was werde ich aber vorher noch alles zu leiden haben! Wäre es doch schon glücklich da, wie werden wir das liebe Kind beide lieben und uns bemühen, es zu einem guten und frommen Menschen zu erziehen. Lieber Vater im Himmel gieb Du Deinen Segen dazu! 

Wenn nur mein theurer Otto gesund bleibt, er fühlt sich leider seit einiger Zeit oft unwohl! 

20.)  kam mein lieber Mann gesund und munter von Braunfels zurück den 21.) ritt er nach San Anton um auf der der, dort den 23. stattfindenden Auktion womöglich den wilden "Fritz", seine goldene Uhr und Pistolen zu verschwappen. 23.) Montag, der alte Luziano Navarro lud uns und Herrn Bechem zur Feier seines Geburtstages ein, sein ältester Sohn holte uns mit dem hübschen neuen Wägelchen ab. Wir waren den ganzen Tag recht vergnügt und aßen die ersten sehr schönen Wassermelonen diesen Sommer. Der junge Navarro fuhr uns wieder Abends nach Hause. Das ist eine recht liebenswürdige Familie! 

25. kam Otto gesund und munter von der Reise nach San Antonio zurück, ohne jedoch etwas gekauft oder verschwappt zu haben. Von Kampmann u. Frau wurde er freundlich aufgenommen. 28. Die 14 Tage Bedenkzeit waren zwar noch nicht abgelaufen, allein Hermine hatte Johann Staeheli durch Otto sagen lassen, er möge heute kommen. Wir luden Mutter und Hermine Abends zum Thee mit Puffertskuchen ein, damit Johann und Hermine eine ungestörte Unterhaltung hätten. Nach Tische ließen wir sie im Zimmer allein und nachdem die Unterredung etwa eine Stunde gedauert, tranken wir alle ein Glas Wein auf die Gesundheit der Verlobten. Hinkfuß mit Kalbringetrieben (?) 

Otto rasierte sich Herminens Verlobung zu Ehren den Bart ab ??? 

Juli 1851

4. Otto war mit Herrn Bechem, Eduard, Gustav u. Walter in Seguin zum Diner, wo sie sich ziemlich schlecht amüsirten, Johann und Hermine in Braunfels um sich als Brautleute vorzustellen, Julius mit ihnen, um von dort den andern Tag über den Zibolo nach San Anton zu gehen, wo er sich Arbeit suchen will. 

10. Mein lieber Otto ritt heute Morgen abermals nach Hordeville und Braunfels um ein Mädchen für mich zu miethen. Gestern Nachmittag hatte der arme Mann schreckliche Zahnschmerzen, er war zur Mutter gegangen, um Kaffeebohnen für mich zu brennen, da mir die Hitze schädlich ist, mußte jedoch aufhören. Gegen Abend schoß Otto eine große Schlange an der Quelle todt. 

Gestern hatte ich einen solchen Schrecken, das ich ganz außer Athem war und am ganzen Körper bebte. Die tückische Horn schlug mir näm(lich) dreimal so schnell sie konnte in den Milcheimer, wofür sie von Otto mit Peitschenhieben traktiert wurde. Ich hatte eine sehr schlechte Nacht darauf und schreckliche Träume, wenn nur mein süßes Kindchen nicht darunter gelitten hat! 

13. Otto hatte gestern wieder Zahnschmerzen und legte deßhalb 2 spanische Fliegenpflaster (auf). Heute Morgen lieh er bei Navarro den Wagen, um ein Mädchen für mich in Hordenville zu holen und brachte für uns und Mutter jedem 5 schöne Wassermelonen mit. Helenchen, Gustav und Walter sind in Braunfels, Julius hat das Fieber. Auf heute Mittag luden wir Mutter, Johann, Hermine und Eduard zum Essen ein. Wir hatten Hasenbraten mit Sava???? und Vietzebohnen von Mutter, und Reispudding, nach Tische tranken wir ein Glas Ingwerbier. Johann bekam das Fieber, Otto fuhr gegen 5 Uhr nach Hordenville, wie ich ihm so nachsah, wurde mir so traurig zu Muth, daß ich weinen mußte, ich wußte selbst nicht warum, möge es doch keine Ahnung vor einem bevorstehenden Unglück sein, lieber Gott bewahre doch meinen geliebten Mann! Diese Nacht schlafe ich ganz allein auf der Gallerie. 

21. Den 14. brachte Otto Hanchen mit, ich bin bis jetzt zufrieden mit ihr, denn sie zeigt viel Lust zur Arbeit nur hat sie einige unangenehme Fehler, zu vieles Sprechen, Naschhaftigkeit, und Hang zur Unwahrheit, ich hoffe jedoch ihr diese Fehler mit der Zeit und Gottes Hülfe anzugewöhnen. Julius hat seit 11 Tagen das Fieber, ist jedoch Gott sei Dank auf der Besserung. Doktor Morgan behandelt ihn, er ist noch sehr schwach. John lag ebenfalls einige Tage schwer am Fieber krank. Otto ist mit dem Blätterfuttermachen beschäftigt, er hat bis jetzt 350 Bündel und wird noch 150 machen. Herr Schmitt (Johannes) hatte die Cholera, und war gefährlich krank, ist jetzt auf der Besserung. Es ist heute Montag, ich wasche diese Woche zum letztenmale vor meiner Niederkunft, denn es wird mir jetzt sehr sauer. Helenchen ist schon seit 14 Tagen in Braunfels bei Nohls, hat aber wie John schrieb zuweilen das Heimweh. Gestern Mittag aß Herr Bechem bei uns, ich hatte Suppe, einen großen Haasen, welchen Otto geschossen, Savainn(?) und Traubenkuchen. Heute Mittag verzehrten wir einen Waschbären, welchen Eduard am Milkreek geschossen hatte. Den 15. hatte mein lieber Otto seinen Geburtslag, er wurde schon 33 Jahre alt. Ich backte ihm einen Weintraubenpai und machte ein kleines Gedicht dazu. 2 paar blaue Hosen für den Werktag schenkte ich ihm schon 6 Wochen vorher, da er sie sehr nötig hatte. 

24. Heute Morgen ritt Otto mit Mutter wegen einer Hebamme für mich nach Seguin, Otto sprach deßhalb mit Mihst. Dee, er brachte auch Briefe mit von Deutschland, einen von Vater, einen von Bruder Ernst und einen von Bruder Gustav. Nachdem Mutter und Otto gefrühstückt ritt letzterer nach Seguin der dortigen Prüfung beizuwohnen, nachdem er vorher bei der Beerdigung von Springers Kind zugegen gewesen. 

25. Jahrestag von Clara's Tod. Ich machte einen Kranz, welchen wir auf der Unvergeßlichen Grab legten. Den 27. ging ich mit Mutter und Eduard wieder hin, der Kranz war von den Ameisen schon beinahe ganz zerstört. Julius ist auf der Besserung. John und Hermine machten bei Navarro's und Herrn Fischer Brautvisiten. Otto ist unwohl und nimmt Pillen zum Abführen ein. 

August. 1851

Den 5. wurde unser liebes Klärchen geboren den 4. Montags ritt Otto nach Seguin, wo er den ganzen Tag blieb Nachmittags wusch ich noch ein Hemd für Otto klagte aber gegen Mutter, welche bei mir war, schon über Leibschmerzen, welche gegen Abend immer schlimmer wurden. Gegen 1/2 8 Uhr kam Otto von Seguin zurück und frug mich wie es ging? Ich sagte, nicht gut etc. machte aber noch unter manchmal starken Schmerzen das Abendbrod auf den Tisch. Bald nachher rief Otto die Mutter welche ich gegen 10 Uhr bat, da die Schmerzen unerträglich wurden, Otto nach Seguin zur Hebamme zu schicken. Otto ritt gleich hin und kam nach einer starken Stunde mit Frau Dee, einer Amerikanerinn zurück. Diese erklärte, das Kind könne schon in einer Stunde da sein. Die Schmerzen wurden immer fürchterlicher, dazu kam mehrmaliges Erbrechen, und großer Schlaf. Eine unaussprechliche Freude hatte ich jedoch, als ich den ersten Schrei unseres Kindes hörte. Otto hatte die Nacht einen entsetzlichen Schlaf, mußte mir aber trotzdem fortwährend eine Hand reichen, woran ich nicht schlecht gezogen haben mag, da ich selbst die Schmerzen davon noch 8 Tage später in den Armen fühlte. Unsere liebe Mutter weinte einige mal aus Mitleid für mich. 

8. holte der abscheuliche Alfes sein lügenhaftes durchtriebenes Hannchen wieder, Mutter und ich weinten aus Ärger über die Frechheit und Roheit des Menschen, und ich weinte aus Angst für die schlimmen Folgen, welche dieser gräßliche Ärger für den armen Otto haben könnte. 

13. kam Caroline Hohlfeld zu uns, den 18. Abends ging Mutter wieder nach Hause, sie wollte zwar anfangs länger bleiben, aber Hermine ließ alles zu sehr in Unordnung kommen. Den 12. war Vater (Bleistifteinfügung: Wuppermanns) Geburtstag, Otto schenkte mir zur Feier des Tages eine Flasche Wein, Gingerbrod, ein Stück Bisquitkuchen und Pfeffermünzchen. 16. schrieb ich an unsern lieben Vater und gratulirte ihm zum Geburtstage. 

17. Sontags ging ich zum erstenmal wieder mit Mutter herauf. John Staeheli war auch da. Wette zwischen John und Mutter wegen der Nase Clärchens über 1 Jahr, um 3 Flaschen Wein. 30. Abends Theegesellschaft, Pastor, Mutter, Eduard, John und Hermine, Fergusons welche wir erwarteten kamen erst den Sontag 31. waren Morgens bei uns, tranken ein Glas Ingwerbier, sahen die Quelle etc. Mittags aßen wir alle bei der Mutter, auch Mst. Dove und Herr Bechem. Wir aßen Schweinebraten, Nudeln, Potatossalat und Pflaumen. Nach Tisch während wir eine Tasse Caffee tranken, bekam John sehr heftig das Fieber. Wir besuchten Nachmittags Herrn Bechem und tranken Abends wieder bei Mutter den Thee. Ich freute mich sehr, die lieben Fergusons Leute einmal hier zu haben, sie wollten aber trotz allem zusprechen nicht über Nacht bleiben. An diesem Tage kam Otto zuerst die Idee, (bei einer Unterredung mit H. Ferguson) nach Friedrichsburg zu ziehen und dort einen Store anzufangen. Mein lieber Otto theilte mir dieses Abends mit, und obgleich ich Anfangs sehr überrascht war, so leuchteten mir doch seine Gründe gleich ein. Wir haben dann ein besseres, obgleich in mancher Beziehung nicht so angenehmes Leben, brauchen uns nicht so zu plagen und Otto verdient mit wenig Mühe, wofür er sich jetzt, wie der gemeinste Mann quälen muß. Doch die Trennung von Mutter und Geschwister wird mir schrecklich schwer werden. 

Otto grub den 1. Sept. die Butter wieder aus, sie hatte sich ganz gut erhalten. 

September. 1851

2. Gestern Nachmittag ging Caroline H. ihren Vater zu besuchen, und ist bis jetzt noch nicht wieder gekommen, wie es scheint, ist es mit der auch wieder zu Ende. Nami's Kalb, Jährling todt. Heute brachte uns Julius, (welcher mit Gustav seine Biene, welche er zufällig in der Nähe von Braunfels wieder gefunden, hierhertrieb) die traurige Nachricht, daß Gustav Heusinger Sonntag Morgen plötzlich an einem Lungenschlag gestorben sei. Die arme, arme Minchen, Otto und ich schrieben ihr gleich, sie möchte zu uns kommen. 

6) Graf Reichenbach besuchte Otto um Familiennachrichten von ihm zu hören. Er hatte Samstag Abends und Sontag Morgens einen Anfall von Fallsucht. Otto u. Eduard konnten ihn kaum halten, Doct. Morgan ließ ihn Sontag Nachmittags an beiden Armen zur Ader, Dienstag 9.) ging er von uns nach Braunfels, und einige Tage darauf zu Navarro, um spanisch zu lernen. Unser liebes Clärchen hatte einige mal Fieber, daß ich viel Angst und Sorge ausgestanden habe. 13.) Ging Hermine nach Braunf. und dem Zibolo, kam 15. zurück. 

10) Einen unangenehmen Auftritt bei Mutter, Eduard schrieb mir einen impertinenten Brief, Abends kam er herunter, wir hatten wenigstens eine 2 stundenlange Unterredung mit ihm, ohne ihn seines herzlosen Starrsinns wegen, von seinem Unrecht überzeugen zu können. 

21. Sontag Morgens einen vorwurfsvollen Brief von Mutter, worin sie uns ungerechter Weise ihr Haus verbot. 

22. Otto ritt Morgens früh zu Herrn Schmitt, um diesem einem verständigen ältern Manne die Sache vorzulegen. Dieser gab uns ganz Recht Wir schrieben hierauf an Mutter, indem wir ihr mit klaren Worten auseinander setzten, wie sehr sie uns Unrecht gethan, erhielten aber keine Antwort. Wir haben beide in der Sache alles mögliche gethan und sind den untersten Weg gegangen, darum sehen wir auch allen weiteren Folgen ruhig entgegen. Die Mutter wird es gewiß einst sehr bereuen, uns so Unrecht gethan zu haben, es thut mir um ihretwillen sehr leid. Gestern waren wir den Nachmittag sehr vergnügt bei Navarro's, ich nahm Clärchen welche Gott sei Dank jetzt ganz wohl ist, zum erstenmal mit auf's Pferd. Julius kam Heute von Braunfels zurück und ist einstweilen ohne Stelle. Er brachte uns einen Brief von meinem lieben Schwiegervater mit. Ich hatte Heute die Negerin, Juno hier, welche die Wäsche von 6 Wochen wusch.

Sept. 23.) Hermine holte Heute unser Kind, weil es Mutter zu sehen wünschte, wir gaben es ihr mit, um Mutter alles zu Gefallen zu thun, und weil wir dachten, es sei der erste Schritt zur Versöhnung, aber nichts dergleichen. 

26.) Heute waren Herr Bechem und Koenemann hier, um uns Adieu zu sagen. Herr B. nahm noch etwas Prairie-Thee mit, um ihn unserm Vater in Deutschland mitzubringen. Julius hilft Otto seit gestern Morgen Korn einfahren. Unserm lieben kleinen Engel geht es recht gut, sie wird alle Tage dicker und erfreut uns're Herzen durch ihr freundliches Lächeln. Lieber Vater im Himmel erhalte Du uns diesen Schatz! - Mit Mutter leider noch immer dasselbe. 

27.) Wir haben jetzt 3 Hunde Caro, Philax und Nestor. Heute war ich bei Mhs. Brill, wo ich seit langem wieder einmal einen Apfel aß. Wir haben seit einigen Tagen wieder große Hitze, Gestern Nachmittag gegen 3 Uhr 31 Grad. Otto wurde heute mit dem Erndten des Kornes fertig. Heute hatten wir den ersten gelinden Norder. 

28.) Sept. Heute ist es ein Jahr, das wir verheirathet sind, vieles hat sich in diesem Jahr geändert, nur uns're Liebe nicht. Mein theures Männchen brachte mir Heute 8 Äpfel und eine Flasche Wein von Seguin mit, Nachmittags ging ich mit den Kinder Weintrauben suchen. 

30.) Otto ritt mit John nach Braunfels um mit Louis wegen meiner zu sprechen, kam den 3.) wieder und brachte mir Pillen mit. 

Oktober 1851

Den 4. Otto ließ bei Doct. Morgan zur Ader, da es ihm mit seinem Unwohlsein, Schwindel, Kopfschmerz etc. noch nicht besser geht. den 

5.) ritt Otto mit Fritz und Hans, welchen ich Juno getauft habe nach Hordenville, um Fritz zu verkaufen, kam jedoch nicht weiter, bis zu Herr Steins, wo er von Fritz abgeworfen wurde, wobei er sich jedoch Gott sei Dank nicht beschädigte. Fritz lief weit zurück und verlor den guten Zaum von Deutschland. Später wiedergefunden. 

7) G. Reichenbach half Otto 2 Kälber brennen, und machte 6 schöne Cigarren. 

8) Otto verkaufte den Fritz zu 24 Dollar an einen Mann Namens Flagge, und neckte 2 Joch Ochsen zusammen. Unser kleines Engelchen fängt schon an, laut zu lachen; es ist ein freundliches liebes Kind, und liegt den ganzen Tag im Bette ohne zu schreien. Du lieber guter Vater im Himmel, segne unser geliebtes Kind, und lasse es zu Deiner und unserer Freude heranwachsen, gieb Du uns Verstand und Kraft, uns ein frommes, gutes Kind zu erziehen. Der alte Amerikaner vom Yorks Kreek war heute hier, und bot uns ein Negermädchen zum Verkauf an, da aber Otto wahrscheinlich einen Store anfängt, so baruchen wir jetzt keins. Wie es mir scheint, fangen die 250 Stahlpillen an gut zu wirken, seit Gestern fühle ich mich stärker und besser. 

Meinem lieben guten Männchen geht es leider noch immmer nicht besser, auch wird er von Tag zu Tag heftiger und ärgert sich über die geringste Kleinigkeit. Der liebe Gott gebe doch, daß er bald wieder besser werde. Seine Heftigkeit ist mir besonders unangenehm, wenn Freunde oder eins meiner Geschwister dabei sind, denn ich denke dann oder ich fühle es vielmehr: Eine Frau kann auf ihren Mann, (wenn er ruhig und kaltblütig jeden großen und besonders den kleinen Unannehmlichkeiten im Leben entgegentritt) stolz sein und er ist ihr eine Stütze an die sie sich klammert und an die sie, die Schwächere vertrauend und bewundernd emporblickt. Flucht und tobt aber ihr Mann bei jeder Kleinigkeit, die ihm in den Weg tritt, so muß eine Frau, die ihren Mann liebt, sich seiner schämen, kann ihn nicht hochachten, hat keine Stütze an ihm, besonders wenn sie selbst die Besonnenheit und Ruhe hat die ihm fehlt. (Bei meinem lieben, geliebten Otto hängt seine Heftigkeit, Gott sei gedankt, nur mit seinem jetzigen Unwohlsein zusammen, ist er nicht sonst der beste Mann von der Welt? Ja, Gott Dank, daß er und kein anderer mein Mann ist, jeder hat seine Fehler und ich bin mir wol bewußt, daß die meinigen weit zahlreicher sind. 

12.) John St. ordnete es so an, daß wir alle zusammen nach Seguin ritten und musiierten, Mutter und Julius holten uns auf dem Wege ein, Erstere drückte meine Hand, und alles war vergeben und vergessen. Otto nahm Clärchen zu sich auf's Pferd, Mutter nahm sie in Seguin auf den Schoß, sie war den ganzen Nachmittag ruhig und artig. Lange konnte der Schlüssel zum Klavier nicht gefunden werden, endlich brachte ihn Julius. Wir musiierten und sangen uns satt, John hatte Kopfschmerzen. 

13) Mutter schickte Helenchen herunter u. ließ mich zum Kaffee bitten. Ich ging mit meinem Clärchen herauf, wir waren recht vergnügt. Abends war Herr Schmitt. 

16. Okt.) Otto trat Morgens nach dem Caffee seine Reise nach Friedrichsburg an, der liebe Gott führe ihn gesund und zufrieden wieder zurück. - Nachdem ich bei der Mutter gegessen, ging ich mit ihr, Helenchen u. Clärchen zur Amalia, wo alles in größter Unordnung war, weil sie am bauen waren. Ohne Caffee, auf den wir uns gefreut hatten, traten wir unsern Rückzug an. Herr Schmitt kam hin, um von Mutter 25 Buschels Korn zu kaufen. Dem Fuchs gab gab ich 6 Ähren Korn. 

17.) Ich brannte bei der Mutter Caffee, sie lud mich ein so lange Otto abwesend sei, bei ihr zu essen. Helene half mir das Schecks- Kalb ins Feld treiben. Clärchen war unwohl, sie hatte das Abführen. Die Schweine nach wie vor im Feld. Abends kam der Fuchs und holte sich 4 Ähren Korn. Ich schickte Mutter Brod. 

18.) 2 Schweine im Feld, eine Menge Blätterfutter herausgerissen. Caro Würmer. Helene und ich den Hof rein gemacht. Die Zimmer geputzt. Die 3 Schweine mit Mühe in die Penne getrieben und die Penne zugemacht. Dem Fuchs Korn gegeben. Clärchen war wohl. Ich recht guten Appetit. Heute 11 Eimer Wasser geholt 

Sontag. den 19.) Reibkuchenvisite. Goldbeck hier. Clärchen Mittags ein wenig Fieber, sonst sind wir alle ganz wohl. Amalie ausgeblieben. Clärchen Abends wieder wohl. Ein todtes Küken im Hühnerhaus. 

20.) Gestern Nacht wurde ich durch Hühnergeschrei geweckt und fand Heute Morgen ein Huhn zwar noch lebend, aber so zerrissen, daß ich es vollends tödten mußte. Ich schickte es der Mutter, diese briet es. Eduard brachte mir einen Brief von meinem lieben Öttchen, welcher mir große Freude machte, zugleich einen von Herrn Dittmarr (?) an Otto. Caro erhielt abermals eine Wunde von dem Eber. Betty kam Abends im Dunkeln, ich gab ihr 6 Aehren. Reichenbach brachte endlich die Laterne zurück. 

21.) Es fiel nichts bemerkenswerthes vor,als das sich der Fuchs 8 Ähren holte u. die Mhstr. Perrihs Hochzeit hatte. 

22) Ich sah oft auf den Seguiner Weg, ob mein Männchen noch nicht käme, aber er kam nicht, ich habe große Sehnsucht nach ihm, käme er doch bald und gesund und munter zurück! 

23) Es glückte mir die Hannes und nach vieler Mühe auch das wilde Carlchen in die Penne zu treiben. Otto kam heute wieder nicht, er bleibt schrecklich lang. 

24) Schon wieder ein ganzer Tag hin, und noch ist Otto nicht gekommen, Morgen muß er kommen, sonst fürchte ich sehr für ihn. Bei jedem Gebell der Hunde laufe ich vergebens heraus, und unzählige mal sehe ich vergeblich auf den Weg. Unser liebes Kind wird Otto stärker und größer finden. Sie ist wieder sehr erkältet. Gute Nacht mein herzens Männchen, gerne macht ich Dir ein kleines Gedicht, aber ich bin zu aufgeregt, um einen vernünftigen Gedanken zu haben. Gott sei mit Dir! 

25.) Schon wieder Abend und noch immer ist Otto nicht gekommen, heute ist er schon 10 Tage fort. Nein, das ist bald nicht mehr zum Aushalten, diese ewige Spannung, und doch, was kann ich machen? Nichts - wie in Geduld warten 

Nach Tische kam Herr Fischer, um Otto zu besuchen, später kamen Cäcilie und Josepha Navarro, mit Hermine, welchen ich eine Tasse Kaffee machte. 

27.) Kam Herr Schmidt, von Braunf., um Willow-Spring zu besehen, er ritt 30) wieder fort, nachdem er 1700 Dollar geboten und Otto nicht anders wie 1800 verkaufen kann, noch will, Schm. war mehrmals aus um einen Hirsch zu schießen, bekam jedoch keinen, was ihn sehr zu ärgern schien. 

31.) John und Jettchen kamen bei der Mutter an, den 1. 

November 1851

1) ging ich Nachmittags zur Mutter und pflückte (mit Bleistift verbessert: rupfte) einen Puter für die Hochzeit, den 2.) John und Hermines Hochzeitstag, Morgens machte ich Kränze, womit die Gallerie bekränzt wurde. Mittags nach Tische kam Minchen herunter, unser liebes Kind zu sehen, die arme Frau, was hat sie alles durchgemacht. Dann fuhr ich mit Eduard nach Seguin, bei Tillmann die Braten und den Kuchen zu holen. Gegen 5 Uhr gingen wir mit unserm lieben Clärchen herauf. Die Gäste: Die beiden Herrn und Frau Ferguson, Herr Fischer und Pröbsting, Mister und Mihs. Navarro und Cooke, Cäcilie als Brautjungfer, Louis, Jettchen, Bianca, Minchen, Goldbeeck, und Doove, waren schon versammelt. Prediger Eisenlohe von Braunfels traute sie unter einer schönen Ulme mitten auf dem Hofe. Die Hunde störten sehr und war es ein wenig lächerlich, daß der Pastor zweimal Hermine Lips sagte. Zur Feier des Festes schoß Otto (durchgestrichen: einige) 20 vorher geladene Büchsen ab. Bald darauf setzten wir uns zu Tische, ich kam zwischen Louis und P. Eisenlohe zu sitzen. Das Essen bestand aus Puterboullon, ein ganzes Spanferkel, Potetos und Vietzebohnen, Salat, Kartoffelpudding, Puterbraten mit Schnitzeln und eingemachte Pflaumen. Tillmann hatte einen hübschen Bis- quit- und Hermine einen Traubenkuchen gebacken. Otto forderte in einer kleinen Rede die Gesellschaft auf, zum Andenken an unsern sel. Vater alle einen Schluck aus dem großen silbernen Becher zu trinken. Noch mancher muntere Toast wurde ausgebracht, und manches Lied gesungen. Alle waren heiter und wohl. 1/2 11 Uhr begleiteten uns die Herrn herunter, und zogen nachdem sie uns noch ein Ständchen gebracht, wieder herauf. Die arme Minchen hatte Nachts Zahnschmerzen. 

3) Gemeinsames Frühstück bei Mutter, Frau Ferguson schenkte mir ein Kleidchen für Clärchen. Jettchen hatte allein Katzenjammer, weil sie zu viel Eßbares vertilgt hatte. Gegen 8 Uhr zogen alle ab, Hermine und John in einem bekränzten Wägelchen. Ich half der Mutter den ganzen Tag. 4.) Onkel Herman's Geburtstag.- 15.) Herminens Geburtstag.

10) Schuchard baut den Kamin am Haus wieder auf. Den 8. schoß Otto ein entsetzlich mageres Schwein, welches wir im Mondschein flämmten und reinigten. Ich schrieb an Louise Korte. 

13) Otto ritt nach Braunfels um mit H. Schmidt wegen dem Verkauf von W.S. zu sprechen. Den 16) kam Otto zurück, als Mutter und ich eben im Begriff waren, nach Navarro's zu reiten. Die Überraschung und Freude war groß. Kurz vorher hatten wir einen tüchtigen Schreck, weil Mutter mit samt Helene, welche hinter ihr saß, vom Pferde fiel, aber sich gar nicht wehe thaten. Otto brachte Herrn Alex mit, W.S. wahrscheinlich verkauft, Schmitt (Joh.) Verwandte angekommen. Tante Hanchens Geburtstag.- Den 17) ritt Otto mit Herrn Alex wieder nach Braunfels, leider ist sein Kopfübel noch immer nicht besser. Gustav ritt mit um bei Louis zu bleiben. Clärchen ist sehr wohl. 

18) Die Negerin Juno kam Heute Morgen, Nachmittags als ich einiges Zeug auf die Bleiche legen wollte, sah ich die Horn (Bleistifteinfügung: Horn, eine wilde Kuh), welche mir vor einigen Tagen weglief in den Bottom gehen. Ich lockte sie mit Korn, und siehe da, auf einmal kommt auch die Violetta mit einem allerliebsten Kuhkälbchen heran gelaufen. Das machte mir große Freude. 

Es ist doch nur eine halbe Existenz, ohne den geliebten Mann zu leben, seit 2 Tagen, habe ich ihn nicht gesehen, und es ist mir, als wenn es schon 8 Tage wären. Leichter würde es mir vielleicht werden, wenn Otto wieder ganz gesund wäre. Dieses ist meine tägliche Bitte zu Gott! 

Betty und der alte Knochen holten sich spät Abends ihre Portion Korn. Das dicke Bierfaß kam erst gegen 9 Uhr. Herr Hahnert mit Frau und Kindern zieht in das Schulhaus auf dem Berge. 

19) Julius brachte mir einen dicken Brief von der Post an Otto. Ich machte ihn auf, und fand eine Masse Briefe von Deutschland, 3 darunter an mich. Brief von Hermine an Mutter. 

23.) Mutters Geburtstag. Julius und Otto machten in der Werkstatt ein Tischchen mit den einfachen Geschenken zurecht, dann führten wir Mutter herein, sie war sehr überrascht und gerührt. Von Otto und mir bekam sie 2 Flaschen Wein, 2 Apfelpais, 1 Bläschen mit weißem Zucker und durch Helenchen eine grüne Waschleine. Von Julius eine große Porzellankanne, von Hermine 2 Morgenhäubchen und von John eine Theekanne. Nachmittags tranken wir an unserm Hause den Caffee, Herr Wieprecht war auch da. John wollte kommem, wurde aber durch das Fieber abgehalten. 

December. 1851.

1.) Dieser Tage verkaufte Otto seinen Wagen, an die Brüder Hahn zu 80 Dollar cahs. 

7) Wilow Spring ist glücklich verkauft, Otto hatte deßhalb noch viele Unannehmlichkeiten mit dem <schuftigen Henri Runge> (später eingeschwärzt). Schmidt kaufte es zu 1700 Dollar. Gestern sollte hier Auktion von Pflügen, Pferden etc. sein, sie kam jedoch wegen gänzlicher Abwesenheit von Käufern nicht zu Stand. Heute Abend hatte ich mit Otto einen kleinen Streit, ich gab Pröbsting ohne Ottos Wissen seinen Rock zurück, Otto fuhr mich deßhalb ein wenig stark an, ich fing an zu weinen und machte ihm Vorwürfe er behandle mich wie ein Kind, wir versöhnten uns jedoch bald wieder. Otto ist leider noch immer unwohl und leidet fortwährend an Hitze am Kopfe. Dadurch ist er leicht gereizt und ärgert sich oft über die geringsten Kleinigkeiten. Das arme, theuerste Männchen, dieses Übel hält zu lange an, gerne gäbe ich einen kleinen Finger her, könnte ich ihn damit kurieren. Einen großen Schreck hatten wir gestern Abend, unser süßes Engelchen fiel aus dem Bette, nahm aber Gott sei Dank keinen Schaden. 

9) Minchen war 10 Tage bei mir, sie war noch sehr traurig über den Verlust Heusingers, Minchen ist eine herzensgute Frau, sie machte mir für Otto eine hübsche Weste, ich schenkte ihr meinen echten schwarzen Schleier, welches ihr viel Vergnügen machte. Heute nach Tische ritt sie mit Bianca, (welche gestern Abend mit Theodor kam) und Otto wieder nach Braunfels. Otto baute gestern trotz seinem Unwohlsein den Camin fertig, der gute Mann, gäbe ihm doch Gott bald seine Gesundheit wieder. 10) Gestern Abens hatte ich einen großen Schreck, ich ging nämlich in die Kuhpenne um die Kälber heraus zu treiben, als ich zurück kam, fand ich unser geliebtes Kind auf dem Gesichtchen liegend und schon ganz hinter Athem, der liebe Gott hat sie uns abermals erhalten, denn wären die Kälber nicht schnell heraus gegangen und ich einige Minuten später gekommen, so hätte das geliebte Kind ersticken können. 

1852

Januar. 1852

4) So wäre denn mit Gottes Hülfe und seiner gütigen Vorsorge das alte Jahr ohne Unglücksfälle verflossen. Mit frischem Muthe, den besten Vorsätzen und auf Gott vertrauend, will ich das neue Jahr beginnen. Wenn Er uns nur die Gesundheit und den Glauben an ihn erhält. 

Mein lieber Otto ist, dem lieben Vater im Himmel sei dafür Dank, jetzt endlich auf der Besserung. Er ist jetzt fast immer bei Ferguson's, und wir sehen uns oft in 10 - 14 Tagen nicht, schreiben uns aber fleißig. Die Weihnachten verlebten wir recht vergnügt, John und Hermine waren hier, beide vergnügt, ebenso Julius, welcher in San Anton eine Elementarschule errichtet und bis jetzt 15 Schüler hat. Den heiligen Abend war erst bei der Mutter und dann bei uns Bescheerung. Otto bekam von der Mutter 2 paar gute wollene Socken und einen schönen seidenen Foullard, welchen er einige Tage später beim Viehtreiben wieder verlor. Von mir wurde Otto mit einem feinen Castorhute und einer kleinen Pfeiffe überrascht. Ich dagegen von ihm durch eine Mausefalle!! Von Mutter bekam ich 2 paar weiße und 1 paar merinowollne Strümpfe und ein seidenes Band, beide ein tüchtiges Stück sehr schöne Traubentorte und Clärchen bekam 6 Hemdchen, 2 paar Strümpfchen und einige Schlabberchen. Wir sowohl wie Mutter hatten ein kleines Christbäumchen gemacht. Den ersten waren wir Abends auf Barroo's Hochzeit, da wir uns aber schlecht amüsirten, so gingen wir gleich nach dem Souper, welches in einem Zelt eingenommen wurde, nach Hause. Den 2ten Christtag wurde unsere liebe Clara getauft. Unter, und bei einem unangenehmen Regen fuhren wir nach der Kirche, welche kurz vorher von Ziegen verlassen worden war. Bald darauf kam der Pastor und taufte: Clara, Anna, Laura, welche von Hermine, Stellvertreterinn von Laura Hösterei über die Taufe gehalten wurde. Darauf gingen wir in die Akademie und musizirten bis gegen 4 Uhr, nachdem wir uns zuvor an Rollkuchen und Wein traktirt hatten. Dann fuhren wir wieder nach Hause wo wir den Abend mit Herrn Wieprecht und Tillmann sehr vergnügt verbrachten. Wir hatten Potetossalat, Enten- u. Rinderbraten, Reispudding, Thee mit Bollbäuschen (?), Brod, Käse und einen schönen Kuchen von Herrn Tillmann. Später wurde ein Glas Punsch getrunken. 

Februar 1852.

Den 20. Februar. 1852. 

Im Januar 1852 verkaufte Otto den alten Fuchs für 25 Dollar an H. Hahner. Den 26. wurde ich 22 Jahre als, mein liebes Männchen überraschte mich mit schönen Geschenken, ich erwartete gar nichts, Otto rief mich ins Nebenzimmer und siehe, da war die schwarze Kiste mit einem schmutzigen Handtuch, (welches als Tischtuch diente) bedeckt, und darauf prangten, 4 Flaschen Bordeaux, ein paar neue Schuhe, 1 Pfd. Sago dito Gerste, 1 Pfd. Rosinen eine große Tüte voll Cändi, 4 Dööschen mit Streichhölzern und rosa Kattun zu ei- nem Hut. Außerdem gab mir der gute Mann noch eine Anweisung von 5 $ auf sich selbst. Der Gedanke, daß er dieses alles auspractizirt hatte um mir Vergnügen zu machen, machte mir große Freude und rührte mich bis zu Thränen. Auch die gute Mutter kam mit Helenchen herunter um mir zu gratuliren. Wir tranken ein Gläschen Wein zusammen. 

Seit circa 3 Wochen wohnt Georg Schmitt mit seiner Schwester auf der Farm, wir müssen uns demnach mit der großen Stube behelfen, welches auch zur Noth recht gut geht, denn: Raum ist in der kleinsten Hütte, für ein glücklich liebend Paar! 

Unsere liebe Mutter ist seit 4 Wochen bei Hermine mit Helene zum Besuch, ich erwartete sie heute mit meinem geliebten Männchen vergebens zurück, ich hoffe sie werden wol morgen kommen, ich habe dann vor, mit Clärchen einige Wochen zu Hermine und John zu gehn. Unser liebes Kind kann seit dem 10. Febr. allein sitzen und hat bereits ein Zähnchen. 

Ich bin und fühle mich jetzt sehr glücklich, alle sind gesund, Otto und ich lieben uns von ganzem Herzen und wir haben ein gesundes freundliches Herzenskind. Auch in unserm Plan nach Friedrichsburg zu ziehen rücken wir vorwärts, Ottos Korn ist gut verkauft, circa 150 Busch. zu 70 C., die Farm an gute Leute verrentet, der Wagen zu 80 $ verkauft etc. Täglich danke ich unserm Schöpfer für alle seine Güte und Liebe, möge er auch ferner uns segnen, und vor Krankheit und Schaden behüten! 

Der arme John hat noch fortwährend das Fieber, Herr Krochmann wird nun wohl nach Deutschland abgereist sein. Julius hat erst 12 Schüler, er fing um Weihnachten 51. in San Antonio eine Schule an. 

Silvesterabend war Otto in Braunfels, ich war bei der Mutter, wo wir Eierwein tranken und alle einen Toast ausbrachten. 

Im Januar bekam ich einen lieben Brief von unserm lieben Vater, welchen ich direct beantwortete, auch schrieb ich an Frau Betzhold, Tante Minchen in W. und Auguste Wupperm. Mutter bekam einen langen Brief von Tante Hanchen. 

März 1852.

26. Endlich bin ich von meiner langen Reise zurückgekehrt und froh, wieder daheim zu sein. Den 23. Febr. fuhr ich mit Otto Clärchen und Nestor in Louis Gig nach Braunfels. Daselbst besuchte ich Frau Ferguson, welche freundlich wie immer war, einen Abend den 24. war ein Conzert, ich hatte vor, ein Duett mit Herrn Reuter zu singen, da es aber Otto unangenehm war, unterließ ichs, nach dem Conzert war ein Ball, worauf ich mich sehr gut amüsirte. Mein lieber Otto verwahrte unser Kind, um 11 Uhr zwang Louis, Otto mit auf den Ball zu gehen, indem er das Kind so lange verwahren wolle. Den 25 fuhren wir nach Humboldt, nach 3 1/2 wöchentlichem Aufenthalt holte mich Otto wieder ab, und wir waren beide froh, als wir es im Rücken hatten. Mein Aufenthalt dort kann in je- der Beziehung nur unangenehm genannt werden. Meistens furchtbar stürmisches, und Regenwetter, so daß wir einen Sonntag, wo wir bei Stappert und Wahlra?h (?) waren, ausgenommen, nicht vor die Thüre kamen. John führte gemeine Reden und war immer verdrießlich. Anstatt Otto zu danken, welcher 2 mal kam, um ihm beim Pflanzen und Korn ausschakken (?) zu helfen, vernachlässigte er ihn und war unfreundlich und herrisch. Hermine war gleichgültig und kochte miserabel schlecht. In Braunfels war ich mehrere Tage recht vergnügt. Julius kam auch auf 1 Tag hin. Familie Grothaus sah ich auch wieder gesund und vergnügt. 

April. 1852.

5.) Rose war gestorben, deßhalb ließen wir durch Eduard den 3. auch deren Kalb schlachten, An Mutter schenkten wir ein Hintervirtel, Eduard für das Schlachten die Haut, dann verkaufte ich noch für 6 Lit (?). den 

6.) Herr Betge kaufte 9 Kühe und 3 Jährlinge von uns zu 121 Dollr. Eduard und Herr Kettner halfen sie Heute Morgen wegtreiben. Herr Grothaus kaufte die Nonne zu 12 $. Herr Betge die: Flora, Blackhead, Scheck, Violetta, Alma, Horn, Hinkfuhs Mina und Hannes. Otto ritt mit ihnen bis Braunfels. Otto ist nun fest entschlossen in Seguin einen Store anzufangen, zu meiner größten Freude, denn wäre ich ihm auch gern nach Friedrichsburg gefolgt, so ist es mir doch tausendmal lieber in der Nähe unserer guten Mutter und Geschwister zu bleiben. Clärchen ist fortwährend sehr unruhig, denn sie bekommt jetzt die zweiten beiden Zähnchen, und hat die Pocken eingeimpft bekommen von Louis, von 4 Pocken, haben 2 geschworen, dabei hat sie Ausschlag auf dem ganzen Körper welcher ihr vielen Juck verursacht. Den 26. März nahmen wir Alice mit uns, sie hatte jedoch oft das Heimweh, der wilde Moustang, so daß Louis den 4. April mitten in der Nacht kam, um sie wiederzuholen. Als er so rücksichtslos war, für sich und seine 4 Begleiter noch dicke Milch zu fordern, schlug es ihm mein Männchen, zu meiner großen Freude, ab. Den 

4) trieb Otto meine Märry mit einem allerliebsten Fohlen ein, welchem ich den Namen Rosinchen gab. 

Otto kaufte das Haus von Elliott & Taunten in Seguin, zu 625 $ an welches Georg Semitt noch eine hintere Gallerie bauen wird. Otto vertauschte meine Marry mit dem Fohlen gegen ein großes amerikanisches Pferd, dieses lief fort, und Otto suchte 14 Tage vergebens darnach, er hatte schon überall angeschlagen, daß derjenige, welcher es wiederbrächte 5 $ Belohnung haben solle, als er es selbst zufällig 1/4 Stunde später fand und an Navarro zu 60 $ verkaufte. Unser liebenswürdiger Schwager hat Julius und mehreren andern erzählt, Otto wäre blos um meinethalben gekommen und hätte nichts gethan, der Mann ist selbst zu schlecht, als daß er begreifen könnte, daß ein anderer einer guten Handlung fähig wäre. 

Herr und Frau Ferguson waren einen Mittag auf ihrer Reise nach Indianola bei uns zum Essen, wir luden auch Mutter ein und hatten Hahnen (?) & Salat, Plinzen und Schnitzeln, nachdem sie noch Caffee recht vergnügt mit uns getrunken, reiseten sie weiter, Frau Ferguson um in Indianola zu baden, Herr F. in Geschäften nach Galveston, wo er auch die Waaren für Otto einkaufen wird. 

May 1852

11) Wir waren auf Bianca's und Theodor's Hochzeit wo wir uns recht gut amüsirten, Clärchen hatten wir zu Pferd mit uns, auf dem Rückweg ritt Frau Grothaus mit uns welche uns viel zu lachen gab, indem ihr Pferd fast unter jedem Baume stehen blieb, wir ritten an Louis Spring vorbei und aßen bei Navarro zu Mittag. Einige Tage später erhielten wir die traurige Nachricht von dem Tode unserer lieben Schwägerinn Auguste Wuppermann, sie starb 6 Wochen nach dem Kindbette an dem Nervenfieber. Auch sind Otto's Tante Gretchen und Onkel Joung (?), in 2 Tagen beide gestorben. 

25) Otto machte dieser Tage viele Händel, er vertauschte ein feines Tischtuch und 12 Servietten 20 $ und einen silbernen Suppenlöffel $ 12 an Taunter gegen Walnußholz für Theken, Reale etc. für den Store. Die Betty mit Fohlen zu 90 $ an Milet gegen Bastropholz, Einen Ochs zu 13 1/2 und 2 Schweine zu 5 $ gegen Schindeln, ich gab ihm den Jud (?) gegen die Juno und verkaufte die alte mexikanische Sau mit 7 Jungen an Frau Runge zu 8 $, Otto gab Mutter ein Joch Ochsen für den Boz. (Pferd) 

30.) Pfingsten. Julius, John und Hermine sind bei Mutter. Julius besuchte uns oft, die beiden andern gar nicht, auch gut!- Der eingebildete Mensch sagte zu Mutter, er hätte alles vergessen wollen und wäre Otto freundlich entgegen gekommen, dieser sei aber kalt und unfreundlich gewesen etc. Den ersten Pfingsten aßen wir bei Mutter, (während Mutter und Geschwister den ersten Ostern Mittags und Abends bei uns aßen) Nachmittags waren wir in der Academie zum spielen. 

31.) Ich trinke seit einigen Tagen Mineralwasser, welches mir Dr. Nohl für meinen Magen verordnete und welches mir sehr gut bekommt. Otto kaufte einen Apparat von Herrn Grothaus zu 5 $. Jetzt leide ich viel an Müdigkeit und Schwindel. Otto ist Gott sei Dank gesund, Clara hat ein sehr schlimmes Öhrchen, einen starken Schnupfen und leidet an den Zähnchen. Das 6te ist am durchbrechen, sie steht allein an einem Stuhl auf, und kriecht tüchtig herum. 

In Seguin starben einige Leute an der Cholera, unter anderen die beiden Schneider Keßler und Windstrot (?). 

Juni. 1852

4.) Otto reiste Heute Morgen nach Indianola, um mit Fromme in Verbindung zu treten, wie freue ich mich, daß der liebe gute Mann so weit ist, er macht sich zu viel Sorgen, und hatte in der letzten Zeit fortwährend deßhalb schlaflose Nächte, und keine frohe Stunde. Es fehlen ihm noch 200 $ um die Fracht für die Waaren zu bezahlen, indessen hat Herr James Ferguson versprochen, sie ihm zu leihen. den 6) Mutter, Eduard u. Hermine sind nach Louis Spring und werden Minchen mit retour bringen, welche 1/4 Jahr bei Mutter bleiben wird. Weil mein liebstes Männchen nicht mit gehen kann, bleibe ich lieber auch ruhig zu Haus mit meinem Herzenskind. 

28.) Gestern sprach ich mit Malchen Schmitt ob sie Lust hätte zu uns zu ziehen, wenn wir nach Seguin zögen, gegen 5 $ monatlich, sie hat große Lust, will aber vorher mit ihren Brüdern sprechen. Otto half heute in Seguin an unserm neuen Haus plistern (?), damit die Leute voran kommen, Heute Abend brachte er mir die ersten Apfelschnitzeln aus seinem eigenen Store. Hermine geht morgen früh wieder nach dem Cibolo zurück, nachdem sie 4 Wochen bei Mutter zum Besuch war, in welcher Zeit sie nicht ein einziges mal an unserm Hause war; (2 Zeilen unleserlich gemacht, stattdessen:) Natürlich hatte John sie aufgehetzt. 26) Clara macht Versuche zum Gehen, sie steht schon seit 14 Tagen mitten im Zimmer allein, und läuft an den Stühlen vorbei. Das Engelskind macht uns viele Freude, sie hat schon 8 Zähnchen und sagt jetzt immer Atta, atta, atta. 

28.) Gustav ist bei Dr. Henft (?) in San Antonio u. geht bei Julius zur Schule. Alice Nohl stürzte dieser Tage vom Pferde wobei sie eine tiefe Wunde an der Stirne bekam. Frau Ferguson hat leider in Indianola, wohin sie ging um Seebäder zu nehmen, das kalte Fieber bekommen. Herr James ist deßhalb eilig herunter gereist, die arme gute Frau, wäre sie doch einmal wieder gesund. Unsere liebe Mutter ist auch seit einigen Tagen unwohl, sie will Morgen früh mit Minchen und Hermine nach Braunfels, und von dort nach dem Zibolo um dort 8 Tage zu bleiben. Auch Eduard hatte Heute das Fieber, ich werde die 3 in den 8 Tagen Mittags zum Essen hier haben. 

August. 1852.

13.) Morgen werden es 4 Wochen, daß unsere liebe Mutter ein gastrisches Fieber bekam, sie hatte 7 Tage Fieber, sie schwitzte täglich 1/2 - 1 Stunde in ein feuchtes Betttuch und wollene Decken, wornach sich das Fieber verlor, aber sie hat noch immer keinen Appetit, und ist noch sehr schwach. Ich war 3 1/2 Woche oben, habe sie gepflegt, und ihre Arbeit gethan, seit gestern ist Mariechen Haner oben einen halben Tag täglich, zur Hülfe, die Woche zu 6 Bit (?). Vorigen Sonntag war Julius oben, er war recht vergnügt, will nächstens Ranger wer- den, und schenkte Clärchen 1 $ wofür ich ihr 2 paar Schühchen kaufte. Den 5, hatte Clärchen ihren Geburtstag, sie war sehr krank an dem Tage, hatte Fieber und mußte oft erbrechen, ich gab ihr nichts wie Zuckerwasser, welches ihr gut bekam. Auch mein lieber Mann war an dem Tage und noch einige Tage später sehr unwohl, ist jedoch jetzt wieder wohl. Gestern zog endlich der ekelige Kerl von Doct. aus unserer Wohnung. Heute schmieren die Maurer unser Wohnzimmer aus. Morgen geht Eduard nach Braunfels um dort als Stellmacher zu arbeiten, Mutter ist dann mit den kleinen Jungens und Helenchen ganz allein auf der Farm. Clara läuft schon tüchtig auf dem Hofe herum, und macht mir durch ihr freundliches liebes Wesen viele Freude. Dadurch das mein lieber, guter Schwiegervater Otto 800 $ geliehen, ist dem armen Otto aus vieler Sorge geholfen. Mit dem Geschäft geht es bis jetzt noch langsam, es ist aber überhaupt eine stille Zeit jetzt, für alle Store's. Watkins reisten diese Woche nach der Salao, ohne uns adjeu zu sagen. - Ich bin jetzt, Gott sei Dank immer wohl, und wünsche nur, dießmal einen Knaben zu bekommen, welcher dann Conrad Theodor heißen soll. Frau Runge hat noch immer das Fieber. 

Oktober 1852.

8.) Seit dem 19. August bin ich nun in der Stadt bei meinem lieben Männchen, es gefällt mir hauptsächlich deßhalb viel besser hier, weil man mehr Menschen sieht, dan habe ich ein weit hübscheres Zimmer, wie auf der Farm, die Gallerie ist rundherum eingezäunt und ich habe nicht mehr so viele und grobe Arbeit. Seit circa 14 Tagen habe ich nun auch einen hübschen, bequemen Ofen, welches denn doch eine außerordentliche Annehmlichkeit ist. Letzte Woche schrieb ich einen langen Brief an Vater und ein kleines Briefchen an Laura. Mutter ist fortwährend auf der Besserung und kommt jede Woche einen Tag zu uns. Julius war im August 8 Tage bei uns, währenddem Otto eine Geschäftsreise nach Braunfels und San Antonio machte. Er ist jetzt bei Caleh(b)an in S. Ant. Buchhalter und verdient monatlich 40 und später sogar 50 $. Seit Julius fort ist, ist Herr Tillmann fast immer bei uns, vom 1 Okt. bezahlt er 8 $ Boarding monatlich und schläft im Lager. Malchen Schm. hat seit 5 Wochen einen schwärenden Daumen, und konnte in 4 Wochen nicht waschen. Sie ist so langsam und unordentlich, faul und phlegmatisch, daß ich sie, so bald ich nach dem Wochenbett wieder so weit bin, laufen lassen werde, und es dan wo möglich mit einem Mädchen von 10-12 Jahren al- lein thue. Den 28. Sept. wurden es 2 Jahre, daß wir verheirathet sind, viel angenehmes aber auch viel unangenehmes haben wir miteinander erlebt, aber unsere Liebe ist sich gleich geblieben. Könnte ich die zwei Jahre zurückrufen, und hätte noch die Wahl, meinen lieben Otto zu nehmen oder nicht, ich würde noch ebenso wie damals mit Freuden einwilligen, seine Gattin zu werden, und ich glaube, mein gutes Männchen, würde auch mich wieder wählen! Unser geliebtes Clärchen macht uns viele Freude und ist ein großer Trost in trüben Stunden, sie hat jetzt 8 Vorder, u. 3 Backenzähnchen, sie ist nur zu lebhaft, u. macht uns viel dadurch zu schaffen, jeden Tag fällt sie einige mal mit samt dem Stuhle um, auf welche sie trotz allem Verbieten klettert. Kürzlich kletterte sie die hohe Treppe im Store hinauf, und ich konnte sie nur mit großer Mühe wieder hinunter tragen. Ihrem Papa stiehlt sie Krecker, Pflaumen, Kandy, Päckchen Taback, Nägel, Zwiebel, Kerzen, kurz alles wo sie eben ankommen kann, und er kommt alle Augenblick hinter ihr hergelaufen, um ihr das Raubgut wieder zu nehmen. 

Heute Morgen ritt Otto auf dem Ali ganz frühe aus um die Juno mit dem Fohlen, welches Würmer am Kopfe hatte, einzutreiben, und fand das Fohlen todt. Sonntag hörten wir davon, da es zu spät war, daß Otto selbst heraus ritt. Er bot Mutter 1/2 $ wenn sie es durch Gustav eintreiben ließ - wieder (?) wie immer abgeschlagen. Otto gab sich alle Mühe, suchte es vorgestern zu Fuß ohne es zu finden, bot verschiedenen Leuten, unter andern dem schuftigen Mohlfeld 1 $ es einzutreiben etc. (Eingeschwärzt:) Mutter, Mutter, ?????? Deine abscheuliche Ungefälligkeit und Egoismus haben allein Schuld! 

Doch es ist Pflicht der Kinder, den Eltern ihre Fehler nachzusehen, denn sie machen ihnen in der Jugend gar viele Sorge und Arbeit, wie ich ja selbst an meinem Kind erfahre, deßhalb soll auch dieses vergeben und vergessen sein! 

Im Geschäft ist es seit einigen Wochen sehr still, Otto nimmt oft nur 3 und höchstens 10 $ den Tag ein. Nachricht, Herr Bechem würde kommen, wenn sie wahr ist, würde es mich sehr freuen. 

31 Okt. Es ist Sonntag Morgen 11 Uhr, es ist kühl, aber die Sonne scheint so hell und freundlich, im Kamin brennt ein hübsches Feuerchen, Clärchen, unser geliebtes Kind, liegt im Bett und schläft, sie sieht blaß und zart aus, die letzten Tage war sie sehr erkältet, hatte sehr starkes Fieber und noch immer einen heftigen Husten. Auch ich habe einen tüchtigen Schnupfen und Husten. Herr Theisen war die ganze Woche bei uns im Logis, er war wegen der Völkerschen Geschichte als Zeuge hier an der Court. Mutter, Gustav und Helene brachten Gestern Morgen Jettchen Nohl wieder nach Braunfels zurück, (im Wagen) kamen aber Heute Abend wieder zurück. Auch Otto ritt heute Morgen ganz früh nach Braunfels, um Heute Abend oder Morgen früh zurück zu kommen. Er schwappte von einem Irrländer vorige Woche eine weiße Mähre zu 21 $ lieh diese nebst Hagemanns Sattel, einem gewissen Clarenbach von Remscheid, und dieser vorgebend, etwas spazieren zu reiten, ist seit 8 Tagen mit Pferd, Sattel und einem von Tillmann geliehenen Hemd verschwunden. Im Geschäft ziemlich, durchschnittlich 10- 15 $ per Tag. 

Hipp am gelben Fieber gestorben. 

Nov. 1852

17. Gestern war Frau Runge hier, sie weinte schrecklich, denn sie hatte die Nachricht bekommen daß ihr Mann in Indianola gefährlich am gelben Fieber krank liege, und will wahrscheinlich bis nächsten Samstag herunter reisen. Herr Krochmann ist in Indianola angekommen. Gestern haben wir die erste New Braunfelser Zeitung gelesen. John will in einigen Wochen in Braunfels einen Store anfangen, und zwar mit Credit in San Antonio. 

Schon seit 14 Tagen erwarte ich täglich meine Niederkunft, allein es scheint fast, als sollten noch einmal 14 Tage vergehen, gebe Gott, daß sie so glücklich vorüber geht, wie das erstemal. 

Gestern kamen die ersten Emigranten hierdurch. Das Geschäft geht jetzt besser 18, 20-25 $ per Tag. Julius in San Ant. ist krank. 

20. Brief von Julius, er ist besser, Otto machte gestern Abend einen Condulations Besuch bei der armen Frau Runge welche Gestern die schreckliche Nachricht von dem Tode ihres Mannes bekam, ich schrieb ihr einige Zeilen. Seit einigen Tagen hat Otto einen Jungen, David Allen, zur Hülfe im Store. 

23. Nov. Mutters Geburtstag. Otto lud Mutter auf den heutigen Tag ein, Sauerkraut mit uns zu essen. Wir machten ihr einige kleine Geschenke auf dem Tische zurecht mit einem hübschen Kranz umgeben, einen kleinen Mandelkuchen, 1 übergoldetes Milchkännchen, mit Mandeln, Rosinen und Kandi gefüllt, eine Flasche Baumöhl und 2 1/2 Pfd. Pflaumen. Wir waren recht vergnügt zusammen, aßen Fleischsuppe, und Sauerkraut mit Rinderbraten. Nach Tische tranken wir ein Glas Wein auf Mutters Wohl und aßen Apfelpai dazu. Nachdem wir noch eine Tasse Thee zusammen getrunken, begleitete Otto die Mutter wieder nach Hause. 

Heute wogen wir uns auf der Gallerie, Unsere liebe Mutter wog 110 Pfd mein liebes Männchen 152 1/ 2, Helene 54, Clärchen 19, und ich 116 1/ 2 Pfd. 

Julius schickte ein Kistchen mit Kartoffeln und Wein welches leider nicht zur rechten Zeit ankam. 

December. 1852

19. Den 5ten kam endlich der lange erwartete kleine Theodor an. Otto wollte Morgens gegen 8 Uhr auf dem Ali zu den Neuntödtern reiten, ich sagte ihm aber, statt dessen möge er zu Mrs. Dee gehen, und sie rufen. Gegen 9 Uhr kam Letztere, ich unterhielt mich noch einige Zeit mit ihr, während die Wehen jeden Augenblick stärker wurden. Otto ritt unterdessen zur Mutter, um dieselbe zu rufen, gegen 1/4 vor 11 kam die gute Mutter und gegen 11 Uhr wurde der kleine Th. geboren. Mutter blieb 10 Tage bei mir und pflegte mich treulich. Gestern kam Herr Bechem wieder hier an, er brachte uns eine Masse Briefe, und eine Kiste mit Sachen mit. Eduard kam auch endlich zurück er war mit Fritz Goldbek nach Bastrop gewesen, dort hatten sie Bretter geholt und diese in San Antonio verkauft. Gustav kam Gestern von San Antonio (wohin er Julius welcher leider noch immer krank ist ein Pferd brachte) über Braunfels zurück und brachte Johns Wägelchen mit, in welchem Mutter nächsten Dienstag nach Braunfels fahren will um Hermine, welche auch bald in Wochen kommt, zu pflegen. 

Herr Bechem brachte mir 4 Briefe von Louise Korte, Alwine Tillmann, Laura Hösterey und Tante Hanchen, für Otto von Vater, (welcher ein schönes Paquetchen Band mitschickte,) und seinem Freunde Hohrath. Otto verklagte den Betrüger James, welcher ihm 75 $ schuldet wovon er wahrscheinlich nichts wieder bekommt, es ist dies ein bedeutender Verlust für ihn, und macht ihm viele Sorge. Ich habe ihn oft gewarnt, dem Menschen nicht soviel zu trauen, allein er ließ sich durch seine scheinheilige Maske täuschen 

Gustav nahm Clärchen gestern mit zur Mutter, sie war aber noch nicht lange fort, so bereuete ich schon, sie mitgehen gelassen zu haben, ich habe große Sehnsucht das liebe Kind wieder zu sehen, und Otto dringend aufgetragen, sie Heute Abend wieder mitzubringen, Otto ist nämlich gegen 10 Uhr mit Herrn Bechem an den Jeronimo gegangen. Herr Griesenbeck hatte in In- dianola einen Anfall vom gelben Fieber. Rust verkaufte seinen Store an Oliver und ?????????. Calvert verkaufte sein ganzes Eigenthum zu 8000 $. 

Februar. 1853.

13. Heute machten Otto und ich einen angenehmen Spaziergang an die Guadalupe, auf dem Rückweg machten wir Besuch bei Ankermüllers u. Klasings. Otto und ich schrieben an Vater und Laura. Den 24. Dec. kam Hermine mit einem kleinen Mädchen nieder, Mutter ging den 20. hin, und hatte mit Hermine zugleich Julius zu pflegen, welcher todtkrank war. Den 25. erster Weihnachtstag brachten wir sehr still und ruhig zu, ich konnte kein Bäumchen machen, da ich keine Wachskerzen in der Stadt bekommen konnte. Eduard und Gustav waren den Tag über bei uns. Otto schenkte E. eine Hose und Gustav ein paar Schuhe. Otto und ich beschenkten uns nicht, da wir die Kiste von Deutschland erwarteten, deren Inhalt unser Christkindchen sein sollte. Die Kiste kam den 29. Dec. an, ebenso H. Bechems Piano, welches wir von ihm renteten. Den 18. Januar kam Lischen und das dumme Küken genannt: Mamsell Schmitt schob ab. Den 26. Januar wurde ich 23 Jahre alt. Otto schenkte mir ein hübsches Nähkästchen, 4 Citronen, 2 Flaschen Wein und einen schönen Kuchen von Herrn Tillmann. Herr Theisen war den 29. u. 30. bei uns zu Besuch. Den 3. schrieb ich an Hermine, wir wünschten das unangenehme, gespannte Verhältnis zu ändern, und möchten wir uns wieder gegenseitig besuchen etc. worauf mir Hermine den 9. antwortete, und zwar freundlich und artig. Gott sei Dank, daß es endlich wieder so weit ist, und mein lieber Otto um meinet und der Mutter Willen den untersten Weg ging 

Herr Bechem half Otto Schattenbäume vor unser Haus pflanzen. Hermine war mit ihrem kleinen Töchterchen Emilie (ein kleines schwächliches Kind) bei uns und Mutter zu Besuch, Hermine war etwas mager geworden, aber sie war herzlicher wie früher. 

März. 1853

3. Gestern bekam ich einen Brief von Minchen worin sie uns anzeigte, daß sie sich zum drittenmal verheirathen wolle, und sich mit Wilhelm Reuter verlobt habe.- Wie ist es mög- lich?! 

Gestern wog ich meine beiden Kinderchen, Clara wog 22 und Theodor 14 Pfd. 

Gestern abend brannte Calvert Stable ab, ein furchtbares Feuer, erst vor kurzem war viel Korn und Heu eingefahren worden, es war so hell, daß man auf unserer Gallerie lesen konnte. H. Runge reiste vorgestern nach Indianola zurück. 

July. 1853.

22. Lange schrieb ich nichts in mein Tagebuch, und viel Trauriges und Freudiges hat sich in der Zeit in unserer Familie zugetragen. Emilie Staehely starb den 29 Juni, ich fuhr mit Mutter, Julius, Helenchen und meinen beiden Kindern hin, als wir über der Ferry waren, begegnete uns Walther, um uns die Todesnachricht zu überbringen. Ich fuhr den andern Tag wieder mit Julius zurück, welcher Waaren für Otto mitnahm. Den 4ten July war ich mit meinen Kindern allein zu Haus, mein Mädchen, Minchen, hatte ich nach Braunfels gehen lassen. Julius und Gustav waren bei mir. Ersterer hatte das Fieber. Otto ritt nach Braunfels, wo er sich sehr gut amusirte, und sogar mehreremal tanzte. 

Wir bekamen Briefe von Vater und Laura und beantworteten dieselben. Hermine war auf 14 Tage bei der Mutter zum Besuch und nahm Helenchen mit, welche dort in die Schule gehen soll, und Cäcilie Navarro, um sie 14 Tage dort zu behalten. 

Frau Bremer gestorben, Herr Jung gestorben, Moreaus ein Mädchen geboren ???. Hulda. 

Eduard ist krank, hat das Fieber, ich bin vom Schenken sehr herunter, oft so matt, daß ich nicht stehen kann, und habe in 3 Monaten 15 Pfd. verloren, wiege jetzt 85 Pfd 

Otto baut ein neues Wohnhaus von Steinen, er hat viel Ärger dabei, indem er das nöthige Bauholz nicht bekommen kann, und ihn die Leute belügen und hinhalten. 

Clara fängt jetzt recht nett an zu plaudern, und wird schon etwas verständiger. Der kleine Dicke gen. Titi ist ein prächtiger Kerl, mit 6 Monate saß er allein, welches er zuerst bei Mutter konte, als ich mit den beiden Kindern auf 8 Tage bei ihr war. In derselben Zeit war auch Caroline Bastian bei Mutter und einige Tage bei uns. Mit 7 Monaten kroch er, und jetzt mit 7 1/2 Monat steht er allein an einem Stuhl. Er ist die Freundlichkeit und Lebendigkeit selbst. Clara nimmt wenig zu, Wieprecht glaubt, daß sie Würmer hat, sie mußte deßhalb eine Zeit lang eine nasse Binde um den Leib tragen, auch bade ich sie, so wie Theodor jeden Morgen in kaltem Wasser. 

Herr Griesenbek ist seit Montag in unserem Store als Clerk, worüber ich mich sehr für meinen lieben Otto freue, der arme Mann ist dann doch nicht so schrecklich gebunden. Den 15ten Juli war Ottos Geburtstag, ich hatte ihm bei Tillmann eine Traubentorte backen lassen, womit ich ihn vor Tisch überraschte. Morgens 8 Uhr fuhr ich in Mr. Wintz Wägelchen mit Mrs. Cooke und einem Jungen von Paris Smith in die Plumrich (?), und war um 11 wieder zu Haus mit einem tüchtigen Korb voll Pflaumen. 

25. Juli zog ich in der Hippen ihr Haus, eine schöne angenehme und geräumige Wohnung, den 27. wurde der Camin zwischen Wohnzimmer und Store umgerissen, den 28. - 29. entwöhnte ich meinen kleinen Theodor, da mich das Schenken so stark angriff, daß ich am Ende so schwach war, daß ich mich kaum auf den Füßen halten konnte. Die Milch (?) macht mir noch viele Schmerzen, meine Brust ist furchtbar ange- schwollen und steinhart. Eduard hat noch immer das Fieber. 

August. 1853.

Den 19. ritt ich mit Walther, (welcher endlich nachdem er 9 Monate bei John war, einmal auf einige Tage zur Mutter kam) nach Braunfels, um Sonntag Abend einen Ball mitzumachen. Unsere gute, liebe Mutter kam so lange zu den Kindern. Wir ritten gegen 5 Uhr hier fort, als wir gegen 8 Uhr im Dunkeln an die Ferry kamen, riefen und schrieen wir wol 1 1/ 2 Stunde, allein der Badenwerber (?) war zu faul zu kommen. Es blieb also nichts anderes übrig als bei Wyskemann die Nacht zu kampieren. 

Wir tranken eine Flasche Bier und aßen ein Butterbrod, und legten uns auf ein Bett, welches aus einigen Brettern und Plankets bestand, und worauf man statt auszuruhen nur noch müder wurde. Nach dem Frühstück ritten wir gleich nach Braunfels, wo wir recht freundlich empfangen wurden. Morgens ging ich mit Hermine baden, bei vom Steins, Abends gingen wir alle zusammen auf den Ball, das h. wir fuhren hin. Cäcilie Navarro war unliebenswürdig. Otto welcher uns Morgens unerwartet überraschte und ich amüsirten uns sehr gut. John war be- trunken, und benahm sich eklig. Montags Morgens ging ich wieder mit Hermine baden, ritt dann zur Minchen und von da zu Stahelys, wo alte Navarros mit dem Wagen waren, um Cäcilie abzuholen. Gegen 4 Uhr zogen wir alle zusammen nach Hause auch Eduard welcher das Fieber jetzt los ist. 

September 1853

4. Gestern ritt ich mit H. Griesenbek zu seiner Mutter. Die Jungsche Farm liegt zwar hübsch, aber das Haus ist ein Hundeloch, das Holz, die Bäume sind klein und verkrüppelt, um das Haus herum sah es wüst aus. Julius Griesenbeks Haus, ist eine erbärmliche kleine Hütte, welche auf einem rauhen Hügel voll krüpeliger Bäume steht. Beide Farmen sind roh und armselig und haben meine Antipathie gegen das Farmerleben nur vermehrt. Mein lieber Otto ist gesund und munter, das Geschäft geht gut, unser hübsches Wohnhäuschen naht sich seiner Vollendung, Klara ist sehr wohl und spricht jeden Tag mehr. Heute steckte sie Titi gekaute Nüsse in den Mund und frug ihn Nu nuss Titi? keins mehr, sonst krank! Unser kleiner lieber Titi ist Gott sei Dank auf der Besserung, er wird wieder munterer, hat nur noch starke Diarhoe, wofür ich ihm täglich zwei Klistire geben muß. Mein liebes Männchen hat mir auch jetzt einen neuen Kleiderschrank versprochen! 

Januar. 1854.

Den 1. Januar waren Mutter, Julius, Eduard, Helene, Herr Bechem und Wieprecht bei uns zum Sauerkrautessen. Abends steckten wir unser Christbäumchen an und ließen es ausbrennen, aßen Pussertskuchen (?), und waren sehr vergnügt. 

Den 8. begleitete Julius die Familie Tischmeier herunter nach Indianola.

16. Heute Abend fand ich den Namen Erens (Evens?) auf der falschen 20 $ Note. Mein geliebtes Männchen reiste Heute Morgen in Fahrs Wagen mit 2 Moulen bespannt nach San Antonio, und ich muß nun einige Tage mit Gustav allein den Store versehen. 

17. Otto hat kaltes Reisewetter, da Heute Morgen plötzlich ein Norder heran stürmte. Eduard will Morgen nach Bastrop um eine Fuhre Bretter zu holen und dan in San Antonio oder Braunfels zu verkaufen. Früher war er schon einmal in Indianola, ich lieh ihm meinen Brodtopf wovon er den Deckel verlor, und nichts sagte, bis ich ihn darum fragte, gleich darauf forderte er 2 $ um für Otto die Juno zu holen, welche er tags zuvor gesehen hatte, und was jeder andere für 1 $ thut. Otto hat noch vorigen Sommer, als ihm aus Unvorsichtigkeit eine wilde Mähre todt ging, 5 $ beigesteuert, um seinen Verlust zu vermindern. (Der folgende Satz ist eingeschwärzt.) 

Seit ich zuletzt in dieses Buch schrieb, hat wieder vieles, und Gott Dank meistens Angenehmes in unserer Familie ereignet. Unser süßes Söhnchen ist ganz wieder gesund und zwar durch eine Wasserkour des Herrn Wieprecht, Otto schenkte ihm zu Weihnachten einen mexikanischen Pläneit zum Andenken. Unser lieber Titi war mehreremal so krank, daß ich schon für sein Leben fürchtete, doch der gütige Gott hat ihn uns erhalten. Julius verlobte sich kürzlich mit Anna Tischmeier und begleitet sie jetzt auf der Reise nach Houston, von wo er sie nach beendigten Erbschaftsangelegenheiten wol wieder mit heraufbringen wird. Die neue Schwiegerin in Spee gefällt mir recht gut, sie ist natürlich und freundlich - 16 Jahre alt Julius 25, passen also dem Alter nach gut zusammen, wie mein lieber Otto und ich. Herr Carl Griesenbeck stellte uns Heute in Fräulein Röser seine Braut vor. 

Wir wohnen schon mehrere Monate in unserm neuen Hause, im Anfang habe ich viel darin gefroren, seitdem aber Otto auf meine vielen Bitten eine Decke in das Zimmer machen ließ, ist es warm und angenehm darin. 

Seit Weihnachten habe ich ein neues Mädchen Sophie Schubert, sie ist dumm, aber viel besser wie Minchen 

Herr Krochmann kam vor einigen Tagen bei Mutter an, und reiste Heute weiter, nach Braunfels und San Antonio, er ist noch immer der gute biedere Mann. 

Herrn Bechems Übel hat sich seit kurzem wieder verschlimmert, er braucht jetzt seit einem halben Jahre die Wasserkour, wohnt mit Wieprecht auf unserer Farm, und gehen bei Mutter in Boarding. 

Bianca Goldbek hat ein Söhnchen bekommen, und Louis ist nun ein lustiger Großvater. 

Ohm Peter hält sich sehr still in Braunfels, er ist seit seiner Ankunft noch nicht wieder hier gewesen. 

Die Weihnachtstage feierten wir recht vergnügt, ich hatte ein hübsches Bäumchen gemacht, und schenkte meinem Otto einen hübschen neuen Schlafrock, Otto schenkte mir einen Schaukelstuhl, welcher aber wohl erst zu meinem Geburtstag anlangen wird. Den ersten Tag waren wir vergnügt bei der Mutter, aßen Mittags einen ausgezeichneten fetten Puter, Nachmittags kamen Tischmeiers, wir musizirten viel, Abends wurde der Christbaum angesteckt. Von Mutter bekamen wir zum Weihnachtsgeschenk: Otto einen fetten Puter, und ich ein Plümo und seidenes Band. Wir schenkten ihr eine große Porzellanschüssel. 

Silvester Abend waren Otto und ich vergnügt zusammen, tranken ein Glas Wipp und gratulierten gegenseitig zum neuen Jahre. 

May. 1854.

16) Fast ein halbes Jahr verging, ohne daß ich etwas in dieses Buch eintrug es hat sich viel in der Zeit zugetragen. Julius Brautschaft rückgängig geworden. Otto schenkte mir zum Geburtstage einen Schaukelstuhl, ferner haben wir von neuen Möbeln angeschafft: 1 hübschen Kleiderschrank, ein Milchschränkchen, und 8 schöne Rohrstühle. Im März bekam Hermine ein kleines Mädchen, Mutter war 4 Wochen bei ihr. Hermine war im April einige Wochen mit ihrer kleinen Eugenie bei Mutter zum Besuch, gerade in der Zeit wurde mein armer lieber Mann krank, und bekam eine heftige Gallenruhr, die 2te Nacht schickte ich zu Dr. Starke, es war die höchste Zeit. Otto wurde so schwach, daß er auch nicht das kleinste Geräusch vertragen konnte, dabei war er stets in einer sehr gereizten Stimmung, Eduard, Herr Krochmann Dr. Starke und ich wachten abwechselnd Nachts bei ihm. Louis besuchte ihn auch einmal auf meine Bitte, ich schrieb ihm durch herrn Seele, er be- stätigte Dr. St. Verordnungen, und hätte Otto nicht einen Rückfall bekommen, hätte sich die Krankheit nicht 4 Wochen hingezogen. Den 9. u. 10. Mai hatte Otto wieder furchtbare Zahn u. Gesichtschmerzen, den 11 hatte es sich etwas gebessert, er fuhr deßhalb Morgens früh mit der Post nach San Antonio, um dort Sommerzeuge (?) einzukaufen, und dem Gesangfeste beizuwohnen. Samstag Morgen ritten auch Julius, (welcher in der zweiten Woche von Ottos Krankheit zu uns kam) Eduard und Herr Whm. Fromme, welcher 14 Tage bei Mutter zum Besuch war, nach San Antonio. Gestern und Heute habe ich den Store ganz allein besorgt, ein unangenehmes Geschäft, besonders wenn man, wie ich, erwartet, in 8-14 Tage in Wochen zu kommen. Der garstige Albert lief den 2ten Ostern trotzdem Otto sehr krank war, nach Braunfels, und Sophie heirathete einen Menschen, welchen sie 8 Tage lang kannte. Morgen kommt hoffentlich mein geliebtes Männchen wohl von San Ant. zurück. Unsere Kinder sind beide voll Schwären und Ausschlag. Clärchen kommt leider nicht recht voran, sie wiegt nicht mehr wie vor einem halben Jahre 27 Pfd. und macht uns oft Verdruß, daß sie alle Unarten der garstigen Ernestine annimmt. Titi ist ein kleiner herziger Engel, er ist dick und gesund, und fängt an zu plaudern. 

Juni. 1854.

24. Den 8. Juni wurde unsere kleine Anna geboren, gegen 1/2 12 Uhr Mittags, ich hatte weit mehr zu leiden, wie bei den beiden ersten Kindern. Das Kind hatte die Nabelschnur zweimal um den Hals gewickelt, (Folge davon, daß ich die Ranken an unserer Laube vor der Thüre angebunden und zu sehr in die Höhe gereicht hatte) und konnte deßhalb nicht gut kommen. 6 Tage vorher bekam ich, nach vieler Mühe, von Brfls eine Wärterinn Frau Hildebrand, welche auch das Kind brachte, den Monat bekommt sie 10 $, welche sie auch verdient. Mutter kam zufällig den Abend, um auf Schmidtchens Hochzeit zu gehen, und freute sich sehr, daß es schon so weit überstanden war. Frau H. pflegte mich, wie ihre eigene Tochter, und sorgte auch für die übrige Haushaltung recht gut, ihr einziger Fehler ist, das sie zu viel spricht. Otto ist Gott Dank wieder ganz gesund. Er und Julius waren vor 4 Wochen in San Antonio auf dem Gesangfest. Clara ist seit 14 Tagen bei der Großmutter. 

July. 25ten. 1854.

Den 3 Juli hatten Staehelys Kindtaufe, Herr James Ferguson, Herr Bechem und ich, waren Pathen, in Braunfels habe ich mich sehr gut amüsirt, den 4ten July auf der Zinkenburg, auf dem Berge Musik und Ball. Auf der Hinreise ? Mama in dem kleinen Postwagen - , furchtbare Hitze - Clara oft erbrochen - in Brfs. von Hermine und John freundschlich aufgenommen, einen Nachmittag bei Moreaus auf einer Kaffeevisite - bei Fergusons zur Chocolade - Einen Kinderwagen gekauft zu 4 1/2 $. - Wilhelm Elbers den 5. Juli sich selbst erschossen, wahrscheinlich aus unglücklicher Liebe zu Alma Nohl. John fuhr uns, Herrn Bechem und mich in Fergusons Wagen nach Seguin zurück. 2 Meilen hinter Braunfels begegnete uns Kreutz mit seiner Frau und Kind. Letzteres ist, wie seine Frau gestanden hat, von Alex Ferguson, Kreutz wollte nach Braunf. und von Alex F. 400 $ fordern zur Erziehung des Kindes, und wenn F. nicht bezahlen wolle, diesen verklagen. John bat ihn um eine Unterredung, und bot ihm in James F. Namen 200 $ damit nur Frau Ferguson nichts davon gewahr würde, weil diese guter Hoffnung ist. Frau Kr. fuhr mit nach Seguin zurück und Herr Bechem als Unterhändler wieder mit nach Braunfels. Hier angekommen, erlaubte sich John die ungezogene Bemerkung, es sei von Otto ein dummer Streich gewesen, dem Kreuz zu sagen, daß er gehört habe, seine Frau hätte sich auch noch mit andern Männern eingelassen etc. etc. Die hochfahrende Art in welcher John dieses sagte, ärgerte Otto so sehr, daß er Herrn Bechem bat, John zu sagen, er verbäte sich in seinem Hause solche Ungezogenheiten etc. Herr B. that dieses und John fand seinen Eigendünkel dadurch so sehr gekränkt, daß er schwor, nie wieder unser Haus zu betreten, er reiste auch auf der Stelle nach Br. zurück, mit ihm Frau Hildebrand, welche in den letzten Tagen unausstehlich war, weil sie geträumt hatte, ihr Mann sei gestorben, ich war froh, sie quitt zu sein. Frau Schick half mir einige Tage, bis ich den 18. Juni wieder, (wie es bis jetzt wenigstens scheint) ein ordentliches Mädchen bekam, Ernestine Gläser 

24. Heute war Louis Nohl hier und verordnete unserm armen kleinen Titi Leberthran. Theodor hat Drüsen und bekommt Augzähne, er ist sehr mager geworden, und hat einen sehr dicken Leib. Clärchen wächst jetzt tüchtig, und ist ziemlich gesund. Die kleine Anna ist ein liebes Kind, sie wächst zusehends, und ist kerngesund. John reiste heute nach Deutschland, seine Mutter ist gestorben, und er wird wol 15000 $ erben. 

Julius versorgt Staehelys Geschäft, während seiner Abwesenheit, es thut mir leid, daß Julius nicht mehr bei uns ist, er war recht spaßhaft und machte manchen Witz mit der Frau Hildebrand. An seine Stelle ist seit circa 8 Tagen Herr Looff getreten. Otto will jetzt im Schlafzimmer anbauen, und Mutter zu unserer Freude einige Monate zu uns kommen, so bald sie ihre Farm verrentet hat. Von Tante Hanchen kam Heute ein Brief an Mutter an. Stuve mit Frau und Kind kamen vorgestern in Braunf. an. 

Den 15. Ottos Geburtstag, er war noch sehr schlecht gestimmt und angegriffen, von dem Ärger über John, ich bakte einen großen Kuchen mit Rosienen und schenkte ihm Kossuths (?) Bild, 6 leinene Schnupftücher und ein seidenes Tüchelchen. 

September. 1854.

20. Unsere liebe Mutter geht nächsten Montag von der Farm übermorgen wird sie eine kleine Auction halten 14 Tage bleibt sie dann bei uns, und geht dann zur Frau Ferguson. Unser Schlafzimmer ist jetzt im Bau begriffen, ich freue mich recht darauf wenn die Betten aus der Stube kommen und wir dadurch mehr Platz bekommen. Morgen schreibe ich an Ohm Herrmann, uns ein Clavier mitzubringen. 

December. 1854.

Mittwoch, den 6. December nahm Gott unser innig geliebtes Annchen wieder zu sich. Das Kind war zu schön und liebenswürdig für diese böse Welt, in welcher so wenig Freude und so viel Leid ist. Das arme Kind hat schrecklich gelitten, an der Ruhr, Krämpfen, und Zahnen, der Anfall von Ruhr war so stark, daß Louis und Dr. Morgan sie nicht retten konnten. Tag und Nacht wachten die gute Louise und ich bei ihr, die beiden letzten Nächte von unserer lieben Mutter unterstützt, welche auf mein Bitten von Braunfels kam. Den 23. Nov. Mutters Geburtstag, sie war bei Frau Ferguson, welche an dem Tage in Wochen kam. Den 24. ritt ich auf Ottos Bitten zu Mrs. Wilkox an der Guadalupe welche krank war. Den 25. war Annchen unwohl und hatte heftiges Abführen. Otto ritt Abends nach Braunfels um einem Conzert und Ball des dortigen Gesangvereins beizuwohnen. Sonntag ging dem armen Kinde schon etwas Blut ab, dieses ängstigte mich so sehr, daß ich Herrn Zorn rufen ließ, und ihn frug, ob er meine, daß ich einen amerikanischen Arzt rufen lasse, er rieth mir durchaus ab. Die Krankheit verschlimmerte sich immer mehr, trotz Bädern und Arzneien, und den 6ten starb unser innigst geliebtes Kind. Den 7ten fuhren wir hinaus und begruben sie an der Seite unseres guten Vaters und der lieben Clara. Den 8ten wäre sie gerade 6 Monate alt geworden. 

Den 9. Dec. wurde Mutter krank, Kopfschmerzen, Fieber, und mußte noch bei uns bleiben, sie hatte sonst vor, den 10.zu Fergusons zurückzukehren. Brief von Tante Hannchen, und von Eduard von Austin aus. Clärchen und Theodor sind beide stark erkältet und haben einen bösen Ausschlag am Mund. 

Den 12 Dec. begleitete ich meine Mutter nach Braunfels, und erkältete mich dabei so stark, daß ich eine Entzün- dung in den Hals bekam, und viel litt. Den 24. Dec. reiste ich mit Clärchen und Theodor nach Braunf. und blieb 14 Tage bei Nohls, amüsirte mich Weihnachten bei Nohl und Moreaus sehr gut, wo die Kinder auch beschenkt wurden. Neujahr war ein hübscher Ball im Casino, Otto war auch gekommen, es war eine Verlosung von allerlei Kleinigkeiten, ich bekam eine Nadel mit Glasknopf, ein Spiel Karten, und ein Döschen mit Haarnadeln. 

Den 15. Januar. Otto schenkte mir ein Baerl deutsche Kartoffeln, eine schöne Tischdecke und 2 schöne blaue Schüsseln zu Weihnachten, ich schenkte ihm ein Cigarrenetui, einen weißen Shwal, und eine Freundinn (?). Die Kinder bekamen ein kleines Tischchen. Ach wenn doch mein süßes geliebtes Annchen noch lebte, wie gerne wollte ich Bälle, Vergnügungen und alles dergleichendafür geben! Der Kinder Ausschlag am Mund ist wieder geheilt. 

Januar. 1855.

26. mein Geburtstag, ich wurde 25 Jahre alst, mein lieber guter Otto schenkte mir ein hübsche lakirte Waschschüssel, eine Gemälde-Brosche und 2 Kuchen. Der gute Mann war sogar so lange herumgelaufen bis er ein grünes Bouquetchen für mich gefunden hatte. 

Februar 1855.

20. Clärchen war 8 Tage recht krank, sie hatte ein heftiges Catarhal. Fieber brach mehrmals Galle und hatte dabei einen starken Husten, Fritz mußte 3 mal nach Braunfels reiten, Louis kurirte sie recht gut, ohne sie zu sehen, und sie ist nun Gott sei Dank wieder wohl. Otto ist seit 8 Tagen verreist mit Herrn Carl Wieprecht um sich in den Guadeloupe Gebirgen oder dem Rio Blanco ein gutes Stück Land auszusuchen, darauf zu farmen und Vieh zu ziehen. 

Otto kam den 19 zurück und sagte mir, er werde wahrscheinlich Wilkes Farm kaufen 20 Meilen von Braunfels an dem Weg nach Friedrichsburg gelegen. 

Ende Februar war ich mit Otto und den Kindern in Fahrs Wägelchen in Braunfels. Wir logierten bei Moreaus waren Abends auf dem Ball im Clubb, es war zu voll, zu viel ordinäres Volk da, und Otto war ärgerlich, daß ich oft neben Hermine saß. Montags fuhren wir wieder nach Hause, und nahmen unsere liebe Mutter mit, welche 4 Wochen bei uns blieb. Wir bekamen gerade in der Zeit 2 Boxen Orangen und 1 Barrel fri- sche Äpfel. Mutter und ich gingen oft mit den Kindern an die Guadalupe spatzieren, in den letzten Wochen war es leider immer sehr kalt, so daß wir nicht ausgehen konnten. 

Lehmann und Edmund reisten im Februar ab, an Lehmanns Stelle trat Herr Pelzer. 

April 1855.

Den 1. reiste Otto mit Mr. Andro Erskine herauf um Dr. Potters Mühle zu besehen. 

August. 1855.

Ich war mit den beiden Kindern beinahe 14 Tage bei unserer lieben Mutter, sie wohnt in dem kleinen Roh???-Häuschen mit Helenchen. Ihr Clavier kam in der Zeit an. Ottos und Johns Zwist gab zu einigen sehr unangenehmen Auftritten Anlaß. Wir gingen fast alle Tage auf Caffeevisiten, kauften uns oft Pfirsiche und waren recht vergnügt. Ich zeichnete den Struwelpeter ab, war oft sehr marode. Julius verlobte sich mit Anna Pelzer. Otto machte mit Herrn Bechem eine Reise ins Gebirge und legte mit Herrn Groth einem Landvermesser die Stadt Middletown aus. Er hatte sehr viel Regen, und blieb mehrere Tage länger aus, wie er vorhatte, weßhalb ich in großer Sorge um ihn war. 

Es wurde hier in Seguin ein großes Babicue von den Democraten gehalten. Wir hatten die Nacht 4 Braunfelser und Agnes Dittmar im Logis 

Den 15. July. Ottos Geburtstag, ich backte ihm 2 Pflaumentörtchen, welche ich mit hübschen Kränzen umgab, schenkte ihm ein paar Hosenträger, und machte ihm ein kleines Gedicht. An dem Tage war ein Babicue hier, ich hatte mich am Tag vorher mit Backen so angestrengt, daß ich Morgens ohnmächtig wurde. Nachdem die Louise fortgelaufen, war ich 4 Wochen ohne Magd, nachdem trat Frau Heinze bei mir in Dienst. 

Herrn Radeleff unsern Clerk haben wir aus in (?) Boarding gethan, weil jetzt eine sehr rare Zeit in Betreff der Lebensmittel, und er ein furchtbarer Esser ist. 

September. 1855.

17. Julius war einige Tage hier, seine Compagnie-Geschäft mit Staehely hat sich vor seinem Anfang zerschlagen, und will er jetzt ein eigenes Geschäft hier etablieren. Herr Otto Fischer war mit 2 Mexikanern hier, er brachte Schindeln und nahm Waaren mit hinauf, auch 2 junge Kätzchen. Simon nahm unsere Hündnin (?): Schulze mit. Otto fuhr Mad. Fromme Gestern mit ihrem Söhnchen zu Dr. Nohls, weil letzteres nicht recht wohl ist. Von da fährt Otto Heute in die Martinus, um vielleicht von Real noch einige Mähren zu kaufen, von dort nach San Antonio, um Einkäufe zu machen. Von Eduard erhielt ich gestern einen Brief, er hat keine Lust, Ottos Vorschlag, nach der neuen Stadt am Blanco zu ziehen, nachzukommen. Die Indianer haben in letzter Zeit viel geraubt und gemordet, und kommen bis ganz in die Nähe der Städte. Mr. Andro Erskine will mit einer Compagnie Freiwilliger gegen die Indianer ziehen, welcher C. sich auch Herr Bechem anschließen wird. Otto ist recht gesund und vergnügt, Clara und Theodor sind auch recht wohl, und machen uns viel Vergnügen. Was mich selbst betrifft, so bin ich jetzt im Ganzen wohler, als im Anfang der Schwangerschaft, besonders die Magenschmerzen haben sich fast ganz verloren. 

Aus Erskines Expedition gegen die Indianer ist nichts geworden, weil General Smith Hülfe in Waffen, Provisionen etc. verweigerte. 

November. 1855.

Den 12. wurde der kleine William Otto geboren Nachts 3 1/2 Uhr. Die Hebamme Frau Hildebrandt war schon seit dem 1. Nov. hier, Anna Pelzer war 14 Tage zum Besuch bei uns, den 30. Okt. ließen wir sie durch Suchard wieder nach Braunfels fahren, und Mutter und Frau Hildebrandt mitbringen. Otto reiste in angenehmer Gesellschaft von Amerikanern den 1. November nach Austin, und wohnte dem dortigen Babecue bei, wo er sich sehr gut amüsirte. Heute den 19. Sonntag Otto und Julius ritten Heute Morgen 6 Uhr trotz ziemlich starkem Norder nach Braunfels um Heute Abend ins Theater zu gehen, Otto wird von dort Morgen nach San Antonio reiten, um einige Einkäufe zu machen. Seit 3 Wochen ist Julius in Otto's Geschäft als Partner eingetreten, er sah ein, daß es mit seinem eigenen Geschäft nichts gab, und es ist für beide Theile gut, daß es so gekommen ist. 

Recht dankbar können wir dem lieben Gott sein, daß die Geburt des kleinen Otto so schnell und glücklich abgelaufen ist, wenn er ihn uns nur gesund erhält. Meine Magd, die scheinheilige Frau Heinze hat mir zum 24. dieses aufgekündigt, weil ich nicht (eingeschwärzt: machen) will, daß Otto ihrem Schwiegersohn dem Gläser die Schindeln auf Credit giebt, es ist abscheulich hier, mit der Frechheit der Dienstboten. Die Frau Hildebrandt macht eine rühmliche Ausnahme, sie ist ein wahres Muster von einer Hebamme. 

Welch ein Glück, und welche Annehmlichkeit, meine liebe, gute Mutter bei mir zu haben, mit welcher Liebe pflegt sie mich, und nimmt sich der Haushaltung an, wie ihrer eigenen. 

Circa 14 Tage vor Weihnachten kam unsere liebe gute Tante Hanchen von Deutschland glücklich und gesund bei uns an. Weihnachten machten wir einen schönen großen Christbaum. Ich hatte leider keine Magd, und mußte mit Mutter und Tante alle Arbeiten allein thun, welches mir sehr schwer wurde, da ich von dem Wochenbette her, noch sehr schwach war. Besonders für Mutter und Tante war es mir sehr unangenehm, die Frau Schick kam herunter zum spülen und melken. Wir hatten schöne Kuchen und kleines Gebäck gemacht, und wären ganz vergnügt gewesen, wenn es nicht so fürchterlich kalt gewesen wäre. Wir beschenkten Julius mit einem feinen Tischtuch und 6 Servietten und einem Ledereimer mit kupfernen Reifen. Unsere liebe Mutter bekam eine schöne Uhr und ein paar seidene Handschuhe, und Tante Hanchen ein paar dito Handschuhe und einen feinen Kamm. Mein lieber guter Otto schenkte mir ein halbes Stück feines Leinen, Tüll zu einem Schleier, ein paar Handschuhe, und eine Blechbüchse mit grünen Erbsen. Otto bekam von mir Hut, Weste, Handschuhe, und den Anfang von einem Hosenträger. Den ersten Weihnachtstag war eine fürchterliche Kälte, so daß wir alle möglichst nahe zum Ofen krochen. Den 2ten kam Eduard, wir hatten einen schönen Puterbraten, unsere liebe, arme Mutter hatte leider starke Kopfschmerzen. Den Tag darauf fuhren Tante und Mutter mit dem Suchard wieder nach Braunfels. Sylvester hatten Julius und Anna Hochzeit, sie wurden bei Staehely's durch Herrn Seele getraut, und gingen nachher auf den Ball in dem Union Clubb. Den 3 Januar - 

Januar 1856

3. Trat unsere jetzige Magd Tine ein, ich hatte sie durch Nagel am Yorks Kreek holen lassen. Den 26. Januar wurde ich schon 26 Jahre alt, es rauchte an dem Tage fürchterlich in unserer Stube, Otto schenkte mir ein Barrel deutsche Kartoffel. 

März. 1856

Unser liebes Clärchen ist schon seit 3 Wochen in Braunfels bei der Mutter, und hat dort leider das Fieber, ein gastrisches, Louis sagte mir zwar es sei gar keine Gefahr dabei, aber dennoch bin ich sehr unruhig. Louis war hier wegen Theodor, welcher das Scharlachfieber hat, er ist jetzt Gott sei Dank, wieder ganz auf der Besserung. < Seguin, den 2. März 56.> Zugleich holte er Alma wieder, welche 14 Tage hier war, in welcher Zeit wir leider immer Regen und Kälte hatten. Der kleine Otto hat einen Flechtenausschlag auf beiden Bäckchen (Bleistifteintragung: jedenfalls Fraissam (?)), Louis sagte, er könne ihn leicht vertreiben, es sei jedoch besser, es nicht zu thun, weil er sonst leicht Drüsen in den Unterleib bekommen könne. 

Otto ist schon seit 14 Tagen wieder in Middletown, durch Louis höre ich, daß sich schon wieder Indianer gezeigt haben. Ich bin seit meinem letzten Wochenbett noch nicht wieder ganz wohl, trotz dem ich den kleinen Otto tüchtig mit Hafergrütze füttere, und Louis räth mir, eine Mineralwasserkur durchzumachen. 

May 1856.

Pfingstsontag, den 11. Mai. Ein trauriger, wenigstens sehr langweiliger Pfingsttag, 3 Tage vorher Regen, daher sehr schmutzig, Otto in Middletown, Julius nach Brfs. um seine Frau zu besuchen, welche schon 14 Tage bei der Mutter zum Besuch ist. ich war also ganz allein mit den Kindern, doch habe ich Ursache, Gott dankbar zu sein, da unser leibes Ottöchen wieder besser ist. Er war die letzte Woche krank, erst 3 Tage heftiges Zahnfieber, dann nachdem des erste Zähnchen durch war, heftige Diarrhoe, so daß er recht mager geworden ist. Heute vor 8 Tagen fuhr Otto mit Schreiner Batholomä nach Mitn. und nahm Tante Hanchen auf dem Wege dahin mit nach Braunfels. Die Nacht darauf starb meine schöne "Juno" wahrscheinlich in Folge von zu früher Anstrengung, nach dem fohlen, das schöne Fohlchen wird nun auch wohl nicht aufkommen. Tante Hannchen war circa 8 Wochen hier, die ersten 4 Wochen ihres Hierseins war ich mit Öttchen in Braunfels bei der lieben Mutter zu Besuch, wo ich eine Mineralwasserkur gebrauchte, doch ohne sichtbaren Erfolg. Ostern war dort ein Conzert zum Besten der Schule. Otto kam auch hin, ich sang die Adelaide und mit H. Schütze ein Duett aus Faust. Frau Torry und Frau v. Roth sangen ein Duett, und nachher mit in einem Quartett. Von allen Freunden und Verwandten wurde ich sehr freundschaftlich aufgenommen, besonders von der lieben Alwine und Franz, Hartmanns lernte ich dagegen von einer sehr unvortheilhaften Seite kennen. Nachdem die liebe Tante Hannchen wieder nach Brfls. zurück ist, kommt es mir hier sehr einsam vor, sie war so gütig meine Haushaltung zu führen, und unsere beiden lieben ältesten Kinder zu beaufsichtigen, dadurch wurde es mir möglich ganz ohne Sorgen in Brfs. zu sein. 

Seit 4 Wochen ist die Amalia von Fischers hier bei junge Wöhlers, sie kam während meiner Abwesenheit hier an, Tante, welche sie nicht kannte, nahm sie nicht auf, und nun scheint sie von den Wöhlers aufgehetzt zu sein, denn sie kommt nicht, trotz mehrmaligem Einladen. Während ich in Brfs. war, wurde der graue Hengst "Gree Pascha" von der Martinos gestoh- len, wieder ein großer Verlust! 

Den 4ten fuhr Otto mit Bartholomä herauf in's Gebirge, und nahm die liebe Tante Hanchen mit nach Braunfels. Er fuhr zum erstenmale mit unserm neuen Wagen, und spannte Juno, welche ein kleines Fohlchen hat, und die Mula ein. Die Juno wollte durchaus nicht ziehen, so daß Otto die größte Last damit hatte, andern Morgens war sie todt.- Das arme Fohlen ist bei Cramer in Hortontown, welche es aufziehn. Mai 20. Ottöchen, der kleine Engel hat schon 2 Zähnchen, er war 8 Tage recht krank. hatte 3 Tage Fieber, und dann die heftigste Diarhoe. Ich gab ihm früher Morgens und Abends ein Gläschen frische Kuhmilch, da er diese gar nicht verdauete, sondern sie in steinharten Klumpen wieder von sich gab, so gebe ich ihm gar keine Milch mehr. Er hatte auch einige Tage Nesselfieber. Seit 2 Tagen habe ich ihn nun entwöhnt, der gute kleine Engel hat nur den ersten Abend tüchtig geschrien, und sich von da an geduldig in sein Schicksal ergeben. Das Kind ist nicht hübsch, aber so gut und freundlich, daß er aller Liebling ist, besonders von Julius 

Den 16. kam Herr Baier hier durch mit seiner hübschen Frau, welche er uns vorstellte, den 20. Gestern, brachte Gustav Peltzer seine Schwester wieder her, Anna war 3 Wochen verreist, Julius boardete so lange bei uns, ich verdiente dadurch 9 $, wofür ich mir 6 Betttücher von Mutter kaufen werde. Edmund und Mathilde hatten den 19. Hochzeit, Anna Dittmar ist verlobt mit Herrn Konrads, Herr Real mit einer Fräulein Kähe, welche mit der Tante Hanchen auf einem Schiffe reiste. Tante Hanchen schickte mir durch Julius zum Vielliebchen eine Lorgnette, ein schönes Vielliebchen! 

Klärchen ist tüchtig gewachsen, sie muß jeden Morgen die Kerzenleuchter putzen, und schon allerlei kleine Handreichungen thun, wozu sie sich recht gut schickt. Das Kind ist nur zu aufgeregt, und für ihr Alter sehr klug, sie hat ein gutes liebesbedürftiges Herz, aber viele Fehler, von denen der schlimmste Hang zur Unwahrheit ist. Seit einiger Zeit hat sie oft wieder so sehr heftiges Nasenbluten. Theodor ist ein kleiner Trotzkopf, aber ein Herzens guter Junge. 

21. Heute war Herr Krochmann hier, aber nur auf 5 Minuten, da er gleich mit der Post nach San Antonio fuhr, hat aber versprochen auf seiner Rückreise einen Tag zu bleiben. 

August. 1856.

17. Sehr, sehr trauriges habe ich wieder in mein Tagebuch einzutragen. Den 23. July starb unser geliebter kleiner Otto, nach 5 wöchentlichen schmerzlichen Leiden an Zahnfieber, Ruhr und Schleimfieber. Der gute kleine Engel behielt seine Besinnung bis wenige Minuten vor seinem Tode, er war furchtbar abgezehrt, nichts wie Haut und Knochen. Tante Hanchen kam 14 Tage vor seinem Tode, und half ihn mir getreulich pflegen. Den 24 schrieb ich an Franz Moureaus, und dieser schickte einen Boten mit einem Brief von mir an den armen Otto nach Middletown, ihm die Trauerbotschaft zu überbringen. Wir fuhren in Suchards Wagen, Tante Hanchen, Frau Zorn, die Kinder und ich, zu der Grabstätte unserer vorangegangenen Lieben, an deren Seite wir unter heißen Thränen den geliebten Knaben begruben. Er war 8 Monate und 11 Tage alt geworden. 

Die nächsten Tage packten wir unsere Sachen ein, fuhren den 4 Aug. nach Braunfels zu unserer guten Mutter und den 6. holte uns Otto endlich nach Middletown. Wir hatten eine schlechte Reise, furchtbare Hitze, Wassermangel, und verloren vor der Guadalupe eine Mule, so daß wir mit 2 statt 3 Pferden bis M. fahren mußten, von denen das eine krank war. Tante sowohl, wie mir, gefällt es recht gut hier, nur ist es noch lange nicht alles fertig. Die größte Unannehmlichkeit ist, daß wir das Wasser so sehr weit zu holen haben für Otto 300 für mich 450 Schritte. 

Otto's Geburtstag konnten wir natürlich nicht feiern, denn er war in Middletown, ich mit dem todtkranken Kind in Seguin. Ich häckelte ihm ein Täschchen für Stahl und Schwamm, ließ ihm ein paar rothe Pantoffeln machen, und gab ihm dazu eine Box Brausepulver. 

14. Tante und ich gingen mit Georgs Frau und Töchtern und den Kinder Pflaumen suchen, fanden recht viele, und machten für Mutter und uns ein, für den Winter. Wir baden Morgens vor Sonnenaufgangs und Abends im Mondschein, weil wir bis jetzt noch keine Badehäuschen haben. Vorgestern Abend fuhr Tante mit Otto 4 Meilen von hier, wo sie 15 große schöne Hühner holten. 

Wir haben circa 50 Pferde, 6 Kühe mit Kälbern und einige Schweine. Otto kaufte in Seguin einen starken Wagen worin 6 Personen bequem sitzen können. Theodor und Clara sind jetzt, Gott sei Dank wohl, der liebe Gott möge sie uns erhalten, und gute brave Menschen aus ihnen machen. Ich bin in folge der langen Nachtwachen, Sorgen und Kummer so abgezehrt, daß ich nur 92 Pfd. wiege und sehr hinfällig bin. Dazu ist mein Magen nicht in Ordnung, und leide ich schon seit circa 4 Monaten an gänzlicher Appetitlosigkeit. In Zeit von 3 Monaten verlor ich 14 Pfd. 

November. 1856.

29. Heute Nachmittag waren Herr und Frau Meierhofer zum Besuch bei uns, wir erwarteten sie zum Mittagessen, sie konnten jedoch nicht vor Tische kommen, weil sie ihre Mulen verloren hatten. Seit 12 Tagen bin ich nun wieder zu Hause, nachdem ich beinahe 5 Wochen bei Dr. Kapp die Wasserkur gebrauchte, und zwar mit recht gutem Erfolge. Hier zu Hause muß ich die Kur noch fortsetzen, fühle mich aber schon jetzt viel kräftiger, und habe einen ganz guten Appetit, auch 4 Pfd. gewonnen. Die Familie Degener und Rhodius lernten Otto und ich als sehr liebe und artige Leute kennen. Doch ich will von vorn anfangen. Ich ritt mit Otto zuerst bis zu Judge Johns Farm, wo wir bei dem Renter Mr. Hees übernachteten. Es ist eine große schöne Farm, wir sahen da 500 schöne Äpfel und Birnbäume, und im Oktober noch prachtvolle blühende Rosen. Den nächsten Morgen ritt ich mit meinem lieben Otto zu Dr. Kapp, wo wir gegen 11 Uhr ankamen, um ihn wegen meines Unwohlseins zu befragen. Er rieth mir nun gleich zu bleiben, und die Cur zu gebrauchen, weil es schlimm sei mit einem Übel wie das meinige in den Winter zu gehen. Mein Hauptübel ist ein schwacher Magen, und Verstopfung. Da nun auch Otto wünschte, das ich die Wasserkur gebrauchen mögte, und ich selbst großes Vertrauen dazu hatte, so entschloß ich mich dort zu bleiben, besonders da ich die Kinder unter der liebevollen Pflege und Aufsicht der Tante Hanchen gut versorgt wußte. Clärchen war während meiner Abwesenheit einmal etwas unwohl, sie hatte Fieber, welches sich jedoch bald wieder besserte. Mein lieber Mann besuchte mich jeden Sonntag, welches dann allemal ein Festtag für mich war. Während meines Aufenthaltes in Sisterdale fiel dort eine schauderhafte Szene vor. Der 22jährige Sohn von Dr. Runge wurde von Indianern eine halbe Meile von seinem Hause ermordet und scalpiert. Er hatte 5 Pfeilwunden, und einen Messerstich in der Brust, und er wurde nackt und entstellt gefunden. Entsetzlich für die armen Eltern und Geschwister. 9 junge Leute alle Freunde von dem jungen Runge verfolgten die Indianer mehrere Wochen, und wie sie ihnen dicht auf den Fersen waren steckten die Indianer die Prärie in Brand, so daß sie die Spur nicht mehr verfolgen konnten. Otto kam mit H. Stockmanns in der Nacht an, um nicht von Indianern gesehen zu werden, er brachte kein Pferd für mich mit, weil er nicht wußte, daß ich schon mitreiten konnte. Dr. Kapp schlug es ab uns ein Pferd zu leihen, Otto wandte sich an Herr Degener, dieser lieh uns nicht nur ein Pferd bis Curres-Kreek , sondern begleitete uns auch mit seinem Sohn bis dahin. Der Sohn schoß unterwegs einen Hirsch, welchen er uns schenkte. Von Curry's-Kreek mußte Otto und Herr Starkmanns abwechselnd zu Fuß gehen. Meine Freude, meine geliebten Kinder und die gute Tante Hanchen wiederzusehen, war groß und ich mußte Freudenthränen weinen. Einige Tage darauf verabschiedete ich den lästigen Stockmanns, welcher immer zum Eßen kam, ohne dafür irgend etwas zu arbeiten. Otto behandelte ihn bei Tisch sehr abstoßend, wollte ihm aber nicht den Laufpaß geben, weshalb ich dies übernahm. Dann hatten wir 14 Tage lang Herbst und Bindseil in Kost und Logis. Herbst machte eine Dannstie (?) Decke ins Wohnzimmer, gerbte einige Bärenfälle, und machte Bridle's und andere Sachen. Bindseil zimmerte das Gerüst zu unserer neuen Küche. An einem Tage, bei heftigem Sturm flog das Dach von unserm Rauchhause, es war jedoch noch nicht mit Schindeln gedeckt. 12 Tage vor Weihnachten fuhr Otto nach Seguin, und kam erst 3 Tage vor den Feiertagen zurück. In diesen 9 Tagen habe ich dem Store allein vorgestanden, und mußte dadurch leider meine Wasserkur die ganze Zeit aussetzen. Otto brachte unsere liebe Mutter und Helene mit von Seguin. Mutter war 4 Wochen bei Julius und Anna gewesen, welche Letztere den 5. Dec. auf Titi's Geburtstag mit einem kleinen Söhnchen nieder gekommen war. 

December. 1856.

Die Weihnachtstage waren wir recht vergnügt zusammen. Da Mutter vergaß, uns die Speculatiusformen mitzubringen, so machten wir allerlei Phantasiefiguren wobei wir viel Spaß hatten. Christabend ging ich auf Tante Hanchen's Zimmer, wo Mutter und ich das Bäumchen geschmückt hatten, und legte die Geschenke zurecht. Otto kam diesesmal am schlechtesten weg, denn da ich keine Zeit hatte, ihm etwas zu machen, und keine Gelegenheit etwas zu kaufen, so backte ich ihm 3 Äpfelkuchen, welche er so gerne ißt. Otto überraschte mich mi