| Elise Wuppermann Texanische
Tagebücher 1850-1860
Abgeschrieben und herausgegeben von
Gerhard Vowinckel Nerzweg 6 22159 Hamburg Deutschland
Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.
Deckelinnenseite auf einem eingeklebten Blatt mit den eingeprägten
Initialen E W:)
Alles mag auf dieser Welt, über gehn, sich ändern, Freud und
Leid nicht dauernd hält, Ewig aber meine Liebe. Was Gott will, gescheh'
all'zeit, Ihm wollen wir vertrauen, Gläubig auf ihn schauen. Dich
zu lieben, mein Leben Dir zu weih'n Einzig nur von dir geliebt zu sein,
Ist mein höchstes Glück; mein Wunsch auf Erden, Nie von dir getrennt
zu werden! -
Von deiner treuen Elise. Life-oak-hill, den 11. Juni, 1850.
I. Mein Tagebuch,
Angefangen, den 29. September 1850, am ersten Tage unserer Verheirathung.
Nach meinem Heimgang (Tode) sollen meine texanischen und deutschen
Tagebücher, und Briefe in den Besitz meiner geliebten Tochter, Clara
Tafel übergehen. Nach ihr, sollen dieselben auf Lily Thomae, und nach
Lily, auf Laura Vowickel kommen. Düsseldorf, den 9. Nov. 1915 Eure,
Euch innig liebende Mutter, Joh. Elise Wuppermann
Tagebuch
29. Sept. 1850. Gestern feierten wir unsere Hochzeit, ein glücklicher,
seeliger Tag, ein Tag, voll froher süßer Erwartung, voll Liebe
und Seeligkeit!
Mein geliebter Otto und ich wurden 5 Uhr Abends auf dem Hofe unserer
lieben Mutter unter einer schönen Ulme von Prediger Joung getrauet,
er hielt eine schöne inhaltreiche Rede. Die Gäste, Jettchen und
Bianca Nohl, Minchen Lenhsen (?), Herr Ferguson, Schmiedt, Krochmann, Fischer.
Koenemanns, Heusinger, und meine liebe Mutter und Geschwister, welche im
Kreise um uns standen, gratulirten und umarmten uns auf innigste. O Vater,
o Clara, ihr fehltet mir noch gar zu sehr, warum verließet ihr uns
so früh? Doch wie egoistisch von mir, so zu klagen, Ihr habt ja nun
kein Leid, keine Schmerzen mehr, und seid bei unserem gütigen Vater
im Himmel!
Nach der Trauung tranken wir ein Glas Wein und gingen dann ins Haus
zum Eßen. Unter anderen hatten wir einen schönen Sandkuchen
von Herrn Tillmann, einen Stärkepudding von Jettchen, einen Reiskuchen
vom mir, verfertigt. Schinken, Rinderbraten, Kartoffelsalat, vor dem Essen
Boullon, nachher Thee. Die Gäste baten uns, etwas zu musizieren, worauf
Hermine und ich einige Duette sangen, wonach mich Minchen in unser liebes
Häuschen begleitete. Mein lieber Otto war schwarz gekleidet, mit weißer
Weste und Rosenbouquetchen im Knopfloch. Nachdem ich angekleidet war, befestigte
mir die liebe Hermine das von ihr verfertigte Myrthenkränzchen ins
Haar, und meine theure Mutter überraschte mich, indem sie mir eine
schöne mit Diamanten besetzte Nadel, ein Geschenk meines lieben Otto,
überreichte, und an die Brust heftete. Otto trug eine Uhrkette aus
meinen Haaren, ein Geschenk meines Bruders Julius. Als Hochzeitsgeschenke
bekamen wir, von Louis und Jettchen ein Dutzend flache Teller und Salatgabel
u. Löffel mit silbernem Griff; von Herrn Ferguson, einen Suppenlöffel,
ordinäre Salatgabel und Löffel und einen Waßereimer von
Zedernholz mit kupfernen Reifen, von Minchen einen hübschen Bettüberzug,
von Herrn Schmidt 4 Enten (?), und von Herrn Be- chem ein hübsches
Kästchen, welches wir aber erst nach seiner Abreise erhalten. Heute
Morgen machte ich uns ein gutes Biefsteak, Nachmittags, besuchten uns die
Mutter und Geschwister. Dienstag den 15 Okt. Heute theilte uns Louis mit,
daß sich die liebe Minchen mit Gustav Heusinger verlobt habe. Eduard
schoß einen großen Hirsch.
Oktober 1850
Sontag, den 19. Okt. machten wir eine kleine Tour um Pekanüsse
zu suchen. Mutter und Geschwister fuhren, Otto und ich ritten. Wir verbrachten
den Tag recht vergnügt, Aßen Mittags ein Butterbrod mit Eiern,
suchten fleißig Nüße und kehrten früh wieder nach
Hause. Die arme Helenchen hatte Fieber, zur Abwechslung kizelte ich meinen
Bären ein bischen, wofür er mich mit seinen großen Tatzen
, tüchtig in die Füße kniff.
Dienstag, den 21. Okt. Heute machten uns alte vom Steins ihre Abschiedsvisite,
ich gab ihnen Ottos Zeichnungen (von Mutters Farm) an Tante Hanchen nebst
einem Briefe mit.
Mittwoch, den 22. Okt. Heute morgen kaufte Otto 2 Kühe mit jungen
Kälbern von Narvarra, und trieb sie mit Herrn Krochmann in die Panne,
wir gaben ihnen die Namen Mina und Bianca. Dann schlachtete Otto das erste
Schwein, ein kleines Spanferkel.
Den 29. Okt. Mein lieber Otto hat eine dicke, geschwollene Backe und
Zahnschmerzen. Heute morgen holte er unsere 4 Schweine von Willow Springs.
Gestern besuchte uns Herr Reinbach, welcher in Begriff war, nach Deutschland
zu reisen, um seine Mutter und Schwestern zu holen. Sein Fuhrmann brachte
die beiden Damensättel mit für Mutter und Hermine. Die Letzteren
besuchten mich gestern Nachmittags.
Den 25. oct. brannte und markte Otto mit den Herrn Bechem und Krochmann
unser Vieh, die Herrn blieben zum Mittagessen bei uns.
31. Okt. wurde unser Hühnerhaus fertig, Otto schoß eine große
Ratte todt, das Geschwür am Zahn hat Otto durchge- schnitten, und
die Geschwulst und Schmerzen hören auf. Herr Schmidt reist nach Indianola
um seine Frau abzuholen, und wird uns Proviant einkaufen. Julius ist in
Seguin, um die Hobelbank zu machen. Herr Tillmann besucht herrn Bechem,
er hat eine schlimme Hand, war heute hier. Ich goß 98 ?????? mit
Wachs für künftigen Sommer.
November 1850
2. Nov. Otto schlug heute mit Herrn Schuchardt das Haus unten herum
zu. Morgens früh lag ein Schwein todt in der Penne. Mein lieber Mann
verkaufte heute die erste Butter 2 Pfd., zu 20 L. das Pfd. Heute Abend
schlug Otto mit herrn Sch. im Rauchhaus eine große Stinkkatze todt.
Sontag, den 3. Nov. Otto machte heute Morgen ein allerliebstes Kästchen,
mit Herrn Schuchard, indem er mir sagte, es sei für unsern kleinen
Caro, nach Tisch gestand er mir aber, es sei für zwei Tauben bestimmt,
welche er, bei dem Kaufe von Mina u. Bianca von Navarra erbeten, und für
mich bestimmt habe. Der gute, liebe Mann! Nachmittags ritten wir hin nach
Navarra, die Tauben zu holen. Die Damen waren sehr artig, schenkten uns
noch 2 junge Tauben, 3 Stangen Zuckerrohr, Blumen, und zeigten mir den
schönen großen Spring.
Den 4. Nov. Mein liebes Männchen schmiert mit H. Setsu die Küche
aus, und fand unter dem Kamin eine kleine Eierschlange, die 3te seit 5
Wochen, ich tödtete früher 2 große Moccassin-Schlangen,
eine an der Quelle, die andere in der Küche im Salzbad.
7. Nov. Brill (?) brachte heute Morgen ein Viertel von einem Bief, dieses
wurde eingesalzen, und morgen geräuchert. Die arme Mutter hat leider
das Fieber wieder. Herr Krochmann brachte Otto Briefe von unserm lieben
Vater und Schwester Laura, welche leider die traurige Nachricht von dem
Tode unserer lieben Schwester Mathilde enthielten. Drei liebe, theure Verwandte
sind in diesem Jahre von uns geschieden, das ist sehr schmerzlich! Den
28. Sept. an unserem Hochzeitstage waren die Briefe abgegangen.
8. Nov. Otto fand heute beim Aufräumen im Kornhause eine Eierschlange.
Heute Morgen trieb er mit Herrn Krochmann unsere ???? in die Penne. Gegen
Mittag schoß mein lieber Mann eine große Ratte im Rauchhaus.
9. Nov. Ich brannte u. mahlte ein Säckchen Caffee für einen
Amerikaner welcher an die Fenz kam und darum bat, für 20 c.
14. Nov. Otto kaufte den Cid und war einige Tage in Seguin, wegen Herrn
Bechems Process.
15. Nov. Herminens Geburtstag, mein lieber Otto machte das Appartement
fertig, woran ihm meine Brüder halfen. Sehr angenehm und plaisirlich
ist das Butter verkaufen, bis jetzt habe ich schon 2 1/2 Dollar für
Butter eingenommen.
17. Otto brannte mit Mr. Rogers Herrn Bechem und Julius , den Ali, den
Cid und die Mary. Dann schlachteten wir eines der drei Schweine für
den Winter.
18. Sontag, Wir ritten mit Mutter, Julius und Hermine nach Seguin, und
besuchten Tom Johnsten und Klasing. Abends tranken wir bei Mutter den Caffee.
Otto hat eine kleine Geschwulst am Beine.
December 1850
6. Dec. Otto schlachtete mit Julius 2 Schweine, eins von 128, das andere
von 140 Pfd. Wir hatten einen doppelten Norder von 6 Tagen und 5 Grad Kälte,
Otto's Geschwulst und Schmerzen haben bedeutend nachgelassen.
8 Dec. Mein lieber Otto schoß ein Eichhörnchen, eine Ente
und ein Rebhuhn.
13. Dec. Otto trieb mit Herrn Krochmann und Bechem die Rose mit einem
schönen Kuhkalbe in die Penne. Tags vorher machten wir Bratwürste
und Panhas. Von der Kälte litte ich sehr.
14. Dec. Otto ritt heute Morgen nach Braunfels, um sich Pferdegeschirr
zu kaufen, und verlor in Seguin seinen Plänket (?), welchen Herrn
Tillmann wiederbrachte. Ich war den ganzen Tag bei der Mutter, da Otto
erst Morgen wiederkommen will, so bat ich Eduard bei mir zu schlafen, was
er auch that. Nachmittags bekam Mutter Besuch von Rogers und Brills, wir
musierten, was ihnen sehr gefiel.
Es ist zum todtlachen, wenn die Mutter englisch spricht, so sagte sie
z.B. zu Miss Perregh, Et is heute werri wärm, zu Mr. Rogers: Iß
yü Moder well? Mr. R.: Jes Mem. Mutter: Jes Mem?
15. Dec. Seit einigen Tagen bin ich immerwährend übel, sehr
frostig und müde, wenn es wirklich die Ursache von dem ist,was Mutter
glaubt, so würde ich mich unaussprechlich freuen.
21. Eduard schoß heute 5 Haasen, von denen er uns 2 brachte. den
15. kam Otto von Braunfels zurück, und brachte ein junges spanisches
Pferd mit, welches er in Br. zu 10 Doll. gekauft, und Fritz genannt hatte.
24. Wir bekamen heute Besuch von Herrn Krause und einem andern Mann,
Namens Maurer, welche die Nacht bei uns blieben. Nachmittags machte ich
ein Christbäumchen fertig, woran zu Lichterchen ein Stück Wachsstock
benuzt wurde. Morgens backte ich Spekulatius. Mein liebes Ötterchen
holte Abends die Kinder bei der Mutter ab, welche einen Teller mit Speculacius
und eine Kleinigkeit dazu bekamen. Als ich sie kommen hörte, steckte
ich den Baum an, welcher ganz nett war. Ottöchen über- raschte
mich mit einem schönen Waschkorbe und einer Gießkanne, welche
mir sehr lieb sind, ich schenkte ihm 1 paar Stiefel, 1 paar hirschlederne
und 1 paar wollene gehäckelte Handschuhe und 1 blaue Schreinerschürze.
Wir waren alle sehr vergnügt und tranken ein Gläschen Punsch
zusammen. Wie gut ist mein lieber theurer Otto, und wie sehr liebe ich
ihn!
25. Dec. Erster Weihnachtstag, schlechtes Wetter, den ganzen Tag Regen.
Wir hatten eine kleine Gesellschaft zum Mittagessen, Mutter und Geschwister
und die Herrn Bechem und Krochmann. Mittags ein schönes Essen: einen
gebratenen Puter, Nudeln, Potetossalat, Schnitzeln, Kastanie und Apfelpai.
Nachmittags spielten wir Ko- mödchen, und tranken um 8 Uhr, wozu ich
zweierlei gutes Brod, Rauchfleisch, Butter, Käse und Apfelpai aufsetze.
Dann plauderten wir noch etwas, und sangen ein Weihnachtslied.
26. Die vergangene Nacht und heute immer Regen, unsre Betten mußten
wir in die Stube ???????
Januar, 1851
Montag, den 6. Wie freue ich mich, wieder in unserm lieben Häuschen
zu sein, meine lieben Kühe wieder melken zu können, und meinem
lieben Männchen wieder seine Lieblingsspeise, warmes Maisbrod zu backen.
Silvesterabend waren wir bei unserer lieben Mutter, wo wir ein Glas Punsch
tranken. Neujahrmorgen traten wir unsere Reise nach dem Zibolo an, zuvor
ritten wir zur Mutter, um ihr zum neuen Jahr zu gratulieren, die arme Frau
lag im Bette und hatte das Fieber. Es war so kalt, daß wir, um uns
zu erwärmen mehrere Mal tüchtige Strecken zu Fuß gingen,
wo dann Otto die Pferde führte, ich aber hinterherlief und die Pferde
mit einem Stocke antrieb. Mittags 1 Uhr kamen wir bei Nohls an, die Guadaloupe
war so klein, daß wir durchreiten konnten. Abends waren wir bei Ferguson
zum Thee, wo wir uns gut amüsirten. Da Fritz lahm war, lieh Otto bei
Ferguson die Bill, ein herrliches Pferdchen, welches ich nach dem Zibolo
und zurück, ritt. Otto war so heiser, daß er kaum sprechen konnte.
Den 2. ritten wir, zu Riotte, unterwegs stieß der alte Niels zu uns,
welcher uns den nächsten Weg zeigte. Herr Wallrath und Frau Riotte
empfingen uns sehr freundlich, Herr Riotte war nach San Anton, kehrte jedoch
abends zurück. Wir blieben bis Sonntag morgen, wo uns Herr Wallrath
nach Braunfels begleitete. Indeß ich mich mit der lieben Frau Riotte
und ihren Kindern unterhielt, machte Otto manchen Ritt in die Umgegend,
deren Hauptzweck war, Wagen zu besehen, den letzten Morgen fand er endlich
einen, welchen er wahrscheinlich kaufen wird. Den 3. waren wir Nachmittags
bei Brachts zum Caffee, Frau B. und ich freuten uns gegenseitig, uns wieder
zu sehen, sie war gesund und munter, sie wohnten recht nett, in einem kleinen
hübschen Häuschen. Frau Bracht versprach mir, uns recht bald
zu besuchen. Den 4. ging ich mit Frau Riotte zu Perimann, welche das Pianino
von alte v. Steins gekauft haben. Nachdem ich die liebe Familie Riotte
näher kennengelernt habe, bedaure ich es doppelt, daß sie nicht
ganz in uns'rer Nähe wohnen. Wir erkälteten uns beide sehr, besonders
ich bekam einen heftigen Husten. In Braunfels trafen wir Heusinger, welcher
uns von Minchen den 30. Dec. als ihren Bräutigam vorgestellt war,
sie logierten Nachts bei uns und ritten den andern Morgen mit Bianca, Goldbeck
und Seele, welche mit ihnen kamen, nach Braunf. zurück.
7. Gestern bei unserer Rückkehr hörten wir, das ein Huhn krepiert,
und die eine Taube verunglückt sei. Otto trieb heute mit Herrn Krochmann
die wilde Nonne (?), welche uns fortgelaufen war, wieder ein, er arbeitet
wieder an der Fenz auf Willow Spring
13. Unsere liebe Mutter entschloß sich Gestern auf unser aller
Bitten, Louis' und Jettchens Einladung nach Braunfels zu folgen, um sich
zu erholen und endlich das Fieber los zu werden, Julius fuhr sie heute
morgen hin, ich hoffe auf Gott, und bitte ihn, daß er sie bald in
unsere Mitte gesund zurück- führe.
17. Wir haben wieder einen tüchtigen Norder. Den 14 besuchte uns
Herr Runge , und theilte uns die freudige Nachricht mit, die erwarteten
Kisten seien unterwegs, er logierte Nachts bei uns. Den 15. besuchte uns
Herr Riotte, er kam, um eine Negerinn (?) zu miethen. Abends gingen wir
hinauf und musizirten, welches Herrn Riotte sehr amüsirte. Otto brachte
endlich Briefe von Deutschland, worunter 5 an Mutter, 2 an Julius, und
1 von Ohm Hermann an mich. Herr Krochmann hilft Otto die Fenz dicht machen,
und das Thor an der Kuhpenne verbessern. Gestern Morgen ritten Herr Bechem
und Otto mit Herrn Riotte um den Wagen von Maclöln zu holen.
17. Otto ist noch nicht zurück gekehrt, jedenfalls hällt ihn
der Norder zurück, welcher heute wieder mit aller Gewalt wüthet,
und braust. Ich machte heute ein kleines Gedicht für ihn, überschrieben:
"Hihsenbeinchens Heimkehr." Walter und Helenchen schlafen bei mir.
Sonntag, den 19. Jan. Gestern Abend kam mein lieber Otto zurück,
er brachte den Wagen, und die beiden längst erwarteten Kisten mit
den Hochzeitsgeschenken mit. Gestern Abend packten wir noch die größte
aus , und heute Nachmittag die kleinere. Sie enthielten beide schöne
Geschenke, unter anderm 1 silbernen Suppenlöffel, 1 Dutzend neusilberne
Suppen- u. dito Theelöffel, 1 Dutzend Dessert-Messer und Gabel 1 Dutzend
Fischmesser (?) u. Gabel, 1 Thee- u Löffelkistchen, 2 Stücke
Leinwand und viel Gebild (?). Ferner eine schöne Gewürzdose,
2 Säckchen mit Pflaumen, ein große Büchse voll Thee, Gartengeräthschaften,
eine schöne Lampe mit 6 Gläsern 3 Glocken, und 12 Dutzend Lampenwinken
(?) Zwirn, Litze; für Otto ein Tabaksbeutel, für mich 1 Geldbeutel,
und 1 hübsches Kindermützchen, u.a.m. Diese schönen Geschenke
machen uns viel Vergnügen. Für H. Könemann war auch ein
kleines Päckchen beigefügt, woraus wir ein Stück Kistekuchen
(?) machten. Otto liegt zu Bett, in voriger Nacht mußte er sich tüchtig
übergeben, wahrscheinlich wegen Überladung des Magens. Julius
ritt heute Morgen nach Br., um der Mutter die von Deutschland angekommenen
Briefe zu bringen u. sich nach ihrem Befinden zu erkundigen.
24. Jan. Wir hatten Besuch von Prediger Kleist, welcher uns recht gut
gefiel. Brief von Mutter, sie hat leider das Fieber wieder.
26. Ich wurde heute 21 Jahre alt mein lieber Otto schenkte mir eine
Matratze, Hermine einen Pflaumenkuchen. Julius aß zu Mittag mit uns,
wir hatten Hasenragout mit Nudeln und Pflau- menkompot.. Nachmittags ritten
wir alle in die Kirche, und Abends tranken alle Geschwister Thee mit uns,
ich bin also nun 21 Jahre alt, vor einem Jahre kannte ich meinen theuren
Otto kaum, und bin jetzt schon über 4 Monate seine Frau, der liebe
gute Gott lasse uns noch lange vergnügt und sorgenfrei und wie jetzt,
einander herzlich liebend zusammen leben!
27. u 28. Otto und ich arbeiteten beide den ganzen Tag im Garten, Otto
grub ihn ganz um, indeß ich harkte und säete.
Februar. 1851
4. Heute Morgen ersäufte ich unsere kleine Katze, weil sie es mit
dem stehlen zu arg machte. Morgen fahre ich mit Eduard nach Braunfels um
die Mutter abzuholen.
7. Gestern kam ich von Braunfels zurück, Mutter ist leider noch
immer nicht gesund, Frau Ferguson hat ein todtes Kindchen bekommen, die
arme, arme Frau wie dauert sie mich. Minchen kam mit uns, um 4 Wochen hier
zu bleiben. Vorgestern Morgen begleitete ich sie mit Eduard nach ihrer
künftigen Farm, welche mir recht gut gefiel. Otto verpflanzte heute
die Pfirsichbäume, wobei ich ihm half.
März. 1851.
9.) Heute ging ich mit meinem lieben Mann zum Abendmahl, die Rede von
Pastor Kleist erbauete mich durchaus nicht, ebenso war die heilige Handlung
lange nicht so feierlich, wie in Deutschland. Mutter und Hermine gingen
ebenfalls zum Abendmahl. Diesen Abend waren die Herren Bechem, Runge und
Listig zum Thee bei uns. Das Wetter ist außerordentlich warm und
schön jetzt.
10. Christian, der Junge, welchen Otto zur Hülfe gemiethet hat,
bekam heute in Folge heftiger Erkältung das Fieber, Otto schrieb deßhalb
an Dr. Morgan. Vor einigen Tagen war Bianka (?) hier, um uns ihren Bräutigam
vorzustellen, sie nahmen Minchen wieder mit zurück. Otto wurde heute
mit pflanzen des Korns fertig.
Vor einigen Tagen hatte Otto mit Hermine einen kleinen Streit wegen
Hans (Pferd), welcher jedoch jetzt wieder glücklich beigelegt ist.
Mittwoch, 12. März holte uns Edmund v. Stein mit Fergusons Wagen
nach Braunfels, um in dem Liebhaber Conzert mitzuwirken. Hermine und ich
fuhren mit, Eduard ritt, und Otto kam den andern Tag nach. Ich besuchte
Frau Ferguson und trank Cakao mit ihr. Abends fand das Conzert statt, den
13. Hermine und ich spielten die Ouvetüre aus dem Califen von Bagdad,
und sangen das Duett aus dem Freischütz "Schelm halt fest", ich sang
die Arie aus Robert dem Teufel, Herr Listig, Fräulein Dittmar, Eduard
und Hermine spielten abwechselnd. Nach dem Conzert war Ball und ich hatte
das Vergnügen, einigemal mit meinem lieben Männchen zu tanzen.
Mitunter wurde Caffee, Thee und Wein mit feinem schönem Backwerk herumgereicht,
so wie auch guter Kartoffelsalat, Sülze, Butterbrod, mit Kalbs-, Schweine
und Puterbraten. Wir amüsirten uns sehr gut und gingen erst gegen
1/2 2 Uhr Nachts nach Nohls. Den andern Tag regnete es, wir konnten erst
Freitags wieder nach Hause, Herr Seele fuhr uns. Er machte Hermine den
andern Tag einen Antrag, welche ihn aber natürlich nicht annahm. Wir
verkauften an Louis 72 Pfd. Speck, welchen Herr Seele mitnahm.
Den 16 März wurde das Clavier bei Mutter abgeholt, Abends 9 Uhr
durch die Herrn Morgan und Hill, wann wird ein neues da sein? Mutter verkaufte
es zu 200 Dollar.
Den 25 fing ich eine Stinkkatze im Schlafzimmer, Otto war nicht zu Hause,
ich rief Julius und Eduard, der Letztere schoß sie todt.
Den 27. trieb Otto die Altsche und Flora mit jungen Kälbern ein,
Christian hat das Fieber, auch ich bin seit gestern Morgen sehr unwohl.
April. 1851
den 10. April machte ich 18 Pfd. Butter ein, zu unterst 4 Pfd. von mir,
dan 4 Pfd. von Mutter, und zuletzt 10 Pfd. von Frau Brill. Den 11. grub
sie Otto im Rauchhaus in die Erde.
Den 13. bekam die Nami in der Kuhpenne ein todtes Kalb, den 14. starb
das Kalb von der Alma.
Den 17. ritt ich mit Mutter, Otto u. Hermine nach Seguin, wo mir Dtr.
Morgan zur Ader ließ, wobei mir sehr schlecht wurde.
April. 20 Ostern. Wir aßen Mittags nebst Herrn Bechem bei der
Mutter, Puter, grünen Salat mit Eiern und Schnitzeln, nach Tisch kamen
Navarro's, welche weil es Abends regnete, bis den andern Morgen da blieben.
Ich ritt mit Otto, Herrn B. Julius und Eduard zur Kirche, Pastor Kleist
predigte recht schön. Abends tranken wir den Thee bei der Mutter,
aßen Ostereier und Reiskuchen. Den 2ten Ostern wurde nichts aus der
Parthie zu der Quelle des Geronimo, Otto arbeitete den ganzen Tag im Felde.
26) Heute bekam ich Briefe von Deutschland, von Tante Hanchen, Louise
Korte, Schwester Laura und deren Tochter Laura, Otto von Tante Hanchen,
und Schwager Hösterey.
Juni. 1851.
22) Lange schrieb ich nichts in mein Tagebuch und muß deßhalb
ziemlich weit nachholen. Vor 3 Wochen kam Staeheli uns zu besuchen, oder
vielmehr um Hermine zu sehen, auf welche er von James (?) Ferguson u. Frau
Riotte aufmerksam gemacht worden war. Sie gefiel ihm sehr gut und er versprach
uns in 14 Tagen einen zweiten Besuch. Frau Theisen machte uns mit ihrem
Manne den ersten Besuch. Den 8. (erster Pfingsttag,) aßen wir bei
Mutter Hirschbraten von Goldbeck und Fietzebohnen, Frau Opem (?) und Perrig
(?), herr Bechem und Herr und Frau Schmitt aßen ebenfalls dort, die
beiden ersten uneingeladen. Den 9. (zweiter Pfingsttag) fuhren wir morgens
6 Uhr zum Gernonimo Spring, auf Louis und Goldbeks Land. Herr Bechem, Fischer
und Pröbsting, so wie Mrs. Cooke, Cäcilie und Josepha Navarro
gingen mit. Die beiden Goldbeks hatten einen langen Tisch und Bänke
an einer schönen Stelle im Bottom aufgeschlagen. Mit den Braunfelsern
waren unserer 29 Personen. Fritz Goldbek schoß 2 Fische, welche sich
Jettchen beide zueignete. Wir hatten uns gut mit Proviant versehen, kalten
Puter, Rauchfleisch, Eiern, Brod, Butter, Weintraubentorte, und Ottokuchen
(?). Navarros hatten Ceeks gebacken. Gegen 6 Uhr Abends gingen wir und
nahmen einen Baum mit Honig aus, aßen aber fast alle zu viel, was
uns sehr schlecht bekam. Gegen Abend wurden bei dem schönsten Mondschein
gesellschaftliche Spiele gespielt, und einige hübsche Lieder gesungen.
Pröbsting wurde sehr fexiert indem ihm vor und nach sein Plänket,
Sattel, Wyskyflasche und Stiefel weggenommen wurden. Eduard spielte zum
Tanz auf, mein armer Otto tanzte auch einigemal aus Pflichtgefühl,
obgleich er sich sehr unwohl fühlte. Theodor Goldbek hatte sich einige
Tage vorher mit der Axt arg in den Fuß gehauen. Wir amüsirten
uns recht gut und fuhren andern Morgens 10 Uhr wieder nach hause. Otto
fuhr den Tag darauf mit Herrn Schmitt wieder hin, um die Bienen zu holen,
welche aber vor einer halben Stunde fortgeflogen waren.
14.) Kam Staeheli wieder, Abends nach Tische gingen wir alle zusammen
zu Herrn Fischer, Herr Bechem trug die Mutter und Herr Staeheli Hermine
durch den Creek, ich ritt. 16.) ritten wir nach Seguin, besuchten Frau
Theisen und spielten Clavier, Herr Bechem war auf dem Rückweg ein
bischen drüben (?). 17.) Nach dem Essen machte Herr St. Hermine einen
Antrag, diese bat sich 14 Tage Bedenkzeit aus.
19.) Otto ritt nach Braunfels um sich bei F. noch näher nach dem
Charackter St. zu erkundigen, diese gaben ihm die besten Zeugnisse. Er
ritt auch zu Ölkers wegen einem Mädchen zur Hülfe für
mich, dieses hatte jedoch einstweilen nicht überredet werden können.
Bekäme ich doch bald wenn auch nur eine kleine Hülfe, das viele
arbeiten wird mir immer saurer. Du lieber Gott, noch einige Wochen und
wir haben schon ein liebes Kind, was werde ich aber vorher noch alles zu
leiden haben! Wäre es doch schon glücklich da, wie werden wir
das liebe Kind beide lieben und uns bemühen, es zu einem guten und
frommen Menschen zu erziehen. Lieber Vater im Himmel gieb Du Deinen Segen
dazu!
Wenn nur mein theurer Otto gesund bleibt, er fühlt sich leider
seit einiger Zeit oft unwohl!
20.) kam mein lieber Mann gesund und munter von Braunfels zurück
den 21.) ritt er nach San Anton um auf der der, dort den 23. stattfindenden
Auktion womöglich den wilden "Fritz", seine goldene Uhr und Pistolen
zu verschwappen. 23.) Montag, der alte Luziano Navarro lud uns und Herrn
Bechem zur Feier seines Geburtstages ein, sein ältester Sohn holte
uns mit dem hübschen neuen Wägelchen ab. Wir waren den ganzen
Tag recht vergnügt und aßen die ersten sehr schönen Wassermelonen
diesen Sommer. Der junge Navarro fuhr uns wieder Abends nach Hause. Das
ist eine recht liebenswürdige Familie!
25. kam Otto gesund und munter von der Reise nach San Antonio zurück,
ohne jedoch etwas gekauft oder verschwappt zu haben. Von Kampmann u. Frau
wurde er freundlich aufgenommen. 28. Die 14 Tage Bedenkzeit waren zwar
noch nicht abgelaufen, allein Hermine hatte Johann Staeheli durch Otto
sagen lassen, er möge heute kommen. Wir luden Mutter und Hermine Abends
zum Thee mit Puffertskuchen ein, damit Johann und Hermine eine ungestörte
Unterhaltung hätten. Nach Tische ließen wir sie im Zimmer allein
und nachdem die Unterredung etwa eine Stunde gedauert, tranken wir alle
ein Glas Wein auf die Gesundheit der Verlobten. Hinkfuß mit Kalbringetrieben
(?)
Otto rasierte sich Herminens Verlobung zu Ehren den Bart ab ???
Juli 1851
4. Otto war mit Herrn Bechem, Eduard, Gustav u. Walter in Seguin zum
Diner, wo sie sich ziemlich schlecht amüsirten, Johann und Hermine
in Braunfels um sich als Brautleute vorzustellen, Julius mit ihnen, um
von dort den andern Tag über den Zibolo nach San Anton zu gehen, wo
er sich Arbeit suchen will.
10. Mein lieber Otto ritt heute Morgen abermals nach Hordeville und
Braunfels um ein Mädchen für mich zu miethen. Gestern Nachmittag
hatte der arme Mann schreckliche Zahnschmerzen, er war zur Mutter gegangen,
um Kaffeebohnen für mich zu brennen, da mir die Hitze schädlich
ist, mußte jedoch aufhören. Gegen Abend schoß Otto eine
große Schlange an der Quelle todt.
Gestern hatte ich einen solchen Schrecken, das ich ganz außer
Athem war und am ganzen Körper bebte. Die tückische Horn schlug
mir näm(lich) dreimal so schnell sie konnte in den Milcheimer, wofür
sie von Otto mit Peitschenhieben traktiert wurde. Ich hatte eine sehr schlechte
Nacht darauf und schreckliche Träume, wenn nur mein süßes
Kindchen nicht darunter gelitten hat!
13. Otto hatte gestern wieder Zahnschmerzen und legte deßhalb
2 spanische Fliegenpflaster (auf). Heute Morgen lieh er bei Navarro den
Wagen, um ein Mädchen für mich in Hordenville zu holen und brachte
für uns und Mutter jedem 5 schöne Wassermelonen mit. Helenchen,
Gustav und Walter sind in Braunfels, Julius hat das Fieber. Auf heute Mittag
luden wir Mutter, Johann, Hermine und Eduard zum Essen ein. Wir hatten
Hasenbraten mit Sava???? und Vietzebohnen von Mutter, und Reispudding,
nach Tische tranken wir ein Glas Ingwerbier. Johann bekam das Fieber, Otto
fuhr gegen 5 Uhr nach Hordenville, wie ich ihm so nachsah, wurde mir so
traurig zu Muth, daß ich weinen mußte, ich wußte selbst
nicht warum, möge es doch keine Ahnung vor einem bevorstehenden Unglück
sein, lieber Gott bewahre doch meinen geliebten Mann! Diese Nacht schlafe
ich ganz allein auf der Gallerie.
21. Den 14. brachte Otto Hanchen mit, ich bin bis jetzt zufrieden mit
ihr, denn sie zeigt viel Lust zur Arbeit nur hat sie einige unangenehme
Fehler, zu vieles Sprechen, Naschhaftigkeit, und Hang zur Unwahrheit, ich
hoffe jedoch ihr diese Fehler mit der Zeit und Gottes Hülfe anzugewöhnen.
Julius hat seit 11 Tagen das Fieber, ist jedoch Gott sei Dank auf der Besserung.
Doktor Morgan behandelt ihn, er ist noch sehr schwach. John lag ebenfalls
einige Tage schwer am Fieber krank. Otto ist mit dem Blätterfuttermachen
beschäftigt, er hat bis jetzt 350 Bündel und wird noch 150 machen.
Herr Schmitt (Johannes) hatte die Cholera, und war gefährlich krank,
ist jetzt auf der Besserung. Es ist heute Montag, ich wasche diese Woche
zum letztenmale vor meiner Niederkunft, denn es wird mir jetzt sehr sauer.
Helenchen ist schon seit 14 Tagen in Braunfels bei Nohls, hat aber wie
John schrieb zuweilen das Heimweh. Gestern Mittag aß Herr Bechem
bei uns, ich hatte Suppe, einen großen Haasen, welchen Otto geschossen,
Savainn(?) und Traubenkuchen. Heute Mittag verzehrten wir einen Waschbären,
welchen Eduard am Milkreek geschossen hatte. Den 15. hatte mein lieber
Otto seinen Geburtslag, er wurde schon 33 Jahre alt. Ich backte ihm einen
Weintraubenpai und machte ein kleines Gedicht dazu. 2 paar blaue Hosen
für den Werktag schenkte ich ihm schon 6 Wochen vorher, da er sie
sehr nötig hatte.
24. Heute Morgen ritt Otto mit Mutter wegen einer Hebamme für mich
nach Seguin, Otto sprach deßhalb mit Mihst. Dee, er brachte auch
Briefe mit von Deutschland, einen von Vater, einen von Bruder Ernst und
einen von Bruder Gustav. Nachdem Mutter und Otto gefrühstückt
ritt letzterer nach Seguin der dortigen Prüfung beizuwohnen, nachdem
er vorher bei der Beerdigung von Springers Kind zugegen gewesen.
25. Jahrestag von Clara's Tod. Ich machte einen Kranz, welchen wir auf
der Unvergeßlichen Grab legten. Den 27. ging ich mit Mutter und Eduard
wieder hin, der Kranz war von den Ameisen schon beinahe ganz zerstört.
Julius ist auf der Besserung. John und Hermine machten bei Navarro's und
Herrn Fischer Brautvisiten. Otto ist unwohl und nimmt Pillen zum Abführen
ein.
August. 1851
Den 5. wurde unser liebes Klärchen geboren den 4. Montags ritt
Otto nach Seguin, wo er den ganzen Tag blieb Nachmittags wusch ich noch
ein Hemd für Otto klagte aber gegen Mutter, welche bei mir war, schon
über Leibschmerzen, welche gegen Abend immer schlimmer wurden. Gegen
1/2 8 Uhr kam Otto von Seguin zurück und frug mich wie es ging? Ich
sagte, nicht gut etc. machte aber noch unter manchmal starken Schmerzen
das Abendbrod auf den Tisch. Bald nachher rief Otto die Mutter welche ich
gegen 10 Uhr bat, da die Schmerzen unerträglich wurden, Otto nach
Seguin zur Hebamme zu schicken. Otto ritt gleich hin und kam nach einer
starken Stunde mit Frau Dee, einer Amerikanerinn zurück. Diese erklärte,
das Kind könne schon in einer Stunde da sein. Die Schmerzen wurden
immer fürchterlicher, dazu kam mehrmaliges Erbrechen, und großer
Schlaf. Eine unaussprechliche Freude hatte ich jedoch, als ich den ersten
Schrei unseres Kindes hörte. Otto hatte die Nacht einen entsetzlichen
Schlaf, mußte mir aber trotzdem fortwährend eine Hand reichen,
woran ich nicht schlecht gezogen haben mag, da ich selbst die Schmerzen
davon noch 8 Tage später in den Armen fühlte. Unsere liebe Mutter
weinte einige mal aus Mitleid für mich.
8. holte der abscheuliche Alfes sein lügenhaftes durchtriebenes
Hannchen wieder, Mutter und ich weinten aus Ärger über die Frechheit
und Roheit des Menschen, und ich weinte aus Angst für die schlimmen
Folgen, welche dieser gräßliche Ärger für den armen
Otto haben könnte.
13. kam Caroline Hohlfeld zu uns, den 18. Abends ging Mutter wieder
nach Hause, sie wollte zwar anfangs länger bleiben, aber Hermine ließ
alles zu sehr in Unordnung kommen. Den 12. war Vater (Bleistifteinfügung:
Wuppermanns) Geburtstag, Otto schenkte mir zur Feier des Tages eine Flasche
Wein, Gingerbrod, ein Stück Bisquitkuchen und Pfeffermünzchen.
16. schrieb ich an unsern lieben Vater und gratulirte ihm zum Geburtstage.
17. Sontags ging ich zum erstenmal wieder mit Mutter herauf. John Staeheli
war auch da. Wette zwischen John und Mutter wegen der Nase Clärchens
über 1 Jahr, um 3 Flaschen Wein. 30. Abends Theegesellschaft, Pastor,
Mutter, Eduard, John und Hermine, Fergusons welche wir erwarteten kamen
erst den Sontag 31. waren Morgens bei uns, tranken ein Glas Ingwerbier,
sahen die Quelle etc. Mittags aßen wir alle bei der Mutter, auch
Mst. Dove und Herr Bechem. Wir aßen Schweinebraten, Nudeln, Potatossalat
und Pflaumen. Nach Tisch während wir eine Tasse Caffee tranken, bekam
John sehr heftig das Fieber. Wir besuchten Nachmittags Herrn Bechem und
tranken Abends wieder bei Mutter den Thee. Ich freute mich sehr, die lieben
Fergusons Leute einmal hier zu haben, sie wollten aber trotz allem zusprechen
nicht über Nacht bleiben. An diesem Tage kam Otto zuerst die Idee,
(bei einer Unterredung mit H. Ferguson) nach Friedrichsburg zu ziehen und
dort einen Store anzufangen. Mein lieber Otto theilte mir dieses Abends
mit, und obgleich ich Anfangs sehr überrascht war, so leuchteten mir
doch seine Gründe gleich ein. Wir haben dann ein besseres, obgleich
in mancher Beziehung nicht so angenehmes Leben, brauchen uns nicht so zu
plagen und Otto verdient mit wenig Mühe, wofür er sich jetzt,
wie der gemeinste Mann quälen muß. Doch die Trennung von Mutter
und Geschwister wird mir schrecklich schwer werden.
Otto grub den 1. Sept. die Butter wieder aus, sie hatte sich ganz gut
erhalten.
September. 1851.
2. Gestern Nachmittag ging Caroline H. ihren Vater zu besuchen, und
ist bis jetzt noch nicht wieder gekommen, wie es scheint, ist es mit der
auch wieder zu Ende. Nami's Kalb, Jährling todt. Heute brachte uns
Julius, (welcher mit Gustav seine Biene, welche er zufällig in der
Nähe von Braunfels wieder gefunden, hierhertrieb) die traurige Nachricht,
daß Gustav Heusinger Sonntag Morgen plötzlich an einem Lungenschlag
gestorben sei. Die arme, arme Minchen, Otto und ich schrieben ihr gleich,
sie möchte zu uns kommen.
6) Graf Reichenbach besuchte Otto um Familiennachrichten von ihm zu
hören. Er hatte Samstag Abends und Sontag Morgens einen Anfall von
Fallsucht. Otto u. Eduard konnten ihn kaum halten, Doct. Morgan ließ
ihn Sontag Nachmittags an beiden Armen zur Ader, Dienstag 9.) ging er von
uns nach Braunfels, und einige Tage darauf zu Navarro, um spanisch zu lernen.
Unser liebes Clärchen hatte einige mal Fieber, daß ich viel
Angst und Sorge ausgestanden habe. 13.) Ging Hermine nach Braunf. und dem
Zibolo, kam 15. zurück.
10) Einen unangenehmen Auftritt bei Mutter, Eduard schrieb mir einen
impertinenten Brief, Abends kam er herunter, wir hatten wenigstens eine
2 stundenlange Unterredung mit ihm, ohne ihn seines herzlosen Starrsinns
wegen, von seinem Unrecht überzeugen zu können.
21. Sontag Morgens einen vorwurfsvollen Brief von Mutter, worin sie
uns ungerechter Weise ihr Haus verbot.
22. Otto ritt Morgens früh zu Herrn Schmitt, um diesem einem verständigen
ältern Manne die Sache vorzulegen. Dieser gab uns ganz Recht Wir schrieben
hierauf an Mutter, indem wir ihr mit klaren Worten auseinander setzten,
wie sehr sie uns Unrecht gethan, erhielten aber keine Antwort. Wir haben
beide in der Sache alles mögliche gethan und sind den untersten Weg
gegangen, darum sehen wir auch allen weiteren Folgen ruhig entgegen. Die
Mutter wird es gewiß einst sehr bereuen, uns so Unrecht gethan zu
haben, es thut mir um ihretwillen sehr leid. Gestern waren wir den Nachmittag
sehr vergnügt bei Navarro's, ich nahm Clärchen welche Gott sei
Dank jetzt ganz wohl ist, zum erstenmal mit auf's Pferd. Julius kam Heute
von Braunfels zurück und ist einstweilen ohne Stelle. Er brachte uns
einen Brief von meinem lieben Schwiegervater mit. Ich hatte Heute die Negerin,
Juno hier, welche die Wäsche von 6 Wochen wusch.
Sept. 23.) Hermine holte Heute unser Kind, weil es Mutter zu sehen wünschte,
wir gaben es ihr mit, um Mutter alles zu Gefallen zu thun, und weil wir
dachten, es sei der erste Schritt zur Versöhnung, aber nichts dergleichen.
26.) Heute waren Herr Bechem und Koenemann hier, um uns Adieu zu sagen.
Herr B. nahm noch etwas Prairie-Thee mit, um ihn unserm Vater in Deutschland
mitzubringen. Julius hilft Otto seit gestern Morgen Korn einfahren. Unserm
lieben kleinen Engel geht es recht gut, sie wird alle Tage dicker und erfreut
uns're Herzen durch ihr freundliches Lächeln. Lieber Vater im Himmel
erhalte Du uns diesen Schatz! - Mit Mutter leider noch immer dasselbe.
27.) Wir haben jetzt 3 Hunde Caro, Philax und Nestor. Heute war ich
bei Mhs. Brill, wo ich seit langem wieder einmal einen Apfel aß.
Wir haben seit einigen Tagen wieder große Hitze, Gestern Nachmittag
gegen 3 Uhr 31 Grad. Otto wurde heute mit dem Erndten des Kornes fertig.
Heute hatten wir den ersten gelinden Norder.
28.) Sept. Heute ist es ein Jahr, das wir verheirathet sind, vieles
hat sich in diesem Jahr geändert, nur uns're Liebe nicht. Mein theures
Männchen brachte mir Heute 8 Äpfel und eine Flasche Wein von
Seguin mit, Nachmittags ging ich mit den Kinder Weintrauben suchen.
30.) Otto ritt mit John nach Braunfels um mit Louis wegen meiner zu
sprechen, kam den 3.) wieder und brachte mir Pillen mit.
Oktober 1851
Den 4. Otto ließ bei Doct. Morgan zur Ader, da es ihm mit seinem
Unwohlsein, Schwindel, Kopfschmerz etc. noch nicht besser geht. den
5.) ritt Otto mit Fritz und Hans, welchen ich Juno getauft habe nach
Hordenville, um Fritz zu verkaufen, kam jedoch nicht weiter, bis zu Herr
Steins, wo er von Fritz abgeworfen wurde, wobei er sich jedoch Gott sei
Dank nicht beschädigte. Fritz lief weit zurück und verlor den
guten Zaum von Deutschland. Später wiedergefunden.
7) G. Reichenbach half Otto 2 Kälber brennen, und machte 6 schöne
Cigarren.
8) Otto verkaufte den Fritz zu 24 Dollar an einen Mann Namens Flagge,
und neckte 2 Joch Ochsen zusammen. Unser kleines Engelchen fängt schon
an, laut zu lachen; es ist ein freundliches liebes Kind, und liegt den
ganzen Tag im Bette ohne zu schreien. Du lieber guter Vater im Himmel,
segne unser geliebtes Kind, und lasse es zu Deiner und unserer Freude heranwachsen,
gieb Du uns Verstand und Kraft, uns ein frommes, gutes Kind zu erziehen.
Der alte Amerikaner vom Yorks Kreek war heute hier, und bot uns ein Negermädchen
zum Verkauf an, da aber Otto wahrscheinlich einen Store anfängt, so
baruchen wir jetzt keins. Wie es mir scheint, fangen die 250 Stahlpillen
an gut zu wirken, seit Gestern fühle ich mich stärker und besser.
Meinem lieben guten Männchen geht es leider noch immmer nicht besser,
auch wird er von Tag zu Tag heftiger und ärgert sich über die
geringste Kleinigkeit. Der liebe Gott gebe doch, daß er bald wieder
besser werde. Seine Heftigkeit ist mir besonders unangenehm, wenn Freunde
oder eins meiner Geschwister dabei sind, denn ich denke dann oder ich fühle
es vielmehr: Eine Frau kann auf ihren Mann, (wenn er ruhig und kaltblütig
jeden großen und besonders den kleinen Unannehmlichkeiten im Leben
entgegentritt) stolz sein und er ist ihr eine Stütze an die sie sich
klammert und an die sie, die Schwächere vertrauend und bewundernd
emporblickt. Flucht und tobt aber ihr Mann bei jeder Kleinigkeit, die ihm
in den Weg tritt, so muß eine Frau, die ihren Mann liebt, sich seiner
schämen, kann ihn nicht hochachten, hat keine Stütze an ihm,
besonders wenn sie selbst die Besonnenheit und Ruhe hat die ihm fehlt.
(Bei meinem lieben, geliebten Otto hängt seine Heftigkeit, Gott sei
gedankt, nur mit seinem jetzigen Unwohlsein zusammen, ist er nicht sonst
der beste Mann von der Welt? Ja, Gott Dank, daß er und kein anderer
mein Mann ist, jeder hat seine Fehler und ich bin mir wol bewußt,
daß die meinigen weit zahlreicher sind.
12.) John St. ordnete es so an, daß wir alle zusammen nach Seguin
ritten und musiierten, Mutter und Julius holten uns auf dem Wege ein, Erstere
drückte meine Hand, und alles war vergeben und vergessen. Otto nahm
Clärchen zu sich auf's Pferd, Mutter nahm sie in Seguin auf den Schoß,
sie war den ganzen Nachmittag ruhig und artig. Lange konnte der Schlüssel
zum Klavier nicht gefunden werden, endlich brachte ihn Julius. Wir musiierten
und sangen uns satt, John hatte Kopfschmerzen.
13) Mutter schickte Helenchen herunter u. ließ mich zum Kaffee
bitten. Ich ging mit meinem Clärchen herauf, wir waren recht vergnügt.
Abends war Herr Schmitt.
16. Okt.) Otto trat Morgens nach dem Caffee seine Reise nach Friedrichsburg
an, der liebe Gott führe ihn gesund und zufrieden wieder zurück.
- Nachdem ich bei der Mutter gegessen, ging ich mit ihr, Helenchen u. Clärchen
zur Amalia, wo alles in größter Unordnung war, weil sie am bauen
waren. Ohne Caffee, auf den wir uns gefreut hatten, traten wir unsern Rückzug
an. Herr Schmitt kam hin, um von Mutter 25 Buschels Korn zu kaufen. Dem
Fuchs gab gab ich 6 Ähren Korn.
17.) Ich brannte bei der Mutter Caffee, sie lud mich ein so lange Otto
abwesend sei, bei ihr zu essen. Helene half mir das Schecks- Kalb ins Feld
treiben. Clärchen war unwohl, sie hatte das Abführen. Die Schweine
nach wie vor im Feld. Abends kam der Fuchs und holte sich 4 Ähren
Korn. Ich schickte Mutter Brod.
18.) 2 Schweine im Feld, eine Menge Blätterfutter herausgerissen.
Caro Würmer. Helene und ich den Hof rein gemacht. Die Zimmer geputzt.
Die 3 Schweine mit Mühe in die Penne getrieben und die Penne zugemacht.
Dem Fuchs Korn gegeben. Clärchen war wohl. Ich recht guten Appetit.
Heute 11 Eimer Wasser geholt
Sontag. den 19.) Reibkuchenvisite. Goldbeck hier. Clärchen Mittags
ein wenig Fieber, sonst sind wir alle ganz wohl. Amalie ausgeblieben. Clärchen
Abends wieder wohl. Ein todtes Küken im Hühnerhaus.
20.) Gestern Nacht wurde ich durch Hühnergeschrei geweckt und fand
Heute Morgen ein Huhn zwar noch lebend, aber so zerrissen, daß ich
es vollends tödten mußte. Ich schickte es der Mutter, diese
briet es. Eduard brachte mir einen Brief von meinem lieben Öttchen,
welcher mir große Freude machte, zugleich einen von Herrn Dittmarr
(?) an Otto. Caro erhielt abermals eine Wunde von dem Eber. Betty kam Abends
im Dunkeln, ich gab ihr 6 Aehren. Reichenbach brachte endlich die Laterne
zurück.
21.) Es fiel nichts bemerkenswerthes vor,als das sich der Fuchs 8 Ähren
holte u. die Mhstr. Perrihs Hochzeit hatte.
22) Ich sah oft auf den Seguiner Weg, ob mein Männchen noch nicht
käme, aber er kam nicht, ich habe große Sehnsucht nach ihm,
käme er doch bald und gesund und munter zurück!
23) Es glückte mir die Hannes und nach vieler Mühe auch das
wilde Carlchen in die Penne zu treiben. Otto kam heute wieder nicht, er
bleibt schrecklich lang.
24) Schon wieder ein ganzer Tag hin, und noch ist Otto nicht gekommen,
Morgen muß er kommen, sonst fürchte ich sehr für ihn. Bei
jedem Gebell der Hunde laufe ich vergebens heraus, und unzählige mal
sehe ich vergeblich auf den Weg. Unser liebes Kind wird Otto stärker
und größer finden. Sie ist wieder sehr erkältet. Gute Nacht
mein herzens Männchen, gerne macht ich Dir ein kleines Gedicht, aber
ich bin zu aufgeregt, um einen vernünftigen Gedanken zu haben. Gott
sei mit Dir!
25.) Schon wieder Abend und noch immer ist Otto nicht gekommen, heute
ist er schon 10 Tage fort. Nein, das ist bald nicht mehr zum Aushalten,
diese ewige Spannung, und doch, was kann ich machen? Nichts - wie in Geduld
warten
Nach Tische kam Herr Fischer, um Otto zu besuchen, später kamen
Cäcilie und Josepha Navarro, mit Hermine, welchen ich eine Tasse Kaffee
machte.
27.) Kam Herr Schmidt, von Braunf., um Willow-Spring zu besehen, er
ritt 30) wieder fort, nachdem er 1700 Dollar geboten und Otto nicht anders
wie 1800 verkaufen kann, noch will, Schm. war mehrmals aus um einen Hirsch
zu schießen, bekam jedoch keinen, was ihn sehr zu ärgern schien.
31.) John und Jettchen kamen bei der Mutter an, den 1.
November 1851
1) ging ich Nachmittags zur Mutter und pflückte (mit Bleistift
verbessert: rupfte) einen Puter für die Hochzeit, den 2.) John und
Hermines Hochzeitstag, Morgens machte ich Kränze, womit die Gallerie
bekränzt wurde. Mittags nach Tische kam Minchen herunter, unser liebes
Kind zu sehen, die arme Frau, was hat sie alles durchgemacht. Dann fuhr
ich mit Eduard nach Seguin, bei Tillmann die Braten und den Kuchen zu holen.
Gegen 5 Uhr gingen wir mit unserm lieben Clärchen herauf. Die Gäste:
Die beiden Herrn und Frau Ferguson, Herr Fischer und Pröbsting, Mister
und Mihs. Navarro und Cooke, Cäcilie als Brautjungfer, Louis, Jettchen,
Bianca, Minchen, Goldbeeck, und Doove, waren schon versammelt. Prediger
Eisenlohe von Braunfels traute sie unter einer schönen Ulme mitten
auf dem Hofe. Die Hunde störten sehr und war es ein wenig lächerlich,
daß der Pastor zweimal Hermine Lips sagte. Zur Feier des Festes schoß
Otto (durchgestrichen: einige) 20 vorher geladene Büchsen ab. Bald
darauf setzten wir uns zu Tische, ich kam zwischen Louis und P. Eisenlohe
zu sitzen. Das Essen bestand aus Puterboullon, ein ganzes Spanferkel, Potetos
und Vietzebohnen, Salat, Kartoffelpudding, Puterbraten mit Schnitzeln und
eingemachte Pflaumen. Tillmann hatte einen hübschen Bis- quit- und
Hermine einen Traubenkuchen gebacken. Otto forderte in einer kleinen Rede
die Gesellschaft auf, zum Andenken an unsern sel. Vater alle einen Schluck
aus dem großen silbernen Becher zu trinken. Noch mancher muntere
Toast wurde ausgebracht, und manches Lied gesungen. Alle waren heiter und
wohl. 1/2 11 Uhr begleiteten uns die Herrn herunter, und zogen nachdem
sie uns noch ein Ständchen gebracht, wieder herauf. Die arme Minchen
hatte Nachts Zahnschmerzen.
3) Gemeinsames Frühstück bei Mutter, Frau Ferguson schenkte
mir ein Kleidchen für Clärchen. Jettchen hatte allein Katzenjammer,
weil sie zu viel Eßbares vertilgt hatte. Gegen 8 Uhr zogen alle ab,
Hermine und John in einem bekränzten Wägelchen. Ich half der
Mutter den ganzen Tag. 4.) Onkel Herman's Geburtstag.- 15.) Herminens Geburtstag.
10) Schuchard baut den Kamin am Haus wieder auf. Den 8. schoß
Otto ein entsetzlich mageres Schwein, welches wir im Mondschein flämmten
und reinigten. Ich schrieb an Louise Korte.
13) Otto ritt nach Braunfels um mit H. Schmidt wegen dem Verkauf von
W.S. zu sprechen. Den 16) kam Otto zurück, als Mutter und ich eben
im Begriff waren, nach Navarro's zu reiten. Die Überraschung und Freude
war groß. Kurz vorher hatten wir einen tüchtigen Schreck, weil
Mutter mit samt Helene, welche hinter ihr saß, vom Pferde fiel, aber
sich gar nicht wehe thaten. Otto brachte Herrn Alex mit, W.S. wahrscheinlich
verkauft, Schmitt (Joh.) Verwandte angekommen. Tante Hanchens Geburtstag.-
Den 17) ritt Otto mit Herrn Alex wieder nach Braunfels, leider ist sein
Kopfübel noch immer nicht besser. Gustav ritt mit um bei Louis zu
bleiben. Clärchen ist sehr wohl.
18) Die Negerin Juno kam Heute Morgen, Nachmittags als ich einiges Zeug
auf die Bleiche legen wollte, sah ich die Horn (Bleistifteinfügung:
Horn, eine wilde Kuh), welche mir vor einigen Tagen weglief in den Bottom
gehen. Ich lockte sie mit Korn, und siehe da, auf einmal kommt auch die
Violetta mit einem allerliebsten Kuhkälbchen heran gelaufen. Das machte
mir große Freude.
Es ist doch nur eine halbe Existenz, ohne den geliebten Mann zu leben,
seit 2 Tagen, habe ich ihn nicht gesehen, und es ist mir, als wenn es schon
8 Tage wären. Leichter würde es mir vielleicht werden, wenn Otto
wieder ganz gesund wäre. Dieses ist meine tägliche Bitte zu Gott!
Betty und der alte Knochen holten sich spät Abends ihre Portion
Korn. Das dicke Bierfaß kam erst gegen 9 Uhr. Herr Hahnert mit Frau
und Kindern zieht in das Schulhaus auf dem Berge.
19) Julius brachte mir einen dicken Brief von der Post an Otto. Ich
machte ihn auf, und fand eine Masse Briefe von Deutschland, 3 darunter
an mich. Brief von Hermine an Mutter.
23.) Mutters Geburtstag. Julius und Otto machten in der Werkstatt ein
Tischchen mit den einfachen Geschenken zurecht, dann führten wir Mutter
herein, sie war sehr überrascht und gerührt. Von Otto und mir
bekam sie 2 Flaschen Wein, 2 Apfelpais, 1 Bläschen mit weißem
Zucker und durch Helenchen eine grüne Waschleine. Von Julius eine
große Porzellankanne, von Hermine 2 Morgenhäubchen und von John
eine Theekanne. Nachmittags tranken wir an unserm Hause den Caffee, Herr
Wieprecht war auch da. John wollte kommem, wurde aber durch das Fieber
abgehalten.
December. 1851.
1.) Dieser Tage verkaufte Otto seinen Wagen, an die Brüder Hahn
zu 80 Dollar cahs.
7) Wilow Spring ist glücklich verkauft, Otto hatte deßhalb
noch viele Unannehmlichkeiten mit dem <schuftigen Henri Runge> (später
eingeschwärzt). Schmidt kaufte es zu 1700 Dollar. Gestern sollte hier
Auktion von Pflügen, Pferden etc. sein, sie kam jedoch wegen gänzlicher
Abwesenheit von Käufern nicht zu Stand. Heute Abend hatte ich mit
Otto einen kleinen Streit, ich gab Pröbsting ohne Ottos Wissen seinen
Rock zurück, Otto fuhr mich deßhalb ein wenig stark an, ich
fing an zu weinen und machte ihm Vorwürfe er behandle mich wie ein
Kind, wir versöhnten uns jedoch bald wieder. Otto ist leider noch
immer unwohl und leidet fortwährend an Hitze am Kopfe. Dadurch ist
er leicht gereizt und ärgert sich oft über die geringsten Kleinigkeiten.
Das arme, theuerste Männchen, dieses Übel hält zu lange
an, gerne gäbe ich einen kleinen Finger her, könnte ich ihn damit
kurieren. Einen großen Schreck hatten wir gestern Abend, unser süßes
Engelchen fiel aus dem Bette, nahm aber Gott sei Dank keinen Schaden.
9) Minchen war 10 Tage bei mir, sie war noch sehr traurig über
den Verlust Heusingers, Minchen ist eine herzensgute Frau, sie machte mir
für Otto eine hübsche Weste, ich schenkte ihr meinen echten schwarzen
Schleier, welches ihr viel Vergnügen machte. Heute nach Tische ritt
sie mit Bianca, (welche gestern Abend mit Theodor kam) und Otto wieder
nach Braunfels. Otto baute gestern trotz seinem Unwohlsein den Camin fertig,
der gute Mann, gäbe ihm doch Gott bald seine Gesundheit wieder. 10)
Gestern Abens hatte ich einen großen Schreck, ich ging nämlich
in die Kuhpenne um die Kälber heraus zu treiben, als ich zurück
kam, fand ich unser geliebtes Kind auf dem Gesichtchen liegend und schon
ganz hinter Athem, der liebe Gott hat sie uns abermals erhalten, denn wären
die Kälber nicht schnell heraus gegangen und ich einige Minuten später
gekommen, so hätte das geliebte Kind ersticken können.
1852
Januar. 1852
4) So wäre denn mit Gottes Hülfe und seiner gütigen Vorsorge
das alte Jahr ohne Unglücksfälle verflossen. Mit frischem Muthe,
den besten Vorsätzen und auf Gott vertrauend, will ich das neue Jahr
beginnen. Wenn Er uns nur die Gesundheit und den Glauben an ihn erhält.
Mein lieber Otto ist, dem lieben Vater im Himmel sei dafür Dank,
jetzt endlich auf der Besserung. Er ist jetzt fast immer bei Ferguson's,
und wir sehen uns oft in 10 - 14 Tagen nicht, schreiben uns aber fleißig.
Die Weihnachten verlebten wir recht vergnügt, John und Hermine waren
hier, beide vergnügt, ebenso Julius, welcher in San Anton eine Elementarschule
errichtet und bis jetzt 15 Schüler hat. Den heiligen Abend war erst
bei der Mutter und dann bei uns Bescheerung. Otto bekam von der Mutter
2 paar gute wollene Socken und einen schönen seidenen Foullard, welchen
er einige Tage später beim Viehtreiben wieder verlor. Von mir wurde
Otto mit einem feinen Castorhute und einer kleinen Pfeiffe überrascht.
Ich dagegen von ihm durch eine Mausefalle!! Von Mutter bekam ich 2 paar
weiße und 1 paar merinowollne Strümpfe und ein seidenes Band,
beide ein tüchtiges Stück sehr schöne Traubentorte und Clärchen
bekam 6 Hemdchen, 2 paar Strümpfchen und einige Schlabberchen. Wir
sowohl wie Mutter hatten ein kleines Christbäumchen gemacht. Den ersten
waren wir Abends auf Barroo's Hochzeit, da wir uns aber schlecht amüsirten,
so gingen wir gleich nach dem Souper, welches in einem Zelt eingenommen
wurde, nach Hause. Den 2ten Christtag wurde unsere liebe Clara getauft.
Unter, und bei einem unangenehmen Regen fuhren wir nach der Kirche, welche
kurz vorher von Ziegen verlassen worden war. Bald darauf kam der Pastor
und taufte: Clara, Anna, Laura, welche von Hermine, Stellvertreterinn von
Laura Hösterei über die Taufe gehalten wurde. Darauf gingen wir
in die Akademie und musizirten bis gegen 4 Uhr, nachdem wir uns zuvor an
Rollkuchen und Wein traktirt hatten. Dann fuhren wir wieder nach Hause
wo wir den Abend mit Herrn Wieprecht und Tillmann sehr vergnügt verbrachten.
Wir hatten Potetossalat, Enten- u. Rinderbraten, Reispudding, Thee mit
Bollbäuschen (?), Brod, Käse und einen schönen Kuchen von
Herrn Tillmann. Später wurde ein Glas Punsch getrunken.
Februar 1852.
Den 20. Februar. 1852.
Im Januar 1852 verkaufte Otto den alten Fuchs für 25 Dollar an
H. Hahner. Den 26. wurde ich 22 Jahre als, mein liebes Männchen überraschte
mich mit schönen Geschenken, ich erwartete gar nichts, Otto rief mich
ins Nebenzimmer und siehe, da war die schwarze Kiste mit einem schmutzigen
Handtuch, (welches als Tischtuch diente) bedeckt, und darauf prangten,
4 Flaschen Bordeaux, ein paar neue Schuhe, 1 Pfd. Sago dito Gerste, 1 Pfd.
Rosinen eine große Tüte voll Cändi, 4 Dööschen
mit Streichhölzern und rosa Kattun zu ei- nem Hut. Außerdem
gab mir der gute Mann noch eine Anweisung von 5 $ auf sich selbst. Der
Gedanke, daß er dieses alles auspractizirt hatte um mir Vergnügen
zu machen, machte mir große Freude und rührte mich bis zu Thränen.
Auch die gute Mutter kam mit Helenchen herunter um mir zu gratuliren. Wir
tranken ein Gläschen Wein zusammen.
Seit circa 3 Wochen wohnt Georg Schmitt mit seiner Schwester auf der
Farm, wir müssen uns demnach mit der großen Stube behelfen,
welches auch zur Noth recht gut geht, denn: Raum ist in der kleinsten Hütte,
für ein glücklich liebend Paar!
Unsere liebe Mutter ist seit 4 Wochen bei Hermine mit Helene zum Besuch,
ich erwartete sie heute mit meinem geliebten Männchen vergebens zurück,
ich hoffe sie werden wol morgen kommen, ich habe dann vor, mit Clärchen
einige Wochen zu Hermine und John zu gehn. Unser liebes Kind kann seit
dem 10. Febr. allein sitzen und hat bereits ein Zähnchen.
Ich bin und fühle mich jetzt sehr glücklich, alle sind gesund,
Otto und ich lieben uns von ganzem Herzen und wir haben ein gesundes freundliches
Herzenskind. Auch in unserm Plan nach Friedrichsburg zu ziehen rücken
wir vorwärts, Ottos Korn ist gut verkauft, circa 150 Busch. zu 70
C., die Farm an gute Leute verrentet, der Wagen zu 80 $ verkauft etc. Täglich
danke ich unserm Schöpfer für alle seine Güte und Liebe,
möge er auch ferner uns segnen, und vor Krankheit und Schaden behüten!
Der arme John hat noch fortwährend das Fieber, Herr Krochmann wird
nun wohl nach Deutschland abgereist sein. Julius hat erst 12 Schüler,
er fing um Weihnachten 51. in San Antonio eine Schule an.
Silvesterabend war Otto in Braunfels, ich war bei der Mutter, wo wir
Eierwein tranken und alle einen Toast ausbrachten.
Im Januar bekam ich einen lieben Brief von unserm lieben Vater, welchen
ich direct beantwortete, auch schrieb ich an Frau Betzhold, Tante Minchen
in W. und Auguste Wupperm. Mutter bekam einen langen Brief von Tante Hanchen.
März 1852.
26. Endlich bin ich von meiner langen Reise zurückgekehrt und froh,
wieder daheim zu sein. Den 23. Febr. fuhr ich mit Otto Clärchen und
Nestor in Louis Gig nach Braunfels. Daselbst besuchte ich Frau Ferguson,
welche freundlich wie immer war, einen Abend den 24. war ein Conzert, ich
hatte vor, ein Duett mit Herrn Reuter zu singen, da es aber Otto unangenehm
war, unterließ ichs, nach dem Conzert war ein Ball, worauf ich mich
sehr gut amüsirte. Mein lieber Otto verwahrte unser Kind, um 11 Uhr
zwang Louis, Otto mit auf den Ball zu gehen, indem er das Kind so lange
verwahren wolle. Den 25 fuhren wir nach Humboldt, nach 3 1/2 wöchentlichem
Aufenthalt holte mich Otto wieder ab, und wir waren beide froh, als wir
es im Rücken hatten. Mein Aufenthalt dort kann in je- der Beziehung
nur unangenehm genannt werden. Meistens furchtbar stürmisches, und
Regenwetter, so daß wir einen Sonntag, wo wir bei Stappert und Wahlra?h
(?) waren, ausgenommen, nicht vor die Thüre kamen. John führte
gemeine Reden und war immer verdrießlich. Anstatt Otto zu danken,
welcher 2 mal kam, um ihm beim Pflanzen und Korn ausschakken (?) zu helfen,
vernachlässigte er ihn und war unfreundlich und herrisch. Hermine
war gleichgültig und kochte miserabel schlecht. In Braunfels war ich
mehrere Tage recht vergnügt. Julius kam auch auf 1 Tag hin. Familie
Grothaus sah ich auch wieder gesund und vergnügt.
April. 1852.
5.) Rose war gestorben, deßhalb ließen wir durch Eduard
den 3. auch deren Kalb schlachten, An Mutter schenkten wir ein Hintervirtel,
Eduard für das Schlachten die Haut, dann verkaufte ich noch für
6 Lit (?). den
6.) Herr Betge kaufte 9 Kühe und 3 Jährlinge von uns zu 121
Dollr. Eduard und Herr Kettner halfen sie Heute Morgen wegtreiben. Herr
Grothaus kaufte die Nonne zu 12 $. Herr Betge die: Flora, Blackhead, Scheck,
Violetta, Alma, Horn, Hinkfuhs Mina und Hannes. Otto ritt mit ihnen bis
Braunfels. Otto ist nun fest entschlossen in Seguin einen Store anzufangen,
zu meiner größten Freude, denn wäre ich ihm auch gern nach
Friedrichsburg gefolgt, so ist es mir doch tausendmal lieber in der Nähe
unserer guten Mutter und Geschwister zu bleiben. Clärchen ist fortwährend
sehr unruhig, denn sie bekommt jetzt die zweiten beiden Zähnchen,
und hat die Pocken eingeimpft bekommen von Louis, von 4 Pocken, haben 2
geschworen, dabei hat sie Ausschlag auf dem ganzen Körper welcher
ihr vielen Juck verursacht. Den 26. März nahmen wir Alice mit uns,
sie hatte jedoch oft das Heimweh, der wilde Moustang, so daß Louis
den 4. April mitten in der Nacht kam, um sie wiederzuholen. Als er so rücksichtslos
war, für sich und seine 4 Begleiter noch dicke Milch zu fordern, schlug
es ihm mein Männchen, zu meiner großen Freude, ab. Den
4) trieb Otto meine Märry mit einem allerliebsten Fohlen ein, welchem
ich den Namen Rosinchen gab.
Otto kaufte das Haus von Elliott & Taunten in Seguin, zu 625 $ an
welches Georg Semitt noch eine hintere Gallerie bauen wird. Otto vertauschte
meine Marry mit dem Fohlen gegen ein großes amerikanisches Pferd,
dieses lief fort, und Otto suchte 14 Tage vergebens darnach, er hatte schon
überall angeschlagen, daß derjenige, welcher es wiederbrächte
5 $ Belohnung haben solle, als er es selbst zufällig 1/4 Stunde später
fand und an Navarro zu 60 $ verkaufte. Unser liebenswürdiger Schwager
hat Julius und mehreren andern erzählt, Otto wäre blos um meinethalben
gekommen und hätte nichts gethan, der Mann ist selbst zu schlecht,
als daß er begreifen könnte, daß ein anderer einer guten
Handlung fähig wäre.
Herr und Frau Ferguson waren einen Mittag auf ihrer Reise nach Indianola
bei uns zum Essen, wir luden auch Mutter ein und hatten Hahnen (?) &
Salat, Plinzen und Schnitzeln, nachdem sie noch Caffee recht vergnügt
mit uns getrunken, reiseten sie weiter, Frau Ferguson um in Indianola zu
baden, Herr F. in Geschäften nach Galveston, wo er auch die Waaren
für Otto einkaufen wird.
May 1852
11) Wir waren auf Bianca's und Theodor's Hochzeit wo wir uns recht gut
amüsirten, Clärchen hatten wir zu Pferd mit uns, auf dem Rückweg
ritt Frau Grothaus mit uns welche uns viel zu lachen gab, indem ihr Pferd
fast unter jedem Baume stehen blieb, wir ritten an Louis Spring vorbei
und aßen bei Navarro zu Mittag. Einige Tage später erhielten
wir die traurige Nachricht von dem Tode unserer lieben Schwägerinn
Auguste Wuppermann, sie starb 6 Wochen nach dem Kindbette an dem Nervenfieber.
Auch sind Otto's Tante Gretchen und Onkel Joung (?), in 2 Tagen beide gestorben.
25) Otto machte dieser Tage viele Händel, er vertauschte ein feines
Tischtuch und 12 Servietten 20 $ und einen silbernen Suppenlöffel
$ 12 an Taunter gegen Walnußholz für Theken, Reale etc. für
den Store. Die Betty mit Fohlen zu 90 $ an Milet gegen Bastropholz, Einen
Ochs zu 13 1/2 und 2 Schweine zu 5 $ gegen Schindeln, ich gab ihm den Jud
(?) gegen die Juno und verkaufte die alte mexikanische Sau mit 7 Jungen
an Frau Runge zu 8 $, Otto gab Mutter ein Joch Ochsen für den Boz.
(Pferd)
30.) Pfingsten. Julius, John und Hermine sind bei Mutter. Julius besuchte
uns oft, die beiden andern gar nicht, auch gut!- Der eingebildete Mensch
sagte zu Mutter, er hätte alles vergessen wollen und wäre Otto
freundlich entgegen gekommen, dieser sei aber kalt und unfreundlich gewesen
etc. Den ersten Pfingsten aßen wir bei Mutter, (während Mutter
und Geschwister den ersten Ostern Mittags und Abends bei uns aßen)
Nachmittags waren wir in der Academie zum spielen.
31.) Ich trinke seit einigen Tagen Mineralwasser, welches mir Dr. Nohl
für meinen Magen verordnete und welches mir sehr gut bekommt. Otto
kaufte einen Apparat von Herrn Grothaus zu 5 $. Jetzt leide ich viel an
Müdigkeit und Schwindel. Otto ist Gott sei Dank gesund, Clara hat
ein sehr schlimmes Öhrchen, einen starken Schnupfen und leidet an
den Zähnchen. Das 6te ist am durchbrechen, sie steht allein an einem
Stuhl auf, und kriecht tüchtig herum.
In Seguin starben einige Leute an der Cholera, unter anderen die beiden
Schneider Keßler und Windstrot (?).
Juni. 1852
4.) Otto reiste Heute Morgen nach Indianola, um mit Fromme in Verbindung
zu treten, wie freue ich mich, daß der liebe gute Mann so weit ist,
er macht sich zu viel Sorgen, und hatte in der letzten Zeit fortwährend
deßhalb schlaflose Nächte, und keine frohe Stunde. Es fehlen
ihm noch 200 $ um die Fracht für die Waaren zu bezahlen, indessen
hat Herr James Ferguson versprochen, sie ihm zu leihen. den 6) Mutter,
Eduard u. Hermine sind nach Louis Spring und werden Minchen mit retour
bringen, welche 1/4 Jahr bei Mutter bleiben wird. Weil mein liebstes Männchen
nicht mit gehen kann, bleibe ich lieber auch ruhig zu Haus mit meinem Herzenskind.
28.) Gestern sprach ich mit Malchen Schmitt ob sie Lust hätte zu
uns zu ziehen, wenn wir nach Seguin zögen, gegen 5 $ monatlich, sie
hat große Lust, will aber vorher mit ihren Brüdern sprechen.
Otto half heute in Seguin an unserm neuen Haus plistern (?), damit die
Leute voran kommen, Heute Abend brachte er mir die ersten Apfelschnitzeln
aus seinem eigenen Store. Hermine geht morgen früh wieder nach dem
Cibolo zurück, nachdem sie 4 Wochen bei Mutter zum Besuch war, in
welcher Zeit sie nicht ein einziges mal an unserm Hause war; (2 Zeilen
unleserlich gemacht, stattdessen:) Natürlich hatte John sie aufgehetzt.
26) Clara macht Versuche zum Gehen, sie steht schon seit 14 Tagen mitten
im Zimmer allein, und läuft an den Stühlen vorbei. Das Engelskind
macht uns viele Freude, sie hat schon 8 Zähnchen und sagt jetzt immer
Atta, atta, atta.
28.) Gustav ist bei Dr. Henft (?) in San Antonio u. geht bei Julius
zur Schule. Alice Nohl stürzte dieser Tage vom Pferde wobei sie eine
tiefe Wunde an der Stirne bekam. Frau Ferguson hat leider in Indianola,
wohin sie ging um Seebäder zu nehmen, das kalte Fieber bekommen. Herr
James ist deßhalb eilig herunter gereist, die arme gute Frau, wäre
sie doch einmal wieder gesund. Unsere liebe Mutter ist auch seit einigen
Tagen unwohl, sie will Morgen früh mit Minchen und Hermine nach Braunfels,
und von dort nach dem Zibolo um dort 8 Tage zu bleiben. Auch Eduard hatte
Heute das Fieber, ich werde die 3 in den 8 Tagen Mittags zum Essen hier
haben.
August. 1852.
13.) Morgen werden es 4 Wochen, daß unsere liebe Mutter ein gastrisches
Fieber bekam, sie hatte 7 Tage Fieber, sie schwitzte täglich 1/2 -
1 Stunde in ein feuchtes Betttuch und wollene Decken, wornach sich das
Fieber verlor, aber sie hat noch immer keinen Appetit, und ist noch sehr
schwach. Ich war 3 1/2 Woche oben, habe sie gepflegt, und ihre Arbeit gethan,
seit gestern ist Mariechen Haner oben einen halben Tag täglich, zur
Hülfe, die Woche zu 6 Bit (?). Vorigen Sonntag war Julius oben, er
war recht vergnügt, will nächstens Ranger wer- den, und schenkte
Clärchen 1 $ wofür ich ihr 2 paar Schühchen kaufte. Den
5, hatte Clärchen ihren Geburtstag, sie war sehr krank an dem Tage,
hatte Fieber und mußte oft erbrechen, ich gab ihr nichts wie Zuckerwasser,
welches ihr gut bekam. Auch mein lieber Mann war an dem Tage und noch einige
Tage später sehr unwohl, ist jedoch jetzt wieder wohl. Gestern zog
endlich der ekelige Kerl von Doct. aus unserer Wohnung. Heute schmieren
die Maurer unser Wohnzimmer aus. Morgen geht Eduard nach Braunfels um dort
als Stellmacher zu arbeiten, Mutter ist dann mit den kleinen Jungens und
Helenchen ganz allein auf der Farm. Clara läuft schon tüchtig
auf dem Hofe herum, und macht mir durch ihr freundliches liebes Wesen viele
Freude. Dadurch das mein lieber, guter Schwiegervater Otto 800 $ geliehen,
ist dem armen Otto aus vieler Sorge geholfen. Mit dem Geschäft geht
es bis jetzt noch langsam, es ist aber überhaupt eine stille Zeit
jetzt, für alle Store's. Watkins reisten diese Woche nach der Salao,
ohne uns adjeu zu sagen. - Ich bin jetzt, Gott sei Dank immer wohl, und
wünsche nur, dießmal einen Knaben zu bekommen, welcher dann
Conrad Theodor heißen soll. Frau Runge hat noch immer das Fieber.
Oktober 1852.
8.) Seit dem 19. August bin ich nun in der Stadt bei meinem lieben Männchen,
es gefällt mir hauptsächlich deßhalb viel besser hier,
weil man mehr Menschen sieht, dan habe ich ein weit hübscheres Zimmer,
wie auf der Farm, die Gallerie ist rundherum eingezäunt und ich habe
nicht mehr so viele und grobe Arbeit. Seit circa 14 Tagen habe ich nun
auch einen hübschen, bequemen Ofen, welches denn doch eine außerordentliche
Annehmlichkeit ist. Letzte Woche schrieb ich einen langen Brief an Vater
und ein kleines Briefchen an Laura. Mutter ist fortwährend auf der
Besserung und kommt jede Woche einen Tag zu uns. Julius war im August 8
Tage bei uns, währenddem Otto eine Geschäftsreise nach Braunfels
und San Antonio machte. Er ist jetzt bei Caleh(b)an in S. Ant. Buchhalter
und verdient monatlich 40 und später sogar 50 $. Seit Julius fort
ist, ist Herr Tillmann fast immer bei uns, vom 1 Okt. bezahlt er 8 $ Boarding
monatlich und schläft im Lager. Malchen Schm. hat seit 5 Wochen einen
schwärenden Daumen, und konnte in 4 Wochen nicht waschen. Sie ist
so langsam und unordentlich, faul und phlegmatisch, daß ich sie,
so bald ich nach dem Wochenbett wieder so weit bin, laufen lassen werde,
und es dan wo möglich mit einem Mädchen von 10-12 Jahren al-
lein thue. Den 28. Sept. wurden es 2 Jahre, daß wir verheirathet
sind, viel angenehmes aber auch viel unangenehmes haben wir miteinander
erlebt, aber unsere Liebe ist sich gleich geblieben. Könnte ich die
zwei Jahre zurückrufen, und hätte noch die Wahl, meinen lieben
Otto zu nehmen oder nicht, ich würde noch ebenso wie damals mit Freuden
einwilligen, seine Gattin zu werden, und ich glaube, mein gutes Männchen,
würde auch mich wieder wählen! Unser geliebtes Clärchen
macht uns viele Freude und ist ein großer Trost in trüben Stunden,
sie hat jetzt 8 Vorder, u. 3 Backenzähnchen, sie ist nur zu lebhaft,
u. macht uns viel dadurch zu schaffen, jeden Tag fällt sie einige
mal mit samt dem Stuhle um, auf welche sie trotz allem Verbieten klettert.
Kürzlich kletterte sie die hohe Treppe im Store hinauf, und ich konnte
sie nur mit großer Mühe wieder hinunter tragen. Ihrem Papa stiehlt
sie Krecker, Pflaumen, Kandy, Päckchen Taback, Nägel, Zwiebel,
Kerzen, kurz alles wo sie eben ankommen kann, und er kommt alle Augenblick
hinter ihr hergelaufen, um ihr das Raubgut wieder zu nehmen.
Heute Morgen ritt Otto auf dem Ali ganz frühe aus um die Juno mit
dem Fohlen, welches Würmer am Kopfe hatte, einzutreiben, und fand
das Fohlen todt. Sonntag hörten wir davon, da es zu spät war,
daß Otto selbst heraus ritt. Er bot Mutter 1/2 $ wenn sie es durch
Gustav eintreiben ließ - wieder (?) wie immer abgeschlagen. Otto
gab sich alle Mühe, suchte es vorgestern zu Fuß ohne es zu finden,
bot verschiedenen Leuten, unter andern dem schuftigen Mohlfeld 1 $ es einzutreiben
etc. (Eingeschwärzt:) Mutter, Mutter, ?????? Deine abscheuliche Ungefälligkeit
und Egoismus haben allein Schuld!
Doch es ist Pflicht der Kinder, den Eltern ihre Fehler nachzusehen,
denn sie machen ihnen in der Jugend gar viele Sorge und Arbeit, wie ich
ja selbst an meinem Kind erfahre, deßhalb soll auch dieses vergeben
und vergessen sein!
Im Geschäft ist es seit einigen Wochen sehr still, Otto nimmt oft
nur 3 und höchstens 10 $ den Tag ein. Nachricht, Herr Bechem würde
kommen, wenn sie wahr ist, würde es mich sehr freuen.
31 Okt. Es ist Sonntag Morgen 11 Uhr, es ist kühl, aber die Sonne
scheint so hell und freundlich, im Kamin brennt ein hübsches Feuerchen,
Clärchen, unser geliebtes Kind, liegt im Bett und schläft, sie
sieht blaß und zart aus, die letzten Tage war sie sehr erkältet,
hatte sehr starkes Fieber und noch immer einen heftigen Husten. Auch ich
habe einen tüchtigen Schnupfen und Husten. Herr Theisen war die ganze
Woche bei uns im Logis, er war wegen der Völkerschen Geschichte als
Zeuge hier an der Court. Mutter, Gustav und Helene brachten Gestern Morgen
Jettchen Nohl wieder nach Braunfels zurück, (im Wagen) kamen aber
Heute Abend wieder zurück. Auch Otto ritt heute Morgen ganz früh
nach Braunfels, um Heute Abend oder Morgen früh zurück zu kommen.
Er schwappte von einem Irrländer vorige Woche eine weiße Mähre
zu 21 $ lieh diese nebst Hagemanns Sattel, einem gewissen Clarenbach von
Remscheid, und dieser vorgebend, etwas spazieren zu reiten, ist seit 8
Tagen mit Pferd, Sattel und einem von Tillmann geliehenen Hemd verschwunden.
Im Geschäft ziemlich, durchschnittlich 10- 15 $ per Tag.
Hipp am gelben Fieber gestorben.
Nov. 1852
17. Gestern war Frau Runge hier, sie weinte schrecklich, denn sie hatte
die Nachricht bekommen daß ihr Mann in Indianola gefährlich
am gelben Fieber krank liege, und will wahrscheinlich bis nächsten
Samstag herunter reisen. Herr Krochmann ist in Indianola angekommen. Gestern
haben wir die erste New Braunfelser Zeitung gelesen. John will in einigen
Wochen in Braunfels einen Store anfangen, und zwar mit Credit in San Antonio.
Schon seit 14 Tagen erwarte ich täglich meine Niederkunft, allein
es scheint fast, als sollten noch einmal 14 Tage vergehen, gebe Gott, daß
sie so glücklich vorüber geht, wie das erstemal.
Gestern kamen die ersten Emigranten hierdurch. Das Geschäft geht
jetzt besser 18, 20-25 $ per Tag. Julius in San Ant. ist krank.
20. Brief von Julius, er ist besser, Otto machte gestern Abend einen
Condulations Besuch bei der armen Frau Runge welche Gestern die schreckliche
Nachricht von dem Tode ihres Mannes bekam, ich schrieb ihr einige Zeilen.
Seit einigen Tagen hat Otto einen Jungen, David Allen, zur Hülfe im
Store.
23. Nov. Mutters Geburtstag. Otto lud Mutter auf den heutigen Tag ein,
Sauerkraut mit uns zu essen. Wir machten ihr einige kleine Geschenke auf
dem Tische zurecht mit einem hübschen Kranz umgeben, einen kleinen
Mandelkuchen, 1 übergoldetes Milchkännchen, mit Mandeln, Rosinen
und Kandi gefüllt, eine Flasche Baumöhl und 2 1/2 Pfd. Pflaumen.
Wir waren recht vergnügt zusammen, aßen Fleischsuppe, und Sauerkraut
mit Rinderbraten. Nach Tische tranken wir ein Glas Wein auf Mutters Wohl
und aßen Apfelpai dazu. Nachdem wir noch eine Tasse Thee zusammen
getrunken, begleitete Otto die Mutter wieder nach Hause.
Heute wogen wir uns auf der Gallerie, Unsere liebe Mutter wog 110 Pfd
mein liebes Männchen 152 1/ 2, Helene 54, Clärchen 19, und ich
116 1/ 2 Pfd.
Julius schickte ein Kistchen mit Kartoffeln und Wein welches leider
nicht zur rechten Zeit ankam.
December. 1852
19. Den 5ten kam endlich der lange erwartete kleine Theodor an. Otto
wollte Morgens gegen 8 Uhr auf dem Ali zu den Neuntödtern reiten,
ich sagte ihm aber, statt dessen möge er zu Mrs. Dee gehen, und sie
rufen. Gegen 9 Uhr kam Letztere, ich unterhielt mich noch einige Zeit mit
ihr, während die Wehen jeden Augenblick stärker wurden. Otto
ritt unterdessen zur Mutter, um dieselbe zu rufen, gegen 1/4 vor 11 kam
die gute Mutter und gegen 11 Uhr wurde der kleine Th. geboren. Mutter blieb
10 Tage bei mir und pflegte mich treulich. Gestern kam Herr Bechem wieder
hier an, er brachte uns eine Masse Briefe, und eine Kiste mit Sachen mit.
Eduard kam auch endlich zurück er war mit Fritz Goldbek nach Bastrop
gewesen, dort hatten sie Bretter geholt und diese in San Antonio verkauft.
Gustav kam Gestern von San Antonio (wohin er Julius welcher leider noch
immer krank ist ein Pferd brachte) über Braunfels zurück und
brachte Johns Wägelchen mit, in welchem Mutter nächsten Dienstag
nach Braunfels fahren will um Hermine, welche auch bald in Wochen kommt,
zu pflegen.
Herr Bechem brachte mir 4 Briefe von Louise Korte, Alwine Tillmann,
Laura Hösterey und Tante Hanchen, für Otto von Vater, (welcher
ein schönes Paquetchen Band mitschickte,) und seinem Freunde Hohrath.
Otto verklagte den Betrüger James, welcher ihm 75 $ schuldet wovon
er wahrscheinlich nichts wieder bekommt, es ist dies ein bedeutender Verlust
für ihn, und macht ihm viele Sorge. Ich habe ihn oft gewarnt, dem
Menschen nicht soviel zu trauen, allein er ließ sich durch seine
scheinheilige Maske täuschen
Gustav nahm Clärchen gestern mit zur Mutter, sie war aber noch
nicht lange fort, so bereuete ich schon, sie mitgehen gelassen zu haben,
ich habe große Sehnsucht das liebe Kind wieder zu sehen, und Otto
dringend aufgetragen, sie Heute Abend wieder mitzubringen, Otto ist nämlich
gegen 10 Uhr mit Herrn Bechem an den Jeronimo gegangen. Herr Griesenbeck
hatte in In- dianola einen Anfall vom gelben Fieber. Rust verkaufte seinen
Store an Oliver und ?????????. Calvert verkaufte sein ganzes Eigenthum
zu 8000 $.
Februar. 1853.
13. Heute machten Otto und ich einen angenehmen Spaziergang an die Guadalupe,
auf dem Rückweg machten wir Besuch bei Ankermüllers u. Klasings.
Otto und ich schrieben an Vater und Laura. Den 24. Dec. kam Hermine mit
einem kleinen Mädchen nieder, Mutter ging den 20. hin, und hatte mit
Hermine zugleich Julius zu pflegen, welcher todtkrank war. Den 25. erster
Weihnachtstag brachten wir sehr still und ruhig zu, ich konnte kein Bäumchen
machen, da ich keine Wachskerzen in der Stadt bekommen konnte. Eduard und
Gustav waren den Tag über bei uns. Otto schenkte E. eine Hose und
Gustav ein paar Schuhe. Otto und ich beschenkten uns nicht, da wir die
Kiste von Deutschland erwarteten, deren Inhalt unser Christkindchen sein
sollte. Die Kiste kam den 29. Dec. an, ebenso H. Bechems Piano, welches
wir von ihm renteten. Den 18. Januar kam Lischen und das dumme Küken
genannt: Mamsell Schmitt schob ab. Den 26. Januar wurde ich 23 Jahre alt.
Otto schenkte mir ein hübsches Nähkästchen, 4 Citronen,
2 Flaschen Wein und einen schönen Kuchen von Herrn Tillmann. Herr
Theisen war den 29. u. 30. bei uns zu Besuch. Den 3. schrieb ich an Hermine,
wir wünschten das unangenehme, gespannte Verhältnis zu ändern,
und möchten wir uns wieder gegenseitig besuchen etc. worauf mir Hermine
den 9. antwortete, und zwar freundlich und artig. Gott sei Dank, daß
es endlich wieder so weit ist, und mein lieber Otto um meinet und der Mutter
Willen den untersten Weg ging
Herr Bechem half Otto Schattenbäume vor unser Haus pflanzen. Hermine
war mit ihrem kleinen Töchterchen Emilie (ein kleines schwächliches
Kind) bei uns und Mutter zu Besuch, Hermine war etwas mager geworden, aber
sie war herzlicher wie früher.
März. 1853
3. Gestern bekam ich einen Brief von Minchen worin sie uns anzeigte,
daß sie sich zum drittenmal verheirathen wolle, und sich mit Wilhelm
Reuter verlobt habe.- Wie ist es mög- lich?!
Gestern wog ich meine beiden Kinderchen, Clara wog 22 und Theodor 14
Pfd.
Gestern abend brannte Calvert Stable ab, ein furchtbares Feuer, erst
vor kurzem war viel Korn und Heu eingefahren worden, es war so hell, daß
man auf unserer Gallerie lesen konnte. H. Runge reiste vorgestern nach
Indianola zurück.
July. 1853.
22. Lange schrieb ich nichts in mein Tagebuch, und viel Trauriges und
Freudiges hat sich in der Zeit in unserer Familie zugetragen. Emilie Staehely
starb den 29 Juni, ich fuhr mit Mutter, Julius, Helenchen und meinen beiden
Kindern hin, als wir über der Ferry waren, begegnete uns Walther,
um uns die Todesnachricht zu überbringen. Ich fuhr den andern Tag
wieder mit Julius zurück, welcher Waaren für Otto mitnahm. Den
4ten July war ich mit meinen Kindern allein zu Haus, mein Mädchen,
Minchen, hatte ich nach Braunfels gehen lassen. Julius und Gustav waren
bei mir. Ersterer hatte das Fieber. Otto ritt nach Braunfels, wo er sich
sehr gut amusirte, und sogar mehreremal tanzte.
Wir bekamen Briefe von Vater und Laura und beantworteten dieselben.
Hermine war auf 14 Tage bei der Mutter zum Besuch und nahm Helenchen mit,
welche dort in die Schule gehen soll, und Cäcilie Navarro, um sie
14 Tage dort zu behalten.
Frau Bremer gestorben, Herr Jung gestorben, Moreaus ein Mädchen
geboren ???. Hulda.
Eduard ist krank, hat das Fieber, ich bin vom Schenken sehr herunter,
oft so matt, daß ich nicht stehen kann, und habe in 3 Monaten 15
Pfd. verloren, wiege jetzt 85 Pfd
Otto baut ein neues Wohnhaus von Steinen, er hat viel Ärger dabei,
indem er das nöthige Bauholz nicht bekommen kann, und ihn die Leute
belügen und hinhalten.
Clara fängt jetzt recht nett an zu plaudern, und wird schon etwas
verständiger. Der kleine Dicke gen. Titi ist ein prächtiger Kerl,
mit 6 Monate saß er allein, welches er zuerst bei Mutter konte, als
ich mit den beiden Kindern auf 8 Tage bei ihr war. In derselben Zeit war
auch Caroline Bastian bei Mutter und einige Tage bei uns. Mit 7 Monaten
kroch er, und jetzt mit 7 1/2 Monat steht er allein an einem Stuhl. Er
ist die Freundlichkeit und Lebendigkeit selbst. Clara nimmt wenig zu, Wieprecht
glaubt, daß sie Würmer hat, sie mußte deßhalb eine
Zeit lang eine nasse Binde um den Leib tragen, auch bade ich sie, so wie
Theodor jeden Morgen in kaltem Wasser.
Herr Griesenbek ist seit Montag in unserem Store als Clerk, worüber
ich mich sehr für meinen lieben Otto freue, der arme Mann ist dann
doch nicht so schrecklich gebunden. Den 15ten Juli war Ottos Geburtstag,
ich hatte ihm bei Tillmann eine Traubentorte backen lassen, womit ich ihn
vor Tisch überraschte. Morgens 8 Uhr fuhr ich in Mr. Wintz Wägelchen
mit Mrs. Cooke und einem Jungen von Paris Smith in die Plumrich (?), und
war um 11 wieder zu Haus mit einem tüchtigen Korb voll Pflaumen.
25. Juli zog ich in der Hippen ihr Haus, eine schöne angenehme
und geräumige Wohnung, den 27. wurde der Camin zwischen Wohnzimmer
und Store umgerissen, den 28. - 29. entwöhnte ich meinen kleinen Theodor,
da mich das Schenken so stark angriff, daß ich am Ende so schwach
war, daß ich mich kaum auf den Füßen halten konnte. Die
Milch (?) macht mir noch viele Schmerzen, meine Brust ist furchtbar ange-
schwollen und steinhart. Eduard hat noch immer das Fieber.
August. 1853.
Den 19. ritt ich mit Walther, (welcher endlich nachdem er 9 Monate bei
John war, einmal auf einige Tage zur Mutter kam) nach Braunfels, um Sonntag
Abend einen Ball mitzumachen. Unsere gute, liebe Mutter kam so lange zu
den Kindern. Wir ritten gegen 5 Uhr hier fort, als wir gegen 8 Uhr im Dunkeln
an die Ferry kamen, riefen und schrieen wir wol 1 1/ 2 Stunde, allein der
Badenwerber (?) war zu faul zu kommen. Es blieb also nichts anderes übrig
als bei Wyskemann die Nacht zu kampieren.
Wir tranken eine Flasche Bier und aßen ein Butterbrod, und legten
uns auf ein Bett, welches aus einigen Brettern und Plankets bestand, und
worauf man statt auszuruhen nur noch müder wurde. Nach dem Frühstück
ritten wir gleich nach Braunfels, wo wir recht freundlich empfangen wurden.
Morgens ging ich mit Hermine baden, bei vom Steins, Abends gingen wir alle
zusammen auf den Ball, das h. wir fuhren hin. Cäcilie Navarro war
unliebenswürdig. Otto welcher uns Morgens unerwartet überraschte
und ich amüsirten uns sehr gut. John war be- trunken, und benahm sich
eklig. Montags Morgens ging ich wieder mit Hermine baden, ritt dann zur
Minchen und von da zu Stahelys, wo alte Navarros mit dem Wagen waren, um
Cäcilie abzuholen. Gegen 4 Uhr zogen wir alle zusammen nach Hause
auch Eduard welcher das Fieber jetzt los ist.
September 1853
4. Gestern ritt ich mit H. Griesenbek zu seiner Mutter. Die Jungsche
Farm liegt zwar hübsch, aber das Haus ist ein Hundeloch, das Holz,
die Bäume sind klein und verkrüppelt, um das Haus herum sah es
wüst aus. Julius Griesenbeks Haus, ist eine erbärmliche kleine
Hütte, welche auf einem rauhen Hügel voll krüpeliger Bäume
steht. Beide Farmen sind roh und armselig und haben meine Antipathie gegen
das Farmerleben nur vermehrt. Mein lieber Otto ist gesund und munter, das
Geschäft geht gut, unser hübsches Wohnhäuschen naht sich
seiner Vollendung, Klara ist sehr wohl und spricht jeden Tag mehr. Heute
steckte sie Titi gekaute Nüsse in den Mund und frug ihn Nu nuss Titi?
keins mehr, sonst krank! Unser kleiner lieber Titi ist Gott sei Dank auf
der Besserung, er wird wieder munterer, hat nur noch starke Diarhoe, wofür
ich ihm täglich zwei Klistire geben muß. Mein liebes Männchen
hat mir auch jetzt einen neuen Kleiderschrank versprochen!
Januar. 1854.
Den 1. Januar waren Mutter, Julius, Eduard, Helene, Herr Bechem und
Wieprecht bei uns zum Sauerkrautessen. Abends steckten wir unser Christbäumchen
an und ließen es ausbrennen, aßen Pussertskuchen (?), und waren
sehr vergnügt.
Den 8. begleitete Julius die Familie Tischmeier herunter nach Indianola.
16. Heute Abend fand ich den Namen Erens (Evens?) auf der falschen 20
$ Note. Mein geliebtes Männchen reiste Heute Morgen in Fahrs Wagen
mit 2 Moulen bespannt nach San Antonio, und ich muß nun einige Tage
mit Gustav allein den Store versehen.
17. Otto hat kaltes Reisewetter, da Heute Morgen plötzlich ein
Norder heran stürmte. Eduard will Morgen nach Bastrop um eine Fuhre
Bretter zu holen und dan in San Antonio oder Braunfels zu verkaufen. Früher
war er schon einmal in Indianola, ich lieh ihm meinen Brodtopf wovon er
den Deckel verlor, und nichts sagte, bis ich ihn darum fragte, gleich darauf
forderte er 2 $ um für Otto die Juno zu holen, welche er tags zuvor
gesehen hatte, und was jeder andere für 1 $ thut. Otto hat noch vorigen
Sommer, als ihm aus Unvorsichtigkeit eine wilde Mähre todt ging, 5
$ beigesteuert, um seinen Verlust zu vermindern. (Der folgende Satz ist
eingeschwärzt.)
Seit ich zuletzt in dieses Buch schrieb, hat wieder vieles, und Gott
Dank meistens Angenehmes in unserer Familie ereignet. Unser süßes
Söhnchen ist ganz wieder gesund und zwar durch eine Wasserkour des
Herrn Wieprecht, Otto schenkte ihm zu Weihnachten einen mexikanischen Pläneit
zum Andenken. Unser lieber Titi war mehreremal so krank, daß ich
schon für sein Leben fürchtete, doch der gütige Gott hat
ihn uns erhalten. Julius verlobte sich kürzlich mit Anna Tischmeier
und begleitet sie jetzt auf der Reise nach Houston, von wo er sie nach
beendigten Erbschaftsangelegenheiten wol wieder mit heraufbringen wird.
Die neue Schwiegerin in Spee gefällt mir recht gut, sie ist natürlich
und freundlich - 16 Jahre alt Julius 25, passen also dem Alter nach gut
zusammen, wie mein lieber Otto und ich. Herr Carl Griesenbeck stellte uns
Heute in Fräulein Röser seine Braut vor.
Wir wohnen schon mehrere Monate in unserm neuen Hause, im Anfang habe
ich viel darin gefroren, seitdem aber Otto auf meine vielen Bitten eine
Decke in das Zimmer machen ließ, ist es warm und angenehm darin.
Seit Weihnachten habe ich ein neues Mädchen Sophie Schubert, sie
ist dumm, aber viel besser wie Minchen
Herr Krochmann kam vor einigen Tagen bei Mutter an, und reiste Heute
weiter, nach Braunfels und San Antonio, er ist noch immer der gute biedere
Mann.
Herrn Bechems Übel hat sich seit kurzem wieder verschlimmert, er
braucht jetzt seit einem halben Jahre die Wasserkour, wohnt mit Wieprecht
auf unserer Farm, und gehen bei Mutter in Boarding.
Bianca Goldbek hat ein Söhnchen bekommen, und Louis ist nun ein
lustiger Großvater.
Ohm Peter hält sich sehr still in Braunfels, er ist seit seiner
Ankunft noch nicht wieder hier gewesen.
Die Weihnachtstage feierten wir recht vergnügt, ich hatte ein hübsches
Bäumchen gemacht, und schenkte meinem Otto einen hübschen neuen
Schlafrock, Otto schenkte mir einen Schaukelstuhl, welcher aber wohl erst
zu meinem Geburtstag anlangen wird. Den ersten Tag waren wir vergnügt
bei der Mutter, aßen Mittags einen ausgezeichneten fetten Puter,
Nachmittags kamen Tischmeiers, wir musizirten viel, Abends wurde der Christbaum
angesteckt. Von Mutter bekamen wir zum Weihnachtsgeschenk: Otto einen fetten
Puter, und ich ein Plümo und seidenes Band. Wir schenkten ihr eine
große Porzellanschüssel.
Silvester Abend waren Otto und ich vergnügt zusammen, tranken ein
Glas Wipp und gratulierten gegenseitig zum neuen Jahre.
May. 1854.
16) Fast ein halbes Jahr verging, ohne daß ich etwas in dieses
Buch eintrug es hat sich viel in der Zeit zugetragen. Julius Brautschaft
rückgängig geworden. Otto schenkte mir zum Geburtstage einen
Schaukelstuhl, ferner haben wir von neuen Möbeln angeschafft: 1 hübschen
Kleiderschrank, ein Milchschränkchen, und 8 schöne Rohrstühle.
Im März bekam Hermine ein kleines Mädchen, Mutter war 4 Wochen
bei ihr. Hermine war im April einige Wochen mit ihrer kleinen Eugenie bei
Mutter zum Besuch, gerade in der Zeit wurde mein armer lieber Mann krank,
und bekam eine heftige Gallenruhr, die 2te Nacht schickte ich zu Dr. Starke,
es war die höchste Zeit. Otto wurde so schwach, daß er auch
nicht das kleinste Geräusch vertragen konnte, dabei war er stets in
einer sehr gereizten Stimmung, Eduard, Herr Krochmann Dr. Starke und ich
wachten abwechselnd Nachts bei ihm. Louis besuchte ihn auch einmal auf
meine Bitte, ich schrieb ihm durch herrn Seele, er be- stätigte Dr.
St. Verordnungen, und hätte Otto nicht einen Rückfall bekommen,
hätte sich die Krankheit nicht 4 Wochen hingezogen. Den 9. u. 10.
Mai hatte Otto wieder furchtbare Zahn u. Gesichtschmerzen, den 11 hatte
es sich etwas gebessert, er fuhr deßhalb Morgens früh mit der
Post nach San Antonio, um dort Sommerzeuge (?) einzukaufen, und dem Gesangfeste
beizuwohnen. Samstag Morgen ritten auch Julius, (welcher in der zweiten
Woche von Ottos Krankheit zu uns kam) Eduard und Herr Whm. Fromme, welcher
14 Tage bei Mutter zum Besuch war, nach San Antonio. Gestern und Heute
habe ich den Store ganz allein besorgt, ein unangenehmes Geschäft,
besonders wenn man, wie ich, erwartet, in 8-14 Tage in Wochen zu kommen.
Der garstige Albert lief den 2ten Ostern trotzdem Otto sehr krank war,
nach Braunfels, und Sophie heirathete einen Menschen, welchen sie 8 Tage
lang kannte. Morgen kommt hoffentlich mein geliebtes Männchen wohl
von San Ant. zurück. Unsere Kinder sind beide voll Schwären und
Ausschlag. Clärchen kommt leider nicht recht voran, sie wiegt nicht
mehr wie vor einem halben Jahre 27 Pfd. und macht uns oft Verdruß,
daß sie alle Unarten der garstigen Ernestine annimmt. Titi ist ein
kleiner herziger Engel, er ist dick und gesund, und fängt an zu plaudern.
Juni. 1854.
24. Den 8. Juni wurde unsere kleine Anna geboren, gegen 1/2 12 Uhr Mittags,
ich hatte weit mehr zu leiden, wie bei den beiden ersten Kindern. Das Kind
hatte die Nabelschnur zweimal um den Hals gewickelt, (Folge davon, daß
ich die Ranken an unserer Laube vor der Thüre angebunden und zu sehr
in die Höhe gereicht hatte) und konnte deßhalb nicht gut kommen.
6 Tage vorher bekam ich, nach vieler Mühe, von Brfls eine Wärterinn
Frau Hildebrand, welche auch das Kind brachte, den Monat bekommt sie 10
$, welche sie auch verdient. Mutter kam zufällig den Abend, um auf
Schmidtchens Hochzeit zu gehen, und freute sich sehr, daß es schon
so weit überstanden war. Frau H. pflegte mich, wie ihre eigene Tochter,
und sorgte auch für die übrige Haushaltung recht gut, ihr einziger
Fehler ist, das sie zu viel spricht. Otto ist Gott Dank wieder ganz gesund.
Er und Julius waren vor 4 Wochen in San Antonio auf dem Gesangfest. Clara
ist seit 14 Tagen bei der Großmutter.
July. 25ten. 1854.
Den 3 Juli hatten Staehelys Kindtaufe, Herr James Ferguson, Herr Bechem
und ich, waren Pathen, in Braunfels habe ich mich sehr gut amüsirt,
den 4ten July auf der Zinkenburg, auf dem Berge Musik und Ball. Auf der
Hinreise ? Mama in dem kleinen Postwagen - , furchtbare Hitze - Clara oft
erbrochen - in Brfs. von Hermine und John freundschlich aufgenommen, einen
Nachmittag bei Moreaus auf einer Kaffeevisite - bei Fergusons zur Chocolade
- Einen Kinderwagen gekauft zu 4 1/2 $. - Wilhelm Elbers den 5. Juli sich
selbst erschossen, wahrscheinlich aus unglücklicher Liebe zu Alma
Nohl. John fuhr uns, Herrn Bechem und mich in Fergusons Wagen nach Seguin
zurück. 2 Meilen hinter Braunfels begegnete uns Kreutz mit seiner
Frau und Kind. Letzteres ist, wie seine Frau gestanden hat, von Alex Ferguson,
Kreutz wollte nach Braunf. und von Alex F. 400 $ fordern zur Erziehung
des Kindes, und wenn F. nicht bezahlen wolle, diesen verklagen. John bat
ihn um eine Unterredung, und bot ihm in James F. Namen 200 $ damit nur
Frau Ferguson nichts davon gewahr würde, weil diese guter Hoffnung
ist. Frau Kr. fuhr mit nach Seguin zurück und Herr Bechem als Unterhändler
wieder mit nach Braunfels. Hier angekommen, erlaubte sich John die ungezogene
Bemerkung, es sei von Otto ein dummer Streich gewesen, dem Kreuz zu sagen,
daß er gehört habe, seine Frau hätte sich auch noch mit
andern Männern eingelassen etc. etc. Die hochfahrende Art in welcher
John dieses sagte, ärgerte Otto so sehr, daß er Herrn Bechem
bat, John zu sagen, er verbäte sich in seinem Hause solche Ungezogenheiten
etc. Herr B. that dieses und John fand seinen Eigendünkel dadurch
so sehr gekränkt, daß er schwor, nie wieder unser Haus zu betreten,
er reiste auch auf der Stelle nach Br. zurück, mit ihm Frau Hildebrand,
welche in den letzten Tagen unausstehlich war, weil sie geträumt hatte,
ihr Mann sei gestorben, ich war froh, sie quitt zu sein. Frau Schick half
mir einige Tage, bis ich den 18. Juni wieder, (wie es bis jetzt wenigstens
scheint) ein ordentliches Mädchen bekam, Ernestine Gläser
24. Heute war Louis Nohl hier und verordnete unserm armen kleinen Titi
Leberthran. Theodor hat Drüsen und bekommt Augzähne, er ist sehr
mager geworden, und hat einen sehr dicken Leib. Clärchen wächst
jetzt tüchtig, und ist ziemlich gesund. Die kleine Anna ist ein liebes
Kind, sie wächst zusehends, und ist kerngesund. John reiste heute
nach Deutschland, seine Mutter ist gestorben, und er wird wol 15000 $ erben.
Julius versorgt Staehelys Geschäft, während seiner Abwesenheit,
es thut mir leid, daß Julius nicht mehr bei uns ist, er war recht
spaßhaft und machte manchen Witz mit der Frau Hildebrand. An seine
Stelle ist seit circa 8 Tagen Herr Looff getreten. Otto will jetzt im Schlafzimmer
anbauen, und Mutter zu unserer Freude einige Monate zu uns kommen, so bald
sie ihre Farm verrentet hat. Von Tante Hanchen kam Heute ein Brief an Mutter
an. Stuve mit Frau und Kind kamen vorgestern in Braunf. an.
Den 15. Ottos Geburtstag, er war noch sehr schlecht gestimmt und angegriffen,
von dem Ärger über John, ich bakte einen großen Kuchen
mit Rosienen und schenkte ihm Kossuths (?) Bild, 6 leinene Schnupftücher
und ein seidenes Tüchelchen.
September. 1854.
20. Unsere liebe Mutter geht nächsten Montag von der Farm übermorgen
wird sie eine kleine Auction halten 14 Tage bleibt sie dann bei uns, und
geht dann zur Frau Ferguson. Unser Schlafzimmer ist jetzt im Bau begriffen,
ich freue mich recht darauf wenn die Betten aus der Stube kommen und wir
dadurch mehr Platz bekommen. Morgen schreibe ich an Ohm Herrmann, uns ein
Clavier mitzubringen.
December. 1854.
Mittwoch, den 6. December nahm Gott unser innig geliebtes Annchen wieder
zu sich. Das Kind war zu schön und liebenswürdig für diese
böse Welt, in welcher so wenig Freude und so viel Leid ist. Das arme
Kind hat schrecklich gelitten, an der Ruhr, Krämpfen, und Zahnen,
der Anfall von Ruhr war so stark, daß Louis und Dr. Morgan sie nicht
retten konnten. Tag und Nacht wachten die gute Louise und ich bei ihr,
die beiden letzten Nächte von unserer lieben Mutter unterstützt,
welche auf mein Bitten von Braunfels kam. Den 23. Nov. Mutters Geburtstag,
sie war bei Frau Ferguson, welche an dem Tage in Wochen kam. Den 24. ritt
ich auf Ottos Bitten zu Mrs. Wilkox an der Guadalupe welche krank war.
Den 25. war Annchen unwohl und hatte heftiges Abführen. Otto ritt
Abends nach Braunfels um einem Conzert und Ball des dortigen Gesangvereins
beizuwohnen. Sonntag ging dem armen Kinde schon etwas Blut ab, dieses ängstigte
mich so sehr, daß ich Herrn Zorn rufen ließ, und ihn frug,
ob er meine, daß ich einen amerikanischen Arzt rufen lasse, er rieth
mir durchaus ab. Die Krankheit verschlimmerte sich immer mehr, trotz Bädern
und Arzneien, und den 6ten starb unser innigst geliebtes Kind. Den 7ten
fuhren wir hinaus und begruben sie an der Seite unseres guten Vaters und
der lieben Clara. Den 8ten wäre sie gerade 6 Monate alt geworden.
Den 9. Dec. wurde Mutter krank, Kopfschmerzen, Fieber, und mußte
noch bei uns bleiben, sie hatte sonst vor, den 10.zu Fergusons zurückzukehren.
Brief von Tante Hannchen, und von Eduard von Austin aus. Clärchen
und Theodor sind beide stark erkältet und haben einen bösen Ausschlag
am Mund.
Den 12 Dec. begleitete ich meine Mutter nach Braunfels, und erkältete
mich dabei so stark, daß ich eine Entzün- dung in den Hals bekam,
und viel litt. Den 24. Dec. reiste ich mit Clärchen und Theodor nach
Braunf. und blieb 14 Tage bei Nohls, amüsirte mich Weihnachten bei
Nohl und Moreaus sehr gut, wo die Kinder auch beschenkt wurden. Neujahr
war ein hübscher Ball im Casino, Otto war auch gekommen, es war eine
Verlosung von allerlei Kleinigkeiten, ich bekam eine Nadel mit Glasknopf,
ein Spiel Karten, und ein Döschen mit Haarnadeln.
Den 15. Januar. Otto schenkte mir ein Baerl deutsche Kartoffeln, eine
schöne Tischdecke und 2 schöne blaue Schüsseln zu Weihnachten,
ich schenkte ihm ein Cigarrenetui, einen weißen Shwal, und eine Freundinn
(?). Die Kinder bekamen ein kleines Tischchen. Ach wenn doch mein süßes
geliebtes Annchen noch lebte, wie gerne wollte ich Bälle, Vergnügungen
und alles dergleichendafür geben! Der Kinder Ausschlag am Mund ist
wieder geheilt.
Januar. 1855.
26. mein Geburtstag, ich wurde 25 Jahre alst, mein lieber guter Otto
schenkte mir ein hübsche lakirte Waschschüssel, eine Gemälde-Brosche
und 2 Kuchen. Der gute Mann war sogar so lange herumgelaufen bis er ein
grünes Bouquetchen für mich gefunden hatte.
Februar 1855.
20. Clärchen war 8 Tage recht krank, sie hatte ein heftiges Catarhal.
Fieber brach mehrmals Galle und hatte dabei einen starken Husten, Fritz
mußte 3 mal nach Braunfels reiten, Louis kurirte sie recht gut, ohne
sie zu sehen, und sie ist nun Gott sei Dank wieder wohl. Otto ist seit
8 Tagen verreist mit Herrn Carl Wieprecht um sich in den Guadeloupe Gebirgen
oder dem Rio Blanco ein gutes Stück Land auszusuchen, darauf zu farmen
und Vieh zu ziehen.
Otto kam den 19 zurück und sagte mir, er werde wahrscheinlich Wilkes
Farm kaufen 20 Meilen von Braunfels an dem Weg nach Friedrichsburg gelegen.
Ende Februar war ich mit Otto und den Kindern in Fahrs Wägelchen
in Braunfels. Wir logierten bei Moreaus waren Abends auf dem Ball im Clubb,
es war zu voll, zu viel ordinäres Volk da, und Otto war ärgerlich,
daß ich oft neben Hermine saß. Montags fuhren wir wieder nach
Hause, und nahmen unsere liebe Mutter mit, welche 4 Wochen bei uns blieb.
Wir bekamen gerade in der Zeit 2 Boxen Orangen und 1 Barrel fri- sche Äpfel.
Mutter und ich gingen oft mit den Kindern an die Guadalupe spatzieren,
in den letzten Wochen war es leider immer sehr kalt, so daß wir nicht
ausgehen konnten.
Lehmann und Edmund reisten im Februar ab, an Lehmanns Stelle trat Herr
Pelzer.
April 1855.
Den 1. reiste Otto mit Mr. Andro Erskine herauf um Dr. Potters Mühle
zu besehen.
August. 1855.
Ich war mit den beiden Kindern beinahe 14 Tage bei unserer lieben Mutter,
sie wohnt in dem kleinen Roh???-Häuschen mit Helenchen. Ihr Clavier
kam in der Zeit an. Ottos und Johns Zwist gab zu einigen sehr unangenehmen
Auftritten Anlaß. Wir gingen fast alle Tage auf Caffeevisiten, kauften
uns oft Pfirsiche und waren recht vergnügt. Ich zeichnete den Struwelpeter
ab, war oft sehr marode. Julius verlobte sich mit Anna Pelzer. Otto machte
mit Herrn Bechem eine Reise ins Gebirge und legte mit Herrn Groth einem
Landvermesser die Stadt Middletown aus. Er hatte sehr viel Regen, und blieb
mehrere Tage länger aus, wie er vorhatte, weßhalb ich in großer
Sorge um ihn war.
Es wurde hier in Seguin ein großes Babicue von den Democraten
gehalten. Wir hatten die Nacht 4 Braunfelser und Agnes Dittmar im Logis
Den 15. July. Ottos Geburtstag, ich backte ihm 2 Pflaumentörtchen,
welche ich mit hübschen Kränzen umgab, schenkte ihm ein paar
Hosenträger, und machte ihm ein kleines Gedicht. An dem Tage war ein
Babicue hier, ich hatte mich am Tag vorher mit Backen so angestrengt, daß
ich Morgens ohnmächtig wurde. Nachdem die Louise fortgelaufen, war
ich 4 Wochen ohne Magd, nachdem trat Frau Heinze bei mir in Dienst.
Herrn Radeleff unsern Clerk haben wir aus in (?) Boarding gethan, weil
jetzt eine sehr rare Zeit in Betreff der Lebensmittel, und er ein furchtbarer
Esser ist.
September. 1855.
17. Julius war einige Tage hier, seine Compagnie-Geschäft mit Staehely
hat sich vor seinem Anfang zerschlagen, und will er jetzt ein eigenes Geschäft
hier etablieren. Herr Otto Fischer war mit 2 Mexikanern hier, er brachte
Schindeln und nahm Waaren mit hinauf, auch 2 junge Kätzchen. Simon
nahm unsere Hündnin (?): Schulze mit. Otto fuhr Mad. Fromme Gestern
mit ihrem Söhnchen zu Dr. Nohls, weil letzteres nicht recht wohl ist.
Von da fährt Otto Heute in die Martinus, um vielleicht von Real noch
einige Mähren zu kaufen, von dort nach San Antonio, um Einkäufe
zu machen. Von Eduard erhielt ich gestern einen Brief, er hat keine Lust,
Ottos Vorschlag, nach der neuen Stadt am Blanco zu ziehen, nachzukommen.
Die Indianer haben in letzter Zeit viel geraubt und gemordet, und kommen
bis ganz in die Nähe der Städte. Mr. Andro Erskine will mit einer
Compagnie Freiwilliger gegen die Indianer ziehen, welcher C. sich auch
Herr Bechem anschließen wird. Otto ist recht gesund und vergnügt,
Clara und Theodor sind auch recht wohl, und machen uns viel Vergnügen.
Was mich selbst betrifft, so bin ich jetzt im Ganzen wohler, als im Anfang
der Schwangerschaft, besonders die Magenschmerzen haben sich fast ganz
verloren.
Aus Erskines Expedition gegen die Indianer ist nichts geworden, weil
General Smith Hülfe in Waffen, Provisionen etc. verweigerte.
November. 1855.
Den 12. wurde der kleine William Otto geboren Nachts 3 1/2 Uhr. Die
Hebamme Frau Hildebrandt war schon seit dem 1. Nov. hier, Anna Pelzer war
14 Tage zum Besuch bei uns, den 30. Okt. ließen wir sie durch Suchard
wieder nach Braunfels fahren, und Mutter und Frau Hildebrandt mitbringen.
Otto reiste in angenehmer Gesellschaft von Amerikanern den 1. November
nach Austin, und wohnte dem dortigen Babecue bei, wo er sich sehr gut amüsirte.
Heute den 19. Sonntag Otto und Julius ritten Heute Morgen 6 Uhr trotz ziemlich
starkem Norder nach Braunfels um Heute Abend ins Theater zu gehen, Otto
wird von dort Morgen nach San Antonio reiten, um einige Einkäufe zu
machen. Seit 3 Wochen ist Julius in Otto's Geschäft als Partner eingetreten,
er sah ein, daß es mit seinem eigenen Geschäft nichts gab, und
es ist für beide Theile gut, daß es so gekommen ist.
Recht dankbar können wir dem lieben Gott sein, daß die Geburt
des kleinen Otto so schnell und glücklich abgelaufen ist, wenn er
ihn uns nur gesund erhält. Meine Magd, die scheinheilige Frau Heinze
hat mir zum 24. dieses aufgekündigt, weil ich nicht (eingeschwärzt:
machen) will, daß Otto ihrem Schwiegersohn dem Gläser die Schindeln
auf Credit giebt, es ist abscheulich hier, mit der Frechheit der Dienstboten.
Die Frau Hildebrandt macht eine rühmliche Ausnahme, sie ist ein wahres
Muster von einer Hebamme.
Welch ein Glück, und welche Annehmlichkeit, meine liebe, gute Mutter
bei mir zu haben, mit welcher Liebe pflegt sie mich, und nimmt sich der
Haushaltung an, wie ihrer eigenen.
Circa 14 Tage vor Weihnachten kam unsere liebe gute Tante Hanchen von
Deutschland glücklich und gesund bei uns an. Weihnachten machten wir
einen schönen großen Christbaum. Ich hatte leider keine Magd,
und mußte mit Mutter und Tante alle Arbeiten allein thun, welches
mir sehr schwer wurde, da ich von dem Wochenbette her, noch sehr schwach
war. Besonders für Mutter und Tante war es mir sehr unangenehm, die
Frau Schick kam herunter zum spülen und melken. Wir hatten schöne
Kuchen und kleines Gebäck gemacht, und wären ganz vergnügt
gewesen, wenn es nicht so fürchterlich kalt gewesen wäre. Wir
beschenkten Julius mit einem feinen Tischtuch und 6 Servietten und einem
Ledereimer mit kupfernen Reifen. Unsere liebe Mutter bekam eine schöne
Uhr und ein paar seidene Handschuhe, und Tante Hanchen ein paar dito Handschuhe
und einen feinen Kamm. Mein lieber guter Otto schenkte mir ein halbes Stück
feines Leinen, Tüll zu einem Schleier, ein paar Handschuhe, und eine
Blechbüchse mit grünen Erbsen. Otto bekam von mir Hut, Weste,
Handschuhe, und den Anfang von einem Hosenträger. Den ersten Weihnachtstag
war eine fürchterliche Kälte, so daß wir alle möglichst
nahe zum Ofen krochen. Den 2ten kam Eduard, wir hatten einen schönen
Puterbraten, unsere liebe, arme Mutter hatte leider starke Kopfschmerzen.
Den Tag darauf fuhren Tante und Mutter mit dem Suchard wieder nach Braunfels.
Sylvester hatten Julius und Anna Hochzeit, sie wurden bei Staehely's durch
Herrn Seele getraut, und gingen nachher auf den Ball in dem Union Clubb.
Den 3 Januar -
Januar 1856
3. Trat unsere jetzige Magd Tine ein, ich hatte sie durch Nagel am Yorks
Kreek holen lassen. Den 26. Januar wurde ich schon 26 Jahre alt, es rauchte
an dem Tage fürchterlich in unserer Stube, Otto schenkte mir ein Barrel
deutsche Kartoffel.
März. 1856
Unser liebes Clärchen ist schon seit 3 Wochen in Braunfels bei
der Mutter, und hat dort leider das Fieber, ein gastrisches, Louis sagte
mir zwar es sei gar keine Gefahr dabei, aber dennoch bin ich sehr unruhig.
Louis war hier wegen Theodor, welcher das Scharlachfieber hat, er ist jetzt
Gott sei Dank, wieder ganz auf der Besserung. < Seguin, den 2. März
56.> Zugleich holte er Alma wieder, welche 14 Tage hier war, in welcher
Zeit wir leider immer Regen und Kälte hatten. Der kleine Otto hat
einen Flechtenausschlag auf beiden Bäckchen (Bleistifteintragung:
jedenfalls Fraissam (?)), Louis sagte, er könne ihn leicht vertreiben,
es sei jedoch besser, es nicht zu thun, weil er sonst leicht Drüsen
in den Unterleib bekommen könne.
Otto ist schon seit 14 Tagen wieder in Middletown, durch Louis höre
ich, daß sich schon wieder Indianer gezeigt haben. Ich bin seit meinem
letzten Wochenbett noch nicht wieder ganz wohl, trotz dem ich den kleinen
Otto tüchtig mit Hafergrütze füttere, und Louis räth
mir, eine Mineralwasserkur durchzumachen.
May 1856.
Pfingstsontag, den 11. Mai. Ein trauriger, wenigstens sehr langweiliger
Pfingsttag, 3 Tage vorher Regen, daher sehr schmutzig, Otto in Middletown,
Julius nach Brfs. um seine Frau zu besuchen, welche schon 14 Tage bei der
Mutter zum Besuch ist. ich war also ganz allein mit den Kindern, doch habe
ich Ursache, Gott dankbar zu sein, da unser leibes Ottöchen wieder
besser ist. Er war die letzte Woche krank, erst 3 Tage heftiges Zahnfieber,
dann nachdem des erste Zähnchen durch war, heftige Diarrhoe, so daß
er recht mager geworden ist. Heute vor 8 Tagen fuhr Otto mit Schreiner
Batholomä nach Mitn. und nahm Tante Hanchen auf dem Wege dahin mit
nach Braunfels. Die Nacht darauf starb meine schöne "Juno" wahrscheinlich
in Folge von zu früher Anstrengung, nach dem fohlen, das schöne
Fohlchen wird nun auch wohl nicht aufkommen. Tante Hannchen war circa 8
Wochen hier, die ersten 4 Wochen ihres Hierseins war ich mit Öttchen
in Braunfels bei der lieben Mutter zu Besuch, wo ich eine Mineralwasserkur
gebrauchte, doch ohne sichtbaren Erfolg. Ostern war dort ein Conzert zum
Besten der Schule. Otto kam auch hin, ich sang die Adelaide und mit H.
Schütze ein Duett aus Faust. Frau Torry und Frau v. Roth sangen ein
Duett, und nachher mit in einem Quartett. Von allen Freunden und Verwandten
wurde ich sehr freundschaftlich aufgenommen, besonders von der lieben Alwine
und Franz, Hartmanns lernte ich dagegen von einer sehr unvortheilhaften
Seite kennen. Nachdem die liebe Tante Hannchen wieder nach Brfls. zurück
ist, kommt es mir hier sehr einsam vor, sie war so gütig meine Haushaltung
zu führen, und unsere beiden lieben ältesten Kinder zu beaufsichtigen,
dadurch wurde es mir möglich ganz ohne Sorgen in Brfs. zu sein.
Seit 4 Wochen ist die Amalia von Fischers hier bei junge Wöhlers,
sie kam während meiner Abwesenheit hier an, Tante, welche sie nicht
kannte, nahm sie nicht auf, und nun scheint sie von den Wöhlers aufgehetzt
zu sein, denn sie kommt nicht, trotz mehrmaligem Einladen. Während
ich in Brfs. war, wurde der graue Hengst "Gree Pascha" von der Martinos
gestoh- len, wieder ein großer Verlust!
Den 4ten fuhr Otto mit Bartholomä herauf in's Gebirge, und nahm
die liebe Tante Hanchen mit nach Braunfels. Er fuhr zum erstenmale mit
unserm neuen Wagen, und spannte Juno, welche ein kleines Fohlchen hat,
und die Mula ein. Die Juno wollte durchaus nicht ziehen, so daß Otto
die größte Last damit hatte, andern Morgens war sie todt.- Das
arme Fohlen ist bei Cramer in Hortontown, welche es aufziehn. Mai 20. Ottöchen,
der kleine Engel hat schon 2 Zähnchen, er war 8 Tage recht krank.
hatte 3 Tage Fieber, und dann die heftigste Diarhoe. Ich gab ihm früher
Morgens und Abends ein Gläschen frische Kuhmilch, da er diese gar
nicht verdauete, sondern sie in steinharten Klumpen wieder von sich gab,
so gebe ich ihm gar keine Milch mehr. Er hatte auch einige Tage Nesselfieber.
Seit 2 Tagen habe ich ihn nun entwöhnt, der gute kleine Engel hat
nur den ersten Abend tüchtig geschrien, und sich von da an geduldig
in sein Schicksal ergeben. Das Kind ist nicht hübsch, aber so gut
und freundlich, daß er aller Liebling ist, besonders von Julius
Den 16. kam Herr Baier hier durch mit seiner hübschen Frau, welche
er uns vorstellte, den 20. Gestern, brachte Gustav Peltzer seine Schwester
wieder her, Anna war 3 Wochen verreist, Julius boardete so lange bei uns,
ich verdiente dadurch 9 $, wofür ich mir 6 Betttücher von Mutter
kaufen werde. Edmund und Mathilde hatten den 19. Hochzeit, Anna Dittmar
ist verlobt mit Herrn Konrads, Herr Real mit einer Fräulein Kähe,
welche mit der Tante Hanchen auf einem Schiffe reiste. Tante Hanchen schickte
mir durch Julius zum Vielliebchen eine Lorgnette, ein schönes Vielliebchen!
Klärchen ist tüchtig gewachsen, sie muß jeden Morgen
die Kerzenleuchter putzen, und schon allerlei kleine Handreichungen thun,
wozu sie sich recht gut schickt. Das Kind ist nur zu aufgeregt, und für
ihr Alter sehr klug, sie hat ein gutes liebesbedürftiges Herz, aber
viele Fehler, von denen der schlimmste Hang zur Unwahrheit ist. Seit einiger
Zeit hat sie oft wieder so sehr heftiges Nasenbluten. Theodor ist ein kleiner
Trotzkopf, aber ein Herzens guter Junge.
21. Heute war Herr Krochmann hier, aber nur auf 5 Minuten, da er gleich
mit der Post nach San Antonio fuhr, hat aber versprochen auf seiner Rückreise
einen Tag zu bleiben.
August. 1856.
17. Sehr, sehr trauriges habe ich wieder in mein Tagebuch einzutragen.
Den 23. July starb unser geliebter kleiner Otto, nach 5 wöchentlichen
schmerzlichen Leiden an Zahnfieber, Ruhr und Schleimfieber. Der gute kleine
Engel behielt seine Besinnung bis wenige Minuten vor seinem Tode, er war
furchtbar abgezehrt, nichts wie Haut und Knochen. Tante Hanchen kam 14
Tage vor seinem Tode, und half ihn mir getreulich pflegen. Den 24 schrieb
ich an Franz Moureaus, und dieser schickte einen Boten mit einem Brief
von mir an den armen Otto nach Middletown, ihm die Trauerbotschaft zu überbringen.
Wir fuhren in Suchards Wagen, Tante Hanchen, Frau Zorn, die Kinder und
ich, zu der Grabstätte unserer vorangegangenen Lieben, an deren Seite
wir unter heißen Thränen den geliebten Knaben begruben. Er war
8 Monate und 11 Tage alt geworden.
Die nächsten Tage packten wir unsere Sachen ein, fuhren den 4 Aug.
nach Braunfels zu unserer guten Mutter und den 6. holte uns Otto endlich
nach Middletown. Wir hatten eine schlechte Reise, furchtbare Hitze, Wassermangel,
und verloren vor der Guadalupe eine Mule, so daß wir mit 2 statt
3 Pferden bis M. fahren mußten, von denen das eine krank war. Tante
sowohl, wie mir, gefällt es recht gut hier, nur ist es noch lange
nicht alles fertig. Die größte Unannehmlichkeit ist, daß
wir das Wasser so sehr weit zu holen haben für Otto 300 für mich
450 Schritte.
Otto's Geburtstag konnten wir natürlich nicht feiern, denn er war
in Middletown, ich mit dem todtkranken Kind in Seguin. Ich häckelte
ihm ein Täschchen für Stahl und Schwamm, ließ ihm ein paar
rothe Pantoffeln machen, und gab ihm dazu eine Box Brausepulver.
14. Tante und ich gingen mit Georgs Frau und Töchtern und den Kinder
Pflaumen suchen, fanden recht viele, und machten für Mutter und uns
ein, für den Winter. Wir baden Morgens vor Sonnenaufgangs und Abends
im Mondschein, weil wir bis jetzt noch keine Badehäuschen haben. Vorgestern
Abend fuhr Tante mit Otto 4 Meilen von hier, wo sie 15 große schöne
Hühner holten.
Wir haben circa 50 Pferde, 6 Kühe mit Kälbern und einige Schweine.
Otto kaufte in Seguin einen starken Wagen worin 6 Personen bequem sitzen
können. Theodor und Clara sind jetzt, Gott sei Dank wohl, der liebe
Gott möge sie uns erhalten, und gute brave Menschen aus ihnen machen.
Ich bin in folge der langen Nachtwachen, Sorgen und Kummer so abgezehrt,
daß ich nur 92 Pfd. wiege und sehr hinfällig bin. Dazu ist mein
Magen nicht in Ordnung, und leide ich schon seit circa 4 Monaten an gänzlicher
Appetitlosigkeit. In Zeit von 3 Monaten verlor ich 14 Pfd.
November. 1856.
29. Heute Nachmittag waren Herr und Frau Meierhofer zum Besuch bei uns,
wir erwarteten sie zum Mittagessen, sie konnten jedoch nicht vor Tische
kommen, weil sie ihre Mulen verloren hatten. Seit 12 Tagen bin ich nun
wieder zu Hause, nachdem ich beinahe 5 Wochen bei Dr. Kapp die Wasserkur
gebrauchte, und zwar mit recht gutem Erfolge. Hier zu Hause muß ich
die Kur noch fortsetzen, fühle mich aber schon jetzt viel kräftiger,
und habe einen ganz guten Appetit, auch 4 Pfd. gewonnen. Die Familie Degener
und Rhodius lernten Otto und ich als sehr liebe und artige Leute kennen.
Doch ich will von vorn anfangen. Ich ritt mit Otto zuerst bis zu Judge
Johns Farm, wo wir bei dem Renter Mr. Hees übernachteten. Es ist eine
große schöne Farm, wir sahen da 500 schöne Äpfel und
Birnbäume, und im Oktober noch prachtvolle blühende Rosen. Den
nächsten Morgen ritt ich mit meinem lieben Otto zu Dr. Kapp, wo wir
gegen 11 Uhr ankamen, um ihn wegen meines Unwohlseins zu befragen. Er rieth
mir nun gleich zu bleiben, und die Cur zu gebrauchen, weil es schlimm sei
mit einem Übel wie das meinige in den Winter zu gehen. Mein Hauptübel
ist ein schwacher Magen, und Verstopfung. Da nun auch Otto wünschte,
das ich die Wasserkur gebrauchen mögte, und ich selbst großes
Vertrauen dazu hatte, so entschloß ich mich dort zu bleiben, besonders
da ich die Kinder unter der liebevollen Pflege und Aufsicht der Tante Hanchen
gut versorgt wußte. Clärchen war während meiner Abwesenheit
einmal etwas unwohl, sie hatte Fieber, welches sich jedoch bald wieder
besserte. Mein lieber Mann besuchte mich jeden Sonntag, welches dann allemal
ein Festtag für mich war. Während meines Aufenthaltes in Sisterdale
fiel dort eine schauderhafte Szene vor. Der 22jährige Sohn von Dr.
Runge wurde von Indianern eine halbe Meile von seinem Hause ermordet und
scalpiert. Er hatte 5 Pfeilwunden, und einen Messerstich in der Brust,
und er wurde nackt und entstellt gefunden. Entsetzlich für die armen
Eltern und Geschwister. 9 junge Leute alle Freunde von dem jungen Runge
verfolgten die Indianer mehrere Wochen, und wie sie ihnen dicht auf den
Fersen waren steckten die Indianer die Prärie in Brand, so daß
sie die Spur nicht mehr verfolgen konnten. Otto kam mit H. Stockmanns in
der Nacht an, um nicht von Indianern gesehen zu werden, er brachte kein
Pferd für mich mit, weil er nicht wußte, daß ich schon
mitreiten konnte. Dr. Kapp schlug es ab uns ein Pferd zu leihen, Otto wandte
sich an Herr Degener, dieser lieh uns nicht nur ein Pferd bis Curres-Kreek
, sondern begleitete uns auch mit seinem Sohn bis dahin. Der Sohn schoß
unterwegs einen Hirsch, welchen er uns schenkte. Von Curry's-Kreek mußte
Otto und Herr Starkmanns abwechselnd zu Fuß gehen. Meine Freude,
meine geliebten Kinder und die gute Tante Hanchen wiederzusehen, war groß
und ich mußte Freudenthränen weinen. Einige Tage darauf verabschiedete
ich den lästigen Stockmanns, welcher immer zum Eßen kam, ohne
dafür irgend etwas zu arbeiten. Otto behandelte ihn bei Tisch sehr
abstoßend, wollte ihm aber nicht den Laufpaß geben, weshalb
ich dies übernahm. Dann hatten wir 14 Tage lang Herbst und Bindseil
in Kost und Logis. Herbst machte eine Dannstie (?) Decke ins Wohnzimmer,
gerbte einige Bärenfälle, und machte Bridle's und andere Sachen.
Bindseil zimmerte das Gerüst zu unserer neuen Küche. An einem
Tage, bei heftigem Sturm flog das Dach von unserm Rauchhause, es war jedoch
noch nicht mit Schindeln gedeckt. 12 Tage vor Weihnachten fuhr Otto nach
Seguin, und kam erst 3 Tage vor den Feiertagen zurück. In diesen 9
Tagen habe ich dem Store allein vorgestanden, und mußte dadurch leider
meine Wasserkur die ganze Zeit aussetzen. Otto brachte unsere liebe Mutter
und Helene mit von Seguin. Mutter war 4 Wochen bei Julius und Anna gewesen,
welche Letztere den 5. Dec. auf Titi's Geburtstag mit einem kleinen Söhnchen
nieder gekommen war.
December. 1856.
Die Weihnachtstage waren wir recht vergnügt zusammen. Da Mutter
vergaß, uns die Speculatiusformen mitzubringen, so machten wir allerlei
Phantasiefiguren wobei wir viel Spaß hatten. Christabend ging ich
auf Tante Hanchen's Zimmer, wo Mutter und ich das Bäumchen geschmückt
hatten, und legte die Geschenke zurecht. Otto kam diesesmal am schlechtesten
weg, denn da ich keine Zeit hatte, ihm etwas zu machen, und keine Gelegenheit
etwas zu kaufen, so backte ich ihm 3 Äpfelkuchen, welche er so gerne
ißt. Otto überraschte mich mit sehr schönen Geschenken,
ein hübsches carrirtes wollenes Kleid, ein paar wiße seidene
Handschuhe, sehr elegant eingepackte wohlriechende Seife, ein Fläschchen
mit Parfüm, ein hübsches Schächtelchen mit Haarnadeln, ein
seidenes Tüchelchen und eine schöne Scheere. Der gute Mann hat
alles aufgeboten, um alle meine Wünsche zu erfüllen, und es that
mir sehr leid, daß ich ihm so gar nichts schenken konnte. Tante Hanchen
bekam einen schönen Damensattel, ein Kattunkleid, Arbeitskörbchen,
Reit- handschuhe, und noch einige Kleinigkeiten. Mutter, ein Eimerchen
mit kupfernen Reifen, ein Töpfchen Apfelmus, eine Flasche mit Honig
und Kleinigkeiten. Helene, ein paar Sontagsschuhe, Gürtel, Harnadeln
etc. Wilhelm einen guten Hut. Clärchen und Theodor waren außer
sich vor Freude, sie hatten beide Bilderbücher, Puppen, Kochgeschirre
etc. etc. und von Mutter jeder 1 $ in die Sparbüchse. Tante Hanchen
schenkte mir noch eine Flasche mit O do Cologne und ein Päckchen Schnürriemen.
Das Bäumchen war allerliebst und wir waren alle recht vergnügt.
Den ersten Weihnachtstag ritten Otto Tante und ich zu Hodges Mühle,
wo ein großes Diner gegeben wurde. Das Essen war recht gut, die Leute
alle sehr anständig, und das Wetter herrlich. Abends 6 Uhr waren wir
wieder zu Hause und aßen frischen Kopfsalat aus Mutters Garten, mit
Kartoffelkuchen. Den zweiten Weihnachten machten wir Nachmittags einen
angenehmen Spatzirgang auf der andern Seite des Cherry-Kreeks.
28.) Sontags. Heute Nachmittag machten wir Mutter, Otto und ich einen
tüchtigen Spatziergang, wo wir bei dem herrlichsten Wetter auf einem
hohen Berge standen, und eine sehr schöne, ja entzückende Aussicht
hatten. Tante Hanchen war zu müde mitzugehen, da sie erst Gestern
mit Otto zu Specht geritten war. Die Kinder sind Gott sei Dank sehr gesund
und munter, der liebe Gott erhalte sie uns dabei.
Januar. 1857.
Den 26. mein Geburtstag, Mutter schenkte mir ein paar schöne weiß
merinowollene Strümpfe, Tante Hanchen ein paar Glacehandschuhe und
ein Samtband, unters (?) Krägelchen. Wir hatten Tags zuvor 3 Schweine
geschlachtet, welche Mr. Presle vom Pindernaler (?) für uns mitbrachte.
Eins brach aus der Penne, und wurde nach langem Suchen unten im Blanco
wiedergefunden, da geschossen und heraufgetragen. An meinem Geburtstage
waren wir alle sehr beschäftigt das Fleisch einzusalzen und Wurst
zu machen. Otto war sehr verdrießlich und oft unartig gegen mich,
sogar in Wilhelm's Gegenwart. Er schwärmt und träumt jetzt nichts,
wie Deutschland.
Tante Hanchen erklärte mir zu meinem großen Bedauern, daß
sie von uns fort zu gehen wünsche, sie habe Otto und mich sehr gerne,
sei aber bange, daß ihr den Sommer in der Hitze die Arbeit zu schwer
werde, und denke, daß sie eine angenehmere Stelle haben könne.
Besonders unangenehm ist ihr, daß so viele ungebildete Menschen hierhin
kommen, und häufig mit essen, wodurch der Tisch sehr unangenehm wird.
Im Januar ritt ich mit Otto zu Baetge, fanden aber nur seine Frau zu
Hause. Sie war sehr freundlich und artig, setzte uns aber ein ganz miserabeles
Essen vor. Bei dem Rückritt, wo es stockfinster wurde, scheute mein
Pferd Castor furchtbar, als wir gerade durch ein frischgepflügtes
Feld ritten, ich stürzte gerade auf den Kopf, kam aber mit einem tüchtigen
Schreck und Kopfschmerzen davon. Otto fing das Pferd wieder ein, und ich
setzte mich, noch am ganzen Leibe zitternd wieder auf.
Februar. 1857.
11. überraschte uns Louis Nohl, Abends spät, er kam von Friedrichsburg.
Er sagte, ich sähe viel besser aus, wie er sich's gedacht hätte,
ich solle nur in der Wasserkur fortfahren. etc. Auch hier bei uns und die
Gegend, gefiel ihm sehr gut.
13. Otto reiste in Gesellschaft von Mr. Robison nach Braunfels, und
von da nach Seguin, wo er einige Wochen bleiben muß, um alte Schulden
einzukassieren. Wir, Herr Szoonsky (?) und ich, sind fleißig im Garten
am arbeiten. 19. Einer unserer Nachbarn Brümmer hat sein 4jähriges
Kind verloren, Szoonsky ist mit fort, um es zu suchen. 22. Das arme Kind
ist noch immer nicht wiedergefunden worden obgleich alle Nachbarn zu Fuß
und zu Pferd fort waren, es zu suchen, keine Spur von ihm zu entdecken,
es ist schrecklich für die Eltern. Ich pflanzte gestern mit Erfurt
ein großes Stück deutsche Kartoffeln. Clärchen und Theodor
sind, Gott sei Dank, beide sehr gesund, und Theodor besonders macht uns
durch seine Munterkeit, drolligen Einfälle und durch sein gutes Herz
sehr vieles Vergnügen. Clara ist nicht so aufrichtig und liebenswürdig
wie Titi. Sie scheint Talent zum Zeichnen zu bekommen, auch schreibt sie
die Worte, welche ich ihr vorschreibe, schon ganz hübsch nach.
Otto hat einen neuen Hengst eingetauscht von H. Hefter, für die
Mule Jül, ein 2jähriges Pferd, Sixschooter etc im Ganzen im Werth
zu 140 $. Er hat ihn Hector getauft, ein schöner starker Grauschimmel.
April. 30. 1857.
Schon wieder habe ich lange versäumt, die Begebenheiten des Tages
in dieses Buch einzutragen. Im April war Julius einige Tage bei uns zum
Besuch, während Otto 3 Wochen in Seguin war. Auch Eduard war einige
Tage bei uns, beiden gefiel es ganz gut hier. Herr Seele, Bechstädt,
und Baier waren auf ihrer Reise nach Friedrichsburg einen Nachmittag und
eine Nacht hier. Die Herrn waren sehr unterhaltend, und wir lachten oft
recht herzlich über Seele's Witze. Otto verschwappte unsern Wagen
gegen einen Eselhengst.
Mai. 1857.
Den 4. ritt ich mit Otto zu Dr. Kapp, um ihn nochmals um seine Meinung
über meinen Gesundheitszustand zu fragen. Die letzten 4 Meilen ritten
wir fast immer Galopp, weil wir etwas ängstlich vor Indianern waren,
beide einen Sixschooter an der Seite, wir kamen glücklich bei Kapp
an. Die Sonne schien den Mittag furchtbar heiß, so daß mein
Gesicht von der heißen Luft vollständig verbrannte. Morgens
früh hatten wir nur 3 und Mittags 28 Grad Wärme. Dr. Kapp und
seine Frau nahmen uns sehr freundschaftlich auf, und der Dr. empfahl mir,
wieder nasse Binden um den Magen zu tragen, Klistire und Sitzbäder
zu brauchen. Gegen meinen nun schon 5 Monate anhaltenden Stockschnupfen
könne er direckt nichts thun, das hinge mit dem Magen und Unterleib
zusammen. Andern Morgens standen wir vor 5 Uhr auf, ich ging in Kapp's
Kuhpenne und molk von einer alten Kuh 2 Gläser Milch, eins trank ich
direckt aus, das andere brachte ich Otto. Dann ritten wir ohne weiteres
Frühstück, nachdem wir uns vom Dr. und seiner Frau verabschiedet,
wieder nach Hause, wo wir schon um 10 Uhr ankamen. Den 6ten hatte ich den
ganzen Tag furchtbare Kopf und Zahnschmerzen, und den 7ten trat mein lieber
Otto seine große Reise nach New Orleans, New York und Deutschland
an. Er kaufte von John Robison einen ausgezeichneten Ponny für mich,
(Paßgänger) dieser kleine Bill kostet 75 $ in Vieh, und auf
ihm begleitete ich Otto bis Seguin. Der Abschied von den Kindern wurde
ihm recht schwer. Wir ritten zuerst bis zu Fischers, wo wir um 1/2 11 uhr
ankamen, zu Mittag aßen und nachdem wir etwas geruht, gegen 5 Uhr
wieder aufsaßen um den Abend noch 6 Meilen zu reiten. Das kleine
Fischerchen gleicht ganz seinem Vater, und ist sehr weit davon entfernt,
ein hübsches Kind zu sein. Von Fischer bis zur Guadelupe ritten wir
Cours, Otto verfehlte die rechte Crossing, er ließ sein Pferd einen
steilen Abhang hinauf springen, und da ich zu ängstlich, mein Bill
auch nicht wollte, stieg ich ab, um ihn hinauf zu führen, Otto, welcher
bange war, wir möchten vor Abend nicht zu G. Schmitt gelangen, wo
wir zu übernachten gedachten, wurde über die kleine Verzögerung
wüthend, lief herbei und riß mein Pferd am Zügel, dieses
scheuete zurück, und hätte mich beinahe zu Boden geworfen und
zertreten. Wie ich ihm, sein zorniges, unartiges Wesen vorwarf, sagte er,
es wäre nichts, wie Eigensinn von mir, u. nannte mich hartköpfig
u. ich sollte schweigen. Als ich ihm nun auseinandersetzen wollte, daß
es nicht Eigensinn, sondern Ängstlichkeit gewesen, sagte er, wenn
ich Dir sage, Du sollst schweigen, so schweig, dann ritt er fluchend, ein
Stück vor, ich sah wol, daß kein vernünftiges Wort mit
ihm zu sprechen sei, und ritt tiefgekränkt hinter ihm her. Kurz vor
Abend kamen wir bei Schmitt an, und schliefen mit dem Mann und der Frau,
beide 50 Jahre alt, in einem Zimmer. Otto auf einem Bock, ich in einem
schmierigen, mit Wanzen bevölkerten Bette, wo ich natürlich die
ganze Nacht nicht 10 Minuten schlief. Andern Morgens brachen wir recht
früh wieder auf. Das erste was Otto zu mir sagte, war, das ihm sein
Benehmen von Gestern sehr leid thäte, worauf ich ihm natürlich
gleich von Herzen verzieh. Wir ritten über den wilden romantischen
Bärcreek, und kamen gegen 11 Uhr glücklich in Braunfels an. Wir
ritten zuerst zur Mutter, sagten ihr guten Morgen, und dann zu Moureau's.
Als wir dort ankamen standen in dem vorderen Zimmer mehrere Damen, unter
ihnen auch Jettchen, als sie uns sah, ließ sie vor Überraschung
einen Topf mit flüssiger Pomade halb auslaufen, über ihr neues
schönes Gingankleid, und auf den Boden von Alwinen's schönem
Zimmer. Nachmittags ließ ich mich von H. Jwonsky, im Reiteranzug
zeichnen, um Otto ein Bild mit auf die Reise zu geben. Gegen Abend holte
ich Mutter zu Moreau's, wo ich mit Alwine musizirte. Otto begleitete Mutter
wieder nach Hause. Samstags ritten wir nach Seguin, wo wir Abends 9 Uhr
ankamen, Julius und Anna nahmen uns herzlich auf. Sontag gingen wir zu
Zorn's, Montag gegen Abend ritten wir zusammen nach Erskin, wo wir zum
souper blieben. Dienstag Morgen den 12. Mai, trat Otto seine große
Reise in der Stage, mit welcher er bis Indianola fuhr, an. Obgleich wir
uns das Versprechen gegeben, mit lachendem Munde von einander Abschied
zu nehmen, so übermannte uns doch die Wehmuth bei dem Gedanken an
die so lange Trennung. Dienstag Nachmittags ritten Julius und Anna zusammen
spatzieren auf unsern Pferden, während ich ihren liebenswürdigen
kleinen Jungen verwahrte. Mittwoch Morgen begleitete mich R. Voigt bis
New Braunfels, ich ging zur lieben guten Mutter, Nachmittags gingen wir
zusammen zu Hermine, welche sich sehr freute, mich zu sehen, und einen
schönen Rodonkuchen gebacken hatte, John war wie gewöhnlich.
August. 1857.
31. 2 Briefe habe ich nun schon von Otto von Deutschland aus bekommen,
den ersten, in welchem er von seinem Entzücken vaterländischen
Boden wieder zu betreten, un der großen, mit Wehmuth gemischten Freude,
seinen guten Vater wieder zu umarmen, spricht, konnte ich nur mit vielen
Thränen der Freude und der Wehmuth lesen. Auch Tante Hanchen und Mutter,
denen ich den Brief vorlas, waren zu Thränen gerührt. In dem
2ten beschreibt mir mein geliebter Otto, wie seine lieben Verwandten seinen
Geburtstag so schön gefeiert, und sogar meiner mit schönen Geschenken
dabei gedacht haben. (** in demselben war ein sehr lieber Brief meiner
lieben Alwine eingeschlossen, in dem ersten liebe Briefe von Laura Hösterey
und Tante Minchen Tips.) O, wie freue ich mich für meinen guten Mann,
daß er die Freude, alle lieben Verwandten wiedersehen zu können,
so recht genießen kann. Während Otto's Abwesenheit war ich 5
Wochen bei meiner guten Mutter, wo ich mich den 5ten July im Theater und
Ball sehr gut amüsirte. Auch Julius und Anna waren da. Julius kleiner
Sohn, welcher krank war, ist jetzt wieder wohl. Den 26. Juni wurde der
kleine Alfred Staehely geboren. Helene und ich waren für 8 Tage, während
denen Mutter zu Hermine ging, allein. Die kleine Elfriede war auch sehr
krank. Hermine und John entschlossen sich am Ende Wieprecht zu nehmen und
die Kaltwassercur bei dem Kinde anzuwenden. Die letzten 8 Tage, welche
ich in Braunfels zubrachte, hatte ich fast beständig Zahnschmerzen.
Sonst war ich sehr vergnügt bei meiner guten Mutter, und ging täglich
mit ihr und Helene in dem herrlichen Comal baden. Mit Hulda Stuve, Hermine
und Walter musizirte ich tüchtig, auch sangenwir abends bei Mutter
Mendelsohns Quartette. Von den Kindern hörte ich alle Woche durch
Tante Hanchen nur Gutes, auch von Otto und meinem lieben Schwiegervater
erhielt ich Briefe. Als ich 3 Wochen dort war wünschte ich wieder
zurück, es fand sich aber durchaus keine Gelegenheit, auch von Hause
war es Jwonsky nicht möglich einen Wagen zu schicken. Am Ende war
Dt. Köster so gütig uns durch seinen Knecht nach Hause fahren
zu lassen. Zu meiner großen Freude begleiteten Mutter und Helene
mich herauf, wir fuhren Morgens um 4 Uhr von Braunfels, und waren Nachmittags
gegen 4 Uhr schon hier. Seit ich nun wieder hier bin, haben wir viele Unruhe
gehabt. Herr Jwonsky tapezirten unsere Wohnstube welche recht hübsch
geworden ist. Viel Besuch hatten wir in der letzten Zeit. Mr. Anderson,
seine Frau, und Mrs. Stith waren einen ganzen Tag bei uns, wir hatten ein
recht hübsches Diner, sehr gebildete, artige Leute, sie brachten eine
Negerinn mit, welche bei dem Kochen half, und nachher die Geschirre spülte.
Ich schenkte Mrs. Anderson ein Körbchen, einige Feigen und ein Döschen
mit Gelee.. Einige Tage darauf schickte sie ein Stück Fleisch und
ein Dutzend Rosenähren, ich hatte den ganzen Tag Zahnschmerzen. Dann
war Mrs. Robison auf einen ganzen Tag hier. Herr Fischer und Frau kamen
auf einen Sonntag zu uns , und nahmen Tante Hanchen und Mutter abends mit,
welche bis Mittwoch dablieben, wo sie Herr Fischer in seiner Cariage wiederbrachte.
Mein lieber Bruder Eduard war 8 Tage bei uns, wir waren recht vergnügt
zusammen. Herr Jwonsky war zur selben Zeit, als Mutter und Tante bei Fischers
waren auf einige Tage nach Braunfels. Gestern waren die lieben Fergusons,
mit ihrem kleinen Töchterchen Emma, und Frau Pauli, einer recht netten,
gebildeten Frau den ganzen Tag bei uns. Der Tag verlief sehr angenehm und
vergnügt, und wäre für mich noch viel angenehmer gewesen,
hätte ich nicht den ganzen Tag wieder fortwährend an Zahnschmerzen
gelitten. Gegen 10 Uhr kurz bevor Fergusons ankamen, hatten wir ein großes
Malheur. Ich war eben beschäftigt, die letzte Hand an die Stube zu
legen, welche ich gekehrt hatte, als ich Tante auf einmal furchtbar schreien
hörte und ein großes Gezeter in der Küche, ganz erschrocken
lief ich hinein, da lag der brennend Ofen auf einer Seite, 2 gebratene
Hahnen, und ein Reisauflauf vermengten ihre Brühe auf dem Boden, durch
Herrn Jwonsky's Hülfe, wurde der Ofen bald wieder aufgerichten, und
die beiden Hähne noch glücklich gerettet. Tags vorher kamen Goar
und Herr Ferg. um uns den Besuch anzukündigen. Nachdem der Schaden
wieder geheilt, der Schreck hatte jedoch Tante Hanchen Kopfschmerzen gemacht,
kamen Fergusons an, Frau Ferguson gefiel es sehr gut bei uns, besonders
die tapezierte Stube, ich präsentirte ihnen ein Glas Rheinwein und
Macronen. Mittags hatten wir Nudeln,Hahnen, eingemachte Gurken und Schinken,
Reisauflauf mit Weinsauce und eingemachte Pflaumen. Nachdem wir uns sodann
bis 1/2 4 Uhr ausgeruht, machte ich guten Caffee, zu welchem Tante Rosienenkuchen
gebacken hatte. Gegen Abend zeigten wir der Gesellschaft das Badehäuschen,
die Quelle und den Garten. Sie nahmen dann Abschied u. fuhren wieder zu
Goar's, um den nächsten bei Anderson einen Besuch zu machen. Ich bat
sie sehr die Nacht bei uns zu bleiben, welches sie jedoch mit Dank ablehnten.
Unser Badeplatz ist jetzt so niedrig, daß wir nicht mehr da baden
können, welches besonders den Kindern leid thut, welche außerordentlich
gerne baden. Die Guadelupe ist von Schurz bis Baetge, 6 Meilen weit, ganz
trocken. Unsere lieben Kinder sind Gott sei Dank recht gesund, und machen
Tante und mir viele Freude. Ich wünsche sehr, ich könnte dasselbe
auch von mir sagen. Dr. Nohl rät mir, zu Wieprecht nach Braunf. zu
gehen, und die Wassercur zu gebrauchen, (ich schreib ihm wegen meinem Nasenübel
und bat ihn um seinen Rath) wozu ich aber keine Lust habe, auch an Dr.
Kapp habe ich geschrieben, und will nun sehen, was dieser mir räth.
Schon seit 8 Tagen habe ich mich jeden Morgen von Mutter einpacken lassen,
und tüchtig ge- schwitzt, um meine Zahnschmerzen los zu werden, an
welchen ich nun schon 4 Wochen sehr leide, bis jetzt aber ohne Erfolg.
In unserm Garten, von welchem wir uns so viele Freude versprachen, habe
ich trotz aller Mühe auch nicht das Geringste gezogen. Zuerst wurde
alles durch die sehr späten Norder zerstört, und später
ließ die große Dürre nichts mehr aufkommen. Das Geschäft
geht äußerst still, auch Julius schreibt, daß er in Seguin
gar nichts zu thun hat. Bei Seguin, am Zibolo, Martinos und Braunfels ist
keine Spur mehr von Gras, so daß die Leute alle ihr Vieh und Pferde
forttreiben mußten.
Mein guter Otto schickte mir von New Orleans eine Masse getrockneter
Früchte, Pflaumen, Feigen, Datteln, Geleess, Cocosnüsse, Zitronen
und Wein.
An den Pferden hat Otto großen Verlust gehabt, 1 Mähre und
9 Fohlen sind crepiert, und 4 Pferde seit dem Frühjahr fortgelaufen,
können bis jetzt noch nicht wiedergefunden werden.
Tante Hanchen hat sich für 12 $ eine Kuh gekauft, welche wir Fette
getauft haben.
September. 1857.
1. Herr Jwonsky ritt zu Hodges & von der Deeken um Geld einzucassiren,
kam aber ohne Geld zurück. Schon seit 4 Wochen habe ich fortwährend
Zahnschmerzen, 6 mal ließ ich mich von der Mutter Morgens einpacken,
und schwitzte tüchtig, da es aber gegen die Zahnschmerzen nicht half,
und meinen Unterleib schwächte, so gab ich es wieder auf. Titi sagte
eines Morgens zur Mutter, als sie mich einpackte: Großmutter, findst
Du nicht auch, daß die Mutter sehr lieb ist? Der kleine Junge ist
so lieb, und so munter, auch Clara ist sehr gefühlvoll und teilnehmend,
und giebt gewiß einmal eine ausgezeichnete Krankenwärterinn.
2ten. Heute erhielt ich einen liebenswürdigen 12 Seiten langen
Brief von meinem geliebten Otto, einige Zeilen von Schwager Auffermann,
und Herrn Horath, und ein Briefchen von Sophie Mathäi. Otto's Brief
ist sehr liebevoll und zärtlich. Auch von Eduard erhielt ich einen
Brief, Wolle, und sein Daguerotip, welches mir, da es so ähnlich ist,
großes Vergnügen macht. Gestern Abend machte ich gegen meine
Zahnschmerzen auf Anrathen des alten Herrn Jwonsky eine Pferdecur durch,
indem ich ein halbes Glas Brandy in kleinen Schlücken trank, es war
gräßlich, als wenn mein ganzer Mund ver- brennen würde,
aber was thut man nicht in der Verzweiflung wenn man 4 Wochen fortwährend
Zahnschmerzen hat? Es wurde mir dan so schwindlich, daß ich mich
zu Bett legen und 3 mal übergegen mußte, aber die Zahnschmerzen
verloren sich. Wenn sie nur nicht wiederkommen. Otto schrieb an Herrn Jwonsky,
daß er den 15. Sept. wahrscheinlich abreisen würde, wenn doch
der liebe Gott gäbe, daß ich bis er wiederkommt, gesund wäre,
welche Freude für meinen geliebten Mann und für mich selbst.
3) Im vorigen Monat tapezirte ich mit Herrn Jwonsky das Wohnzimmer mit
einer freundlichen blauen Tapete, und Tante Hanchen machte eine neue Gardine
Ich erhielt einen sehr lieben Brief von meiner lieben Alwine und beantwortete
ihn. Auch von Tante Minchen, Laura, Sophie Mathäi und Schwager Auffermann.
4.) Heute erhielt ich Antwort von Dr. Kapp, er räth mir Aufschnupfen
von Wasser, Fußbäder und Sitzbäder zu nehmen. Wieder heftige
Zahnschmerzen.
5) Heute Nachmittag wieder heftige Zahnschmerzen, der junge Kähe
brachte die verlorenen Pferde aus der Martinos, wofür ich ihm 5 $
bezahlte.
Die Free Masons wollen ein Fest feiern, und waren hier, um für
30 $ auf Credit zu kaufen, welches wir ihnen in Gnaden abschlugen.
6) August Jonas half herrn Jwonsky eine der fortgelaufenen Mähren
mit einer aus der Cavallarde zusammen necken. Noch immer Zahnschmerzen.
7.) Heute war Herr Rittberg hier, er besah die Pferde, und hat Lust
sie zu kaufen. Da herr Real nur 35 $ für Mähre und Fohlen fordert,
so meint Herr Jwonsky 25 $ per Kopf sei zu viel, so forderten wir 22 1/2
$ per Kopf. Da die Zahnschmerzen noch immer mit kleinen Unterbrechungen
fortwähren, so werde ich in einer Stunde mit Herrn Jwonsky nach Reszinsky
reiten, und diesen fragen, ob er mir eine Zahnwurzel ausgraben kann.
8.) Herr Rescinsky gab mir Creosot um die Schmerzen fortzubeizen, und
furchtbar bittere Pillen, um sie in den Zahn zu stecken, nebst Gutta Percha,
um die Zähne zu füllen. Es scheint, daß sich die Schmerzen
verlieren, nachdem mir der Mund von dem scharfen Zeug so zerbissen ist,
daß mir immer Stücke Haut herausfallen. In Frau R. fand ich
eine recht artige, gebildete Frau, die Jette Deutsch hatte mich bei ihr
verleumdet, weßhalb sie noch nicht zu uns gekommen war.
10ten) Vorige Woche sagte mir Frau Lang, daß Cibo den Deed von
unserm Land fertig liegen hätte. Otto schrieb auch gerade deshalb
an Herrn Jwonsky. Jwonsky schrieb nun gleich an Cibo, er möge doch
den Deed schicken, weil Langs hier fort zögen, und es später
viel Umstände machen würde, ihn von Frau Lang unterschreiben
zu lassen. Cibo hat weder geantwortet, noch den Deed geschickt, und Morgen
reisen Langs ab.
Brief von Eduard, wobei er mir sein Daguerotip schenkt, er schreibt
mir, daß er sein Stellmacher-Geschäft aufgiebt, eine Zeitlang
zu Julius geht, um das kaufmännische Geschäft zu erlernen, und
dann in Austin eine Grocerie anfangen will.
Heute Morgen ließ ich mich von Herrn Jwonsky wiegen, und wog nur
91 Pfd., also seit Otto fort ist, habe ich wieder 6 Pfd. verloren. Mein
Magen ist noch immer nicht in Ordnung, sondern immer voll Galle. Gemüse
und Obst, meine besten Nahrungsmittel fehlen ganz.
13. Mit dem bittern Geschmack Morgens im Munde hat es sich seit einigen
Tagen gebessert, auch die Zunge ist weniger gelb belegt. In vergangener
Nacht hatten wir ein so starkes Gewitter, daß Heute Morgen der Blanco
überall stark fließt, und wir nun schönes Gras für
das Vieh und Pferde diesen Winter haben werden. Letzte Nacht träumte
ich Otto sei zurückgekommen, er sei ein alter Mann geworden mit schneeweißem
Bart.
15.) Gestern empfing ich einen köstlichen, zärtlichen Brief
von meinem geliebten Männchen, o, wie sehne ich mich, ihn wiederzusehen,
wäre er doch schon glücklich hier. In unserm Garten sind weiße
Rüben, Salat, rothe Rüben Squashes, und Möhren grün.
Helenchen hat sich indem sie Gestern mit bloßen Füßen
im Blanco lief, erkältet, und liegt zu Bette. Ich träumte wieder
die ganze Nacht von Otto.
Mittwoch den 16.) Die arme Tante Hanchen hatte Gestern Abend ein großes
Unglück. Sie stolperte in der Dunkelheit in der Küche über
den Holzkessel, dieser fiel gegen den Ofen, der Ofen fiel um, und Tante
mit der rechten Hand mit ihrem ganzen Gewicht auf den Ofen. Ihre Hand ist
furchtbar verbrannt, die ganze Hand voll Blasen.
18) Vorgestern Abend hatten wir einen furchtbaren Sturm. In der Kälberpenne
wurde ein großer Baum davon umgestürzt, das Apartement wurde
ganz umgedreht, und auf den Kopf gestellt, und das Dach auf dem Store und
Lager beinahe abgeworfen. Mehrere Logs waren ganz nach Norden verschoben,
und es ist ein Wunder, daß nicht das ganze Dach abflog. Dan. &
Ben Georg halfen Herrn Jwonsky, mit einer dicken eisernen Stange die Logs
wieder zurückzuschieben. Seit 3 Nächten und 2 Tagen leide ich
wieder furchtbar an Zahnschmerzen. Alles mögliche habe ich dagegen
gebraucht, scharfe Tropfen, so daß mir die Haut vom Zahnfleisch stückweise
aus dem Mund fällt, Sitzbä- der, Fußbäder, kalte und
heiße Umschläge auf den Kopf, kaltes und warmes Wasser in den
Mund alles vergebens. Ich bin ganz muthlos, und denke manchmal der Tod
sei besser, wie ein solches Leben. Ein großes Glück, das die
gute Mutter hier ist, sie thut jetzt die Arbeit für Tante, welche
ihrer verbrannten Hand wegen, nicht viel thun kann, und für mich.
Mein Kopf schmerzt mich so, daß ich auf keiner Seite liegen kann.
Clara und Theodor sind sehr wohl auch Helene ist wieder besser.
Mr. Anderson, welcher Vorgestern hier aß, hat uns Hoffnung gemacht,
unsere Häuser und Pferde zu kaufen.
19.) Heute war viel Spectakel unten im Store, Anderson war auch dabei,
er ritt gegen Abend ganz betrunken fort. Sie wetteten im Scheibenschießen
und Pferderennen. Mutter, welche sich bei dem Baden erkältete, hatte
den ganzen Tag furchtbare Kopfschmerzen. Tante Hanchens Hand ist etwas
besser. Meine Zahnschmerzen haben sich auch sehr gebessert, so daß
ich wenigstens Nachts schlafen kann. Freitag waren sie mehreremale so schlimm,
daß ich wie toll herumlaufen und laut schluchzen mußte.
Jwonsky gefällt mir nicht mehr, er ist gräßlich unordentlich,
und ich werde Otto sehr abrathen, ihn wenn wir nach Seguin ziehen sollten,
als Clerk zu engagieren. In seinem letzten Briefe schreibt Otto: "im Falle
ich diesen Winter in Deutschland bliebe, so hätte ich hier Arbeit
genug" etc. Im ersten Augenblick wurde mir vor Schrecken fast ohnmächtig,
der Gedanke, noch so lange von meinem geliebten Gatten getrennt sein zu
müssen ist zu schrecklich, doch ich tröste mich mit dem Gedanken,
daß das nur eine augenblickliche Idee war, und zwar eine sehr unglückliche,
welche mein geliebtes Männchen nicht zur Ausführung bringen wird.
Merkwürdiger Weise hat Julius denselben Gedanken, er schreibt: "Wenn
ich an Otto's Stelle wäre, bliebe ich den Winter in Deutschland"!
Ja, wenn wir hier oben alles verkaufen und diesen Winter in Braunfels
zubringen könnten, und Otto mir im Frühjahr schrieb: Folge mir!
- ja dann, dann wäre es etwas anderes! Otto spricht immer davon, wieder
nach Seguin zu ziehen, wovor ich einen geheimen Schauder habe. 1) weil
wir in dem unglücklichen Hause, wo es von Ameisen wimmelt, unsere
zwei so geliebten Kinder verloren haben, und dann wegen der schlechten
Race Deutsche und Amerikaner, welche da wohnen.
Sonntag den 20. Heute Mittag, als wir eben bei Tische saßen, kam
der junge Dittmar, auf einer Reise nach Friedrichsburg begriffen, bei uns
an, wir waren eben im Begriff ein sehr kleines Portiönchen Kohl aus
unserm Garten und Hirschbraten nebst getrockneten Pflaumen und Äpfeln
zu verzehren. Obgleich ich ihn mehrmals zum Essen einlud, dankte er, indem
er schon von mitgenommenem Vorrath sein Mittagsmahl gehalten. Er erzählte
mir unter anderm, daß Andro Erskine, welcher in letzter Zeit viel
getrunken hätte, habe mit einem andern Amerikaner Streit bekommen,
in Folge dessen er einen Knöchel am Bein gebrochen, so daß er
wahrscheinlich Zeitlebens auf Krücken gehen müsse.
Jwonsky ist heute ausgeritten, um Mr. Anderson 12 Schafe wieder zuzutreiben,
welche diesem fortgelaufen, und welche Jwonsky gesehen hat.
21. Wieder eine ganze Nacht schlaflos und furchtbar von Zahnschmerzen
zugebracht. O Gott,was habe ich doch gethan, daß ich so leiden muß.
22. Gestern Nachmittag sammelten wir ein Eimerchen voll Cactusbirnen,
machten einen hübschen Spatziergang und die Kinder pflückten
ein hübsches Bouqetchen, mit meinen Zahnschmerzen geht es etwas besser.
Heute Abend ein heftiges Gewitter.
22. Heute haben wir schon den ersten Norder, es ist zwar nicht so kalt,
daß wir Feuer im Camin machen müssen, wenn es aber so fort geht,
wird wohl das bischen Gemüse im Garten erfrieren, ehe es so groß
ist, daß wir es essen können.
Von John erhielt ich einen Brief, Rathschläge in Betreff der Wasserkur
enthaltend.
Den 28ten an unserm 7ten Hochzeitstage, kam Abends 6 Uhr John in seinem
Wagen und brachte Hermine mit dem kleinen Alfred und Eugenie. Hermine weinte
vor Freude als sie uns sah, (wir waren ihnen bis Georg entgegen gegangen,)
woran ich doch sahe, daß sie ein gefühlvolles Herz hat. Sie
will 4 Wochen bei mir bleiben, zu meiner großen Freude. Mutter und
Helene, welche 2 Monate bei uns waren, fuhren andern Morgens wieder mit
John nach Braunfels. Ich schenkte Mutter zum Andenken an ihren Aufenthalt
hier, ein paar schöne starke Schuhe. Anderson hat Gestern die Nachricht
bekommen, daß Mc.Kulloch nun nicht mehr mouven will, also wird er
leider auch unsere Häuser nicht kaufen.
Ben Georg wird Morgen Mihs Marie Duces heirathen.
Tante Hanchens Hand ist nur durch Wasseraufschläge in 14 Tagen
vollständig geheilt.
Oktober. 1857
1) Heute Abend war ich im Garten beschäftigt, ein Beet für
Rüben abzustecken und Salat zu säen, als ich am Store "Halloh"
rufen hörte, ich sagte Clara, sie möchte mir die Storeschlüssel
holen, wie wurde ich aber über- rascht, als Julius und Anna mit Gustävchen
in einem Einspänner am Thor standen. Es ist nur unangenehm, daß
sie mit Hermine gespannt sind. Gustävchen ist sehr mager und kränklich
4) Gestern Morgen fuhren Anna und Julius zu Fischers, ich begleitete
sie auf meinem Bill. Den 5ten Sonntag Morgen traten wir, nachdem wir von
Fischers sehr freundlich aufgenommen worden waren, den Rückweg an.
Ich ritt etwas vor, und sah Julius eine Strecke hinter mir fahren, als
ich eine Meile geritten war, sah ich nichts mehr von dem Wagen, und ritt
nun bis jenseits der Crossing ungefähr 7 Meilen ganz al- lein. Als
sie mich endlich einholten sagte mir Julius, daß sie sich verfahren
hätten, und an Fischers Feld wieder heraus gekommen seien. Ich sah
3 Hirsche, welche mich neugierig ansahen, und ruhig vorbei reiten ließen.
3 Meilen vom Hause tauschte ich mit Anna, weil sie zu reiten wünschte.
Kaum saß ich im Buggy, als ein schwerer Platzregen auf uns hernieder
rauschte, ich wünschte mir Glück zu dem Tausch, denn ich war
durch einen Schirm etwas geschützt, wogegen Anna recht naß wurde.
Den 8. fuhren Julius und Anna über Fischers nach Braunfels und
Seguin zurück.
Den 15.) Heute Nachmittag ritt ich mit Hermine zu Frau Goar, um eine
Condolenz-Visite zu machen. Mr. Goar starb vor 8 Tagen, und konnte ich
seiner Beerdigung nicht beiwohnen, da Herr Jwonsky mein Pferd nicht finden
konnte. Frau Goar war Anfangs sehr piciert deßhalb, wurde aber nachdem
ich mich entschuldigt, freundlicher. Wir hatten einen wunderhübschen
Ritt, ein klarer schöner Herbsttag; Theodor hatte sich eine tüchtige
Beule gefallen, als wir wieder nach Hause kamen. Eine Tochter von Dr. Mc.Kinney
ist vom Pferde gestürzt, und geschleift worden, so daß sie daran
gestorben ist.
Den 17. war ich mit Herr Jwonsky auf einem großen Meeting am großen
Blanco. Pfarr und Milford Day luden mich zum Diner ein. Abends vorher war
groß Exitement da gewesen. Boose der Sheriff wollte Pfarr verhaften,
mit Hülfe der Brüder Blasingham, worauf sich Pfarr wehrte, und
eine Schießerei stattfand, wobei der eine Blasingham verwundet wurde.
Heute holte John Hermine und ihre Kinder wieder. Er war so freundlich
mir 100 Pfd. Flour, und Gemüse von der Jettchen mitzubringen. Hermine
und auch ich waren sehr gerührt bei dem Abschied, un die 4 Wochen,
welche sie bei mir war, sind sehr angenehm und schnell vergangen.
Zwischen hier und Curreyscreek sind 5 mit Pfeilen getödtete, und
zum Theil verzehrte Pferde gefunden worden, welche Sparks gehörten,
wahrscheinlich von Indianern. Hier aus der Umgegend sind 15-20 Mann zur
Verfolgung aufgebrochen.
Aus unserm Garten machten wir vorige Woche einen Topf voll Stielmus
ein.
December. 1857.
Den heiligen Weihnachtsabend hatten wir ein recht nettes Christbäumchen.
Die Kinder waren außer sich vor Freude, denn sie hatten gar nichts
gemerkt. Sie bekamen beide von der Großmutter 1 $ von der Tante einige
Kleinigkeiten, ich bekam eine gewebte Unterjacke und ein hübsches
Spitzchen in ein Kleid zu reihen. Von Jwonsky bekamen die Kinder eine Pistole,
Fische, und Steuberchen. Von mir einen Baukasten und Blechgeschirr, Messerchen
und Pfeifchen etc. Jw. bekam ein Kist- chen Cigarren und ein seidenes Halstuch
von mir, Tante, ein Cattunkleid, 2 Schürzen, 2 Dutzend Envelopps und
ein seidenes Tüchelchen.
Obgleich ich mich über der Kinder Freude herzlich freute, so fehlte
mir doch mein guter Mann sehr, wie freute er sich das vorige Jahr an der
algemeinen Freude! Wann werde ich ihn wieder besitzen?
Von Mr. Robison haben wir die Lieferungen an die ranger übernommen,
gegen 200 $ Vergütung. Dies giebt wieder sehr viel Troubel und Unruhe.
Die ranger stehen am head vom Blanco.
Januar 1858.
Den 26ten. Mein Geburtstag, Tante Hanchen überraschte mich mit
einem Königskuchen schönem Krägelchen und Un- terärmeln.
Auch die lieben Kinder gratulirten mir, und freuten sich, daß ich
meinen Geburtstag hatte. Heute Nachmittag machten wir einen schönen
Spatziergang bei herrlichem Wetter 15 Grad Wärme, und die Kinder fanden
sogar in der Fenz einige hübsche Blümchen. Bis jetzt hatten wir
einen sehr gelinden Winter, aber sehr viel Regen. Wenn nur mein guter Otto
hier wäre, so wäre meine Freude vollständig gewesen. Clärchen
hat bei H. Jwonsky buchstabieren gelernt, und fährt jetzt unter meiner
Anleitung fort, auch im Schreiben und stricken unterrichte ich sie. Sie
lernt außerordentlich schnell und leicht. Titi Hermann ist ein lieber
Junge, er wächst jetzt tüchtich und ist aller Liebling.
Februar 1858.
Am Mittwoch, den 24. erhielt ich von Julius die frohe Nachricht von
Otto's glücklicher Landung in New York. Das war eine frohe Überraschung,
denn Otto hatte mir geschrieben, er würde im März abreisen, der
gute Mann, er wollte mir die Sorge um seine zu einer so gefährlichen
Jahreszeit unternommenen Reise ersparen. Vor 2 Wochen noch kam ein Brief
an, in welchem mir Otto sein Portrait (Photographie) schickte, und vorige
Woche kam auch endlich das längst ersehnte Köfferchen mit Geschenken
von Deutschland an. Das mir Liebste von Allem Otto's und Sophiens Bild,
war leider in viele Stücke zerbrochen. Herr Rescinsky wird es mir
jedoch in etwa wieder herstellen. Das Auspacken der schönen Sachen
machte mir, Tante und den Kindern vieles Vergnügen. Clara bekam eine
sehr schöne Puppe, und beide bekamen eine Menge schöner Bilder
und Geschichtenbücher und ein Blumenspiel. Ich bekam ein schönes
Stück Leinen zu Hemden für mich, getrocknete Salatbohnen, Pflanzbohnen,
Waldbeeren, Haarschleife, Krägelchen, Broche und ein gutes Andachtsbuch
von dem lieben Papa. Auch hatte mein gutes Männchen, wohlwissend,
wie gerne ich sie esse, einige Birnenschnitzeln mit eingepackt. Der Sammt
zu Jacken für Mutter und mich ist sehr zerdrückt. Nun werden
wir uns ja so Gott will, in wenig Tagen, endlich nach so langer Trennung
wiederhaben. Wie freue ich mich auf's Wiedersehn, und werde ich mir täglich
von nun an alle Mühe geben, meinem guten geliebten Otto das Leben
zu versüßen, er verdient es ja so ganz und leibt mich ja so
von ganzem Herzen, wie ich ihn. Es ist sehr gut, daß er schon jetzt,
anstatt erst April oder May zurückkommt, da es vielleicht durch seine
Vermittlung gelingt, den Countyseat hierherzubringen.
Den 28sten. Heute haben wir wieder einen ziemlich kalten Norder, nachdem
wir mehrere Tage sehr heiß hatten 20-22-24 Grad Reaumur. Der liebe
Gott gebe nur, daß wir in diesem Jahr mehr Regen haben, daß
die Leute eine Erndte machen können, sonst giebts eine Hungersnoth.
Eduard könnte gute Geschäfte machen, aber es mangelt ihm an Waaren,
die Fracht ist von 4 $ auf 3 1/2 $ per 100 Pfd. herunter gegangen. Walter
hat eine Stelle bei Dewine in San Antonio, wo er jedoch nichts verdient.
Gustav, der arme Schelm, hatte einen Fieberanfall und ist wieder ohne Stelle.
Ich habe ihm angeboten, so lange zu uns zu kommen, bis sich etwas anderes
für ihn fände, er will sich aber erst noch in Austin bemühen.
Moureaus haben in die- sem Monat das 4te Mädchen bekommen, Franz hätte
lieber einen Knaben gehabt, ich habe ihn damit vertröstet, daß
ja aufgeschoben , nicht aufgehoben sei. Unsere liebe Mutter hat zuweilen
Schwindel und heftige Kopfschmerzen, welches gewiß von ihrem alten
Übel, der Verstopfung herrührt. Ich gebrauche jetzt Herrn Reszinsky,
und scheint es mir fast, daß mir seine Medicinen und Vorschriften
sehr gut bekommen. Die Kinder sind recht gesund, Gott erhalte sie dabei!
Clara lernt sehr leicht, sie hat vorige Woche ihren ersten Brief an die
Großmutter geschrieben.
März. 1858.
Sonntag, den 6. Noch keine weitere Nachricht von meinem geliebten Otto,
wenn ihm nur auf seiner Reise von New York bis hierhin kein Unglück
aufstößt. Diese Woche hoffe ich Nachricht zu bekommen, daß
er in Seguin ist. Ich werde dann wenn Herr Fischer selbst nicht Lust hat,
mich herunter zu fahren, mich von H. Jonas herunter begleiten lassen und
selbst fahren. Seit einem Jahr habe ich einen rothen Ausschlag im Gesicht,
welcher sehr häßlich ist, aber keine Schmerzen macht. Mein Bill
ist seit 3 Monaten verloren, und bin ich bange, dieses gute, schöne
Pferd nicht wieder zu bekommen.
März 1859.
Ein ganzes Jahr ist vergangen, und wieder viele Veränderungen vorgekommen.
Anfang April 1858 kam mein lieber Otto von seiner langen Reise gesund und
wohl zurück. Ich reiste ihm bis Seguin entgegen, wo wir noch einige
Tage blieben, und dann über Braunfels und Fischers nach Twinsisters
fuhren. Wir brachen unterwegs etwas am Wagen und Otto war sehr unglücklich
über die hiesigen schlechten Verhältnisse.
Im Juni brachte mich Otto nach Braunfels zur Mutter wo ich drei Wochen
blieb und mit gutem Erfolge die Wassercur brauchte. Anfang August. Anfang
August ging Tante Hanchen fort, sie hatte Streitigkeiten mit Otto, betrug
sich sehr unartig etc. so daß wir im Grunde froh waren, als sie fort
war. Hermine war so gütig die Kinder 4 Wochen zu sich zu nehmen, damit
ich die Cur vollenden konnte. Im August fuhr ich mit Otto nach San Antonio,
wo wir 3 Tage bei Riottes logierten, und uns recht an den köstlichen
Pfirsichen tractirten (?).
Otto war 4 Wochen ganz allein in Twinsisters, wo er eine recht betrübte
Zeit hatte, da ihm nur die alte schmierige Frau Magers dann und wann etwas
kochte. Als ich wieder herauf kam, war ich 4 Wochen ohne Magd, dann miethete
Otto die "Georgia" von Robi- son, wovon ich aber mehr Ärger wie Hülfe
hatte. Anfangs Novembr. zogen wir wieder nach Seguin, nachdem sich Otto
sehr viele Mühe gegeben hatte die Häuser zu verkaufen, gelang
es ihm endlich mit Stuart einen Handel zu machen: nämlich die Hälfte
des Landes und der Häuser gegen die Hälfte eines Hauses in Lavacca.
Den 5. Nov. 58. dem Todestage meines guten Schwiegervaters, zogen wir von
oben fort, wir fuhren in unserm schwerbepacten Buggy, die Möbel waren
Tags vorher auf 3 Ochsenwagen abgegangen, die Georgia ritt auf meinem Bill
hinterher. Bei Scherz an der Guadelupe ging John mit dem Buggy durch und
brach es ganz entzwei, wodurch wir genöthigt waren die Nacht bei Scherz
zu bleiben. Außer uns waren noch zwei Familien da, so daß wir
im Ganzen zu 19 Personen da waren, alle in einem Zimmer. Das Buggy wurde
nothdürftig so weit gefixt, daß wir andern Morgens weiter fahren
konnten. In Braunfels bliebenwir noch einige Tage bei Hermine und mußten
dann in Seguin noch 2 Tage auf unsere Möbel warten. Weihnachten feierten
wir recht vergnügt zusammen, Sonntags den 2ten waren Tips und Dittmars
bei uns zum Essen. Den 9ten Januar wurde unser kleiner Eugen geboren, Morgens
um 1/2 12 Uhr, 14 Tage früher, wie ich ihn erwartete.
July 1860
6. Otto ritt Gestern Morgen in der Dämmerung nach Braunfels und
von dort nach Twinsisters, um die Pferde zu brennen, welche sich jetzt
mit den Fohlen schon auf 100 Stück belaufen. Nachts um 1 Uhr wurde
ich wach und weckte Otto, es war ihm aber noch zu früh als ich später
gegen 5 Uhr wach wurde war sein Bett leer, und er war abgereist ohne daß
ich es gemerkt hatte. John ist nach New York abgereist, Herr und Frau Zorn
kamen kürzlich von New Orleans zurück, sie hatten eine lange
Vergnügungstour gemacht bis New York. Auch Julius war in New Orleans.
Mutter ist nach Austin, um Olga in ihrem 1sten Wochenbette beizustehen.
Mit Anna Pelzer habe ich schon seit Weihnachten definitiv gebrochen, wobei
ich mich sehr wohl befinde, und von ihren Ungezogenheiten nicht mehr zu
leiden habe. Mitte May ging ich 3 Wochen zu Hermine, wo ich auch Ende May
das Sängerfest mitmachte. Schon seit dem Frühjahr bin ich fortwährend
unwohl, und trinke Mineralwaßer von Louis verordnet. Otto litt im
vorigen Winter sehr an Rheumatismus, welcher sich Gott sei Dank fast ganz
verloren hat. Ganz wohl ist er auch nicht, woran zum Theil auch wohl die
furchtbare Hitze in diesem Sommer Schuld ist. Heute den 6 July haben wir
Nachmittags um 5 Uhr 34 Grad Reomeur im Schatten. Clara und Herman welche
bei Mihs Mahoina Sanders in die Schule gehn, jetzt aber 2 Monate Fe- rien
haben, können schon nett englisch lesen und Schreiben, besonders Clara.
Eugen bekommt die Augenzähne, aus dem elenden, schwächlichen
Kindchen ist ein gesunder hübscher Junge geworden, welcher uns viele
Freude macht. Er spricht noch sehr wenig Mama, Papa, Hama und Claka, Attette
und Wasa ist fast alles, was er sagt. Seine liebste Beschäftigung
ist hinter den Hühnern zu jagen und mit dem kleinen Jungen von Flora,
"Little" herum zu schlappen. Anstatt der Mulattin Betsy, welche ich im
vorigen Jahre hatte, welche im Juni ein Kind bekam, in welcher Zeit ich
die Frl. Böhme's leider 2 Monate hier hatte, habe ich mich die ersten
6 Monate mit der unordentlichen Annette Moos geärgert und geplagt,
und habe jetzt ein Negermädchen "Lisa" sp. Leise, von Dr. Fennel.
Im vorigen Sommer Pfingsten, wurden Herman und Eugen getauft, wozu Herr
Krochmann Hermine und Mutter eingeladen waren, John blieb aus, Frau Zorn
war auch dabei gegenwärtig. Vorgestern waren wir mit allen Kindern
und Lisa im Guadelup bottom zum Babecue.
Ende.
(Auf dem letzten Blatt ist notiert:)
Den 30 Juli 1854 wog Otto 145 Pfd. Elise 102 Pfd. Clärchen 27 Pfd.
Theodor 21 Pfd. Anna 11 Pfd. |